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Kersfelöer Tageblaa

Anzeigenpreis: Die einspaltige Petitzeile 15 Pfennig, die Reklamezeile 50 Pfennig. (Grun-schrift Korpus). Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preis­nachlaß gewährt. Zür die Schristleitung verant­wortlich: Kranz Kunk in Hersfeld. Kernsprecher Nr. 8

Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Mnzeiger für den Kreis Hersfel-

Monatlicher Bezugspreis: Durch die Post bezogen 1.20 Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für Hersfeld 1.00 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für hbholer 0.80 Reichs-Mark Druck und Verlag von Ludwig Zunks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des VVZV.

mit ben Beilagen: Seimatschollen / Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Ielerabenb / Herd und Scholle / Unterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.

Nr. 125

Dienstag, den 31. Mai 1827 77. Jahrgang

Papierkrieg.

Zwischen England und Rußland ist eine gewissePo­litik der Hemdärmeligkeit" eingetreten, man läßt in dem gegenseitigen Notenverkehr" jeglichen Rest von diplo­matischer Höflichkeit fallen und redet mit herzerfri­schender Deutlichkeit zueinander. Beim Noten­wechsel im Februar, als das Gewitter heraufzog, hatte man um das Bild zu Tode zu hetzen sozusagen die Röcke schon halb ausgezogen; daher konnte man erwarten, daß die Antwort, die von der Sowjetregierung auf die englische Note vom Freitag erteilt werden mußte, an Schärfe des Tones nichts zu wünschen übriglassen würde.

Trotz der Schärfe des Tones muß man doch sagen, daß die russische Antwortnote allerhandFeinheiten" ent­hält, raffiniert abgesaßt ist und in die schwachen Punkte des englischen Vergehens gegen die Sowjetregierung Hin- eintrtfst. Besonders bemerkenswert ist nämlich dabei, daß die Note immer von der jetzigenk o n s e r v a t i v e n Re­gierung" in England spricht, aus dem politischen sozusagen einen Partei politischen Gegensatz macht und daher leicht den Absprung dafür findet, daß das Vorgehen dieser Re­gierung einmal schon längst vorbereitet war und es daher auch der Beschuldigungen, die jetzt gegen Moskau erhoben werden, als ob das Handelsabkommen mit England russischerseits gebrochen sei, gar nicht mehr bedurfte. Dazu seien diese Beschuldigungen überdies unerwiesen und un­begründet, ihre Quellen seienanrüchig", seien gewissen­lose Informationen antibolschewistischer Emigranten, seien gefälschte Dokumente. Nichts habe die polizeiliche Untersuchung bewiesen undmit Verachtung" übergehe man die Unterstellung, die Handelsdelegation Habe Spio­nage betrieben. Schwerste Rechtsverletzung also sei das Vorgehen gegen die Exterritorialität und die einfache Außerkraftsetzung des Handelsabkommens.

Überhaupt ziele die ganze Aktion bloß darauf ab, das Fiasko der konservativen Regierung in China" zu be­mänteln durch eine Diversion gegen die Sowjetunion, gleichzeitig damit auch die Ergebnislosigkeit der polizei­lichen Untersuchung zu verschleiern kurz, an Massivität des «viM iji>^fi-Notz- in der ,@^jj&iu^. MM^^ ualen Beziehungen wirklich recht bemerkenswert! Früher hätte sie nichts anderes als eine glatte Kriegs­erklärung bedeutet, aber wenn jetzt in Rußland Ge­rüchte von einer englischen Flottendemonstration in der Ostsee laut werden, so denkt England sicher nicht einmal an diese recht harmlose Artmilitärischen" Vorgehens, das ja auch recht überflüssig, weil zwecklos wäre. Dar­über hinausgehende Zeitungsmeldungen von einer wirk­lichen militärischen Intervention sind natürlich noch absurder. , .

Papierkrieg nichts mehr! Die französische Messe -~ sogar die der Linken weist etwas höhnisch auf die militärische Ohnmacht der Sowjet­union hin, die in einem doch recht eigentümlichen Gegen­satz zu dex Schroffheit dieser Note steht. Auch der deutsche General Hoffmann, der über die Verhältnisse in der Roten Armee" aus eigener Anschauung recht gut unter­richtet ist, fällt über die militärischen Kräfte Rußlands das Urteil, daß die Armee tatsächlich kampfunfähig sei, weil die ganze Ausbildung viel weniger nach militärischen als nach politischen Gesichtspunkten erfolge. Eine Mobil­machung sei aus einer ganzen Reihe von Gründen eine völlige Unmöglichkeit, von dem Mangel an militärisch wertvollen Führern noch ganz abgesehen. Trotzdem ist natürlich mit einem englischen Angriff gar nicht zu rechnen und infolgedessen kann sich die Sowjetregierung auch eine derartige Note ruhig leisten, ohne irgendwelche Konsequenzen befürchten zu müssen.

Die Hoffnung freilich, die in der Note ausgedrückt wird, daß nämlich eine Wiederkehr der englischen Arbeiter­regierung die ganze Lage wieder einrenken könnte, ist eine absichtlich betonte; nur dürfte innenpolitisch in England diebolschewistische Gefahr" als Schlagwort vorläufig Wohl wirkungslos bleiben. ...

Norwegen als Englands Verirsier.

Die Übernahme der englischen Interessen in Rußland durch Norwegen hat in der Öffentlichkeit zahlreiche Kom- mentare hervorgerufen, zumal vielfach damit gerechnet wurde, daß Deutschland auch die Interessen Englands wahrnehmen würde, wie es die Vertretung Rußlands in England übernommen hat. Der LondonerDaily Tele­graph" findet die Wahl Großbritanniens weniger über­raschend, als es auf den ersten Blick schien. Es würde, so meint das Blatt, unangenehm oder unglücklich gewesen fein, sie einer der vier Großmächte anzuvertrauen, die diplomatische Beziehungen mit Rußland unterhalten. Frankreich und Italien können jeden Augenblick Ver­anlassung finden, dem britischen Beispiel zu folgen und einen Bruch mit Sowjetrußland zu vollziehen. Deutsch­land ist ein Handelsrivale auf dem Sowjetmarkt und zu eng mit der Sowjetregierung verbunden. Japan ist zu weit entfernt. Die meisten kleineren westlichen Staaten Europas haben keinen diplomatischen Verkehr mit Moskau. Die Randstaaten haben ihre besonderen Schwierigkeiten in dieser Richtung. Es bleiben nur die skandinavischen Staaten übrig. Norwegen ist ein ausgezeichneter Fxeund Englands und hat außerdem weniger Reibungen mit Moskau gehabt als beispielsweise Schweden. Hieraus erklärt sich die Wahl her britischen Regierung.

HinbenburginNorbdeutschland

Sorbmarfreife des Reichspräsidenten

Begeisterter Empfang.

Reichspräsident von Hindenburg hat, von seinem Sohn und Adjutanten, Major von Hindenburg, und dem Staatssekretär Dr. Meißner begleitet, seine schon seit längerer Zeit geplante Reise nach der Nordmark unter­nommen.

Die erste Station dieser Reise bildete Hamburg, wo der Reichspräsident auf dem Rennplatz Groß-Borstel dem Rennen um den Großen Preis von Hamburg und um den Groß-Borsteler Pokal beiwohnte; sowohl auf dem Wege zur Rennbahn als auch bei seinem Eintreffen da­selbst wurde der Reichspräsident von einem sehr zahl­reichen Publikum herzlich begrüßt. Im Großen Preis von Hamburg siegte Freiherr von OppenheimsMarcellus", im Rennen um den Groß-Borsteler PokalPrinz Chri­stian" der Herren Blumenfeld und Samson. Der Reichs­präsident überreichte den Reitern der beiden Pferde per­sönlich die Ehrenpreise und trat dann die Weiterreise nach Kiel an. Hier hatten sich am Bahnhof zu seinem Empfang die Vertreter der Behörden und der Chef der Marinestation der Ostsee, Vizeadmiral Dr. Raeder, ein­gefunden. Dem Reichspräsidenten wurden auf seiner Fahrt durch die festlich geschmückte Stadt seitens einer un­geheuren Menschenmenge, die sich in den Straßen ange­sammelt hatte, lebhafte Huldigungen dargebracht.

Besuch bei der Flotte.

In Begleitung des Reichswehrministers Dr. Geßler, des Chefs der Marineleitung, Admiral Zenker, sowie des Chefs der Marinestation der Ostsee begab sich der Reichs­präsident zur Truppenparade nach der Wik am Kieler Hafen. Auf dem Kasernenhof hatten die Marineteile der Standorte Kiel und Friedrichsort einschließlich der Be-

Gchsesiens Roi.

Eine Kundgebung der deutschen Presse.

In Breslau, wo der Reichsverband der Deutschen Presse sich zu seiner diesjährigen Haupttagung zusammen­gefunden hatte, fand im Zusammenhang mit dieser Tagung eine große Schlesienkundgebung statt. Vizepräsident Weßmann wies bei dieser Gelegenheit dar­auf hin, daß Schlesien als Grenzbezirk wie kaum ein Teil Deutschlands unter den Folgen des unglücklichen Krieges leide. Nur zu unbekannt seien weiten Kreisen des deutschen Vaterlandes die Bedeutung und die Nöte Niederschlesiens. Am schwersten sei Niederschlesien durch den Verlust seines Hinterlandes betroffen. Die den Polen abgetretenen Landesteile waren einst die aufnahme­fähigsten Absatzgebiete. Die deutsche Presse könne in erster Linie dazu beitragen, daß die niederschlesische Be­völkerung von einem Gefühldes Verlassenseins befreit werde.

Dr. Berger-Oppeln begrüßte den Reichsverband für den Oberpräsidenten der Provinz Oberschlesien. Auch er schilderte in ergreifenden Worten die tiefen Wunden, die Oberschlesien durch den unbegreiflichen Macht- s p r u ch der Botschafterkonferenz erlitten hat.

China gegen Japan.

Protest gegen japanische Truppentransporte.

Zeitungsmeldungen zufolge beabsichtigt die japanische Regierung, weitere 2000 Mann von der Mandschurei nach Peking und Tientsin zum Schutze des Lebens und Eigen­tums jaanischer Bürger zu entsenden. Es verlautet weiter, daß die Regierung Maßnahmen in Erwägung zieht, um die japanischen Interessen im Jangtsetal zu schützen, falls dort wegen der japanischen Truppentransporte japan- feindliche Demonstrationen veranstaltet werden sollten.

DerInformation" wird aus Peking gemeldet, die offiziellen Kreise Nordchinas seien über das Eingreifen Japans aufgebracht. Die provisorische Regierung in Peking protestiere energisch gegen die Verletzung chinesi­schen Gebietes in Tsinanfu und Tsingtau, die e r n st e Rückwirkungen haben könnte. Eine Note werde nach Tokio abgehen.

Der nationalistische Kommissar für äußere Angelegen­heiten in Schanghai hat bet dem japanischen General­konsul Verwahrung gegen das Eindringen japanischer Truppen in die Provinz Schantung, das er als eine unbe­rechtigte, weil unzeitgemäße und ungesetzmäßige Hand­lung bezeichnet, eingelegt. Der Generalkonsul versprach, den Protest nach Tokio zu übermitteln.

Lindberghs Besuch in London.

Eine Landung mit Hindernissen.

Etwa 55 000 Menschen warteten auf dem englische« Flugplatz C r o y d o n auf den Atlantikslieger Lindbergh und drangen trotz des polizeilichen Widerstandes auf dre kleine, für die Landung freigehaltene Fläche vor. Als Lindbergh kam und niederging, besaß er Geistesgegenwart I genug, noch einmal emporzusteigen und nach einigen Minuten einen zweiten Landungsversuch auf eng- 1 lischem Boden au müSe«. Npr ein Viertel so großer

satzungen der ortsanwesenden Schiffe und Fahrzeuge der Reichsmarine sowie die ehemaligen Offiziere, Marine- vereine und Kriegervereine Paradeaufstellung genommen. Der Reichspräsident schritt die Front ab und nahm den Vorbeimarsch entgegen. Dann brächte Vizeadmiral Dr. Raeder den Dank der Marine zum Ausdruck und betonte besonders, daß der Besuch des Reichspräsidenten am Vor­abend der Skagerraktages stattfinde. Er schloß mit den Worten:

Mit der stolzen Überzeugung, daß die Reichswehr und die Reichsmarine eine feste Stütze des Reiches und der Verfassung sind, wollen wir gern unserem Führer folgen zum Wiederaufstieg. Der Reichspräsident ist uns ein Ansporn durch sein erhabenes Beispiel. Wir geloben treue Pflichterfüllung im Dienste für das Vaterland, im Geiste der Kämpfer vom Skagerrak."

Nach der Parade wurde eine Fahrt zur Prinz-Hein- rich-Brücke und zum Nordostseekanal unternommen. Hier­auf stattete der Reichspräsident dem Großadmiral von Köster und dem Stationschef kurze Besuche ab und ging dann an Bord der SlationsjachtNixe", um eine ein- stündige Fahrt durch den Hafen zu machen. Sobald die Standarte des Reichspräsidenten auf dem Wasser erschien, feuerten das LinienschiffSchlesien" und die Batterie Friedrichsort" einen S a l n t von 21 Schüssen. Die Schiffe und Fahrzeuge im Hafen hatten über die Toppen geflaggt; die Mannschaften paradierten bei der Vorüberfahrt des Reichspräsidenten, der auch durch eine Auffahrt der Ruder- und Kanuvereiue sowie durch eine Geschwaderfahrt der Kieler Seglervereine begrüßt wurde.

Von Kiel begab sich der Reichspräsident an Bord des LinienschiffesSchlesien" nach Mürwik. Von dort er­folgt im Kraftwagen die Weiterreise nach Flensburg und Schleswig und dann die Fahrt zur Feier Der Eröffnung deZ Seedammes nach Sylt.

Raum, wie ursprünglich vorgesehen, konnte von der Po­lizei frei gemacht werden. Es gelang Lindbergh, hier niederzugehen, ohne die Zuschauer zu verletzen. Er rief lächelnd aus:Dies i st s ch l i m m e r als L « B o u r - g e t!" (Das ist der französische Flugplatz bei Paris.) Mit großer Mühe konnte dann Lindbergh in einem Auto nach dem Zollhaus fahren, wo der öffentliche Ernpsang ftatt- fand. Das Begrüßungsproaramm mußte ver- kürzt werden, da die Menge schrie und tobte, um Lind­bergh zu sehen.

Er zeigte sich dann auf dem Kommandoturm des Flugplatzes und erhielt noch einmal minutenlange Ova­tionen. Schließlich fuhr er in die amerikanische Botschaft, um dort sein Domizil aufzuschlagen und etwas Ruhe zu haben.

Die Angebote, die man ihm von Film-, Radio- und anderen Gesellschaften gemacht hat, betragen bereits drei Millionen Dollar! Er hat jedoch noch keinen der vielen Anträge angenommen.

Politische Rundschau.

Deutsches Neick

Völkerbundunterricht in preußischen Schulen.

Der preußische Kultusminister Dr. Becker hat an die Schulbehörden einen Erlaß gerichtet, der den Unterricht über den Völkerbund betrifft. In dem Erlaß heißt es, daß jetzt, nachdem Deutschland dem Völkerbünde beigetreten ist, es noch mehr Aufgabe der Schule sein muß, sich im Unter­richt eingehend mit Wesen, Arbeit und Zielen oes Völker­bundes zu befasien. Aus dem Wesen oes Völkerbundes ergibt sich, daß jeder Unterricht in ihm getragen sein muß vom Gefühl für die Würde des eigeuen Volkes, von ver­ständnisvoller Achtung vor dem fremden Volke und von der Einsicht, daß die Entwicklung eines jeden Volkes ge­fördert wird durch die Zugehörigkeit zu einer umfassenden Gemeinschaft aller Völker. Kultusminister Dr. Becker hat ungeordnet, daß in den oberen Klassen der Volksschulen, in den Mittelschulen, den höheren Lehranstalten, den Pä­dagogischen Akademien sowie bei der Ausbildung der Studienreferendare der Gegenstand in diesem Sinne an geeigneter Stelle behandelt werde.

Weiß-blauer Bayerntag in Niederbayern.

In Griesbach in Niederbayern fand unter Teilnahme von 4000 Personen ein weiß-blauer Bayerntag statt, zu dem auch der ehemalige Kronprinz R up p recht er­schienen war. In einer Ansprache sagte er, wir würden noch das große deutsche Vaterland erleben. Bayern fordere vom Reich nichts für sich allein, wolle durchaus keine Sondervorteile und habe solche auch nie­mals erhalten. Was Bayern fordere, das sei sein gutes Recht, daß es nämlich seine eigenen Belange selbst ent­scheiden könne, also das Recht der Selb st be stim - m u n g. Im Anschluß an die Ansprache des Kronprinzen Rupprecht wurde die Königshymne angestimmt.

Das deutsche Danzig.

Der ehemalige Reichskanzler Dr. Luther hat derDan- ziger Zeitung", die anläßlich ihres 70jährigen Jubiläums eine besondere Feststummer herausgegeben hat, ehren