KersMer Tageblatt
Anzeigenpreis Mr die einlpalüge Peflizelie I5M. die ReHamezeile 50 Pfg. (Grundsdirifi Korpus). Bei Wiederholungen Oatfifa^. + Für die sdirift- leitung oeranlBorHidi Franz Fwnfe In Bersleid, Fernsprecher Dr. 8.
tzersfelöer Kreisblatt'
Amtlicher Mzriger fir den Kreis Hersfels
Der Bezugspreis beträgt durch die Post bezogen monatlich i.— Mir.. ausschiteBL Bestellgeld, für ßersfeld 1.— Mk. bei freier Zustellung, Abholer -.80 Mir. * Drud? und Verlag dod budmig Funks Budidrudrcrel in Bersfeld« fflligtied des VDZV.
Nr. 191
Dienstag, den 17. August 1926
76. Jahrgang
WohnungBao ist notwendig!
Wir taumeln zwischen der Wohnungszwangs- W i r t s ch a f t aus der einen, der Wohnungsnot auf der andern Seite dahin; Millionen von Wohnungen fehlen und brennender als alle anderen Fragen ist dieser immer unerträglicher werdende Zustand des Wohnungsmangels geworden, der überall besteht, auf dem Lande ebenso wie in den Städten, den großen wie den kleinen. Es gibt ja hier und da freie Wohnungen, aber ihr Erwerb ist so teuer, die Miete so hoch, daß beides unerschwinglich ist für Mittelstand und Arbeiterschaft. Die Reichsregierung hat ein Programm — obwohl das von Pessimisten bestritten wird —, hat einen Kredit von 200 Mil- lionen zur Verfügung, will jetzt in P r e u ß e n, mit dessen Regierung soeben ein Abkommen zustande gebracht wurde, 12 000 Wohnungen mehr bauen lassen als vorgesehen war, will Preußen insgesamt 120 Millionen Kredit zur Verfügung stellen -- alles ganz schön und gut. Man hat dabei bloß immer die Empfindung, daß die Taten den Worten allzuwenig entsprechen, weil man sich oben über das Brennende der Frage zu wenig klar ist. Hat doch kürzlich der preußische Wohlfahrtsminister ein langes Loblied auf die Wohnungsbaupolitik seiner Regierung gesungen — aber der Wohnungsbau hat gerade in diesem Jahr den Erwartungen in keiner Weise entsprochen.
Wir haben mindestens 300 000 erwerbslose Bauarbeiter? Leicht läßt sich berechnen, welch' große Massen von Wohnungen gebaut werden könnten, wenn die für diese Arbeitslosen ausgegebenen Gelder wirklich produktiv verwandt würden, den Erwerbslosen dadurch Arbeit und Erwerb verschafft würde. So aber gehen die Millionen und Abermillionen dahin, nur um die 300 000 am Leben zu erhalten. Schon neigt sich der Sommer und der Wohnungsbau ist ein Saisongewerbe, das ein harter Winter zum Stocken bringt. Allgemeiner Ansicht nach hat die Schwerfälligkeit des behördlichen Apparates es verhindert, daß der 200-Millionen-Kredit weitgehend dezentralisiert und möglichst schnell in die Kanäle hineingeleitet wurde, die denL.t ä d t e u führten .als den
für Die Verwendung der Kredite. Gerade das Baugewerbe samt aber auch zu einem starken Anreiz der wirtschaftlichen Produktion werden, weil die Rohstoffe und Materialien, die es benötigt, so überaus mannigfaltiger Natur sind; davon hat man aber ebensowenig etwas verspürt wie von einem frischen Leben auf dem Baumarkt selbst. Immer wieder kommen die Klagen namentlich aus den Kreisen der Eisenindustrie, daß der Bedarf des Baugewerbes ein geringer sei und bleibe.
Die stärksten Klagen aber sind laut geworden darüber, daß die Erträge der H a u s z i n s st e u e r so ganz anders verwendet werden, als ursprünglich geplant war; jetzt liegen die Dinge so, daß die riesigen Erträge zum allergrößten Teil nicht etwa zur Kredithergabe zwecks Woh- nungsneubaus dienen, sondern zur Deckung allgemein-staatlicher Zwecke. Es ist von der Regierung selbst zugegeben worden, daß man mit Hilfe der Hauszinssteuer den Staatshaushalt im Gleichgewicht erhält. Dabei sind die Kredite, die nun wirklich aus den Erträgen dieser Steuern hergegeben werden, nicht etwa billig; dazu kommt, daß die Baukosten ganz allgemein beträchtlich höhere sind als früher, was dann in der H ö h e d e r M i e t e n in neuge- bauten Häusern nur allzu deutlich sichtbar wird.
Der Wohnungsbau stellt einen Teil des großen Arbeitsbeschaffungsprogramms der ' Regierung dar, über das jetzt wieder ausgedehnte Beratungen im Reichskabinett stattgefunden haben. Für die Bereitstellung der Mittel hierzu gilt das Wort ganz besonders: doppelt gibt, wer schnell gibt. Dadurch wird dann mancher Fehler — die unvermeidbar sind — wenigstens wettgemacht.
Der MichsprasiösNi in Pommern.
Großer Empfang in Stolp.
Aus der Fahrt zu einer Familienfeier weilte der Reichspräsident von H i n d e n b u r g am 15. August in Stolp, wo ihm ein festlicher Empfang bereitet wurde. Auf dem Bahnhof wurde der Reichspräsident von Vertretern der staatlichen und städtischen Behörden begrüßt. Er wandte sich zuerst den Veteranen aus den Kriegen 1864, 1866 und 1870/71 zu und erkannte in einem der alten Herren einen seiner Burschen aus dem Jahre 1873. Der Reichspräsident setzte darauf feine Fahrt nach dem Rathaus fort, wo ihm auf der Freitreppe ein Pokal der Stolper Handwerkerschaft überreicht wurde mit der Bitte, ihn zum Gedächtnis an den Stolper Besuch anzunehmen. , Darauf geleitete der Oberbürgermeister Hasenjäger den Reichspräsidenten in den Stadtverordnetensaal, begrüßte ihn im Namen der städtischen Behörden und bat ihn, das Ehrenbürgerrecht der Stadt Stolp anzunehmen und sich zur Erinnerung für spätere Geschlechter in das G o l d e n e B u ch einzutragen.
Der Reichspräsident begab sich hieraus zur H i n d e n - burg-Kampfbahn, wo Oberstudienrat Dr. Morner in einer Ansprache zum Ausdruck brächte, daß die sportliche Betätigung das Feld sein müsse, auf dem das deutsche Volk erzogen werden solle. Einigkeit unter den Volksgenossen solle das Ziel sein, dem die Kampfbahn diene. Der Reichspräsident erklärte sich damit einverstanden, daß dem neuen Kampfplatz sein Name gegeben werde.
Die Frage des Reichsehrenmals
Konilämpfer für den Ehrmhain.
Seit längerer Zeit geht der höchst unerfreuliche Streit hin und her um die Stelle, wo das Reichsehrenmal für die Gefallenen des Weltkrieges errichtet werden soll.
Ob dabei immer die reinsten Beweggründe in die Erscheinung treten, ob nicht manchmal andere Antriebe als der einwandfreie Gedanke an die von allen anderen Erwägungen losgelöste heldische Aufopferung unserer ge- sallenen Brüder maßgebend sind, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls bieten die Auseinandersetzungen in mehr als uner Beziehung ein äußerst trauriges Bild. Deutschland, das ganze Deutschland, das ganze Volk will seine Helden würdig ehren, der Nachwelt ein Zeugnis geben von der Bewunderungswürdigkeit ihrer Taten. Wie schriller Mißklang tönt in diese Idee der leider entbrannte Streit um die F o r m, vor allen Dingen um den Ort dieser Ehrung.
Auch in den grossen Frontkämpferverbänden empfindet man das Unzulässige der eingerissenen Art des Wett-
Nach der feierlichen Einweihung fanden Neigen von Schülern sämtlicher Stolper Schulen statt, denen die Hin- denburg-Kampfspiele folgten. Der Reichspräsident setzte darauf seine Fahrt nach Weiten Hagen fort, wo er der Hochzeit seines Enkels beiwohnt.
Gerüchte über den Eisenpaki.
Gescheitert oder nicht?
Die Verhandlungen über die Gründung eines e u r o - p äisch en Eisenkartells sind in letzter Minute noch einmal aufgeschoben worden, nachdem die endgültige Unterzeichnung bere« M^LüydjM war.
Blätter wollten nun wissen, daß die Verhandlungen der Metallindustriellen gescheitert seien. Zwischen den deutschen, französischen und luxemburgischen Vertretern habe volle Übereinstimmung bestanden, aber die Belgier seien mit den Vorschlägen nicht zufrieden gewesen.
Demgegenüber werden von den zuständigen Persönlichkeiten der deutschen Eisenindustrie die Ansichten für das Zustandekommen des Paktes weiterhin günstig beurteilt. Die noch ausstehende Zustimmung der französischen Gruppe wird nur als ein Mangel rein formaler Natur bezeichnet. Mit Belgien liegen die Berhältnisse allerdings etwas schwieriger, aber von einer ernsten Komplikation kann nach deutscher Auffassung auch hier nicht die Rede sein.
Trifft bis zum 5. September keine zustimmende Antwort der belgischen Teilnehmer ein, so wäre mit neuen Verhandlungen zu rechnen.
Kiichmers Leiche nicht vorhanden.
Eine Filmreklame?
London, 16. August.
Die Vermutung, daß die ganze Kitchener-Legende zu Filmreklamezwecken in Szene gesetzt wurde, gewinnt an Wahrscheinlichkeit. In dem Sarge, der von dem Journalisten Frank Power aus Norwegen nach London gebracht wurde und angeblich die Leiche Kitcheners enthalten sollte, wurde, als er geöffnet wurde, eine Granate mit Kupfer- mantel, aber kein Leichnam gefunden.
Schweres ^ifenMnwIM in Paris.
Drei'Tote, fünfzig Verwundete.
In Paris ereignete sich 200 Meter vor dem Lyoner Bahnhof ein schweres Eisenbahnunglück. Ein Vorortzug stieß auf einen anderen Pcrsoncnzug, der in demselben Augenblick vor dem Bahnhof rangierte. Der Vorortzug, der eine Minute Verspätung hatte, stieß auf die Lokomotive des rangierenden Zuges. Zwei Wagen stürzten um. Man hat aus den Trümmern drei Tote und etwa fünfzig Verwundete geborgen.
An Einzelheiten wird noch folgendes bekannt: Der Zusammenstoß war sehr heftig. Zwei Wagen dritter Klasse schoben sich ineinander und wurden buchstäblich zer- malmt. Beide Wagen waren mit Ausflüglern stark besetzt. Die Entsetzensschreie der Verwundeten erzeugten eine Panik. Viele Verwundete flüchteten am Zuge entlang, um den Bahnhof zu gewinnen. Hilfe war schnell zur Stelle. Die Untersuchung ergab, daß die Ur< auf das Nichtfunktionieren einer elektrt zuführen ist.
'ache des Unglücks chen Weiche zurück-
KameveWS Giurz.
Mikojan sein Nachfolger.
Moskauer Telegramme bestätigen die Meldung, daß der Volkskommissar K a in cuew wegen Meinungsverschiedenheiten mit der Mehrheit des Zentralausschusses vom Posten des Volkskommissars für Innen- und Außen-
vewerves um das Ehrenmal. Diese Verbände haben deshalb jetzt dem Reichspräsidenten , der Reichs - regiernng sowie dem Präsidenten desDeut- schen Reichstages Mitteilung gemacht, daß sie nach wie vor an dem Gedanken des Ehrenhains festhalten und für sie als Ort für den Ehrenhain das im Mittelpunkt Deutschlands gelegene Bad B e r k a bei Weimar in Thüringen allein in Frage kommt. Diese Erklärung haben abgegeben: Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Stahlhelm, Reichskriegerbund Kyffhäuser, Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Reichsvereinigung ehemaliger Kriegsgefangener, Reichsverband der Kriegsbeschädigten, Reichsbund der Kriegsbeschädigten und Zentralverband der Kriegsbeschädigten.
Gleichzeitig betonten die genannten Frontkümpferver- bände, daß jede äußere Ehrung ihrer gefallenen Kameraden nur dann Sinn hat und verstanden werden Nurd, wenn gleichzeitig auch das Los der durch den Krieg schwer betroffenen Kriegsbeschädigten, Kriegswitwen und -warsen sowie Hinterbliebenen gleichzeitig fühlbar gebessert werde.
Hansel enthoben wurde. Zu seinem Nachfolger wurde Anastafij Mikojan, der 30jährige Sekretär der. nord- kaukasischen kommunistischen Organisation, ernannt.
Mikojan ist Mitglied des Zentralausschusses und Kandidat für die Mitgliedschaft des Politischen Bureaus. 1918 wurde er in Baku mit 26 bolschewistischen Kommissaren von den Engländern verhaftet; er ist nur zufällig dem Tode entgangen.
pvtitische Rundschau-
Deutsches Reich.
Schluß der Kölner Kundgebung.
Der Höhepunkt der Kölner Tagung des Bundes der Saarvereine und des Reichsverbandes der Rheinländer bildete die große Kundgebung für Rhein, Pfalz und Saar. Dem Festzug, der sich im Anschluß an die Tagung formierte, blieben Reichsbanner, christliche Gewerkschaften und Verein der Rheinländer fern, weil sich in der Frage der im Festzuge mitzuführenden Flaggen Mißhelligkeiten ergeben hatten.
Abbau preußischer Polizeiverordnungen. I
In Preußen sollen etwaeineMillionPolizei- verordnungen außer Kraft gesetzt werden. Wie Ministerialdirektor Dr. Ach egg erklärte, will man vermeiden, daß Verordnungen, die überflüssig geworden sind oder praktisch nicht mehr angewandt werden, zu einer Plage für die Bevölkerung werden, falls sie gelegentlich wieder ausgegraben werden sollten. Dazu kommt, daß die Gerichte die Rechtsgültigkeit vieler Verordnungen verneint haben. Aus Grund eines Gesetzes sollen nun nach einer Übergangszeit alle überhaupt bestehenden Polizeiverordnungen außer Kraft treten. In der Übergangszeit sollen die zuständigen Behörden die Verordnungen ermitteln, die unerläßlich sind. Diese dürfen auf Grund gesetzlicher Ermächtigung hin eine bestimmte Zeit nochmals erlassen werden, vorbehaltlich der späteren endgültigen Neuregelung.
Verfassungsseier in Nürnberg.
Zu einer großen Kundgebung für die Republik gestaltete sich die vom Reichsbanner veranstaltete Verfassungsfeier in N ü r n b e r g. Reichstagsabgeordneter Müller, der für die Sozialdemokraten sprach, Reichstagsabgeordneter Dr. Krohne als Vertreter des Zentrums und Landtagsabgeordneter Hartmann als Vertreter der Deutsch-Demokratischen Partei wiesen auf die hohe Bedeutung der Weimarer Verfassung hin. Als letzter Redner sprach der Bundesvorsitzende Otto H ö r s r n g, der mit der Versicherung schloß, daß, solange das Reichsbanner fest stehe, auch die Republik Bestand haben werde.
Polnisch-spanische Völkerbundanträge.
Die spanische Regierung hat beim Sekretariat , des Völkerbundes den Antrag eingebracht, die „Studienkommission" noch vor dem Zusammentritt der nächsten Vollversammlung des Völkerbundes einzuberufen. Bei dieser zweiten Beratung der Studienkommission will vie spanische Regierung die einen spanischen Rats- । rh betreffenden Anträge zur Diskussion stellen. Anderer- seitv will Polen, das nach außen bisher an seiner For- derung eines ständigen Ratssitzes festgehalten hat, jetzt vorschlagen, daß es mindestens einen R a t s s i tz, der eine fünfjährige erhalte.
Aus In- und AuslaM).
Berlin. Die Nachricht von der Eröffnung des Disziplinarverfahrens gegen den Magdeburger Landgerichtsdirektor H o f f m a n n wird jetzt amtlich bestätigt.
Heidelberg. Professor Eugen von Jagemann, früherer, badischer Gesandter in Berlin, ist hier gestorben.
Paris. Vom 8. bis 14. September Jinben unter der Ober-
nrchtstandlgen Da,uer haben follJ