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kersfelöer Tageblatt

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: Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preis- : * ***'*

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mit den Beilagen: Heimalfchollen / Allnstrierkes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabenb / Herb und Scholle / Unterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.

Nr. 57

Mittwoch, den 9. März 1927

77. Jahrgang

Kmttkreichs Militarisierung.

Die Französische Kammer hat die gesamten Gesetzentwürfe über die Mobilisation der Nmion im Kriegsfalle unter Ablehnung aller Gegenan­träge angenommen. Die Vorlage fand Annahme mit 500 Stimmen gegen 31 Stimmen der äußer­sten Linken.

-Es hat wohl noch nie ein Volk in der Welt gegeben, das nach einem so wohl durchdachten Plane sich daraus vorbereitet, im Falle eines Krieges alle seine menschlichen und wirtschaftlichen Kräfte restlos für den Zweck des Krieges zu mobilisieren, wie das jetzt in Frankreich geschieht. Gewiß ist während des Weltkrieges min­destens in Deutschland alles, was an Männern für den Kampf, was an Maschinen für die Kriegsmaterialerzeu­gung und was an Frauen als Ersatz für die Männer tauglich war, für die Zwecke des Krieges verwendet wor­den. Doch vielfach geschah das freiwillig, während es jetzt in Frankreich ohne Unterschied des Geschlechts und des Alters zum gesetzlichen Zwang wird, zu einer Verpflichtung, der sich niemand entziehen kann, gleich­gültig, ob er an der Front steht oder im Hinterland für die Herstellung von Kriegsmaterial verwendet wird. Es ist die gewaltigste, aber auch großartigste Rüstung, die je ein Volk sich angelegt hat jetzt, da dieser Mobilisie­rungsplan durch die Französische Deputiertenkammer ge­nehmigt worden ist.

Es wurde in Deutschland manches Mal nach dem Kriege als ein Teil der Gründe für unsere Niederlage be­zeichnet, daß wir aus finanziellen Rücksichten vor dem Kriege die Volkskraft für militärische Zwecke nicht aus­geschöpft hätten, wie das in Frankreich schon damals ge­schah. Als ein schlimmerer Fehler wurde es angesehen, daß wir wirtschaftlich in keiner Weife auf den Kriegs­fall vorbereitet waren. Ansätze dazu, wie sie z. B. in den Getreidemonopolplänen vorhanden waren, wurden nicht verwirklicht und so ist die wirtschaftliche Rüstung nicht bloß bei uns erst während des Krieges allmählich im­provisiert worden und die Resultate dabei sind häufig I°echt- unerskeuttch gewesen. Wörtlich Ernst damit machte eigentlich erst das sogenannte Hindenburg-Progrämm im Fahre 1917. Beiden angedeuteten Fehlern wird nun im französischen Mobilisierungsplan entgegengearbeitet, auf der einen Seite durch die Gesetze der Heeresreform selbst und auf der anderen durch die Vorschriften über die Vor­bereitungen. Die Gesetze über die Heeresreform, drei an der Zahl, haben zum Inhalt eine weitgehende Nutzbar­machung aller Lehren des Krieges, um die Schlagfertig- keit der Armee möglichst groß zu machen. Daran arbeitet Frankreich bereits seit längerer Zeit und die Gesetzent­würfe umfassen daher nicht nur die Stärke, die Bewaff­nung, die Vorfchriften über die Führung der Armee, über die militärische Vorbildung der Jugend und die Mobili­sierungspläne, sondern auch alles, was die Gesamtheit der sonstigen menschlichen und materiellen Kräfte der Nation, ihre Verwendung im Dienste der Landesverteidigung und das reibungslose Funktionieren der großen Umstellung auf die Kriegsbedürfnisse betrifft. Die Regierung erhält darin ein unbefchränktes Verfügungsrecht über das Leben und den Besitz sowie die geistigen und körperlichen Fähig­keiten.

Diese Mobilisierungsgesetze und Heeresreformpläne werden dadurch ergänzt, daß eine Reihe administrativer Vorbereitungen hierfür gesetzlich festgelegt sind. Dies ge­schieht dadurch, daß jedes Ministerium eine mit Spezia- listen besetzte Abteilung für die Zwecke der Landesverteidi­gung erhält. Da sind Abteilungen für die eigentliche Mobilisierung der Streitkräfte, dann für die BereitsteMng der Transportmittel, für die Umstellung der Wirtschaft auf die Kriegsbedürfnisse, für sozialpolitische Zwecke, für die Mobilisierung der Wissenschaft und schließlich für die Aufrechterhaltung der Moral im Lande". Es soll also nichts vom Augenblick erwartet, sondern alles, wenn auch natürlich nur in allgemeinen Richtlinien, festgelegt und abgegrenzt werden, während die wechselnden Einzelheiten durch besondere Ausführungsbestimmungen zu regeln sind. Besonders eingehend beschäftigt sich diefer große Plan mit der Sicherstellung des gesamten Bedarfs der Armee und der Zivilbevölkerung auf dem Gebiete der Rohstoffe und Fabrikate, sie weist jede Personenvereini- gung, jede Unternehmung oder Körperschaft an, was sie im Falle der Mobilmachung zu leisten hat. Wenn für niemanden eine Kriegslieferung dabei mit Gewinn ver­knüpft fein foll, so bleibt das wahrscheinlich nur ein frommer Wunsch.

Schließlich ist auch die Frage der obersten Leitung bei der Kriegführung geregelt: sie liegt in der Hand der Regierung, welche die zu erreichenden Ziele festzulegen hat. Wenn man nun noch daran denkt, daß diese perso­nelle und wirtschaftliche Rüstung Frankreichs im groß­artigsten Maßstabe noch durch eine materielle, außerdem aber auch durch ein gewaltiges F e st u n g s s y st e m er­gänzt werden soll, so kann man sich eines gewissen Lächelns darüber nicht erwehren, daß noch immer von der Möglich­keit einer nahen Abrüstung gesprochen wird.

Französische BefeßigOtgen gegen Osten.

Gleichzeitig mit den Gesetzen über die Volksmobili- sierung und die vorbereitenden Maßnahmen dazu wird inKankreich die Neuanlgge von riesigen Befestigungen

Wq« nur dem Alderbimdrilt

Die ober WesWeSchnlfrage in Gens

Der deutsch-polnische Gegensatz.

Der Völkerbundrat beschäftigte sich in weiteren öffent­lichen Sitzungen mit einem Streit zwischen Ungarn und Rumänien über den Besitz der ungarischen Optanten, denen Rumänien ihre Güter konfisziert hat. Die Frage wurde nach ausführlichen Vorträgen der Vertreter der beiden Länder einer Prüfungskommission unter Vorsitz Chamber- lains übertragen. Von den dann noch behandelten An­gelegenheiten bot einiges Interesse die Frage des Pressekomitees des Völkerbundes, bezüglich der entsprechend dem Anträge Vanderveldes beschlossen wurde, am 24. August d. I. eine Konferenz von etwa vierzig Preffesachverständigen nach Genf einzuberufen.

In der Frage der ostoberschlesischen Schulen mürbe ohne Diskussion die Bildung eines Unterkomitees von drei Ratsmitgliedern, bestehend aus Urrutia-Kolum- Vien, von Troestewijk-Holland und Scialoja-Jtalien be­schlossen, daß noch im Verlaufe dieser Tagung über die beiden Punkte, nämlich Beschwerde des Deutschen Volks- vundes und Petitionen von 7041 polnisch sprechenden Oberschlesiern, deren Kindern der Besuch deutscher Schulen untersagt worden war, berichtet werden soll. Man darf rnnehmen, daß die Schulfrage in einer der nächsten Sitzungen den Gegenstand öffentlicher Auseinandersetzun- zen bilden wird.

Der Dienstagnachmittag wurde zu einer Reihe von > xivaten Besprechungen zwischen den Delegierten benutzt. So hat Reichsaußenminister Dr. Stresemann Besuche bei Vandervelde, Briand und Chamberlain ge­macht, wobei es sich um die Fortsetzyng der am Sonntag rufgenommenen umfassenden politischen Besprechungen »wischen Dr. Stresemann und den Außenministern Eng- zwischen Staatssekretär v. Schubert und Vandervelde auf­genommenen Unterhaltung handelte.

Eine deutsch-polnische Aussprache, für »ie bereits Anregungen gegeben wurden, steht noch nicht mf dein Programm. Es scheinen da zunächst R a n g - rnd Etikettestreitigkeiten eine Rolle zu spielen, der polnische Außenminister Zaleski hat bisher nicht den Wunsch geäußert nach einem Termin für eine Zusammen- !unft mit Dr. Stresemann. Der deutsche Außenminister iber hat keine Veranlassung, die Initiative zu ergreifen. 8s ist nicht das erstemal, daß solche Etikettefragen zwischen

betrieben, welche die östliche Grenze abriegeln sollen. Diese Befestigungen werden das Gesicht gegen den deutschen Nachbarn wenden und als Vorfeld gleich­

sam Belgien und die entmilitarisierte Rheinzone haben. Wie aus unserer Abbildung ersichtlich ist, würden die Anlagen einen gewaltigen Panzer, ebenso leicht zum An- griff wie zu der behaupteten Verteidigung geeignet, um das Gebiet der Französischen. Republik legen., Wie die ungeheuren Kosten des Unternehmens in dem finan­ziell so stark leidenden Frankreich aufgebracht werden sollen, erscheint einstweilen unerfindlich.

W neuer Vizepräsident des Reichstages?

r Infolge der Erkrankung Löbes.

. Reichstagspräsident Lobe wird auch nach seiner Ge­nesung noch einige Wochen der Erholung bedürfen, so daß er vor Ostern seine Amtsgeschäfte rm Rerchstage wahr- fcheinlich nicht aufnehmen wird. Da nun gerade aber tn diesen Wochen die Beratung des Reichshaushaltsplan» für 1927 zu Ende geführt werden muß und der Ältesten­rat vorgesehen hat, am Vorryittag und Nachmrttag

deutschland und Polen aufgeworfen werden. Vermut- ich werden sie dadurch umgangen werden, daß Briand In zwangloser Form zwischen dem deutschen und dem pol- rischen Außenminister eine Aussprache herbeiführen wird.

S«Wes Memorandum

zur oSerschlefischeu Schukfrase.

Die deutsche Delegation hat in längeren Beratungen sen deutschen Standpunkt zum oberschlesischen Schul- konflikt, mit dem sich der Völkerbundrat Ende der Woche befassen wird, in einem Memorandum festgelegt. Das Memorandum betont, daß nach Artikel 131 der deutsch- solnischen Minderheitenkonvention die Entscheidung über sie zu besuchende Schule ausschließlich den Erziehungs­berechtigten zusteht. Die deutschen Minderheiten in Ober- sthlesien litten außerordentlich unter den gegen­wärtigen Zuständen, die zurzeit viele tausend Schulkinder behindere, überhaupt eine Schule zu besuchen, weil die volnische Regierung sie zur Minderheitsschule nicht zu- lasse oder die Eltern zwingen wolle, ihre Kinder in die polnische Schule zu schicken. Das Memorandum weist zum Schluß darauf hin, daß der Völkerbundrat den Schutz Der Minderheiten übernommen habe. Er stehe jetzt »um erstenmal vor der Aufgabe, feine Autorität in Ober­schlesien zur Anwendung zu bringen.

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Stellen ratifiziert Den Seffarabienverttag

Der Vertreter Italiens in Genf, Scialoja, gab be­kannt, daß Italien den Vertrag zwischen Frankreich, Eng- land, Italien und Japan einerseits und Rumänien andererseits vom 20. Oktober 1920 bezüglich der Zu­gehörigkeit Besfarabiens zu Rumänien ratifiziert habe. Italien habe nie daran gedacht, sich der Ratifikation tzämtich zu MBM^ÄM-MMH« uwM.j^^^ , Ziehungen zu Sowjetrußland vermitteln und eine Ver­ständigung herbeiführen wollen. Wenn es jetzt ratifiziere, geschehe dieser Schritt nicht in feindlichem Sinne gegen Rußland.

In Genfer Kreisen wird diesem Schritt Italiens eine gewisse Bedeutung in dem Sinne beigemessen, als er nicht nur die italienisch-rumänischen Beziehungen betont, son­dern auch auf der Linie der jüngsten englischen Politik gegen Rußland liegt. Man wird mit Spannung darauf warten, welche Haltung Sowjetrußland einnehmen wird.

Plenarsitzungen abzuhalten, wird in Parlamentskreisen erwogen, den drei Vizepräsidenten Dr. Rießer (D. Vp.), Esser (Ztr.) und Graef-Thüringen (Dtn.) einen weiteren Vizepräsidenten während der Beurlaubung des Präsiden­ten zur Seite zu stellen. Der Ältestenrat wird in feiner nächsten Sitzung darüber entscheiden. Bereits*in früheren Fällen hat der Reichstag einen Ersatzvizepräsidenten ge­wählt, wenn die Lage der Geschäfte es erforderlich machte. Der neue Posten würde den Sozialdemokraten zustehen. Wie verlautet, würde der Abgeordnete Dittmann (Soz.), der bereits früher Vizepräsident des Reichstages war, für den neuen Posten in Frage kommen, gegebenenfalls auch der Abgeordnete Landsberg (Soz.).

Terronsmus m Schanghai.

Ein Hinrichtungsbefehl Tschangtsolius.

Um sich die völlige Herrschaft über die Arbeiter zu sichern, wenden die Arbeiterparteiler in Schanghai die Methode des Terrorismus in verstärktem Maße an. So wurde ein arbeitswilliger Werkmeister der Schanghai Dock Company ermordet. Ein anderer in einer Spinnerei beschäftigter Werkmeister wurde durch Revolverschüsse schwer verletzt. Eine Arbeiterversammlung hat einen Beschluß angenommen, in welchem die Bewaffnung der Arbeiter zum Zwecke eines Angriffs auf die Polizeiwachen vorgeschlagen wird.

Dem Pekinger Berichterstatter derDaily News" zufolge hat die französische Gesandtschaft mitgeteilt, Tfchangtsolin habe nach Nanking telegraphisch die Weisung gesandt, alle Passagiere des beschlagnahmten russi­schen Dampfers mit Ausnahme von Frau Borodin, der Gattin des Ratgebers der kantonesischen Regierung, Hin- z u r i ch t e n. Dieser Befehl beziehe sich auf mehrere Russen und Chinesen.

Die Erdbebenkatastrophe m Japan.

Unübersehbarer Sachschaden, zahlreiche Tote.

Nach Berichten aus Japan zeigt sich, daß der Umfang der neuen Erdbebenkatastrophe weit größer und die ange­richteten Schäden weit bedeutender sind, als zunächst an­genommen wurde. In Hakas brach eine Spinnerei zu- ammen und begrub eine große Anzahl von ungen Mädchen' unter ihren Trümmern. Neun von ihnen wurden getötet, 25 verwundet. Auch die berühmte Brnarube- Eisenbahnüberführung ist eingestürzt. In Zentraljapan wurden unzählige Häuser und Brücke«