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Hersftlöer KreisblM
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Nr. 13
Thronwechsel in Afghanistan
Afghanistans neuer Herrscher.
Am an Ullahs Abdankung.
Die Nachrichten von der Abdankung Aman Ullahs, die zunächst nur aus englischer Quelle kamen, werden jetzt auch von afghanischer Seite direkt bestätigt. Der afghanische Gesandte in Berlin stattete dem Reichsaußenminister Dr. Stresemann am Dienstag einen Besuch ab, um ihm im Auftrage seiner Regierung von der Abdankung des Königs Aman Ullah zugunsten seines älteren Bruders Särdar Enajat Ullah in Kenntnis zu setzen. Der Gesandte gab deni Reichsaußenminister Kenntnis von einem Telegramm des afghanischen Außenministeriums, das folgenden Wortlaut hat:
„Um dem Bürgerkrieg in Afghanistan, der durch bedauerliche Unklarheit entstanden war, ein Ende zu bereiten, hat seine Majestät König Aman Ullah freiwillig und auf eigenen Wunsch sein Amt als König von Afghanistan medcrgelegt und seinen älteren Bruder, Särdar Enajat Ullah, als Herrscher in Vorschlag gebracht. Das afghanische Volk und die maßgebenden Regierungsstellen sowie die hohe Geistlichkeit und der afghanische Adel haben diesen Vorschlag angenommen
Aman Ullah.
« und Seine Majestät Enajat Ullah als König von Afgha- | nistan anerkannt. Setzen Sie die deutsche Regierung Ä davon in Kenntnis und versichern Sie, daß die Be- H Ziehungen Afghanistans mit den befreundeten Mächten $ die gleichen bleiben werden."
In unterrichteten Kreisen Berlins wird der n e u e K ö n i g als ein fortschrittlicher Mann bezeichnet, der für Deutsch-! land st a r k e Sympathien habe. Er habe sich während 1 bpr ReoiernnaSsen Aman Mabs rwar sehr rurückhalteN
Tritt Parker Gilbert zurück?
Englands Widerstand gegen Morgan.
Aus Washington wird als neueste Phase in der Entwicklung der Reparatronsaugelegenheiten gemeldet, man nehme dort an, die Wahl Morgans zu einem der Sachverständigen sei so gut wie vollständig auf Bemühungen Parker Gilberts zurückzuführen. Parker Gilbert werde nach dem Zustandekommen der Reparationskonserenz von feinem jetzigen Amt zurücktreten und ein Amt bei der Firma Morgan u. Co. übernehmen.
Die Berufung Morgans zum amerikanischen Sachverständigen sei deshalb erfolgt, weil er als derjenige Repräsentant des amerikanischen Kapitals erscheine, der am stärksten in Europa interessiert sei.
Die amerikanische Ausfaffung.
Dem Reparationskomitee fallen nach Verlautbarungen aus Newyork hauptsächlich folgende Aufgaben zu:
Bei der Lage des amerikanischen Geldmarktes kann doch zunächst nur ein kleinerer Teil der deutschen Dawes- Schuldverschreibmrgen auf den Markt geworfen werden. Man rechnet mit einer ersten Ausgabe von ungefähr 100 Millionen Dollar (420 Millionen Mark). Für Deutschland hält man dies wünschenswert, da Bindungen für die Zukunft bei erneuter Notwendigkeit zur Endregelung vermieden werden. Die Ausgabe dieser Anfangsauleihe sei voraussichtlich Ende 1929 möglich. 40 Prozent davon sollen in Amerika, je 30 Prozent in Frankreich und England aufgelegt werden.
Aus England verlautet, die Benennung Morgans werde in dortigen Regierungskreisen nicht besonders an» genehm empfunden und man wünsche jetzt noch in letzter Stunde eine Änderung in den amerikanischen Entschlüssen. ? --------------
Auseinandersetzungen rumReichsetai
Kabinett und Reichstagsausschutz.
Das wiedererwachende parlamentarische Leben zeigt sich besonders in den beginnenden Bergtunaen über den Vor
Mittwoch, den 16. Januar 1929
müssen, auS seiner Freundschaft für Deutschland aber nie ein L,ehl gemacht. Er erfreue sich, so wird weiter erklärt, in Afghanistan sowohl der Sympathien der Geistlichkeit als auch der Bergstämme. Man könne damit rechnen, daß Rübe und Ordnung in Afghanistan nun bald wiederhergestellt sein werden Der neue König werde natürlich die Reformen Aman Ullahs nicht so schnell sortieren können. Wer die Familie des Königs wird bekannt, daß Enajat Ullah dreizehn Kinder hat, deren ältestes 17 Jahre ist Einige Kinder besuchen die deutsche Schule in Kabul. Als er im Jahre 1922 von
Afghanistans neuer König: Enajat Ullah
Aman Ullah begnadigt wurde, nachdem er drei Jahre im Ge- sängnis verbracht hatte, hat er fid? mit Aman Ullah wieder ans- gesöhnt. Er hat Aman Ullah seitdem bei allen möglichen Gelegenheiten begleitet. Bezeichnend ist die Tatsache, daß Aman Ullah seinen Bruder jetzt als Nachfolger vorgeschlagen hat.
Aman Mah auf Der Flucht.
Die D e u 1 s ch e - s n K a b u l.
Wie der amtliche englische Funkdienst meldet, hat sich Aman Ullah im Flugzeug nach Kandahar begeben, wo er von seiner Gattin Suraya und seiner Mutter erwartet wird. Kandahar ist noch afghanisches Gebiet und ungefähr hundert Meilen von der indisch-afghanischen Grenze entfernt, so daß sich der König noch immer in persönlicher Gefahr befindet Es ist wahrscheinlich, daß er versuchen wird, über die Grenze hinweg in ein sicheres Asyl zu flüchten.
Während der Kämpfe in Afghanistan waren alle Deutschen in der deutschen Gesandtschaft untergebracht. Aus Beschluß der deutschen Kolonie in Kabul sind dann schließlich von den deutschen Frauen 21 auf eigenen Wunsch nach Indien durch Flugzeug gebracht worden, während neun deutsche Frauen in Kabul verblieben sind und sich noch jetzt dort befinden. Sie sollen aber außer Gefahr fein.
Aufruf des neuen Königs an das afghanische Volk.
Kairo. Hier eingetroffenen Meldungen aus Kabul zufolge veröffentlichte der neue afghanische König einen Aufruf an das Volk, in dem erklärt wird, daß er die Regierung nach den alten Grundsätzen des Landes führen werde. Die Resorm- befchlüsse Aman Ullahs würden zurückgezogen. Alle Offiziere der afghanischen Armee haben dem neuen König den Treueid geleistet
anschlag für den Reichshaushaltsanschlag für das Jahr 1929. Unter dem Vorsitz des Reichskanzlers wurde in einer Ministerbesprechung die Generaldebatte über den Reichshaushalt und die vorgeschlagenen Deckungsgesetze (Steuerpläne) zu Ende geführt und dann die Einzelberatung begonnen.
Der deutschnationale Abgeordnete Westarp verbreitete sich im Haushaltsausschutz über den Nachtragsetat für 1928 und den damit in Zusammenhang stehenden Personal- Haushalt des Reiches für 1929. Graf Mestarp meinte, es müsse zunächst einmal klargestellt werden, wie sich die Regierung und die Regierungsparteien die weitere Behandlung des Häupthaushaltes dächten, insbesondere, ob der Finanzminister wirklich noch die Verabschiedung des Haushaltes und der Steuergesetze zum 1. April für möglich halte. Es sei eine starke Zumutung, die schon lange hinausgezogenen Beschlüsse zur Durchführung der Besoldungsordnung ohne klaren Überblick über die Haushaltsverhältnisse des nächsten Jahres fassen zu sollen. Der Redner fragte, ob man es für möglich halte, daß die Fraktionen, deren Mitglieder das Kabinett bildeten, es ablehnen, sich hinter die Vorschläge ihres eigenen Kabinetts zu stellen. Nun ständen die R e p är a t i o n s'v e r- Handlungen unmittelbar bevor und die Lage sei durch den Bericht des Reparationsagenten, der in seiner gesamten Beurteilung und in den meisten Einzelfragen dringend der Widerlegung bedürfe, verschärft. Der Reparationsagent habe in seiner finanziellen Kritik an der Finanzgebarung mit besonderem Nachdruck auf die steigenden Ausgaben für Besol- ' dung und Pensionen hingewiesen. Dieser Hinweis müsse alsbald entkräftet werden. Darüber hinaus könne mit einer Stellungnahme zu dem Bericht und zu den Reparationsver- Handlungen nicht bis zu den allgemeinen Haushaltsberatungen gewartet werden.
Reichsfinanzminister Dr. Hilferding teilte mit, der Haushalt für 1929 werde in den nächsten Tagen vom Reichskabinett verabschiedet werden und dann dem Reichsrat zugehen. Bevor der Haushalt nicht vom Kabinett verabschiedet sei, könne er Einzelheiten nicht mitteilen Infolgedessen halte er es für praktisch, eine allgemeine Aussprache über den Haushalt für 1929 hier nicht zu entfachen, sondern sich auf den Nachtragshaushalt zu beschränken. Verantwortlich für den Haushalt fei nach der Verfassung die Neichsregierung, nicht aber einzelne Parteien oder Fraktionen. Den Zeitpunkt zu dem die Reparationsfrage zu behandeln sei, müsse sich die Neichsregierung angesichts des Ernstes dieser Fragt vorbehalten. Im weiteren Verlauf der-Sitzung wurde ein
T9. Jahrgang
beutfeßnationaler Antrag, eine allgemeine finanzpolitisch! Aussprache mit her Aussprache über den NachttagShanshab zu verbinden, a b siele § u t.
Parteien und StDervorlagcn.
Da zu erwarten ist, daß der Reichstag am 24. Januai Zusammentritt, wird in den Parteien schon lebhaft für Bit kommende Kampagne mobil gemacht Das Hauptinteresse richtet sich u. a. auf die neuen Steuervorlagen im Betrage vor 500 Millionen Mark. Für Freitag dieser Woche ist öle Zentrumsfraktion telegraphisch zu einer Sitzung ein berufen worden. Die Fraktion wird sich mit den Fragen be- fdmftigen, mit denen sich am 20. Januar der Parteivorstant des Zentrums befaßt, der Wahl des geschäftsführenden Vor- standes und des stellvertretenden Vorsitzenden. Daneben wirk man über die Steuerpläne beraten. Auch Die Sozial- demokraten haben ihre Fraktion einberufen, und zwm auf Montag und Dienstag der nächsten Woche. Sie werden sich in erster Linie mit Budgetsragen, vor allem mit dem Nachtragsetat, besassen, ferner mit der allgemeinen Lage.
Außland zur Wirtschaftsspionage.
Aus dem deuisch-russischeu Protokoll.
Am 21. Dezember 1928 wurde zwischen Deutschland und Rußland ein Protokoll unterzeichnet, das sich auf die sog. Wirtschaftsspionage bezieht und im Anschluß an Die unliebsamen Vorgänge entstanden ist, denen deutsche Ingenieure und Jndustrievertreter im Sowjetgebiet ausgesetzt waren, nachdem von deutscher beauftragter Seite darüber Anfragen nach Moskau gerichtet worden waren.
Der Vor"tzende der russischer, Delegation erklärt, indem er dabei betont, daß es sich nur um ein Gutachten, nicht um ein juristisches Urteil handeln könne, folgendes:
' Die vielfach verbreitete Annahme, daß die Verbreitung wirtschaftlicher Nachrichten aus der Sowjetrepublik nur in- ofern erlaubt sei, als es sich um in Zeitungen oder in Zeit- chriften veröffentlichte Tatsachen handelt, ist irrig. Das Recht, ich auf wirtschaftlichem Gebiet zu informieren, findet auch u der U. d. S. S. R. feine Grenze lediglich an dem Geschäftsund Betriebsgeheimnis und an der Anwendung unerlaubter Mittel (Bestechung, Diebstahl, Betrug und dergleichen! zur Erlangung von Nachrichten. Natürlich fallen unter das Geschäfts- und Betriebsgeheimnis auch die amtlichen Wirtschasts- pläne, soweit sie nicht veröffentlicht sind, nicht aber Einzelnachrichten über die Produitionsbedingungen und den Zu- itau7 e mieten ÜLWWlWWGw CL besieht sich von selbst das Recht eines jenen, in der Union über Wirtschaftsfragen zu sprechen oder Mitteilungen darüber cntgegenzunehmen, sofern er nicht Anhaltspunkte dafür hat, daß die von ihm erfragten oder ihm gemachten Mitteilungen auf Grund spezieller Anordnungen der Leitung von Behörden oder der betreffenden Staatsunternehmungen sich der Bekanntgabe an Außenstehende entziehen.
Sie deutschen Fremdenlegionäre.
Am zahlreichsten unter den Bewerbern.
Die Schweiz hatte sich vor kurzem nach Frankreich gewandt mit dem Ersuchen, Werbungen für die Fremdenlegion nicht mehr auf schweizerischem Boden vorzunehmen. In einer Unterredung mit dem Oberst, der in Paris mit der Rekrutierung für die Fremdenlegion beauftragt ist, erklärte dieser, die französische Regierung habe auf Vorstellung der englischen Regierung unlängst bestimmt, daß von nun ab englische- Anwärter nur noch angenommen werden, wenn der Bewerber sich bei einem auf französischem Boden befindlichen Rekrutierungsbureau vorstellt. Ohne Zweifel werde man die gleiche Haltung auch gegenüber der Schweiz einnehmen. Der Oberst erklärte, in den letzten Jahren seien die Anwerbungen für die Fremdenlegion groß gewesen; viele Bewerber seien tfchechoslowa- k i-s ch e Staatsangehörige die nach Frankreich gekommen seien, um zu arbeiten, und die nach Ablauf ihrer Arbeitskontrakte sich anwerben ließen. Die zahlreichsten Bewerber stellten aber noch immer die Deutschen.
Ein ©feuerbeamter von Meisten mißhandelt.
Beklagenswerte Selbsthilfe.
Die Erregung der Landwirte in einigen Gegenden wegen der Steuerlasten und der bamit
düngen der Finanzämter macht sich in beklagenswerten A us s ch r e i t u n g e n gegenüber n n s ch u l d i g e n Beamten, die nur ihre Pflicht erfüllen, Luft. So wird aus dem Finanzami Oldenburg gemeldet, daß ein Vollziehungsbeamter, der in der dortigen Gegend einen Landwirt aufsuchen sollte, von Landleuten schwer mißhandelt worden ist. An einer StraßsnkreuMlg traf er einige Landleute, die er nach dem Wege fragte. Als es sich im Verlaufe der Unterhaltung heranssiellte, daß der Beaurte vom Finanzamt sei, entlud sich dre aufgespeicherle Erregung der Land-yirte in beklagenswerter Weise. Sie s ch lugenden B e a m t e u n r e d e r und verletzten ihn, so daß er sich nur mit Hübe zur nächsten Ortschaft schleppen konnte.
Die verhafteten englischen Unterbausmitglieder nach Köln weitergereist.
Brüssel. Wie zu der Verhottung der drei englischen Unterhausmitglieder in Ostende ergänzend aus Brüssel berichtet wird, hat das belgische Justizministerium mitgeteilt, daß die englischen Abgeocdueten keine vorschriftsmäßigen Pässe zur Reise nach Belgien gebarn hätten und daß man der irr traulichen Auffassung gewesen sei, die Tagung gegen den Imperialismus finde in Belgien statt. Nunmehr haben die drei zurückgehaltenen englischen Unterhausmitglieder die Reise nach Köln fortgesetzt.