Hersfel-erTageblatt
Hersfelöer Kreisblatt
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mit ben Beilagen: Helmatschollen / Illustriertes AnterhaltungSblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Alterhaltung und Wissen
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___________________________Belehrung und Kurzweil / Wirtsch iftriche Tagesfragen.
Nr. 207 Montag, den 5. September 1927 77. Jahrgang
Belgien will keine Klarheit.
Der Rücktritt des belgischen Kabinetts von dem kürzlich gefaßten Plan, mit Deutschland gemeinsam eine Untersuchung über den belgischen Franktireurkrieg 1914 zu veranstalten, hat überall verblüffend gewirkt. Die Angelegenheit wird wahrscheinlich in Gens zur Sprache kommen.
Der belgi
den von
belgische Ministerrat erklärte sich plötzlich gegen . belgischer Seite selbst gemachten Vorschlag, den deutsch-belgischen Streitfall über die Vorgänge des Franktireurkrieges in Belgien durch einen unparteiischen Ausschuß entscheiden zu lassen. Es ist klar,
daß dieser Rücktritt von einem eigenen Entschluß nicht nur in der deutschen Presse das größte Aufsehen erregen mußte. Das Befremden darüber spricht ja auch aus den Äußerungen Dr. S t r e s e m a n n s, die er sofort in Genf nach Bekanntwerden der Tatfache deutschen Presse-
Vertretern gegenüber getan hat.
Mit Erstaunen vernahm man aber auch in Deutschland die Begründung, mit der man die sicherlich auch der belgischen Regierung unangenehme Geschichte zu bemänteln suchte. Die Furcht, daß durch das Bekanntwerden oder Erörtern vieler Einzelheiten der damaligen Vorkommnisse die Leidenschaften im deutschen und im belgischen Volke erneut aufgewühlt werden könnten, ist zwar unbegründet. Man kann es eher verstehen, wenn eine Regierung, um die Annäherung zu fördern, etwas unterläßt, was sie sonst für nützlich hält. Scharf zurück- zuweisen ist der Versuch, Deutschland die Schuld an dem Scheitern der Verhandlungen zuschieben zu wollen. Es ist erfreulich, daß der Reichsaußenminister selbst mit filler Deutlichkeit klipp und klar unterstrich, daß die An- regung von Belgien ausging und Deutschland niemals, wie man es ihm jetzt von belgischer Seite unterstellen will, verlangte, daß dabei auch noch andere Gegenstände und die Streitfälle mit anderen Mächten in die Untersuchung einbezogen werden sollten.
Der Grund der Ablehnung ist wohl eher im schlechten Gewissen zu suchen. In einer Art von Gerechtigkeitsauswallung hat man sich seinerzeit hinreißen lassen, an bei Aufdeckung der Wahrheit mithelfen zu wollen. Später kamen dann allerlei Bedenken. Erstaunlich dabei ist nur, jmwwwtfinwe seit der Kabinettsmitglieder. Vandervelde war persönlich von Genf nach Brüssel zurückbeordert worden, muß also auch für Zurücknahme des früheren Beschlusses gestimmt haben. Von Vandervelde war die Idee ausgegangen, die ganz im Rahmen seiner bisherigen Politik lag. Es müssen sich besondere Einflüsse geltend gemacht haben, wenn in letzter Stunde auch er umfiel.
Man braucht nur einen Blick in die französische Presse der letzten Zeit zu tun, um den wahren Urheber zu finden. Es sind die chauvinistischen Kreise Frankreichs, die ihren ganzen Einfluß aufboten und sofort beim ersten Auftauchen dieser Idee Front dagegen machten. Der erste Schritt zur Erforschung der Wahrheit hätte unzwLifelhäst weitere nach sich gezogen und das ganze durch den Versailler Vertrag geschaffene Lügen- Werk von der Alleinschuld Deutschlands ins Wanken gebracht. Das mußte auf alle Fglle verhütet werden. Daß Belgien den Winken Frankreichs gehorchen würde, bewiesen schon die Reden bei der Denkmalsenthullung in Dinant, die im direkten Gegensatz zu der Tatsache standen, daß man sich einige Tage vorher mit der Einsetzung des Untersuchungsausschusses einverstanden erklärte, um nachzuprüfen, ob die in den Reden gegen Deutschland erneut geschleuderten Beschuldigungen auch wirklich berechtigt sind. , ,
Die französische Auffassung hat lieber einmal gesiegt. Das dürfte jedoch nür ein zweifelhafter Sieg sein. Der Welt müssen endlich die Augen darüber aufgehen, wer der Störenfr ed in Europa ist. Das ständige Ausweichen vor jeder Möglichkeit zur Erforschung der Wahrheit muß endlich so wirken, daß man in dem Widerstrebenden den Schuldigen sieht. Der jetzige so beschämenswerte Besch uß der belgischen Regierung wird auch in Weser Beziehung sein Gutes haben. Schon als seinerzeit m Belgien Strm- mung dafür war, E u P e N und M a l m e d y ^ellkschland zurückzugeb?n, um endlich die Beziehungen zu Deutschland wieder freundlicher zu gestalten, da war es Pomcarö, der
Die Friedensverträge gehen selbst die Möglichkeit, in ihnen enthaltene Bestimmungen umzustoßen, wemr sich die Voraussetzungen dafür als falsch herausstellen. Diesen Paragraphen läßt Frankreich nicht gelten, lvahrend es an allen anderen für Deutschland ungünstigen Bestimmungen unentwegt festhält. Vandervelde will in ®cnf wabere läuterungen geben. Hoffentlich gibt dabei Dr. Strese- mann ihm und auch Herrn Briand deutlich zu verstehen, wiewenig es sich mit dem Locarnogerste vertragt, wenn man der Wahrheit auf ihrem Marsche ständig Steine in den Weg wirft. ,.
Erklärungen Stresemanns in Genf.
In der von der belgischen Regierung nach dem Minister- beschlussce zur Ablehnung der Untersuchung herausgegebE Veröffentlichung heißt es, der Mimsterrat habe dw Vorschläge Deutschlands nicht annehmen können, da eine Untersuchung über den Franktireurkrieg wahrscheinlich die beldenschaften stark auswühlen würde. Dazu bemerkt der in Gens weilende
über den
stark auftoül Reichsaußenministet: ...... „ .
„Ich bin von der Veröffentlichung aus das äußerste be-
Ministerbesprechungen in Genf
Dr. Stresemanns
Genfer Besprechungen.
Polen wünscht einen Nichtangriffspakt.
Die öffentliche Sitzung des Völkerbundrates am Sonnabend war nur von kurzer Dauer. Chamberlain legte einen Bericht über die Durchführung der griechisch-bulgarischen Flüchtlingsfürsorge vor. In dem Bericht wird darauf aufmerksam gemacht, daß ohne das Eingreifen des Völkerbundes in der Angelegenheit der griechisch-bulgarischen Flüchtlingsfürsorge der Friede Europas bedroht worden wäre. Der Bericht des italienischen Senators Scialoja über den Weltnothilfekongreß wurde ohne Debatte angenommen. Die Konvention soll der Vollversammlung vorgelegt werden. Sodann nahm der Rat, wie bereits gemeldet, den Vorschlag des chilenischen Delegierten für die Aufhebung der Flugzeugbaubeschränkung in Danzig an.
Wichtiger als diese offiziellen Sitzungen sind auch in dieser Tagung wieder die privaten Begegnungen der Staatsmänner. So hatte Reichsaußenminister Dr. Strese- mann eine längere Unterredung mit dem englischen Außenminister Sir Auften Chamberlain, die das ganze Gebiet der schwebenden politischen Fragen behandelte. Verschiedene Besprechungen zwischen den Vertretern der Locarnomächte dürften sich anschlietzen. Vor allem ist man auf die Unterredung Stresemanns mit B r i a n d gespannt, der in Genf jetzt eingetroffen ist und bereits an der Sonnabendsitzung teilgenommen hat. Er soll noch ziemlich leidend aussehen.
In Genfer Kreisen erregt eine Meldung des „Petit Parisien" Aufsehen, wonach Polen die Einbringung eines Vorschlages vor der Völkerhundversammlung beabsichtigt, einen allgemeinen Nichtangriffspakt zu schließen. Nach Erkundigungen in den verschiedenen interessierten Genfer Lagern erscheint die Feststellung angebracht, daß eine Vorfüblung über einen solchen PyL^., ^H^^MW-ftsttgefundsn hat. Trotzdem nimmt man hier an, daß Polen mit einem solchen Vorschlag hervortreten unb damit eine Gesamtaktion des Völkerbun
fremdet. Der wirkliche Sachverhalt ist vor kurzer Zeit, nämlich am 19. August, in einer mit der belgischen Regierung vereinbarten Veröffentlichung gleichzeitig in Brüssel und Berlin bekanntgegeben worden. Daraus geht klar hervor, daß die belgische Regierung die Initiative ergriffen hat, indem sie in einer amtlichen Note die Aufmerksamkeit der deutschen Regierung darauf lenkte, daß die belgische Regierung mit einer unparteiischen Untersuchung der deutsch-belgischen Streitfrage einverstanden ses. Die deutsche Regierung hat dieses Angebot selbstverständlich angenommen, ohne daß sie ihrerseits irgendwelche neuen Anträge oder Anregungen auf diesem Gebiete an die belgische Regierung gestellt hätte. Es ist deshalb unverständlich, daß in der neuen belgischen Bekanntmachung von einer deutscherseits angestrebtenAusdehnung auf andere von der belgischen Regierung ins Auge gefaßte Fragen gesprochen und daß der deutschen Regierung dabei die Forderung der An- Wendung eines gleichen Verfahrens gegenüber anderen Mächten unterstellt wird. Ich kann diese Behauptung nur auf eine Verkennung des wahren Sachverhafts seitens des belgischen Kabinetts zurückführen."
Hindenburg bei -er Kloiie.
Befichtigungsfahrtvon Swinemünde aus.
Wegen des Ausfalls der Rügen-Manöver findet die Besichtigung der Flotte durch den Reichspräsidenten von Hindenburg am 14. September nicht von Saßnitz, sondern von Swinemünde aus statt. Der Begleitdampfer „Roland" für die Gäste der Marineleitung liegt am 14. September von 8.30 Uhr ab in Swinemünde zum Auslaufen bereit.
Ausführung des Flaggenerlaffes.
Jetzt werden die Ausführungsbestimmungen zu dem Erlaß des Reichswehrministers über die Verwendung bei schwarz-rot-goldenen Flagge an Gebäuden der Reichswehr bekannt. Die Heeresausrüstungsämter sollen bis zum 10. September ihren Flaggenbedars den Wehrkreisverwaltungen anmelden. Diese haben ihre Ausstellung bis 15. September dem Marinearsenal in Kiel zu übersenden, das für die Ausrüstung und für den weiteren Bedarf zu sorgen hat. Die Abmessungen ber Nationalflaggen müssen denen der gleichzeitig aus den einzelnen Dienstgebäuden gesetzten Reichsslaggen gleich sein. Im übrigen wird aus beschleunigte Durchführung der Anschaffung gedrungen. ____________
Schluß des grantfurter ZudufirielagtS.
Nächster Versammlungsort Breslau.
Am zweiten Tage der Verhandlungen waren als Gäste erschienen u. a. der Preußische Handelsminister Dr. Schreiber, Reichskanzler a D. Dr. L u t h e r und der bayerische Munster- vräsident Dr H e l d. Der öffentlichen Sitzung ging eine geschlossene Geschäftsberatung voraus. Von den angenommenen Satzungsänderungen ist bemerkenswert, daß der Verband in Zukunft seine Mitgliederversammlung nur alle zwei Iah rc einberufen wird, um zu „der durch die Verhältnisse gebotenen Einschräi
botenen Einschränkung industrieller Veranstaltungen und der damit verbundenen Kosten beizutragem Die nächste Tagung in Breslan stattfinden. — Die öffentliche Tagung wurde durch Gebeimrai Dr. Duisbera eröffnet. Dann erhielt
des herbeizuführen suchen wird, die in einer gewissen Analogie zu den Bemühungen über das Genfer Protokoll stehen würde. Die Großmächte werden einer improvisierten Aktion von solcher Tragweite allerdings schwerlich ohne weiteres Folge geben können. Deutscherseits wird man vor genauer Kenntnis von Form und Inhalt eines derartigen Vorschlages keine Stellung nehmen können, da mit dem Vorschlag eines allgemeinen Nichtangriffspaktes sehr viel oder sehr wenig gesagt sein kann, je nachdem wie der Gedanke formuliert wird.
Der Reichsaußenminister bei Sriand.
DerJnhaltderUnterredung.
Das Hauptereignis des Genfer Wochenendes war der Besuch Dr. Stresemanns bei Briand. Die Besprechung dauerte etwa 1% Stunden, während der alle schwebenden politischen Fragen erörtert wurden. Zu Beginn dieser Woche soll eine Unterhaltung zwischen Chamberlam, Stresemann und Briand erfolgen.
Während von offiziöser Seite strengstes Stillschweigen über die Besprechung Stresemann-Briand beachtet wird, sickert aus privaten Quellen manches aus dem Inhalt der Unterredung durch. So sollen beide Minister den günstigen Eindruck der deutsch-französische» W i r t s ch a f t s v e r- ständigung besprochen und ihren Willen bekundet haben, die Politik von Locarno fortzusetzen. Selbstverständlich ist in diesem Zusammenhang nicht nur von der bewilligten Truppenreduzierung im Rheinlande gesprochen, sondern auch das Problem der G e s a m t r a u - m u n g zur Sprache gebracht worden. Dr. Stresemann soll auch mit Nachdruck darauf hingewiesen haben, daß die deutsche Delegation Wert darauf lege, die A b r u st u n g s - d e b a t t e in Genf unbedingt entwickelt zu sehen. Er hat dabei auch wohl Briand Mitteilung gemacht, in welcher Art er selbst in der Abrüstungsdebatte zu Worte kommen
Am Montag'tritt öle "VotterbundvcrMnnM zu ihrer erste« öffentlichen Sitzung während der jetzigen Tagung zusammen.
Direktor Hans Krämer das Wort zu seinem Vortrag über den
Wettbewerb der Völker um die Qualitätsarbeit.
Krämer führte u. n. aus: Die zu beantwortende Frage ist, ob der Preis wirklich den einzigen Maßstab dafür bildet ob eine Ware billig ist, ob nicht vielmehr eine nicht so billige Ware in Wahrheit preiswerter ist. Für den Weltmarkt erschwert sich diese Frage noch durch die sinnlos hohe Zollpolitik. Nur Qualitätsarbeit vermag auf die Dauer hohe Zölle zu ertragen, weil sie durch die Zollsätze verhältnismäßig weniger belastet wird als Schund. Siegt der Qualitätsgedanke aus dem Weltmarkt, dann wird die Qualitätsproduktion ebenso zur Massenproduktion werden können wie die der billigen Stapelware
Geheimrat Bücher sprach über „Dir volkswirtschaftliche Einheit von Wissenschaft, Arbeiterschaft und Unternehmertum im Produktionsprozeß". Er betonte: Der Zweck der Wirtschaft ist die Deckung des Lebensbedarss der gesamten Bevölkerung, ihr Ziel die Erhöhung des Lebensstandards aller Volksgenossen. Dies kann nur erreicht werden durch eine ständige Verbilligung der Waren ohne Verminderung ihrer Qualität.
Zum Schluß des Eröffnungstages hatte noch gesprochen G. Müller-Orlingshausen über das Thema „Deutschland auf den Weltmärkten". Er zeichnete die Schwierigkeiten und die Ausgaben, die insbesondere dem Wiederaufbau der deutschen Außenhandelsorganisation erwachsen sind.
Den Abschluß der Tagung begleitete Geheimrat Dr. D u ! s b e r g mit einer Ansprache, in der er aus die Verpflichtung hinwies, die Folgerungen aus den sehr lehrreichen Verträgen zu ziehen und neben der Herstellung guter und billiger Massenartikel die Herstellung alter und neuer Qualitätsartikel zu fördern und zu steigern.
Schweres Eisenbahnunglück im Tunnel.
Ein Toter, 15 Verletzte.
Ein schweres Eisenbahnunglück ereignete sich auf der Eisenbahnstrecke Buchholz—Soltau beim Kilometerstein 131. Der fahrplanmäßige Personenzug 565 e n t g l e i st e infolge einer Gletsverwersung im T u n n e l der Strecke Buchholz—Bremervörde. Die Lokomotive legte sich auf die linke Seite, die beiden nachfolgenden Personenwagen 3. und 4. Klasse wurden auseinandergeschoben, nn= nefä6r einen halben Meter in die Höhe gehoben und gegen das Mauerwerk des Tunnels gedrückt, wodurch schweres Unheil für die nachfolgenden Wagen verhütet wurde. Leider fiel dem Unglück ein Menschenleben zum Opfer, und zwar in der Person des Hamburger Kaufmanns Kayser. Fünf Personen wurden schwer, zehn leichter verletzt.
Ärztliche Hilfe war sofort zur Stelle, da sich in dem verunglückten Zuge zwei Ärzte aus Buchholz, und em weiterer Arzt befand. Aus Harburg waren innerhalb 20 Minuten zwei Hilfszüge zur Stelle mit Ärzten und Hilfspersonal, so daß den Verunglückten an Ort und Stelle Hilfe zuteil werden konnte. Auch die Harburger Feuerwehr war zur Hilfeleistung angerückt. Die fünf Schwer- Verletzten wurden mit einem Hilfszug nach Harburg transportiert und in das dortige Krankenhaus gebracht, die Leichtverletzten erhielten Notverbände. Der Verkehr wird durch Umsteigen aufrechterhalten.