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kersfelöer Tageblatt

Hersfel-er Kreisblatt : f-E^-^

McherMzeiger für -en Kreis hersfeiö : Kunks Bucht

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mit öen Beilagen: Heimatschollen / Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Unterhaltung und Wissen Belehrung und Kurrweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.

Nr. 259

Donnerstag, den 4. November 1926

76. Jahrgang

Italien im Fieber.

Man hat immer geglaubt, daß die Energie, mit der der Faschismus sich gegen seine inneritalienischen Geg­ner wandte, kaum noch zu überbieten wäre. Das Parla­ment hat man durch Wahlrechtsanordnungen zu einem bedingungslos gehorchenden Instrument gemacht; die gegnerischen Parteien sind zerschmettert und zahllos sind die Gesetze, die jeden Andersdenkenden wirtschaftlich zu vernichten die beste Handhabe abgeben. Diese Diktatur, hinter der nach den amtlichen Angaben und auch nach dem äußeren Anschein die Mehrheit des Volkes stehen soll, übersteigert sich aber immer weiter und selbst jenen, die den Faschismus begrüßt haben und ihn grundsätzlich billigen, steigen nun doch allmählich Bedenken auf. Der Faschismus setzt sich gleich mit dem Staat; wer gegen den Faschismus ist, ist gegen den Staat. Unter solcher Begründung hat man in letzter Zeit den Italienern, die sich antifaschistisch einstellten, ins Ausland flohen aus Besorgnis vor gewalttätiger Behandlung und dort ihre Propaganda fortsetzen, das Staatsbürgerrecht aberkannt, weil nämlich Faschismus und Staat dasselbe sei. Höher rast jetzt der See und will mehr Opfer, nachdem wieder ein Attentat auf Mussolini scheiterte wobei übrigens nicht verschwiegen werden darf, daß in die Tatsächlichkeit des Attentats einige 'Zweifel gesetzt werden. Sofort würben sämtliche Oppositionsblätter in Rom ganz ver­boten, obwohl sie an sich schon überaus zahm sind. Anti­faschistisch gesinnte Professoren in Padua werden zum Rücktritt gezwungen; man predigt die Lynchjustiz und die Zahl der Verhaftungen geht in die Tausende. Gewalt­taten gegen unschuldige Andersdenkende häufen sich. Mit besonderer Wut aber wendet man sich gegen die Fran­zosen.

Die Liebe zu der lateinischen Schwester jenseits der Alpen ist in dem faschistischen Italien nie groß gewesen und dies Verhältnis hat sich weiter zugespitzt, als sich die landslüchtigen Faschistengegner nach Frankreich wandten und von hier aus einen sich nur litergrisch betätigenden ^-Lvwevsta-kw-gegen oen Faschismus erhoben. In Italien behauptete man anläßlich des vorletzten Attentats, daß in Frankreich die Mordpläne gegen Mussolini ersonnen und vorbereitet würden. Das hat zu recht scharfen Ausein­andersetzungen zwischen den beiden Regierungen geführt, weil Frankreich sich weigerte, gegen die Flüchtlinge Vor­zugehen, solange nicht der Beweis für die italienischen Be­hauptungen erbracht sei. Es war bezeichnend, daß das Gerücht in einer Zusammenkunft zwischen Mussolini und B r i a n d sehr bald eifrigst bestritten wurde. Nun hat der italienisch-französische Gegensatz zu schweren Zwischenfällen aus der italienischen Bahnstation Venti- m i g l i a geführt, wo die Menge nicht bloß gegen fran­zösische Eisenbahnbeamte vorging, sondern in das fran­zösische Konsulat eindrang. Ein besonderer Fanatiker hielt dann vom Balkon herunter eine wenig franzosensreundliche Rede. Auch die französischen Zoll­beamten fühlen sich schwer bedroht und sogar in dem fran­zösischen Nizza ist es zu schweren Prügeleien zwischen Franzosen und Italienern gekommen.

Also, ein diplomatischer Zwischenfall, der ein amt­liches Einschreiten des französischen Botschafters bei der italienischen Regierung im Gefolge haben muß. Maß­loser denn je ist die Sprache der faschistischen Zeitungen gegen Frankreich. Aber alles ist nur ein Ausdruck dafür, daß die Kluft zwischen Italien und Frankreich sich immer mehr verbreitert; auch politisch hat sich ja Italien von Frankreich abgewandt, hat engsten Anschluß an jene Mächte gesucht und gefunden, die sich als Gegner der französischen Vorherrschaft im Mittelmeer gezeigt haben. Mit England ist man befreundet, mit Spanien ist man eng verbündet und die Angriffspläne gegen die Türkei hat man noch längst nicht aufgegeben. Dem Frieden der Welt ist diese Einstellung wirklich nicht förderlich.

Wir in Deutschland können daran nicht vorbeisehen. Richt etwa, daß wir uns für die eine oder die andere Seite entscheiden; denn mit beiden Seiten haben wir Reibungspunkte genug. Mit beiden Seiten verbinden uns aber auch Beziehungen, die wir nicht aufgeben wollen. Wir sind in der glücklichen Lage, vorläufig Beobachter bleiben zu können. _

Die italienisch-französischen Zwischenfälle.

In dem an der französisch-italienischen Grenze gelegenen Orte V e n t i m i g l i a, wo die französischen Bahnen endigen und die Zollstellen ihre Tätigkeit ausüben, wurden infolge der Erregung über das Attentat auf Mussolini heftige faschistische Angriffe auf französische Eisenbahn- und Zollbeamte unter­nommen. Das französische Konsulat war eine Zeitlang gewaltsam von den Faschisten in Besitz genommen. Franzosen- feindliche Reden wurden aus einem Fenster des Konsulats ge­halten. Die italienischen Ortsbehörden haben dem französischen Konsul ihr Bedauern ausgesprochen. Die französische Regierung wartet den offiziellen Bericht des Konsuls in Ventimiglia ab, ehe sie weitere Schritte in der Angelegenheit unternimmt. In Beau Soleil kam es ebensalls zu Handgreiflichkeiten zwischen Franzosen und angreifenden Italienern.

Auch aus Benghasi und Tripolis in Afrika werden Un­ruhen gemeldet. In Benghasi ist eine Bande von Faschisten in das französische Konsulat eingedrungen und hat den fran­zösischen Konsul gezwungen, die italienische Flagge zu hissen. Auch in Tripolis haben mehrere Faschisten das französische

Barlamentsbeginn

Deutscher Reichstag.

Nach fünfmonatiger Pause ist jetzt der Reichstag wieder zusammengetreten, um die Winterarbeit zu be­ginnen. Die erste Sitzung brächte noch keinen besonderen Anlaß zu größeren Auseinandersetzungen, verlief viel­mehr ziemlich kurz und sachlich. Doch dürste schon in den nächsten Tagen erhöhte Lebhaftigkeit entsetzen, überaus wichtiger politischer Stoss harrt der Erledigung. Die E r - werbslosenfrage steht im Vordergründe, das Wahlreformgesetz kommt und vor allen Dingen soll in der nächsten Woche die A u ß e n p o l i t i k der Betrachtung unterzogen werden. Daran reihen sich viele andere Not­wendigkeiten, so daß man sich auf starke Anspannung ge­faßt machen darf.

*

Sitzungsbericht.

(225. Sitzung.) OB. Berlin, 3. November.

Präsident Lobe eröffnete die erste Sitzung nach den Ferien mit dem Nachruf für die während der Ferien verstorbenen Abgg. Richard Fischer (Soz.), Graf von Meerveldi (Dtn.) und Robert D i ß m a n n (Soz.). Der Präsident teilte weiter mit, daß Abg. Dr. Bell (Zir.) wegen seiner Ernen­nung zum Reichsjustizminister das Amt des Vizereichskags- Präsidenten niedergelegt hat.

Vor Eintritt in die Tagesordnung beantragte Abg. Stöckrr (Komm.), die kommunistis^en Anträge und Inter­pellationen zur Frage der Fürstenaofindung auf die Tages­ordnung zu fetzen. Der Antrag scheiterte jedoch an dem Widerspruch der Rechten. Ohne Aussprache wurden dann der deutsch-niederländische und der deutsch-dänische Schieds­gerichts- und Vergleichsvertrag, der deutsch-polnische Vertrao zur Regelung der Grenzverhältnisse, das Abkommen über den gegenseitigen Eisenbahnverkehr zwischen Deutschland' einer­seits, Polen und der Freien Stadt Danziq andererseits und »ÄÄÄ^ iKMM wiesen. Die Novelle zur Gewerbeordnung und zu den Gewichtsvorschriften in Brotbäckereien wurden debattelos dem Ausschuß überwiesen. Der Gesetzentwurf über die Sammlung des Reichsrechts ging an den Rechtsausschuß.

Darauf vertagte sich das Haus auf Donnerstag, um die Wahl des Vizepräsidenten vorzunehmen und kleinere Vorlagen zu beraten. Ein sozialdemokratischer und komm« nistischer Antrag, d-e Erwerbslosenfrage morgen mit- zuberaten, und ein kommunistischer Antrag, die F ü r st e u a b - findung auf die Tagesordnung zu setzen, wurden abgelehnt.

p^utzischLr LatMag.

(212. Sitzung.) tt. Berlin, 3. November.

Vor Eintritt in die Tagesordnung beantragt Abg. Grube (Komm.), den Antrag seiner Partei betr. Aussetzung der Ver- lündung des Hohenzollern-Abfindungsgesetzes heute zu be­raten. Da dem Antrag widersprochen wird, ist er erledigt. Aus der Tagesordnung steht die Beratung über die

Konfutatsgebäude gestürmt und den Konsul und das Kon- sulatspersonal tätlich bedroht. Der französische Botschafter in Rom, Besnard, soll dagegen bereits in schärfster Weise auf der Eonsulta protestiert haben.

Internationaler Ausschuß für Telegraphie.

Tagungen in Berlin.

Im Reichspostministerium in Berlin ist die erste Ta­gung des Internationalen Ausschusses für Telegraphie durch Reichspostminister Dr. S t i n g l eröffnet worden. Der Ausschuß, der im vorigen Jahre von der Pariser Telegraphenkonferenz eingesetzt wurde, hat die Aus­gabe, alle für die Förderung der internationalen Tele- graphie wichtigen technischen und Betriebsfragen, be­sonders für den Weitverkehr, zu prüfen und die Mittel und Wege für die Erzielung einer möglichst hohen Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit zu untersuchen. Aus allen am großen internationalen Telegraphenverkehr mit eigenen Verbindungen beteiligten Ländern Europas sowie aus mehreren außereuropäischen Ländern sind Ver­treter von Staatsverwaltungen und von Kabel- und Radiogesellschasten erschienen.

Der Minister hat in seiner Ansprache auf diese Be­

Typhusepidemie in Hannover.

8s liegen dazu Große Anfragen der Sozialdemokraten, der Deutschnationalen und des Zentrums vor, in denen um Aus- 'unft ersucht wird, ob das Staatsministerium bereit ist, die Ursache der Epidemie restlos zu klären und die Wasserver- iorgung der Stadt dauernd zu kontrollieren. Ein kommunisti­scher Antrag verlangt die Amtsenthebung der der Fahrlässig- leit überführten Beamten und Stellung unter Anklage. Die mich die Epidemie Geschädigten bzw. Hinterbliebenen sollen mtschädigt werden. In Verbindung damit wird ein Urantrag ses Zentrums über die Reinigung der Wupper und eine Große Anfrage der Deutschen Volkspartei bzgl. der Wasser- tersorgungs- und Abwässerbefeitigungsverhältnisse in Bee- I i tz beraten.

Abg. Müller-Hannover (Soz.) erklärt, in Hannover hätten 116 Personen durch die Epidemie ihr Leben eingebüßt. Dort ier zur Bekämpfung des Typhus viel versäumt worden. Der Reimer greift das Verhalten einiger Hannoverscher Tages- Mätter scharf an.

Abg. Quät-FaZlem (Dtn.) fordert zunächst, daß die In­fektionsquelle genau festgestellt werde.

Abg. Blank (Ztr.) begründet die Große Anfrage des Zentrums. Allen, die geholfen haben, die Epidemie zu be­kämpfen, müssen wir unseren Dank aussprechen. Die Gefahr Der Ansteckung ist ja aus ein normales Verhältnis zurückge- jührt. Der Redner verlangt scharfe Untersuchung der Schuld- irage und kritisiert die geringe Hilftsbereitschaft in Hannover für die Betroffenen.

Abg. Bartels (Komm.) begründet den Antrag seiner Partei. Er sieht die Ursache der Krankheit in der Unter- -rnährung eines großen Teiles der Bevölkerung in Hannover.

Minister für Volkswohlfahrt Hirtsiefer

spricht die Teilnahme der Staatsregierung für die von der Epidemie Betroffenen aus. Der Minister erklärt sich bereit, nicht nur die zur Verfügung stehenden Mittel zu verwenden, sondern auch mit dem Finanzministerium in Verhandlungen »inzutreten, wie weiter gesorgt werden soll. Der sofort ein- ^fo^fe^u^^ jWei*r~iHe- »»« ^oate-vitTf^- setzten Mitglieder in Frage kommen, der Ansicht, daß mit größter Wahrscheinlichkeit eine Wasserepidemie vorliegt. Diesem Gutachten haben sich auch drei der von dem städtischen Ausschuß eingesetzten Gutachter angeschlossen. Die Vorgänge in Hannover, sagt der Minister, haben mich veranlaßt, eine sofortige Nachprüfung aller größeren Wassergewinnungsan­lagen in Preußen anzuordnen. In den nächsten Wochen ich habe beim Finanzminister Einstellung weiterer Kräfte be­antragt findet diese Nachprüfung statt.

Ministerialdirektor Dr. Krohne gibt einen genauen Be­richt über den Verlaus der Epidemie. Er kommt zu dem Schluß, daß die Hannoversche Epidemie mit größter Wahr­scheinlichkeit auf die Wasserleitung zurückzuführen ist.

Abg. Held (D. Vp.) begründet die Große Anfrage seiner Partei über die Wasserversorgung von Berlitz.

Abg. Dr. Quaadt (Dtn.) spricht allen denen Dank aus, die sich um die Bekämpfung der Epidemie verdient gemacht haben.

Nunmehr wird die Weiterberatung auf morgen, Donners­tag, vertagt.

deutung des Ausschusses hingewiesen und seine Freude darüber ausgedrückt, daß man der deutschen Ver­waltung die Einberufung und Vorbereitung dieser ersten Tagung des Ausschusses übertragen hat. Er be­tonte weiter, daß sich besonders für weite Entfernung die Telegraphie immer wieder als notwendiges und unentbehrliches Nachrichtenmittel erwiesen habe. Der Ausschuß wird vom 3. bis 13. November seine Beratungen in Berlin abhalten.

Komplott gegen die spanische Regierung.

MüssenderHaftung von Revolutionären.

An der spanisch-französischen Grenze sind bisher 100 Revolutionäre verhaftet worden, die an einer Bewegung gegen das Königtum und die Diktatur in Spanien teil- nehmen wollten. Die Verschwörung hatte den Zweck, zu­nächst in Katalonien eine Verschwörung zu entfesseln, von wo aus die Bewegung ganz Spanien ergreifen sollte. Der König sollte gestürzt, Primo de Rivera verhaftet werden.

Der Führer der Bewegung ist ein vierundzwanzig- jähriger Mechaniker Jose Carillo, der in einer Fabrik in Billancourt bei Paris angestellt ist. In seinem Besitz war eine Summe von 27 000 Frank, die er von dem eigent­lichen Leiter der Bewegung, dem früheren Oberst der spanischen Arm^e Maria, in Perpignan erhalten hat. Maria leitet von Perpignan aus die separatistische Be­wegung in Katalonien. Carillo waren versiegelte Briefe mitgegeben, die erst nach dem Überschreiten der Grenze geöffnet werden sollten, und die außer genauen Instruk­tionen die Angaben über Waffenverstecke ent­hielten. Bei einzelnen Verhafteten wurden auch Bomben gefunden. _____ demokratische Nahlerfolge in Amerika.

Siege der ProhibitionDgegner.

Unter außerordentlich starker Beteiligung haben in Amerika Ersatzwahlen zum amerikanischen Kongreß statt- gefunden. Nach den bisherigen Meldungen haben die