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Hersfelöer Tageblatt

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mit den Beilagen: Helmatschollen / Illustriertes AnterhaltungSblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Unterhaltung und Wissen ________________________________________________Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen._____________________

Nr. 37 Montag, den 14. Februar 1027 77. Jahrgang

Wirffchafismiekeffe - Sefamtmlereffe

Zu der in einer Denkschrift der Regierung an den Reichstag festgestellten überaus großen Zunahme des Zu­sammenschlusses größerer Wirtschaftskreise in Deutschland wird uns von einem sachmännischen Mitarbeiter ge­schrieben:

Gewiß mag im Wirtschaftsleben manche Überlegung eine Rolle spielen, die nicht rein wirtschaftlicher Natur ist; aber selten geschieht das zum Nutzen der Wirtschaft. Wenn der bekannte Großindustrielle Dr. S'i l v e r b e r g sich zu der FrageWasserstraßen und Wirtschaft" äußert, wie das im Enqueteausschuß zur Untersuchung der deutschen Wirt­schaftslage soeben geschehen ist, so wird er die Wasser­straßenbaupolitik gleichfalls lediglich unter dem Gesichts­punkt prüfen, ob sich wirtschaftlich der Bau von Kanülen lohnt. Dr. Silverberg verneint diese Frage, stellt sich viel­mehr auf den Standpunkt, daß lediglich die vorhandenen Kanäle erhalten, die in Angriff genommenen kertiggestellt werden sollten und mehr nicht. Wenn er aber beispiels­weise dem M a i nD o n a u - K a n a l seine Zustimmung gibt, so geschieht das aus politischen Gründen, nämlich im Hinblick auf den Anschlußgedanken, obwohl er sich darüber klar ist, daß an eine Rentabilität dieses Kanals ebenso­wenig zu denken ist wie bei anderen Kanalprojekten, wo politische Erwägungen mitspielen.

Dieser rein wirtschaftliche Standpunkt, der nur die Rentabilität eines Unternehmens ins Auge saßt, ist meistenteils maßgebend gewesen auch für die große Um­stellung, die nach der Währungsstabilisierung in Deutsch­land erfolgt ist. Die in diesen Tagen erschienene Denk­schrift der Reichsregierung überKonzerne, Interessen­gemeinschaften und ähnliche Zusammenschlüsse im Deut­schen Reich" illustriert diese Entwicklung, die an sich ja nur die Fortsetzung der schon lange bestehenden Zusammen­schlußbewegung ist, die aber nach der Stabilisierung der Währung ganz andere und anschwellende Formen an- nahm. Wir alle kennen aus den Zeiten der Inflation den Namen S t i n n e s. Mag man von ihm sagen, daß er an fWWÄ^^ inrichna"

abgesehen, war sein Handeln doch bestimmt von dem Ge­danken dervertikalen Konzentration". Von der Kohle, von dem Eisenerz an bis zum feinsten elektrischen Apparat soll die gesamte Erzeugung in einer Hand liegen, von einem' Geist beherrscht werden. Daß Stinnes diesen Gedanken durchführen konnte, daß er außerdem hinaus- griff über die deutschen Grenzen und sich, auch an anderen Stellen eine Rohstoffquelle zu verschaffen in Der Lage war, lag vor allem an der Schwäche Der deutschen Wirtschaft infolge ihrer Unterhöhlung durch Die Inflation. Und mit dem Ende der Inflation war auch das Ende dervertikalen Konzentration" gekommen, ohne daß damit gesagt sein soll, daß dieser Gedanke zur wirtschaftlichen Unrentabilität führen müßte. Nach der Stabilisierung hat die Entwicklung nun andere Wege ge- nommen. Die bedenkenlose Anhäufung von Sachwerten hörte auf, der Aufkauf von Unternehmungen mit ge­borgtem Kapital, das entwertet zurückgezahlt wurde, hatte ein Ende und vor allem ließ das Interesse an der Rohstoffsicherung deswegen nach, weil mit Hilfe der stabi­lisierten Mark Rohstoffe aus der ganzen Welt bezogen werden konnten, die im Überfluß vorharkden waren. An Die Stelle der Festlegung in Sachwerten trat die zwin­gende Notwendigkeit,liquide" zu sein, d. h., über ein großes Betriebskapital verfügen zu können. Es wurde Darum zur Unmöglichkeit, einen Konzern von der Kohle bis zum elektrischen Apparat überhaupt zu übersehen, geschweige denn zu leiten, und die Entwicklung ging nun dahin, nicht mehr in der früheren Formvertikal", in die Breite, alles mögliche zusammenzuschließen, sondern man war bestrebt, die Produktionsgruppenhorizontal" vom Urprodukt zu einer bestimmten Sache bis zurFertig­stellung" zusammenzubringen, ohne daß man sich freilich Dabei eng an ein Schema hält. Wenn z. B. der größte deutsche Konzern in der Schwerindustrie, die Vereinigten Stahlwerke, sich eine Rohstoffbasis sichert, also über Berg­werke und Eisenhütten verfügt, so ist das keine Durch­brechung des Gedankens derhorizontalen" Konzen­tration. Die Kartelle, die sich so herausbilden, und zwar auf allen Gebieten der wirtschaftlichen Betätigung, stehen ganz unter dem Gesichtspunkt der Rentabilität. Das ist ihr volkswirtschaftlicher Vorzug. Stillgelegt wird alles, was nicht rentabel arbeitet, was Zuschüsse verlangt. Im Laufe der letzten Jahre ist diese Rationalisierung der Deutschen Wirtschaft ununterbrochen durchgeführt worden, um die deutsche Erzeugung auf dem Weltmarkt wieder wettbewerbsfähig zu machen.

Die zweite Aufgabe dieser Kartelle ist nun die Ab- satztegulierung; sie stößt freilich auf die In­teressen der Verbraucher. Hier ist der Punkt, wo die privatwirtschaftlichen Interessen der Kartelle, also der Grundsatz des größtmöglichen Verdienstes, leicht in Widerspruch geraten können mit dem Wunsche des Ver­brauchers nach möglichst billigen Preisen. Hierüber ein Bild zu gewinnen war der Grund, warum der Reichs­tag von der Regierung das Erscheinen der erwähnten Denkschrift verlangt hat, weil ein mittlerer Weg ge­funden werden muß zwischen den im Konzern zusammen­geballten und ihr privatwirtschaftliches Interesse im Auge habenden Erzeugern auf der einen Seite und den

Neuer Vorschlag an Volen

llnterbrechung der deuffch- polnischen Verhandlungen.

Eine deutscheNote für Polen.

Die Besprechungen innerhalb der Reichsregierung über die Polen gegenüber einzunehmende Haltung haben zu dem Ergebnis geführt, das; an Polen eine Note über­reicht worden ist, in der die deutsche Regierung vorschlägt, Die Verhandlungen mit Polen solange zu unterbrechen, bis die Warschauer Besprechungen über eine eventuelle Aufhebung der Ausweisungsdekrete zum Abschluß gekom­men sind. In Verbindung hiermit soll zunächst zwischen Deutschland und Polen über das Nicderlassungs- recht der Deutschen in der Polnischen Republik ver­handelt werden. Wenn eine Verständigung in Diesem Punkte erreicht wird, sollen die Verhandlungen über den eigentlichen Handelsvertrag fortgesetzt und zum Abschluß gebracht werden. Sollte die polnische Regierung diesen . oeutschen Vermittlungsvorschlag nicht annehmen, dann würden die Verhandlungen über den Handelsvertrag allerdings als zwecklos abgebrochen werden.

Die deutsche Regierung steht auf dem Standpunkt, daß »in Handelsabkommen zwischen Deutschland und Polen seinen Wert verlieren würde. wenn es den Vertretern der deutschen Industrie und des Handels in der Praxis un­möglich gemacht würde, sich in Polen aufzuhalten. Des­halb legt die deutsche Regierung entscheidenden Wert auf eine vorherige Verständigung über das Niederlassungs- cecht deutscher Kaufleute in Polen. Die deutsche Regierung ist durchaus bereit, die Verhandlungen über das eigentliche Handelsabkommen möglichst zu beschleunigen und zum Abschluß zu bringen, wenn über diese prinzipielle Frage durch ein Entgegenkommen der polnischen Regierung eine Oa ^WWDA>» » Mb tiven Vorschlag entschlossen, zunächst die Handelsvertrags­verhandlungen auszusetzen, um über diese wichtige Vor­aussetzung, nämlich das Niederlassungsrecht, zu einem güt­lichen Abkommen mit der polnischen Regierung zu ge­langen. Sollte die polnische Regierung sich dazu geneigt zeigen, dann bestünde Aussicht, innerhalb weniger Wochen zu einem Handelsvertrag zu gelangen.

Forderungen der ostpreußischen Landwirtschaft.

Die Landwirtschaftskammer für die Provinz Ost­preußen faßte einen Beschluß, in dem von der Regierung unbedingte Festigkeit gegenüber allen polnischen, den Wiederaufbau der Landwirtschaft vernichtenden Forde­rungen verlangt wird. Die ostpreußische Landwirtschaft erblickt eine Hauptgefahr in den Polnischen Forderungen auf erleichterte Einfuhr der Schweine. Die Erfüllung dieser Forderung würde die o'ihMßffche Schweinezucht aufs schwerste schädigen.

Verbrauchern auf der anderen, die nicht hilflos der ersten Seite ausgeliefert sein dürfen. Im Vaterlande der Trusts, Amerika, hat man es versucht, gesetzgeberisch durch Zwangsmaßnahmen gegen die Trusts vorzugehen und ist dabei gescheitert; daraus müssen wir in Deutschland lernen, um dies« weltwirtschaftlich zwangsmäßige Ent­wicklung in Bahnen zu leiten, die zum Wohle des Ganzen führen.

*

Eingabe der Gewerkschaften.

Die Spitzenorganisationen der Gewerkschaften haben soeben an die Reichsregierung, den Reichstag und an den Reichswirtschaftsrat eine Eingabe zur Kartell- und Mono­polfrage gerichtet. Es wird darin auf die zunehmenden Zusammenschlüsse in Industrie und Handel hingewiesen und betont, daß sich die bisherige Gesetzgebung gegen den Mißbrauch wirtschaftlicher Machtstellungen als unzu­reichend erwiesen habe. Eine schleunige Ausgestaltung der gesetzgeberischen Maßnahmen auf diesem Gebiete ist daher dringend notwendig. Die Gewerkschaften fordern eine ver­stärkte Mitwirkung der Arbeitnehmer an der Wirtschafts­führung und des weiteren eine Kontrollgesetzgebung für alle monopolistischen Bestrebungen. Insbesondere soll ein Kontrollamt für Kartelle und andere monopolistische Unternehmungen errichtet werden.

Unterzeichnet ist die Eingabe vom Allgemeinen deut­schen Gewerkschaftsbund, vom Allgemeinen freien Ange- stelltenbund, vom Allgemeinen deutschen Beamtenbund, vom Deutschen Gewerkschaftsbund und vom Gewerk­schaftsring deutscher Arbeiter-, Angestellten- und Beamten­verbände (H.-D.).

Ansprachen des Ministers Schiele.

Ausgleich zwischen Stadt und Land.

In Königsberg i. Pr. sprach der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, Schiele, über innen- politische Fragen. Er führte dabei u. a. aus:

In einem ausgeglichenen Staatswesen seien Stadt und Land keine Gegensätze. Die Städte entwickeln sich

Die Note an Polen!

Pause in den Handelsvertragskonferenzen.

In dem Schreiben, daß der deutsche Bevollmächtigte Dr Handelsvertragsverhandlungen mit Polen, Staats­sekretär a. D. Dr. Lewald, dem polnischen Bevoll­mächtigten, Her« von P r a o z y n s k i überreichte, heisst es:

Wie bekannt ist, hat die deutsche Regierung in den letzten Wochen bei der polnischen Regierung wegen der Ausweisung von vier leitenden Beamten der Oberschle- sischen Kleinbahnelektrizitätswerke-A.-G. Vorstellungen erhoben. Für die deutsche Regierung handelte es sich bei diesen Vorstellungen nicht nur um die Wahrung der per­sönlichen Interessen der betroffenen Reichsangehörigen. Maßgebend war vor allem der Umstand, daß die pol­nischen Behörden, insbesondere in Polnisch-Oberschlesie», in den letzten Monaten systematisch die Politik verfolgen, Reichsangehörige, die in wirtschaftlichen Unternehmungen tätig sind, aus diesen Stellungen durch behördlichen Druck auf die Unternehmungen oder durch Richtgenehmigung der Ansenthaltsverlängerung zu verdrängen.

Die polnische Regierung hat trotz der deutschen Vor­stellungen die erwähnten Reichsangehörigen zum Ver­lassen des polnischen Staatsgebietes gezwungen. Sie hat damit aufs neue zu erkennen gegeben, daß sie nicht ge­willt ist, aus die deutschen Vorschläge in der Frage des Aufenthalts und der Niederlassung einzugehen. Ich be­ehre mich daher, Ihnen mitzuteilen, daß nach Auffassung der deutschen Regierung eine vorläufige Aussetzung der in Berlin geführten Verhandlungen geboten ist.

In der Zwischenzeit würde zunächst der Versuch zu machen feilt, Diejenigen Fragen zu regeln, die sich aus den Ausweisungen und Verdrängungen der in Rede stehen­den Art ergeben. Ich hoffe, daß diese Verhandlungen unverzüglich ausgenommen werden und zu einem Er­gebnis führen, durch das der Wiederholung ähnlicher Zwischenfälle vorgebeugt und die baldige Wiederauf­nahme der Gesamtverhandlungen ermöglicht wird."

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Deutsch-polnische Schlichtungskommission.

Die angekündigte deutsch-polnische Schlichtungskom- misfion zur Regelung der Streitfälle über den Erwerb oder Verlust der Staatsangehörigkeit oder die Gültigkeit einer Option nach dem Wiener Vertrage wird am 15. Fe- bruar d. I. in Warschau zusammentreten. Die Schlich- tungskommission kann sich grundsätzlich nur mit Streit­fragen über Staatsangehörigkeit (Erwerb, Verlust und Option) besassen, die noch unerledigt in der Schwebe sind.

organisch nach den Bedürfnissen des sie umschließenden Landes, von dem sie Leben und Blut empfingen und dem sie wirtschaftlicher und sozialer Mittelpunkt wurden ein gegenseitiges Geben und Nehmen. So sei es beson. ders in dem deutschen Kolonialland östlich der Elbe ge­wesen. Im Laufe des letzten Jahrhunderts sei eine Ent­wurzelung der Bevölkerung eingetreten, die am deut­lichsten darin zum Ausdruck komme, daß vor etwa 100 Jahren noch rund 90 Prozent aller deutschen Menschen in eigenen Häusern und nur 10 Prozent in fremden Häusern zur Miete wohnten, während dieses Verhältnis heute genau umgekehrt fei.

Bei der allgemeinen Not und der Arbeitslosigkeit in Den Städten, namentlich der westlichen Jndustriebezirke, könnten sich die Städte gewiß zu einem Teil selbst helfen. Aber schon beim Wohnungsbau, den die Städte in ihrer Notlage stark in den Vordergrund rückten, entständen schwere Zweifel. Wo nicht gleichzeitig neue, organisch aus dem Wirtschaftsprozeß herauswachsende, also boden­ständige Arbeitsgelegenheit gegeben sei, müsse sich die Er­richtung neuer Wohnungen als ein Hemmnis in der Bc- serügung der Arbeitsnot auswirken. Wirkliche Hilfe könne den Städten nur vom Lande kommen. Es gelte, die Landwirtschaft zu stärken, ihre Ertragsfähigkeit zu sichern, damit sie in der Lage sei, ihren eigenen Bevölke­rungszuwachs festzuhalten und, darüber hinaus, brach­liegende Arbeitskräfte vor allem die Jugendlichen aus dem Heere der Arbeitslosen abzuziehen.

Eine solche agrarische Wirtschaftspolitik werde auch dre Arbeitsmöglichkeiten in den Städten vermehren und ihnen den Segen einer blühenden Landwirtschaft und den von ihr ausgehenden Impuls für das ganze Erwerbs­leben beweisen. Deshalb sei eine solche Politik auch die zweckmäßigste Politik vom Standpunkt der Städte, des Konsumenten; denn vermehrte ländliche Arbeit führe natürlich auch zur Vermehrung der Erzeugung von Nah­rungsmitteln und zu ihrer Verbilligung. Unser wirt- schastspolitisches Ziel müsse deshalb auf eine Un-schich- tung der Bevölkerung, auf einen gesunden Ausgleich zwischen'Stadt und Land, gerichtet sein. Daß alle Teile des Volkes sich in diesem Ziel fänden, sei eine staatspoki»