hersfelöer Tageblatt
i@l hersfelöer sireisbla«
flnzeigenpreis: Die „ . Sie Reklamezeile 50 Pfennig. Bei Wieöerholungen ,,
Nachlaß gewährt. •:• Kür die Schriftleitung verantwortlich: Kranz Kunk in Hersfelö. ❖ Kernsprecher Nr. 8
Amtlicher MZeiger für den Kreis hersfelS
: Monatlicher Bezugspreis: Durch die Post bezogen 1.20 : Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für ^ersseld : 1.00 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer : 0.80 Reichs-Mark * Druck und Verlag von Ludwig ♦ Zunks Buchdruckerei in Hersfelö, Mitglied des VVZV.
mit öen Beilagen: Heimalschollen
Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Unterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.
Nr. 89 (erstes Blich
Sonnabend, den 16. April 1827
77. Jahrgang
Auferstehung.
Ob das von jeher als fröhlich und gesegnet gepriesene Osterfest alle Hoffnungen erfüllen wird, die Große und Kleine, Weise und Toren in den langen Wochen des Wartens angesammelt haben? Sicher nicht, denn die Wünsche der Menschen haben bekanntlich keine Grenze, doch der Rahmen der Erfüllung ist enger gespannt und geht nicht über das hinaus, was die ewige Ordnung der Dinge gebietet. Wetterungunst und wirtschaftliche Tatsachen können das äußere Bild des Festes beeinflussen, tückische Zufälle ausschweifende Wahrscheinlichkeitsberechnungen zuschanden machen. Aber denjenigen, die vertrauenden Herzens und bescheidenen Charakters sind, vermögen Äußerlichkeiten nicht das innere Genügen zu zerstören. „In deinem Fleische wirst du wieder wandeln", tröstet die Schrift den Erdensohn, wenn Schicksalsschläge ihn in die Nacht der Verzweiflung und des Todes zu stürzen drohen. Die Ostersonne leuchtet auch für dich, du Menfch mit dem bangen Sinn und den quälenden Sorgen, selbst wenn sie hinter Wolken bleibt; sie ist da und gibt dir Gewißheit, daß nach dem Winter des Mißvergnügens glorreich der Sommer naht. Also sreue dich genügsam in diesen Tagen, überwinde die Schwere des Alltags mit ihren Peinlichkeiten, horche auf das überzeugende Geläut der Glocken, die von Turm zu Turm rufen, und stimme ein in das gewaltige Lied der Erlösungsüberzeugung: „Triumph, der Heiland ist erstanden".
*
Wenn wir an äußeren Anzeichen hängen, so wurden uns deren in der Osterwoche einige gegeben, die Wohl als herzerfreuende Gaben aufgefatzt werden dürfen. Die Erwerbslosigkeit im Reiche ist um mehr als 20 % zurückgegangen — ein Fünftel unserer Volksgenossen, die gern arbeiten wollten, aber nicht konnten, weil für ihre fleißigen Hände kein Platz vorhanden war, dürfen Brot für sich und Kinder wieder verdienen, den Nationalbesitz durch ihre Mithilfe vermehren und die allgemeine Wirt- 4M-Wjqge Msseru.,JSie streuenmit an der Saat, aus der uns allen dereinst die Ernte erwachsen soll. Das war 1 wahrhaftig eine gute Botschaft. Und auch dessen dürfen wir uns freuen, wenn deutscher Fleiß und deutsches Können durch ungewöhnliche Ehren anerkannt wurden im Lande des Dollars, als der Dampfer „New Uork" auf seiner ersten Fahrt nach drüben anlangte und wieder eines der im großen Kriege zerrissenen Bänder zwischen Staat und Staat, Volk und Volk frisch knüpfte. Dann über- wand ein deutsches Flugzeug in stolzem Alpenflug die Entfernung zwischen München und Mailand in drei Stunden — gewiß keine schlechte Leistung. Wegen solcher Einzelheiten brauchen wir nicht gleich in Größenwahn zu verfallen — aber alles das zeigt doch, daß die Deutschen keineswegs von dem über sie hereingebrochenen Ungemach endgültig niedergeworfen sind ohne Auferstehungsaussichten —' es gilt noch das Wort des Alten vom Sachsenwalds: Setzt Deutschland nur in den Sattel, es wird schon reiten können! Tausend Köpfe und Fäuste sind dabei, den richtigen Sattel zurechtzuformen — das Reiten soll uns nicht zu schwer werden. So etwas ist gern zu buchen als Ostergewinn.
Unsere Altvordern taten sich zum Auserstehungsfeste ein Gutes mit dem O st e r g e l ä ch t e r, von dem die Geschichtschreiber erzählen. Auch dafür ist gesorgt worden. Der alte Fritz sagte einmal von den Franzosen, sie seien da. um ihn zu amüsieren. Diese immerhin im Interesse der Kurzweiligkeit anzuerkennende Eigenschaft haben unsere westlichen Nachbarn bis heute nicht verloren. Da hatten sie jetzt einen großartigen Prozeß in Kolmar arrangiert. Die Elsässer sind im Grunde nicht besonders zufrieden mit der stark bureaukratischen Herrschaft, der sie Durch die Versailler Friedensbestimmungen ausgesetzt sind. Sie rufen nach größerer Selbständigkeit, von der sie mehr hatten zur Zeit, da sie noch als Deutsches Reichsland existierten. Sie wollen ihre Eigenart ebenso unter der Trikolore bewahren. Das rufen die Elsässer, nach Paris gewandt, oft genug und deutlich in Wort und Schrift aus. Em Vriester, Dr. Haegy, ist dabei chr unbezweifelter Fürsvrecker. Darob Wutanfälle in der Seinestadt, ein chauvinistischer Journalist bezichtigt kurzerhand den Dr. Haegy des Einverständnisses mit Deutschland und me ganzen elsässischen Feinde übermäßigen Zwanges der Bestechung durch — natürlich — deutsches Geld. Dr. Haegy läßt sich Das nicht gefallen, klagt und die Verhandlung geht vor sich, das heißt, geht eigentlich nicht vor sich. Die Gerichtshalle wird vielmehr zum Theater - vor den Schranken versöhnen sich die heißblütigen Gegner. Jeder nimmt alles und alles zurück, beide sind reine Engel, selbstverständlich mit gallischer Farbenschleife. Der Kläger erhält einen Blumenstrauß, überreicht ihn dem Angeklagten, der wieder verlangt, daß der Spender „Hoch lebe Frankreich" ruft. Nachdem auch das geschehen ist, bricht alles in Tränen aus, weinend umarmen sich Richter, Kläger, freigesprochener Angeklagter, Zeugen und wer sonst noch anwesend ist — das Kmodrama ist zu End^ Frankreich wieder einmal gerettet, die elsassische Frage bt- auf den letzten Rest gelöst. Und da soll die Welt
nicht la
*
Heiterer ist das jedenfalls, als wenn der großmächtige Herr Italiens, der Herzog aller Herzog Mussolini.
9o$ M der ANftWStonserenz
Vertagung der Genfer Veratungen.
Wenig ermutigende Ergebnisse.
Der Vorbereitungsausschuß für die Abrüstungsl'on- ferenz hat sich aus den 21. April vertagt.
Für die weitere Fortführung der Beratungen wurde ein Vorschlag des belgischen Delegierten de Brouckere angenommen, der die Kontrollfrage von den übrigen Bestimmungen über die Durchführung der Abrüstungskon-s vention trennt und zunächst die Behandlung jener Punkte Vorsicht, an denen auch Amerika unmittelbar als künftiger Vertragspartner interessiert ist, nämlich chAusnahme- f ä l l e, in denen Vertragspartner von ihren Verpflichtungen zeitweilig entbunden sein sollen; b) Veröffentlichung der militärischen Ausgaben und anderer Angaben über Rüstungsvorbereitungen; c) Ratifikation und Inkrafttreten der Konvention. Erst nach Erledigung dieser Punkte soll dann als letzter Punkt d) die Kontrollfrage behandelt werden, soweit sie nur für Völkerbundmitglieder, aber nicht für Amerika in Frage kommen kann. Das Ergebnis, das über die Kontrollfrage in erster Lesung zustande kommen würde, soll als zweiter selbständiger Teil des Programms der künftigen Abrüstungskonferenz betrachtet werden.
Die Vertreter Polens und Rumäniens haben gegen den belgischen Vorschlag einen Vorbehalt angemeldet, dahingehend, daß sie auf keinen Fall für andere Nichtmit- glieder des Völkerbundes die gleiche Sonderstellung zu-
ven armen Deutschen Bonor Der Philosophie nicht begnadigt, sondern ins Strafexil schickt, bloß weil der Gelehrte einigen wissensdurstigen Schülern deutschen Sprachunterricht erteilt hat Das ist nämlich im befreiten und freien Italien heutzutage verboten. Trotz aller Freiheitsphrasen hat man dort mehr Sinn für die Gewaltgeste als für die Erkenntnis, ein bißchen Humor und Freundlichkeit fei der Menschheit notwendig, um überhaupt alle Wechselfälle des Lebens überwinden zu können. Wir jedoch wollen dessen nicht vergessen und die uns geschenkten Ostertage 1927 nicht in Übermut, aber in getroster Hoffnung und freudiger Erhebung verleben — auf - erstehen müssen wir! io.
Reichsksmmiffar für öas Handwerk.
Ministerialdirektor Reichardt.
Nach amtlicher Bekanntgabe ist der Ministerialdiri- aent im Reichswirtschaftsministerium Geheimer Regre- rungsrat Dr. Reichardt zum Ministerialdirektor und gleichzeitig zum Reichskommissar für das Handwerk und das Kleingewerbe ernannt worden. Dr. Reichardt übernimmt die Leitung der auf Grund der Beschlüsse des Reichstages neu gebildeten Abteilung, in der künftig Die Angelegenheiten des Handwerks und des Kleingewerbes, des gewerblichen Genossenschafts- und Kreditwesens sowie die Fragen der Reichsgewerbeordnung bearbeitet werden sollen. Dr. Reichardt war bisher in der Abteilung I des Reichswirtschaftsministeriums als Vertreter des Leiters dieser Abteilung tätig. Mit der Begründung der neuen Abteilung für das Handwerk erhält das Reichswrrt- schaftsministerjum nunmehr eine dritte Abteilung.
Arbsiiszeiinoigeseh.
Zustimmung des Reichsrats und Verkündung.
Da der Reichsrat beschlossen hat, von der Einlegung eines Einspruchs gegen das kürzlich vom Reichstag verabschiedete Arbeitszeitnotgesetz abzusehen, ist die Verkündung dieses Gesetzes in der am 14. April ausgegeben- nen Nummer des Reichsarbeitsblattes erfolgt. An der gleichen Stelle ist die Verordnung über die Arbeitszeit in ihrer neuen Fassung abgedruckt. Die Ausfüh- rungsvorschristen zu dem neuen Gesetz werden in der nächsten Zeit mit Vertretern der Länder und der wirtschaftlichen Vereinigungen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer besprochen und noch vor dem 1. Mar, dem Tage des Inkrafttretens des Gesetzes, erlassen werden. ___________
Zialien gegen Jugoslawien.
Vorläufig keine Verhandlungen.
Eine amtliche Veröffentlichung der italienischen Regierung sagt, daß im Gegensatz zu Belgrader amtlichen Nachrichten, wonach direkte Verhandlungen zwischen Rom und Belgrad schon in der nächsten Woche beginnen sollen, festgestellt werden müsse, es habe bisher noch keinerlei Fühlungnahme zwischen dem südslawischen Gesandten in Rom und Mussolini stattgefunden. Es sei auch noch kein Zeitpunkt für eine solche Unterredung festgesetzt worden und auf jeden Fall handele es sich nicht darum, Besprechungen oder Verhandlungen über einen Vertrag, nämlich denjenigen von Tirana, der den südslawischen Staat nicht betreffe, zu sühren, sondern um einfache Unter
gestehen könnten, die entsprechend dem belgischen Vorschlag den Vereinigten Staaten von Amerika zugestanden werden soll.
Die dem Reichsautzenminister nahestehende Deutsche diplomatisch-politische Korrespondenz widmet dem bisherigen Ergebnis der Genfer Verhandlungen einen „Das Fazit der Abrüstungskonferenz" betitelten Artikel, der zu folgendem Schlüsse kommt: Die materiellen Ergebnisse der ersten Lesung des Abrüstungsprogramms sind recht wenig ermutigend; es ist außerdem grundsätzlich festzu- ftcöen, daß man von denr eigeutlichenThema, wie es durch Völkerbundsatzung und Versailler Vertrag gestellt ist, i m m e r w e i t e r a b k a m. Aus Der Abrüstung ist Rüstungsverminderung, aus der Rüstungsverminderung Rüstungsbegrenzung, aus der Rüstungsbcgrcnzung schließlich eine einfache Bekanntgabe des Rüstungsprogramms geworden.
Vom deutschen Standpunkt aus ist festzustellen, daß wir unter Ungleichung der Rüstungen eine Herabsetzung des Rüstungsstandes der ehemaligen Siegerstaaten in einem Verhältnis verstehen, der diese Herabsetzung der durch die Präambel zu Teil 5 des Versailler Vertrages als beispielgebend durchgeführten deutschen Abrüstung an- nähert. Die deutschen Interessen decken sich zweifellos am engsten mit einem wohlverstandenen Interesse der Gesamtheit der Nationen. So fkeptisch im Augenblick die Aussichten beurteilt werden, es muß doch festgehalten werden, daß das Problem gestellt ist und nicht mehr von der Tagesordnung verschwinden kann.
Haltungen, die den Zweck haben sollen, die allgemeinen Beziehungen zwischen beiden Staaten zu klären.
Dazu erklären die Blätter: An dem Vertrag von Tirana darf nicht gerührt werden. Südslawien kenne den Weg, der zu einer loyalen Verständigung mit Italien führen würde: 1. Ratifaktion des Vertrages von Nettuno, und 2. Anerkennung der überragenden Stellung, Die Italien in Albanien hat.
„Giornale d'Jtalia" hat aus Belgrad neue Informationen über militärische Vorbereitungen Jugoslawiens erhalten. Wie der Korrespondent des Blattes berichtet, lassen diese Vorbereitungen vermuten, daß Jugoslawien beabsichtigt, sich innerhalb eines bestimmten Zeitraumes auf einen militärifchen Aktionsplan großen Stils vorzubereiten.
Erdbebenkatastrophe in Chile.
Zahlreiche Tote.
Durch ein Erdbeben wurden in Santiago de Chile viele Hunderte von Personen verwundet. Zahlreiche Häuser wurden völlig zerstört. Auch in Valparaiso hat das Erdbeben Schaden angerichtet, der jedoch nicht allzu erheblich zu sein fcheint. Auch andere Teile Chiles sind von dem Erdbeben heimgesucht worden. In Santiago wurden bei dem Erdbeben sieben Personen getötet und 55 verletzt. Weitere zehn Personen kamen in Mendoza (Argentinien) ums Leben. Das Beben wurde auch in Buenos Aires verspürt.
Rückzug der chinesischen Fordarmee.
Hinrichtung eines kommunistischen Führers.
Der Vormarsch der Nordarmee wurde zum Stehen gebracht. über den Jangtse vorgedrungene Abteilungen mußten zurückgenommen werden. Nanking soll aber noch immer bedroht sein. In Schanghai bildet der Südführer Tschangkaischek nach der Auflösung der kommunistischen Gewerkschaften und ihrer Parteiorganisationen eine neue gemäßigte Arbeiterpartei. In Schanghai wurde einer der bekanntesten kommunistischen Führer standrechtlich erschossen. Die Anklage gegen ihn lautete auf Anstiftung zur Tötung in zwanzig Fällen. Der radikale Flügel der Kommunisten rief erneut den Generalstreik aus. Der Aufruf zum Streik wird aber nur teilweise befolgt. Es streikten etwa 90 000 Arbeiter.
Das RepublilschuMesetz vor demReichsral
Die Annahme des preußischen Antrages.
Der Retchsrat, der sich vor seinen Osterferien noch mit dem Republikschutzgesetz zu befassen hatte, nahm mit 37 gegen 30 Stimmen einen Antrag Preußens an, durch den zwei Bestimmungen des Republikschutzgesetzes, das am 23. Juli d. I. abläuft, in das neue Strafgesetzbuch dauernd ausgenommen werden sollen. Und zwar handelt es sich hierbei um Strafandrohungen gegen Personen, die die republikanische Staatsform öffentlich beschimpfen oder an verfassungsfeindlichen Verbindungen teilnehmen
Vor der Abstimmung bat Reichsjustizminister Dr. H e r g t um Ablehnung der Anträge Preußens, da nach dem Wiederzusammentritt des Reichstages im Mai d. die notwendigen Schritte zur Vorbereitung einer Vorlage über den Schutz der Republik an die gesetzgebenden Körperschaften getan werden sollen. Der Minister be-