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Reisfelder Tageblatt

Reisfelder Kreisblatt'

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Reisfeld

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Nr. 225

Sonnabend, den 25. September 1626

76. Jahrgang

Milliardeniräume.

Wenn die Könige bauen, so haben die Kärrner zu tun," sagt ein gutes altes Sprichwort. Aber nun, da Stresemann, Briand und Chamberlain den Genfer See wieder hinter sich gelassen haben, wissen ihre im Völkerbundpalast zurückgebliebenen Gehilfen mitsamt den Vertretern der vielen kleineren und mittleren Staaten mit dem Arbeitsstofs, der ihnen verblieben ist, im Augen­blick nichts Rechtes anzufangen.

Kein Wunder, die großen Kanonen sind fort und das Publikum macht kein Hehl daraus, daß es danach für die Arbeit der Zurückgebliebenen kein sonderliches Interesse mehr aufbringt. Ist das Nachlassen der Aufmerksamkeit vielleicht auch darauf zurückzuführen, daß in den Aus­schüssen, die allerhand Fragen für die Vollversammlung noch spruchreif machen sollen, sich eine an Gereiztheit grenzende Nervosität unter den Delegierten geltend macht? Da kracht, in dem einen, der Franzose mit dem Norweger zusammen, was um so weniger unbemerkt bleibt, als bei diesem unerfreulichen Zwiegespräch der sonst überall hoch­verehrte Frithjof Nansen beteiligt ist; im Abrüstungs­ausschuß zieht der amerikanische Vertreter vom Leder, um die ungemein lässige Art, wie die Arbeiten dieser Körper­schaft bisher hingeschleppt worden sind, mit beinahe schon erfrischender Deutlichkeit zu brandmarken; und zuletzt kom- men sogar zwei ostländische Staaten und legen gegen die 'Abmachungen der Großmächte über den Artikel 16 des Völkerbundpaktes ausdrückliche Verwahrung ein. Nach Möglichkeit sucht man den Mantel internationaler Nächstenliebe über diese nicht ganz unbedrohlichen An­zeichen erster Zwietracht zu decken. Damit wird man aber auf die Dauer nur unter der Voraussetzung Erfolg haben, daß die großen, die wesentlichen, die für die ganze Zukunft des Völkerbundes wirklich ausschlaggebenden Aufgaben, die ihm mit der Aufnahme Deutsch­lands unweigerlich gestellt sind, nun guch endlich voran- kommen, daß man nach den schönen Reden, die in Genf gehalten wurden, nun auch an die praktische Arbeit geht, die ihreGesamtlösung" erfordert. Mit bloßem geduldi- aem^WwaMLÄM A yWM nichiK- Man. _

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Die neuen Milliardenbeträge, mit denen die Welt­befreiungspläne Genfer Ursprungs verknüpft werden, schlagen an unser Ohr, ohne sonderlichen Eindruck zu machen: wir sind bei all unserer Armut in die Milliarden- wirtschaft der Nachkriegszeithineingeschliddert" um ein berühmt gewordenes Wort zu gebrauchen und stoßen uns gar nicht mehr im geringsten an der Vielheit der Nullen, die sich jetzt sofort einzusinden Pflegen, so oft von irgendwelcher Begleichung von Völkerrechnungen ge­sprochen wird. Vorzeitige Ausgabe von ein bis zwei Mil­liarden Eisenbahnobligationen zugunsten der französischen Valuta? Nach vierundzwanzig Stunden schon wußte ein ganz kluger Mann, daß hier ein sehr ge­waltiger Irrtum unterlaufen fei. Viermal zwei, im ganzen also acht Milliarden seien in T h o i r y abgemacht worden billiger könnten es die Franzosen unter keinen Umständen machen. Schließlich haben wir neben den Verpflichtungen aus dem Dawes-Plan auch noch einige heimische Obliegenheiten zu erfüllen. Die Aufwendungen für die Erwerbslosen verschlingen, obwohl deren Zahl seit mehreren Wochen ständig zurückgeht, immer noch ganz ge­waltige Summen, und die lauten Klagen, die man jetzt auf dem Deutschen Städtetag in Stettin über die jämmer­liche Lage der städtischen Finanzverwaltungen gehört hat, sind auch nicht aus der leeren Luft gegriffen.

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Schon wenn das Reich ein Haus ankaufen will, weil es angeblich in seiner eigenen Wohnungsnot nicht mehr ein noch aus weiß, erhebt sich allenthalben lebhafter Widerspruch. Und wenn Behörden zusammengelegt, Beamte entlassen oder in den Ruhestand versetzt werden sollen, geht Unwille durch die Reihen. Ein Blick nach dem Frankreich des Herrn Poincarö hinüber zeigt, daß dort jetzt in noch anderem Maßstabe abgebaut wird. Zu vielen Hunderten werden durch einfache Regierungsverordnun­gen Gerichte beseitigt, seit undenklichen Zeiten bestehende Verwaltungsbehörden eingezogen und unzählige Spar- matznahmen getroffen, die wirklich zu Buche schlagen. Das Volk läßt sich diese Eingriffe in bestehende Rechte und Zustände vorläufig noch ruhig gefallen, weil es einsieht, daß sie notwendig sind, wenn der Frank nicht abermals ins Bodenlose stürzen soll. Um so weniger werden die Franzosen danach aber uns neue Zahlungen oder Leistungen auferlegen wollen, die der kaum erreichten Sta­bilität der deutschen Währung den Garaus machen müßten.

Dr. Sy.

lleichswvhmWSzShlmg im Zahn 1922.

Wieviel Wohnungfuchende gipt es in Deutschland?

Der Ausschutz für Siedlungs- und Wohnungswesen des Vorläufigen Reichswirtschaftsrates behandelte den Entwurf eines Gesetzes über die Reichswohnungszählung im Jahre 1927 und die Feststellung der Zahl der Wohnung- sucheuden.

Der Gesetzentwurf steht für das Jahr 1927 die Vor- nähme einer Wohnungszählung in allen denjenigen Ge- mernden des Deutschen Reiches, mit Ausnahme des Saar-

Gtresemanns Politik gebilligt

Das Reichskabmeli einmütig für Stresemann.

Der Bericht über Thoiry.

Das Reichskabinett trat am Freitag unter dem Vor­sitz des Reichskanzlers Dr. Marx zu einer Sitzung zu- sammen, um den Bericht des Reichsaußenministers Dr. Stresemann über die Politik der deutschen Delegation in Genf entgegenzunehmen. Am Schlüsse der Beratung wurde folgende amtliche Mitteilung ausgegeben:

In der unter Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Marx abgehaltenen Sitzung des Reichskabinetts er­stattete der Reichsminister des Auswärtigen Dr. Stresemann Bericht über die Tätigkeit der deutschen Delegation auf der Völkerbundversammlung in Gens. Das Kabinett stimmte der Haltung der deutschen Vertreter zu und sprach dem Reichsminister Dr. Stresemann sowie den übrigen Mitgliedern der Delegation für die geleistete Arbeit seinen besten Dank aus.

Anschließend berichtete Dr. Stresemann über den Inhalt seiner Verhandlungen mit dem französischen Minister des Auswärtigen Briand zur Frage des deutsch-französischen Ausgleichs.

Das Kabinett billigte einstimmig und grundsätzlich diese Verhandlungen, zu deren Wri­te r f ü h r u n g ein aus den in Betracht kommenden Ressortministern bestehender Ausschuß gebildet wurde, der dem Kabinett Bericht erstatten soll."

Über den Verlauf dieser wichtigen Kabinettssitzung wird im einzelnen noch bekannt, daß nach einer Begrü­ßungsansprache durch den Kanzler an den Reichsaußen- minister Dr. Stresemann dieser einen ausführlichen Be­richt über die Genfer Verhandlungen gab. in dessen Mit­telpunkt seine Besprechung mir Briand in Ltzchry stand. Zusammenfassend hat der Minister festgestellt, daß in Thoiry lediglich über ein allgemeines politisches Pro- gramm für die an^uftrebenbe endgültige deutsch-franzö­sische Verständigung gesprochen worden ist. Dr. Strese­mann wies auch auf die Erklärung Vriands hin, daß das französische Kabinett auch nach Thoiry in seinen Ent- f ch l ü ssen völlig frei sei, und stellte hierzu ergän­zend fest, daß selbstverständlich für die Reichsregierung die Sachlage mithin die gleiche sei. Irgendwelche bindenden Abmachungen sind demgemäß in Thoiry zwischen Stresemann und Briand nicht g e - troffen worden.

Aus dein Komplex der Einzelfragen, auf die der Minister bei seiner Berichterstattung einging, sei die Frage

gebietes, vor, deren Wohnbevölkerung bei der Volks­zählung vom 16. Juni 1925 2000 oder mehr Einwohner betrug. Die Landesregierungen können bestimmen, daß die Zahlung beim Vorliegen besonderer Verhältnisse auch aus Gemeinden mit weniger als 2000 Einwohnern erstreckt wird und in Gemeinden mit weniger als 5000 Einwohnern unterbleibt, falls sie dies nicht für erforderlich erachten. Die statistischen Aufnahmen werden von den Landes- Teuerungen bewirkt und durchgeführt an Hand von Grundstückslisten und Wohnungskarten, die von den Grundstückseigentümern oder deren Vertretern auszufüllen sind. Ferner sieht der Entwurf eine Ermächtigung des Reichsarbeitsministers vor, über die Anlage und Führung von Verzeichnissen der Wohnung suchenden (Wohnungslisten, Wohnungskarteien) in den Gemeinde- behörden, insbesondere über die Voraussetzungen der Ein­tragung und über deren Geltungsdauer Vorschriften zu erlassen.

Der Ausschuß stimmte dem Grundgedanken des Ge­setzes, soweit er die Wohnungszählung behandelt, ein­mütig zu. Jedoch war man der Ansicht, daß sich die Zahlung auf alle Wohnungen er st recken müsse, und beschloß daher mit allen gegen eine Stimme, die einschränkenden Zusätze zu streichen. Ein Antrag, die Bestimmung über Anlegung von Listen der Wohnung- suchenden zu streichen, wurde mit 6 gegen 10 Stimmen ab- gelehnt.

Dem Gesetzentwurf wurde sodann gegen eine Stimme zugestimmt.

Für die Beratung des Fragebogens, der der Zahlung zugrunde gelegt werden soll, wurde ein Arbeitsausschuß eingesetzt.

Aus dem Tornadogebiet.

Die Aufräumungsarbeiten in vollem Gange.

Die Bevölkerung von Südflorida hat sich mit großer Energie an die Aufräumungsarbeiten gemacht. Weiße und Neger bildeten Arbeitsgruppen und säuberten inner­halb 48 Stunden die Straßen von den Trümmern, um den Hilfstransporten die Wege freizumachen. Der Kriegs- Zustand, der erklärt worden war, um eine überfüüung der Straßen und Hotels zu vermeiden, ist tatsächlich nirgends in die Erscheinung getreten.

InPalmbe ach sind 600 völlig Mittel- und obdach-

der Mobilisierung der EtsendahnovIkga« t i o n e n erwähnt. Stresemann konnte darauf Hinweisen, daß bedauerlicherweise in der Öffentlichkeit von einem Kaufpreis von 8 Milliarden für die Be- freiungderbesetztenGebiete gesprochen worden sei und daß, wie zu erwarten war, diese Version von einer gewissen Pariser Presse willig übern^.i«ae» worden sei. Der Minister vertrat unter Zustimmung des Kabinetts in dieser Frage die Auffassung, big dir Zahle,rfrage ledig­lich eine Sachverständigenfrage ist, die sehr eingehender Ressortberatungen und Besprechungen zwischen den Kabi­netten bedarf. Die in die Debatte geworfene Summe von 8 Milliarden Mark kann, das stellte Stresemann ausdrück- lich fest, selbstverständlich niemals in Frage kommen, eine Mehrbelastung des Reiches über die Dawes- Lasten hinaus wird niemals zu akzeptieren sein. Alle Vereinbarungen über eine Mobilisierung eines Teiles der Eisenbahnobligationen können nur in einem Rahmen gehalten sein, der für Deutschland praktisch keine ftnan- zielle Mehrbelastung seiner Reparationsverpfüchtungen nach sich zieht. .

Am Schluß der Kabinettssitzung nahm Reichskanzler Marx noch einmal Gelegenheit, dem Außenminister namens der Reichsregierung für seine Bemühungen um die weitere Entspannung der deutsch-französischen Be- Ziehungen, die die endgültige Befreiung der deutschen Grenzgebiete im Westen bringen soll, herzlichst zu danken. Im übrigen hat das Reichskabinett den Außenminister mit der Fortführung der in Gens und Thoiry eingelei­teten Verhandlungen betraut. Ihm werden noch der Reichsminister der Finanzen und der Reichswirtschaftv- minister in den kommenden Verhandlungen in den Fra­gen zur Seite stehen, die in das Gebiet dieser Ministerien fallen.

Hmdenöun^ Dmir an Görefsman».

über den Vortrag, den Reichsaußenminister Dr. Stresemann kurz nach seiner Ankunft aus Genf dem Reichspräsidenten gehalten hat, wird folgende offiziöse Meldung verbreitet: Der Reichspräsident empfing den Reichsminister Dr. Stresemann zum Bericht über die Genfer Verhandlungen. Nach dem etwa einstündigen Vortrag dankte der Reichspräsident dem Reichsminister Dr. Stresemann für seine mühevolle Arbeit und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die jetzt angeknüpften Verhand- lungen zur Lösung der noch schwebenden schwierigen Fragen und zur baldigen Befreiung des Rhein- landes und des Saargebietes führen möchten.

lose Menschen aus Miami eingetroffen, die auf Staats­kosten zu Freunden und Verwandten nach dem Norden ge- bracht werden sollen. Die Versicherungsgesellschaften be- rc'ten die Schadensersatzzahlungen vor, so daß man hofft, daß bei Beginn der Wintersaison Anfang Januar der Wiederaufbau zum größten Teil beendet und von der Zerstörung nichts mehr zu sehen sein wird.

In Encarnacion (Paraguay) sind durch den Sturm 84 Ziegelhäuser und Hunderte von Holzhäusern zerstört und Lastkraftwagen ins Wasser gestürzt worden. Bisher wurden 126 Tote geborgen. Die Zahl der Ver­letzten geht in die Hunderte.

Polliifche Rundschau. Deutsches. Reich.

91 Millionen für Erwerbslosenfürsorge in Preußen.

Die in diesem Jahre vom Preußischen Staat für die produktive Erwerbslosenfürsorge aufge­wendeten Mittel betragen bereits 91 Millionen Mark. Die Zuwendungen für Notstandsarbeiten an die Gemeinden und Kommunalverbände werden jedoch noch weiter fort- gesetzt werden. Das preußische Staatsministerium beab- sichtigt, dem Landtag bei seinem Zusammentritt eine Vorlage über Arbeitsbeschaffung über den vom Reich vorgesehenen Rahmen hinaus vorzulegen. Neuwahlen in Sachsen. - \

In der ersten Vollsitzung des Sächsischen Landtages nach den Sommerferien teilte der Landtagsprästdent mit, daß die Regierung die Absicht habe, die Neuwahlen für den Landtag auf den 31. Oktober auszuschreiben. Das Haus nahm hiervon ohne Widerspruch Kenntnis. Ferner kündigte der Präsident an, daß das große Ar- neitsbeschaffungsprogramm der Regierung noch von diesem Landtage, und zwar in der voraussicht­lichen Sitzung am 7. Oktober, behandelt werden solle. Hier­auf wurde die Regierungsvorlage über Änderung des Landeswahlgesetzes, welche die Einführung amtlicher Stimmzettel Vorsicht und die Vorschriften des Landes- Wahlgesetzes den entsprechenden Bestimmungen des Reichs- Wahlgesetzes anpaßt sowie die Vorschrift enthält, daß für den Wahlvorschlag einer neuen Partei ein Betrag .von 3000 Mark einzuzahlen ist, welcher zurückge-