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HersfelüerTageblatt

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Hersfelöer Kretsblatt

Amtlicher Anzeiger für öen Kreis Hersfelö

ursnatllcher Bezugspreis: Durch die Post bezogen 1.50 Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgelü, für Yersselö 1.20 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer 1.00 Reichs-Mark. Druck und Verlag von Ludwig KunksBuchöruckerei in Hersfelö, Mitglied SesvDZV.

mit bell Beklage«: Illustriertes AalerhaltungSblatt / Nach Feierabend / AerK «uS Scholle / AuterhEltuna « Wissen Belehrung « Kurrwell / Wirtschaftliche Tsaesfraae«.

Rk. 5

Montag, den 7. Januar 1929

79. Jahrgang

Der Gaskrieg.

Gegen das immer größere Kaliber moderner Ka­nonen, gegen die immer stärkere Durchschlagskraft ihrer Geschosse fand der Weltkrieg mannigfachen Schutz: Unter­stände, Panzer, dünne Besetzung des zur Verteidigung ausgewählten Geländes. Gegen das Gas aber, wie es namentlich in den letzten Zeiten des Weltkrieges ver­wandt wurde, gab es praktisch keinen Schutz mehr. Und in den zehn Jahren nach dem Weltkrieg ist die chemische Entwicklung nicht zum Stillstand gekommen, auch nicht die Erfindung und Erzeugung neuer Giftgase, denen gegen­über die im Weltkrieg verwandten noch sozusagen harm­los waren.

Die Welt ist sich klar darüber, welch' furchtbare Waffe dieses Giftgas bedeutet, furchtbarer noch dadurch, weil es im Luftkrieg eine Verwendung finden kann, die die ge­samte Bevölkerung des angegriffenen Gebiets treffen könnte, und zwar mit fast blitzartiger Überraschung und mit einer Wirkung, die man sich verheerend und entsetzlich genug gar nicht vorstellen kann. Ein heute ausbrechender Krieg kann morgen die Bevölkerung ganzer Länderstriche, ganzer Großstädte und Industriegebiete restlos vernichtet haben mit Hilfe einer Luftflotte, die überraschend oder nach Niederkämpfung des gegnerischen Luftschutzes siegreich ein- dringt. Und wie gering die moderne, seit Kriegsende wohl sicherlich vermehrte, aber nicht vervollkommnete Wirkung des Luftschutzes ist, das haben die eng­lischen Manöverangriffe auf London klar bewiesen. Darum sind die großen Militärmächte eifrigst dabei, diese Waffe, gegen die es für die angegriffene Bevölkerung einen Schutz bisher nicht gibt, aufs energischste auszu- gestalten, stets auf modernstem Fuß zu halten. Daran wird sich auch kaum etwas ändern, wenn jetzt in Frankfurt am Main eine Tagung der Internationalen F r a u e n l i g a für Frieden und Freiheit die ganze Furchtbarkeit des Gaskrieges in und nach dem Weltkrieg breit zur Darstellung bringt. Wenn der eine Redner z. B. erwähnt. daß es heute etwa zwei Dutzend Giftgase gibt, die für kriegerische Zwecke verwendbar sind, so seißt. .ba&®M Jik Ä^Mi-i^sen^ Wicklung Mtf diesem Gebiete. Selbst das Hilfsmittel der Gasmaske wird hier unbrauchbar, weil jedes einzelne Giftgas eine besondere Patrone in der Gasmaske ver­langt, außerdem eine Reihe von diesen Gasen ihre töd­liche Wirkung nicht durch die Atmungsorgane, sondern durch Hautverbrennungen erzielen, wogegen nun wieder ein besonderer Schutzanzug nötig wäre. So ist n nicht bloß auf der Frankfurter Tagung absolu, 7 ar darüber, daß es für die Millionenmassen der Bevölkerung einen Schutz gegen den Gasangriff einer siegreichen Luft­flotte des Gegners nicht gibt. Den Bau von Unter­ständen für die Bevölkerung auch nur vorzuschlagen, ist phantastisch.

Nun ist ja durch den Völkerbund grundsätzlich die Ab­schaffung des Gaskrieges beschlossen worden nur haben von einigen dreißig Staaten dieses Abkommen bisher nur etwa acht, aber nur militärisch ganz unwichtige, ratifiziert. Die Vereinigten Staaten z. B., die ja gar nicht zum Völker­bund gehören, haben dieses Abkommen ebensowenig an­genommen wie England, Frankreich, Italien und Ruß­land.

Bei einer internationalen Überwachung der chemischen Industrie die sicherlich überhaupt nicht gebilligt werden würde käme auch nichts heraus, weil eine ganze Reihe der Giftgase bei der Erzeugung sonstiger chemischer Pro­dukte eine erhebliche, teilweise ganz unentbehrliche Rolle svielen. Also auch da ist praktisch nichts zu machen, zumal die großen Militärmächte sich diese Waffe gar nicht rauben lassen wollen. Die kleinen übrigens auch nicht und das ist, wie heute die Dinge auf Grund des Versailler Ver­trages nun einmal liegen, für Deutschland von eventuell katastrophaler Bedeutung, weil wir uns bisher nicht ein­mal gegen derartige Angriffe der Kleineren schützen können. Mit gleichen Mitteln uns zu wehren ist ja in jenem famosenFriedens"vertrag verboten und die deutsche Reichshauptstadt liegt nur eine kleine Flugstunde von der polnischen Grenze entfernt! Gerade Polen aber hat schon in Warschau regelrechte Übungen im Gaskrieg veranstaltet. Da sollten auch wir in Deutschland die Flinte nicht gleich ins Korn werfen, sondern ebenfalls ver­suchen, uns so weit wie irgend möglich und im Rahmen . der verfügbaren Mittel mit dem Gedanken eines Schutzes gegen Gasangriffe vertraut zu machen. Besonders des­wegen, weil die Hoffnung darauf, daß einmal der Gas­krieg nicht bloß theoretisch, sondern praktisch abgeschafft wird, etwa dieselben Erfüllungsaussichten hat wie der ganze Abrüstungsgedanke. ....

Ver-oiene Rhein-rücken.

Die ängstliche Botschafterkonferenz.

Der der Bayerischen Volkspartei angehörende Reichs- tagsabgeordneter Dr. Bayersdörfer erklärte in einer Ver- sammlung in Neustadt a. d. H., daß man jetzt nach Be- Leudigung sämtlicher Vorarbeiten für den Bau der drei I neuen Rheinbrücken auf ein unvermutetes Hindernis «stoße, insofern, als die Votschafterkonferenz ihre Zustim­mung zum Bau niemals geben werde. Der Redner be­tonte ausdrücklich, daß höchstenfalls die Verbreiterung der . jetzigen Rheinbrücke in Ludwigshafen durchgesetzt werden könne.

Diese Mitteilung hat in der Pfalz allergrößtes Be­fremden hervorgerufen. DiePfälzische Rundschau" in Ludwigshafen schreibt dazu: Wir hoffen trotzdem, baß

Emmng der Liihoerftiiiidlseii

Vor der ReparMonskonfermz.

Die englische, französische, italienische und belgische Regierung haben sich nunmehr endgültig dahin entschie­den, die Ernennung der jeweiligen Sachverständigen über Reparationsfragen zu einer Angelegenheit der Repa­rationskommission zu machen. Hierbei ist man sich dar­über einig, daß die Kommission nicht dazu herangezogen werden soll, irgendeine bindende Entscheidung hinsichtlich der künftigen Ergebnisse des Sachverständigenkomitees zu treffen.

Die Ernennungen sollen in den nächsten Tagen er­folgen. über die Art der Ernennung der amerika­nischen Sachverständigen wird gleichfalls als­bald entschieden werden, wenn der volle Bericht des britischen Botschafters in Washington über die Verhand­lungen wegen der amerikanischen Sachverständigen den Regierungen vorliegt. , Es hatte ursprünglich die Absicht bestanden, die Reparationskommission am 7. Januar zur Ernennung der Sachverständigen zusammenzuberufen. Wie derNew Nork Herald" meldet, haben Owen V o u n g und S m i t hs die Einladung zur Teilnahme an den Arbeiten des Sachverständigenausschusses angenom­men. Das Staatsdepartement habe dem britischen Bot­schafter mitgeteilt, daß Washington gegen beide Ernen­nungen nichts einzuwenden habe.

Roch nicht das letzte Wort gesprochen ist; denn ein ab­lehnender Bescheid würde die wirtschaftliche Erschließung der Pfalz a u f I a h r e z u r ü ck w e r f e n und der Pfalz zu den bisherigen Lasten durch die Besatzung neue Er­schwerungen hinzufügen. Es wird jetzt Sache der be­rufenen Vertreter der pfälzischen Bevölkeru"--- fein..m-^ »«v.» au^v^uu «mm S-eag&w-Ä ors Ver­kehrs und der pfälzischen Wirtschaft zu protestieren.

. Großfürst Nikolaus f.

Wie Havas aus Nizza berichtet, ist Großfürst Nikolaus Sonntag nacht im 73. Lebensjahre auf seiner Besitzung in Cap Antibes gestorben.

Der Name Nikolaus Nikolajewitsch dringt uns nicht lieb­lich und freundlich ins Ohr. Der Mann, der ihn trug, erschien uns zu Beginn des großen Krieges als die Verkörperung all dec Furchtbaren, das uns vom Osten her zu bedrohen schien. Mammutartig wälzten sich die russischen Heeresmassen über Deutschlands Ostgrenze ins Ostpreutzische hinein, um alles, was ihnen im Wege war, niederzutrampeln. Furcht und Grauen bezeichneten ihre Straße, und der sie führte, war der Großfürst Nikolaus Nikolajewitsch, der Generalissi­mus der russischen Armeen, von dem man sagte, daß er ein Feldherrngenie fei und daß er als starrer, unbeugsamer Vertreter des Allrussischen gegen deutsches Wesen außer dem durch den Krieg bedingtenoffiziellen" Haß noch einen Privat­haß habe. Aber sein Ruhm war durchaus von dieser Welt und, wie alles Irdische, vergänglich. Tannenberg und die Umkreisung der Russenheere an den Masurischen Seen und die Niederlagen in Galizien brachen dem Großfürsten das Genick. Sang- und klanglos verschwand er schon im zweiten Kriegsjahre im September 1915 war es vom großen Kriegsschauplatz, um denEhrenposten" eines Vizekönigs des Kaukasus' zu übernehmen. DieseOvation" war eine Kalt­stellung hohen Ranges. Der Großfürst soll dann noch bei der Abdankung oder Absetzung des Zaren Nikolaus II. eine ge­wisse und, wie es heißt, etwas zweifelhafte Rolle gespielt haben, aber Beglaubigtes hat man bis jetzt darüber nicht er­fahren. Auch das, was nach dem Kriege von seinen Herr- fchaftsgelüsten und seinen Thronansprüchen gesagt wurde, war zum großen Teil nicht mehr als Gerücht. Man weiß, daß bei diesen Aspirationen auf einen Thron, der bis auf weiteres nurin der Idee" existieren dürfte, sich mehrere Linien und mehrere Großfürsten in Zeitungsartikeln befehden, und die Partei, die den Großfürsten Nikolaus Nikolajewitsch auf den Zarenstuhl setzen wollte, soll sich eines nicht zu unterschätzen­den Anhanges erfreut haben. Nur ein bißchen zu alt für einen Kaiser mochte der Großfürst vielen erscheinen. Öfter genannt wurde sein Name auch in Verbindung mit denNo­vellen", die sich um die angebliche Zarentochter Anastasia spannen: Nikolaus tat diese Abenteurerin mit einer kühlen Handbewegung als Schwindlerin ab. Im übrigen füyrte er seit den Friedensschlüssen ein Leben in Stille und Zurückgezogenheit. Er trat nicht mehr in die große Welt hinaus und lebte bald an der französischen Riviera, bald in Paris, auch hier, in dem Weltstadttrubel, ein Einsamer, der er auch früher schon gewesen ist.

Als Sohn des Großfürsten Nikolaus Nikolajewitsch des Älteren wurde Nikolaus Nikolajewitsch am 18. November 18 5 6 in Petersburg geboren; seine Mutter war eine olden- burgische Prinzessin. Der Vater, der in Rußland wegen seiner vielen galanten Abenteuer berüchtigt war und wegen seiner Vermögensvergeudung für längere Zeit unter Kuratel gestellt werden mußte, war einer der Söhne des Zaren Nikolaus 1. und ein Bruder des Zaren Alexander n. Nikolaus Nikolajewitsch der Jüngere stand also zu Alexander III., dem Sohne Alexanders II., im Verwandt­schaftsverhältnis eines V e t t e rs. Die vielfach ausgestellte Behauptung, er sei der Oheim des ermordeten Zaren Niko­laus. n, der ein Sohn Alexanders III. war, gewesen, ist also

Deuischlanös wirischastliche Kraft.

Ein Mitarbeiter des PariserJournal" will dort mit einer hochstehenden amtlichen Persönlichkeit gesprochen und dabei die Erklärung bekommen haben, daß Deutsch­land durchaus entschlossen sei, nur ein solches Abkommen über die Reparationsregelung zu unterschreiben, dessen Ausführung ihm mit seiner wirtschaftlichen Kraft als ver­einbar erscheint. Falls der Abstand zwischen den Forde­

rungen der Alliierten und dem, was die Deutschen frei­willig anzunehmen bereit sind, zu groß sei, um freund schaftlich überbrückt zu werden, würde Deutschland feine Unterschrift verweigern.

Dann würde man zu dem durch den Dawes-Plan geschaffenen Zustand zurückkommen. Der Journalist be­stätigt auf Grund von durchaus ernsthaften Infor­mationen, daß die deutsche Regierung die dauernde Durchführung der vom Dawes-Plan vorgesehenen Liefe­rungen nicht als möglich ansehe und im gegen­wärtigen Augenblick es ablehnen werde, Verpflichtungen nachzukommen, die von ihr für undurchführbar gehalten würden.

freund- id feine

Die Entscheidung über die Personen der deutschen Sachverständigen ist noch nicht getroffen, neuerdings nennt man unter den Kandidaten neben dem Reichsbank- Prösidenten Dr. Schacht auch den Bankier M e l w i o r und den Industriellen V ö g e l e r , ferner das Prüsidial- mitglied der Deutschen Industrie, Geheimrat K a st l. *

unrichtig. Im Russisch-Türkischen Kriege, in dem sein Vater eine Zeitlang den Oberbefehl führte, um später gleichfalls abgesagt zu werden, wurde Nikolaus Nikolajewitsch der Jüngere Generalstabsoffizier. Das war nach Mt Schlachten am Schipkapaß und bei Plewua. Als Stonun nnbeur j> eg Leib- däs Militärische" aus. Da ihm eine Ehe mit einer Dame nicht fürstlichen Geblütes von Alexander III. untersagt worden war, hielt er sich vollständig fern vom höfischen Leben. Später heiratete er die geschiedene Fürstin Romanowskh. geborene Prinzessin Petrowitsch Njegosch von Montenegro. 1895 wurde der Großfürst Geneeraladjutant und Generalinspekteur der - --tchen Kavallerie mit außerordentlichen Befugnissen, und

selm n. machte ihn im August 1897 anläßlich eines Be- ^.nhes in Petersburg zum Chef des Magdeburgischen Husaren­regiments Nr. 10. Der Großfürst stieg bann auf der mili­tärischen Stufenleiter immer höher: er wurde Vorsitzender des Landesverteidigungsrates und organisierte als solcher den Krieg und wurde Oberkommandeur des Petersburger Militär­bezirks. Aber auchbürgerliche" Ehren wurden ihm zuteil: die Universität von Odessa machte ihn zum Ehrendoktor. Die ihn kannten, erzählen, daß er ein Mann von nicht geringer Bildung gewesen sei, und daß man sich in allen Lebenslagen aus ihn habe verlassen können: kein Talent, doch ein Charakter!

Eine Militärregierung in Belgrad.

General Zivkowitsch Premierminister.

Der Kommandeur der Belgrader Garnison, General Zivkowitsch, ist vom König zum neuen Ministerpräsidenten ernannt worden. Außer dem Vorsitz im Kabinett wird der General auch die Leitung des Kriegs- und Innen­ministeriums übernehmen. Außenminister soll der jugo­slawische Gesandte in Wien werden.

Zu dieser Lösung der Kabinettskrise scheint sich der König erst entschlossen zu haben, nachdem alle Versuche, ein neues Ministerium aus parlamentarischer Grundlage zu bilden, fehlgeschlagen waren. Über die Schwierigkeiten der Kabinettsbildung gibt eine offiziöse Auslassung Klar-

Heft, in der es heißt:

Nach der erfolgten Demission der Regierung konsultierte der König auf Vorschlag des Skupschtina- präsidenten die Vertreter aller parlamentarischen Par­teien. Das Ergebnis dieser Besprechungen zeigte, daß zwischen den parlamentarischen Parteien über

die Lösung der Regierungskrise ganz entgegen» gesetzte Auffassungen bestehen. Dieser Gegen­satz zeigte sich sogar in der Beurteilung der Frage der Staatseinrichtung. Deshalb besteht für eine parla­mentarische Erledigung der Regierungskrise keine Möglichkeit, die die volle Erhaltung der staatlichen : und nationalen Einheit garantieren kann."

Der König hat denn also schließlich zu einem anderen Ausweg gegriffen. Die Ernennung des Generals Ziv- kowitsch zum Ministerpräsidenten hat in parlamentarischen

Kreisen große Erregung verursacht.

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Zahlreiche Berhasiungen in Kabul.

Die Lage in Afghanistan.

Wie aus Kabul gemeldet wird, hat die politische Polizei in ganz Kabul zahlreiche Personen aus denjenigen Kreisen, die mit den Aufständischen in Verbindung ge­standen haben, verhaftet. Die letzten im Ausland ver­breiteten Berichte über die Siege König Aman Ullahs werden von afghanischen politischen Kreisen nicht be­stätigt. Die Lage bleibt bis auf weiteres ernst und die aufständischen Truppen sind nur noch .d Kilometer von Kabul entfernt. Die Aufständischen,die gut bewaffnet sind, gehen mit Unterstützung der Geistlich-