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kersfelöerTageblaü

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Myetgrnprelsr vit eknstaltlg« Prtttzrllt 15 Pfennig, Ost Reklamrztil» 50 Pfennig. (Sruntschrist Korpus). Vei Wiederholungen wird ein entsprechend« Preis. Nachlaß gewährt. Zür die Schristleitung verant­wortlich : Kranz Kunk in Hersfelü. Kernsprecher fit. 8

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für öen Kreis tzersfelö

Monatlich« v Äelchr-Mark, 1.20 Relcho-N 1.00 Reichs-M Knicks Suchüru«

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1.50

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Nr. 1g

mit dea Beilagen: Illustriertes Anterhaltuugsblatt / Nach Kekerabeuö / Herd und Scholle / Ausschaltung not Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.

Mittwoch, den 23. Januar 1929

T9. Jahrgang

Selbsthilfe in der LandwirWast. jfe DasStettiner Programm", ^

Die Pommersche Landwirtschaftliche Woche, die von jeher einen beachtlichen Ruf im Reiche genießt, hat dies­mal unter einer besonderen einheitlichen Losung gestanden, die auch in nichtlandwirtschaftlichen Kreisen Aufmerken verursacht hat. Ist man es sonst gewohnt, über die Not der Landwirtschaft Klagen zu hören, die gegenwärtig von keiner Partei als unberechtigt bezeichnet werden, so wurde in den acht Stettiner Verhandlungstagen weniger geklagt als vielmehr mit einer gewissen trotzigen Selbstzuver- f i ch t f e st g e st e l l t, daß die Landwirtschaft noch nicht am Ende fein dürfte. Alle die Möglichkeiten der Selbst­hilfe wurden von den verschiedensten Sachverständigen, von Praktikern, Gelehrten und Vertretern des städtischen Großhandels entworfen, so daß man von einem Stettiner Programm reden kann, das nun in den nächsten Wochen und Monaten die breitesten Kreise der deutschen Land­wirtschaft beschäftigen wird, zumal aus der Aktion Mittel zur Entschuldung der landwirtschaftlichen Betriebe flüssig gemacht werden sollen, das aber selbstverständlich auch die Verbraucher unmittelbar angeht.

übereinstimmend stellten alle Beurteiler, fest, daß die Landwirtschaft an ihrer schwierigen Lage ein gewisses Teil Schuld selbst trägt. Während sie in vorzüglicher Weise ihre Erzeugung verbessert und vermehrt hat, hat sie sich nicht um den Absatz ihrer Produkte bekümmert.Von allem, was Marktverkauf und Preisgestaltung betrifft, haben die meisten Landwirte keine Ahnung." Daß damit nicht zuviel behauptet ist, wies ein Berliner Groß- schlächtermeister den pommerschen Schafzüchtern nach. Deutschland braucht im Verhältnis zu anderen europäi­schen Ländern viel zuwenig Hammelfleisch. Man hat nun begonnen, den Absatz durch einen Propa­gandafeldzug zu steigern. Den Erfolg haben aber allein die holländischen Hammelimporteure gehabt, denen es. ge­lang, zur rechten Zeit die deutschen Märkte mit , billiger und Verkaufsgerechter Ware zu beschicken. Dabei wären die Fehler, mit denen die deutschen Züchter und Mäster fiA r^sUN itm hi» Rpnmbllitöt brockte" bei oeeioneter

Das ist nur ein Beispiel für viele. Sollen diese ständig wiederholten Fehler wenigstens in Zukunft vermieden werden, so haben zwei Leitsätze unbedingte Geltung zu bekommen: Standardisierung der Ware und genossenschaftliche Marktbeschickung, beides Vorgänge, die sich im Auslande schon weitgehend durchgesetzt haben. An beide knüpft aber der deutsche Landwirt einstweilen manchesAber", das nicht so ganz unberechtigt erscheint.

Bei der Standardisierung, der Herstellung von Mar­kenware, wird darauf hingewiesen, daß sich angesichts der Vielfältigkeit der deutschen Böden, der angestammten Arbeitsmethoden und des Klimas eine Standardisierung der Erzeugnisse nicht ohne weiteres durchführen läßt, beispielsweise beim Getreide. Aber bedingt läßt sie sich ohne neue Jnvestierungskosten dennoch durch­führen Es ist nur nötig, daß der Landwirt sein Getreide in bester Auslese zum Markt bringt. Damit erleichtert er die auf den Markt gelangenden Mengen, erzielt emen höheren Preis und kann den zurückbehaltenen Rest noch zum Höchstpreise von Hafer in der eigenen Wirtschaft ver­füttern. S ch a r f e A u s l e f e ist auch für ine Spers e- kartoffeln geboten, damit nicht länger der Zustand bleibt, daß ostdeutfche Kartoffeln in den westlichen Indu­striegebieten zu knapp dem halben Preise, der für hollan- dische und belgische Ware gezahlt wird kernen Absatz finden. Drollig ist es das Geheimnis darf verraten werden mit der vorläufigen Standardisierung des O b st e s bestimmter deutscher Anbaugebiete ge­gangen. An sich ist unser Obst an Geschmack und Gehalt dem amerikanischen weit überlegen. Aber die gute, Aus­lese und Verpackung der Amerikaner hat es nun einmal dem Publikum angetan. Es blieb also nichts anderes übrig, als das deutsche Obst ebenso anszuleftn und zu verpacken, und schon fand es, als ^amerikanisch . reißen­den Absatz. Die Herstellung von Markenerzeugnissen m Frischmilch und Sahne ist notgedrungen m raschem Fort­schreiten begriffen. Weitere Fortschritte werden auf diesem Gebiet und erst recht in der Viehzucht erst auf genossen­schaftlicher Basis gemacht werden.

Denn das ist die zweite Forderung der Zeit: Handel und Industrie sind fest organisiert, die Verbraucher schlie­ßen sich immer mehr zu einer einheitlichen Macht zusam­men ihnen stehen die drei Millionen landwirt- NHästlicher Betriebe völlig zersplittert ge­genüber Schlimmer als das, sie verderben sich gegenseitig

SÄwS ?ft «»v v: z a n geb o t Da Lchgewiesen isst daß lediglich die beiden > S ch l a ch t v i e h m ä r k t e von Berlin und Hamburg dw »Preise für das ganze Reichmachen , zo muß der Land­wirtschaft daran gelegen sein, das Angebotan diesen bei­den Plätzen in die Hand zu bekommen. Sie muß in d pnoe sein den Auftrieb so zu regeln, daß keine pwtziicyen katastrophalen Preisstürze eintreten konnen ebensowenig mie vlöbliche Haussen, an denen sie kein untere] je yur. Der Preis muß vielmehr stetig erhaflen werdm. ww die Ladenschlächter selbst wünschen m Lewissen Grenzen

Am den Schiedsspruch

Der westdeutsche Zudustriekonflikt.

Vor der höchsten Instanz.

Das Reichsarbeitsgericht unter dem Vorsitz des Senatspräsidenten Oegg verhandelte über den Antrag des Arbeitgeberverbandes Nordwest auf Nichtigkeits­erklärung des von der Schlichterkammer gefällten und vom Reichsarbeitsminister W i s s e l l für verbindlich erklärten Schiedsspruches.

Von Arbeitgeberseite

wurde ausgeführt: In der Schlichtungskammer sei weder eine Einigung zustande gekommen noch habe sich eine maßgebende Majorität bilden können. Nach dem Scheitern dieser beiden Möglichkeiten habe der Schlichter­kammervorsitzende einen Schiedsspruch gefällt, der nur von ihm gebilligt worden sei. Abgesehen von dieser Erwägung verstoße der gefällte Schiedsspruch aber auch deshalb gegen die einschlägigen Bestimmungen, weil sein Inhalt in krassem Widerspruch zu dem noch gül­tigen Manteltarif stehe und somit einen Einbruch dar- stelle. Vom Arbeitgeberverband wird weiter gerügt, daß der Schiedsspruch eine Lohnregelung verfüge, die gemäß

natürlich, aber so, daß die mögliche Preisspanne nach unten und oben beschränkt wird. Andererseits muß die Landwirtschaft, dem Zug der Zeit und dem herrschenden Geschmack entsprechend, für eine gleichmäßige Ausge- glichenheitderWare sorgen, muß also zur Zucht eines Einheitsschweines übergehen, wie das ebenfalls im Auslande bereits erreicht ist, und muß für die industrielle Verarbeitung derjenigen Schweine sorgen, die als Schinken-, Speck- und Bratenlieferanten den Einheits­bedingungen nicht entsprechen und die daher auch nicht die Schlachtviehpreise an den entscheidenden Märkten drücken

dürfen.

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Das Werk, die Landwirte zu solchen Zielen unter einen Hut zu bringen, mag nicht leicht erscheinen, aber man darf doch sagen, daß die Zeit dafür heute aus ver­schiedenen wirtschaftlichen und auch politischen Gründen reifer ist als es frühere waren. Die Form des Zusammen­schlusses wird die der Genossenschaft sein. Denen, die an diesem Worte etwas auszusetzen haben, hat im Rahmen der Stettiner Tagungen Prof. Dr. Beckmann-Bonn, selbst ein westfälischer Kleinbauer, gesagt, sie dürften auch eng­lisch-amerikanisch ausgesprochenKorporäschen" oder ganz feinKooperative Zusammenarbeit" sagen, in der Sache werde alles dasselbe sein. Denn das 20. Jahrhundert sei das der genossenschaftlichen Preisbildung. War die länd­liche Genossenschaft früher ein Produktionszusammen­schluß, so müsse sie jetzt eine Verkaufsorganisation sein. Zu lange habe der deutsche Bauer nicht begriffen, daß der Schweiß allein nicht mehr bezahlt werde, sondern, daß die moderne Preisbildung eine Organisationssache sei, weiter nichts. Daß der Schweiß wieder nach Gebühr be­zahlt werde, sei eine Zukunftshoffnung.

Die Baufinanzierung 1928.

Gleichmäßigere Beschäftigung der Bauarbeiter.

Im Wohnungsausschuß des Reichstages erstattete Ministerialrat Wölz einen Bericht über den Wohnungsbau 1928. Erfreulicherweise könne festgestellt werden, daß sich im Gegensatz zu 1927 die Bautätigkeit 1928 fast gleich­mäßig über das ganze Jahr verteilt Habet auch die Be­schäftigung der Bauarbeiter sei demzufolge eine gleich­mäßigere gewesen. In das Baugewerbe sei eine große Anzahl von Nichtbauarbeitern eingewandert, die fast durchweg ungelernte Arbeiter seien.

In den von der Statistik erfaßten Städten und Kreisen seien 1927 104 492 Bauvorhaben fertiggestellt, in den elf Monaten des Jahres 1928 108 505. Auch für das ganze Reichsgebiet sei mit einem gleichbleibenden Stand, vielleicht sogar mit einer leichten Steigerung zu rechnen. S a ch s en habe voraussichtlich sein Programm mit 25 000 Wohnungsneubauten voll erreicht. Wie sich auch aus den Zahlen für die Bauerlaubnis ergebe, könnten die Aussichten für den Beginn des laufenden Jahres als günstig angesprochen werden. Preußen habe am 1. Januar 1928 aus dem Jahre 1927 91 000 halbfertige Wohnungen übernommen, am 1. Januar 1929 96 500. In den übrigen Teilen des Reiches beständen vielfach gleiche Verhältnisse.

Was die Aussichten für 1929 angehe, so könnten keine Prophezeiungen ausgesprochen werden, weil sich in den letzten Jahren gezeigt habe, daß sich die Verhältnisse immer wieder trotz eingehendster Prüfung und sorgfältigster Überlegung tatsächlich wesentlich anders gestaltet hätten, als man angenommen habe. Lediglich auf die öffentlichen Mittel könne auch für 1929 mit einer bestimmten Sicherheit gerechnet werden. Im Jahre 1928 hätten die Spar­kassen. von denen man zu Anfang des Jahres höch­stens 200 bis 300 Millionen Mark erwartet hätte, rund 750 Millionen Mark für den Baumarkt aufgebracht. Da­bei sei allerdings zu beachten, daß die Sparkassen nur höch­stens 40 Prozent ihres Einlagenbestandes in Hypotheken hätten anlegen dürfen, und daß diese Quote nunmehr vollständig ausgeschöpft sei. Erschwerend komme hinzu.

dem Manteltaris nur merklich oder örtlich, keines­wegs aber, wie es der Schiedsspruch Vorsicht, b e z r r k l i ch erfolgen kann.

Die Gegenerklärung der Arbeitnehmerverbände bestreitet, daß eine Kollegialentscheidung nur durch Mehr- h e i t zustande kommen könne, vielmehr sei die Stimment- scheidung des Vorsitzenden immer maßgebend. Die Arbeitgeberseite wolle dem Staat die rechtliche Möglichkeit entziehen, in allen erforderlichen Fällen Gesamt- streitigkeiten legal zu beenden. Es könne nicht der Sinn eines geordneten Rechtslebens sein, daß die Nichtbefolgung rechtskräftiger Verwaltungsakte unter Be­rufung auf Äbstimmungsmängel begründet werde. Ein Einbruch in einen bestehenden Tarifvertrag liege nicht vor. Im gegenwärtigen Rechtsverfahren handele es sich im wesentlichen und hauptsächlich darum, ob das geltende Schlichtungsverfahren weiter funktionieren könne oder nicht. Der Standpunkt der Arbeitgeberseite führe zu einer fast völligen Ausschaltung der Schlichtung. Die Gegenseite wolle das staatliche Element im Schlich­tungswesen beseitigen, das den Vorrang des Gesamtinter- esses über die einzelnen Gruppenintereffen zu wahren

daß die Konkurrenz aus dem Daueranleihemarkt wesent­lich stärker geworden sei. Die Landwirtschaft, die öffent» lichen Körperschaften usw. hätten einen steigenden Geld­bedarf. Im ganzen seien 1928 1550 Millionen Mark für erste Hypotheken gegeben worden, 400 Millionen seien für die Restfinanzierung für 1927 verwendet worden, so daß 1150 Millionen für Neubauten des Jahres 1928 verwendet werden konnten. ,

Die Schwierigkeiten des Anschlusses.

Dr. Seipel in München.

Saffi4£££a*ia£&^. xlä-. ..ffie^ «wie«

Vortrag über den österreichischen Föderalismus. Er ver­wahrte sich zu Beginn seiner Rede gegen die Auffassung, als ob ihn irgendwelche geheimen Absichten aktueller Politik aus Österreich nach Bayern geführt hätten. Zum österreichischen Föderalismus übergehend legte der Bun­deskanzler an den Bestimmungen der Bundesverfassung dar, daß den Österreichern in der Verfassung nichts an­deres so wichtig und so wesentlich erscheine als eben d i e bundesstaaliche Einrichtung.

Der österreichische Föderalismus, führte er weiter aus, wird uns oft zum Vorwurf gemacht und begegnet scharfer Kritik. Besonders skeptisch stehen dem österreichi­schen Föderalismus die reinen und unentwegten Freunde des Anschlusses aus dem Deutschen Reich gegenüber, weil er jeden künftigen Anschluß erschwere, denn sie meinen, Österreich müsse dann seinen inneren Föde­ralismus aufgeben, was wohl ein zu großes Opfer für Österreich wäre, oder das Reich müßte mit Österreich einen Subföderalismus in Kauf nehmen. So scheint Österreich durch seinen Föderalismus für immer zu einem selb­ständigen Sein nach Art der Schweiz bestimmt zu sein.

Diese Einwendungen kann man sehr verschieden be­leuchten.^ So braucht der Föderalismus nicht zu groß und zu kostspielig zu sein, sondern kann das Mittel der größten Wirtschaftlichkeit der Verwaltung werden. Dafür ist der Föderalismus ein Weg der wirklichen Selbstverwaltung des Volkes, der konsequent gegangen, sicher zum Ziele

Aman Ltllah rüstet. |

W Ein vierter König von Afghanistan. ^ ' Meldung aus Herat zufolge sind militärische Strettkraste aus Kandahar und dem Gebiet von Gasni zusammengezogen worden. Man glaubt, daß Aman Ullah, nachdem er seine Abdankung für nichtig erklärt und die Herrschaft wieder übernommen hat, sich an die Spitze der Truppen stellen wird. In Kabul macht sich M a n g e l an Lebensmitteln bemerkbar. Die Preise sind stark gestiegen. Es sind Plünderungen vorgekommen. So wurde das Eigentum einer aufgelösten französischen Schule geraubt. Das gleiche Schicksal droht der deutschen Schule. Durch die völlige Isolierung Kabuls stockt der Handel, was eine große Unzufriedenheit in der Kauf­mannschaft erregt. Unter der Bevölkerung machen sich Sympathien für Aman Ullah bemerkbar.

_ Komg Enayat Ullah will zugunsten seines Bruders Aman Ullah aus den Thron verzichten und sich in seinen Dienst gestellt haben, um den Kamps gegen die Aufstän- dischen sortzusetzen. Enayat Ullah erklärte, daß er seine Offiziere von dem ihm geleisteten Eid entbunden und ver­pflichtet habe, sich sofort König Aman Ullah zu unter- stellen.

Nach einer Meldung des Daily Telegraph aus Afgha- Nlstan soll König Habib Ullah, dessen Ermordung demen­tiert wird, nicht mehr das volle Vertrauen seiner An­hänger besitzen. Unterdessen hat sich ein vierter Anwärter auf den Thron gemeldet. Mohammed Omar Khan soll mit Hilfe des Stammes der Schinwaris, gegen den Habib Ullah kämpft, den Versuch machen, den Thron in Kabul für sich zu gewinnen. Er soll bereits im Anmarsch auf die Hauptstadt Afghanistans sein.