Einzelbild herunterladen
 

HersfelöerTageblatt

fengeigtnprti»; Bit tinfoatttgt Pstttzrll» 15 Pfennig, dir RtfiamntiU 50 Pfennig. (Grunäschrtst Korpus). Bei Wltöerholoagtn wird tin entspreckenöer Preis­nachlaß gewährt. Zür die Schriftleitung verant-

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher MKZeiger für den Kreis Hersfelft

Monatlicher Bezugspreis: durch die Post bezogen 1.50 Retchs-Mark, ausschließlich Vestellgelö, für tzrrsfrtö 1.20 RelLs-Mark bei freier Zustellung, für Rihohc 1.00 Reichs-Mark. druck and Verlag son Ludwig Zank« Buchöruckerei in tzerrfrl-, Mitglied des VVZV.

mit den Beilagen: AllustkierleS Anterhattangsdlatt / Nach Feieradsvö / SerS and Scholle / Aukrebattaug osv Wtssev Belehraag auS Kurrweil / W-MchaWckk Taaesfrageo.

Rr. 9

Ser Ruf nach Migerem Gelde.

Mit einem weinenden und einem lachenden Auge betrachtet man es, wenn die Reichsbank den Dis- k o n t s a tz ermäßigt. Es ist nämlich nicht bloß ein Zeichen dafür, daß Geld vorhanden ist, das Anlage sucht, daß also die Geldgeber dem wirtschaftlichen Grundsatz von An­gebot und Nachfrage entsprechend für ihr Geld hohe Zinsen nicht verlangen können, sondern auf der anderen Seite geht daraus hervor, daß der Geldbedarf der Wirt­schaft g e s u n k e n ist. Je höher aber der Beschäftigungs­grad der Wirtschaft ist, desto größer ist ihr Kapitalbedarf, desto schneller geht der Kreislauf des Geldes vor sich., In Zeiten wirtschaftlicher Hochkonjunktur reguliert die Reichs­bank durch Heraufsetzung des Diskonts diesen Geldumlauf, verhindert damit eine vorschnelle, vielleicht unrentable Verwendung des Kapitals durch Verteuerung des Zins­satzes aber wenn viel Geld überflüssig ist, also eifrig nach Anlage sucht und angeboten wird, dann ist dies ein Zeichen dafür, daß die Zeit jener wirtschaftlichen Hoch­konjunktur vorbei ist; daß ein Stocken des Absatzes und als baldige Folge auch der Erzeugung eingetreten ist.

Der bisherige hohe Diskontsatz der Reichsbank, der im Geldverkehr sozusagen als Norm gilt, hat nicht zuletzt auch sehr erhebliche Schattenseiten aufzuwNsen. Die ge­samte deutsche Wirtschaft seufzt unter ein^r zu schweren Zinslast, und zwar gilt das nicht etwa bloß für, die kurz­fristigen Kredite, sondern in noch höherem, weil folgen­schwererem Maße für die langfristigen, also für Hypo­theken, Obligationen, Pfandbriefe usw. Es ist eine Tat­sache, daß der Zinssatz für festverzinsliche Anlagen erst­klassiger Art unter 8 Prozent gar nicht mehr herunter- geht, also etwa doppelt so hoch ist als vor dem Kriege. Was das bedeutet, davon weiß wohl so ziemlich jeder Landwirt ebenso ein Lied zu singen wie alle Bauunter­nehmer, denen der Brotkorb der Hauszinssteuerhypotheken allzu hoch gehängt worden ist. Daß durch die Herabsetzung des Reichsbankdiskonts auch auf dem Gebiete des lang, triftigen Kredits ein Herunterdrücken des Zinssatzes herbeigeführt wird, ist nur dann wahrscheinlich, wenn das Angeoor vim-^w juk ü«. ich steigt. Aber damit ist angesichts der kreditpolitischen Not­lage der Landwirtschaft wohl ebensowenig zu rechnen wie bei den reichlich undurchsichtigen Verhältnissen auf dem Gebiet des Baumarktes und der Wohnungswirtschaft.

Natürlich würde die Heruntersetzung des Reichsbank­diskonts zur Folge haben, daß das in Deutschland arbeitende Auslandskapital kurzfristiger Art teils heraus­genommen wird, teils den bisherigen breiten Zustrom etwas eindämmt. Da aber infolge der sich abschwächenden Beschäftigung in der deutschen Wirtschaft auch der Geld­bedarf sinkt, ist die Verminderung des ausländischen Kapitalangebotes nicht einmal ein sehr erheblicher Nach­teil. Freilich ist die Kapitalneubildung in Deutschland selbst aus zahlreichen Gründen immer noch in leider engen Grenzen geblieben, und wenn man es auch als eine gewiß erfreuliche Tatsache bezeichnen kann, daß z. B. die deutschen Sparkasseneinlagen Ende 1928 die Höhe von sieben Milliarden erreicht haben, so ist das nicht bloß nur ein Drittel des Vorkriegsstandes, sondern, an der Geld­entwertung gemessen, sogar nur etwa ein Viertel jener Zahl. Ebenso ist ja das deutsche Anlagekapital im Aus­land. wo es vor dem Kriege bei der Gestaltung der Geld­verhältnisse aus dem Weltmarkt ein recht kräftiges Wört- lein mitsprach, jetzt zur völligen Bedeutungslosigkeit herab­gesunken.

Der augenblicklich so stark diskutierte Ruf nach Er­mäßigung des Reichsbankdiskonts ist ein ebenso deutliches Zeichen für die steigenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten wie das schon fast katastrophale Emporschnellen der Arbeitslosenziffer. Von einer Hochkonjunktur wird nicht mehr gesprochen, aber als Trost ist zu vermerken, daß wir wenigstens nur mit einem zwar stetigen, aber doch langsamen Sinken des Ertrages der deutschen Wirtschaft rechnen. Und ein zweiter Trost ist es, daß dieses Sinken der Konjunktur keineswegs auf Deutschland allein be­schränkt bleibt, sondern überall in der Welt verspürt wird.

Hauszinssteuer in Preußen bis 31. März 1930.

Verlängerung des jetzigen Gesetzes.

Der preußische Finanzminister hat dem Staatsrat so­eben einen Entwurf über die Verlängerung der Geltungsdauer der Hauszinssteuerver­ordnung zugehen lassen. Danach soll die Hauszins- steuer auf Grundlage des geltenden Gefetzes noch ein weiteres Jahr, bis zum 31. März 1930, erhoben werden.

Bei den Beratungen über die Verlängerung der Haus­zinssteuerverordnung bis zum 31. März d. I. war man davon ausgegangen, daß ab 1. April 1929 die Veranlagung und Erhebung der Steuer entsprechend der neuen reichs- gesetzlichen Regelung, dem Gebäudeentschul- dungssteuergesetz, erfolgen könnte. Der Entwurf Heines Gebäudeentschuldungssteuergesetzes, der nach bei H Auffassung der Reichsregierung und des Reichsrats V e r ^fassungsändernden Charakter hat, hat im / Reichsrat die für Verfassungsänderungen vorgesehen« Zweidrittelmehrheit nicht gefunden. Die Reichsregie- rung hat nunmehr den Gebäudeentschuldungssteuergesetz- entwurf dem Reichstage vorgelegt und in dem gleichzeitig vorgelegten Entwurf eines Gesetzes über die Vereinheit­lichung des Steuerrechts (Steuervereinheitlichungsgesetzs vorgesehen, daß die Gebäudeentschuldungssteuer ab

Freitag, den 11. Januar 1929

Strenges

Kömg Winier.

Die Kälte in Deutschland.

Im größten Teil Deutschlands, östlich der Weser, herrschte in den letzten Tagen eine Temperatur von 10 Grad unterNull und darunter. Eine Aus­nahme hiervon macht nur D r e s d e n, das eine wärmere Temperatur aufzuweisen hat. In Berlin betrug die Temperatur in der Nacht 12 Grad unter Null, in den Außenbezirken sogar 16 Grad. Einen ähnlichen Kälte­stand weist auch das übrige Ostdeutschland auf. So hatte Königsberg i. Pr. 19 Grad und Schlesien 16 bis 18 Grad. Am Rhein dagegen herrscht etwas milderes Wetter, aber auch hier sind Temperaturen von 5 bis 8 Grad unter Null zu verzeichnen.

Zu Fuß über die Elbe.

Oberhalb Hamburgs ist das Eis der Elbe zum Stehen gekommen, so daß der Fluß zu Fuß überquert werden kann. Von Zollenspieker nach Hoopts ist eine gut passier­bare Bahn geschaffen, auf der sich allmählich ein lebhafter Fußaänaerverkebr entwickelt.

Halle 16 Grad Brocken 0 Grad.

In Mitteldeutschland ist die Temperatur ebenfalls stark gesunken. In T o r g a u wurden 18 Grad, in Wittenberg 17.5 Grad und in Halle 16,2 Grad gemessen. Die Elbe führt starkes Treibeis, während es auf der Saale infolge der Abwässer der Kaliwerke und des Leunawerkes nur sehr schwer zu Eisbildungen kommt. Eine bemerkenswerte Erscheinung zeigt sich im O b e r - und H o ch h a r z, wo die Temperatur erheblich milder ist. Den Höhepunkt erreicht diese Erscheinung auf dem Brocken, wo nur Null Grad gemessen wurden. Die Rauhreifbildung hat auch im Fernsprechbetrieb Störun­gen verursacht, die indessen bisher keinen größeren Um-

Frend und Seib.hH <jnee.

Seit einigen Tagen herrschen im Schwarzwald außerordentlich tiefe Temperaturen. Vormittags wurden in den mittleren Lagen des Schwarzwaldes Temperaturen bis zu 15 Grad gemessen, während höhere Orte noch dar­über hinausgehende Temperaturen aufweisen. Natürlich ist es in den letzten Tagen nur zu ganz geringen Schnee­fällen gekommen. Die Schneedecke ist daher fast in allen Sportgebieten leicht verharscht, doch rechnet man in

1. April 1930 erhoben wird und die notwendigen umfang­reichen Vorarbeiten für die Feststellung der Besteuerungs­grundlagen (Friedensmiete, Eigenkapital) sogleich nach Annahme des Gebäudeentschuldungssteuergesetzes und Steuervereinheitlichungsgesetzes durchgeführt werden. Hierdurch wird die Verlängerung der Hauszinssteuerver­ordnung bis zum 31. März 1930 notwendig.

Sachliche Änderungen erscheinen angesichts der un­mittelbar bevorstehenden reichsrechtlichen Neuregelung nicht als angezeigt.

Die Sachverständigen

für die Mparaiionsfrage.

Sitzungen der Reparationskommission,

Die Reparationskommission hielt am Donnerstag in Paris zwei Sitzungen ab. In der ersten Sitzung stellte sie den Text über die Zusammensetzung und die Befug­nisse der Kommission zusammen, die mit der end­gültigen Regelung der Reparationsfrage betraut werden soll. In der zweiten Sitzung ernannte sie die Sachverständigen Belgiens, Frankreichs, Englands, Italiens und Japans, die von ihren Regierungen bereits namhaft gemacht worden sind. Die amerikanischen Sach­verständigen, die auf der Konferenz eine große Rolle spielen werden und sozusagen dieüberparteilichen" sein müßten, werden laut einem zwischen den alliierten Mächten und Deutschland getroffenen Abkommen gemein­sam von der deutschen Regierung und der Reparations­kommission ernannt werden. Auch ihre Ernennung dürfte unmittelbar bevorstehen. Wie es heißt, werden das ehe­malige Mitglied des Dawes-Komitees, Owen Voung, und der Amerikaner P e r k i n s, der früher die amerika­nische Regierung als Beobachter in der Reparationskom­mission vertreten hat, in die Sachverständigenkommission entsandt werden.

*

Die Arbeitsweise der deutschen Sachverständigen.

Die beiden deutschen Mitglieder des Ausschusses von unabhängigen Finanzsachverständigen werden von ihren Stellvertretern Melchior und Kastl zum Konferenzort be­gleitet werden. Die Arbeit erfolgt nicht etwa in der Weise, daß die Stellvertreter einspringen werden, falls eines der Hauptmitglieder aus Krankheit oder anderen Gründen an der weiteren Teilnahme verhindert sein sollte; vielmehr werden auch die Stellvertreter sich an den Verhandlungen beteiligen. Das geschieht schon deshalb, weil es angesichts der überaus umfangreichen und s ch w i e r i g e n M a t e r i e ein Unding wäre, wenn einer der Stellvertreter oder beide in einem gegebenen vor- ge trittenen Stadium der Besprechungen einspringen müßte, ohne auf das genaueste über den bis dahin ge­nommenen Verlauf unterrichtet zu sein.

79. Jahrgang

Regiment

den nächsten Tagen mit weiteren Schneefällen. Die haupt­sächlichen Winterquartiere des Schwarzwaldes, insbeson­dere das Feldberggebiet, weisen einen zahlreiche» Besuch, vor allem auch aus Norddeutschland, auf.

Bei Gitenbach ist ein 43 Jahre alter Landwirt, der unterwegs von einem epileptischen Anfall befallen wurde, schon nach kurzer Zeit erfroren.

Die Sonne Homers eingefroren.

Wie aus Athen gemeldet wird, herrscht in ganz Griechenland eine außerordentlich strenge Kälte. Besonders in Mazedonien sind sehr starke Schneefälle zu verzeichnen.

Der Zug der Grippe.

Die Grippewelle, die sich im Verlauf der vorherge- gangenen Periode des Regens entwickelt hatte, ist bei Eintritt der kalten, trockenen Witterung nicht nur nicht ge- wichen, sondern sogar allenthalben gestiegen und noch immer im Steigen begriffen. In der Reichshauptstadt ist nach einer ungefähren Statistik jeder 15. Einwohner an Grippe erkrankt. Die Krankenhäuser sind überfüllt, dafür weisen die Schulen, Bureaus und Fabriken um so größere Lücken auf. In den Berliner Warenhäusern fehlen bis zu zehn Prozent des Personals und ebenso bei den meisten Behörden. Bei den Verkehrsgesellschaften und der Polizei sind die Erkrankungsziffern noch höher und ähnlich liegen die Verhältnisse bei der Reichsbahn. Zahlreiche Termine müssen bei den Gerichten wegen Erkrankung der Schöffen, Vorsitzenden oder Zeugen vertagt werden. Und wie es in Berlin ist, so ist es auch in der Provinz. Husten, Niesen und Fieber überall!

Wieder 2000 Grippetoie in Amerika.

Der Höhepunkt der Epidemie überschritten?

Nach den neuesten Berichten über die Grippe-Epidemie in den Vereinigten Staaten hat sich die Zahl der Todes- vvfLr wLftc,r bLträchtsjch. erhöht. Auf Grund der aus 39 Städten vorliegenden statistischen Aufstellungen sind tu bei vergangenen Woche 2041 Personen an Grippe und Lungen­entzündung gegenüber 1275 in der Vorwoche gestorben. Auch die Zahl der neuen Grippefälle hat eine Zunahme erfahren. Indessen ist die Gesamtzahl der Kranken um 57 000 gegenüber der Vorwoche zurückgegangen. Man hofft deshalb, daß die Epidemie ihren Höhepunkt über- schritten bat.

Der Schutz ausländischer Gesandter.

Fremde Vertreter bei Reich oder Ländern?

Eine interessante Frage kam im Strafrechtsausschutz des Reichstages bei der Beratung über das neue Strafrecht zur Erläuterung. Das Kapitel 5 des Entwurfs behandelt bie Störung der Beziehungen zum Ausland. Ausführlich war die Diskussion über den § 113 der Vorlage, nach dem derjenige, der ein ausländisches Staatsoberhaupt oder einen im Reich be­glaubigten Gesandten oder Geschäftsträger beleidigt, mit Ge­fängnis bis zu drei Jahren bestraft wird. Das Strafmaß wurde von rechts wie von links als zu hoch befunden, man wies darauf hin, daß unter Umständen eine Kränkung eines Ausländers höher bestraft werden sollt- als diejenige des Reichspräsidenten. Die stärkste Auseinandersetzung entwickelte sich bei der Feststellung, wer denn als Gesandter vor dem Reichsstrafrecht in Frage komme. Die Sozialdemokraten be­tonten wiederholt, nur Vertreter beim Reich könnten beachtet werden, sonst werde ein Reichsstrafgesetz hinfällig. Als einzige Ländergesandtschaft existiert nur die französische in München noch. Der sozialdemokratischen Meinung wurde theoretisch zugestimmt, doch wiesen sowohl Vertreter der Re­gierung wie anderer Parteien daraus hin, daß die auf Grund des Versailler Vertrages bestehende Münchener französische Ge­sandtschaft nun einmal existiere und einstweilen nicht abgebaut werden könne Gewähre man den ausländischen Gesandten besonderen Schutz, so müsse der Münchener mitberücksichtigt werden

Nach langer Debatte, in der darauf hingewiefen wurde, daß es sich nicht um politische oder persönliche Fragen, sondern lediglich darum handele, das Strafgesetzbuch in Übereinstim­mung mit der Verfassung zu bringen, wurden jedoch schließlich die sozialdemokratischen Anträge angenommen. Nicht also, wie der Entwurf vorsah, stehen die i m Reich beglaubigten Diplomaten, sondern nur die bei ni Reich beglaubigten unter besonderem strafrechtlichen Schutz. Ferner wurde die Höchst­strafe auf ein Jahr herabgesetzt.

Die Paragraphen über Schutz der Hoheitszeichen eines ausländischen Staates, Schutz der Neutralität des Reichs im Kriege, Verfolgung nur bei Gegenseitigkeit wurden unverändert angenommen. Annahme fand auch ein Paragraph, der die Möglichkeit vorsieht, Ausländer, die gegen die vorhergehenden Paragraphen verstoßen haben, aus dem Reich zu verweisen.

Der Zugzusammenstoß im Nebel.

Zwei Tote, vierzehn Verletzte.

Ein Personenzng fuhr in der Station Lissa a. d. Elbe auf einen in die Station einfahrenden Lastzug auf. Bei dem Zusammenstoß wurden zwei Eisenbahn­angestellte getötet, vierzehn Personen verletzt. Das Unglück wurde dadurch verursacht, daß das Personal des Personenzuges bei dem herrschenden sehr dichten Nebel das auf Halt stehende Signal beim Zugmelde­posten übersah und infolgedessen über das Signal Hin- ausfuhr.