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Hersfelöer Tageblatt Hersfelöer Kreisblatt Mtlicher Anzeiger für den Kreis hersfelS

mit den Beilagen: Leimalschollen / Illustriertes AnterhaltungSblall / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Unterhaltung und Wissen Belehrung und Kurrweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.

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Nr. 39 Mittwoch, den 16. Februar 1997 77. Iabrsaug

Frankreichs Nein.

Nordamerika hatte vor dem Weltkriege bekanntlich nur ein verhältnismäßig kleines Heer und die Flotte war auch nicht sehr erheblich. Man betrachtet die Kosten der militärischen Rüstung als zwar notwendige, aber lästige Ausgaben, die sich aber nur herabsetzen lassen, wenn wirklich die allgemeine A b r ü st u n g auf der ganzen Welt erfolgen würde. Daher die fortdauernden Versuche, die in Washington gemacht werden, um Die Frage der Seeabrüstung nicht mehr zur Ruhe kommen zu lassen, die ja schon 1921 auf der Washingtoner Ab­rüstungskonferenz behandelt worden war und nicht ganz ohne Erfolg, da doch eine gewisse Rüstungseinschränkung bei Neubauten bestimmt und vereinbart wurde. Nun kam ziemlich überraschend jetzt die neue Denkschrift des nordamerikanischen Präsidenten C o o l i d g e über eine zweite Seeabrüstungskonserenz, kommt aber auch gar nicht überraschend sehr rasch die franzö­sische Antwort. DasNein!" selbstverständlich wenn auch in etwas diplomatische Watte gewickelt. Und mit einem dichten Blumenkranz eifrigster Friedens­und Abrüstungswünsche rings umgeben. Im Ziel sei man sich ja natürlich völlig einig; aber die M e t h o d e n, diese Methoden, die zu jenem Ziel hinführen die seien doch sehr, sehr umstritten und infolgedesfen . . .

Die sranzösische Regierung verweist in ihrer Ant­wortnote vor allem darauf, daß das Problem der Welt­abrüstung doch ureigenstes Gebiet der Völkerbund­arbeit ist und der Genser Versammlung dürfe man daher die Prüfung und Lösung dieser Frage nicht ab- nehmen. Außerdem sei man ja in Genf außerordentlich eifrig gerade mit dieser Beratung beschäftigt usw. usw Die Gründe zur Ablehnung sind ja billig genug, nm wird C o o l i d g e aus allem eben nur das Nein! Hörern ' Nutz' dieses Nein erhält tn ur o m ein viFuso. deutliches Echo; auch dort lehnt man jede Rüstungsbeschränkung jede Konferenz ab.

Nordamerika wird sich aber auch durch den franzö­sischen Hinweis nicht abspeisen lassen, daß die vorge­schlagene Seeabrüstungskonferenz mit ihren fünf Groß­mächten als Teilnehmer doch eine Brüskierung der kleine­ren Mächte bedeute. Auch dieserGrund" ist nicht durch­schlagender als die anderen, weil eben die Kräftever­teilung in der Welt doch letzten Endes von den paar Großen abhängt, die Kleinen notgedrungen aber parieren müssen. Frankreich spielt mit seiner Ablehnung aber ein wenig mit dem Feuer, ebenso Italien. Hier wie dort ist die Währung nur mit Mühe stabilisiert und sie kann bei einem entsprechenden Vorgehen des geldmächtigsten Staates des Erdballs sehr leicht wieder ins Wanken kom­men. Zwar hat Italien mit Nordamerika einen recht günstigen Schuldentilgungsvertrag abgeschlossen, aber immer noch nicht ratifiziert ist das Abkommen, das Poin- carüs Vorgänger in Washington abschließen ließ, das anzunehmen sich aber der jetzige Präsident Frankreichs ebenso weigert wie die Pariser Deputiertenkammer. Und auf dieArbeit" der Abrüstungskommission in Gens kann sich Frankreich wirklich nicht so ganz ernsthaft be­rufen, weil die Redereien in der Kommission ebensowenig ein praktisches Resultat aufweisen wie ihre Beschlüsse, um die sich Frankreich den Teufel kümmert.

Es gibt aber ein französisches Sprichwort:Qui trop embrasse, mal etreint" das heißt auf deutsch: Allzuviel ist ungesund". Run ist aber Frankreich der militärisch bestgerüstete Staat der Welt, vermag diese Rüstung aber nur zu erhalten, weil es seine Schulden nicht be­zahlt. Es kann aus diesem Herrschaftstraum eines Tages ein unfrohes Erwachen geben, wenn nämlich die Wallstreet, also die Newyorker Börse, jenes Spiel Frank­reichs nickt mehr dulden will.

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Emwensungen gegen die Abrüstung.

Die im französischen Ministerrat von dem Außen­minister Briand vorgelegte Antwort an C o o l i d g e ent­hält folgende Einwendungen gegen den amerikanischen Abrüstungsvorschlag:

1. Der Völkerbund behandele bereits die Abrüstungs­frage und prüfe sie nach seiner eigenen Methode. Frairk- reich könne nicht dafür eintreten, daß dem Völkerbünde die Behandlung dieser Frage wieder abgenommen werde. 2. Eine Sonderkonferenz der fünf Mächte, die das Washingtoner Abkommen von 1922 unterzeichneten, habe den schweren Nachteil, daß die anderen Nationen, die das Problem der Abrüstung zur See ebenfalls interessiere, von der Debatte ausgeschlossen würden. 3. Die französische Regierung habe bereits zur Abrüstungsfrage Stellung ge­nommen, indem sie in der vorbereitenden Abrüstungs­konferenz das Prinzip der engen Verbindung der Ab­rüstung zu Lande, zur See und in der Luft verteidigt und durchgedrückt habe. Frankreich habe also jetzt 'keinen Grund, seinen Standpunkt aufzugeben. 4. Auf Vorschlag Frankreichs sei außerdem die Notwendigkeit aneiiüfuit worden, daß die Sicherheit der Verbindungen zur See garantiert werde und daß die Flottenstärke der geogr.^ hisch-en Lage jeder interessierten Macht Rechnung trage. Frankreich könne sich demnach mit dem rein matk-m-i- tischen Kriterium der Abrüstung zur See nicht einverü^r- den erklären.

Sie MebemkheemW in Sugoflawien

600 Opfer der Erdbebenkatastrophe.

Nach den vorliegenden Erdbebenmeldungen wurden in Bosnien und Dalmatien mehrere tausend Häuser v o l l k o m m e n zerstört. Die Zahl der Menschenopfer wird auf 6 0 0 geschätzt. Bei Mostar wurde ein großes Zeltlager errichtet, in dem Tausende Obdach­lose Unterkunft fanden. In Ragusa sind beim Einsturz desHotel de Ville" mehrere Personen getötet worden. Der Gesamtschaden ist noch nicht feststellbar, wird aber aus über 100 Millionen Dinar geschätzt.

Der Herd des Bebens.

Das Erdbeben und seine Folgeerscheinungen haben die ganze Herzegowina und auch die angrenzenden Landesteile des Köniareicks Südslawien in aroke Auk-

Das Erdbebengebiet.

regung versetzt. Im 'Herdzentrum wagt sich die ver- angstrgte Bevölkerung nicht wieder in die Häuser zurück, um so mehr, als sich die Erdstöße, wenn auch mit ver- mmderter Stärke. Wiederbolen.

Polen lehnt Deutschlands Vorschlag ab.

Schwierigkeiten auch in Paris.

Der Vorsitzende der polnischen Delegation für die deutsch-polnischen Handelsvertragsverhandlungen hat im Auswärtigen Amt eine Antwortnote überreicht, die eine llblehnung des deutschen Vorschlages enthält, die eigent- üchen Handelsvertragsverhandlungen zu unterbrechen »nb zunächst in eine Erörterung der Frage des Nieder- nssungsrechtes einzutreten. Die polnische Note kündigt )ie Abreise der polnischen Delegation an und damit den midgültigen Abbruch der Handelsvertragsver- jandlungen. In der Note wird betont, daß nach Aus­lassung der polnischen Regierung die Unterbrechung der n Berlin geführten Verhandlungen keineswegs geboten var, vielmehr nach der Überzeugung der polnischen Re­gierung die wirtschaftliche Verständigung zwischen den leiden Ländern nur erschweren und verzögern kann.

An zuständiger Stelle sind jetzt Berichte über die während der letzten Tage in Paris geführten Handels- »ertragsverhandlungen eingegangen. Eine Unter- i r e ch u n g in dem Vertragsverhältnis zwischen Deutsch­land und Frankreich erscheint fast unvermeidlich; das lugenblicklich gültige Provisorium läuft zwar noch bis zum 21. Februar. Selbst bei Inkraftsetzung auf dem Lerordnungswege wäre, nach dem Gesetz über die pro« sisorische Inkraftsetzung von Verträgen, immerhin erst noch der Handelspolitische Ausschuß des Reichstages zu chören. Streitobjekt sind nach wie vor die Wein- ; ö l l e und die Verlängerungsfrist für das Pro- sisorium. Die deutsche Regierung hat alles versucht, um inen vertragslosen Zustand zu vermeiden: auf der ande­ren Seite kann aber schon jetzt gesagt werden, daß die deutsche Regierung keineswegs geneigt ist, die Eiufnbr französischen Weines nach Deutschland, eines ihrer groß- ten Kompensationsobjekts im Provisorium, jetzt schon zu regeln. Sie wird darauf bestehen, daß diese Frage erst int endgültigen Handelsvertrags geklärt wir?. Dagegen verstärkt sich der Widerstand der französischen Weinbauern and Weinhändler gegen eine Verlängernu z deck deutsch« französischen Hondelsprovisoriums unter Au^chiuz der französischen Weine.

MmH der eagW-MHMl ArOMMW.

Alck Antwort auf die 'Truppenlandaugen in Schanghai.

Seit einiger Zeit schweben zwischen dem britischen Unterhändler O'Malley und dem Minister des, Äußeren der .Kantonregierung Verhandlungen über eine Neu­regelung des Riederlassungsrechtes, wobei England grundsätzlich bereit war, auf die Forderung der chine- sischen Regierung nach Wiederherstellung ihrer vollen

Da sich in Erdbebengebieten sehr schnell Banden bil­den, die die verschüchterte Bevölkerung brandschatzen, und weil auch gewisse Bezirke als besonders gefährdet abgesperrt werden müssen, hat die Regierung in Belgrad sofort Militär auf allen verfügbaren Wegen nach der Herzegowina entsandt. Tiefer Schnee, der über der heim­gesuchten Gegend liegt, erschwert das Herankommen a« die betroffenen Ortschaften, deren telephonische und tele­graphische Verbindung vollkommen abgerissen ist. Die Bewohner sind sonst leichtere Erdstöße durchaus gewöhnt und erklärten, daß dieses Beben das schwerste sei, das fie seit Menschengedenken heimsuchte. Da die oberirdische» Leitungen schlagartig abrissen, war es unmöglich, so^wl Hilfe herbeizurufen.

Weitere Einzelheiten.

Die Einzelmeldungen liegen nur aus den größeren Orten vor. In Serajewo, der Hauptstadt des früheren Bosniens, bewirkte das Erdbeben einen Bergsturz. In der Stadt selbst brach eine Panik aus, da fast alle Häuser Risse bekamen und die Schornsteine und Dächer einstürzten. In der Küstenprovinz Dalmatien erlitten bisher den schwersten Schaden Sebenico, Makarska, Per- kovic, Metkovic und Gabela. Mit den von dem Erdbeben betroffenen Gebieten ist vorläufig kein Eisenbahnverkehr möglich, weil die Strecken stark beschädigt sind. In Bel­grad ist sofort nach dem Eintreffen der Meldungen ein Ministerrat zusammengetreten und hat vorläufig 10t Millionen Dinar für Rettungszwecke be­willigt.

Besonders schwer waren die Zerstörungen, die durch 4xte ^ellbr^ WML, AA. überall in dem gebrrgrgen Lande von den Bergen kosten und zu Tal donnerten. In das Donnern der Erde mischte sich ein regenloses Gewitter, das bei sternklarem Himmel beobachtet wurde. Die Feststellungen der Erd- bebenforscher in den jugoslawischen Stationen, die übrigens sehr schnell außer Betrieb gesetzt wurden, gehen dahin, daß der Erdstoß die ungefähre Richtung Ljubinje Raausa hatte.

Souveränität einzugehen. Engltscyerseits, u. a. nach von Chamberlain, ist schon öfter auf den bevorstehenden er­folgreichen Abschluß dieser Verhandlungen hingewiesen worden, ohne daß dieser Optimismus sich bisher be­wahrheitet.

Jetzt sind diese Verhandlungen sogar von China abgebrochen worden als Antwort auf die unter großem militärischen Gepränge stattgefundene Landung eng­lischer Truppen in Schanghai. Die Lage wird als sehr ernst betrachtet und auch dieTimes" weisen darauf hin, daß China noch für lange Zeit die ernste Ausmerk- .samkeit Großbritanniens beanspruchen wird.

Unterdessen fährt England mit weiteren Trup­pen sendungen nach Schanghai fort. So wird demnächst die erste indische Brigade in Schanghai ge- landet werden, außerdem steht der Abtransport eines weiteren Bataillons britischer Truppen von Hongkong nach Schanghai bevor.

Die Lockerung der Wohnungszwangs- wirtschasl.

Um die gewerblich benutzten Räume.

Der Ausschuß für Wohnungs- und Siedlungswesen bee Preußischen Landtages hatte sich mit den Anträgen auf Zu­rückziehung bzw. Änderung der ministeriellen Verordnung auf Aufhebung der Zwangsbewtrtfchaftung gewerblich benutzter Raume zu besassen.

Zu Beginn der Verhandlungen sprach der Wohlfahrts- mmlster Hirtsiefer. Er stellte sich unbedingt auf den Boden seiner Verordnung und erklärte auf Grund des ihm vorliegenden Zahlenmaterials, daß von sämtlichen Regierungs­präsidenten von Preußen drei Viertel dem Ministerium zuge- itrmmt hatte», wonach die Verordnung unverändert bleibe« solle.

Aus allen Unterhandlungen gehe für ihn klar hervor, daß weder Änderung noch Aufhebung der Verordnung in Frage kommen könne. Auch eine Fristverlängerung sei abzulehnen.

Nach längerer Aussprache wurden in der Abstimmung fast sämtliche Abänderungsanträge abgelehnt. Annahme fanden Nur der deutschnationale Vorschlag aus Einrichtung amtlicher schiedsstellen sowie der demokratische Antrag auf Heraus­lassung der Ateliers von den gewerblichen Räumen. Am Donnerstag wird sich das Plenum des Landtages mit der Frage beschäftigen.

preußischer Landtag.

(245. Sitzung.) tt. Berlin, 15. Februar.

Nach dreiwöchiger Pause nahm der Preußische L.mdtaß seine Plenarsitzungen wieder aus. Durch Erheben von den Plätzen gedenkt das Haus des Ablebens der Abgg. G ö b e l - Oppeln (Ztr.), für den Bauerngutsbesitzei Henkel in den Landtag eingetreten ist, und M ü l l e r Franken (Wirtsch. Vgg.), dessen Nachfolger noch nicht benannt ist. Ein kommu­nistischer Antrag, durch Reichsgesetz jede längere als sieben» stündige Untertagearbeit und achtstündige Übertagearbeit im