ßersfelöer Tageblatt
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mit den Beilagen: Seimatschollen / Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach FeierabenS / Herb und Scholle / Unterhaltung und Wissen Belehrung und Kurrweil / Wirtschaftliche Tagesfragen. —
Nr. 271 Donnerstag den 18. November 1926 76. Jahrgang
Der asiatische Block.
Wieder einmal ist die WM burd) einen diplomatischen Schachzug SowjetrUmlands überrascht worden, nachdem diese Diplomatte der WM schon öfter derartige Überraschungen bereitet hatt». G«wH hat die MwAauer Regierrmg ihre Pläne einer WMMdolutionierNNg Prat- lisch längst zurtickgesteW, ist vielmehr bestrebt, mit den „kapitalistischen" Regierungen Europas in ertrügSche Beziehungen zu gelangen. Freilich mit recht geringem Erfolg, obtvohl sich der ruffische AußenpolrMec Lschi- tscherm dabei die allergrößte Mühe gibt. Aus dem Balkan ist er nicht vorwärtZgekommen, weil sich Rumänien da- zwischenschiebt, dem Rußland die Aneignung BeßarabienS nicht verzeihen kann. Die Ansätze eines engeren Ver- Hältnisses mit Polen haben sich schon wieder abgekühlt und von Frankreich trennt das Rußland von heute immer noch die Frage der Tilgung der alten Verpflichtungen aus der Vorkriegszeit.
Nun kommt diese Zusammenkunft mit dem türkischen Außenminister in Odessa, kommen sichere Nachrichten, daß auch die beiden anderen vorderasiatischen Staaten, P e r si e n und Afghani st an, unterrichtet waren über diese Zusammenkunft und den Inhalt der Besprechungen. Wenn sich wirklich um die Sowjetrepublik, die Türkei, Persien und Afghanistan ein engeres Band schlingen sollte, so wird Wohl auch der tatsächliche Herrscher Arabiens, Scheich Jbn Saud, nicht mehr lange draußen bleiben, sondern sich diesem Block anschließen, der rein machtpolitisch ist, mit bolschewistischen Ideen aber wenig zu tun hat.
Gerade, daß Moskau versuchte, diese Ideen in das Reich des türkischen Machthabers Kemal Pascha hinein- zubringen, hat die Ursache für eine zeitweise Trübung der beiderseitigen Beziehungen abgegeben. Außerdem war es ja für die wirtschaftspolttischen Absichten der Türkei etwas stark kompromittierend, in allzu enger Verbindung mit dem kommunistischen Rußland zu stehen; afcx. MchMeplätw JtaiUiU.il darunter Leide«. Politische Entwicklungen der neuesten Zeit, namentlich gewisse italienische Hoffnungen und Wünsche auf Teile Kleinasiens — was ja schon zu militärischen Gegenrüstungen der Türkei führte — zwange« Kemal Pascha dazu, Umschau nach neuen Freunden zu halten, da die alten versagten. Frankreich wird sich über platorctsche Äiebese-o- klärungen hinaus nicht weiter bemühen.
Alle Länder, die Türkei, Persien, Afgl-anifian und Arabien, haben einen gemeinsamenGegner: England. Dieses Land steht vor den Toren des afghanischen Kabuls, steht als Gegner in Südpersien, hat im Irak festen Fuß gefaßt, wendet sich in Arabien gegen den Wahadftenfürsten und wird daher von allen diesen Ländern als der eigentliche Feind betrachtet. Wenn sich jetzt vor den Toren Indiens, vor dem vorderasiatischen Macis dieser „Festung", ein derartiger Block von Moskau bis Teheran, von Angora bis nach Kabul bildet, zu dem dann Juuer- arabien in engen Beziehungen steht, so bedeutet das für England eine unmittelbare Gefahr. Und man wird in London die Kunde von der Besprechmrg in Odessa mit sehr ernsten Gesichtern ausgenommen habe«.
Die Gegenaktion hat nur eine Linie, wo sie einsetzen kann: das ist die Weichsel. Von Westen, von Warschau her einen Druck auf Sowjetrußland auszuüben, die Randstaaten mit Polen enger zu verknüpfen, bann das Band nach Südosten durch Rumänien zu vervollständigen, bis es mit Griechenland endigt «nb im Hintergrund Italien als Reserve steht. Dann ist dem vorderasiatischen Block ein Wall entgegengebaut, der stark genug sein kann, Englands Interessen zu schützen. Eine Zeitlang war England an Polens Schicksal ziemlich uninteressiert, das könnte jetzt anders werden. Polens Widerstand gegen Deutschlands Wünsche wird damit eine neue Stärkung erfahren: die Weichsellinie unter englischer Garantie bedeutet eine Hinausschiebung deutscher Grenzänder«rcgS- vorschläge. Über ein kühl-höflicheS Verhältnis zu Rußland sind wir trotz der Verträge von Srapallo und Berlin nicht hinausgekommen, find wahrscheinlich enger dem Westen als dem Osten verbunden. So muß ab gewartet werden, welche Bedeutung die ZusaurmMunst von Odessa für Deutschland gewinnen wird. .. ,,.
MichslandhUnd mrd Eckmt.
Eine Rede des Abg. Hepp.
Im Rahmen einer Versammlmig des LmrdSundes des Regierungsbezirks Magdeburg sprach d^ Präsiderrt des Reichslandbundes, Abg. Hepp, über daS Thernn „Der Reichslandbund im Kampf um dte Rechte und me Gxtstenz des deutschen Landvolkes-". Er beleuchtete entgehend^ die Stellung des Retchslandbundes MM gegenwärtrgen Staat, forderte Entpolitisier««« des Parteistaates und verlangte u. a. im Interesse der Landwirtschaft und des gesamten Volkes eine vernünftige Zoll- und Handelspolitik. Er schloß seine Ausführungen: „Unsere Parole hat zu tauten: Hinein in den Staat! Die Landwirtschaft kann sich nicht mehr außerhalb des staatlichen Machtbereichs bewegen. Sie hat als bedeutendster Berufsstand und Wirtschaftssaktor, aber auch als größte Mäste national- denkender deutscher Menschen ein Recht, verantwortlich an per Macht des Staates beteiligt zu sein." .
Gänzliche Am« des Aeiiimdes?
RSummgs-efehl vor ZchreMW?
Verhandlungen unter den Alliierten.
Die „Chicago Tribune" berichtet aus London, daß gegenwärtig wichtige Besprechungen Mischen Chamber- lain, Briand und anderen europäischen Persönlichkeiten stattsänden, die wahrscheinlich in Kürze zu dem Beschluß der vollständigen Räumung des von den Alliierten besetzten deutschen Gebietes führen würden. Eng- länder und Franzosen wünschten ihre Truppen aus dem Rheinlands zurückzuziehen. Es gebe aber noch zwei Hindernisse, die sich einer endgültigen Regelung in den Weg stellten. Das erste Hindernis, so behauptet das anrerftanische Blatt, liege in der Haltung der «ationalisti- schen Kreise in Deutschland, die der republikanischen Regierung bei jeder Gelegenheit Schwierigkeiten in den Weg legten. Das zweite Hindernis sei bei der Gruppe Militär- chef und Besatzungsarmee, den Mitgliedern der Kontrollkommission usw. zu suchen, die ihre bequemen und lukrativen Stellungen nicht ausgeben wollten und immerfort einige technische Gründe hervor- suchten, um Deutschland der Nichterfüllung der Entwaffnungsbestimmungen zu zeihen. Die „Chicago Tribune" will weiter erfahren haben» daß die Verhandlungen schon Soweit gediehen seien, daß die Forderungen, über die man ich mit Dr. Stresemann schon vorher geeinigt hätte, nunmehr jederzeit veröffentlicht werden könnten. Die R ä u - mung würde schon vor Beginn des neuen Jahres möglich sein.
Seschleumgung der MiMonirM- verhüMimMi.
Sowohl in Paris als auch in Berlin besteht die Absicht, die Verhandlungen über die Beseitigung der Jnler- mMwawiitammMMw^^
Ob AEchßm Nr Michshahn.
Ei ue R ede Dr. D o rp Mülle rs.
Der «v«e Generaldtrrktvr der Reichsbahn, Dr. Dvrp- nMier, machte aus einem EurpfangsabeM program- Mattsche Ausführungen über die Potttik mw die wirt- schaMhmr Absichten der RLichöbahm Die Reugepattung SÄ RormalgStertartfs, die eine größere Beweg- &Wt Mr die Singruppierung der einzelnen Güter und eine gewWe Entkaftuug der Wirtschaft bringen fall, ist smvett sertiggestel^ doch der Entwurf noch in diesem Womal a« die ständige Tariskvumüfswn und an den Ausschuß für VerkehrÄntcreffelltLn gelangt. In jedem Falle, erklärte der WeichSbahugenLraldirektor, werde er bemüht sein, den Wünschen der Wirtschaft entgegenzu- kommen. Sehr eingehend Keß er sich dann über die Finanzlage der Reichsbahn aus. Der englische Kohlew streü habe der Reichsbahn Mehreinnahmen in Höhe von etwa 100 Millionen gebracht. Dennoch warnte Dorpmüller vor finanziellem Optimismus. Die Safte« der Reichsbahn, die sich aus Ziuszahlungeu für die Obligationen, aus Rückständen für die Ausgleichsrück- iage, aus der Dividende für die dem Reich übergebenen BorzugSaWen ergeben, betrage« im laufenden Jahre etwa 685 Will., im nächsten 710 Will, und im übernächsten 780Milllouen Mark. Hierzu lammt noch dieBerkehrs- ^euer in Höhe von 350 bis 290 Millionen. Überdies sind die Ruhegehälter gegen die Vorkriegszeit von 1M auf 409 Millionen gestiegen. Auch sonst hat aber die Reichsbahn wesentlich höhere Slusgaben zu tragen, so für Kohle, für die 50 bis 60 % mehr auszuwenden sind als vor bem Kriege.
Dr. Dorpmüller dankte dem Personal für aufopfernde Arbeit und betonte hierbei, daß keine über-- bLÄuurg der Beamten eintreten dürfe. Von einer G e- fährdnng der Betriebssicherheit körme keine Rede sein. Dr. Dorpmüller wies hierbei auf die von der Reichsbahn arrgeordnete erhöhte Sichsrheitsüberwachuug hin. Der Generaldirektor wandle sich dann energisch gegen den Bau von Kanälen, da die Eisenbahn den Verkehr mit- den vorhandenen Eisenbahnanlagen ebenso bMg und wirtschaftlich bewältigen sönne.
Wie sehr die Reichsbahn die Wirtschaft befruchte, zeigten ihre jährlichen Aufträge: etwa 35 Millionen für Bettungsstofse, wer 40 Millionen für Holz- schwellen, 50 Millionen für Ausstattungsgegenstände, Druck-, Sch^cib- unb Zeichenwaren, 100 Millionen für Fahrzeuge, 160 Millionen für eiserne Ob^rbanstoffe, 260 Millionen für Kohle, 250 Millionen für Werkstoffe und Ersatzstücke, also Aufträge von rund einer Milliarde ohne die Bauten und ohne weitere 150 Millionen, die künftig zur Ergänzung der Wagen und Lokmnotiven notwendig sind.
Aus allen diefen Gründen müsse der Reichsbahngeneraldirektor Gewicht darauf legen, daß die Einnahmequellen nicht verstopft werden. Für das Jahr 1927 hofft er durch weisen Spürsinn auf einen annehmbaren Ab-
aMierbL« MüttürkostrokkomAWs« A W» Nächste« Wochen in beschleunigtem Tempo fwtbK^re«. Auch der französische Außenminister Briaub G PMB«- lich der Anschauung, daß eS wünscheuswert märe, dbe Verhandlungen nicht mehr zu verzöger«, da er be-fituchtel, daß sie sonst seine Besprechungen mit ^rosemamr tiLor die deutsch-französische Verständigung ungötig belasten würden. Der Reichsregierung liegt bereits die Stellungnahme der Botschasterkonferenz zu «Leu 8ragen, von denen, wie bekannt, eine Reihe al br reits erledigt zu betrachten ist. vor, während für die . .Handlung der Restfragen Besprechungen in PariS vorgesehen sind. Ungeregelt find die Fragen der Militär- uusbildung und der militärischen Verbände. Eine Ausnahme macht nur noch die Frage der Königsberger Befestigungen. Aber auch diese Frage soll, wie vertontet, auf keine besonderen Schwierigkeiten stoße«.
Drummond m London.
Heikle Fragen.
Der Generalsekretär des Wölkerbundes, Drummwud, ist in London eingetroffen, um mit den Delegierte« der britischen Regierung über verschiedene heikle Fragen im Zusammenhang mit der Tagesordrmng der Völkerbundratsfitzung im Dezember zu beraten, auf der sich u. a. die Zurückziehung der Saargarnisonen und die Frage der Kontrolle der deutschen Abrüstung befinden.
Ferner meldet der „Daily Telegraph", der Unterausschuß des Völkerbundrates für Rüstungssragen werde am 1. Dezember zusammenkommen, um die französisch- polnisch-sinnischen Reformvorschläge zu Art. 16 der WMrbuudsatzung zu erörtern. Lord Cectt, der wahrscheinlich der britische Delegierte in diesem Unterausschuß sein werde, habe früher verschiedene dieser Vorschläge energisch bekämpft.
schluß. Darüber hinaus etivas zu sagen, sei rächt u^tatM). Die Deutsche Reichsbahn sei eben mtt der deutsche» AtG- schüft auf Gedeih und Verderb »*<**«*«<.
Ende des engMen de-MtzeMAM.
Rückkehr zur Arbeit.
Wie der arntliche britische Fuwdievft metbet, KGs« bereits die bisher abgegebenen SttAMeu t« beu ß«®^* Werksbezirken keinen Zweifel mehr darützer zu, daH der Kohlenstreik Ende dieser Woche mit der BuualMe deck von der Regierung zur Regelung der Frage vo^geWka-- gene» Planes sein Ende finden wird. Dies k«m«t auch dadurch zum Ausdruck, daß schon jetzt eh« außergewöhnlich große Zahl von Streikende« zur thuest M« rückkehrt. In der vergangene« Woche wurde« «GkM 1,5 Millionen Tonne« Kohle gefördert.
Im Unterhaus legte bet UnterstaatSsetrstür tat Gesundheitsministerium, Kingsleywood, einen ErgärtzungS- kredit von 3 250 000 Pfund für außerordentliche Anb-che« der Gemeindebehörden vor, die teilweise sich infolge der Dauer des Bergarbeiterstreiks in recht bedrängter finanzieller Lage befinden. In der Begrüuvrmg führte der UrrterstaatssMetür noch auS, am 1& August, einem Zeitpunkt, wo daS durch den Streik verursachte Elend am größten gewesen sei, hätten 2 273 985 Person«! Geldunterstützrmgen erhalten. Zurzeit betrage die Zahl der Unterstützungsempfänger 2 038 006 Person««, jedoch sei nach Mitteilungen der Gesundhettöbehörde« der Ge- fundheits- und Ernährungszustand der Bergarbeiter- kinder besser als m der Zeit, wo die Wter noch WSMets«.
Das deuifchs ÄigeNizzm ür Amerika»
Staatssekretär Winstou für Freigabe.
Vor dem Bewilligungsausschuß des Repräseutcurte«- Hauses hielt der Unterstaatssekretär im Schatzamt, Wi«. stou, eine Rede über die Frage der Rückgabe des beschlagnahmten fremden Eigentums, in welcher er forderte, der Kongreß solle sich von dem amerikanische« Ideal der Heiligkeit des Privateigentums leit«, lassen und einen Plan für die Rückgabe da« beschlagnahmten deutschen Eigentum» auS. arbeiten. Nach Winstou hat man bet dieser Frage dreier lei Ansprüche zu unterscheiden, und zwar die ameriba- urschen gemischten Ansprüche, deutsche EigentumSau- sprnche, deutsche Ansprüche auf Schifte, Funfstatjoct«« und Patente.
Das Problem kann in folgender Weise ge« löst werden: Die zur Regelung der deutsche« SläspMch« auf Entschädigung für Schisse, Funkstatisnen und Patente erforderliche Sumure von 100 Millionen Dollar wird den Inhabern amerikanischer Forderungen ausge- handigt. 30 Millionen wird Deutschland im Jahre 1926 für die Besatzungskosten zahlen. 12 Millionen Dollar werden im Verlaufe des Jahres aus Reparationskonto gezahlt und 26 Millionen Dollar sind in dem Fonds