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hersfelöer Tageblatl

Anzeigenpreis: Sie einspaltige Petitzeile 15 Pfennig, die Reklamezeile 50 Pfennig. (GrunSschrist Korpus). Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preis­nachlaß gewährt. Zür die Schristleitung verant­wortlich: Kranz Kunk in Hersseld.: Kernsprecher Nr. 8

Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Mzeiger für den Kreis Hersfel-

Monatlicher Bezugspreis: Durch diepost bezogen 1.00 Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für Hersfeld : 1.00 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer : 0.80 Reichs-Mark. Druck und Verlag von Ludwig Aunks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des vvZv. ;

mit den Beilagen: Seimatschollen / Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herb und Scholle / Unterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche TageSfragen.

Nr. 47

Freitag, den 2S. Februar 1SL7 77. Jahrgang

Drohung nach Moskau.

Am Neujahrsempfang 1859 äußerte der damalige Kaiser der Franzosen, Napoleon III., zu dem österrei­chischen Gesandten, er bedauere, seststellen zu müssen, daß die Beziehungen Frankreichs zu Österreich nicht die besten seien; ein paar Monate später war der Krieg da, der die Österreicher die Lombardei kostete.

Ähnlich sagt eine Protestnote des englischen Außenministers Chamberlain, die jetzt dem rus­sischen Geschäftsträger in London überreicht wurde:Die zwischen der englischen Regierung und der Regierung von Sowjetrußland bestehende« Beziehungen sind weiter­hin notorisch unbefriedigender Natur." Ein derartiges Vorgehen bedeutet ja nicht immer gleich wie 1859 eine Kriegsdrohung, kennzeichnet aber den Grad der Spannung, die zwischen London und Moskau besteht. Und dann folgt ein langes Beschwerderegister über eng- landfeindliche Worte und Reden maßgebender Staats­männer der Sowjetrepublik, angesangen beim Volkskom­missar für die auswärtigen Angelegenheiten, Tschi- tscherin, bis zum Botschafter Karachan in Peking, der die Befreiungskämpfe Chinas gegen England pries. Dabei habe sich Moskau doch feierlich verpflichtet, weder Personen noch Körperschaften, Agenturen oder sonstige Einrichtungen zu unterstützen, deren Ziel es ist, in irgend­einem Teil des Britischen Reiches Unzufriedenheit zu ver­breiten oder Aufstände anzustiften; die Bevollmächtigten und Beamten der Sowjets sollten angewiesen werden, sich danach zu richten. Aber, so lautet die englische Be­schwerdeliste, es hat sich niemand danach gerichtet! Die Sowjetrepublik sei eben in derTäuschung" befan­gen, England treibe in Polen und den lettischen Staaten, in Vorderasien und allüberall in der Welt eine gegen Moskau gerichtete Politik, sei die Seele aller gegen die Sowjetrepublik geschmiedeten Komplotte, und das habe eine geradezu gefühlsmäßige Feindschaft der Sowjetbehörden erzeugt, die aber gänzlich grundlos sei. Endlich kommt die Note auf die Hauptsache, auf den

- «jiteäiteUi^^ Überreichung: das und natür- lrch die Vorkommnisse in China, wo Moskau die An­griffe der Kantonarmee geradezu ermutige und unter­stütze. Das habe ja auch Karachan ganz offen zugegeben. Hier wird die Katze aus dem Sack gelassen. Die schwere Bedrängnis, in der sich die englische Stellung in Schang­hai befindet, rechtfertigt vom englischen Standpunkt aus gesehen denn auch diesen scharfen Protest. Keine Kontroverse mehr darüber; und Moskau solle nicht den­ken, daß England diese Umtriebe nicht kenne, wenn bis­her dazu geschwiegen wurde. Die Note spricht vonbei­spiellosen Beziehungen" zwischen den beiden Ländern, erklärt, daßes Grenzen gibt", und droht schließlich allerdings erst bei F o r t s e tz u n g dieser das Britische Reich unterwühlenden Politik der Sowjetrepublik! mit der Aufhebung des englisch-russischen Handelsab­kommens und eventuell auch der diplomatischen Beziehungen.

Zu dieser Note sagt eine Londoner Zeitung, die Times", es sei zuviel, wenn man erwarte, daß sie den gewünschten Eindruck hervorrufen werde. Sie ist eben zu einem für England diplomatisch sehr ungünstigen Augenblick herausgekommen. Der gleichen Ansicht ist man in Paris; denn was soll geschehen? Die beiden englischen Drohungen, die geradezu ultimativ aussehen, werden von Moskau achselzuckend, aber sehr ruhig ausgenommen werden; denn die englische Stellung auf dem russischen Markt würde sofort durch Deutsch­land und Amerika ersetzt werden können; und der Abbruch der diplomatischen Beziehungen daraus werde sich die Sowjetregierung erst recht nichts machen. Gibt es doch auch jetzt nur einen Geschäftsträger Mos­kaus in London, jene Beziehungen sind bisher ziemlich lockerer Natur geblieben. Es fehlt also die Macht, die hinter den englischen Drohungen steht und erst Eindruck auf die Sowjetregierung machen könnte. Nach den Er­fahrungen, die die englische Invasion nach Rußland hinein 1919 gemacht hat, würde man sich dem jetzt kon­solidierten Staat gegenüber vor einem kriegerischen Vor­gehen doch wohl hüten. Gewiß, man hat sich in England sehr, sehr viel gefallen lassen von Moskau her; und die Sowjetregierung wird wohl mit einer Gegenliste auf­warten.

Reue Verhaftungen im befehlen Gebiet.

Zwei deutsche Arbeiter fest genommen.

Von der französischen Gendarmerie wurden zwei Arbeiter aus Germersheim in ihrer Wohnung verhaftet. Die beiden hatten am vergangenen Sonntag rn der Wirt­schaftZum Lamm" an einem Vergnügen teilgenommen, auf dem es zu einer Rauferei mit etnem Al gerier und einem als gewalttätig bekannten Sergean­ten eines französischen Infanterieregimentes glommen war.

Zu der Verhaftung der beiden deutschen Gendar- meriebefehlshaber von Linden und Stemfeld veröffent­licht Havas eine Nachricht aus Mainz, die aus autori­sierter Quelle stammen soll. Danach sind bte oetben Chefs der deutschen Gendarmerie wegen Vergehens gegen dir Ordonnanzen der Interalliierten Rheinlandkomnnssron verhaftet worden. Sie hätten vor einiger Zeit Mne greif.

Komplikation in Mittelamerita

An engiischerKreuzer nach Aikaragna

Große Überraschung in Amerika.

Der Amtliche Englische Funkdienst teilt mit: Die englische Regierung hat einen Kreuzer nach Managua entsandt, der im Notfall den Schutz der britischen Staatsangehörigen übernehmen soll. Dieser Schritt erfolgte, weil der britische Geschäftsträger in Managua gemeldet hatte, daß die Vereinigten Staaten nach der Erklärung ihres Gesandten in Managua nicht in der Lage seien, die Sicherheit britischer Staatsangehöriger im Falle neuer Unruhen und Stratzenkämpfe z» gewähr­leisten, und daß keine Marinesoldaten der Vereinigten Staaten nach Leon, Granada oder Matagalpa entsandt würden. Die englische Regierung hat Washington von ihrem Schritt in Kenntnis gesetzt und ihren Dank für den bisherigen Schutz der britischen Interessen ausge­sprochen.

Der englische Schritt hat in Washington die aller­größte Überraschung hervorgerufen. Die amerikanische Regierung hatte mit derartigen englischen Schritten , ganz

varen lyruno ein Mttgued der Besatzungsbehörden in Zivil, das im Besitze seines ordnungsmäßigen Passes war, festgenommen.

2Oo/o Mieterhöhung für 192Z.

Je 10% am 1. April und 1. Oktober.

Das Retchskabinett hat folgenden amtlich veröffent­lichten Beschluß gefaßt:

Durch das Gesetz über den Goldentwertungsaus­gleich bei bebauten Grundstücken vom 1. Juni 1926 war die ü^söWch^rWietD bis zum MMturz ly^/ aus lüü % der Friedensmiete begrenzt. Nach § 3 dieses Gesetzes seist die Reichsregierung mit Zustimmung des Reichsrates die Mindesthöhe der gesetzlichen Miete im Reiche einheitlich fest. In Anwendung dieser Bestimmung hat das Reichs­kabinett in seiner Sitzung vom 23. Februar dem Entwurf einer Verordnung zugestimmt, wonach die gesetzliche Miete vom 1. April 1927 ab um 10 % und vom 1. Ok­tober 1927 ab um weitere 10 % erhöht wird. Die Ver­ordnung geht sofort dem Reichsrat zu.

Von Regierungsseite wird die Erhöhung der Miete damit begründet, daß sie einmal aus allgemeinsozialen und wirtschaftlichen Gründen notwendig gewesen sei und außerdem eine.Ungleichung der Mieten in alten Wohnhäusern mit den Mietsätzen in soge­nannten Neubauwohnungen angestrebt werden müsse. Damit soll nicht gesagt werden, daß die Reichsregierung die jetzigen Neubaumieten als unabänderliche Norm zu betrachten gewillt sei. Es werde vielmehr der Versuch gemacht werden, diese Neubaumieten zu sen­ken und die Wohnmieten in beiden Häusergruppen ein- -ander anzugleichen. Wenn das Kabinett sich gleichzeitig dazu entschlossen habe, auch eine weitere zehnprozentige Erhöhung für den 1. Oktober d. I. mitzubeschließen, so seien hierfür in erster Linie wirtschaftspolitische Gründe maßgebend gewesen, da die Wirtschaft, die jetzt vor neuen Tarifverhandlungen stehe, wissen müsse, welche Summen im Laufe des Jahres füretwaigeneueLohnver- einbarungen zur Verfügung gestellt werden könnten. Gleichzeitig soll mit der Erhöhung der Miete im Oktober die im Januar 1928 eintretenbe Zinserhöhung der Hypothekenaufwertung ausgeglichen werden. Weitere Mieterhöhungen sollen bis zum April 1928 nicht erfolgen.

Der Generalstreik m Schanghai beendet,

über 60 Hinrichtungen vollzogen.

Der Generalstreik in Schanghai ist beendet. Die inter­nationalen Mächte nehmen indessen eine dauernde Ver­stärkung ihrer Land- und Seestreitkräfte vor. Unter anderem ist die amerikanische Flotte vor Schanghai wieder um vier Zerstörer vermehrt worden.

Der Sonderberichterstatter derChicago Tribune" in Schanghai meldet, daß die Chinesische Handelskammer, die Vereinigung der Bankiers und andere öffentliche Körperschaften in Schanghai öffentlich gegen das brutale Vorgehen des Kommandanten Lipaotschen protestiert haben. Dieser habe insgesamt über 60 Arbeiter- und Studentenführer hinrichten lassen, darunter einen zehnjährigen Knaben. Infolge der Entrüstung der Be­völkerung sind die zur Schau gestellten abgeschlagenen Köpfe entfernt worden, auch die öffentlichen Hinrichtun­gen wurden eingestellt, es heißt jedoch, daß die Hinrich­tungen hinter der Mauer des militärischen Hauptquar­tiers fortgesetzt würden.

Dr. Geßler über den Marineetat.

Berlin. Im Haushaltsausschutz des Reichstages betont« Reichswehrminister Dr. Geßler, daß ein großer Teil der Auf­wendungen, die für Heer und Marine gemacht werden, doch wieder der allgemeinen Volkswirtschaft zufließen. Das gelte vor allem _ für die Marineausgaben. Diese Etatsaetde«

augenscheinlich nicht gerechnet. Staatssekretär Kellogg erklärte, Amerika habe alles getan, um auch das englische Eigentum zu schützen. Washingtoner Kreise sprechen es offen aus, daß der Schritt Englandsallerernsteste Komplikation" möglich mache.

Der amerikanische Admiral Latimer hat Kämpfe zwischen Liberalen und Konservativen innerhalb einer bestimmten Entfernung von den Standorten der amerika­nischen Marinesoldaten untersagt.

Bevorstehender Rücktritt Kelloggs.

Nach Newyorker Pressemeldungen trägt sich Staats­sekretär Kellogg mit Nücktrittsgedanken. DieAssociated Preß" berichtet dazu, der Staatssekretär fühle sich infolge seines Alters der wachsenden Arbeitslast nicht mehr ge­wachsen. Der tatsächliche Grund dürfte aber in der hef­tigen Kritik zu suchen sein, der Kellogg wegen der von ihm in Mittelamerika betriebenen Politik und wegen des Scheiterns des Abrüstungsvorschlages ausgesetzt ist. Washingtoner Kreise nennen als Nachfolger in erster Linie Houghton, den amerikanischen Botschafter in London.

Hießen mcyt nur Den Werften und ihren Tausenden vor Arbeitern zu, sondern auch der hochqualifizierten deutscher Industrie für Optik und seine Meßinstrumente. Gerade dies« Industrien leiden bekanntlich gegenwärtig stark unter der Mangel an Aufträgen und ihre hochqualifizierten Arbeitei kann man nicht zu Notstandsarbetten beim Straßen- obet Kanalbau heranziehen. Der Ausschuß vergesse also nicht, das er bei Bewilligung der Marineetatsgelder auch ein gutes Stüü sozialer Arbeit leiste. Der Minister wandle sich dann mit Entrüstung gegen die Lärmpreffe, die seinerzeit den unbedeu­tenden Zwischenfall derHamburg", wo ein Steward gegen bte Anordnungen seiner Vorgesetzten einmal eine Flasche Biei verkauft bobc.^b.£XXUl-«a^^ We. olü feie« euren West Lappalie die guten Beziehungen zwischen Deutschland und bey Vereinigten Staaten von Amerika gefährdet worden.

' Deutscher Reichstag.

FML Sitzung OB. Berlin, 24. Februar.

Die zweite Lesung des Reichshaushaltsplanes für 1927 wurde beim Haushalt des R e i ch s j u st i z mi n i st e ° r i u m s fortgesetzt.

Reichsjustizminister Hcrai nahm erneut das Wort und dankte für bte Beglückwünschung des Abgeordneten Kahl an­läßlich des 50jährigen Bestehens des Reichsjustizministeriums. Der Minister begrüßte es mit Freuden, daß bei der Mehrheit des Hauses eine Vertrauenskrise gegenüber dem Reichslustiz- Ministerium nicht bestehe. Er erklärte weiter, daß es seine vornehmste Aufgabe sein werde, die

Wiederherstellung der Rechtshoheit im besetzten Gebiet zu erreichen. Zu einer Amnestie in Siraffällen des § 218, wie sie von den Kommunisten gefordert werde, sei kein Anlaß vorhanden. Durch eine Rundfrage sei festgestellt, daß die Straffällung sich überall nur in der unteren Grenze bewegt hätte und daß von dem Gnadenrccht in weitgehendem Maße Gebrauch gemacht werde. Der Redner stimmte dann dem Kompromißantrag in der Frage der Simultanzulaffung der Rechtsanwälte zu. Den sozialdemokratischen Antrag, das Reichsgericht von allen Fällen erster Instanz (Hochverrat) zu entlasten, lehnte der Minister ab, weil das die Rechtseinheit stören und einengen würde. Auch die Wiederherstellung der Schwurgerichte bekämpfe er. Alle Länder mit Aus­nahme Hamburgs hätten sich für das bewährte Schöffen­gericht ausgesprochen. Auch Preußen berichte, daß beachtliche Klagen darüber von keiner Seite unterbreitet seien.

Abg. Brodaus (Dem.) bedauerte, daß die Richter sich noch nicht restlos auf die neue Zeit eingestellt hätten. Tatsächlich wirkt sich die innere Abneigung vieler Richter' gegen den neuen Staat in der Rechtsprechung aus. Das Mißtrauen des Volkes gegen die Justiz sei wirklich nicht künstlich erzeugt. Der Redner forderte einen schärferen Ehrenschutz. Wenn Reichskanzler Marx im vorigen Jahre sagen mußte, er ver- , zichte darauf, noch weiter Strafanträge wegen Beleidigung zu stellen, so sei das eine furchtbare Anklage für die Justiz. Der Redner sprach sich gegen die Wiedereinführung der alten Schwurgerichte aus.

Abg. Hampe (Wirtsch. Vgg.) erklärte, es sei geschmacklos, wenn jemand wie der Abgeordnete Brodaus seinen eigenen Staat verunglimpfte. Der Redner dankte dann dem ehemaligen Justizminister Emminger für seine Reform, wodurch in ganz kurzer Zeit etwas geschaffen sei, was kein Reichstag so schnell hatte leisten können. Mit dem Bayerischen Bauernbund for­derten seine Freunde die Wiedereinsetzung der Schöffengerichte an Stelle der Einzelrichter. Er lehnte jedoch die Wiederein­führung der Schwurgerichte ab. Der Redner erklärte eine Ehescheidungsreform für notwendig. Eine gemeinsame Auf­stellung der deutsch-österreichischen Strafgesetzentwürse sei zu begrüßen.

Daraus vertagte sich das Haus aus Freitag. Vor Sitzungs- schlutz machte Vizepräsident Esser Mitteilung von der schweren Erkrankung des Präsidenten L ö b e und sprach den Wunsch aus, daß er bald seine volle Gesundheit wiederer­langen möge.

preußischer Landtag.

(253. Sitzung.) tt. Berlin, 24. Februar.

In der fortgesetzten allgemeinen Aussprache zum Land- Wirtschaftsetat erklärt Abg. Biester (Dtsch.-Hann.), Deutschland könne nicht wie England die Landwirtschaft zoll- frei lassen. Redner fordert Förderung der Siedlung, der Kultivierung vom Hose aus und Zollschutz.

. GiLkeler (WL) stimmt dem Etat ru. Die Land-