hersfeüöer Tageblatt
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Hersfelder Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für öen Kreis Hersfelö
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mit den Beilagen: Heimatschollen / Illustriertes AnterhaltungSblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Unterhaltung und Wissen Belehrung und Kurrweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.
Nr. 46
Donnerstag, den 24. Februar 1827
77. Jahrgang
Llnd die Saar?
Wieder einmal hat sich im besetzten Gebiet einer der dort nicht gerade seltenen Zwischenfälle abgespielt. Die Franzosen haben zwei deutsche Gendarmeriekommandanten verhaftet und im Auto davongeführt mit der Rücksichtslosigkeit, die dabei immer angewendet wird. Erst viel später erfuhr man den sogenannten Grund dazu. Deutsche Gendarmerie hatte nämlich einen Trupp von siebzehn jungen Deutschen, die sich in Begleitung eines Franzosen nach dem Mainzer Bureau der franzöfische n Fremdenlegion begeben wollten, mit der Begründung angehalten, daß sich unter ihnen steckbrieflich Verfolgte befänden. Das hat sich auch als richtig herausgestellt bei dreien von ihnen, während die vierzehn anderen wieder entlassen wurden. Der französische Begleiter wurde, weil er es ablehnte, sich auszuweisen, auf einer Station aus dem Zuge entfernt. Daraufhin erfolgte nun die Verhaftung der beiden Gendarmeriekommandanten. Also ein gewöhnlicher Racheakt, weil vermutlich die jungen Leute sich inzwischen ihren Eintritt in die Fremdenlegion Wohl noch einmal überlegt haben werden.
Ein neuer Übergriff — nichts mehr. Aber dieser Vorgang bildet nur ein Spiegelbild von dem, wie es rings im besetzten Gebiet zugeht. Die kleinen Nadelstiche werden im-unbesetzten Gebiet ja meist gar nicht bekannt. Aber die Vertreter der politischen Parteien im Saarge b i e t, die jetzt in Berlin weilen, werden wohl dem Ministerium für die besetzten Gebiete ausgiebigstes Material hierüber zur Verfügung stellen können. Es kam zu überraschend, daß der bisherige Vorsitzende der Saarkommission, Stephens, ein Kanadier, plötzlich von seinem Amt zurücktrat; über die Person seines Nachfolgers hat sich nun schon eine heftige Diskussion entsponnen. Während von französischer Seite das belgische Mitglied der Saarkommission für den Vorsitz empfohlen wird — und dieser Vorsitz bedeutet eine fast absolute Herrschaft für das Saargebiet —, will das deutsche Saarland natürlich einen Deutschen zum Vorsitzenden ya«w, uetut in dieser Kommt),ivu, deren «»«t^vMUt» setzung vom Völkerbundrat bestimmt wird, befindet sich ein Deutscher. Die Saarländer haben zuerst Franzosen als Vorsitzende in dieser Kommission gehabt, die alle Anstrengungen machten, das Gebiet zu französieren, und sich dabei nicht darum kümmerten, ob das innerhalb des Rahmens der hierfür schon weit gezogenen Grenzen des Versailler Vertrages hineinpaßte oder nicht. Roch immer stehen französische Truppen im Saargebiet und man hat dort schwere Zeiten durchgemacht, weil man an das Schicksal der französischen Währung gekettet, ein Teil des französischen Wirtschafts- und Zollgebietes war. Es nutzte gar nichts, wenn man mit Bitten und Klagen vor den französischen Minister hintrat, und in Genf, beim Völkerbund, dachte man gar nicht daran, in das verhängnisvolle Wirken der Saarkommission hineinzureden. Immer wurden die saarländischen Deputationen abgewiesen, die nach Genf gingen, um dort Beschwerden vorzubringen. , Aus der letzten Tagung des Völkerbundrates, wo Deutschland zum erstenmal als Mitglied erschien, hatte sich eine kurze Gelegenheit ergeben, Saarfragen zu behandeln; die Beratung wurde bald vertagt. Auf der kommenden Tagung im März wird nun die Neuwahl des Vorsitzenden der Saarkommission vor sich gehen müssen und Deutschland wird gut daran tun, seinen Anspruch daraus, daß das deutsche Mitglied zum Vorsitzenden gemacht wird, baldmöglichst anzubringen. Vielleicht wird sich dann überhaupt Gelegenheit finden, die gesamten Streitfragen über das Saargebiet aufzurollen und vor allem die Zurückziehung der französischen Truppen zu verlangen, deren Anwesenheit gegen die Bestimmungen des Versailler Vertrages verstößt.
Die Franzosen werden inzwischen selbst eingesehen haben, daß ihre Politik der Französierung dieses Gebietes ohne jeden Erfolg geblieben ist; persönliche Skandale übelster Art taten dabei ein übriges. Der Völkerbundrat hat infolgedessen einfach die Verpflichtung, nun endlich einmal ein wirklich unparteiisches Regiment im Saargebiet zu erzwingen, um den unerträglichen Zuständen ein Ende zu bereitet wie sie ja leider anderswo im besetzten Gebiet ebenfall "dien.
Große Mittelstandskundgebung.
Der „Reichsausschuß der deutschen Mittelschicht".
Das Verlangen zu einem großzügigen Zusammenschluß aller Berufsschichten des Mittelstandes hat zur Gründung des „Reichsausschufles der deutschen Mittelschicht" geführt, die als Spitzenorganisation alle deutschen Mittelschichten umfassen soll.
Die Berliner Haupttagung des Reichsausschufles des deutschen Mittelstandes sah eine Reihe von Ehrengästen. Es waren anwesend: Reichsjuftizmimster Dr. Hergt, Ministerial- rat Dr. Feßler, als Vertreter des Reichswirtschaftsministe- riums, der Reichskommiflar für Handel und Gewerbe, Dr. Hoppe, für das Reichsarbettsministerium Oberregierungsrat Steinmann. Ferner sah man einige Parlamentarier.
Als Vorsitzender des Reichsverbandes des deutschen Handwerks sprach Derlien. Er verlangte die tatsächliche Durchführung des im Artikel 164 der Weimarer Verfassung verankerten Schutzes des Handwerks und wandte sich lebhaft gegen die ausschließlichen Monopoltendenzen des Großkapitals. Gegen das Handwerk werde der Vorwurf zu hoher
Sie MtsAstsbeziehmgeii mit Ammen
Ser rumänische Gesandte
über Deutschland.
Die Entwicklung der inneren Verhältnisse im Königreich Rumänien hat in letzter Zeit infolge der schweren Erkrankung des Königs und der Thronfolgeschwierigkeiten die Aufmerksamkeit Europas auf sie gelenkt. Die neuesten Meldungen sprechen von einer angeblich bevorstehenden Rückkehr des Exkronprinzen Carol nach Rumänien und einer Versöhnung des Königs mit ihm. Unter diesen Umständen gewinnt eine Unterredung, die einer unserer Mitarbeiter in diesen Tagen mit dem kgl. rumänischen Gesandten und bevollmächtigten Minister in Berlin, Exzellenz C. G. N a n o, hatte, besonderes Interesse. Es dürfte keinem Zweifel unterliegen, daß Rumänien, welches soeben einen Freundschaftsvertraa mit Varis unter
zeichnet hat, eine sehr wichtige Rolle im deutsch-französischen Ausgleich spielen wird. Auch ist die Rede davon, daß die seit einiger Zeit geplante Anleihe Rumäniens in Deutschland im Betrage von 200 Millionen Goldmark so gut wie abgeschlossen sei. Vierzig Millionen sollen bar gezahlt, der Rest in Lieferungen gegeben werden. Der gegenwärtige Stand der deutschen Beziehungen zu dem Staat auf dem Balkan, der im Weltkriege bei Deutschlands Gegnern stand, findet in den nachfolgenden Äußerungen des Gesandten, eines Siebzigjährigen aus alter Diplomatenschule, Aufklärung.
Die Unterredung.
Exzellenz C. G. Nano erklärte: „Wie es allgemein bekannt ist, bestand vor dem Kriege zwischen beiden Ländern eine sehr rege, dem Wohle beider Volkswirtschaften dienende Zusammenarbeit. Die in den ersten Jahren nach dem Kriege noch bestandene Kriegspsychose sowie noch einige schwebende Fragen verhinderten das Wiederherstellen des durch den Krieg unterbrochenen regen Wirtschaftsverkehrs. Gegenwärtig jedoch bemühen sich die verantwortlichen politischen und wirtschaftlichen Kreise beider Länder, die alten normalen Beziehungen wiederherzustellen und die noch da und dort vorhandenen Hindernisse zu beseitigen. Ein Erfolg dieser Be-
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Preise erhoben. Die Syndikate und Trusts seien es, die trotz Normalisierung und Rationalisierung die Preise ständig herabsetzen. In den großen Werken werden Verkaufsstellen für sämtlichen Lebensbedarf eingerichtet und die Waren zum Selbstkostenpreis abgegeben. Auch die monopolistischen Betriebe der Kreise und Kommunen seien, so führte der Redner aus, ein schwer erträglicher Wettbewerb für den gewerblichen Mittelstand.
Der Vorsitzende des Reichsschutzverbandes für Handel und Gewerbe, L i e b a l d - Braunschweig, forderte eine gerechte Steuerpolitik, die den selbständigen Mittelstand vor Überlastung schütze. Professor Dr. Stein-Berlin forderte als Anwalt des Deutschen Genossenschaftsverbandes den wirtschaftlichen Zusammenschluß zum Schutze und zur Wieder- zewinnung wirtschaftlicher Selbständigkeit in der Genossenschaft. Für den Haus- und Grundbesitz sprach der Vorsitzende aes Zentralverbandes, Stadtrat H u m a r - München, der betonte, daß 80 % des deutschen Hausbesitzes dem Mittelstand angehören und daß die Wohnungswirtschastsfrage vor allem ein mittelständisches Problem sei. Dem Hausbesitz werde vurch die Zwangsgesetze im Wohnungswesen sein gutes Recht oorenthalten. Für das Schutzkartell deutscher Geistesarbeiter sprach Dr. E v e r l i n g - Nikolassee, der die Zusammenarbeit zwischen den geistig und gewerblich Tätigen, wenn sie auch schwierig sei, dringend befürwortete. Als Präsident des Reichslandbundes betonte Graf Kalckreuth das außerordentliche Interesse der Landwirtschaft daran, daß der Mittelstand sich in seinem Kampf um seine Unabhängigkeit vurchsetze. Bürgermeister a. D. Eberle-Dresden betonte in einem Schlußwort, daß Schwächung der Mittelschicht Proletarier schaffe, während Stärkung der Mittelschicht die Lösung der sozialen Frage darstelle.
strevungen ist für beide Teile heute um so wünschenswerter, als Deutschland in der Nachkriegszeit gerade nach Ost- enropa mehr exportieren kann als vorher, und in dem vergrößerten Rumänien ist der Bedarf an industriellen Produkten ebenfalls größer geworden, so beispielsweise an Eisen- bahnmaterial zum Ausbau des rumänischen Eisenbahnnetzes. Die programmatische Intensivierung der rumänischen Land- Wirtschaft erhöht den Bedarf an landwirtschaftlichen Maschinen, die es gerade von Deutschland besonders günstig beziehen könnte. Das gleiche gilt von elektro- technischen Maschinen. Schließlich war auch das deutsche Kapital vor dem Kriege nicht wenig an der rumänischen Wirtschaft beteiligt. Seine loyale Mitarbeit wird für die Zukunft auch wieder in Rumänien gern gesehen werden. Deutschland andererseits kann von Rumänien unter günstigen Bedingungen wie vor dem Kriege Bodenfrüchte, Holz, Erdöl in großer Menge beziehen. Zu allem diesen muß man noch in Betracht ziehen, daß die Donau für den Verkehr zwischen beiden Ländern eine glückliche und billige Verkehrsstraße darstellt."
Frage: „Wie verlautet, sind Bestrebungen im Gange, in Kürze zu einem handelsvertraglichen Verhältnis im deutsch-rumänischen Verkehr zu gelangen? Ist es richtig, daß solche Bemühungen auch schon in offiziellen Kreisen konkrete Formen angenommen haben?"
Antwort: „Die beiderseitigen großen Interessen an einer Festigung und Regelung der deutsch-rumänischen Wirtschaftsbeziehungen, die nur dem Wohle der beiden Böller dienen können, geben mir die zuversichtliche Hoffnung, daß die Bemühungen in dieser Richtung bald zum Ziele führe« und die Beziehungen sich noch enger gestalte«, als es bisher der Fall war. Darum begrüße ich eS auch besonders, daß zwischen deutschen und rumänischen Wirtschaftskreisen zurzeit Verhandlungen schweben zur Errichtung einer Rumänisch-Deutschen Wirtschaftsstelle mit ihrem Sitz in £4iH-m-t-HH-*- sL-»«««ö«rs- und S»»ttgar«, Durch Veranstaltung einer Wanderausstellung innerhalb des deutschen Reichsgebiets soll für die Erzeugnisse der rumänischen Industrie und Landwirtschaft in Deutschland geworben und ein Absatzgebiet geschaffen werden. Als Austauschveranstaltung ist in Timmisora die Abhaltung einer deutschen In- dustriemesse geplant, auf welcher insbesondere den landwirtschaftlichen Kreisen des Banals die modernen industriellen Errungenschaften Deutschlands gezeigt werden sollen."
Frage: „Können Euere Exzellenz die Auffassung bestätigen, daß neben der wirtschaftlichen auch die kulturelle Annäherung zwischen beiden Rationen Fuß faßt? Die „Asocia- tinuea pentru literatura si cultura popomui roman", ASTRA, soll z. B. in Gemeinschaft mit dem deutschen Kulturamt in Siebenbürgen eine Ausstellung in Berlin in die Weg« leiten?"
Antwort: „Ich möchte gern zur Beziehung der beiden Völker noch erwähnen, daß neben der wirtschaftlichen die kulturelle Zusammenarbeit fortschreitet. Es ist zutreffend, daß das deutsche Kulturamt in Sibiu-Hermannstadt (Sieben- bürgen) und ebenfalls das dortige rumänische Kulturamt in Verbindung mit dem Institut für Erziehung und Unterricht in Berlin am 1. März hier in Berlin eine Ausstellung der künstlerischen und volkstümlichen Erzeugnisse der beiden Völker aus Siebenbürgen veranstalten."
Der rumänische Gesandte gibt zum Schluß dem Wunsch« Ausdruck, daß der Erfolg all dieser vom ehrlichen Willen zur Verständigung getragenen Bemühungen zur Förderung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Völkern nicht ausbleiben möge. Dipl. oec. H. R. Fritzsche.
Tagung -es Auswärtigen Ausschusses.
Die Beziehungen zu Rußland und Litauen.
Unter Vorsitz des Abgeordneten Wallras (Dtn.) beschäftigte sich der Auswärtige Ausschutz des Reichstages mit den deutsch-russischen Beziehungen. Es handelte sich bei diesen Beratungen um Spezialfragen, die vor allem militärischeJnteressen berührten. Der Sitzung, die für streng vertraulich erklärt wurde, wohnten Reichs wehrminister Dr. Gehler und in Vertretung des Reichsaußenministers Staatssekretär von Schubert bei.
Vorher wurde der Gesetzentwurf über das Zusatzabkommen zu Artikel 20 des deutsch-litauischen Handelsvertrages vom 1. Juni 1923 beraten. Nachdem Staatssekretär v. Schubert einige Erläuterungen über das Abkommen gegeben hatte, wurde der Gesetzentwurf ohne Widerspruch dem Handelspolitischen Ausschuß des Reichs- tages zur weiteren Beratung überwiesen.
Washingtons Gtaaiskunst.
EineAnfprachedesPräsidentenCoolidge.
In einer gemeinsamen Sitzung beider Kongreßbäuser im Repräsentantenhaus hielt Coolidge eine Anspr r-, die ben Anstatt zur Verwirklichung der Pläne für ein. großzügige Feier von Washingtons 200. Geburtstage im Jahre 1932 darstellt. Coolidge pries Washington als Selfmademan, tüchtigen Geschäftsmann, Idealisten, Patrioten, Staatsmann, Heerführer und von Nationalgeist erfüllten Schöpfer. Weil Washington ein hervorragender Amerikaner war, wurde er, so sagte Coolidge, für die