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Hersfelöer Tageblatt

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Anzeigenpreis: Die einspaltige Petitzeile 15 Pfennig, die Reklamezeile 50 Pfennig. (GrunSschrist Korpus). Bei Wieöerholungen wird ein entsprechender Preis- Nachlaß gewährt. Kür die Schristleitung verant- «oMch: Kranz Kunk in Hersfelö. Kernsprecher Nr. 8

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger Dr den Kreis Hersfelö

Reichs-Mark, aus, 1.00 Reichs-Mark

^ersfelö

0.80 Reichs-Mark Druck und Verlag von Ludwig Zunks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des VVZV.

mit Se« Beilagen: Hermalschollen / Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herb und Scholle / Unterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.

Nr. 264

Donnerstag, den 10. November 1927

77. Jahrgang

Bündnisvertrag Belgrad-Paris

Die französisch-jugoslawische Freundschast.

Das verstimmte Italien.

In Paris wird in diesen Tagen ein wichtiger poli­tischer Akt vollzogen werden, nämlich die Unterzeichnung eines Bündnisvertrages zwischen Frankreich und Jugo­slawien. Der jugoslawische Außenminister Marinkowitsch hat sich bereits nach Paris begeben, nachdem er vorher vom jugoslawischen König in Audienz empfangen wor­den ist. Nach dem Empfang gab der Außenminister Pressevertretern gegenüber über den Vertrag eine dahin­gehende Erklärung ab, daß dieses Abkommen einen Zu­stand festlegen soll, der bereits während des Welt­krieges geschaffen worden ist. Frankreich und Süd- slawien hätten sich auch ohne schriftlichen Vertrag immer als Verbündete betrachtet. Damit die ganze Welt und auch das südslawische Volk wisse, woran man sei, wolle man jetzt das tatsächliche Verbündetenver­hältnis auch rechtlich feststellen.

Der Vertrag wird, wie ein Belgrader Blatt milzu- teilen weiß, neun Punkte umfassen. Beide Staaten ver­pflichten sich danach, sich gegenseitig nicht zu überfallen, keine Invasion auszuführen und sich aus keinen Fall gegenseitig zu bekriegen. Eine Ausnahme machen die Aktionen des Völkerbundes und gewaltsame Verletzung des Freundschaftspaktes seitens eines Vertragsteil­nehmers. Beide Staaten verpflichten sich, alle Streit­fragen friedlich aus diplomatischem oder dem Schieds- gerichlsweg zu lösen. Falls eine Vertragsseite von dritter Seite überfallen wird, werden sich beide Staaten unver­züglich über eine Aktion verständigen, die beide Staaten innerhalb des Bereiches des Völkerbundpaktes zur Ver­teidigung ihrer legitimen Interessen und der Friedens- vMxüge.W.uykerpÄlWW-HWW. .^dX Staate« werden sich ferner verständigen, falls eine Änderung oder der Versuch einer Änderung des heutigen europäischen Zu­standes beabsichtigt ist, und überhaupt Gedankenaustausch in allen europäischen Fragen pflegen und sich gegenseitig Mitteilungen über Abkommen mit dritten Staaten machen. Es heißt dann weiter, der Pakt, der keine Rechte des Völkerbundes verletze und dem europäischen Frieden diene, werde vom Völkerbund registriert und sei zu ratifizieren.

In der Öffentlichkeit Frankreichs und Jugoslawiens beurteilt man den Abschluß des Vertrages wohlwollend. Vor allem wird darauf hingewiesen, daß der Vertrag keinerlei aggressive Absichten gegen irgend jemanden habe. Dagegen ist man in der Presse Italiens, gegen das ja insbesondere die Abmachungen zwischen Belgrad und Paris zu gehen scheinen, aufs schwerste über beide Länder entrüstet. Worte wieHeuchelei, Störenfried" erscheinen in bezug auf die vertragschließenden Länder in den Spalten der italienischen Zeitungen und man ist be­sonders auf Frankreich böse, das mit diesem Bündnis­vertrag Italiens Bestrebungen nach der Vorherrschaft auf dem Balkan entgegentritt. Wie gereizt die italienische Presse ist, mögen folgende Ausführungen des in Rom erscheinenden BlattesLavoro d'Jtalia" beweisen. Das Blatt schreibt:

Frankreich stachelt Jugoslawien gegen Italien auf, und der jugoslawische Minister des Äußern wird ver­suchen, mit diesem Vertrag die Opposition glauben zu machen, daß Jugoslawien nicht isoliert sei. Aber Jugo­slawien gibt sich Illusionen hin; denn alle seine Ver­suche, gegen Italien Stimmung zu machen in Tirana, Budapest, Sofia und Athen, sind mißlungen, weil diese Mächte eingesehen haben, daß Jugoslawien einen anti- italienischen Block gründen will. Der Weg zum Gleich­gewicht auf dem Balkan wie an der Donau geht aber und wird immer über Rom gehen. Wer diese Realität, die aus dem italienischen Siege und dem Untergang der Habsburgischen Monarchie folgt, ignorieren will, wird nur Enttäuschungen erleben.Tribuna", die das

Genfer Handelsabkommen unterzeichnet.

Schluß der Handelskonferenz.

Dienstag hielt die Diplomatische Handelskonferenz ihre letzte Sitzung ab und wurde dann geschlossen. In dieser Sitzung fand die Unterzeichnung des geschlossenen Übereinkommens statt. Es unterzeichneten allerdings nur 18 Staaten, obwohl 35 vertreten waren. Ihre Unter­schrift leisteten Deutschland, Österreich, Belgien, Großbritannien, Bulgarien, Dänemark, Ägypten, Finn­land, Frankreich, Ungarn, Italien, Japan, Luxemburg, Holland, Rumänien, Siam, die Schweiz und die Tschecho­slowakei. Die übrigen 17 unterzeichneten nicht. Von den 55 Völkerbundstaaten waren 32 (dazu drei Nichtmitglieder) vertreten und 17 (dazu das Richtmitglied Ägypten) haben unterschrieben. 15 anwesende Völkerbundmitglieder unter­schrieben nicht und 23 Völkerbundstaaten waren nicht er­schienen. Rußland hatte das Erscheinen abgelehnt, Spa­nien war nicht anwesend, Jugoslawien und Polen unter­

gleiche Thema bespricht, gibt der Hoffnung Ausdruck, daß Frankreich sich seiner Verantwortung als Großmacht be­wußt bleiben und daß der gesunde Menschenverstand in Jugoslawien die Oberhand behalten werde.

Feindliche Schwestern.

Sie lieben sich wirklich nicht mehr, die beidenlatei­nischen Schwestern", die sich doch schon vor dem Weltkrieg gefunden hatten, um gemeinsam auf Beute auszu - gehen. Die Schwestern konnte man auch nach dem Kriege auf manch' feierlichem Plakat sehen, das Italien und Frankreich Arm in Arm geeint darstellte. Damit ist's vorbei, seit Mussolini eine nur auf italienische Jnteressen- wahrnehmung gerichtete Politik treibt. Im westlichen Mittelmeer wollte man sich die französische Hegemonie nicht gefallen lassen und im östlichen schielte man nach Kleinasiens Küsten. Und nun kommt die Kunde, daß zwischen Frankreich und Jugoslawien ein über­aus enges Bündnis geschlossen wird, dazu noch in betont feierlicher Form. Mit militärischen Klauseln und Schiedsgerichtsbestimmungen. Also: so intim wie nur möglich. Und so überflüssig wie möglich, da man ja auch schon vorher ein Herz und eine Seele war. Aber die römische Zeitung, die das meldete, wurde, obwohl sie amtliches Organ ist, sofortbeschlagnahmt" dieses Bündnis sei ein ganz regelrechtes und ausschließlich gegengewisse Dritte" gerichtet. Also: gegen Italien, darüber gibt man sich in Rom keinerlei Illusionen hin.

Wenn man boshaft sein will, so kann man den betont­feierlichen Abschluß dieses Bündnisses als eine fran­zösische Antwort auf die Tangerdemon­stration betrachten, die Italien vor einer Woche ver- anstaltete. Mussolini bekommt außenpolitisch die Arme doch nicht frei; denn nun wird Jugoslawien, mit Frank­reich hinter sich, vor aöem iir bCTnri-trwit-H'^

diesemBrenn"punkt der Widerstreitenden Interessen, etwas lautere Töne riskieren können. Denn Italien sitzt ziemlich in der Zange; sein einzigerBundesgenosse" auf dem Balkan, nämlich Rumänien, ist aus Gründen innerer Zwistigkeiten zurzeit neutralisiert, Griechenland und die Tschechoslowakei aber unter französischem Einfluß eng mit­einander verbunden.

Das Ganze ist ein großer Erfolg Frank­reichs, das damit seinen Einfluß auf dem Balkan be­festigt, fast unerschütterlich gemacht hat. Es ist seltsam, daß England, das doch seit undenklicher Zeit gerade den Südosten Europas als wichtiges Interessengebiet be­trachtet hat, dort jetzt eigentlich völlig ausgeschaltet ist. Diplomatische Ungeschicklichkeiten wie das Schreiben Lord Rothermeres taten dabei den Rest. Natürlich wird man in Paris und in Belgrad jetzt liebliche Schalmeienlieder blasen, wie außerordentlich dieses neue Bündnis dazu beitrage, den Frieden Europas zu bewahren. Das tun sie ja immer und taten sie immer, wurden und werden als Friedensschützer so lange ausgegeben, bis der Krieg da ist. Es wäre vielleicht ein guter Witz, dieses Bündnis als einBalkan-Locarno" zu bezeichnen. Nur will die italienische Presse wissen, das französische Auswärtige Amt habe nach Rom eine scharfe Mahnung gerichtet: Die Geduld Frankreichs, das so lange Rücksicht auf die ge­spannten italienisch-jugoslawischen Beziehungen genom­men habe, sei an ihrem Ende angelangt und man hoffe, daß Italien nunmehr seine übertriebe­nen Forderungen im mittleren und im östlichen Mittel­meer herabsetze. Das klingt deutlicher und ist auch durch­aus nicht unwahrscheinlich.

Es geht also wieder einmal recht lebhaft zu im Ge­triebe der europäischen Außenpolitik; die Linien schneiden sich in bisweilen recht unerfreulicher Weise. Und bezeich­nend ist es, daß das Mittelmeer den Schnittpunkt dabei abgibt. Das ist auch eine Folge des Weltkrieges, der das Schwergewicht aus der Nordsee dorthin verschob, wo jetzt die Bündnisse und Gegenbündnisse aufeinanderstoßen oder nebeneinander hergehen.

schrieben nicht. Mehrere außereuropäische Rohstoffprodu­zenten fehlten oder unterschrieben nicht, wie Australien und Chile.

Mit dem Abkommen sollen die Anregungen der Weli- Wirtschaftskonferenz ihrer Verwirklichung nähergeführt werden. Die Unterzeichnung stellt den gemeinsamen Willen einer großen Anzahl von Staaten zur gemeinsamen Regelung von Fragen des internationalen Handels dar. Von deutscher Seite wird der Ausgang der Konferenz als du Erfolg bezeichnet.

Vor schwsren Enischsiölmgen."

Warnungen des Reichsministers a. D. Emminger.

Reichstagsabgeordneter Emminger, der frühere Reichsjustizminister, sprach in einer Versammlung der Bayerischen Volkspartei in Jmmenftadt über das Thema: Vor schweren Entscheidungen". Er führte aus, daß man mit vollen Segeln auf eine Regierungskrise zu- steuere. In den letzten Ausschußsitzungen des Reichs­tages habe man gesagt, es werde nichts helfen, der Reichstag werde in den nächsten Wochen oder Monaten aufgelöst werdey. Deutschland habe aber

allen Grund, nicht vorzeitig Wahlen heraufzubeschwören; denn das Jahr 1928 sei ein Weltwahljahr, in dem auch England und Frankreich ihre Parlamente und die Ver­einigten Staaten ihren Präsidenten wählten. Man solle zunächst den Ausgang dieser Wahlen abwarten und sich danach richten. Der Redner warnte davor, auf die Staatsvereinfachung allzu große finanzielle Er­wartungen zu setzen. Am allerwenigsten würde durch die Vereinheitlichung eingespart werden, im höchsten Falle jährlich eine halbe Million Mark. Trotzdem stehe die Ge­fahr des Einheitsstaates vor der Türe. Brächte der nächste Reichstag eine Linksregierung, so werde der Ein­heitsstaat in drei Jahren verfassungsmäßige Wirklich-

Die Wohnungszwangswirtschast.

Beratungen im Reichstagsausschuß für Wohnungswesen. ^

Reichsjustizminister Hergt hat im Reichstagsausschuß für Wohnungswesen nochmals die Stellungnahme der Regie­rung zur Behandlung der so überaus schwierigen Frage der Wohnungswirtschaft in Deutschland dargelegt. Nachdem er schon kürzlich darauf hingewiesen hatte, daß die Reichsregierung nicht daran denke, in absehbarer Zeit eine Erhöhung der Mieten vorzunehmen, ging er noch einmal auf die grundsätz­liche Seite der Zwangswirtschaft ein, zu der er als Auf­fassung der Regierung folgende Feststellungen machte:

Jede Zwangswirtschaft beeinträchtige das durch die Ver- faffung gewährleistete Eigentumsrecht und die ebenfalls garan­tierte Vertragsfreiheit. Sie lähme die Privatinitiative, rufe Unsicherheit und Verärgerung hervor und wirke nachteilig aus die gesamte Volkswirtschaft ein. Mißlich sei ferner der mit jeder Zwangswirtschaft verbundene große Verwaltungsapparat sowie die nicht zu leugnende Versuchung einer mißbräuchlichen Benutzung solcher Einrichtungen. Als

besonders nachteilige Folgen

seien zu bezeichnen: die Unlust des Privatkapitals, Geld für Bauzwecke herzugeben, die dadurch stockende Neubautätigkeit, die Nachteile für die mit der Bautätigkeit in Verbindung stehenden Handwerksbetriebe, die Diskreditierung des Ver- mietergewerbes und dergleichen. Allerdings sei die Zeit für eine völlige Aufhebung der Wohnungszwangswirtschaft noch .nicht gekommen. Immerhin müsse dem Ziele _____ -

der freien Wirtschaft schrittweise zugestrebt werden. Durch die Wiedereinführung des Kündigungsbegriffs werde der Grundsatz des Privateigentums des Hausbesitzes wieder stärker und in programmatischer Form betont.

Segrenzung der Reparakionspflicht.

Englische Stimmen.

Der Wirtschaftssachverständige Sir Josiah Stamp, der seinerzeit dem Dawes-Ausschuß angehört hat, erklärte in einer Rede in Manchester:

Der Zeitpunkt rückt schnell heran, wo man darüber entscheiden muß, was man von Deutschland an Re­parationen sowie Zinsen verlangen will, die nur in Gütern gezahlt werden können. Amerika muß eine maß­gebende Rolle bei der Entscheidung spielen. Es ist un­möglich, unbegrenzte Zeit mit Teillösun­gen fortzufahren, wie dies gegenwärtig geschieht. Solche Methoden können eine Weile betrieben werden, müssen aber schließlich versagen. Diese Tatsache würde keine große Wichtigkeit haben, wenn nicht der schließliche Zusammenbruch auch politische Folgen haben würde.

Das BlattFinancial Times" unterstützt diese Be­merkungen in einem Leitartikel und sagt: Der Tag der Abrechnung kann aufgeschoben werden, aber, ob die Periode kurz oder lang ist, sie kann nicht endlos fort­dauern, wenn es überhaupt einen erfolgreichen Repara­tionsplan geben soll.

Die Wienreise des Reichskanzlers und des Reichs- autzenministers.

Berlin. Der Reichskanzler und der Reichsminister des Äußeren werden am 13. d. M. abends von Berlin abfahren und am 14. November in Wien eintreffen. Beide werden in der deutschen Gesandtschaft wohnen. Abends um 8 Uhr ist ein großer Empfang der österreichischen Regierung für die reichs- deutschen Herren vorgesehen, bei welcher Gelegenheit An­sprachen gehalten werden. Am 16. November wird der Reichs­kanzler sich nach München begeben. Der Reichsaußenminister dürfte bis zum 16. November in Wien bleiben und dann nach Berlin zurückkehren.

Wunderbare Aeliung beim

Die Insassen fallen rechtzeitig aus dem Wagen. i

Am Zirler Berg in dem Bayerischen Hochland hat sich ein seltsamer Autounfall zugetragen. Die Münchener Schau­spielerin Elisabeth Schlemmer führte ihren Wagen in raschem Tempo den steilen Berg hinunter. Sie verlor die Herrschaft über den Wagen, die Bremsen versagten und das Auto überschlug sich. Es fiel dabei zunächst auf einen Fahr­weg, wo die Insassen herausfielen und leicht verletzt liegen- blieben. Dann stürzte das Auto noch mehr als 1SV.Meter tief in eine Schlucht und wurde völlig zertrümmert. So können die Insassen noch von Glück sagen, daß sie recht­zeitig herausgefallen sind.

Ein schwerer Unfall ereignete sich ferner in H a m v u r g. Durch ein schweres Lastauto, das auf den Bürgersteig fuhr, wurde eine Frau, die vor einem Juwelierladen stand, durch das Schaufenster gedrückt und so schwerzverletzt, daß sie bald verstarb. Die Verkäuferin, die gerade die Auslagen ordnete, erlitt einen Nervenschock.

In Berlin-Tegel fuhr ein Kraftwagen gegen einen Stratzenbaum und riß dann noch einen Haltemast der Straßen-, bahn um. Dabei wurde der Wagen vollständig zertrümmert und sämtliche Insassen wmden schwer verletzt.