Hersfel-erTageblatt
Hersfelöer Kreisblatt
Amtlicher Mnzeiser für ven Kreis hersfelS mit den Beilagen: Heimalschollen / Illustriertes AnterhallungSblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Anterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.
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Nr. 149
Mittwoch, den 29. Juni 1921
77. Jahrgang
Der Kohlenpreis bleibt.
In einer Sitzung des Reichskohlenverüandcs und des großen Ausschusses des Reichskohlenrats wurden nach eingehender Erörterung die neuerlichen Preis- erhöhungsanträge des Ruhrkohlensyndilats, des Aachener Syndikats und des Niedersüchsischen Syndikats abgelehnt. Angenommen wurde ein eingeschränkter Antrag des Ruhrkohlensydikats, der dahin ging, nur den Mager-, Es- und Gasslammkohlen- zechen einen Preiszuschlag von 7 Prozent zu gewähren. Der angenommene Antrag wurde jedoch von dem Vertreter des Reichswirtschaftsministeriums beanstandet. Die Preiserhöhungsanträge des Ober- schlesischen, Riederschlestschen und Sächsischen Stein- kohlensyndikats wurden einem Unterausschuß zur Prüfung übergeben.
Wiederum ist das Ersuchen des deutschen Kohlenbergbaues an den Reichskohlenrat, die Preise für Kohle heraufzusetzen, fast rundweg abgelehnt worden; gegen die bewilligte Preiserhöhung auf einzelne Sorten hat der Reichswirtschaftsminister Einspruch erhoben. Bei dieser Ablehnung ging der Reichskohlenrat vor allem von der Erwägung aus, daß der deutschen Industrie eine Erhöhung der Produktionskosten durch Steigerung der Kohlenpreise nicht z u g e m u t e t werden dürfe. Daran müsse auch festgehalten werden, obwohl ja nach Feststellung des jetzigen Kohlenpreises die Bergarbeiterlöhne heraufgesetzt worden sind.
Die Stimmung in den Kreisen der Bergwerksunter- nehmer, die Meinungen über die nächste oder die fernere Zukunft des deutschen Bergbaues sind recht geteilt. Nach Beendigung des englischen Bergarbeiterstreiks hat ja in kürzester Frist die englische Konkurrenz rm sog. „bestrittenen Gebiet", also an der deutschen Seeküste, allerdings bis tief in das Inland hinein, wo Schiffahrtsstraßen den Kohlentransport verbilligten, viel von dem zurückerobert, was während des Streiks verlorengegangen war. Die oberschlesische Kohle wurde völlig aus dem Feld geschlagen; von dort her werden jetzt im Monatsdurchschnitt kaum 50 000 Tonnen, ^^^ii*^^,^ t «-teu^Wr*^O<^ exportiert. Die Engländer arbeiteten eben einfach mit möglichst niedrigen „K a m p f p r e i s e n", um überhaupt wieder ins Geschäft hineinzukommen; vielfach mit Erfolg. Dieser Ersolg ist aber gegenüber der rheinisch-westfälischen Kohle längst nicht in dem Maße erzielt worden, wie dies in den Kreisen der deutschen Kohlenindustrie befürchtet ivorden ist, obwohl ja die in England durchgeführte Verlängerung der Schichtzeit und die Lohnherabsetzung zu einer starken Verminderung der Erzeugungskosten und damit der Kohlenpreise führten. Der deutsche Bergbau vermochte doch zahlreiche Absatzgebiete zu halten, die er sich neu erobert hatte; der schnelle Aufschwung im englischen Bergbau nach dem Streik hatte ja seine Hauptursache darin, daß der Absatz sehr flott vonstatten ging; denn die Kohlenlager überall in der Welt waren fast ausgeleert und bedurften dringend einer raschen Auffüllung. Wenn in Deutschland seit Beginn dieses Jahres die Förderung auch in einem zwar langsamen, aber stetigen Rückgang begriffen ist, so üverstieg sie doch in den ersten vier Monaten 1927 die in der gleichen Zeit des Vorjahres geförderte Menge immer noch um ein beträchtliches. Der Grund liegt darin, daß zwar wieder ein recht großer Teil der Förderung auf Halden geschüttet, auch Feierschichten in recht beträchtlicher Höhe eingelegt werden müßten, daß aber andererseits der Kohlenbedarf der einheimischen Industrie — entsprechend der anziehenden allgemeinen Wirtschastskoujuuktur — stetig gestiegen ist. Die Höhe des deutschen Kohlenexportes ist im großen und ganzen dieselbe geblieben, aber der Absatz im Inland wuchs.
Ein Spiegelbild hierfür bietet ja auch der R ü Ä - gang der Zahl der unterstützten Erwerbslosen. Dieser Rückgang beträgt für die Hauptunterstützungsempfänger in der ersten Junihälste rund 50 000 und bei der Krisenfürsorge rund 18 000, so daß die Gesamtzahl der unterstützten Arbeitslosen jetzt auf nur noch etwas über 800 000 zurückgegangen ist. Wenn daher die günstige Konjunktur anhält, kann man vorerst — wenigstens in dem größten Teil des rheinisch-westfälischen Bergbaues — von einer Krise nicht sprechen, ohne daß man freilich die Augen davor verschließen darf, daß das fette Jahr des englischen Bergarbeiterstreiks endgültig vorbei ist.
Leider sind die Fühler, die zwecks Verständigung zwischen dem deutschen und dem englischen Bergbau eine Vermittlung anbahnen sollten, deutscherseits ganz vergeblich ausgestreckt worden; noch hat der Engländer die Hoffnung nicht aufgegeben, uns wieder ganz aus dem Felde zu fchlagen. Aber auch dafür ist eine Grenze gesetzt, weil der englische Bergbau es noch immer verstanden hat, eine Rationalisierung dieser Industrie durch eine schnelle Modernisierung und vor allem durch eine weitgehende Konzentrierung der Betriebe durchzuführen. Steigt aber der deutsche Kohlenpreis, dann wird der Kampf des Engländers gegen uns^ erleichtert.
Der neue bayerische FinanZminißer.
Staatsrat Dr. Schmelzle ernannt.
Dr. Schmelzte, der bisher Staatsrat im bayerischen Ministerium des Äußeren war, ist Zum bayerischen Finanz- mmister ernannt worden. Die bürgerlichen Parteien des Landtages haben ihre Zustimmung zu der Ernennung gegeben. Er tritt hiermit an die Stelle des verunglückten
Sie Srganifation der hixdMmg-Sykiide
M Kriegsbeschädigte
und Kittelständler.
Besprechungen über die Hindenburg - Spende.
I An den Vorbereitungen für die Hindenburg-Spende, die anläßlich des 80. Geburtstages des Reichspräsidenten ins Leben gerufen und Kriegsbeschädigten sowie dem notleidenden Mittelstand zur Verfügung gestellt werden soll, wird eifrig gearbeitet. In Berlin hat kürzlich eine Besprechung der beteiligten Stellen stattgefunden, in der beschlossen wurde, von der Begründung von Landesausschüssen der Hindenburg-Spende Abstand zu nehmen. Die Länderregierungen werden jedoch demnächst Aufrufe erlassen, die sich für ihren Bereich dem von der Reichsregierung ergangenen Aufruf zur Hindenburg-Spende an- schließen. Wie es heißt, schweben auch Verhandlungen, um für die Beiträge zur Hindenburg-Spende möglichst Steuererleichterungen zu verschaffen.
। Besonders wertvoll für den Erfolg der Spende dürfte es sein, daß sich die Raiffeisengenossenschaften und die ländlichen Darlehnskassen bereit erklärt haben, als Annahmestellen für die Hindenburg-Spende zu dienen. Man hofft hierdurch, die Sammlungsergebnisse auf demflachenLande günstig zu beeinflussen, zumal es bei früheren Sammlungen vielfach versäumt worden ist, auf die ländlichen Verhältnisse besondere Rücksicht zu nehmen. Zum Leiter der Hindenburg-Spende ist Dr. K a r st e d t aus dem Reichsarbeitsministerium ernannt worden, der bereits die Ludendorff-Spende, die Hilfe für
Ministers Dr. Krausneck, dessen Geschäfte er bereits provi sorisch führte, _____________
Der neue bayerische Finanzminister Dr. Schmelzle hat eine gute Presse. Die Münchener Neuesten Nachrichten
schreiben: Dr. Schmelzle werde es verstehen müssen, den Anschein zu vermeiden, als kämpse Bayern gegen das Reich, wenn es seine Rechte gegenüber der Rücksichtslosiig- keit wahrt, die einem bei der Berliner Zentralstelle nicht fremd sei. Im Bayerischen Kurier wird als großer Vorzug des neuen Finanzministers gerühmt, daß die großen Fragen der Wirtschaftspolitik von jeher sein besonderes I• Treffe fanden.
Tirpitz über die Kriegsschuld.
Kundgebung der „Deutschen Studentenschaft".
Die „Deutsche Studentenschaft" veranstaltete bei der Wiederkehr des Tages der Unterzeichnung des Friedensvertrages von Versailles in Berlin eine Kundgebung gegen die Kriegsschuldlüge. An der Veranstaltung, die gleichzeitig in allen Universitätsstädten Deutschlands statt- fand, nahmen Vertreter der akademischen Behörden und der Studentenschaft teil. Professor Karo- Halle wies darauf hin, daß heute eine Trauerkundgebung nach römischem Vorbilds erforderlich sei.
Großadmiral von Tirpitz erklärte, daß er auf Grund seiner persönlichen Erfahrungen jedwede Schuld Deutschlands am Kriege ablehne. Deutschlands Schuld habe nur darin bestanden, daß es ein geeintes Volk gewesen sei. Weiter habe in der Volksvermehrung Deutschlands, dem Problem „Volk ohne Raum", eine weitere Ursache des Krieges gelegen, ebenso in der geographischen Lage Deutschlands. Herr von Tirpitz ging dann auf die Wirkung der Kriegsschuldlüge auf die Weltmeinung ein und betonte, daß der Eintritt Amerikas in den Krieg haupt- fächlich auf die englische Propaganda über Deutschlands Schuld am Kriege zurückzuführen sei. Verschiedene Amerikaner seien der Ansicht, daß Deutschland nicht rücksichtslos genug gegen die Kriegsschuld protestiere. Man erwarte dort die rücksichtslose Erklärung eines hohen Beamten der Regierung gegen die Kriegsschuld. Auch dem jetzigen Reichspräsidenten würde Amerika eine derartige Erklä-
Oppau und das Deutsche Volksopser (Ruhrhilfe) geleitet hat. Die Ludendorff-Spende ergab 1918 einen Betrag von 163 Millionen Reichsmark, die Hilfe für Oppau im Jahre 1921/22 44 Millionen Mark und das Deutsche Volksopser im Jahre 1923 10,5 Millionen Mark. Allerdings ist bei der Ludendorff-Spende und bei dem Oppauer Hilfswerk zu berücksichtigen, daß die hohen Millionen- zahlen nicht mehr Goldmark waren, sondern daß damals bereits die Inflation eine Entwertung des deutschen Geldes vorgenommen hatte.
Hindenburg und Wilhelmshöhe.
Reichspräsident von Hindenburg hat den Oberbürgermeister von Kassel, Stadler, empfangen, der dem Reichs- Präsidenten nochmals die Bitte der Stadt Kassel vortrug, Schloß Wilhelmshöhe als Sommersitz zu benutzen. Reichspräsident von Hindenburg bat indessen, von diesem ihm vorgeschlagenen Wunsch Abstand zu nehmen. Schon im Jahre 1918, als Hindenburg den Rückmarsch der deutschen Armeen organisierte und auf Wilhelmshöhe wohnte, hat er es abgelehnt, Wohnung im Schloß zu nehmen, da es ihm nicht anstehe, ein kaiserliches Schloß zu bewohnen, während seine Truppen kaum irgendwelche Unterkunft hätten. Der Reichspräsident, der dem Oberbürgermeister Grüße für die Kasseler Bürgerschaft aufgetragen hat, hat sich im übrigen auch den Hergang des großen Straßen- bahnunglücks am 18. Mai durch Oberbürgermeister Stadler schildern lassen. Der Magistrat von Kassel hat beschlossen, den Kasseler Vürgerbuud, von dem der Plan der Wilhelmshöher Sommerresidenz ausgegangen war, von dem Entschluß des Reichspräsidenten in Kenntnis zu setzen.
Lieuychmnv nicht mehr gegen die unerschwinglichen Re- Parattonskosten Protestiere. Ohne die Änderung der Welt- melnung über die Kriegsschuldfrage sei eine Änderung der Lage Deutschlands nicht zu erreichen.
Student Häsch bezeichnete es als Aufgabe der stu- drerenden Jugend, Vorkämpfer zu sein für die deutsche Ehre, für die Wiederherstellung der nationalen Grundlagen, auch im Ausland. Damit schloß die Kundgebung
Die Verzinsung ansgewerteter Hypotheken
Die Aufwertung von Sparkassenguthaben.
Der Rechtsausschutz des Reichstages, der sich seit einiger Zeit mit dem Gesetzentwurf über die Verzinsung aufgewerteter Hypotheken und ihre Umwandlung in Grundschulden befaßte, hat dieses Gesetz jetzt in zweiter Lesung beendet. Der Ausschutz nahm hierbei eine Ent- schlietzung an, die die Reichsrcgierung ersucht, bei den Regierungen der Länder dahin zu wirken, datz in den Fällen, in denen der den Hypothekenbanken gemäß Art. 77 der Durchführungsverordnung zum Aufwertungsgesetz zustehende Verwaltungskostenbeitrag autzer Verhältnis zu den tatsächlich erwachsenen Verwaltungskosten steht, im Interesse dex Erzielung einer höheren Auswertungsquote zugunsten der Pfandbriefgläubiger ein Ausgleich dadurch geschaffen werde, datz den Hypothekenbanken unbeschadet des Art. 76 der Durchführungsverordnung zum Aufwertungsgesetz die Leistung eines r tfpredjenb hohen Beitrages aus ihrem sonstigen Ver- mögen zu der Teilungsmasse auferlegt wird.
Angenommen wurde ferner vom Ausschuß eine sozialdemokratische Entschließung, durch die die Reichsregierung ersucht wird, zur Verbesserung der Sparta s s e n a u f w e r t u n g bei den Ländern dahin zu wirken, daß 1. auch die Sparkassen, die ohne Gewährung eines Beitrages aus ihrem Vermögen oder seitens der Garanten den Mindestsatz von 12% Prozent erreichen, wenigstens einen Teil ihrer in den Jahren 1924—1926 erzielten Reinerträge zur Verstärkung der Teilungsmasse verwenden, 2. in den Fällen, in denen die völlige oder teilweise Abhebung von Sparguthaben in Papiermark erhebliche Härten zur Folge hat, die Sparkassen durch freiwillige Leistungen einen Ausgleich schaffen.
Zum Schluß wurde noch ein Antrag angenommen, der eine Denkschrift der Reichsregierung wünscht, die sich mttderBesteuerungderJnflationsgewinne befaßt.
Keine Bedrohung der
Beruhigende Regierungserklärungen.
In letzter Zeit war mehrfach die Befürchtung laut geworden, die Reichsregierung beabsichtige, Abstriche an den Zuwendungen für die Wissenschaft, insbesondere für die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft sowie die Notgemeinschast der deutschen Wissenschaft, im kommenden Haushaltsplan zu machen. Führende Männer der Wissenschaft, der Wirtschaft und der Arbeit haben daraufhin an die Reichsregierung eine Mahnung zu Händen des Reichskanzlers gerichtet, von solchen Plänen abzusehen.
Wie jetzt amtlich bekanntgegeben wird, hat der Reichsfinanzminister zu der Höhe der Etatsansätze für 1928 überhaupt noch in keiner Weise Stellung genommen. Die Befürchtungen mußten um so arundloker erscheinen.