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tzersfelöer Tageblatt yersfelöer Kreisblatt Amtlicher Mizeiger für öen Kreis hersfelS

mit öen Beilagen: Heimatschotten / Illustriertes AnterhaltungSblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Anterbaltuna und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.

: Monatlicher Bezugspreis: Durch die Post bezogen 1.20 : Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für Hersfeld : 1.00 Neichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer : 0.80 Reichs-Mark druck und Verlag von Ludwig : Zunks Buchdruckerei in hersfew, Mitglied des VSZV.

Nr. 199

Freitag, den 26. August 1927

77. Jahrgang

Die Nordmark.

Der Europäische Minderheitenkongreß in Genf hatte vor Schluß noch einen Zwischensall, der zu einer ernsten Krise der ganzen Bewegung zu werden drohte. Der pol­nische Generalsekretär des Verbandes der nationalen Minderheiten in Deutschland, Kaczmarek, erklärte plötzlich, daß seine Gruppe aus dem Kongreß ausscheide. Als Grund gab er an, weil man die Friesen, eine ge­ringe Minderheit in Deutschland, nicht zum Kongreß zu- gelassen habe. Außerdem sollen verschiedene Redner, so behauptete er, den Kongreß zu einem politischen zugunsten einseitiger Machtpolitik gemacht haben. Zum allgemeinen Erstaunen erklärte später der Vertreter der dänischen Gruppe, daß auch diese infolge der Friesenfrage sich vom Kongreß zurückziehe. Da sich aber die Vertreter aller anderen Minderheiten sofort hinter den Präsidenten

zu bewegen, scher Seite

W i l f a n stellten, der die Ausführungen Kaczmareks als unberechtigt abwies, und Wilfans Stellungnahme billig­ten, fo kann man annehmen, daß vorläufig eine Gefahr für das Weiterbestehen der Minderheitenbewegung nicht vorhanden ist. Der Vorsitzende will übrigens versuchen, die Ausgeschiedenen wieder zur Mitarbeit zu bewegen.

Daß der Vorstoß gerade von polnischer Seite kam, ist nicht zu verwundern. Gerade Polen ist die ganze Minderheitsbewegung ein Dorn im Auge. Es sündigt auf diesem Gebiete am meisten und fürchtet deshalb, daß eines schönen Tages der Völkerbund doch die Sache in die Hand nehme und den Minderheiten zu ihren verbrieften Rechten verhelft. Der polnische Vertreter nahm deshalb auch nur die Friesen zum Vorwand. Er wollte die Sprengbombe an den ganzen Kongreß und damit die Be­wegung legen. Als Angehöriger der polnischen Minder­heit in Deutschland kann er dies auch ruhig, ohne sich selbst zu schaden. Die Polen in Deutschland erfreuen sich der

weitesten kulturellen Freiheit. Die Deutschen in Polen wären froh, wenn sie dasselbe von sich sagen könnten. Das Deutschtum in Polen soll aber mit aller Gewalt unter­drückt und die Stelle verstopft werden, durch die seine Klagen das Ohr der Welt erreichen.

Daß die Dänen ^^ A-U«

der Angelegenheit. Hier spielen die Verhältnisse der deut­schen N o r d m a r k hinein. Fast alle diejenigen, die seinerzeit für Dänemark stimmten und so die Abtretung von Nordschleswig verursachten, möchten jetzt diesen Schritt ungeschehen machen. Das ihnen damals von dänischer Seite Verheißene geht nicht in Erfüllung. Sie geraten immer mehr in wirtschaftliche Not, so daß ein Ausweg gefunden werden muß. In den von Deutschland abgetrennten Teilen der Nordmark bestehen zurzeit drei Richtungen. Die großdänische will unter allen Umstän­den den jetzigen Zustand aufrechterhalten und allmählich die alte schleswigsche Bevölkerung durch Dänen ersetzen. Der klarer blickende Teil sieht den Ausweg in der Rück­kehr zu Deutschland, während der dritte Teil die Bil­dung eines selbständigen Herzogtums Schleswig in Personalunion mit Dänemark anstrebt. Außerdem besteht in Dänemark eine chauvinistische Strömung, die als End­ziel die Vereinigung ganz Schleswigs mit Dänemark im Auge hat, also auch noch den deutsch gebliebenen Teil haben will. Dabei spielt nun die Friesenfrage eine gewisse Rolle. .

Die dänische Minderheit in Deutschland kann sich in Wirklichkeit nicht beklagen. Jeder, der in die Nordmark kommt, kann sich mit eigenen Augen überzeugen, daß ste auf ihre Fasson selig werden kann. Da ist man nun auf den Ausweg verfallen, eine bedrängte Minderheit zu schaffen, die man befreien will. Ein großer Teil der Be­wohner Schleswigs ist friesischer Abstammung. Dre;e stempelte man in Dänemark nun plötzlich zu einer eigenen Nation, die natürlich nur eine Abart des Dänischen sei und die von den Deutschen an der Entfaltung ihrer Eigen­art gehindert werde. So soll der Vorwand vorbereitet werden, unter dem man mit Billigung der Welt bei ge­eigneter Gelegenheit den neuen Raub an Deutschland aus-

führen kann.

Die Friesen werden sich selbst ihnen zugedachte Rolle wundern, größten Wert darauf gelegt, ein d e u sein, un

am meisten über diese Sie haben stets den ____ . tscher Stamm zu und werden auch vond'er ganzen Welt dafür gehalten. Das Präsidium des Minderheitenkongresses mußte den Antrag auf Zulassung der Friesen zurückweisen, da der statutengemäß notwendige Beschluß einer friesischen Min­derheit nicht vorlag. Vielmehr hatte es die wert über­legene Mehrheit der friesischen Bevölkerung abgelehnt, |td) als eine Minderheit in Deutschland anzusehen. Den Polen kam die Erfindung einer friesischen Minderheit in Deutsch­land sehr gelegen. Sie wollten diese Frage ausnutzen, um sich die Möglichkeit zu verschaffen, unbeachtet von der Welt ihre Unterdrückungstaktik weiter fortsetzen zu können.

Appell an den Völkerbund.

Der europäische Nationalitätenkongreß beendete seine diesjährigen Beratungen mit der Annahme emer Anzag. Resolutionen, die sich in erster Lime auf die Staaten­souveränität und die Minderheitsrechte, auf die mnen- und zwischenstaatliche Zusammenarbert der Nationali­täten, auf die Gefährdung des europäischen Friedens durch die nationale Unduldsamkeit, sowie auf die Natro- nalitätenkunde bezogen. In einer besonderen Resolution wird ein Appell an den Völkerbund gerichtet, unverzüglich an die ernsthafte Behandlung des Minderheitenproblems Heranzutreten.

3«hresbiaserkiz der Srietasnnwn

MWrlaWMWe Tagung in Paris.

Eins Mde Poincsres.

In Anwesenheit von etwa 400 Parlamentariern aus 35 Staaten ist in Paris die 24. Jahreskonferenz der Interparlamentarischen Friedensunion durch den Vor­sitzenden, Baron A d e l s w a e r t, eröffnet worden. Die deutsche p a r l a in c n t a r i s ch e Delegation umfaßt 37 Mitglieder, unter denen erwähnt seien: Deutschnationale Volkspartei: Dietrich, früherer Vizepräsident des Reichstages, und Leopold; Deutsche V o l k s p a r t e i: Dr. Schnee, Dr. Mittel­mann, Dr. Gildemeister, Frau Wende und Frau Matz; Bayerische Volkspartei: Schwarzer; Wirt­schaftliche V e r e i n i g u n : Mollath; Zentrum: Pfarrer Ulizka, der Württembergische Innenminister Bolz, Frau Teusch und Frau Philipps; Demokraten: Dr. Dernburg, Prof. Schücking, Prof. Bergstrasser und Brod­auf; Sozialdemokraten: Reichstagspräsident Löbe, Dr. David, Sollmann, Dr. Hertz, Dr. Moses, Frau Juchacz und Wilhelm Heile. Zum Vorsitzenden der Tagung wurde Senatspräsident D o u m e r gewählt. Er erinnerte daran, daß es die Aufgabe der in Paris ge­gründeten Union sei, neben dem Völkerbund mit größerer Freiheit und mit einer weniger schweren Verantwortlich­keit die ernsten Probleme, die eine Lösung forderten, zu prüfen. Hierauf ergriff Ministerpräsident Poincar 6 das Wort, um im Namen der französischen Regierung die Kongreßteilnehmer zu begrüßen.

Die Lehre des Krieges, sagte er, sei die, daß man in noch stärkerem Maße jedes Werk unterstützen müsse, das der Annäherung diene. Das Worbandentein ,»nnM»L^ imcheiferttN 4m»~W»W mehr feindlich gegenüSerständen, sei eine der unerläß­lichen Bürgschaften für den Fortschritt der Zivilisation.

SeeMarivvekkaiastrophe in Japan.

129 Seeleute ertrunken.

Die japanische Kriegsflotte ist von einem überaus schweren Unglück betroffen worden. Bei nächtlichen Manövern ist auf der Höhe von Maizuru der Kreuzer Jindzu" mit dem TorpedobootszerstörerWarabi" zu- sammengcstoßen. Dieser sank innerhalb 15 Minuten, wo­bei 90 Matrosen und 12 Offiziere ertranken. Von der Besatzung konnten nur 22 Personen gerettet werden. Gleichzeitig stieß der KreuzerNaka" mit dem Torpedo- bootszerstörerAshi" zusammen, wobei 27 Menschen ums Leben kamen. Die SchiffeJindzu" undAshi" sind stark beschädigt worden.

Zu den Zusammenstößen teilt das japanische Marine­ministerium mit: Das Geschwader hatte seine eigentlichen Manöver beendet und nahm auf der Rückfahrt zu seinem Stützpunkt Übungen in der Abwehr eines nächtlichen Torpedobootsangriffs vor. Der Mond war von den Wolken verhüllt, und die Schiffe fuhren mit abgeblendeten Lichtern mit Volldampf voraus, als dir Torpedoboots­flottille angriff. Offenbar wollten die Torpedoboote Warabi" undAshi" dicht vor den Kreuzern vorbei- kommen. Die Kreuzer aber konnten dann ihren Kurs nicht mehr rechtzeitig genug ändern, um einen Zusam­menstoß zu vermeiden.

Die bei dem Zusammenstoß bei Maizuru beschädigten KreuzerJindzu" undNaka" sind Kreuzer zweiter Klasse von je 5940 Tonnen Wasserverdrängung. Sie waren im Jahre 1923 erbaut. Der gesunkene ZerstörerWarabi/. und der beschädigte ZerstörerAshi" stammen aus dem Jahre 1921. Beide hatten 850 Tonnen Wasserver­drängung.

KesomSedürMeit des

kMeMmUeü Strafprozesses.

Neue Ausschreitungen wegen SaccoVanzetti.

Bundesanwalt Tuttle vom Newyorker Distrikt er­klärte in einer Ansprache, ohne den Sacco-Fall ausdrück­lich zu nennen, der amerikanische Strafprozeß sei von einem der obersten Bundesrichter als Skandal bezeichnet worden. Kürzliche Vorkommnisse zeigten jedoch, daß es sich nicht nur um einen nationalen Skandal, sondern auch um eine nationale Gefahr handle, die im Inland das Vertrauen und die Sicherheit zerstöre und im Ausland Kritik und Protest errege. Die Reform des Strafprozesses sei eine alte Forderung und jetzt eine Sache der natio­nalen Sicherheit.

Inzwischen dauern die Kundgebungen wegen Sacco Vanzetti fort. In Hamburg kam es zu besonders schweren Ausschreitungen, wobei ein

Polizeiwachtmeister getötet wurde. Er wurde aus einem Straßenbahnwagen heraus- gerissen und in schwerster Weise mißhandelt. Es gelang ihm, sich loszureißen und zu fliehen. Aber er brach bald

Trotz des Völkerbundes sei die Interparlamentarische Union nicht überflüssig, weil sie, auf demokratischer Grundlage gegliedert, die Vertreter der öffentlichen Meinung jedes Landes in sich schließe, die freier und un- gelmndener als die Vertreter der Regierungen über die wichtigsten Fragen zur Sicherung der Solidarität der Völker beraten und dazu beitragen können. Isolieren könne sich kein Volk, weder wirtschaftlich noch politisch noch moralisch. Aufgabe der Interparlamentarischen Union inüsse es sein, so sehr wie möglich das zu beseitigen, was die Nationen entzweit, und das zu festigen, was sie ein­ander näherbringt.

Lobe über die Rheinlandbesehung.

Nachdem Poincard, dessen Rede bei der Mehrheit der Delegierten Beifall fand, geendet hatte, begann der Kon­greß die Debatte über den Jahresbericht, und das Wort nahm Reichstagspräsident Löbe.

Die Interparlamentarische Union, sagte er, sehe ihre Aufgabe besonders darin, den Gedanken der internationalen Schiedsgerichte immer mehr tu die Praxis umzusetzen. Leider seien aber die großen Hoffnungen, die in den letzten beiden Jahren besonders die deutsche Öffentlichkeit beseelt hätten, nicht ganz erfüllt worden. Ein gewisser Stillstand in der Annäherungs­politik sei eingetreten, aber es gelte endlich, von Worten zu Taten Überzugehen. Da der Kongreß gerade in Paris tage, erhebe sich die Frage, ob Frankreich nicht öffentlich erklären sollte, daß vom 1. Januar 1928 a b kein französischer Soldat mehr auf deutschem B o d e n st e h e n w e r d e. Es widerspreche der Tatsache der deutsch-französischen Annäherung ebenso wie der Auf­nahme Deutschlands in den Völkerbund, wie endlich dem Geiste von Locarno, daß die militärische Be­setzung im Nheinlande anvonere. _ -----trttty .*»»> »«^-^.-rrrDr-7MI starrem Beifall aufge- nommen. Es sprach dann noch ein kanadischer Dele­gierter im Sinne des Völkerfriedens und der Völkerver­söhnung.

infolge der erlittenen Kopfverletzungen zusammen und wurde nun von etwa 50 bis 60 jungen Burschen um­ringt und von einem von ihnen erstochen. Der Mörder entkam im Schutze der Nacht. Infolge der Mord­tat sind alle kommunistischen Kundgebungen in Hamburg bis auf weiteres verboten worden. Eine kommunistische Kundgebung in Berlin verlief ruhig, und ein gleiches wird aus dem R u h r g e b i e t gemeldet. In Austra­lien sind wegen der SaccoVanzetti-Demonstrationen mehr als 1000 Arbeiter entlassen worden. In Paris standen einige Manisestanten bereits vor Gericht: sie er­hielten Gefängnisstrafen von zwei Wochen bis zu sechs Monaten.

Die Gsfrierfleischverieitung.

Schärfere Überwachung des Gefrierfleischhandels.

Unter dem Vorsitz des Staatssekretärs Dr. H o f f - mann fand in Berlin im Reichsministerium für Er­nährung und Landwirtschaft eine Sitzung des Beirates für die Gefrierfleischverteilung statt.

Die Anträge des Deutschen Fleischerverbandes und des Reichsverbandes der deutschen Großschlächter, bei der künftigen Verteilung das von ihnen vertretene Gewerbe vorzugsweise zu berücksichtigen, fand nicht die Zustim­mung des Beirates. Es bestand Einverständnis darüber, daß der bevorstehenden Kontingentierung der Umsatz des ersten Vierteljahres 1927 zugrunde gelegt werden soll. Eine längere Aussprache entspann sich über die dem Ge­frierfleischgroßhandel zukommende Preisspanne. Die vom Reichsministerium für Ernährung und Landwirt­schaft zur Erörterung gestellten Verbote des Handels von Grossist zu Grossist und der Vermischung von verzolltem Gefrierfleisch mit zollfreiem fand nicht allgemeine Zustim­mung. Dagegen bestand Einigung darüber, daß die Über­wachung des Handels mit Gefrierfleisch durch die Ge­meinde noch schärfer werden, und daß das Über­wachungsrecht sich nicht nur auf den Kleinhandel, sondern auch auf den Großhandel erstreckest müsse.

politische Rundschau.

Deutsches Reich

Die deutsche Delegation für Gens.

Zu deutschen Delegierten auf der am 5. September beginnenden achten Völkerbundversammlung sind wie im Vorjahre Reichsminister des Äußern Dr. Strese - mann, Staatssekretär des Auswärtigen Amts Dr. von Schubert und Ministerialdirektor Dr. Gaus ernannt worden; außerdem werden als Delegierte wiederum Ver­treter der großen Parteien des Reichstages an der Bundesversammlung teilnehmen, und zwar die Abgeord­neten Graf Bernstorff, Dr. Breitscheid, Prof Dr. Hötzsch, Prälat Dr. Kaas und Freiherr von Rheiubaben. Der Delegation werden ferner der Staatssekretär der Reichs­kanzlei Dr. Pünder und der Staatssekretär im preußischen Staatsministerium Dr. Weismastst angehören, außerdem