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Hersfelöer Kreisblatt"
Amtlicher Anzeiger für -en Kreis Hersfelö
Rr. 202
Montag, den 30. August 1926
76. Jahrgang
Weg mit der Militärkontrolle!
Zu den Dingen, die für jeden Deutschen als Folgen des Versailler Friedens am beschämendsten sind, gehört neben der Besetzung der Rheinlande und der Abtrennung des Saargebietes, ganz abgesehen von den übrigen schweren Verlusten, sicher die Anwesenheit der interalliierten Militärkommission auf deutschem Boden. Dies führt drastisch vor Augen, daß wir trotz aller gegenteiligen Behauptungen noch nicht im vollen Rechte souveräner Staaten stehen. Wir sehen vielmehr immer den Gerichtsvollzieher vor Augen, der unbarmherzig für die Gläubiger den Tribut einzieht.
Man muß zugeben, daß diese Kontrollkommission in der letzten Zeit ihre Tätigkeit mehr im geheimen ausübt und nicht mehr so provokatorisch wie früher auftritt. Sie ist, wie es in der Diplomatensprache heißt, in einem ge- wissen Sinne unsichtbar gemacht worden. Wenn sie aber auch so den Augen der Masse entrückt ist, so macht sie ihre Anwesenheit unserer Regierung um so bemerkbarer durch häufige Absendung von Noten auf dem Wege über die Botschafterkonferenz in Paris. Bei Lage der Dinge ist es natürlich eine notwendige Folge, daß zwischen den von der Reichsregierung beauftragten Stellen und der Kommission eine ständige Fühlungnahme aufrechterhalten wird, um Meinungsverschiedenheiten schnell ausgleichen zu können. Deshalb ist in diesem Falle eine Note immer etwas Auffallendes, da dadurch angezeigt wird, daß man Fragen von größerer, vielfach prinzipieller Tragweite anschneiden will.
Jetzt, so kurz vor dem Beginn der Genfer Tagung, wo von allen Seiten immer wieder zu verstehen gegeben wird, daß damit endlich der Zeitpunkt aufhören soll, wo Deutschland als ein Staat zweiten Ranges behandelt werden darf, kam die Kunde, daß die Botschafterkonferenz muf Veranlassung der interalliierten Militärkommission aus einmal gleich drei Noten an die Reichsregierung richtete. Der zuerst aufgetauchten Meldung, daß es sich um Schriftstücke ultimativen Charakters und noch dazu in grobem Tone gehaltene handele, wird allerdings halb- amtlich widersprochen. Das ändert aber an der Tatsache selbst nichts. Die Noten sind nun einmal da und es ist kein Trost, wenn jetzt betont wird, daß die gemachten Ausstände inzwischen schon behoben sind. Das würde nur bedeuten, daß es auch in diesem Falle nicht eines so groben Geschützes, wie es eine Note darstellt, bedurft hätte.
Nach allem, was uns bisher in Aussicht gestellt wurde, konnte man damit rechnen, daß die Kontrollkommission schon in der ersten Hälfte dieses Jahres ihre Tätigkeit in Deutschland einstellen würde. Tatsächlich hat man sie auch der Personenzahl nach etwas eingeschränkt. Aber von einem restlosen Abbau sind wir noch weit entfernt. Es ist zu verstehen, wenn sich die Erregung in der deutschen Öffentlichkeit über diese ganze Einrichtung nicht legen will. Die Entwaffnung Deutschlands, die die Kommission überwachen sollte, sollte nach dem Friedensvertrag der Auftakt der allgemeinen Weltentwaffnung sein. Wie es damit bestellt ist, beweisen die bisherigen Ergebnisse der vorbereitenden Abrüstungskommission des Völkerbundes. Alle Wünsche Frankreichs wurden erfüllt, die geradezu das Gegenteil einer Abrüstung sind. Da kann man sich nicht des Verdachtes erwehren, daß von der Gegenseite noch vorhandene kleine Differenzen absichtlich ausgebauscht werden, um so den Anschein zu erwecken, als ob die Hauptforderung der Franzosen für ihre Sicherheit, die restlose Entwaffnung Deutschlands, noch immer nicht erfüllt fei und im weiten Felde liege.
Gerade auf französischer Seite wird immer wieder gefordert, daß man auf eine moralische Abrüstung Deutschlands dringen müsse, das heißt, daß Deutschland jeden Revanchegedanken von sich weise. Aber die Nadelstichpolitik, die man uns gegenüber betreibt, dürfte einer solchen moralischen Abrüstung nicht gerade förderlich sein, zumal wir sehen, daß die Gegenseite überhaupt nicht an einen ähnlichen moralischen Schritt denkt. Von gewisser Stelle wird die Hoffnung ausgesprochen, daß bis zur Völkerbundtagung auch die restlichen Differenzen in der Entwaffnungsfrage befriedigend gelöst würden, damit die Interalliierte Kommission endlich verschwinden könne. In Deutschland sind demgegenüber viele mißtrauisch und halten den Druck der französischen Generäle schließlich für stärker als den Willen der Politiker, die einmal zu einem befriedigenden Ende kommen wollen. Auf alle Fälle zeigt uns die letzte unzweckmäßige Mahnung in Gestalt der Noten die immer noch gespannte Lage, die vollste Wachsamkeit unserer Genfer Vertreter erfordert. _________
Schluß dtSGr«serMndtchtitenko«greffeS
Für paritätische Kommissionen.
Der Kongreß der nationalen Minderheiten hat mit der Annahme von drei Entschließungen seine Arbeiten beendet. Die erste Resolution bezieht sich auf die Sprachen- frage. Sie fordert, daß die Landessprache ausschließlich als Verwaltungssprache zwischen den Staatsorganen und den Bürgern dienen solle. Jede nationale Gruppe soll aber das Recht haben, Schulen zu besitzen, in denen der Unterricht in ihrer Sprache erteilt wird. Die zweite Entschließung betrifft die Regelung der Konslikte zwischen den
ößtuie« Bitt eiw TWertonsmnz
Die Ansprüche Spaniens.
Abneigung in London und Paris.
Aus England erfährt man, daß die spanische Note an England, Frankreich und Italien eine Einladung enthält zu einer Konferenz in der Tangerfrage, die am Vorabend der Tagung des Bölkerbundrates am 1. September in Genf stattfinden soll. Sehr überrascht hat in London die Tatsache, daß diese Einladung auch den Mächten zu- gestellt worden ist, die Unterzeichner der Tangerkonvention und der Algecirasakte sind, einschließlich Hollands, Belgiens, Portugals und, wie man glaube, auch der Vereinigten Staaten. Auch Schweden scheine von der spanischen Regierung zur Teilnahme an der Konferenz aufgesordert worden zu sein, allerdmgs nicht m bezug auf Tanger, sondern im Zusammenhang mit der Rats- sitzfrage, mit der Madrid noch immer die Tangerfrage zu
verbinden sucht. _ .
In Paris soll man noch immer hoffen, Spanren von seinen ehrgeizigen Ansprüchen abzubringen. Da- aegen sei man in Großbritannien äußerst perulich berührt und in ziemlicher Erregung. Spanien schlage vor entweder Einverleibung Tangers in die spanische Marorw- zone oder Übertragung eines Völkerbundmandats an Spanien. Gleichzeitig sei den Mächten eine Frist für dre Beantwortung der Note gesetzt, und zwar soll dre Antwort vor Beginn der Völkerbundtagung in Madrid erngelausen
sein. _ „
Das spanische „Entweder-D-er".
Madrider Blätter betonen, niemand brauche darüber erstaunt zu sein, daß die spanischen Forderungen bezugüch des Völkerbundes und bezüglich Tangers zu gleicher Zeit aufgestellt würden, denn diese beiden Fragen feien innig miteinander verbunden. Sein Rang, ferne Ge-
und
rika verpflichteten Spanien, einen ständigen Srtz rn Genf zu fordern. Wenn Spanien nicht einmal in dieser berechtigten Forderung Genugtuung erhalten würde, was hätte es denn für Spanien noch einen Zweck, in Gens zu bleiben? Wenn das gegenwärtige Regime für Tanger durch Einverleibung dieser Stadt in das spanische Protektorat oder durch Übertragung eines Mandates an Spanien ersetzt würde, dann würde Spanien dadurch ein unzweideutiges Zeugnis der Achtung und Wert
Regierungen uns den Minderheiten. Sie befürwortet die
Einsetzung paritätischer Kommissionen und die Verbesserung des Verfahrens vor dem Völkerbund. In der dritten Resolution beschließt der Kongreß, im nächsten Jahre wieder zusammDzutreten. Er beauftragt zu diesem Zweck eine Kommission mit der Vorbereitung der Arbeiten.
HinKenHurg m Aelaub.
Reichspräsident v. Hindenburg hält sich zurzeit während seines Erholungsurlaubs in Dietramszell in Bayern auf. Er machte dieser Tage einen Ausflug,
um die Kreuzeckbahn bei Garmisch zu besichtigen. Die wiedergegebene Aufnahme geschah in der Nähe des Bahnhofs. In der Begleitung befanden sich dabei sein Sohn, Major v. Hindenburg, und einige befreundete Persönlichkeiten.
schätzung und Anerkennung seines wirklichen Wertes im Konzern der Mächte erlangen.
Wie aus London gemeldet wird, haben die Großmächte den Vatikan gebeten, bei der spanischen Regierung wegen Tanger und der Frage der Ratssitze Bermrttlungv- vorschläge zu machen.
Aus Tanger selbst kommen Meldungen, die bestätigen, daß die Ruhe und Ordnung zu wünschen ubrrg- lassen. So drohten auf die Nachricht hin, der Führer der jüngsten Streikbewegung, Torres, sei verhaftet worden, die Arbeiter mit der sofortigen Wiederaufnahme des Streiks. Man will aber vor allem von einer spanischen Oberherrschaft in Tanger nichts wissen.
Die Deutschen in Genf.
D i e Beratungen der Studienkommission.
Der deutsche Botschafter in Paris, Herr v. Hoes ch, wurde bei seiner Anwesenheit in Berlin vom Reichskanzler empfangen und ist dann nach Genf abgereist, um an den Beratungen der Studienkommission, die am Montag Zusammentritt, teilzunehmen. Mit Hoesch fuhr auch Ministerialdirektor Gaus nach Genf, der nach den früheren Absichten in Berlin bleiben füllte. Die deutsche Vertretung in der Studienkommission wird also diesmal die gleiche sein wie im Mai. Am Mittwoch soll in Berlin eine Kabinettssitzung stattfinden, in der endgültig über die Zusammensetzung der deutschen Delegation zur Genfer Ratssitzung bestimmt werden soll.
In der Unterredung, die Botschafter v. Hoesch vor seiner Abreise von Paris mitBriand hatte, soll dieser sich in der Frage der Truppenverminderung im Rheinlande entgegenkommend gezeigt haben.
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^5, Weltfriedenskongreß.
Am Montag wird in Genf ebenfalls der 25. Weltfriedenskongreß durch eine öffentliche Versammlung in der Viktoria-Halle eröffnet. Der Genfer Staatsratspräsi- dent Moriaud wird die Delegierten namens der Genfer Regierung willkommen heißen. Die Arbeiten des Kongresses dauern bis Freitag abend und werden folgenden Fragen gewidmet sein: Zusammensetzung des Völkerbund- rates, Souveränität der Staaten, wirtschaftliche Organisation des Friedens, Kolonialpolitik.
Gedenktag für Heer und Manne.
Im Beisein zahlreicher alter militärischer Führer.
Zum zweitenmal im Monat August hatNürnberg Festschmuck angelegt. Vor vierzehn Tagen feierte hier das Reichsbanner den Jahrestag der Verfassung. Jetzt wird zum erstenmal seit Kriegsende ein Gedenktag zu Ehren der gefallenen Helden des Weltkrieges abgehalten. Die bedeutendsten Führer des alten Heeres wohnen der Feier bei. Die Straßen der Stadt zeigen reichen Flaggenschmuck.
Den Auftakt zu der Veranstaltung bildete die Einholung von 48 Regimentsfahnen, die im Bayerischen Armeemuseum in München untergebracht waren und durch eine Ehrenkompagnie der Landespolizei abgeholt und in Verwahrung genommen wurden. Unmittelbar darauf traf Feldmarschall Mackensen ein, der von der großen Menschenmenge begeistert begrüßt wurde. Am Abend fand ein großer Zapfenstreich mit Fackelzug statt. Die zahllosen Zuschauer fangen am Schluß der Veranstaltung begeistert das Deutschlandlied. Darauf verkündete ein Böllerschuß den Beginn der Festbeleuchtung der alten Kaiserburg.
Von den zur Tagung erschienenen militärischen Führern seien noch genannt: Generalfeldmarschall Kronprinz Rupprecht von Bayern, Prinz Oskar von Preußen, Prinz Eduard von Koburg, Prinz Ernst von Sachsen- Meiningen, Fürst Ottingen-Wallerstein, Generaloberst von Vothmer, Generalleutnant von Cramon, General der Infanterie von Franoois, Generalmajor Graf v. d. Goltz, General der Infanterie Hutier, General v. Gallwitz, Generalleutnant V. Epp, Generaloberst v. Einem, General der Infanterie Freiherr v. Lüttwitz, Admiral Scheer, Admiral v. Schröder, Admiral von Trotha, Hauptmann Seldte.
Zur KriegssHuldfrage.
l Eine Entschließung des Fortsetzungs- Ausschusses.
.. Genau vor einem Jahre, am 29. August 1925 hatte ßie deutsche Delegation an die Stockholmer Kirchen- tonferens einen Brief gerichtet, in dem erklärt wurde, die rückhaltlose Klärung der Kriegsschuldfrage eine ntoralif^e Aufgabe ersten Ranges sei, die um ihrer fewft nrillen, aber auch im Hinblick ganz besonders auf wie künftige ökumenische Zusammenarbeit der Kirchen als unabweislich und dringend erscheint. Als Antwort hierauf bat der in Bern tagende „Fortsetzungs-