Hersfelöer Tageblatt
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Hersfelder Kreisblatt
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Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Anterhaltuna und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen. ”
Nr. 18 lErftes Blatt)
Sonnabend, den 2. April Z927
77. Jahrgang
Deutsch französischer Handel
HandeWaiWerirag mit Frankreich.
Unterzeichnung eines Provisoriums.
In Paris ist jetzt das deutsch-französische Handelsprovisorium unterzeichnet worden, das bis zum 30. Juni Gültigkeit hat. Am Montag werden die Verhandlungen über den Hauptvertrag mit Frankreich beginnen. Zu diesem Zweck reist am Sonntag eine deutsche Delegation unter Führung des Ministerialdirektors Dr. Posse nach Paris. In politischen Kreisen Berlins wird die ernste Absicht unterstrichen, zu einer endgültigen Regelung der deutsch-französischen Handelsbeziehungen zu gelangen.
über das jetzt unterzeichnete Provisorium werden folgende Einzelheiten bekannt: In der Frage des französischen W e ink o n tin gents, die für die deutsche Delegation die schwierigste der ganzen Verhandlungen war, ist es gelungen, die französischen Ansprüche von über 150 000 Doppelzentner auf 70 000 Doppelzentner oder 58 000 Hektoliter herabzudrücken. Eine grundsätzliche Ab- lebnuna der französischen Weinkorderunaen hätte, wie von
Die erste Fahrt der „Dem Sork“
r Unterwegs nach Amerika.
Von Cuxhaven aus trat der neue 22 000 - Tonnen- Dampfer Freitag früh die Reise nach Newyork an. Am Elbufer hatten sich viele Menschen anarsammelt, um der Abfahrt des Schiffes, das über die To^en geflaggt hatte, . ..w.jw»^ nutzer einer Attzahl von Vertretern der deutschen Zeitungen nehmen der Generaldirektor der Hamburg-Amerika-Linie, Geheimrat C u n o, mehrere Mitglfeder des Direktoriums sowie der Vorsitzende des Verbandes deutscher Reeder, Staatssekretär a. D. Graf v. R o e d e r n, an der Fahrt teil.
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’ Unter den Passagieren der „New Uork" auf ihrer ersten Fahrt befindet sich auch einer unserer Mitarbeiter, der in mehreren Briesen über den Verlauf des Ereignisses zu berichten gedenkt. Als erste Veröffentlichung bringen wir nachstehend die Eindrücke unseres Mitarbeiters, die er in Hamburg vor Antritt der Fahrt hatte.
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Vor der Ausreise.
r Hamburg, 31. März.
Wenn die Zeichen nicht trügen, wird uns das Jahr 1097 eine starke Steigerung des d e uts ch - am err k a - n M ch e n Menschenaustausches bringen. Wurden früher, in-ker Vorkriegszeit, einzelne Professoren und Wissenschaftler hinüber und herüber gewechselt, so haben wir m den lebten Märztagen mehrere Hundertschaften amert- kanischL Studenten auf deutschem Boden begrüßen können. Und war für den gewöhnlichen Sterblichen unter den deutschen Staatsbürgern einstmals eine Besuchsrerse nach Amerika ein Erlebnis von ganz ungewöhnlicher Seltenheit so haben sich schon rm vorigen ^ahre an vielen ^auvtvläben der Vereinigten Staaten unternehmungs- kustAe deutsche Kaufleute und Industrielle, Künstler und Gelehrte zeitweise in Hellen Haufen zusammengefunden, fast wie das auf dem Markusplatz in Venedig oder vor den antiken Wunderbauten der ^wMn Stadt bald nach dem Kriege wieder gute deutsche Sitte geworden ist.
cxn Diesem Safire aber verspricht das amerikanische Paffagegeschäft unserer großen Schiffahrtslinien einen weiteren kräftigen Aufschwung. Aus dem Dollarlanoe kündet sich schon jetzt ein gewaltiger Andrang von Europareisenden an, der unmittelbar nach dem Oiterfest einsetzen dürfte. Und der neue H a p a g d am p s e r „N e w A o r k", der zur Stunde noch, festlich über dre ^oppen geflaggt, hier im Kuhwerderhafen festgemacht hat, morgen mittag aber von Cuxhaven aus seine erste Fahrt über den großen Ozean antreten foll, wird über Mangel an Passagieren gewiß nicht zu klagen haben. Geheimrat C u n o , der Generaldirektor der Hamburg-Amerika- Linie, hat allerdings eine größere Anzahlvon Gasten an Bord geladen, weil er der Jungfernfahrt dieses neuen Prachtschiffes mit Recht eine besondere Vedeutung be - legt. Schon der Name, den es erhalten yat, soll ,darauf hinweifen, daß mit seiner Indienststellung ein wichtiger Schritt zur Neubelebung unserer Wirtschafts-und Verkehrs- beziehungen zu den Völkern der Reuen Welt g^an wird, und das Schiff, dem bekanntlich die Gattin des Newyorker Bürgermeisters nach guter alter deutscher Sitte vor einigen Monaten die Taufweihe gegeben hat, wird drüben bei seinem ersten Erscheinen in den umerlkamschen G^ wässern voraussichtlich mit allen nur erdenklichen Zutaten amerikanischer Gastfreundschaft begrüßt werden. Vorerst aber rüstet sich die Hapag für den denkwürdigen Tag deß, Abreise ihres jüngsten Flottenkindes.
deutscher offiziöser Seite betont wird, zur Sünbigung ber beiden Provisorien geführt und Deutschland, einen Monat vor Beginn der Weltwirtschaftskonferenz, Wirtschafts, wie außenpolitisch überhaupt in eine taktisch und mora. lisch ungünstige Situation gebracht.
Die französischen Zugeständnisse, di* einen Wert von etwas über 59 Millionen Papierfrank oder 13—14 Millionen Reichsmark darstellen, verteilen sich iw wesentlichen auf die Maschinenbauindustrie mit 23 Mil- lionen, die Elektrotechnik mit 17 bis 18 Millionen, die Chemie mit 13, die Holzindustrie mit 3,5 und das Brauerei- gewerbe mit 0,5 Millionen Papierfrank. Da das Ab-- kommen sich über drei Monate erstreckt, also einen Monat mehr umfaßt, als ursprünglich von französischer Seite in Aussicht genommen war, rechnen die beteiligten Industrien damit, ihre Kontingente zum größten Teil ausnutzen zu können. Auf deutscher Seite ist man der Auffassung, daß die Übergangsregelung im ganzen genommen in sich wirtschaftlich tragbar ist, jedoch nur als Übergangsregtzlung daß sie aber nicht die Grundlage für den endgültigen Ver- trag bilden kann.
überhaupt: wer der wirtschaftlichen Entwicklung unseres Vaterlandes auch jetzt noch, trotz der unleugbaren Fortschritte des vergangenen Jahres, mit tief gewurzeltem Mißtrauen gegenübersteht, kann hier in Hamburg, er mag wollen oder nicht, aus einem Saulus zum Paulus werden. Von außen wenigstens gesehen, macht die Stadt wieder einen vynSrafttnud giv^e
Eindruck. Und wenn man besonders den Aufschwung ins Auge faßt, den Handel und Verkehr hier an der Wasserkante seit der Stabilisierung unserer Währung sichtbar genommen haben, so wird man schon die Zuversicht begreifen, mit der der „Ehrbare Kaufmann" und alles, was wirtschaftlich zu ihm gehört, jetzt wieder an der Arbeit ist Eine flüchtige Rundfahrt schon durch den Hafen mit seinem wahrhaft überquellenden Reichtum an Arbeitsfleiß und Verkehrsdichtigkeit legt Zeugnis ab von der unzerstörbaren Unternehmungsfreude, die diesen Welthandelsplatz erste: Ordnung geschaffen und erhalten hat. Wenn gewiss« amerikanische Finanzherren sich tatsächlich einbilden sollten, die überragende Stellung des Hamburger HafenS durch noch so gigantischen Ausbau eines der nordfranzöst- schen Häfen wirklich untergraben zu können, so begegnet diese etwas kindhaft anmutende Idee höchstens einigem fröhlichen Gelächter. Mit Bajonetten kann man, so heißt es, wie man weiß, alles machen — nur darauf fitze« kann man nicht. Ebenso kann man mit ungezählten Dollar. Millionen wohl allerhand Wunder verrichten, sogar auch wenn das Glück gut ist, die noch der Bebauung harrenden Stadtgebiete von Groß-Berlin über Rächt mit Wohnhäusern besetzen, um die sich nachher vielleicht nur fehl wenige Leute reißen würden, weil eben der Dollarbesitz in Deutschland leider noch nicht genügend verbreitet ist. Abei einen Hafen wie Hamburg können uns die Goldmännei von Newyork beim besten Willen nicht nachmachen. Denn der ist nicht von heute auf morgen, bloß mit Geld und guten Worten hervorgezaubert worden, sondern er ist langsam und organisch gewachsen und geworden und ei verdankt seine überwältigende Bedeutung einer wirtschaftlichen und kulturellen Gesamtarbeit von Generationen, bie sich nicht einfach aus der Erde stampfen läßt nach dem Befehl von Geschäftsleuten, deren einziges Sinnen und Trachten auf rasches Geldverdienen gerichtet ist und ach sonst nichts in der Welt. Nein, der Hamburger Hafen und der immense hier ein- und ausflutende überseeische Warenverkehr ist mit dem Aufschwung des Reiches in die Höhe gekommen und er geht jetzt wieder unzweifelhaft einer neuen Blüte, entgegen — vorausgesetzt, daß es gelingt, die Lebensnotwendigkeiten unserer Wirtschaft allen Fesseln des Versailler Vertrages zum Trotz mehr und mehr durch- zusetzen.
Die Hamburg - Amerika - Linie hat natürlich, entsprechend dem ganzen Wesen dieser Ballinschen Schöpfung wie der ruhmvollen Vergangenheit, auf die sie zurückblicken kann, ihren Wiederaufbaukurs auf Newyork eingestellt. Die Jungfernfahrt ihres nach dieser gewaltigen Handelsmetropole genannten neuen Schiffes wird eine Probe auf das Exempel sein. Man hat allen Grund zu der Erwartung, daß sie gelingen wird. Dr. Sy.
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L^es-ammwechfel Walker—Cuno.
In Cuxhaven traf von dem Bürgermeister von Newyork, James I. Walker, folgendes Telegramm an Geheimrat Dr. Cuno ein: Beste Wünsche, gute Reise in froher Erwartung Ihrer Ankunft. — Geheimrat Dr. Cuno antwortete: Unsere „New Aork" tritt gerade ihre Reise an. Ich danke Ihnen herzlichst für die Begrüßung und die guten Wünsche. Bin in angenehmster Erwartung ihrer Ankunft in der Patenstadt und freue mich, Sie zu sprechen. j
Finanzausgleich im Reichstag.
(302. Sitzung.) 08. Berlin, 1. April.
Auf der Tagesordnung steht die zweite Lesung des vorläufigen Finanzausgleichs zwischen Reich, Ländern und Gemeinden, ferner die Vorlage zur Änderung des Gesetzes über den Eintritt der Freistaaten Württemberg, Bayern und Baden in die Biersteuergemeinschaft.
Abg. Graf Westarp (Dtn.) erklärte im Namen der Regierungsparteien, sie begrüßten den entschlossenen Willen des Finanzministers bei der zukünftigen Gestaltung des Reichs- Haushalts, nämlich größere Klarheit und Einfachheit herbei- zuführen. Das Volk habe noch nicht den vollen Ernst der finanziellen Lage erkannt. Die Regierungsparteien hielten es für ihre Pflicht, nachdrücklich auf die Tragweite der
finanzpolitischen Lage
aufmerksam zu machen und darauf hinzuweisen, daß auf die Dauer das deutsche Volk die gegenwärtigen hohen Steuerlasten angesichts der Kriegs- und Jnflationsverluste nicht tragen könne. Man habe die populärere Reichssteuersenkung vermieden und wolle durch höhere Überweisungen den Ländern und Gemeinden die Möglichkeit zur Senkung der Realsteuern geben, die die Wirtschaft am schwersten treffen. Durch Ausdehnung des Finanzausgleichs auf zwei Jahre solle den Ländern und Gemeinden eine solide Etatsgebarung ermöglicht werden. Für Bier sei die Getränkesteuer aufrechterhalten worden, um eine stärkere Anspannung der Realsteuern zu er- sparen. Die Erhöhung der Biersteueranteile für die süddeutschen Länder hielten die Regierungsparteien für innenpolitisch und finanziell unbegründet.
Preußischer Ministerpräsident Braun
erinnerte an die Bestimmung des Biersteuergesetzes, daß Änderungen dieses Gesetzes nur mit der für Verfassungsänderungen vorgeschriebenen Mehrheit erfolgen sollen. Hierzu kämen noch allgemeine Bedenken der preußischen Regierung gegen den Sonderausgleich für Einzelländer. Dadurch werde gegen den Grundsatz der gleichmäßigen Behandlung aller Teile des Reiches verstoßen. Die preußische Regierung erhebe deshalb entschieden Widerspruch gegen diesen Finanzausgleich.
Sächsischer Gesandter Dr. Gradnauer erklärte sich aus demselben Grunde ebenfalls namens der sächsischen Regierung gegen den Finanzausgleich und sprach die Erwartung aus,
Abg. Dr. Hertz (Soz.) beantragte auf Grund dieser Er- klarungen, das Gesetz über die Erhöhung der süddeutschen Biersteueranteile an den Ausschuß zurückzuverweisen. Da sich bei der Abstimmung Beschlußunfähigkeit des Hauses heraus- stellte, wurde die Sitzung geschlossen und eine neue auf eine Viertelstunde später anberaumt.
Die zweite Sitzung.
Bei der Wiedereröffnung beantragt Abg. Dr. Bredt (Wirtsch. Vgg.), die Beratung zu vertagen, bis die verfassungsrechtlichen Fragen festgestellt sind. Der Antrag wird abgelchnt,
Staatsrat von Wolf verliest eine Erklärung für die bayerische Regierung, in der gesagt wird, es könnte angenommen werden, daß keine verfaflungsmäßigen Bedenken bei einfacher Abstimmung vorliegen. Bayern verlangt in einer Existenzfrage sein Recht und hat das Zutrauen zum Reichstag, daß er es nicht verweigern wird.
Die nunmehr namentlich wiederholte Abstimmung über den Antrag Dr. Hertz (Soz.) auf Rückverweisung des Biersteuergesetzentwurfes an den Ausschuß ergibt Ablehnung des Antrags mit 189 gegen 163 Stimmen der Sozialdemokraten, Komniunistcn, Demokraten und der Wirtschaftspartei bei einer Enthaltung.
, , Es folgen die zurttckgestellten Abstimmungen zum Etat des Reichsflnanzmlillsteriums. Den Ausschußbeschlüsien wird unter Ablehnung der kommunistischen Anträge zugestimmt. Das Haushaltsgesetz wird angenommen. Nach Bewilligung des Etats für das Reichsfinanzministerium trat das Haus in die Besprechung des Finanzausgleichs ein.
Aussprache zum Finanzausgleich.
Abg. Junke (Soz.) meinte, eine Verlängerung desFinanz- ausgleichs aus ein ^ahr hätte genügt, da aber die Verlängerung ' -ahre festgesetzt sei, so werde dieser Reichstag deN >en Finanzausgleich nicht mehr verabschieden. Das iner unsoliden Vumvwirtkckakt. Die Knrinl,
auf zwei I- endgültig- .....„— sei der Anfang zu einer unsoliden Pumpwirtschaft. Die Sozial- demokratte lehne diesen Finanzausgleich ab.
™ Koenen (Komm.) sah in dem Finanzausgleich den Abdruck der inneren Widersprüche, in denen sich die kapitalistische Wirtschaft befindet.
l?em.) erklärte, daß das Finanzausgleichs- Provisorium der Regierungsmehrheit durchgreifende Reichssteuersenkungen unmöglich mache. Die die Reichseinheit zu-
Klammern sollten zugunsten einer stärkeren m gelockert werden. Die Demokraten lehnten ledenfalls die Verantwortung für die Folgen ab. Sie kahen in den bevorstehenden Gesetzgebungsakten eine schwere des wirtschaftlichen Wiederaufbaues und der melchsemheit.
, Reichsfinanzminister Dr. Köhler
eingetroffen, was er bezüglich der Aus- ^"der ,gesagt habe. Er hatte sich nur insofern geirrt, «weinn™ ^^iÄ>^. Erwerbslosenfürforge um etwa 120 Millionen Vorsehen zu können glaubte, während es sich einige ^prfwJ^rh™™ daß mit mindestens 250 Mill.
m"lle. Der Minister glaubt, es lasse sich nSt^^^ Zur Herstellung des Gleich- hnfe Ä ^s Vorjahres zurückgegriffen habe, so
cftlLl ^uugswcise etwa 200 Millionen erhalten werde. Endlich sei der Betriebsfonds bis zur höchstmöglichen Grenze ^TtS™0^- An gegenwärtigen Etat sei jedoch für ^e ordentlichen Ausgaben keinerlei Pumpwirtschaft beabstch- M- §,U^U!?U das Extraordinarium auf Anleihe nehmen iw™^t schon 1926 die Meinung des Hauses gewesen, -^""lter führte weiter aus, man müßte prüfen, ob das ™j^ ^uershstem den total andersgearteten Verhältnissen dE? u?>^utsprache. Das Gesetz über die Realsteuern müsse nicht ersi nn Oktober vorgelegt merken, sondern alsbald. Die