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KersfelöerTageblatt

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wörtlich: Kranz §unk in tzersfeld.§ernsprecher Nr.8 /ttt^l^^t |ÜC ^W RtCl6 ^^tSfClv ! ^unks vuchdruckerei in tzersfew, Mitglied des VVZV. ;

mit den Beilagen: Heimatschollen / Illustriertes Anlerhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herb unb Scholle / Unterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagessragen.

Nr. 205

Freitag, den 2. September 1927

77. Jahrgang

Rettet die Ernte!

Das merkwürdige Wetter dieses Jahres läßt Befürch­tungen für die diesjährige Ernte aufkommen. Schon im Vorjahre hatten die Naturgewalten in großen Teilen Deutschlands vielfach Mißernten oder doch Schäden an dem zuerst so verheißungsvoll aussehenden Ernteertrag ver­ursacht. Schließlich stellte sich der Schaden doch nicht als so groß heraus, wie anfänglich befürchtet wurde, war aber immerhin noch groß genug. Es ist zu hoffen, daß sich auch in diesem Jahre nicht alle Befürchtungen bewahr­heiten werden, die man jetzt noch hegen muß.

Aus verschiedenen Gegenden sind von der Land­wirtschaft dringende Rufe nach einer schnellen Ernte­hilfe ergangen. In einigen hat man schon Militär in Bereitschaft stellen müssen. Diese Notrufe haben auch die Parlamente aufgegriffen. und es sind schon Anträge ge­stellt worden, bestimmte Gebiete als Notstandsgebiete zu erklären. Allerdings aber haben die Vollversammlungen, da noch immer Parlamentsferien sind, dazu noch keine Stellung nehmen können. Es ist jedoch anzunehmen, daß diese Anträge sofort nach Beginn der Parlamentsarbeiten mit Vorrangstellung erledigt werden.

Bei diesen Auseinandersetzungen dürfte es nicht aus­bleiben, daß man sich über Abhilfsmittel unterhalten wird, um in Zukunft die durch das Wetter verursachte ungünstige Lage der Landwirtschaft nicht noch weiter zu-verschlim­mern. Der Landwirtschaft wurde von einigen Leuten ge­sagt, der Appell an das Militär wäre vielleicht nicht not­wendig gewesen, wenn rechtzeitig Anstalten getroffen worden wären, stets die notwendige Arbeiterzahl in der Landwirtschaft zur Verfügung zu haben. Dann wären ge­nügende Kräfte vorhanden gewesen, auch in einer verhält­nismäßig kurzen Zeitspanne zwischen zwei Regenperioden

die Ernte zu bergen. _ ,

Damit wird die Arbeiterfrage überhaupt be- Ä aus Mm Lande ge-,

Wesen ist. Dies war schon vor dem Kriege so. Damals konnten die sogenannten Sachsengänger einen gewissen Ausgleich bringen. Aber der Quell dieser Arbeitskräfte fließt nicht mehr so wie früher. Auch das ist mit eine Folge des Friedensvertrages mit seiner Neugestaltung der Grenzen im Osten, die uns außer dem Getreideüber­schußland auch noch einen großen Teil der landwirtschaft­lichen Hilfskräfte nahm.

Bei der ganzen heutigen Finanzlage kann der Land­wirt sich unmöglich stets einen großen Stab von Arbeitern halten. Die Landwirtschaft ist mehr als jeder andere Be­trieb auf Saisonarbeit angewiesen, so daß zeitweilig großer Arbeiterbedarf eintritt. Nichts wäre da gegebener, als die produktive E r w e r b s l o s e n f ü r s o r g e in Tätiakeit treten zu lassen. Ein großer Teil der Er­werbslosen und besonders der städtischen geht aber nicht auf das Land. Es würde zu weit führen, hier auf alle Ursachen dieser Erscheinung einzugehen. Es genügt, sie zu konstatieren. Das allein führt schon zu dem Schlüsse, daß alles getan werden muß, hier Wandel zu schaffen Der Landwirt hat mit städtischen Arbeitern öfter feine guten Erfahrungen gemacht, so daß er vielleicht gegen diese eine gewisse Abneigung hat. Bei der ganzen Lebens- Hältung der städtischen Arbeiter ist die Unkenntnis von landwirtschaftlichen Dingen aber zum Teil erklärbar. Das sollte man sich schließlich überall sagen und deshalb ver Tatsache Rechnung tragen, daß die Arbeit eines Städters aus dem Lande zunächst nicht so erfolgreich sein kann als die eines Mannes, der stets auf dem Lande gelebt hat Hier heißt es, Geduld haben und aus beiden Seiten den guten Willen zum Ausgleich der Gegensätze zu zeigen.

Fragen der Landwirtschaft sind mehr als alle anderen solche, die das gesamte Volk angehen. Es genügt da nur ein Blick auf die Handelsbilanz. Jede Erntever- " " " aus.Das an

schlechterung übt auf diese einen großen Einfluß unserer Ernte Fehlende müssen wir im Ausb Die großen Summen des Vorjahres sprechen in dieser Beziehung eine beredte Sprache und ermähnen uns stän­dig, hier nichts unversucht zu lassen, um unsere Landwirt­schaft auf eine immer höhere Stufe zu bringen. Dabei spielt nun die Arbeiterfrage eine besonders wichtige Rolle. Hier ist zuerst der Hebel anzusetzen. Gegen Naturgewalten sind wir ohnmächtig. Wir können aber durch geeignete Maßnahmen wenigstens erreichen, daß die Wetterschäden nicht noch durch organisatorische Mängel im Staate ver-

wslande kaufen.

größert werden.

Hilfsmaßnahmen in Württemberg.

Die Württembergische Regierung hat infolge der schweren Schädigung der Ernte verschiedene, Notmaß­nahmen in die Wege geleitet. Zunächst soll die Reichs­wehrdivision V zu den Erntearbeiten herangezogen wer­den. Zwecks künstlicher Trocknung des Getreides wurde ein Abkommen mit Brauereien und teilweise stillgelegten Molkereien geschlossen. Die Beschaffung zinsloser Dar­lehen bzw. zinsloser Stundung der zurückzuzahlenden Rentenbank- und Düngerkredite will die Regierung för­dern. Auch Steuererleichterungen, und zwar in Gestalt von zinsloser Stundung der Landes- und eventuell auch der Rechssteuern, sollen in Erwägung gezogen werden.

Sie Landtag-wahl Im Mmelgebiet.

Die Mandatsverteilung.

Donnerstag nachmittag lagen die Ergebnisse aus allen Stimmbezirken vor mit Ausnahme eines kleinen ländlichen Bezirks, der für die Beurteilung nicht ins Ge-

Dorniger Fragen in Genf

Segiim der 46. Ratstagung.

Polen und Danzig.

In Genf ist am Donnerstag die 46. Ratstagung unter dem Vorsitz von Villegas-Chile eröffnet worden. Die Sitzung war geheim. Die einzige n e u e E r s ch e i n u n g im Rat ist der chinesische Gesandte aus Lissabon, Wang; Frankreich wird durch Paul-Boncour und Polen durch Sokal (der polnische Außenminister ist erkrankt) am Rats- tisch vertreten.

Neben der Festsetzung der Tagesordnung und Rege­lung einiger administrativer Fragen war die Sitzung vor­wiegend einigen Anträgen Danzigs gewidmet. Senats­präsident Sahm war infolgedessen bei diesen Verhand­lungen zugezogen. Es handelte sich dabei im wesentlichen um zwei Fragen r um die Forderung Danzigs auf Beendi­gung eines am 8. Oktober 1921 abgeschlossenen provisori­schen Abkommens, das Polen die Berechtigung verleiht, den Hafen von Danzig als AnlegeHafen für seine Kriegsschiffe solange zu benutzen, wie es über keinen eigenen ausreichenden Hafen verfügt. Danzig erklärt nun­mehr, daß der polnische Kriegshafen von Gdingen hin­reichend ausgebaut sei, um dieses Provisorium entbehrlich zu machen. Gegen den polnischen Protest wurde nach einer Debatte, an der u. a. die Vertreter Deutschlands, Frankreichs und Italiens teilnahmen, beschlossen, diese

Frage aus der Tagesordnung zu belassen.

Die zweite Frage betrifft die Verlegung deS polnischen Munitionsdepots von der Wester

des

Kni «Ä lM Ner ta «M

Neuer Abflug aus Amerika.

Befürchtungen wegen Hamiltons Flugzeug.

Obwohl von Kanada aus alle auf dem Atlantik be­findlichen Schiffe alarmiert worden sind, Ausschau nach dem englischen FlugzeugSt. Raphael" zu halten, ist es seit der Überquerung Irlands nicht gelungen, irgend etwas über das Flugzeug zu erfahren. Normalerweise hätte es bereits am Donnerstag morgen über Neufundland sein müssen. Die Flieaer baben Benzin für nur 43 Stun-

Oberst Minchin

Hauptmann Hamilton

Prinzessin von Löwenstein- Wertheim

den bei sich. Der Optimismus der Bevölkerung am Lan­dungsplatz in Ottawa begann bei der Verschlechterung der Witterung nachzulassen.

Sir John Carding, der mit seinem Eindecker bereits einmal von London in Ontario aus den Atlantik zu über- gueren versuchte,. ist nun zum zweitenmal nach England gestartet. So befinden sich zurzeit zwei Flugzeuge in ent- aeaenaesetzter Ricktuna über dem Ozean.

wicht fällt. Nach der bisherigen Zusammenstellung sind rund 54 500 Stimmen abgegeben worden. Davon ent­fallen in runden Zahlen auf die Volkspartei 17 800, Land­wirtschaftspartei 18 300, Sozialdemokraten 5500, Kom­munisten 3900, Aufwertungsbund 1600, großlitauische Parteien zusammen 7000. Die Mandatsverteilung dürfte sich voraussichtlich folgendermaßen gestalten: Volkspartei (deutschgesinnt) 10 (bisher 11), Landwirtschaftspartei (deutschgesinnt) 10 (11), Sozialdemokraten 3 (5), Kom­munisten 2 (0), Großlitauer 4 (2), zusammen 29 Mandate.

Die Wöhnvechälimsse in Deutschland.

Das Reichsergebnis der Wohnungszählung.

Nach langwierigen Arbeiten werden jetzt vom Statistischen Reichsamt die Ergebnisse der Reichswohnungszählung vom 16. Mai 1927 bekanntgegeben. Sie ergeben interessante'-Auf- schlüsse über die Wohnverhältnisse unserer Bevölkerung. In die Zühlung sind sämtliche Gemeinden mit über 5000 Ein­wohnern und eine große Anzahl kleinerer, insgesamt 8052 Gemeinden mit 42,8 Millionen Einwohnern oder 68,6 Prozent der gesamten Reichsbcvölkerung einbezogen worden. Be­sonderes Augenmerk wurde dabei darauf gerichtet, die i n einer Wohnung zusammen lebenden Haushaltungen und Familien, vorerst wenigstens im ganzen, zu ersassen, um An­haltspunkte für die Beurteilung des Bedarfs an Wohnungen zu gewinnen. Zu diesem Zwecke churden alle Haushaltungen

platte im Sinne der bereits auf der Junitagung des Rats erörterten Danziger Anträge. Da hierbei die grundsätz­liche Frage aufgeworfen wird, ob eine frühere Ent­scheidung des Rates aufgehoben werden soll, und zwar diejenige vom 1'4. März 1927, so wurde beschlossen, zunächst ein Komitee einzusctzen, zu dem jedes Ratsmitglied einen Juristen entsenden kann. Der sachliche Teil des Danziger Antrages wird dann im Falle einer Klärung dieser Grund­frage in bejahendem Sinne anschließend zur Behandlung kommen.

Die nächste Sitzung ist auf Freitag angesetzt und wird gleichfalls zunächst nicht öffentlich fein. Die werte ce Tagung wird vor allem der Prüfung der seit der <;unr- session des Rates vom Völkerbund geleisteten Arbeit ge­widmet sein. Der Rat wird zu entscheiden haben, welche Folgen den Beschlüssen verschiedener Völkerbundkom­missionen gegeben und inwieweit den Schlußfolgerungen internationaler Konferenzen entsprochen werden kann, die seit der letzten Zusammenkunft getagt haben. Er wird weiter beschließen müssen über die Form, welche der Wirtschaftsorganisation des Völkerbun- des gegeben werden soll. Daneben wird sich der Rat be­schäftigen mit einer Anzahl Begehren, die ihm von Regierungen von Mitgliedstaaten vorgelegt wurden, so insbesondere mit dem Begehren der griechischen Regierung nach einer amtlichen Interpretation der Artikel 190 und 192 des Versailler Vertrages betreffend das Verbot, nach welchem Deutschland keine Kriegsschiffe und kein Material für Kriegsmarinen bauen und aus­führen darf.

' Während das Tiefdruckgebiet im Raume zwischen Grönland und Irland sich weiter verflacht, dringt von der Mitte des Ozeans her der hohe Luftdruck ostwärts vor. In der Tiefdruckrinne, die über dem Osten, der Ver­einigten Staaten liegt, hat sich ein Teiltief entwickelt, das in weiterer Ausbildung begriffen ist. Auf seiner Rückseite

wehen

stürmische nördliche Winde.

Am Nordabhang des mittelatlantischen Hochs ist allent­halben eine westliche Luftströmung erkennbar, die 30 bis 40 Kilometer Stundengeschwindigkeit erreicht. Infolge­dessen ist für einen Flug von Europa nach Nordamerika noch immer kräftiger Gegenwind auf der, ganzen Strecke vorhanden, das Wetter also noch nicht günstig.

Gtartbereitschast in Dessau und Le Bourget.

DieBremen" steht weiterhin startbereit in Dessau, die Verschlechterung der Wetterlage hat aber bisher die Piloten abgehalten, die Ozeanreise zu beginnen. In Le Bourget haben die beiden Piloten desTango- Vogels", Tarascon und Laulhö, Funkapparate an ihrem Flugzeug anbringen lassen. Die Piloten desBlauen Vogels", Givon und Corgu, haben die Behälter ihres Flugzeuges mit Betriebsstoff füllen lassen. In Villa- coublay hat der Flieger C o st e s sein Flugzeug noch ein­mal überprüfen lassen. *

Auf dem Bromberger Flugplatz ist während eines Probefluges ein polnisches Militärflugzeug aus etwa dreißig Meter Höhe abgestürzt. Der Pilot ist leicht, der Mechaniker schwer verletzt.

In O r l Y (Frankreich) hat sich ein neues Flugzeug­unglück ereignet. Der Kommandant der dortigen Militär­fliegerabteilung, ein Leutnant, stürzte bei einem Übungs- flug aus hundert Metern tödlich ab.

und Familien ohne selbständige Wohnung besonders ausge­zählt. Als Haushaltungen ohne selbständige Wohnung gelten alle diejenigen, die zwar eine eigene Hauswirtschaft führen, aber mit einer anderen Haushaltung zusammen eine gemein­same Wohnung bewohnen. Die Zahl dieser sogenanntenzwei­ten und weiteren Haushaltungen" beträgt in den Gemeinden mit über 5000 Einwohnern rund 591000 oder 6,4 Prozent sämt­licher Haushaltungen. Am stärksten tritt diese Erscheinung in den Großstädten hervor, die erheblich mehr Haushaltungen ohne selbständige Wohnung ausweisen als die an Einwohner­zahl ungefähr gleich starke Gruppe der Klein- und Mittelstädte.

Dazu kommen noch diejenigen Fälle des Zusammen- Wohnens, in welchen weder eigene Hauswirtschaft noch eigene Wohnung vorliegt, das sind beispielsweise Fälle, in denen ein junges Ehepaar zu den Eltern des einen Teiles gezogen ist und mit diesen zusammen einen gemeinsamen Haushalt führt. Die Zahl dieser sogenanntenweiteren Familien" ist zwar erheblich geringer, umfaßt aber immerhin in den Ge­meinden mit über 5000 Einwohnern rund 185 000 Fälle. Im Gegensatz zu denzweiten und weiteren Haushaltungen" ist der Anteil derweiteren Familien" in den Kleinstädten etwas höher als in den Großstädten. Insgesamt sind in den Ge­meinden mit über 5000 Einwohnern, d. h. für mehr als die Hälfte der Reichsbevölkerung, auf je 100 Wohnungen 8,9 Haus­haltungen und Familien ohne selbständige Wohnung festgestellt worden.

In den Gemeinden mit unter 5000 Einwoh -