Einzelbild herunterladen
 

HersMer Tageblatt

Anzeigenpreis: Sie einspaltige Petitzeile 15 Pfennig, die Reklamezelle 50 Pfennig. (Grundschrist Korpus). Bet Wiederholungen wird ein entsprechender Preis- Nachlaß gewährt. Jür die Schristleitung verant­wortlich: §ranz Zank in Hersseld. Zernsprecher Ur.'S

yersfelöer Kreisblaü

Amtlicher Anzeiger für ven Kreis hersfelü

: Monatlicher Bezugspreis: Durch die Post bezogen 1.20 ; Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für üersfeld 1.00 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer : 0.80 Reichs-Mark * Sruck und Verlag von Ludwig Zanks Buchdruckern in Hersfeld, Mitglied des VVZV.

mit den Beilagen: Keimatschollen / Illustriertes AnterhaltungSblatt / Nach Aeierabenb / Herd unS Scholle / Anterhallung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.

Nr. 90

Dienstag, den 19. April 1927

77. Jahrgang

Gefahren für die Landwirtschaft.

über die deutschen Handelsvertragsbesprechungen mit Polen wird uns aus landwirtschaftlichen Kreisen ae- schrieben:

Der Reichsaußenminister Dr. Stresemann und der polnische Minister Zaleski hatten sich in Gens aus­gesprochen und beschlossen, die deutsch-polnischen Handelsvertragsverhandlungen wieder aufzunehmen. Das ist auch geschehen, allerdings nur insofern, als die vielumstrittene Frage des Niederlassungsrechts Gegenstand mehrfacher Verhandlungen zwischen dem deutschen Gesandten in Warschau und der polnischen Regierung gewesen ist. Diese Frage gewinnt aber nun plötzlich ein ganz besonderes Gesicht dadurch, daß aus Polen gemeldet wird, die polnische Regierung trage sich mit der Absicht, dem Innenminister gesetzlich die Be­fugnis zusprechen zu lassen, im Falle einer schweren wirt­schaftlichen Krise das gesamte vereinbarte Niederlassungs­recht für Ausländer aufzuheben. Ein folcher Be­schluß würde natürlich jede Vereinbarung praktisch un­wirksam machen.

Über die gegenseitigen zolltarifarischen Zugeständnisse hat man sich aber bisher noch nicht unterhalten. Hier liegen aber nicht minder große Schwierigkeiten vor, weil Polen seine gesamte Einfuhr derartig vermindert hat durch Beschränkung und glatte Einfuhrverbote, daß sie um fast 50 Prozent zurückgegangen ist. In Polen hat man die allergrößte Angst vor einer neuen Erschütterung der ein­geführten Zlotywährung, gründete außerdem namentlich in den letzten Jahren neue Industrien, uA. sich von der ausländischen Erzeugung von Halb- und Fertigfabrikaten möglichst unabhängig zu machen. Die Dinae liegen jetzt fo, daß Polen sich gegen die deutsche Einfuhr von Jn- dustriewaren sträubt, selbst aber größtes Gewicht auf eine möglichst weitgehende Ausfuhr landwirtschaftlicher Produkte, vor allem von Getreide, Kartoffeln und Schweinen legt. Bemerkt werden muß noch, daß dieser ganze Zollkrieg deutscherseits,

' geführt worden ist, so daß Polen, abgesehen von Kohlen, entweder direkt oder auf Umwegen nach Deutschland in. großen Massen ausführen konnte.

Die deutsche Landwirtschaft führt nun heftige Klagen darüber, daß sie bei dem jedesmaligen Abschluß von Handelsverträgen Deutschlands mit ausländischen Staaten die Kosten zahlen müsse. Würden den Polen weitgehende Zugeständnisse gemacht, so geschehe das gleichfalls wieder auf Kosten der Landwirtschaft, und zwar ebenso der großen wie der mittleren und der kleinen landwirtschaftlichen Betriebe. Denn die Anbaufläche für Getreide und Kartoffeln ist in dem heutigen Polen größer als in Deutschland. Die klimatischen Verhältnisse sind in beiden Ländern ungefähr die gleichen, daher muß der Ernteertrag diesseits und jenseits der deutsch-polnischen Grenze ungefähr der gleiche sein. Die Erzeugungskosten aus der polnischen Seite sind namentlich infolge der Währungsschwäche nicht unerheblich geringer als die deutschen. Gibt es in Deutschland eine gute Getreide- und Kartoffelernte, so ist das auf der anderen Seite der Grenze ebenfalls der Fall. Und das heißt nicht anderes, als daß in Zeiten zurückgehender Preise, die bei uns durch eine gute Ernte veranlaßt werden, durch eine massen­hafte polnische Ausfuhr nach Deutschland dort die Preise noch weiter heruntergedrückt werden. Ebenso, wie das für das Getreide und die Kartoffeln gilt, ist auch bei der Schweinehaltung mit einem starken Wettbewerb zu rechnen, wenn wir den Polen in der Frage der Einfuhr so entgegenkommen, wie Warschau das wünscht. Die deutsche Landwirtschaft sieht den kommenden Handelsver- tragsverhandluügen mit Besorgnis entgegen. Wenn ein Abschluß zustande kommt, treten an die Stelle der bis­herigen Kampszölle auf landwirtschaftliche Produkte die fehl niedrigen autonomen Zölle. Dazu kommt, daß bei- fpielsweise bei den künftigen Handelsvertragsverhand­lungen mit Rumänien oder anderen Agrarländern diesen nicht versagt werden kann, was man Polen ein- räumt. Gerade aber bei Vereinbarungen mit Polen, die mit weitgehenden Zugeständnissen verknüpft sind, würde der deutsche Osten besonders getroffen werden. Sind fchon die Vertragsverhandlungen mit den anderen Staaten nur unter Überwindung großer Schwierigkeiten erfolgt, so zeigen sich bei den Verhandlungen mit Polen ganz besondere Bedenken.

Zerstörungsardeiten an den Oßse-ungen.

Eine offiziöse Feststellung.

Der Berliner Korrespondent desJournals" wusste zu berichten, die alliierten Militärattaches in Berlin hätten bei der Botschafterkonferenz gegen die Haltung der deut­schen Militärbehörden protestiert, weil diese ihnen nicht gestatteten, den Fortgang der Zerstörungsarbeiten an den Festungen von Königsberg, Küstrin und Glogau an Ort und Stelle zu verfolgen. Der Reichswehrmmister habe ihnen geantwortet, daß die Kontrolle beendet sei und daß nunmehr ein deutscher Offizier nach Ausführung der Zer­störungsarbeiten einen Bericht ausarbeiten werde, in dem Deutschland den Alliierten mitteilen würde, daß es die letzten Entwaffnungsbestitnurungen erfüllt habe.

Hierzu berichtete die Agentur Havas, es sei richtig, daß die alliierten militärischen Sachverständigen, die mit

Tschens Note

Kantons Antwort auf -te Zünsmä-tenote.

Zu Entschädigungen bereit.

Der Außenminister der Kantonregeirung, Tfchen, hat jetzt den Vertretern der fünf Mächte: England, Frank­reich, Italien, Japan und Amerika die Antwort auf deren gleichlautende Noten überreichen lassen, die die Sühne­forderungen für die blutigen Vorgänge 'in Nanking ent­hielten. Um besonders England jeden Vorwand zu Kriegsmaßnahmen zu nehmen, ist die chinesische Note in freundlich entgegenkommendem Tone verfaßt.

Die Note betont, die Kantonregierung sei bereit, jede notwendige Entschädigung in vernünftigen Grenzen zu leisten, falls nicht erwiesen werde, daß der Schaden durch das englische oder amerikanische Bombar­dement, durch Rebellen oder durch Agenten der Nord­armee hervorgerufen worden ist. Um das festzustellen, schlägt Tschen die E i n s e tz u n g einer neutralen 11 nter- su chungskom mission vor. Diese Kommission soll gleichzeitig untersuchen, unter welchen Umständen die Be­schießung von Nanking durch amerikanische und englische Mariuskräfte vor sich gegangen ist, da Nanking eine un­befestigte Stadt sei und das internationale Recht die Be­schießung solcher Städte verbiete. Die geforderte Ent­schuldigung will die Kantonregierung nur leisten, wenn erwiesen ist, daß sie an den Zwischenfällen Don Nanking schuldig ist.

Schließlich betont die Note, die beste Garantie für den wirksamen Schutz aller Fremden in China fei die Ent­fernung der Grundursache für alle Unruhen, nämlich die Aufhebung der ungleichen Verträge, die für China demütigend seien. Die Kantonregierung fei daher bereit, Delegierte zu ernennen, die mit Vertretern der Großmächte über eine befriedigende Regelung aller Fragen bei Aufrechterhaltung voller Gleichberechtigung auf beiden Seiten verhandeln sollen.

Die Frage der Sanktionen.

Wie der Quai d'Orsay mitteilt, bezeichnen die Ver­treter der fünf Großmächte in China die Antwortnote des Außenministers der Kantonregierung, Tschen, als u n an­nehmbar. Sie sehen in ihr lediglich ein dilatorisches Manöver, das Uneinigkeiten zwischen den Mächteregierun- gen schaffen wolle. Für den Schutz des Lebens und Eigen­tums der Ausländer biete die Antwort nicht die geringste Garantie. Da es gefährlich sei, sich den kommunistisch be­herrschten Behörden anzuvertrauen, schlagen die Ge­sandten ihren Regierungen die Absendung einer neuen, mit der ersten identischen Note an die chinesische Re­gierung vor. Die beteiligten Mächte verhandeln über die

der Kontrolle der Durchführung der letzten Entwaff­nungsklauseln in Deutschland beauftragt seien, Schwierig­keiten bei der Verfolgung der Zerstörungsarbeiten an Ort und Stelle begegnet seien. Die alliierten Botschafter in Berlin hätten bei den deutschen Behörden protestiert. Auf Grund dieser Intervention scheine der Zwischenfall aus dem Wege der Regelung zu sein.

Die vorstehend wiedergegebene Meldung desJour­nals" entspricht, wie von offiziöser deutscher Seite betont wird, in dieser Form nicht ganz den Tatsachen. Es ist bekannt, daß von den ^-zember und Januar end­gültig geregelten N- der Entwaffnungsfrage einige, wie namentli . ereinbarten Zerstörungsar­beiten an den Ostfestungen, praktisch noch der Durchfüh­rung bedürfen. Diese Durchführung ist im Gange und nimmt ihren normalen Verlauf. Von einer Kontrolle der deutschen Maßnahmen in der Form, wie sie von der I. M. K. K. ausgeübt wurde, kann stach der Zurückziehung dieser Kommission keine Rede sein. Dagegen entspricht es der Natur der Sache, daß über die Durchführung der deutschen Maßnahmen eine authentische Feststellung er- folgt. Hierüber finden fortlaufend diplomatische Erörterungen statt, an denen auch die auf Grund des Genfer Protokolls vom 12. Dezember den beteiligten hiesigen Botschaften zugeteilteir Sachverständigen beteiligt sind. Es kann damit gerechnet werden, daß die ganze Angelegenheit auf diese Weise unschwer ihre Erledigung finden wird.

Fünf Zähre Aapaüovertrag.

Telegrammwechsel zwischen Litwinow und Stresemann.

Der stellvertretende Volkskommissar des Auswärtigen der Sowjetunion, Litwinow, hat an den Reichsminister des Auswärtigen, Dr. Stresemann, das nachstehende Tele­gramm gerichtet:

Am fünften Jahrestage der Unterzeichnung des Ra- pallovertrages, welcher die G r u n d l a g e der f r e u n d - schastlichen Beziehungen zwischen Deutschland und der Union sestgelegt hat, betrachte ich es als meme an­genehme Pflicht, Sie, Herr Rerchsmmister, sowie d«e Reichsregierung zu begrüßen. Unsere beiden Negrerungen haben stets an den Prinzipien des Ravallovertraaes fest­

unannehmbar

Frage einer gemeinsamen Antwort an die Adreffe der Kantonregierung sowie über die Frage, ob Sank­tionen zu ergreifen sind.

Preß Association* meldet, anscheinend inspiriert, daß in der letzten Kabinettssitzung in London gewisse Be­schlüsse über die schwierige Frage der Sanktionen gegen­über den Kantonesen im Benehmen mit dem Ersten See­lord, Beatty, und Luftmarschall Trenchard gefaßt wur­den. Dieses sei einer der Punkte gewesen, bezüglich derer die fünf Mächte eine Übereinstimmung unmöglich fanden und die infolgedessen aus den Nankingnoten herausge­lassen wurden. Irr manchen Kreisen Englands sei die Enttäuschung über die Schwäche des von den fünf Mächten erhobenen Protestes ausgedrückt worden. Aber es sei bekannt, daß der Wortlaut der identischen Noten das größte gemeinsame Maß von Übereinstimmung dar- stellte, das erzielt werden konnte. Es werde von Leuten, die in enger Fühlung mit dem Kabinett stehen, erklärt, daß keinerlei Absicht bestehe, die Frage fallen zu lassen. Die britische Regierung sei entschlossen, selbst wenn dies eine unabhängige Aktion bedeute, die Forderung nach Reparation, Bestrafung und Entschuldi- gung zu erzwingen. In maßgebenden Kreisen werde erklärt, daß, sollte eine Wiederholung der Nanking­angelegenheit erfolgen,drastische Schritte* unter­nommen würden.

Militärische Maßnahmen Japans und Amerikas.

Gewaltsame Landaufteilung in Hunan.

In Airbetracht der gegenwärtigen Lage in China ist vom japanischen Generalstab beschlossen worden, den StabdesHauptquartiers und die zehnte Jnfan- . MüM-schEt auu, nach Aukunft der Cr- satzeinheiten am 28. April beizubehalten. Ähnlich sind drei Kompagnien in Tientsin zurückgehalten worden, ebenso die Ersatztruppen zuzüglich zweier Kompagnien, die wäh­rend der letzten Sitzung des Japanischen Landtages be­willigt wurden. Der amerikanische Flottenbefehlshaber in den chinesischen Gewässern, Admiral Williams, hat das amerikanische Marineministerium davon benachrichtigt, daß er,in anbetracht der Verschärfung der Lage in Hankau eine Zusammenziehung von Marinestreitkräften in Hankau angeordnet habe

Reuter meldet aus Hankau: Die kommunistisch ge- richtete Bauernunion hat die gewaltsame Durchführung der Landaufteilung in der Provinz Hunan in Angriff genommen. Verschiedene der jetzigen Grundeigentümer wurden getötet. Die Bewegung hat in allen Städten der Provinz die Oberhand erlangt und schwere Aus­schreitungen verursacht.

gehalten, was besonders auch beim Abschluß des Vertrages vom 12. Oktober 1925 und des Berliner Vertrages vom 24. April 1926 zum Ausdruck gekommen ist. Die Regie­rung der Union ist der vollen Überzeugung, daß die B e - festigung und der Ausbau der freundschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Union vollkommen den Interessen beider Länder entsprechen. Ich bin fest überzermt, daß die im Laufe der fünf Jahre sich so gut bewährten Grundsätze des Rapallovertrages auch im weiteren Sie Voraussetzung für die günstige Entwick- lung der sowjet-deutschen Beziehungen bleiben und für die Wahrung des Friedens, der für die Völker der ganzen Welt so nötig ist, dienen werden."

Der Reichsaußenminister hat Herrn Litwinow darauf mit folgendem Telegramm geantwortet:

Für die freundschaftlichen Worte, die Sie, Herr Volkskommissar, aus Anlaß des fünften Jahrestages des Vertrages bon Rapallo an mich gerichtet haben, danke ich Ihnen verbindlichst. Sie können überzeugt sein, daß die Gedanken, die Sie in Ihrem Telegramm zum Ausdruck bringen, nicht nur bei mir persönlich, sondern auch bei der Reichsregierung lebhaften Widerhall finden. Ich teile Ihre Überzeugung, daß die freundschaftliche Zusammenarbeit zwischen der Sowjetunion und Deutschland den Interessen der beiden Länder dient, und hege den aufrichtigen Wunsch, daß die in jenen Verträgen festgelegten Grundsätze sich auch in Zukunft bewähren und zur Erhaltung des allge­meinen Friedens beitragen mögen."

In diesem Zusammenhang sind die Ausführungen von Interesse, die der Handelskommissar der Sowjetunion Mikoyan über die deutsch-russischen Handelsbezie­hungen kürzlich in Moskau gemacht hat. In einer von ihm herausgegebenen offiziellen Mitteilung heißt es dar­über:

Ungeachtet aller Schwierigkeiten und Erklärungen unserer Gegner, die Europa glauben machen wollen, das die Sowjetunion außerstande sei, alle ihr von Deutschland zur Verfügung gestellten Kredite voll auszunutzen, haben wir es verstanden, nicht nur die Kredite voll auszunutzen, sondern darüber hinaus noch eine beträchtliche Menge von Bestellungen zu vergeben, so daß die deutsche Regie­rung den Rahmen der d e u t s ch e n K r e d i t e e r w ei - t e r t e. Die deutsche Judustrie schreitet auf breiter Frow zu Lieferungen für eine Reihe neuer russischer Untersteh