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Hersfel-er Tageblatt

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»-Mch:s,-°zs°»,>»?.«,M..§-^p^ Amtlicher /inzeiger für den Kreis Hersfeld =

Monatlicher Bezugspreis: durch Sie post bezogen 1.20 Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für hersfelS 1-00 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Pbholer 0.80 Neichs-Mark :- druck und Verlag von Ludwig Zanks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des VVZV.

mit den Beilagen: Seimalschollen / Illustriertes AnterhaltungSblatt / Nach IeierabenS / Serb und Scholle / Anterhaltuna und Wissen Belehrung und Kurrweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.

Nr. 126

Mittwoch, den I. Juni 1827

77. Jahrgang

Mindechsitsrechte.

Vor Alexandrien liegen vier englische Panzerschiffe; denn es kriselt schon wieder einmal in Ägypten. Die dortige Bevölkerung, längst schon zum politischen Leben und zum Bewußtsein ihres Volkstums und ihrer tausend­jährigen Kultur erwacht, rüttelt an den Ketten, an die sie Englands Macht legte. Man erinnere sich an die schweren Unruhen, die vor ein paar Jahren gegen die englische Herrschaft ausbrachen und denen ja auch der Sirdar, also der eigentliche Beherrscher Ägyptens, ein hoher englischer Offizier, damals erlag. Nur mit äußerster Strenge, mit nackter Gewalt vermag England dort seine Stellung zu behaupten und daran ändert nichts, daß ein Parlament sein Scheindasein führen darf. Denn feine Beschlüsse sind papierne Wälle, die von Englands Schiffs­kanonen rasch und rücksichtslos zusammengeschossen werden können. Nie wird England, solange noch Kraft in ihm ist, Ägypten aufgeben, weil es die Lebensader des englischen Handels, den Suezkanal, fest in der Hand behalten will. Irgendwelche Sentimentalitäten kennt man dann nicht und hat sie nie gekannt, auch solche völkerrechtlicher Art nicht, wenn es sich um ein englisches Lebensinteresse handelte oder was man dafür ausgab.

Und gleichzeitig tagt in Berlin der internatio- nale Verband der Völkerb m-bgesellschaf- ten, beschäftigt sich gerade jetzt mit dem Problem der nationalen Minderheiten. Aber nicht allzu intensiv, um keine Verstimmungen zu erregen. Fast so, wie es in Gens der Völkerbund selbst zu tun Pflegt, der sich ja damals auch weigerte, eine ägyptische Delegation, die sich be- schwerdeführend an ihn wandte, auch nur vorzulassen. Man faßte eine Resolution, die es sorgfältig vermeidet, die brennenden Fragen internationaler Entfremdung fest an den Kopf zu packen, und äußert darin nur den Wunsch, daßdie Arbeit des Völkerbundes durch eine schnelle Lösung aller schwebenden Fragen erleichtert" werde, die jetzt den Grund zur Mißstimmung bilden, und zwar so, daß deren Ergebnis sich für jede daran interessierte Mail .HMiMgeitd gestatten möge". Völlige Gletch- 1 berechtigung und völliges Vertrauen zueinander sollen die Grundlage abgeben für eine friedliche Zusammenarbeit der Völker.

Der laute Beifall, der diese Entschließung begrüßte, täuscht nicht darüber hinweg, daß sie vorläufig Papier bleibt, täuscht um so weniger hinweg, wenn man auf die nun folgende Debatte über die Lage der deutsch­sprechenden Minderheiten in Südtirol blickt. Mussolini hatte den Vertretern dieses Landes die Pässe verweigert, hatte vor wenigen Tagen erst noch die völlige Jtalienisierung dieses Gebiets als unverrückbar festgehaltenes Ziel bezeichnet. Und die italienische Dele­gation auf d i e s e r Versammlung nimmt den Standpunkt ein, daß weder der Völkerbund noch dieser Weltverband der Völkerbundligen für die Frage des Deutschtums in Südtirol zuständig sei. Übel wäre es vermutlich den Mit­gliedern der Delegation nach ihrer Rückkehr in die Heimat ergangen, wenn sie in ihrer Ablehnung nicht standhaft geblieben wären. Vielleicht verdenkt man es ihnen in Rom schon, daß sie damit sich einverstanden erklärten, aus Opportunitätsgrllnden die Besprechung der Frage über­haupt zuzulassen. Aber schroff lehnten sie den aus der Versammlung heraus geäußerten Wunsch ab, dahin zu wirken, daß wenigstens das Verbot des deutschen Sprach­unterrichts in Südtirol aufgehoben werde; das sei, wie sie erklärten, nur einezeitweilige administrative Ver­fügung".

Zwei Berichte von englischer Seite lagen vor, die, auf eigene persönliche Prüfung der dortigen Verhältnisse ge- stützt, tiefen Eindruck machten. Aber das Resultat, das wirklich praktische Resultat? Das blieb aus. Man hatte in der betreffenden Kommission, die diese Dinge vor­beraten hatte, lediglich den Beschluß gefaßt, der Frage bet der nächsten Tagung der Ligen im Oktober noch einmal ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden. Was also wirklich nicht viel bedeutet, vor allem an der Wirklichkeit nichts ändern wird.

Wertvoller für uns Deutsche und für diesen Welt­verband der Völkerbundligen wäre es, wenn er sich hier­über zu einem wirklichen Sprachrohr einer An­schauung machen würde, die sich erfreulicherweise schon weit über die deutschen Grenzen hin verbreitet hat. Das wäre besser gewesen als etwa der Beschluß, in Gens zum Gedächtnis derGefallenendesWeltkrieges ein Denkmal zu errichten als feierliche Mahnung für die Völker, nicht mehr die Waffen gegeneinander zu er- heben. Und vor Ägypten liegen die englischen Panzer!

Der Reichspräsident in Ktensburg.

Er verspricht tatkräftige Hilfe für die Nordmark.

Reichspräsident von Hindenburg begab sich, nachdem er in Mürwik an der Skagerrakfeier teil- genommen hatte, nach Flensburg, dessen Häuser teichen Flaggenschmuck trugen. Im Rathaus begrüßte Oberbürgermeister Dr. T o d s e n an der Spitze der städti­schen Behörden den Reichspräsidenten mit herzlichem Will­kommen an der Nordgrenze des Reiches, indem er betonte, adß die Nordmark den zähen Willen habe, trotz aller Er­schwernisse an ihrem Deutschtum festzuhalten.

In seiner Erwiderung auf die Aussprache gab der Reichspräsident der Freude Ausdruck, im äußersten Rand- Miet Setttschlands zu weilen. Er dankte der Bevölke-

Neue kiiiW-WWk SWMg

Am den Sberkommandierenden in Aeghplen.

Scharfe englische Protestnote.

Die englisch-ägyptischen Beziehungen haben wieder eine beträchtliche Verschärfung erfahren. Der Grund zu diesem Zerwürfnis liegt in einem Beschluß der Heeres- kommission der Ägyptischen Kammer, das Gehalt des englischen Oberkommandierenden der ägyptischen Armee, des Sirdars, zu streichen. Mit diesem Schritt scheint die Ägyptische Kammer zum Ausdruck bringen zu wollen, dir Stelle des britischen Oberkommandierenden der ägyp­tischen Armee vollständig zu streichen. Es ist in Ägypten wieder eine mächtige Los-von-England-Bewe- gung im Gange, die vor allem zum Ziel hat, die ägyp- ilsche Armee vollkommen von Englands Vormundschaft zu befreien.

England hat auf diese Beschlüsse der Ägyptischen Kam­mer hin mit der Entsendung der drei stärksten Schlacht­schiffe der englischen Mittelmeerflotte nach Ägypten geant­wortet. Diese Maßnahme beweist, daß die englische Re- gleru.ng fest entschlossen ist, keines der vier bei der Unab-

rung der Grenzgebiete für die Treue, die sie stets dem Deutschtum bewiesen habe. An tatkräftiger Hilfe von Reich und Staat werde es dem deutschen Norden auch in Zukunft nicht fehlen und Preußen und das Reich würden sich die kulturelle und die wirtschaftliche Förderung dieses Gebietes besonders angelegen sein lassen. Mit dem Aus­druck der Hoffnung, daß die Zeit der größten Not für das Grenzgebiet vorüber sei, schloß der Reichspräsident Live Rede. >

An den Empfang im Rathause schloß sich eine Rund­fahrt durch die Stadt an, worauf die Weiterreise nach Schleswig angetreten wurde. In Kiel hatte der Reichspräsident bei einem kurz vor seiner Abreise ver- anstalteten Empfang im Hause der Seglervereinigung auf eine Ansprache des Oberpräsidenten erwidert, daß er in der jubelnden Kundgebung der Bevölkerung den Ausdruck freudigen Bekenntnisses zum großen Vaterlande und zur Zukunft der geeinten deutschen Nation sehe. Nur e i n in sich einiges und geschlossenes Volk sei stark genug, das Recht auf seine Heimaterde zu wahren und durchzusetzen.

Mus polnische Terrorakte.

Ausschreitungen der Aufständischen in Vielitz und Goczalkowitz.

Am Sonntag veranstalteten die Aufständischen-Ver- bände in Bielitz ein großes Fest und benutzten diese Gelegenheit, um ihr Mütchen an den deutschen Mitbürgern zu kühlen. U. a. drangen sie in ein Lokal und verlangten die Beseitigung der deutschen Aufschrift. Da dieser Aufforderung nicht Folge geleistet wurde, holten sie Verstärkungen heran und rissen das große Firmenschild gewaltsam herunter. Dann drangen sie in das Lokal ein, zerrissen sämtliche deutschen Zeitungen und mißhandelten die Gäste. In der Schießstätte mußten zwangsweise 750 Mittagessen gelt es e rt werden, die bis heute nicht bezahlt sind. In dem Tanzsaal des Lokals wurde das in Gips an der Wand befindliche schlesische Wappen heruntergerissen, ebenso ein großes schlesisches Wappen. Säulen, die das BildAltwien" trugen, wurden mit Hämmern zerschlagen.

Dieses Aufständischenfest wirkte sich auch in den nahe­liegenden Kurort Goczalkowitz aus. Eine dort tagende Sitzung der Vertreter polnischer Vereine, die über eine Veranstaltung zugunsten der Luftliga beriet, wurde durch einen Überfall gestört. Dann drangen die Burschen in das Restaurant Burek ein, stürzten sich auf die anwesenden Gäste, unter denen sich der Schulleiter von Goczalkowitz, Bryla, und der Schulinspektor Holek aus Pleß befanden, und mißhandelten sie. Schließlich wandte sich die Bande zum Kurhotel, wo die Kapelle des 73. Infanterieregiments konzertierte. Sie verlangte von der Kapelle, daß sie dieErste Brigade" spiele. Im Ver­laufe der dadurch entstandenen Auseinandersetzung kam es zu größeren Ausschreitungen, in deren Verlaufe die Soldaten von der Waffe Gebrauch machen mußten.

*

Die Ausgaben der Kattowitzer Zeitung vom Sonntag und vom Dienstag wurden wegen zweier Artikel, die sich mit dem Überfall auf deutsche Lehrer in Radzionkau und auf deutsche Vertreter in Eichenan befaßten, beschlagnahmt. Damit sind von den letzten zehn erschienenen Nummern >er Zeitung nicht weniger als fünf beschlagnahmt worden.

Amerikanische Anti-Gowjet-Reden.

Coolidge über Abrüstung.

Eine besonders scharfe Rede gegen die Methoden der russischen Außenpolitik hielt der amerikanische Geschäfts­träger in Paris, H e r r i ck, anläßlich der Feier des ame­rikanischen Erinnerunastaaes auf dem Militärfriedhof irr

Yängigkeitserklärung Ägyptens reservierten englischen Rechte aufzugeben, und zwar 1. Kontrolle des Sudans, 2. Schutz des Suezkanals, 8. Schutz Ägyptens gegen jeden Angriff und 4. Schutz der englischen und ausländischen Interessen in Ägypten.

Die englische Regierung hat gegen den Beschluß der Ägyptischen Kammer in einer scharfen Rote pro­testiert, die in Kairo sogar als ein Ultimatum auf­gefaßt wird. In der Note wird erklärt, daß England unter allen Umständen darauf bestehen müsse, daß der Posten des Sirdars auch weiterhin von einem hohen eng­lischen Offizier besetzt bleibt. Sollte Ägypten dieser eng­lischen Forderung nicht Nachkommen, so würde England die im Jahre 1922 anerkannte volle Souveränität wieder aufheben und das Protektorat wieder herstellen.

In der ägyptischen Presse findet die Note Englands starken Widerstand. Es wird darauf hingewiesen, daß eine Regierungskrise in Ägypten unvermeidlich ist und die Auflösung der Ägyptischen Kammer unmittelbar bevorzustehen scheint. Man sieht also, daß Ägypten Eng. land von neuem große Sorge macht. Wie in letzter Zeit schon öfter, sprechen die ägyptischen Nationalisten eine auf- geregte Sprache und versuchen, die Leidenschaften der Ägypter von neuem gegen England zu entflammen.

Suresnes. Alle Regierungen, so führte er aus, die noch Macht in ihrem Lande hätten, verwahrten sich energisch gegen die außenpolitischen Maßnahmen der Sowjets. Die französische Presse saßt Herricks Rede als einen Ausruf zu einem internationalen Vorgehen gegen den Kommunis­mus auf. Nicht ganz so scharf sprach der Präsident der Vereinigten Staaten, Coolidge, in New- gierung der U.S.A. ihre Verfassung ändern würde, ehe sie ihr Land zu einem Tummelplatz von Leuten werden ließe, die Verbrechen und Gewalttätigkeiten gegen die bestehende Ordnung begehen. Im übrigen trat Coolidge für Rüstungsbeschränkung, nichtaber für eine völlige Abrüstung ein. Amerika würde seinen Einfluß in der internationalen Politik in diesem Sinne in der nächsten Zeit auch weiterhin geltend machen.

Der bekannte amerikanische Historiker und Politiker Professor S h o t w e l l sprach sich in einem Vortrag, der von der ganzen Presse viel besprochen wird, für einen amerikanischen L o c a r n o v e r t r a gaus, der eine Friedenssicherung zwischen den Vereinigten Staaten einer^ seits und England, Frankreich, Deutschland und Japan andererseits enthalten müsse. Auch er nahm felbstves» stündlich Rußland von einem solchen Vertrage aus.

Polen verzichtet aus Liquidationsvefugniffe

Deutsche Gegengabe.

Die polnische Regierung hat der deutschen Regierung mitgeteilt, daß sie auf gewisse Befugnisse, die ihr auf Grund des Versailler Vertrages zustehen, zu verzichten gedenke. Es handelt sich um eine Freigabe von der Liquidation, und zwar betrifft sie alle reichsdeutschen Forderungsrechte, verbriefte und unverbrieste Wert­papiere, Beteiligungsrechte, Eigentumsrechte, soweit sie nicht unbewegliches Gut betreffen, sowie Pfandrechte in Polen.

Ausgenommen sind Forderungen, die bis zum 31. März 1927 bereits unter Liquidation gestellt waren, Forderungen, die am 10. Januar 1920 Eigentum juristi­scher Personen des öffentlichen Rechts gewesen sind, und Forderungen aus Anleihen, die zur Unterstützung von Kriegshinterbliebenen und von Kommunalverbänden auf- genommen wurden. Alle Forderungen sollen demnächst Gegen st and besonderer Verhandlungen bilden.

Die deutsche Regierung hat der polnischen Regierung einige Gegenstände von künstlerischem und historischem Werte überlasten, die sich bisher in deutschem Besitz be­fanden und für die polnische Regierung von Interesse sind.

Erregung im Bayerischen Landtag.

Strafverfolgung zweier nationalsozialistischer Abgeordneten.

Im Plenum des Bayerischen Landtags kam die deutsch­nationale Interpellation wegen der Zusammenstöße von Nationalsozialisten mit Angehörigen anderer Parteien, wobei ein Nationalsozialist getötet wurde, zur Erörterung.

Der Innenminister Stützet gab eine ein­gehende Schilderung der Vorgänge nach den polizeilichen Feststellungen^ betonte, daß das Verbot des Reichsbanner­tages und der sonstigen geplanten politischen Veranstal­tungen keine politische, sondern eine vorbeugende, zur Auf­rechterhaltung von Ruhe und Ordnung erforderliche Maß­nahme gewesen sei, und schloß mit der Erklärung, daß die amtliche Feststellung des Tatbestandes der Zusammenstöße dem gerichtlichen Verfahren vorbehalten bleiben müsse.

In der Interpellationsbesprechung kam es bei.der Rede. Lei soziMegwftatischett WgMvyeW