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Nachlaß gewährt. ❖ Kür die Schristleitung verantwortlich: Kranz Kunk in Hersfelö. ❖ Kernsprecher Nr. 8
Amtlicher Mnzeiger für den Kreis Hersfel-
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mit den Beilagen: Seimatschollen / Illustriertes Unterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Unterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.
Nr. 268 (Gifte Muth
Gonnabenö. den 13. November 1926
76. Jahrgang
Uneinigkeiten.
Sportpalast und Reichstagsgebäude, — ein Sechstagerennen dort, ein Katz - und Mausspielen um Parlamentsmehrheit und Regierungseinsluß hier. Zwischen diesen beiden allermodernsten Unterhaltungsliebhabereien pendelte in der Hauptsache das öffentliche Interesse in diesen Tagen hin und her.
Die Besucher des Sechstagerennens mit seinen vielen Aufregungen und Überraschungen sind diesmal ganz gehörig aus ihre Kosten gekommen. Auch wenn der frühere deutsche Kronprinz sich nicht an zwei von den sechs Tagen in ihrer Mitte gezeigt und die Ungebrochenheil seiner alten Sportleidenschaft durch Beteiligung an der Übung bei Preisaussetzungen für besondere Leistungen an den Tag gelegt hätte, das war ein Betrieb auf dieser Rennbahn, der sich schon vor dem großen internationalen Publikum sehen lassen konnte! Ob freilich zum Ruhm des guten deutschen Namens, der ja eigentlich auf ganz anderen Gebieten Auszeichnungen erstreben muß, ist eine Frage für sich; bemerkenswert immerhin, daß auch bei dieser Gelegenheit eine Beobachtung zu machen war, deren wir uns leider schon gar zu oft zu schämen hatten. Die ausländischen Fahrer sah man nämlich, bei allem Sonderehrgeiz, der sie gegeneinander abhob, doch den deutschen Wettbewerbern gegenüber immer als eine geschlossene Masse auftreten und kämpfen, während die deutschen Fahrer sich um keinen Preis unter einen Hut bringen ließen. Das war so, das ist so und das wird wohl auch immer so bleiben.
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Im Reichstag haben wir es allerdings nur mit deutschen Wettbewerbern zu tun; mit Parteien, denen allen die Vertretung des Volkes höchstes Gebot ist und die sich doch so gar nicht darüber einigen können, was diesem Volk frommt und was ihm schadet. Auch nur der Gedanke, sie nach rechts hin oder nach links hin zu einer regierungsfähigen Mehrheit zusammenzuschließen, er- scheint nachgerade bereits als ein allzu kühnes Unter« fangen, von dem am besten die Hand läßt, wer sich seine Finger nicht an immer noch lichterloh flammen-' den Partei-, und weltanschaulichen Gegensätzen verbrennen will. Eine Mehrheit haben wir allerdings in diesen Tagen im Reichstag wiederholt erlebt — aber sie war auch danach: Sozialdemokratie mit Kommunisten und Deutschnationalen nebst Völkischen im Verein, als wären sie ein Herz und eine Seele, sobald es sich um möglichste Steigerung der öffentlichen Leistungen für die Erwerbslosen handelt. Aber der Schein war Trugbild und nicht einmal ein holdes. Nicht viel hätte gefehlt und die Sozialdemokraten hätten sich die Zustimmung der Deutschnationalen zu ihren Anträgen wie zu denen der Kommunisten vor versammeltem Kriegsvolk ausdrücklich verbeten. Ein Schauspiel zum Totlachen, wenn nicht die Lage, die durch diese parlamentarischen Kunststückchen wieder einmal geschaffen wurde, doch auch ihre sehr bedenklichen Seiten aufwiese. Wieder ist hinter den Kulissen mit Macht gearbeitet worden, um wenigstens für den Augenblick die schlimmsten Verlegenheiten zn überwinden. Was aber dann, wenn an diesen Winkelzügen festgehalten wird, auch bei gesetzgeberischen Anlässen, bei denen mit Kompromissen billiger und selbst teurer Art schlechterdings nicht weiterzukommen ist? Soll der Reichstag aufgelöst werden, um vielleicht in genau derselben Verfassung und Parteibildung zurückzukehren, in der wir ihn nun schon seit zwei Jahren an bet Arbeit sehen? Hier ist guter Rat wirklich teuer.
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Die Reichsregierung ihrerseits geht, wo sich die Möglichkeit bietet, praktische Wege zur Völkerverständigung zu beschreiten, mit gutem Beispiel voran. So hört man jetzt, daß ein englischer Seekriegsfilm unter deutscher Mitwirkung in der Vorbereitung begriffen ist. Der Gedanke ist von der britischen Admiralität ausgegangen, die bereitwilligst versichert hat, der Film solle nicht etwa nur einseitig die englischen Flottenleistungen verherrlichen, sondern auch den Heroismus der deutschen Seekämpfer zeigen. Man darf sich wohl auf loyale Erfüllung dieser Zusage verlassen und so wird das internationale Filmgeschäft voraussichtlich bald wieder mit einem neuen Schlager aufwarten können. Für ausgesprochene Kriegsgegner freilich eine unwillkommene Bereicherung der Filmerzeugung, wahrscheinlich werden sie es an Protesten gegen diese Darbietungen zu gegebener Zeit nicht fehlen lassen. Wenn die Vorführungen aber als ein gemeinschaftliches englisch-deutsches Unternehmen ausgegeben werden können so braucht man von ihnen unerfreuliche Wirkungen auf die seelische Einstellung der Nationen schließlich nicht zu besorgen. Dr. Sy.
Lockerung der MetMangsivirlschaff.
Vom 1. Dezember ab in Preußen.
Durch die nunmehr veröffentlichte, mehrfach angekündigte Verordnung des preußischen Mlmsterrums wird mit Geltung vom 1. Dezember die Zwangswirtschaft für gewerblich benutzte Räume, dre nicht m11 einer Wohnung verbunden sind, aufge-
Ein asiatischer Völkerbund
MUch-Msche Koliferenz in Odessa.
Abschluß eines Freundschaftsbundes.
Der russische Volkskommissar für äußere Angelegen- heilen, Tschitscherin, ist mit dem türkischen Außenminister Ruschdi Bei, in Odessa zusammengetroffen. Es heißt, ei wolle mit ihm über den Abschluß eines russisch-türkisäp persisch-afghanischen Sicherheitsvertrages verhandeln. Ein gehende Vorsichtsmaßnahmen waren getroffen worden, um diese Zusammenkunft bis zum letzten Augenblick g e h c i m z u h a l t e n. Im Zusammenhang mit dem kürzlichen Besuche des persischen Ministers Timurtasch Khan unterstützt diese Zusammenkunft die Ansicht, daß irgendeine Art von asiatischem Bund oder Vertrag oder Pakt erwogen wird. Der „Times"-Berichterstatter bemerkt, er habe eine Information erhalten, die er unter Vorbehalt weitergebe, wonach Tschitscherin und Tewfil
Ruschdi Bei in Odessa ein Bündnis unterzeichnen würden. Der Beitritt Persiens zu diesem Bündnis sei
ungewiß. Es heiße, daß das Bündnis gegen eine mögliche ftalienisch-griechisch-bulgarische Vereinbarung mit Bezug auf Anatolien und Ostthrazien gerichtet sein werde. Der
Berichterstatter schreibt, Timurtasch Khan begeüe sich nach Paris. Die Konstantinopeler Presse sei der Ansicht, daß die Zusammenkunft von Odeffa besonders bedeutungsvoll sei in Anbetracht der Tatsache, daß sie auf Mustapha Kemal Paschas Rede bei der Eröffnung des Parlaments folgte, in der er die Freundschaft, die zwischen der Türkei, Sowjetrutzland, Persien und Afghanistan bestehe, betonte. Eine andere Auslegung sei, daß die Zusammenkunft eine indirekte Antwort auf die Zusammen-
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Hoden. Eine Kündigung ist jedoch frühestens zum 1. April 1927 zulässig.
Auch sogenannte g r b g c Wohnn n g e u unterliegen Nicht mehr. d.em MhMnMlMgMesetz und können nunmehr frei vermietet werden. Für Wohnhäuser besteht noch die Beschränkung, daß sie nur mit Zustimmung der Gemeinde abgebrochen oder als Fabrik-, Lager-, Werkstätten-, Dienst- oder Geschäftsräume verwendet werden. Dagegen ist die Genehmigung zum Tausch durch die beteiligten Gemeindebehörden nicht mehr nötig.
Auf Wohnungen mit einer Jahresfriedensmiete von a) 3000 Mark und mehr in Berlin, b) 2400 Mark und mehr in den übrigen Orten der Sonderklasse, c) 1800 Mark und mehr in den Orten der Ortsklasse A, d) 1300 Mark und mehr in den Orten der Ortsklasse B, e) 800 Mark und mehr in den Orten der Ortsklasse C, f) 500 Mark und mehr in den Orten der Ortsklasse D finden die Vorschriften des Wohnungsmangelgesetzes mit Ausnahme der §§ 2 und 8 keine Anwendung; jedoch ist im Falle des § 8 die Genehmigung der beteiligten Gemeindebehörden nicht erforderlich.
Strähnigen über die Große Koalition.
Einigung über die Frage der Krisenfürsorge.
Der innenpolitische Konflikt, der bei der Beratung über die Krisenfürsorge ausgebrochen ist, ist durch Verhandlungen zwischen den Koalitionsparteien des Reichstages und den Sozialdemokraten beigelegt worden. Die Regierungsparteien sind den sozialdemokratischen Forderungen soweit entgegengekommen, daß die Krisenfürsorge, Die nach der Erwerbslosenfürsorge für 52 Wochen eintreten soll, auch den Erwerbslosen gewährt werden soll, Die in der Zeit vom 1. April 1926 bis zum Inkrafttreten Dc§ jetzigen Gesetzes wegen Ablaufs der gesetzlichen Unter« stützungsdauer aus b"t ^rwerbslosenfürsorge ausgeschieden sind. Ferner sollen auch solche nach dem 1. April 1926 ausgesteuerte Erwerbslose, die seitdem nicht laufend von der öffentlicher. Fürsorge unterstützt sind, auf Antrag in die Krisenfürsorge ausgenommen werden. — Ferner ist den Sozialdemokraten die Zusage gemacht worden, daß ein Härteparagraph in das Gesetz ausgenommen werden soll zugunsten von Arbeitern aus Industrien, die von der Erwerbslosigkeit besonders betroffen sind.
Nebenher sind, wie aus parlamentarischen Kreisen gemeldet wird, Verhandlungen über den E i n t r i t t d e r Sozialdemokraten in die Regierungskoalition im Gange, da nach Ansicht der Mehrheit der sozialdemokratischen Fraktion ein ersprießliches Arbeiten nur durch völliges Zusammengehen der Sozialdemokraten mit den Regierungsparteien möglich ist.
„Wiking" und „Olympia".
Eine Denkschrift des preußischen Innenministeriums.
Die vom preußischen Innenministerium angekündigte Denkschrift über das Verbot der Organisationen „Wiking und „Olympia" ist soeben dem Preußischen Landtag äugt» gangen. Auf etwa 190 Druckseiten enthält sie das gesamte Material, durch das sich die preußische Regierung veranlaßt, glaubte, die beiden Verbände für das Gebiet des Freistaates Preußen aufzulösen. Der „Wiking"-Bund stellt nach Ansicht
kunft zwischen Mussolini und Chamberlain in Livorno Ende September sei.
Die Meldungen von dem Abschluß eines russischtürkischen Bündnisses werden durch ein Interview bestätigt, das der türkische Botschafter bei der Sowjetunion, Zekia Bei, dem Odessaer Korrespondenten der russischen Telegraphenagentur gewährte. Nach den Ausführungen des Botschafters sei die Zusammenkunft des türkischen Außenministers mit dem russischen Außenminister nicht nur ein neuer Beweis der freundschaftlichen Beziehungen beider Länder, sondern auch durch persönliche freundschaftliche Beziehungen zwischen Ruschdi Bei und Tschitscherin veranlaßt. Die Zusammenkunft werde die Freundschaft der beiden Länder noch weiter festigen und die internationale politische Lage günstig beeinflussen.
Der Sonderberichterstatter des „Petit Parisien" in Koustantinopel meldet seinem Blatte Einzelheiten über den russisch-türkischen Plan zur Gründung eines asiatischen Völkerbundes. In den letzten Wochen seien in Angora eifrig Verhandlungen zwischen dem türkischen Auswärtigen Amt und den diplomatischen Vertretern Persiens, Afghanistans und Chinas geführt worden. Von gut unterrichteter türkischer Seite wird zugegeben, daß die Völker Asiens sich augenblicklich untereinander zu verständigen suchten. Ob man es nun eine Verständigung, eine Nachahmung von Locarno und Genf, eine Union, eine Liga oder einen Konkurrenzvölkerbund nennen wolle, das ändere an der Tatsache an sich nur wenig. Der Berichterstatter schließt seine Meldung mit der Frage, ob die Pläne Moskaus vielleicht nicht noch weitergingen, und ob sie auf die Gründung der Vereinigten Staaten von Asien mit der Hauptstadt Moskau abzielten.
des Ministers die geheime Fortsetzung der nach dem Stopp« Putsch aufgelösten Marinebrigade Ehrhardt dar. Im Februar 1924 beschlasnahMe die Polizei n Hamm netcen umfangreichem Material, ' das nach Ansicht des preußischen Innenministeriums den vollen Beweis für die militaruche Gliederung, Schulung und Ausrüstung des Bundes lieferte, eine Fülle von Unterlagen für den staatsfeindlichen Charakter der Organisation, aus dem hervorgeht, daß der Bund als letztes Ziel den gewaltsamen Umsturz der Reichs- und Landesverfassung am „Tage der nationalen Revolution" erstrebte und vorbereitete.
Für die Begründung des Verbots gibt die Denkschrift zahlreiches Material. Schließlich sind in der Denkschrift die Ausrüstungs- und Bekleidungsabzeichen, beschlagnahmte Notizenzettel, Aufmarschpläne und sonstige Dokumente in Faksimile wiedergegeben. Ähnliche Vorwürfe werden von preußischer Regierungsseite auch gegen den Sportklub „Olympia^ erhoben.
Dwisches- Reichstag.
(234. Sitzung.) OB. Berlin, 12. November.
Das vorläufige deutsch-finnische Handelsabkomme n und der deutsch-lettische Wirtschaftsvertrag wurden ohne Debatte in zweiter und dritter Lesung endgültig angenommen. Dann wurde die allgemeine Aussprache über den
Nachtragsetat für 1926
fortgesetzt. Abg. Päth (Dtu.) klagte über die steuerliche Belastung des Mittelstandes. Die Lasten für Handel und Gewerbe mürben weiter gesteigert durch die jüngste Gesetzgebung auf sozialpolitischem Gebiete. Die Not der beschäftigungslosen selbständigen Handwerker sei ebenso groß wie die der Erwerbslosen. Angesichts dieser Notlage sei die übermäßig hohe Gewerbesteuer nicht zu rechtfertigen.
Abg. Dr. Schreiber (Ztr.) bezeichnete den Reichsschul- gefetzentwurf als eine ganz unbrauchbare Verhandlungsgrundlage. Es sei deshalb begreiflich gewesen, wenn er ohne weiteres abgelehnt wurde. Die aus diesem Anlaß am Zentrum geübte Kritik sei unberechtigt. Der Redner polemisierte dann gegen den Ausspruch des Hospredigers Dr. Döring, daß an Rom die Völker sterben. Der Redner forderte schließlich die schleunige Verabschiedung des Gesetzes zum Schutze der Jugend gegen Schund und Schmutz und bekämpfte die Verlängerung der Polizeistunde.
Michsmuenmimster Dr. Külz
erklärte, die Reichsregierung stehe mit den Ländern in Unter- handlung über die Entschädigung der Lehrkräfte geschlossener Privatschulen. Bei der bevorstehenden Beratung des Gesetzes gegen Schund und Schmutz werde sich zeigen, wie sehr die Tendenz dieses Gesetzes in der Öffentlichkeit verkannt sei. Das Reichsschulgesetz bedürfte gründlichster Vorbereitung, aber er hasse zuversichtlich, die Vorlage Ende dieses Monats, spätestens Anfang nächsten Monats im Kabinett zu verabschieden. Er hoffe, daß dann die Vorlage im Plenum aus breitester Grundlage angenommen wird mit einer Mehrheit, die nach rechts und links hinübergreife.
Abg. Koenen (Komm.) bezeichnete die Rede des Abg. Dr. Schreiber als eine weitere Verstärkung der innerhalb der Regierungsparteien bestehenden Differenzen. Die Art der Behandlung der Erwerbslosenfrage im Plenum und Ausschuß sei eine einzige große Blamage der Regierungsparteien und der Deutschnationalen.
Abg. Meyer-Berlin (Dem.) erklärte die Randlinie des Defizits als den richtigen Standort des Finanzministers, denn ebenso wie das Defizit müsse die Thesaurierung vermieden werden. Der Redner billigte das Arbeitsbeschaffungsprogramm ^er Regierung und die für Siedlungsarbeiten ausge-