Einzelbild herunterladen
 

HersfelöerTageblatt bCtmmt MMMmK säs- säK^ä I 1.00 Reichs-Mark bei freue Zustellung, für Mholer : - , _ _ . 0.80 Reichs-Mark. Druck und Verlag von Ludwig

AmtlicherMizerger für den Kreis HersfelA r ?

mit den Beilagen: Heimatschollen / Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herb und Scholle / Unterhaltung und Wissen Belehrung und Kurrweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.

MonatlicherVezu )reis: DurchSiepostbez -ge» r.SS ; Reichs-Mark, aus ießlich Vestellgelö, für Hersfelö : 1.00 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer : 0.80 Reichs-Mark. Druck und Verlag von Ludwig : Zunks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des VOZV.

^♦♦♦♦^^^♦♦^♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦^♦♦♦♦♦^♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦^♦♦»♦♦^♦♦♦♦♦♦♦♦♦^

Nr. 307 (Erstes Statt) Freitag, den 31. Derember 1926 76. Jahrgang

Am Jahreswechsel.

Es ist ja wohl so ziemlich allerwärts des Landes der Brauch, zum Jahreswechsel, wenn es irgend angeht, ein fröhliches oder doch wenigstens ein zuversichtliches Antlitz zu zeigen. Ist das Herz im Grunde auch trüber Ahnungen voll in dem Augenblick, da ein neuer Jahresring am Baum der Menschheit sich zu bilden beginnt, möchte man doch an seinem Teil die guten Geister, von denen man ihn gesegnet zu sehen wünscht, nicht verscheuchen. Aber dies- mal lassen sich gerade in Ländern, denen sonst Leichtlebig- keit beinahe oberstes Gesetz ist, allerhand schwere, die Aus­sichten für 1927 tief umschattende Sorgen nicht unter­drücken.

*

Da ist vor allem das liebe Frankreich. Herr Poincarö hat zwar den Frankkurs kräftig gehoben und er /hält ihn nun schon ziemlich lange auf einem Stande fest, auf dem er sich allenfalls, wenn sonst alles stimmen und passen wollte, auch endgültig stabilisieren ließe. Aber ein rechtes G.lüÄsgefiihl will darüber weder im französischen Volk noch gar in der französischen Wirtschaft aufkommen. Die Regierung zählt zwar, was sie geflissentlich verbreiten läßt, Ende Dezembern u r" 30 000 Arbeitslose im ganzen Lande, allein wieviel Kurzarbeiter daneben schon auf mehr oder weniger kargen Teilverdienst angewiesen sind, darüber schweigt vorläufig noch des Sängers Höf­lichkeit. Man tröstet sich einstweilen mit der Möglichkeit, wenn die Dinge sich zuspitzen, in erster Reihe die aus­ländischen Arbeiter, die ja zu Hunderttausenden im Lande berumsitzen, über die Grenze abschieben zu können; also in der.Hauptsache nach Italien, auf das man ja im Augenblick nicht gerade gut zu sprechen ist, und nach e n.wo man schon eher berechtig s Empfindlichkeiten

'..11 ' .7^ ?^ si.k^-chr^nu^irU-

wirtschaftliche Not sie dazu zwingt, keinen Augenblick be- sinnen, ob sie Rücksicht auf sremde Arbeiterniassen nehmen oder die Verlegenheiten des eigenen Volkes noch ver- arößern sollen.

*

Schlimmer liegen schon jetzt die Verhältnisse in Dänemark. Als hier vor wenigen Wochen die neue Regierung gebildet wurde, fand sie rund 65 000 Arbeits­lose im Lande vor. Heute ist diese Zahl auf 80 000 an- gestiegen, eine bisher noch niemals. erreichte Ziffer, die als Gradmesser bei einer Bevölkerungszahl von 3 / Mil­lionen gewiß nicht zu verachten ist. Und aus Nor- Wegen gar wird berichtet, daß der Gesamtverlust der Pauken des Landes während der immer noch unge- schwächt andauernden Wirtschaftskrisis sich auf 1% Mil­liarde Kronen beläuft, was bei einer Gesamteinwohner- rahl von 2% Millionen Menschen einen Verlust von 500 Kronen auf den Kopf der Bevölkerung bedeutet.

*

Y Daß auch England sich keineswegs in rosiger Stim­mung befindet, ist nichts weniger als ein Staatsgeheim­nis: beginnt doch schon ein zunächst noch leises Raunen in der Öffentlichkeit, daß das Schatzamt sich im neuen Jahr sehr bald genötigt sehen werde, ungleich stärker als bisher Wi den auswärtigen Staaten auf die Begleichung seiner immer noch ausstehenden L>chuldsorderungen zu drängen In Paris soll Herr Churchill schon kürzlich eine e.p.e Andeutung nach dieser Richtung hin gemacht haben. Aber da sind weiter noch andere, ehemalsalli­ierte und assoziierte" Staatswesen, wie Jugoslawien, wie Griechenland, wie Portugal, denen England bisher immer nur gegeben und wieder gegeben hat, die aber das WortSchuldenzahlung" nur sehr klein zu schreiben pflegen.

*

Nur in D e u ts chl a n d, so hört man immer wieder draußen in der Welt klagen und sagen, nur in Deutsch­land blüht die Wirtschaft wie je zuvor, und der, wie es scheint, nicht auszurottende Glaube, daß dem wirklich so sei, kann natürlich nicht dazu beitragen, die Neujahrs­stimmung bei unseren lieben Freunden und Nachbarn zu verbessern. Schade nur, daß wir selber von diesem Glücks- zustaud, der bei uns herrschen soll, so ungemein wenig verspüren. Hört man unsere Finanzminister, unsere Stadtsäckelmeister, so wissen sie kaum noch ein und aus mit den ständig wachsenden Anforderungen, denen sie ge­nügen sollen. Und ziehen wir unsere Arbeitslosen­ziffern, unsere Geschäftsabschlüsse und Ein- und Aus- fghrzahlen zu Rate, so müßten auch wir nicht anders als mit sauren Gesichtern dem neuen Jahr entgegengehen. Wir tun es nicht, trotzdem nicht, denn ein Volk, das diese letzten zehn bis zwölf Jahre immerhin so tapfer und ohne f den Kopf auch nur einen Augenblick sinken zu lassen Überständer! hat, braucht auch vor der Zukunft nicht zu bangen, zumal, wenn es sieht, daß anderen Leuten, die in der jüngsten Vergangenheit mehr vom Glück begünstigt waren, als man es uns nachsagen kann, im Augenblick nichts weniger als wohl zumute ist.Sehe jeder, w o e r bleibe, und wer steht, daß er nicht falle!" Deutschland will nicht fallen und so wird es schon weiter aufrecht seinen Weg zu gehen wissen! Dr. Sh.

Amerika gegen das Wettrüsten

Loolidßes IriedenspoM.

Amerikanische Abrüstung?

Präsident Coolidge hat in New Jersey bei der offi­ziellen 150-Jahrseier der S ch l a ch t b e i T r e n t o n, die auf den berühmten Übergang Washingtons über den Dela- warefluß folgte, eine Rede gehalten, in der er von neuem den amerikanischen Abrüstungswunsch betonte. Die Rede wird als Hinweis aufgefaßt, daß Präsident Coolidge fest entschlossen ist, unabhängig von Europa sein Abrüstungs­programm durchzuführen.

Nach einem historischen Rückblick betonte Präsident Coolidge, daß Amerika fest entschlossen sei, Herr seines eigenen Schicksals und Richter über sein eigenes Handeln zu sein. Er glaube nicht, daß Amerika die Friedenspolitik durch eine Rückkehr zum Wettrüsten fördern könne. Ob­gleich er für ein st a r k e s H e e r und eine starke Flotte eintrete, sei er gegen jeden Versuch, die ameri­kanische Nation zu militarisieren. Wo diese Methode durchgeführt worden sei, habe sie sich stets als ein völliger Fehlschlag erwiesen. Amerika könne der Menschheit keinen besseren Dienst erweisen, als seinen ganzen Einfluß da­hin aufzubieten, die Wett vor einem Rückfall in dieses System zu bewahren. Vollzöge sich in der ganzen Welt ein völliger Herzenswandel, hätten wir die moralische Abrüstung und völliges gegenseitiges Verstehen, dann brauchten wir keine Rüstungen und keine internationalen Verträge für ihre Beschränkung. Dem neuen Prinzip könne nicht Geltung verschafft werden, wenn man nicht zu Opfern bereit sei und den Mut habe, sich zu seiner Überzeugung zu bekennen.

Er glaube, so betonte Präsident Coolidge zum

ien Städten seien stark u

er ge-

bei A^mlitärischen Geist zu widersetzen.

S»ä»Bä3Ei»®»jtE

ZDUW von 1 Mwivn an Mw$en.

Spruch des deutsch-belgischen Schiedsgerichts.

Nach Meldungen aus Brüssel hat das deutsch-belgische Schiedsgericht Deutschland zur Zahlung von einer Million Frank nebst Zinsen an die Stadt Antwerpen verurteilt. Der Angelegenheit liegt folgender Tatbestand zugrunde:

Bei Ausbruch des Krieges hätten in Antwerpen Ausschreitungen stattgesunden, durch die deutschen Reichsan­gehörigen schwere Schäden verursacht wurden. Für diese Schäden war nach belgischem Recht die Stadt Antwerpen haft­bar. Nach der Eroberung der Stadt durch die deutschen Trup­pen wurde von der Besatzungsbehörde ein Sondergericht zur Entscheidung über die Ansprüche der Geschädigten eingesetzt. Dieses Gericht sollte aus zwei von den deutschen Behörden bestellten Mitgliedern und einem Mitglied be­stehen, das von der belgischen Behörde zu ernennen war. Die belgische Behörde hat ihre Mitwirkung ver­weigert ,.Jo daß auch der dritte Richter von deutscher Seite bestellt werden mußte. Die Entschädigungen, die dann durch Spruch des Sondergerichts oder im Vergleichswege festgesetzt . wurden, beliefen sich aus rund 2,4 Millionen Frank.

Die Stadt Antwerpen hat jetzt vor dem deutsch-belgischen gemischten Schiedsgericht Klage auf Ersatz der gesam- ten Summe erhoben. Das Schiedsgericht hat sich auf den Standpunkt gestellt, daß die Einrichtung des Sondergerichts mit der Haager Landkriegsordnung nicht im Einklang gestanden 'habe, daß aber die Stadt Antwerpen auch von den belgischen Gerichten zur Zahlung einer erheblichen Ent­schädigung verurteilt worden wäre, die von der Klagesumme in Abzug gebracht werden müsse. Es hat den Betrag, der danach der Stadt Antwerpen zu ersetzen ist, in freier Schätzung aus ine Million Frank festgesetzt.

Eine Zahlung außerhalb der Tawes-Annuitäten kommt nicht in Frage. Die Zahlung Wirb sicher nicht in bar erfolgen, sondern aus dem Erlös des liquidierten Eigentums oder aus der Dawes-Annuität gedeckt werden.

Wer WOsische Ssidalen vechafiet.

Ein neuer Besatzungszwischenfall.

Bon zuständiger Stelle in Mainz wird gemeldet, daß nach Mitteilung des französischen Generals die beiden französischen M i l i t ä r p e r s o n e,,, die an dem Zwischenfall in der Nacht zum 25 d. Mrs. beteiligt ge­wesen sind, wegen Widersprüche in ihren Aussagen fest- genommen worden sind. Es haudett sich hierbei um die beiden Soldaten, "die in ihrer Trunkenheit in Mainz Händel mit Deutschen begannen, von diesen verprügelt wurden und bei diese" Prügelei ihren Revolver verloren. Die Soldaten Hattest du-W ihrem Vorgesetzten die Mel­dung erstattet, daß sie Überfällen worden seien, was von den deutschen Stc n aber sofort richtiggestellt werden konnte.

Auf der Neuen Brücke KoblenzGüls ereignete sich ein neuer Be satz » n g sz wischen f a l l. Französische Offiziere, die von der Jagd zurückkehrten, benutzten die Neue Brücke, Air deren Benutzung Brückengeld er­hoben wird. Die Offiziere, die nicht die geringsten An­

Kritische Lage der DLaz-Mgienmg.

Unterzeichnung in Paris.,

Nach den letzten Meldungen aus Nikaragua ist die Lage der Diaz-Regierung äußerst kritisch. Angesichts des entschiedenen Widerspruchs, den die Intervention der ame- cikanischen Truppen nicht nur in Zentral- und Südame­rika, sondern vor allem auch in der amerikanischen öffent­lichen Meinung selbst begegnet ist, hat es das Staats­departement für richtig befunden, jede weitere Aktivität in per umstrittenen Zone zu unterbinden und strikte Neutraki- iät zu bewahren. Ohne die amerikanische Hilfe wird Präsident Diaz sich schwer halten können. Die Erregung in Südamerika über das Vorgehen L^r Vereinigten Staaten ist noch immer sehr stark.

Die mexiksmsch-amenkamschr GpammrH.

Präsident Calles hat das Ersuchen der anrerikanischen ÖlgesellschafLen, die Frist zur Einreichung derKonzessions- zesuche zu verlängern, mit der Begründung abgelehnt, daß sie Souveränität der mexikanischen Ratio» das Recht gebe, Die Gesetze zu erlassen, die sie als richtig erachte. Den Gesellschaften bleiben somit nur noch 48 Stunden, um den Forderungen der mexikanischen Regierung nachzukommen; Die Antwort des Präsidenten Calles ist achtzehn Gesell­schaften zugegqngcn.

Im amerikanischen Staatsdepartement und in Washingtoner politischen Kreisen betrachtet man die Situcr- Hon alskritis ch. Man rechnet mit der A b b e r u f u n « .i e s amerikanischen Botschafters in Mexik^', < Sheffield, falls den amerikanischen Gesellschaften durch dsie _ Maßnahmen der mexikanischen Regierung Schaden zuose- sügt weroen sollte. Weitere diplomatische Schritte fiOW-. Ion amerikanisch^ Seite nicht mehr geplant. Die

i Dem neuen mexikanischen Gesetz gefügt hätten, haben bis- ! her noch keine Bestätigung gefunden.

stalten trafen, den geringen Brückenzoll zu entrichten, wur­den von dem Brückenwächter auf ihre Zahlungspflicht aufmerksam gemacht Statt zu zahlen, bedrohten und schlugen sie den Wächter, der gegen die Gewalt­tätigkeiten nichts ausrichten konnte.

Der -eilffch-itaiienische SchiedsgerM- veckrag.'

Für zehn Jahre abgeschlossen.

Die Unterzeichnung des deutsch-italienischen Ver­gleichs- und Schiedsgerichtsvertrages ist in schlichter Form im Arbeitszimmer des Ministerpräsidenten Musso­lini erfolgt. Dieser unterzeichnete als erster, nach ihm der deutsche Botschaftech Freiherr v. Neurath. Der Unterzeich- iritng wohnten bc itsche und italienische Diplomaten bei.

Der VertragZuilterscheidet sich in feiner Weise von ähnlichen bereits abgeschlossenen Verträgen Deutschlands. Er enthält 16 Artikel. Die vertragschließenden Par­teien verpflichten^ sich darin, etwa zwischen ihnen auf­tretende Streitfälle, die nicht auf dem gewöhnlichen diplo­matischen Wege freundschaftlich beigelegt werden könne.:, zum Gegenstand eines Ausgleichsverfahrens, zu machen. Zu diesem Zweck wird eine ständige Ausgleichskommission eingesetzt. Für den Fall, daß das Ausgleichsverfahren nicht zum Ziele führt, kann der Streitfall Schiedsrichtern oder dem Haager Gerichtshof unterbreitet werden. Der Vertrag setzt die Betracht kommenden Verfahren genau fest und ist für einen Zei traumvonzehn Jahren abgeschlossen.

Äeuisth-franzöMhes RaLiaSksmmen.

Die Delegierten der deutschen und der elsässischen Kali- zruben haben in Paris ein Abkommen unterzeichnet das sie Einzelheiten der pratti'chen Durchführung .m April d. I. in Lugano erzielten Verständigun -en chem Deutschen Kalisyndikat und der Kaliha: d

schaft des Elsaß festlegt. D ; in der ganzen We, <ä ' melten Bestellungen werd hiernach zu 70 % de i Ka syndikat und zu 30 % der Kcitihandelsgesellschaft des Elsaß zugestellt werden. Der Anteil der Handelsgesellschaft soll auf 50 % steigen, sobald die Gesamtverkäufe 840 000 Ton­nen reines Kali übersteigen, auf alle Fälle spätestens in fünf. Jahren. Andererseirs haben das Kalisyndikat und Die Handelsgesellschaft sich die ausschließliche Lieferung von Kalisalzen in Deutschland einerseits bzw, Frankreich, den Kolonien, Protektorats- und Mandatsländern anderer­seits vorbehalten. Der französische Landwirtschasts- minister hat die Vertreter der beiden Jndustriegruppest empfangen und zu dem Abkommen beglückwünscht.