Hersfel-erTageblatt
H«»***H«HH»H«HH4H«HHHHHH«H<*H«H*H»H0I0««<
Inzeigenpreis: Sie einspaltige Petitzeile 15 Pfennig, ■ die Reklamezeile 50 Pfennig. (Grunöschrist Korpus). : Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preis- : Nachlaß gewährt. •:• Für die Schristleitung verant- ■ wörtlich: Kranz Kunk in Hersfeld. ❖ Kernfprecher Nr. 8 :
tzersfel-er Kreisblatt
Mtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö !
Monatlicher Bezugspreis: Durch diePost bezogen 1.20 r Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für Hersfeld !
1.00 Keichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer : 0.80 Reichs-Mark ❖ Druck und Lerlag von Ludwig ♦ §unks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des VDZV. r
mit den Beilagen: Seimatschollen / Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Anterbaltuna und Wissen .........
■ Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.
Nr. 120
Dienstag, den 24. Mai 1927
77. Jahrgang
Lieber den Ozean.
Man hat den amerikanischen Flieger, der den Ozean überquerte, in Paris gefeiert wie einen Helden, der etwas geleistet hat, was menschliches Können beinahe überschreitet. Für uns Deutsche, die wir mit größerer Ruhe diesem Tun gegenüberstehen, ist es eine gewisse Freude, daß der Flieger, wie der Name zeigt, germanischen Blutes ist. Gewiß ist der Flug von Newyork nach Paris, einsam im Flugzeug, fernab jeder Unterstützung, ohne die Möglichkeit, durch Funkspruch Hilfe herbeizurufen, als eine Großtat zu betrachten. Aber wir Deutsche können auf eins verweisen, was doch noch größer, weil es schwieriger war, weil es von Hemmungen umgeben wurde, die zu überwinden größere Energie verlangte: es ist der Eckener-Flug des Zeppelins vom Bodensee hinüber nach Amerika. Die Bestimmungen des Versailler Vertrages hatten den Vorbereitungsarbeiten Grenzen gezogen, die das Wagnis zu einem geradezu tollkühnen Unternehmen stempeln mußten. Trotzdem gelang es, weil es — kein Wagnis war; in echt deutscher Gründlichkeit hatte man die Aussichten berechnet und darum die Verantwortung übernehmen können.
Mehr als ein Sportereignis ist die Leistung Lind- b e r g h s kaum zu bewerten. Es ist eine Einzelleistung, die höchstens späteren Unternehmungen die Wege weisen kann. Ob ihm auf seinem Fluge die Gestalten seiner Vorgänger aufgetaucht sind, die in umgekehrter Richtung ihr Ziel zu erreichen suchten und verschollen sind? Aber es ist das Drängen des Menschengeschlechts von heute, die Entfernungen auf dem Erdball zu verkürzen. „Time ist money" (Zeit ist Geld) ist nicht nur ein amerikanisches Wort, sondern ist Wegweiser geworden für die ganze Welt. Zeit ist Geld — das drückt sich auch in diesem Fluge über den Ozean hinweg aus. Das blaue Band, das lange Zeit deutsche Ozeanschiffe beim Rennen über das Meer hinweg als Sieger zierte, wird nun abgegeben an die Konkurrenten hoch oben in der Luft. Vorbei sind die Zeiten, da es Wochen dauerte, ehe der Weg über den Atlantischen Ozean bewältigt war. Als fast vergangen müssen WiW wu
hinüberjagte. Die moderne Technik wird es wohl sehr bald ermöglichen, daß diese Entfernung in kürzerer Frist bewältigt wird.
Näher rücken die Völker zusammen und wenn es erst einen Tagesausflug bedeutet, von Hamburg nach Newyork zu gelangen, dann wird wohl auch das gegenseitige Verständnis der zu Nachbarn Gewordenen ein größeres werden. Wir Deutsche werden das nur begrüßen können. Sind wir doch mitten im Herzen Europas das Land, über das sich die Verkehrslinien von Nord nach Süd und von Ost nach West hinziehen. Es mag in diesen Tagen, da der Ozeanflieger gefeiert wird, auch noch daran erinnert werden, daß es d e u t s ch e Flieger waren, die den Flug von Berlin nach Peking unternahmen und damit den Fernen Osten Asiens näher heran- rückten an Europa. So schließt sich der Kreis, bei dem wir Deutsche führend waren: der Flug hinüber mit dem Zeppelin nach Amerika und das Wagnis gen Osten über die weiten Einöden Sibiriens und Chinas.
Die Völker rücken zusammen; enger wird die Erde für die hereinströmende Flut neuer Geschlechter. Dafür ist der neueste Ozeanflug äußeres Zeichen ungestüm drängenden Wollens. Darüber hinaus aber ist er ja auch ein Ausdruck dafür, daß die Jahre gegenseitiger verheerender Kämpfe abgelöst werden und abgelöst werden müssen durch eine neue Zeit der Verständigung. Das Flugzeug spottet der Grenzen. Mit Hilfe des Motors werden Räume überwunden, die durch Mauern nicht mehr abgeschlossen werden können. Das Menschengeschlecht wächst zusammen, wird einheitlicher und dadurch genötigt, sich auf das Einheitliche, Einigende zu besinnen. Einen Schritt auf diesem Wege bedeutet der Ozeanflug. Er war ein Wagnis und ist als solches zu werten. Wenn das jetzt lebende Geschlecht in gleicher Weise fortschreitet, so wird es in absehbarer Zeit zu der Gewißheit kommen, daß die Völkergrenzen zwar nicht schwinden, aber nicht mehr durch hohe Mauern gesperrt werden können. Nur im Wettbewerb der Leistungen soll die Bewertung liegen. Und wir Deutsche wissen, daß wir in diesem Wettkampf mit an der Spitze sein werden.
*
Lmöbergh, der Held des Tages.
Lindbergh, der in seinem Hotel fortwährend Gegenstand begeisterter Ovationen einer riesigen Menschenmenge war, begab sich in Begleitung des amerikanischen Botschafters und feiner engsten Freunde zu der Mutter des bisher verschollenen französischen Ozeanfliegers N u n g e s s e r, um ihr sein Beileid auch im Namen des amerikanischen Volkes auszusprechen. Er erklärte, er hoffe immer noch, daß die beiden Franzosen irgendwo auf ein Schiff oder auf eine kleinere Insel gerettet worden seien und daß es doch noch gelingen werde, sie zu bergen.
An Lindbergh sind bereits Riesenangebote gemacht worden, so von der First Nationalfilmgesellschaft, die ihm einen Jahreskontrakt mit einer halben Million Dollar bot. Das Roxy-Theater bietet für ein wöchentliches Auftreten 25 000 Dollar. Für ein Filmauftreten unter Cecil de Mtlles Leitung als Hauptperson wurden ihm 100 000 Dollar geboten. Ein Sportveranstaüer will wm
Neuwahlen in Mecklenburg
Das mecklenburgische Wahlergebnis
KeinesichereRegierungsMehrheit.
Am Sonntag haben in Mecklenburg-Schwerin Neuwahlen zum Mecklenburgischen Landtag stattgefunden. Der Wahlkampf, der außerordentlich erbittert geführt worden ist, hat es fertiggebracht, daß die Wahlbeteiligung mit 80 Prozent diesmal erheblich höher war als für die Wahlen zum letzten Landtag, die am 6. Juni vorigen Jahres stattgefunden hatten, so daß der letzte Landtag eine Lebensdauer von noch nicht einem Jahre hatte.
Das vorleufige amtliche Ergebnis der Wahlen zeigt folgendes Bild von der künftigen Zusammensetzung des Landtages, wobei die eingeklammerten Vergleichszahlen sich auf die letzten Wahlen vom 6. Juni 1926 beziehen.
Sozialdemokraten 123 090 (111404)
Deutschnationale 66194 (63 237)
Deutschvölkische 17 333 (26 116)
Deutsche Volkspartei 23 947 (23 430)
Kommunisten 14 725 (18 436)
Wirtschaftspartei 33 625 (16 641)
Demokraten 8808 (8475)
Volkswohlfahrt 9873 (7287)
Nationalsozialisten 5518 (4607)
Aus einigen ländlichen Bezirken steht das Ergebnis noch aus. doch dürfte dies an dem Gesamtbild des Wahl
für ein zweimaliges Auftreten im Stadion 150 000 Dollar bieten.
Die Agentur Havas schildert die Folgen der Kundgebung bei der Landung Lindberghs in Le Bourget wie folgt: Der Flugplatz glrch einem Schlachtfeld. Kleidungsstücke, Stöcke, Hüte lagen überall zerstreut, die Fensterscheiben der verschiedenen Pavillons und die Türen waren zertrümmert. Später wurde bekannt, daß zehn
Die tdrunmmtegunö aerjöeurh^
auf dem Gelände des Sportforums zu Berlin-Grunewald wurde in Anwesenheit des Reichspräsidenten von Hin- tz e n b u r g vorgenommen, welcher mit den Worten: Möge dieses Haus dereinst ein starkes, ein pflichtgetreues und ein einiges Geschlecht erziehen helfen, die ersten Hammerschläge ausführte, nachdem der 1. Vorsitzende der D. T, Prof. Dr. B e r g e r in seiner Begrüßungsrede allen För
derern des Werkes gedankt hatte. Der Reichsminister des Innern, v. K e u d e l l, Abg. S ch u l tz e - Frankfurt a. d. Oder (Reichstag), der preußische Wohlfahrtsminister Hirt- s i e f e r, der 1. Vizepräsident des Preußischen Landtages Dr. v. K r i e s, der Bürgermeister der Stadt Berlin Scholtz, der Vorsitzende des Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen, Exzellenz Lewald, Oberrealfchullehrer Steding (D. T.) folgten. Brausende Gut-Heil-Rufe begleiteten den Reichspräsidenten beim Verlassen des Festplatzes. Unser Bild zeigt Reichspräsident v. H i n d e n b u r g beim Abschreiten der Front der Deutschen Turnerschaft.
Personen Verletzungen erlitten haben und ins Hospital geschafft werden mußten.
Der Minister des Äußern, Briand, hat angeordnet, daß auf dem Quai d'Orsay das Sternenbanner anläßlich der Ankunft Lindüerqhs gehißt werde, während sonst nur beim Eintreffen von Staatsoberhäuptern in Frankreich die betreffende fremde Nationalflagge gehißt wird.
Lindbergh erzählt.
Lindbergh ?Ä der schlimmste Teil seiner Fahrt sei
ausfalls kaum etwas Wesentliches ändern. Die Man- date verteilen sich wie folgt:
Sozialdemokraten 21 (20 am 6. Juni 1926)
Deutschnationale 11 (12)
Deutschvölkische 3 (5)
Deutsche Volkspartei 4 (4)
Kommunisten 2 (3)
Wirtschaftspartei 5 (3)
Demokraten 1 (2)
Volkswohlfahrt 3 (1)
Nationalsozialisten 0 (0).
Eine feste Mehrheitsbildung scheint nach diesem Wahl- ergebnis ebenso unsicher zu sein, wie sie es im letzten Landtage schon war, so daß eigentlich der Zweck der Neu- Wahlen verfehlt ist. Den 25 Mandaten der bisherigen Regierungsparteien stehen zwar nur 23 Mandate der bürgerlichen Oppositionsparteien entgegen, doch müssen hierzu noch die beiden Abgeordneten der Kommunisten gerechnet werden, die sicher gegen eine neue demokratischsozialistische Regierung, wie sie bisher in Mecklenburg am Ruder war, in Opposition treten werden. Wie es heißt, wollen die bisherigen Regierungsparteien zusammen mit der Gruppe Volkswohlfahrt versuchen, die Verhandlungen zil einer neuen Regierungsbildung in Gang zu bringen. Ob es ihnen gelingen wird, diese Verhandlungen zu einem baldigen Erfolge zu führen, erscheint sehr fraglich
der Empfang in Le Bourget gewesen; wenn der Wind und der Sturm ihn ebenso bedrängt hätten wie die 50 000 Personen, die ihn empfingen, dann würde er Paris niemals erreicht haben. Lindbergh fährt dann fort: Ich geriet bald nach dem Start in Nebel und Regen. Nachdem ich Neufundland am Freitag abend passiert hatte, tourbe gegen Sonnenaufgang das Wetter schlechter. Vor allem die Vereisung, der schlimmste Feind des Fliegers, machte mir zu schaffen. Ich mußte bald auf drei Meter über dem
«'-l-^£^ auf 3000 Meter. Höhe stergen, Erst gegen Morgen konnte ich eine mittlere Höhe einhalten. Die Nacht war am schlimmsten. Die Kälte machte sich bemerkbar und Sturm setzte ein. Umkehren? Es war zu spät. Ich beschloß, koste es, was es wolle, den Flug fortzusetzen. übrigens ist mein Motor ausgezeichnet. Er macht 100 Meilen in der Stunde)
Erhöhter Schutz für die Landwirtschaft.
Reden Stresemanns und Kalckreuths.
Anläßlich einer Kundgebung der Deutschen Volkspartei in Freiberg in Sachsen führte Reichsaußenminister Dr. Strese- mann aus, die leider auch im Ausland verbreitete Meinung, als wenn unsere Wirtschaftslage eine außerordentlich glänzende sei, müsse zurückgewiesen werden. Daran ändere auch die Tatsache nichts, daß augenblicklich einige Hunderttausend Arbeitslose weniger seien.
Wir würden niemals atmen können, ohne den Hauch des Weltmeeres in uns auszunehmen, aber ebenso sei es selbstverständlich, daß die Deutsche Volkspartei mit großer Entschiedenheit alles unterstützt, was zu einer Steigerung der Produktivität der Landwirtschaft führen könne, ebenso alles, was dazu führen könne, gerade im Osten durch deutsche Siedlung die Zahl der Menschen auf eigener Scholle so weit als möglich zu vermehren und dadurch eine deutsche Menschenmauer an unsere Grenze zu legen. Wir dürften auch vor großen Mitteln nicht zurückschrecken, die notwendig sind, um den Ertrag der deutschen Landwirtschaft zu steigern.
In einer Betrachtung der Außenpolitik wandte sich der Minister mit besonderer Schärfe gegen verschiedene Versuche, die außenpolitische Linie der Reichsregierung zu stören.
Auf der Mitgliederversammlung des Reichsverbandes der deutschen land- und forstwirtschaftlichen Arbeitgebervereinigungen in Hannover hielt der Präsident des Reichslandbundes, Gras Kalckreuth, ein Referat über wirtschaftspolitische Fragen. Zur Zollsrage erklärte Graf Kalckreuth, die Landwirt- swaft, wolle keineswegs ein Hochschutzzollsystem. Sie fordere lediglich Maßnahmen, die im Rahmen der Rentabilität eine ordnungsmäßige Wirtschaftsführung verbürgten. Der einzige Weg für eine Exportförderung sei der, Gegenmaßnahmen gegen die Hochschutzzölle des Auslandes zu treffen und für einen Abbau der Agrarzölle gesenkte Auslandszölle zu fordern. Richtig sei, daß die autonomen Zölle der Vor- krlegszeil wieder eingeschaltet würden, denn auch die Industrie hatte es verstanden, ihre Zölle um das Drei- und Vierfache zu erhöhen. Aus dem Gebiet der Steuern und Zinsen forderte der Redner Vereinfachung und größere überstchtlich- keit. Deutschlands Zukunft liege nicht in Übersee, sondern in der Heimatscholle.
Sozialdemokrakischer Parteitag In Kiel.
Gegen die Opposition im eigenen Lager.
. , Auf dem Parteitag der Sozialdemokratie, der jetzt in Kiel seinen Anfang genommen hat, gab der Vorsitzende der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, Müller-Franken, die grundsätzliche Bereiterklärung der Sozialdemokratie bekannt, die Mitverantwortung zu übernehmen.
Sodann erstattete der Abgeordnete Wels den Bericht des Parteivorstandes. Er betonte die Einigkeit der Partei, die durch die Eigenbrötlerei der sächsischen Altsozialisten kaum beeinträchtigt worden sei. Diese hätten sich von sozialistischen Grundsätzen immer mehr entfernt, was aus ihrer Sympathie für den Fungdeutschen Orden klar hervorgtnge. Wels ging über den Antrag der Leipziger Sozialdemokraten, den preußischen Innenminister Grzesinski gnszuschlieben. mit einer Hand-