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ßersfelöerTageblatt

Hersfelöer Kreisblatt Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö mit Veu Dellaaerr: Ittustrlertes Auterhaltungsblatt / Nach Aeierabeud / SerS «ab Scholle / Auterbaltoua usb WiLfea Belehruss usb Kanwell / Wirtschaftliche Tagesfrage«.

-dyrtg«rpn1»r Vk cknfpsltkg» PEtzeNt 15 Pfennig, die Rtflamntilt 50 Pfennig. (Grun-schrist Korpus). Sei Wle-erholungen wird ein entsprechender Preis­nachlaß gewährt. Zür Sir Schristleitung verant- «»Mch: Kranz Kunk in Hersftlö. Zernsprecher Nr. S

Monatlicher Begogspttie: durch 6it Pott bezogen 1.50 Reichs-Mark, ausschließlich Vestellgew, für HersfelS 1.80 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Rbholer 1.00 Reichs-Mark. Druck und Verlag von Ludwig Kunks VuchöruÄerrt in Hersfeld, Mitglied des VDAV.

Nr. 16 Mes Nach GounabenS, den 19. Januar 1929 79. Jahrgang

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Gestürzte Größen.

Gefallene Größe im SilSerhaar. Steine im Wege.

Was die Glocke geschlagen hat. j

Ein König und ein General haben dieser Zeit, die sich im Umsturz aller Dinge, in der Umwertung aller Werte gar nicht genug tun kann, ihren Tribut zahlen müssen.

Ein König allerdings fernab im zentralasiatischen Höhengebiet, wo englische und russische Großmachtinter­essen sich von alters her kreuzten und wo von freiheits-- durstigen Auflehnungen gegen absolutistische Herrscher- gewalt bisher noch niemals so recht etwas zu spüren war. Aber A m a n U l l a h, dem bei seinem vorjährigen Besuch in Deutschland von den verschiedensten Seiten auffällig leb­hafte Aufmerksamkeiten gewidmet wurden, hat die Moder­nisierung seines Landes und feiner Untertanen offenbar Dom unrichtigen Ende her betrieben, und die Fehler, die ihm außerdem dabei noch mit unterliefen, haben sich feine heimischen und vielleicht auch seine auswärtigen Gegner geschickt zunutze gemacht mit dem Erfolg, daß er heute unstet und flüchtig irgendwo an den Grenzen feines Reiches umherirrt, wenn er nicht mittlerweile gar schon einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist.

Und der General, der sozusagen über Nacht gestürzt wurde und sich heute einsam und verlassen fühlt, kaum wissend, wo er fortan fein Haupt niederlegen soll, ist aller­dings nur der Oberbefehlshaber der über die ganze Welt verbreiteten Heilsarmee gewesen. Aber dieser greise General Booth hatte immerhin auch etwas zu be­deuten an der Spitze einer Organisation, der es gar nicht um äußere Machtmittel und Gewalt, um irdische Güter und Weltherrschaft zu tun ist, dienur" auf Eroberung der Seelen ausgeht, auf Rettung der Armen und Beladenen, denen die Versuchungen dieser Welt am ehesten gefährlich zu werden drohen, auf Linderung der Not gerade dort, wo sie am schwersten z.w fasten, a.m...milti.^ifc^ ist : Elend^quarticren der großen Städte, wo Trunk­sucht, Ausschweifungen und Verbrechen aller Art immer wieder frisch hereinströmende Volkskräste in ihren Bann ziehen.

* .....

DieDynastie BooM ist abgesetzt worden, mit Mehrheits­beschluß, und es wird der gefallenen Größe im Silberhaar kaum etwas helfen, daß er sich dem Beschluß seines Obersten Rates nicht fügen, sondern Widerstand leisten will unter Berufung darauf, daß ihm unrecht geschehe, das er nicht leiden wolle. Da ist A m a n U l l a h klüger gewesen, indem er sich anscheinend mit guter Miene in das nnver- meidlich gewordene böse Spiel fügte und seinem älteren Bruder freiwillig den von ihm schon wieder verlorenen Platz einräumte, der ihm als einem Abtrünnigen, als einem den Sitten und Gebräuchen seines Landes untreu gewordenen Förderer der westlichen Zivilisation streitig gemacht wurde. Der wirkliche Krieger, der sich erst im blutigen Kamvf gegen die Aufständischen zu behaupten suchte, streckt die Waffen, während der sonst so friedliche Heilsarmeegeneral sich halsstarrig zeigt und seine Wider­sacher am liebsten mit Gewalt aus dem Felde schlagen möchte. Die grausame Zeit, in der wir leben, schreitet über diesen wie über jenen kaltlächelnd ohne jedes Mitleid zur Tagesordnung hinweg, ungeduldig schon der neuen Sensationen, die ihr danach in den Schoß fallen sollen.

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Ob wohl dieEnthüller". die die in England vor­genommene Veröffentlichung der geheimen Denk­schrift des Reichswehrministers über die Notwendigkeit des Panzerschiffbaues ermöglichten, damit Herrn Grüner ein Bein stellen wollten? Oder sollte es bei der Londoner Veröffentlichung weniger auf Herrn Gröner als darauf abgesehen sein, uns im Angesicht der neuen Reparationsverhandlungen mit den Gläubiger­staaten einige unbequeme Steine in den Weg zu wälzen? Man kann doch wohl sagen, daß es auf ein Hemmnis mehr oder weniger schon nicht weiter ankommen kann. Herr Poincarö steht wieder groß da im Kreise seiner neu gefestigten Kammermehrheit' und seiner internationalen Bewunderer, und seitdem Parker Gilbert der Welt erzählt hat, daß es kaum einem Volk in Europa so gut geht wie uns Deutschen, wissen wir ja wohl ungefähr, was die Glocke geschlagen hat. Daß der Reparationsagent die ihm zugeschriebene Absicht, demnächst aus Berlin zu ver­schwinden und in einem Newvorker Bankhaus Unterschlupf zu suchen, dementieren läßt, ist vielleicht zu bedauern. Man kann finden, daß er sich um seine Auftraggeber bereits mehr als hinreichend verdient gemacht hat. Dr. Sh.

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MparWvnskönferenZ am 9. Februar.

Vorsitzender Owen Ioung.

Nach Pariser Meldungen soll die erste Sitzung der 2 SachvcrstSndlgenkonferenz zur Regelung des Schulden- dprov»ems am 9. Februar in der Bank von Frankreich in »Paris stattfinden. In New York erklärte Staats- isekretar Kellogg dem englischen Botschafter, daß die Re- , grcrung der Vereinigten Staaten der Wahl Y o u n g s - und M o r g a n s zustimme. Der englische Botschafter rerste sofort von Washington nach Newyork ab, um die beiden Erwählten amtlich einzuladen.

über ihre Arbeitsweise soll die Sachverständigen- ^E.uußwn selbständig nach ihrem Zusammentritt ent­scheiden, auch darüber, ob die nächste Sitzung oder ander»!

9er dritte Käm in AWnW

Auch AmanMahsVruder vertrieben

Und ein vierter Anwärter.

Es konnte nicht weiter auffallen, daß alsbald nach der Meldung von der Eroberung Kabuls durch die Auf­ständischen berichtet wurde, der Führer der siegreichen Stämme habe nun auch den Bruder und Nachfolger Aman Ullahs, der sich der Herrschaft ganze drei Tage er­freute, gestürzt und sich selber die Krone aufs turbanum- wallte Haupt gesetzt. Bachai Sayo, der Sohn eines Wasserträgers, soll sich großen Ansehens bei der neue- rungsfeindlichen Bevölkerung und den Unterführern er­freuen. Er ist unter dem Namen Chalib Ullah Ghasi schleunigst gekrönt worden. In Kabul soll angeblich voll­ständige Ruhe herrschen. Die Bazare seien geöffnet, die Gebäude der ausländischen Gesandtschaften würden von Truppen der Aufständischen bewacht. Die Haltung der Rebellen gegenüber den Ausländern sei durchaus freund­schaftlich.

Mehrere afghanische Fürsten, die nach Indien ge­flüchtet waren, sind von den Engländern nach Birma ge­bracht worden, um sie wegen des Aufstandes in Afgha­nistan möglichst weit von Afghanistan zu entfernen. Der gestürzte Dreitagekönig Jnajat Ullah und seine Familie haben auf Grund einer Vereinbarung mit dem neuen Emir in englischen Flugzeugen Kabul verlassen. Sie sind auf dem Wege nach Kandahar in Peschawar eingetroffen. Ihre persönliche Sicherheit soll ihnen durch einen Ver­trag von den Siegern verbürgt worden sein. Der neueste König habe Befehl zur Verhaftung des afghanischen Prinzen Mohammed Omar Khan gegeben, der sich in der Nähe von Dschellalabad ouibält. Der Prinz soll versuHen^ M einem Trupp»,^d üaa, Kabul zu mar­schieren, um sich dort zum König zum vierten augen­blicklich ausrufen zu lassen. Der neue König hat dir Vertreter der Stämme empfangen und erklärt, er wolle eine militärische Expedition nach Kandahar entsenden, um auch Aman Ullah verhaften zu lassen. Die Expedi­tion werde von einer Division Infanterie mit Artillerie und Fliegern durchgeführt werden.

Die Sireiimachi.

Der neue Emir verfügt jetzt über 15 000 gut aus­gerüstete Bewaffnete und hält die Ordnung aufrecht. Über das frühere Leben Habib Ullahs ist nichts Näheres be­kannt. Man vermutet, daß er zum Mohmandstamme ae-

wertrge Sitzungen in Berlin abgehalten werden. In der ersten Sitzung soll der Vorsitzende gewählt werden, für den man wahrscheinlich den Amerikaner Owen N o u n g bestimmen wird.

i Zur Neugestaltung des Reiches, M^

Der hessische Innenminister Leufchner veröffent- Uchi zum Reichsgründungstage einen Vorschlag zur Reichsreform im rhein-mainischen Wirtschaftsgebiet. Der Weg zum Einheitsstaat führe über den Main. Auf der Grundlage der bisherigen Ergebnisse der Länderkonferenz konnte im rhein-mainischen Gebiet bereits jetzt ein prak­tischer Anfang in der Neugestaltung des Reiches gemacht werden. Die Vorschläge lauten im wesentlichen:

1. H e s s e n erklärt sich offiziell zum R e i ch s l a n d. Mit seinem Einverständnis übergibt das Reich diejenigen Teile der Verwaltung, in denen das Reich noch keinen eigenen Ver­waltungsapparat besitzt, zur auftragsweisen Ausübung an Preußen. 2. Preußen gliedert davon die zum rhein- mainischen Wirtschaftsgebiet gehörigen Teile von Hessen- Nassau aus, die mit dem bisherigen Gebiet von Hessen zu dem neuen Lande Hessen verschmolzen werden sollen. 3. An der Spitze steht ein Landespräsident mit Landtag. Der LandespräsideM wird von der Reichsregierung bestellt im Einvernehmen mit dem Landtag. Beim Landespräsidenten werden die bisherigen neben- und übereinanderstehenden Länder- und Reichsregierungen zusammengefaßt. 4. Das Reich gibt ebenfalls im Wege der Auftragsverwaltung von der reichseigenen Verwaltung so viel an das neue Land ab, daß es gerade noch den Einfluß auf die Exekutivgewalt be­hält. 5. Bei den übrigen Verwaltungszweigen wird eine Verbindung mit Preußen erstrebt.

Wenn Preußen auf diesen Vorschlag einginge, wäre damit die Brücke zum Einheitsstaat über den Main ge­schlagen. An Hand eines solchen Beispiels könnten auch die anderen Länder Norddeutschlands nachfolgen. Durch ein so entstandenesNorddeutschland", das kein groß­preußischer Block, sondern für ein Sechstel seiner Bevölke­rung bereits dezentralisiert verwaltet würde, wäre die Gefahr der Mainlinie gebannt.

Die Emsmmng des Reiches.

Eine Entschließung.

Die in der Jahresmitgliederversammlung desBundeS zur Erneuerung des Reiches" (Lutherbund) gefaßte Entschlie­ßung stellt fest, daß die öffentliche Aussprache eine An­näherung in sehr wesentlichen Punkten bereits ergeben hat. Das Reich-Preutzen-Problem ist in Übereinstimmung mit den Darlegungen des Bundes als Schlüsselfrage erkannt worden. Der Bund erklärt sich für eine Gesamtlöfuna, die k»-

hört. Den Namen Habib Ullah Ghasi hat er wahrschein­lich angenommen, um darauf hinzuweisen, daß er zu einer Stelluna emvoraestieaen ist. die der Stelluna Kemal

Rebellensührer in Afghanistan.

Paschas in der Türkei und Riza Khans in Persien ent­spricht.

^Aman Allay rmil kämpfen.

über die Flucht liegen keine bestimmten Berichte vor. Sicher scheint nur zu sein, daß er wahrscheinlich in Kan-. dahar eingetroffen ist, wo er von der Königin Suraja und deren Mutter empfangen wurde. Auf seinem Palast ließ Aman Ullah die Königsstandarte hissen. Es wird be­hauptet, der König habe seine Flucht nach Kandahar, du sich über 500 Kilometer erstreckt, zu Pferde ausgeführt. Er wolle die Stämme um Kandahar organisieren, um mit Einsetzen des Tauwetters im Frühjahr einen neuen Feld­zug gegen Kabul einzuleiten. Aus Kandahar verlautet weiter, die Frau Aman Ullahs, die vertriebene Königin Suraja, erwarte demnächst Familiensegen.

woyi Rorooemschianv wie Süddeutschland umfaßt, die b« geschichtlichen Entwicklung in den verschiedenen Reichste»« und dem Bestehenden, das lebenskräftig ist, Rechnung trägt. Zur Durchprüfung des gesamten Zuständigkeitsproblems stn» in den Sitzungen des Vorstandes und des Arbeitsausschusses M» jammenfassende Grundlagen für die weiteren Arbeiten wonnen worden, die besonders auf eine Stärkung der Selb». Verwaltung und Selbstverantwortung und auch aus eine M irreichende Klärung und Sicherung der Zuständigkeitews?» icilung hinzielen. ,

GeLbsthttse der Landwirte.

Ein pommerscher Aufruf.

Bei der Haupcversammlunng der der Landwirtschafts- kammer für die Provinz Pommern angegliederten Ver­eine in Stettin waren Kammerpräsident v. Flem - m i n g , Generalfeldmarschall v. M a ck e n s e n, der Ober­präsident der Provinz Pommern, Oberbürgermeister Dr Ackermann sowie die Spitzen der Reichs- und Staats- behörden anwesend. Kammerpräsident v. F l e m m i n g hielt eine Rede über die Lage der Landwirtschaft. Er . führte u. a. aus, daß feine eigenen und die Voraussagen anderer landwirtschaftlicher Führer über die katastrophale Entwicklung der Landwirtschaft eingetroffen seien. Er würdigte die Notstandsaktion auf Grund der Mißernte des Jahre 1927. Diese Aktion müsse dankbar anerkannt werden, habe sie doch einer Anzahl von Landwirten das Durchhalten bis zur neuen Ernte ermöglicht. Zur vollen Auswirkung hätten sich aber wirkungsvolle Maßnahmen zur ,

Wiederherstellung der Rentabilität anschließen müssen, die leider ausgeblieben seien. Das Schielesche Notprogramm habe sich vor allem hinsichtlich der Hebung und Stabilisierung der Schweinepreise be« , währt. Es habe den schlüssigen Beweis erbracht, daß vor allem auf diesem Gebiete die Selbsthilfe der Landwirtschaft größte Aussicht auf Erfolg habe. In seinen Schlußaus. führungen über das, was geschehen müsse, umritz der Redner die Staatshilfe, wie sie nach Auffassung der Land­wirtschaft aussehen müsse: zweckmäßige Handelspolitik und gerechte Abwägung der Steuern und sozialen Belastung, Förderung der Selbsthilfe der Landwirtschaft. Zum Schluß verlas der Kammerpräsident einen Aufruf, in dem von Pommern aus die landwirtschaftlichen Ver­eine des Reiches aufgefordert werden, sich in eine Spitzen- Organisation zusammenzuschließen, die die Aufgabe haben solle, alle Maßnahmen zu beraten, die zur Selbst^-!' der Landwirtschaft notwendig feien.