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Hersfelöer Kreisblatt
Amtlicher MZeiger für öen Kreis Hersfel-
Mit den Beilagen: Heimatschollen / Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Unterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.
Nr. IIS (Erster Null)
Sonnabend, den 21. Mai 1927
77. Jahrgang
Wetitämpse.
Dem Trauerspiel des mißlungenen Ozeanfluges der beiden französischen Piloten, dessen Fehlschlag in Frankreich wie ein großes nationales Unglück empfunden wurde, folgte das über acht Tage dauernde Zögern der beiden amerikanischen Flieger, die zuerst verkündet hatten, sie würden den Gegenflug nach Europa alsbald antreten, gleichviel, ob das Unternehmen der Franzosen gelinge oder nicht. Es sollen sich da Streitigkeiten geschäftlicher Art mit den Auftrags- oder Geldgebern entwickelt haben, wahrscheinlich hat aber auch das Schicksal Nungessers etwas dämpfend gewirkt. Nun soll nach den letzten Nachrichten einer der Amerikaner aber doch abgeflogen sein. Man wird also abzuwarten haben, ob er das Glück besser zwingen wird als die Franzosen.
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Vorläufig ist die Überquerung des Ozeans in einem oder zwei Tagen jedenfalls noch unsicher. Hat Dr.E ck e n e r seinen Zeppelin in rund vier Tagen nach Newyork übergeführt, so konnte ihm diese Leistung noch von keinem Konkurrenten nachgemacht werden, und wenn auch unsere großen Schiffahrtsgesellschaften immerhin fchon für eine nahe Zukunft mit einem regelmäßigen Luftverkehr zwischen der Alten und der Neuen Welt rechnen, die Praxis bleibt einstweilen hinter diesen Möglichkeiten doch noch recht weit zurück. Um so erfolgreicher bemühen sich die Schiffbauingenieure um ständige Abkürzung der Fahrzeiten für die Verbindung von Küste zu Küste. Jetzt sind sie schon so weit, die Entfernung zwischen Europa und Südamerika, die bislang nicht unter drei Wochen zurückzulegen war, auf 16, ja aus 14 und gar, wenn die Nachrichten aus Italien nicht leere Übertreibungen darstellen, auf 12 Tage zurückzuschrauben. Hier entwickelt sich ein Wettbewerb unter den Völkern, den man nur als segensreich bezeichnen kann, zumal die Auswanderung nach den südamerikanischen Staaten um so mehr anwachsen muß, je hartnäckiger die Nordamerikaner ihre Grenzen gegen Europa so gut wie gcsckck .'si ^,. alten. Die Groß- Herzigkeit^ deren sie sich sonst in allen- Dingen selber ;o gern rühmen, läßt in dieser Beziehung nun einmal vielerlei zu wünschen übrig — zum Schaden der Völker, die ihren Geburtenüberschuß auf eigenem Grund und Boden nicht mehr unterzubringen vermögen, wie Italien, oder die durch Friedensverträge, wie den von Versailles, daran verhindert werden, ihn aus eigener Wirtschaftskraft zu beschäftigen und zu ernähren. Wenn hier nicht neues Unglück in der Welt entstehen soll, müssen beizeiten Ventile anderer Art bereitgestellt werden.
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Der Wettkampf freilich, der jetzt zwischen E n g l an d und den Regierenden von Moskau ausgekämpft wird, ist schon eine verteufelt weniger spaßige Angelegenheit. Fast könnte man auch hier sagen: rechter Hand, linker Hand, alles vertauscht. Die hoch kultivierten, aus strenge Rechtlichkeit eingeschworenen Minister Seiner großbritannischen Majestät lassen die Polizei in ein mehr oder weniger durch diplomatische Immunität geschütztes, mehr oder weniger amtliches Gebäude der russischen Handelsdelegation mit allen Mitteln großstädtischer Fahndungskunst einfallen, lassen dort eine Razzia größten Stils durchführen, Hunderte von Menschen nach Waffen und verdächtigen Papieren untersuchen, Mauern aufmeißeln, Geldschränke mit Feuer und Schwert aufbrechen, mit der geheimnisvollen Begründung, daß im Kriegsministerium ein Dokument von größter staatspolitischer Bedeutung abhanden gekommen sei, das unbedingt wieder zur Stelle geschafft werden müsse. ■ Und die Moskauer Regierung, sonst nicht gerade ausgezeichnet durch den Rus als unentwegte Hüterin bürgerlicher oder gar kapitalistischer Rechts- und Moralanschauungen, protestiert entrüstet gegen den Schimpf, der ihren Leuten in London auf diese Weise angetan wurde, verlangt Entschädigung und Genugtuung und Garantien gegen eine Wiederholung solcher Polizeiattacken auf die unbestrittensten Grundsätze internationalen Geschäftsverkehrs und schwört Stein und Bein, daß sie fest entschlossen sei, jedweden Handelsverkehr mit England einzustellen, wenn man nicht endlich die diplomatischen Beziehungen mit dem Sowjetstaat aufnehmen werde.
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Wer in diesem Rennen Sieger bleiben wird, läßt sich heute noch nicht mit Bestimmtheit sagen. Sicher ist nur, daß man in England die Russell satt hat bis zum Halse und daß man sich die Fortsetzung ihrer internationalen Politik gegen die Weltinteressen des Britischen Reiches unter keinen Umständen länger gefallen lassen will. Soll jetzt endlich die schon seit langem ange- strebte Einheitsfront der westlichen und möglichst auch der mitteleuropäischen Kulturstaaten gegen den Osten zustande kommen? Wenn man die Reden liest, die beim Staatsbesuch des Präsidenten der Französischen Republik in London gehalten worden sind, möchte man fast glauben, daß die neu besiegelte Entente zunächst einmal gegen Rußland ihre Trumpskarte auszuspielen beabsichtigt. Man könnte ja versuchen, Deutschland durch gewisse Versprechungen, die mehr seine West- als seine Ostgrenze betreffen, zum Anfchluß zu bewegen, obwohl man eigentlich in London wie in Paris nachgerade wissen mußte, daß Versprechungen von dieser Seite her bei uns an Zugkraft sehr viel verloren haben. Die Russen würden, wenn England wirklich alle Beziehungen zu ihnen abbrechen sollte, um Gegenschläge kaum verlegen sein; soviel vergehen sie schon von den Regeln des Boxkampfes, um ihren
Amerika-Europa im Flugzeug
Lindbergh nach Paris abgeflogen.
Im Eindecker über den Ozean.
Der amerikanische Hauptmann Lindbergh ist auf dem Newyorker Flugplatz Curtisr Field mit seinem Ryan-Eindecker zum Fluge nach Paris gestartet.
Die ganze Welt verfolgt das Unternehmen Lindberghs mit um so größerer Anteilnahme und Spannung, als seine Vorgänger, Rungesser und Colt noch immer verschollen sind. Lindbergh hatte lange mit der Abreise gezögert, weil er vor allem gutes Wetter für seinen Flug haben wollte. Kurz vor dem Start tröpfelte ein feiner Regen, aber das Wetter besserte sich an der amerikanischen Küste; nach dem Start war an der Küste das schönste Wetter. Der zweite Ozeanflieger, Bird, drückte Lindbergh vor seinem Aufstieg die Hand und wünschte ihm gute Reise. Einige tausend Neugierige waren schon lange vor dem Abfluge in Curtiß §ield und blieben noch zusammen, als die Maschine dem uge entschwunden war. Die voraussichtliche Flugzeit Lindberghs soll 40 Stunden betragen. In Fachkreisen
Regner nicht dort zu treffen, wo sie ihm nichts anhaben können, sondern an seinen verwundbaren Stellen, dere: Sitz ihnen ja gewiß nicht verborgen geblieben ist. Dir Welt genießt hier jedenfalls ein Schauspiel, wie es ih: noch niemals geboten worden ist. N e u e Z e i t e n , n e u « Unsitten — auch im diplomatischen Kriegsspiel de- Ratioucu! Dr. Sy.
Reichspostminister Schätze!
«W NWwrWmgen.
Der schöne Traum des 10-Pfennig-Tarifs.
Im Arbeitsausschuß des Verwaltungsrats der Deutschen Reichspost hat jetzt die Aussprache über die vom Reichspostminister vorgeschlagene Erhöhung der Postgebühren begonnen. Der Reichspostminister leitete die Ver- Handlungen mit einer Ansprache ein und betonte, daß der äst einmütige Protest der deutschen Wirt- chast gegen die geplante Portoerhöhung wie alles in der Welt auch eine gute Seite habe. Das Aus..nd würde ich davon überzeugen können, daß schon die jetzt vorgesehenen Gebührenerhöhungen von der deutschen Wirtschaft als untragbar abgelehnt werden und weitere Belastungen des deutschen Volkes durch Heranziehung der Deutschen Reichspost. zu den Dawes-Leistungen wirtschaftlich unmöglich sei.
Der Minister verteidigte im übrigen die geplanten Portoerhöhungen und wies darauf hin, daß die Reichspost Mit ihren Sätzen sich jetzt nur der allgemeinen Preislage anglerchen möchte. Der bisherige 10-Pfennig-Tarif habe im deutschen Volke vier Jahre lang den schönen . "genährt, daß die Zehupsennigmarke auch zehn Pfennig Wert hätte. Diefer 10-Pfennig-Tarif war aber eine objektive Unwahrheit, an der die Deutsche Reichspost vier Jahre lang schwer getragen hat. Der Minister drohte, wenn keine Deckung der Ausgaben der Post durch Gebührenerhöhung erzielt werden könnte, mit Rücksichtslosigkeit sofort jede weitere Ausgabe einzustellen, das Bauprogramm möglichst stillzulegen, wobei dann mehrere tausend Arbeiter entlassen werden müßten. Zum Schluß wandte sich Dr. Schätze! gegen das in der Öffentlichkeit an die Wand gemalte Gespenst einer n e u e n I n f l a t i o n. Die Reichsbank fühle sich stark genug, für weitere Stabilisierung unserer Währung zu sorgen. _______
Ministerrede auf der Hansabundtagung.
Dr. Curtius über die Zollpolitik.
Auf der Berliner Tagung des Hansabundrs ergriff auch der Reichswirtsch^ft" "ister Dr. Curtius das Wort. Die Ausarbeitung eines einheitlichen Zolltarif- schemas werde von der Genfer Wirtschaftskonferenz von allen Delegierten gefordert. Frankreich habe sich bisher aber bei dem deutsch f"^nzösischen Handelsabkommen zu diesem Vorschläge noch ht durchringen können. Immerhin erhofft der Minister eine baldige endgültige Regelung der deutsch-französischen Wirtschaftsbeziehungen.
Von den weiteren Reden aus der Hansabundtagung ist die des Generalsekretärs Mosich besonders hervorzw heben, der von der jetzigen unglaublich hohen Steuerlast ungünstige Rückwirkungen für die Wirtschaft kommest sieht, über 12 Milliarden hat das deutsche Volk jährlick an Steuern ohne Hinzurechnung der- Reparationen z» zahlen!
Der polenierror in Ostoberschlesien.
Deutsche Erfolge bei Betriebsratswahlen.
Wie groß der polnische Terror bei den letzten Kom- munalwahlen in Ostoberschlesien war, geht am besten daraus hervor, daß zurzeit noch 40 am Wahltage von den Polen schwer verletzte Deutsche in den Krankenhäusern liegen, über die Schikanierung der deutschen Minder-
weist man auf den «orteti von Lindberghs Maschine hin, die im Gegensatz zu der von Rungesser Funkwechselgerät besitzt.
über Rungesser laufen täglich widersprechende Meldungen ein. Ein Küstenwachschiff, das einen Aeroplan- flügel gefunden und ins Schlepptau genommen hat, ist nach New London unterwegs. Das Wachschiff, dessen Revier sich auf der Höhe von Montauk Point befindet, hat seinem Heimathafen von dem Fund funkentelegraphisch Mitteilung gemacht. Wie lange das Boot mit dem Aero- Planflügel im Schlepptau brauchen wird, um die Strecke zwischen seinem Revier und New London zurückzulegen, ist ungewiß. Vielleicht trägt der Fund dazu bet, das Ver- schwinden Nungessers aufzuklären.
Die ersten Versuche, den Ozean zu überfliegen, gehen bis auf das Jahr 1919 zurück. Dem Engländer Alcock gebührt der Ruhm, im Jahre 1919 mit einem Landflugzeug von Neufundland nach Irland geflogen zu sein. Die überquerung des Ozeans mit dem Luftschiff Z. R. III wird aber auch heute noch als das Glanzstück des Flugsportes angesehen.
Heilen kann man sich am besten ein Bild machen, wenn man hört, daß z. B. in der Gemeindevertretung von Lipine von der polnischen Fraktion ein Dringlich, keitsantrag eingebracht worden ist, nach dem in Zukunft die deutschen Gemeindevertreter sich bei den Sitzungen nur der polnischen Sprache bedienen sollen. In der Be- gründung des Antrages wurde von dem Sprecher bei polnischen Fraktion wörtlich erklärt: Wir Staatsbürgci erster Klasse können nicht zulassen, daß uns Staatsbürger zweiter Klasse — das sind die Vertrete, der Minderheit — terrorisieren. (!)
Trotz aller dieser Terrorakte läßt sich das deutsch. Element in Ostoberschlesien nicht einschüchtern. So Haber die in den letzten Tagen auf der Gräfin-Laura-Grube h Königshütte vorgenommenen Betriebs- und Angestellten- Wahlen wieder eine überwiegende deutsche Mehrheit er- bracht. Für die Angestellten entfielen auf die deutsche Liste 81, auf die polnische Liste 32 Stimmen. Ähnlich liegt es bei den Betriebsratswahlen, wo auf die deutsche Liste 698 auf die polnische Liste 552 Stimmen abgegeben wurden
Drohender Bruch zwischen
England und Rußland.
Das Ergebnis der Arcos - Razzia.
Der in letzter Zeit schon öfter drohende Abbruch der Beziehungen zwischen England und Rußland wird anläßlich der Vorgänge in der Arcos von den Londoner Blättern allen Ernstes wieder in Aussicht gestellt. Nach der „Daily Mail" kann es als sicher gelten, daß die britische Antwortnote auf den russischen Protest wegen des polizeilichen Vorgehens gegen die Arcos die Mitteilung der Beendigung des Handelsabkommens enthalten wird. Gleichzeitig meint das Blatt, daß es keine Überraschung verursachen würde, wenn zugleich die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern gelöst werden würden. In ähnlichem Sinne äußert sich die „Westminster Gazette", die ausführt, daß die Frage des Abbruchs der Beziehungen mit der Sowjetregierung innerhalb der allernächsten Tage entschieden wird. Eine starke Gruppe innerhalb deS englischen Kabinetts sei für den völligen Bruch.
Das Ergebnis der Arcosrazzia wird in ministeriellen Kreisen als volle Rechtfertigung der unternommenen Aktion angesehen. Es wird angenommen, daß russische Agenten in Fühlung mit Mitgliedern der kommunistischen Bewegung in England standen und daß im Arcosgebäude eine Zahlungsliste gefunden wurde.
Die Konferenz yon London.
Das „dornige R h e i n l a n d p r o b l e m".
Die Londoner Reise des Präsidenten der Französischen Republik, Doumergue, und des französischen Außen- Munsters Briand stehen in der Pariser Öffentlichkeit im Vordergrund des Interesses. Verschiedene Blätter haben den französischen Außenminister über die Eindrücke seiner Reise befragt. Briand betonte in seiner Erwiderung, daß der Londoner Besuch bewiesen habe, daß die „Entente Cordiale" fester denn je stehe.
Nach der „Chicago Tribune" soll es sich bei der wich- MN Londoner Unterredung zwischen Briand und Chamberlain um einen richtigen diplomatischen Handel zwischen der englischen und bet französischen Regierung gehandelt haben, und zwar auf folgender Grundlage: 1. Frankreich erklärt sich damit einverstanden, der englischen Führung in der Politik gegenüber Moskau zu folgen; 2. England willigt ein, sich der Führung Frankreichs in der R h e i n l a n d p o l i t i k anzuschließen; 3. Frankreich erklärt sich bereit, bem englischen Standpunkt betreffend die italienische Politik beizutreten; 4. Frankreich wird sich den englischen Standpunkt in der China- politik zu eigen machen.
Man habe sich zwar außerordentlich bemüht, den Ge- danken voyvornherein zu zerstören, daß dieser Handel ein