Einzelbild herunterladen
 

hersfelöer Tageblatt hersfel-er Kreisblatt" Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

Nr. 179 Dienstag, Sen 3. August 1926 76. Jahrgang

Per Bezugspreis beträgt durdt die Post bezogen monatlich 1. W., aussdu'ie&I. Bestellgeld, für Bersleid 1. !->k. bei freier Zustellung, Abholer .80 (I)k. * Druck und Verlag von budmig Funks Svdidrurkerei in Bersfeld, (DItgMed des VDZV.

Anzeigenpreis für die elnlpahige Petitzoile t5 Pfg. die RsMamezelle 50 Pfg. (Grundschrift Korpus). Bei Wiederholungen Dach Iah. + Für die Schrlft- lettung »erantmörilicb Franz Funk in Bersfeld, Fernsprecher Dr. 8

Mltze ms Pri«

UleM auf den spamschen SMor

Primo de Rivera unverletzt.

In Barcelon a ist aus General Primo de Rivera kurz vor seiner Abfahrt nach Madrid ein Attentat verübt morden. General Primo de Rivera ist unverletzt ge­blieben und inzwischen in Madrid eingetroffen, über den Vorgang veröffentlichtHavas" folgenden Bericht: Als sich General Primo de Rivera im geschlossenen Automobil auf dem Wege zum Bahnhof befand, um nach Madrid zu fahrey, schleuderte ein in der Nähe stehender Mann einen Dolch gegen den Wagen des Ministerpräsidenten, ohne ihn jedoch zu treffen. General Primo de Rivera verließ satten Wagen einen Augenblick und betrachtete den Dolch einige Zeit, um alsdann seine Fahrt zum Bahnhof sort- zusetzen, wo er von der Menge begrüßt wurde.

Der Angreifer, der von dem hinter dem Wagen des Ministerpräsidenten fahrenden Polizeiauto überfahren worden war und dabei einen Beinbruch erlitten hatte, wurde sofort verhaftet. Es handelt sich um den 34 Jahre alten und in der Nähe von Barcelona behei- mateten Tagelöhner Domingo Masacho Torrent, der be­reits wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt vor­bestraft ist. Aus dem Verhör scheint hervorzugehen, daß der Täter A n a r ch i st ist.

VrrMSnW gegen MfiW Lallt».

Der K ir ch e n k o n fl i k t in Mexiko.

In Msxiks-Siadt ist ein Komplott gegen den Prüsi- dentsn Calles entdeckt worden. Sieben Frauen und zwei Männer wurden verhaftet; sämtliche Berhafteteu sind städtische Beamte. Das Haupt der Verschwörung ist eine junge Stenotypistin namens Dolores Lemus. Die Regierung bewahrt Stillschweigen. Es ist MzuntzWeu, daß das Komplott im Zusammenbau t mit den Kultur-

GW« Mexiko zufolge kam es aus Anlaß des Jnkrast- treteuS der neuen Gesetze zu ernsten Zusammenstößen. An fünf Plätzen ereigneten sich größere Ausschreitungen. Die Zahl der Toten wird auf sechs, die der Schwerverletzten geschätzt. Hunderte von Verhaftungen wurden vorgenovttnen. Unter den Festgenommenen befinden sich auch viele Frauen. So wurden vierzig junge Frauen aus wohlhabenden Familien unter der Beschuldigung, Propaganda gegen die Politik der Regierung getrieben zu. haben, verhaftet. Nach Meldungen aus Pachura sind .bei den letzten Gottesdiensten sechs Frauen und sechs Kinder in den ungeheuren Menschenmengen, die sich in die Kirchen drängten, erstickt und erdrückt worden.

WaMnWllffanösangeboi der

mexikanischen Geistlichkeit.

Aus bischöflichen Kreisen Mexikos istAssociated Preß" eine Erklärung zugegangen, in der es heißt, man sei bereit, mit der Regierung eine Art Waffenstillstand zu vereinbaren, bis das Volk die Möglichkeit gehabt habe, in einer Volksabstimmung seine Meinung zu dem Kirchen- streit abzugeben.

In der Erklärung heißt es weiter, verschiedene Diplo­maten des lateinischen Amerikas und verschiedene hohe Regierungsbeamte hätten ihre guten Dienste zur Vermitt- lung angeboten. Der augenblickliche Kircheustreit sei ein unnötiger Kampf, denn er würde ohne weiteres beigelegt sein in dem Augenblick, in dem die Regierung

Werufung der Französischen

Aationalversmnmlmg.

Zur Errichtung der Tilgungskasse.

Der französische Ministerrat, der unter dem Vorsitz des Präsidenten D o u m c r g u c zusammentrat, hat be­schlossen, die Nationalversammlung zur Genehmigung der Errichtung einer autonomen Tilgungskasse einzuberufen.

Um diese Kasse, die ausschließlich der Stützung der Bons der Nationalen Verteidigung und der kurzfristigen Schatzwechsel dienen soll und der auch die Verwertung des zum gemischt-wirtschaftlichen Betriebe umzuwandeln- den Tabak Monopols angegliedert werden soll, mit den größtmöglichen Sicherheiten auszustatten, will man ihr Statut in einem Verfassungsgesetz verankern, das der Verabschiedung durch die Nationalver­sammlung bedarf. Für die Beratung der Vorlage in Kammer und Senat wird Poincaro, ebenso wie er es für die Steuergesetze getan hat, die Dringlichkeit verlangen. In der amtlichen Mitteilung über die bevorstehende Em- berusung der Nationalversammlung heißt es, daß der Ministerrat den Gesetzentwurf gebilligt habe, während es sonst zu heißen pflegt, der Gesetzentwurf sei einstimmig vom Ministerrat angenommen worden. Das läßt darauf schließen, daß einige Kabinettsmitglieder gegen die -oor- lage und die Einberufung der Nationalversammlung ge­wesen sind.

Se Wen 116 Mes dem Volk Freiheit in reugösen Fragen und andere von der Verfassung gewährleisteten Rechte einräume. Vom wirtschaftlichen Standpunkt aus sei der Kampf verderb­lich, da der von katholischen Kreisen geplante Boykott wahrscheinlich effektiv sein würde. Weiterhin wird die Forderung aufgestellt, daß während des vorgeschlagenen Waffenstillstandes die Durchführung der neuen Regie­rungsverfügungen in kirchlichen Fragen und die antireli­giösen Verfolgungen eingestellt werden.

Robuste Mittel.

Man ficht jetzt politische Meinungsverschiedenheiten mit etwas robusteren Mitteln aus als früher. Nicht etwa, daß Attentate gerade in südlicheren oder tropischen Län­dern etwas Seltenes sind schneller kracht dort der Rr" volver, fliegt die Bombe, blitzt der Dolch auf, aber auch wir kühleren Nordländer haben schon viel zu viel von dieser Art innerpolitischen Auseinandersetzungen über­nommen. Daß dem spanischen Diktator Primo d e Rivera nicht schon längst etwaspassiert ist, erscheint geradezu merkwürdig, da der König Alsons XIII. wohl derjenige Herrscher ist, auf den die meisten Attentate ver­übt worden sind. An feinem Hochzeitstage trug er seine junge Gemahlin im Brautkleid hinweg über die Blutlachen der Opser eines Attentats; bisher ist er immer entronnen. Primo de Rivera scheint ein ähnliches Glück zu haben.

Auch auf den mexikanischen Staatspräsidenten C a l l e s soll ein Attentat verübt worden sein. An und für sich ist das für Mexiko nichts Auffallendes; das gehört dort sozusagen zumLebens"bedarf des Präsidenten. Denn es hat wohl kaum einen einzigen mexikanischen Präsidenten gegeben auch Porfirio Diaz nicht, trotz seiner großen Verdienste um Mexiko, der das Ende seiner Präsidentschaft in ganz normaler Weise erlebt hätte. Attentate, Revolutionen und dergleichen fallen in Süd- und Mittelamerika scann nM:-tM MM bat UUU> ü b- x u r rn m p f rn Mexiko sämtliche Geistliche dürfen nicht mehr ihres Amtes walten, die Kirchen sind ge­schlossen, ein Trennungsgesetz zwischen Staat und Kirche nach französischem Muster soll durchgeführt werden die Leidenschaften aufs höchste entfesselt; es hat Tote gegeben, viele Verwundete; schroff stehen die Parteien gegen­einander. Da ist dann der günstige Boden für Attentate gegeben, wie wir es ja auch im Kullmann-Attentat gegen Msmarck 1875 erlebt haben. Die Leidenschaften partei­politischer und konfessioneller Art sind dann derart auf­gepeitscht, daß bei den heißblütigen Südländern die Hand gar schnell zur Pistole fährt.

Man muß sich allerdings dabei auch vor Augen halten, daß diese Attentate häufig recht mysteriösen Ursprungs, daß sie bisweilengestellt" sind, um poli­tische Wirkungen auszuüben. Auch hierüber lassen sich in der Geschichte gerade jener Länder recht merkwürdige Bei­spiele aufweisen. Man sorgt dann dafür, daß ein solches Attentat" nicht zur Ausführung kommt oder höchstens so, daß es weiter keinen Schaden anrichtet. Freilich ist das dann ein sehr gefährliches Spiel, weil es die schon zur Siedehitze gestiegenen Parteileidenschaften zum überkochen bringt. Wir Deutsche, die nicht vergessen haben und nicht vergessen wollen, daß Mexiko uns im Weltkrieg die Neutralität wahrte und daß nach dem Kriege dort Scharen von Auswanderern eine neue Heimat fan­den, halten uns jeder Stellungnahme zu diesen innerpoli- tischen Streitigkeiten fern, haben vielmehr nur den einen Wunsch nach einer baldmöglichen inneren BeHedung dieses Landes, das auf eine Geschichte unabsehbarer Wirr­nisse und Kämpfe zurückblickt.

Tagung der Veulschea MndHorst-Vönde

Entschließungen für Reichsbanner und Reichsflagge.

In S o e st i. W. fand die 6. Reichstagung der Deutschen W i n d t h o r st - B ü n d e statt. Unter den Beschlüssen, die gefaßt wurden, betraf einer die Beteili­gung der Mitglieder der Windthorst-Bünde am Reichs- b a n n e r S ch w a r z - R o t - G o l d. Es heißt in diesem Beschluß, daß eine starke Vertretung der Zentrumspartei innerhalb des Reichsbanners dringend notwendig sei. Der Parteivorstand wurde ersucht, die Frage der poli­tische« Kampfverbände, ihren gegenwärtigen Charakter und ihre Zielrichtungen einer Durchprüfung zum Zweck einer in allen Landesteilen einheitlichen Stellungnahme zu unterziehen. Eine Entschließung zur Flaggen- frage lautet:Wir erwarten von der Zentrumspartei und Zentrumsfraktion, daß sie die in der Reichsversassung festgelegten Farben schützen, sichern und ihnen zur allge­meinen Geltung verhelfen wird."

Die Schlußreden auf der Reichstagung hielten der preußische Wohlfahrtsminister Hirtsiefer und Reichs- tagsabgeordneter I o o s. Begrüßungstelegramme hatten u. a. der Reichskanzler Marx, der frühere Reichskanzler Dr. Wirth und der Vorstand des Reichsbanners gesandt.

>M

Füns Tote? mehrere Verletzte.

Die Flugveranstaltungen des Luftsahrverbavdes für Württemberg, die eine große Menschenmenge aus Stadt und Land auf das Gelände des VsR.-Platzes in Hei­de n h e i m und zu beiden Seiten der Steinheimer Straße geführt hatte, endete kurz nach Beginn der Veranstaltung mit einem furchtba ren Unglück. Bei den Staffel- flügen kam das Heinkel-FlugzeugD. 722" mit dem Jungflieger Drechsler beim Landen zu kurz an den Platz. Der Versuch, erneut durch Antrieb des Motors zu steigen, mißlang, da das Flugzeug absackte. Das Flugzeug streifte dabei die äußere Bretterwand des Platzes, riß sie um und drängte die dahinterstehenden Zuschauer gegen die vor­dere Barriere, die ebenfalls eingedrückt wurde. Durch den Propeller, die einstürzenden Planken und das Fahr­gestell des Flugzeuges wurden fünf Personen auf der Stelle getötet und mehrere andere verletzt.

Das Flugzeug überschlug sich und zerschellte. Der Flieger wurde nur leicht verletzt. Die anwesenden Ärzte der Polizei, die Polizeiwehr und die Sanitätsmannschaf­ten leisteten die erste Hilfe. Die Verletzten wurden mit Autos ins Bezirkskrankenhaus geschafft. Die Flugver­anstaltung wurde sofort abgebrochen.

Von der Württembergischen Luftverkehrs-A.-G. wird mitgeteilt: Das schwere Unglück beim Heidenheimer Flug­tag ist auf eine unberechenbare Naturgewalt zurückzu- führen. Eine Fallbö ließ das Flugzeug, welches sich in ungefähr 25 Meter Höhe befand, mit einem Schlage bis beinahe auf den Boden durchfallen. Der Flugzeugführer, der zum Gleiifluge abgestellt hatte, gab darauf sofort Voll­gas und erreichte, daß die Maschine wieder stieg und glatt über das vorliegende Hindernis, die zwei Meter hohe Bretterwand des Sportplatzes, hinweggekommen wäre, wenn nicht vor der Wand eine zweite Fallbö das Flug­zeug nochmals heruntergedrückt hätte.

Die HaMVEger KolsNialwoche.

Machtvolle Kundgebung für den kolonialen Gedanken.

In Hamburg wurde mit der Feier d^s 25jährigen Stiftungsfestes des Vereines ehemaliger Ostasiaten Hamburgs die Hamburger Kolonialwoche eindrucksvoll eröffnet. Regie­rungsrat Zache, der Vorsitzende der Kolonialen Arbeitsge­meinschaft Groß-Hamburg, eröffnete mit einer Festansprache die Kolonialwoche, in der er betonte, daß die koloniale Schuld lüge zusammengebrochen und in Locarno zurück- geuommen worden sei. Es gelte nun, auf die Rückgabe un­seres Kolonialbesitzes hinzuarbetten, und darin müsse das ganze deutsche Volk zusamrnenarbeiten. Deutsche Kolonial-- Politik solle nicht trennend, sondern einigend wirken.

Am Sonntag fand die Fahnenweihe des Vereins Deut­scher Südwestafrikaner von 1914 statt. Die an der Weihe beteiligten kolonialen und sonstigen Vereine begaben sich mit ihren Fahrten zum Wißmann-Denkmal, wo zur Ehrung der in den Kolonien und in China sowie beim Auslandsgeschwader Gefallenen eine Kranzniederlegung erfolgte. Ein aus zahl­reichen Abordnungen, Vereinen, Schutztruppeabteilungen, Kamelreitern und Askaris bestehender Festzug, belebt durch Festwagen mit symbolischen Darstellungen Südwestafrikas, Deutsch-Ostafrikas, des tropischen Afrikas, der Kolonien in der Südsee und in China, des Seehandels usw. sowie durch eine Hagenbecksche Jagdkarawane, brächte den nach Tausenden zählenden Zuschauern, die die Straßen umsäumten, die Er­innerung an die verlorenen Kolonien nahe. In der Ham­burger Stadthalle hielt Bürgermeister Dr. Petersen eine An­sprache. Mit einem Hoch auf den kolonialen Gedanken im deutschen Volke schloß Bürgermeister Dr. Petersen seine mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen, denen das Deutschlandlied, von der nach Tausenden zählenden Zuhörer- schaft begeistert gesungen, folgte. Darauf ergriff der Präsi­dent der Deutschen kolonialen Reichsarbeitsgemeinschaft, der ehemalige Gouverneur Exzellenz Dr. Seitz, das Wort zu feinen Ausführungen über das ThemaAn das deutsche Ge­wissen". Er führte u. a. aus: Nur Deutschland, diesem Volk, dessen 60 Millionen auf den engen Raum im Herzen Europas zusammekgepreßt sind, will man dieses Recht mit einem ein­fachen Machtwort bestreiten. Das deutsche Volk muß sich darüber klar werden, daß wir als selbständige Nation aus der heutigen Umwälzung der Weltwirtschaft nur hervorgeheu können, wenn es uns gelingt, die territoriale Basis unserer Wirtschaft zu erweitern. Das ist das wahre Zielunserer Kolon ialpolitik. Kolonialpolitik treiben heißt Politil auf lange Sicht treiben. Mit Erfolg kann sie nur eine Nation treiben, die über politische Einsicht und über geschlossenen Willen verfügt. Unser Volk muß sein Gewissen schärfen und sich klarmachen, daß das Wohl der Allgemeinheit höher steht als parteipolitische Zänkereien.

Polisische ANndschau. Deutsches Reich.

Schwierigkeiten bei den Pariser Wirtschaftsverhandlungen, f 3« den deutsch-französischen Wili­sch a s t s v e r h a n d l u n g e n ist eine neueStockung ein getreten. Die Ursache der Uneinigkeit der beiden Dele- gationen bildet die Frage der Einfuhr von Früchten und Gemüse. Die französische Delegation will die für das neue Handelsprovisorium von deutscher Seite vorgesehene Kmrttngentierung der Trauben auf 40 000 Doppelzentner m^t annehmen, indem sie darauf hinweist, daß für die entsprechende italienische und spanische Einfuhr in Deutsch- larzd^W^giM-Kontingentterurtg nicht beflehe. Meinungs-