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HersMer Tageblatt

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yersfelöer Kreisblatt'

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Nr. 198

Mittwoch, den 25. August 1926

76. Jahrgang

Innere Stärkung.

Aus Japan kommt eine Meldung, aus der her- vorgeht, daß dieses Land in seiner bisherigen Auswan- derungspolitik eine grundlegende Änderung vorgenom­men hat. Eine große südpazifische Handelskonferenz wird von den Japanern in Tokio geplant. Bei der Ankündigung dieses Planes erklärte nun unvermittelt ein Mitglied des japanischen Auswärtigen Amtes, daß man die gesamte Auswanderungspolitik umgestoßen habe, nachdem man die Zwecklosigkeit und die Torheit der früheren Bemühungen eingesehen habe, den Überschuß der Bevölkerung dorthin zu senden, wo er nicht gewünscht werde. Japan will deshalb in Zukunft davon absehen, die Auswanderung nach Amerika und Australien zu för­dern, wie es bisher« geschehen ist. Es will sich vielmehr daraus beschränken, seine dünner besiedelten eigenen Landesteile, wie die Inseln Hokkaido, Formosa und an­dere ihm zngefallene Gebiete, zu kolonisieren. Gleich­zeitig wird der Zweck dieser Änderung angegeben. Japan will sich im eigenen Lande eine gewaltige Industrie auf­bauen, um sich so auf die Ausfuhr nach dem Stillen Ozean konzentrieren zu können.

Bei den Kennern der Probleme des Fernen Ostens dürfte diese Programmänderung einiges Aufsehen er­regen, bedeutet sie doch nichts Wender, als daß Japan seinen alten Plan aufgibt, vermäße seines Menschen­überschusses allmählich aus dem Stillen Ozean ein japa­nisches Meer zu machen. Es will sich in Zukunft mit seiner Durchdringung durch'japanische Waren begnü­gen. Im Lande wird man vielleicht der Regierung vor­werfen, vor den Vereinigten Staaten und auch vor Australien zurückgewichen zu sein. Andere wieder wer­den meinen, Japan hätte aus der Not eine Tugend ge- macht. Aber bei der Eigenart der ganzen Einstellung der japanischen Politik und bei ihrer Zielstrebigkeit, die nje gewaltsam etwas zu erreichen sucht, was ihr letzten Endes doch in den Schoß fallen muß, kann man anneh­men, das; Japan jetzt erkannt hat, welchen Wert die Stär­kung des sogenannten inneren Marktes hat. Daß es damit großzügige kolonisatorische Pläne verfolgt, die natürlich auch auf das asiatische Festland übergreifen werden, steht iMflfifeftili&ff^j^ -86enn mau die Dinge aber tiefer betrachtet, wird man erkennen, daß Ja­pan hier einen außerordentlich geschickten Schachzug tut. Es räumt den Hauptstreitpunkt mit den Vereinigten Staaten aus dem Wege. Dadurch Wirthes von Händeln ferngehalten und kann bei einem Streite um die Seeherr­schaft im Stillen Ozean zwischen den beiden wirklichen Rivalen, den Vereinigten Staaten und England, ruhiger Zuschauer bleiben und dabei nach Art der Vereinigten Staaten im Weltkriege schließlich die Früchte des Kampfes der anderem in die eigene Tasche stecken.

Das japanische Vorgehen ist sür uns in Deutsch­land sehr lehrreich, ganz abgesehen davon, daß der wie­der zunehmende Handel Deutschlands in Ostasien durch die japanischen Pläne in Mitleidenschaft gezogen werden dürfte. Ab und zu spukt noch in den Köpfen der Ge­danke von den zwanzig Millionen Menschen, die zuviel auf deutschem Boden leben. Dieser Äusspruch Cle- menceaus hat inzwischen die verschiedensten,Varia­tionen gefunden, die sich nach zwei Richtungen hin aus- zuwirken versuchen. Mitte des vorigen Jahrhunderts war Deutschland das Land, das mit die m e i st e n Auswanderer stellte, so daß man direkt von einem deutschen Kulturdünger sprechen konnte. Das hörte mit der Gründung und dem schnellen Aufstiege des Deut­schen Reiches auf. Jetzt stehen wir wieder vor den alten Fragen und sehen eine steigende Auswanderung, die noch viel stärker sein würde, wenn nicht die Verarmung des ganzen Volkes einen Hemmschuh anlegte. Japans Bei­spiel zeigt nun den Wert des eigenen Volksgenossen für die Volksgesamtheit und wie er sür die Wohlfahrt des Landes nutzbar gemacht werden kann. Zuerst ist Erstar- kung im Innern notwendig, der dann von selbst die Wir­kung nach außen folgt. Deutschland bedarf wahrscheinlich in erster Linie einer inneren Kolonisation. Es ist er- freulich, daß man jetzt bei uns energisch an die Ausfüh­rung solcher Gedanken herangeht. So soll besonders Ostpreußen weiter aufgeschlossen werden. Aber auch im Herzen Deutschlands ist noch viel zu tun. Wir können unsern Bevölkerungsüberschuß bis zu einem gewissen Grade sicher selbst unterbringen.

Nichts wäre natürlich verkehrter, als die Auswande- ritng ganz unterbinden zu wollen. Im Gegenteil, das Deutschtum im Auslande braucht die Zufuhr frischen Blutes. Das Auslandsdeutschtum geht aber verloren, wenn es eine schwache Heimat hinter sich hat. Deshalb ist es Pflicht, deren Kraft zu stärken. Politisch werden wir nach dem schlimmen Ausgang des Weltkrieges noch lange in der zweiten Linie stehen müssen, aber schließlich muß uns eine intensive innere Arbeit wieder die nötige wirtschaftliche Stärke verleihen und uns damit von selbst nach vorn bringen.

Schluß des

Breslau, 24. August.

Der Katholikentag sandte gestern Telegramme an den Papst, den Reichspräsidenten von Hindenburg und an den @ r 3 bi f di d f von Meriko. Der Papst

Programm der Genfer Ratstagung

Völlerbundrai am 2. September.

Die Tagesordnung.

Das Völkerbundsekretariat teilt offiziell mit, daß die 41. Session des Bölkerbundrates am 2. September beginnt und für die ganze Dauer der Tagungen der Vollversamm­lung unter dem Vorsitz des Vertreters der Tschecho­slowakei, Dr. B e n e s ch, stehen wird. Die gleichzeitig veröffentlichte vorläufige Tagesordnung enthält die folgenden Punkte: Bericht des Gesundheitsausschusses, der Mandatskommission, des Finanzkonritecs, des Wirtschafts­komitees, der Verkehrskommission, der Kommission für geistige Zusammenarbeit und der Opiumkommission. Der Rat wird außerdem die Schlußberichte der General- kommissare des Völkerbundes in Wien und in Budapest entgegennehmen. Er wird sich ferner mit der griechischen bzw. bulgarischen Flüchtlingsfrage, mit der finanziellen Lage der Stadt Danzig, mit der Frage der Sicherheit der Saareisenbahnen und mit einem Antrag Eng­lands, Frankreichs, Italiens und Japans wegen der Be­schwerde des Hafenrates von Memel gegen die litauische Memelregierung 31t beschäftigen haben. Die litauische Regierung hat zu dieser Beschwerde ein Memorandum verfaßt, das bei diesem Punkte ebenfalls zur Prüfung vorliegt.

Den letzten Punkt der vorläufigen Tagesordnung für die Arbeiten des Völkerbundrats bildet der Bericht der Studienkommission sür die Ratsorganisation, dem die am 30. August zusammentretende Kommission die letzte Re­daktion zuteil werden lassen wird.

Genf und Saar.

In der Frage der Sicherheit der Saareisenbahnen besteht zwischen dem Präsidenten der Saarregierung und dem Saarvertreter einerseits sowie den drei frankophilen Mftglwpern der Saarregierung andererseits ein gewisser Gegensatz. Der Präsident und der Saarvertreter halten die Anwesenheit und das Eingreifen der beiden franzö­sischen Bataillone im Saargebiet für unzulässig. Der Präsident ist bereit, im Notfalle ein Eingreifen der franzö-

hat ein Antwortschreiben übermitteln lassen, in dem er seiner großen Freude über den christlichen Gehorsam und über die Abhaltung der Generalversammlung Ausdruck gibt. Er begrüßt vor allem die Inangriffnahme der Be­handlung der in der Not der gegenwärtigen Zeit wich­tigsten Angelegenheiten. Zum Schluß spendet er den Bestrebungen der deutschen Katholiken sein aufrichtigstes Lob und erteilt ihnen zu ihrem Vorhaben seinen aposto­lischen Segen. Der Reichspräsident antwortete:Der 65. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands danke ich für die freundlichen Grüße, die ich herzlichst er­widere, und für das Gelöbnis der Treue und Mitarbeit, das ich gern entgegengenommen habe. Möge Ihre Ta­gung guten Erfolg haben und dazu beitragen, den Geist gegenseitiger Verständigung und gemeinsamer Hingabe an das Vaterland zu stärken und zu verbreiten."

Heute ergriff in der Generalversammlung des Volks­vereins für das katholische Deutschland zunächst

Reichskanzler Dr. Marx

das Wort und führte aus, Aufgabe des Vereins sei Volks­bildung im weitesten Sinne. Nicht kalte Aufklärung, son­dern Pflege echter und wahrer Geisteskultur, Ausbildung des Charakters, Abwehr aller schädlichen, die Moral und Sitte verderbenden Kräfte und Anlagen seien die einzel­nen Punkte dieser großen Aufgabe. In der Demokratie sehe man allzuoft nur die Erlangung größerer Rechte und Freiheiten, überfeine aber, daß die wahre Demokratie auch strenge Pflichterfüllung verlange. Es verrate keinen Sinn für die Fragen des Staatswohls, wenn die ein­zelnen Berufsstände kurzsichtig und eigenwillig lediglich ihre eigenen Interessen verträten und Berücksichtigung verlangten, ohne dabei zu fragen, ob die wirtschaftliche Lage des sich eben erst mühsam von schwerem Fall wieder- aufrichtenden Staates solchen Anforderungen gerecht werden könne. Staatsgesinnung verrüte es nicht, wenn die einzelnen Staatsbürger Forderungen an den Staat erhöben auf Leistungen, die er bei normalen, gesunden Zeiten wohl aufbringen, denen er aber in feiner gegen­wärtigen schwierigen und äußerst bedrohten Lage nicht gerecht werden könne. Pater Andreas S ch m i t t (Ost­preußen) sprach über Franz von Assist als Vorbild für Den Christusdien st.

In der dritten öffentlichen Versammlung referierte Studienrat Dr. Johannes H ö n i g - Liegnitz über

Das gute Buch".

Er wandte sich gegen die seichte Lustspiel- und Operetten- literatur, insbesondere gegen die sogenannten Revuen, gegen die Skandalpresse, gegen die Bahnhofsliteratur M dgl. und erkannte als gut nur Bücher an, die ehrliches Streben nach Erkenntnis mit Beherrschung des Stoffes, «Verantwortlichkeit gegen die Seele des Lesers und Ehr­furcht vor den Geheimnissen Gottes verbänden.

jischen Truppen, die jedoch außerhalb des Saargebiets stationiert sein müßten, zu gestatten. Die oppositionellen Mitglieder der Regierung wollen, daß die französischen Truppen im Saargebiet bleiben.

Seutschland und die Böllerbundiagung.

Wie man aus unterrichteten Kreisen in Berlin er­fährt, wird die deutsche Völkerbunddelegation sich erst nach Genf begeben, wenn dort die Lage soweit geklärt ist, daß die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund feststes.

Reue Schwierigkeiten durch Spanien.

Der in Madrid unter dem Vorsitz des Königs tagende Kabinettsrat hat beschlossen, die F 0 r d er u n g Spa­niens auf einen ständigen Ratssitz unverändert aufrecht­zuerhalten. Ferner sollen die diplomatischen Vertreter Spaniens angewiesen werden, Spaniens Anspruch aus Tanger bei den ausländischen Regierungen darzulegen.

Ferner verlautet, daß der Vorschlag, den Spanien der britischen und der franazösischen Regierung unterbreitet hat, verlange, Spanien für eine Reihe von Jahren das Mandat über Tanger durch den Völkerbund zu übertragen. Dieser Vorschlag sei in n ^ "utigen Ausdrücken mit Spaniens Anspruch auf einen ständigen Ratssitz verknüpft worden.- -

Polens Ansprüche.

Der polnische Außenminister Zaleski wird sich auf seiner Reise nach Genf vorher nach Brüssel und Paris begeben, um mit der belgischen und mit der fran­zösischen Regierung zu verhandeln. Zaleski soll mit ge­nauen Instruktionen des Ministerrates reisen unb für Polen einen ständigen Ratssitz oder einen periodischen .Ratssitz mit der Garantie der Wiederwahl nach drei Jahren verlangen. Ein der Regierung nahestehendes Blatt bemerkt, Polen müsse aus dem Völkerbund aus­treten, wenn seiner Forderung nicht Rechnung getragen würde.-----

Die Schlußrede hielt der Präsident der Tagung, Landeshauptmann Dr. H 0 r i 0 n. Gut deutsch und gut katholisch seien keine Gegensätze, sondern aufs innigste miteinander verbunden. Die Katholiken in Deutschland voran! Aber auch voran in Treue zum Heiligen Stuhl!

Nach dieser Rede wurde der Katholikentag geschlossen.

Auhe in Griechenland.

Streben nach Besserung der Wirtschaftslage.

Nach Meldungen aus Athen herrscht in ganz Griechenland völlige Ruhe. Die Verhaftung des Gene­rals P a n g a l 0 s hat nirgends irgendwelche Ruhe­störungen hervorgerusen. In Athen haben umfangreiche Kundgebungen für General Kondilis stattgefunden, an denen sich auch die Arbeiterorganisationen beteiligt haben. Der Führer der bisherigen Opposition, General Me - t a x a s, der vor einiger Zeit aus Anordnung des Gene­rals Pangalos aus Griechenland ausgewiesen worden war, ist nach Athen zurückgekehrt.

General Kondilis erklärte einem ausländischen Journalisten, das einzige Mittel zur Beseitigung der Re­volution sei die Wiederherstellung der durch General Pangalos abgeschafften Freiheit. Er stehe über den poli­tischen Parteien, obwohl er der Führer der National- demokratischen Partei sei. Er habe sich der Armee bedient, um die Diktatur Pangalos' zu zerstören, weil diese die einzige Macht sei, um die Tyrannei zu Fall zu bringen. Sobald Admiral Kondur iotis eingetroffen sei, werde er die Führer aller politischen Parteien zusammenberufen, um ein unpolitisches Kabinett zu bilden, das sich besonders der Besserung der Wirtschaftslage zu widmen habe. Nach der Bildung der Regierung würde die Armee von jeder Politik ferngehalten werden.

Erbitterung gegen Pangalos.

Als das Automobil, in dem Pangalos nach Athen zurückgebracht wurde, das Flüchtlingsviertel passierte, ver­suchte die Menge, den ehemaligen Diktator zu lynchen, und es gelang den Begleitmannschaften nur mit Mühe, ihn freizumachen. Der Frau des Generals Pangalos ist es nicht gelungen, ins Ausland zu entfliehen. Die Zeitungen bedienen sich der wiedergewonnenen Pressefreiheit und zählen nicht weniger als dreihundert von Pangalos ge­machte irreguläre Geschäfte auf. Durch die einzuleitende Untersuchung würde sich ergeben, daß es sich um einen wahren Skandal handele. Mit Ausnahme von Pangalos, dem Staatssekretär Matry und Generalstaatsanwalt Buf- fides sowie drei weiteren Persönlichkeiten sind sämtliche Personen, die festgenommen worden waren, wieder frei­gelassen worden. ; / "1