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HersfelöerTageblatt

fkyetgrnpttler die cknlpaltig, prtttzrN» 15 Psennla, 6k Keklamyell» 50 Pfennig. (Grunbschrist Korpue). Del Wiederholungen wird ein entsprechender Preis­nachlaß gewährt. Für dlr Schristleitung verant­wortlich: Franz Funk in k-erofeld. Fernsprecher Nr. S

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelü mit des Vellaaea: IllufkrierleS Anterhqltungsblatt / Nach ALierabenS / HerS «nv Scholle / Anterdaltung naß Wissen Belehr««« und Kurzweil / Wirtschaftliche Taaesfraae«.__________________________

Nr. 26 Donnerstag, den 31. Januar 1929 79. Jahrgang

ClsäMche Klagen.

Warum sollen wir Deutsche uns nicht den billlgen Luxus leisten, mit einiger Schadenfreude zu beobachten, daß nun auch die Franzosen mit dem Elsaß recht erhebliche Schwierigkeiten haben? Mit diesererlösten Provmz dieselben Schwierigkeiten, die einst Deutschland mrt dresen alemannischen Querköpfen" hatte, als das Elsaß noch zum Reich gehörte. Zu spät wurde diesem Lande die Autonomie gewährt, von der es jetzt unter französischer Herrschaft weiter denn je entfernt ist.

In der Französischen Deputiertenkammer hat es ja jetzt eine ausgiebige Debatte über die elsässische Frage ge- aeben. Die paar Autonomisten, die vom Elsaß in die Kammer entsandt wurden, fanden Zustimmung nur bei den Kommunisten. Alles übrige, gleichgültig, ob rechts oder links, ob reaktionär oder sozialistisch, stellt sich schroff entgegen all diesen Autonomiebestrebungen im Rahmen Frankreichs, wohlgemerkt, die Poin- cars und die Seinen zwar sehr oft, aber darum nicht minder falsch alspangermanistisch", als deutsch­freundlich, zu bezeichnen Pflegen und mit allen Mitteln der hierin sehrbewährten" französischen Verwaltung niederzuzwingen suchen. Aber man kann, selbst in Frank­reich, denn doch eine Volksbewegung nicht so leicht mii Knüppeln totschlagen, auch wenn man im Lande selbst an den franzosenfreundlichen Autonomiegegnern an bei Spitze der bekannte Bischof von Straßburg, Ruch, bei sogar kirchliche Mittel gegen renitente Geistliche und Ge­meinden anwcndet und in den Sozialdemokraten hat deren Führer der auch inDeutschland berühmte Grumbach ist, und die autonomiegegnerisch sind, weil sie im Elsas die französische Kirchengesetzgebung des seligen Minister­präsidenten Combes durchgeführt wissen wollen. Be­zeichnenderweise hat dem Deputierten Grumbach fast gesamte Kammer nach seiner Rede gegen den elsässischer Äntonomismus eine minutenlange Ovation dargebrachi und Poincars ihm, demOppositionellen", die Hand ge­schüttelt.

Aber das hat den einenAngeklagten" des Kolmarei Prozesses, jetzt Mitglied der Deputier^nkammer, Dahlet durchaus nicht daran gehlnderrs ^re H^. <»^ e £ i fi e »e-v elsässischen Klagen vorzutragen und das kühn, Wort zu wagen, daß nicht die Autonomiebewegung schuli daran sei, wenn in Deutschlandgewisse Hoffnungen er­weckt" seien, sondern das sei lediglich Schuld der fran­zösischen Regierungsmethoden im Elsaß, die nur au Unterdrückung jeder Eigenregung abzielen und jetzt untei Bankrotterklärung der bisherigen Politik in eine Ar Diktatur ausarten. Dahlet wagt auch den Hinweis darauf, daß die Elsässer germanischen Ursprungs seien und verlangt schließlich eine grundsätzliche Änderung ir der Haltung der Pariser Zentralregierung und ihrer Be­auftragten im Elsaß.

Er wird das vergeblich Verlangen. Auf die Be­schwerden dieses Elsässers vermag Poincars gar nichts vorzubringen. Er behauptet nur immer wieder das tat er schon früher ein paar Male, daß hinter bei Antonomiebewegung" nur ein paar Unzufrieden» ständen. Freilich hat man im Elsaß auf feine Straß burger Rede gleichen Inhalts dadurch geantwortet, das es trotz der Verurteilungen im Kolmarer Prozeß obei wegen ihrer die Autonomistenpartei zum Siege brächte Und dann zählt der Ministerpräsident auf, was alles Elsaß-Lothringen der neuen französischen Regierung ver­danke, wie sie Milliarden aufgewendet habe, um dieer­lösten Provinzen" einer wirtschaftlichen Blüte entgegen, zuführen wie nie zuvor. Sie geschützt habe vor den Ge­fahren der deutschen Inflation. So geht er die ganz, Reihe der Industrien durch, vom Eisen und der Kohle wo sich freilich vor allem die neuen Besitzer der für eit paar hunderttausend Mark enteigneten ehemals deutscher Riesenbetriebe mehr alsgesund" gemacht haben bis zur Schokoladefabrikation, vom Kali bis zur Bierbrauers bisweilen sogar auf Kosten anderer französische» Gebiete.

Das heißt mit dem Zuckerbrot locken, abei auch zugleich mit der Peitsche drohen; denn bis Regierung das ist zwischen den Worten deutlich sicht­bar könnte ja auch anders verfahren, wenn die Elsässei querköpfig" bleiben und sich nicht in die französisch» Staatsuniform stecken lassen wollen. Aber, so tröste» Poincarö sich und die anderen, es handele sich ja immei nur im Elsaßum eine kleine Anzahl von Agitatoren die die öffentliche Meinung zu verwirren drohen". Alsl an die Amnestie, die Dahlet verlangte, scheint man in Paris nicht zu denken, obwohl doch die Nachwahlen füi Nicklin und Rosss, die man aus der Französischen Depw tiertenkammer Hinauswarf, deutlich genug bewiesen haben, daß die Autonomiebewegung denn doch etwas ganz anderes und Größeres ist, als der französisch! Ministerpräsident sie malt.

Wir Deutsche wissen, daß sie nichts zu tun hat mit irgendwelchen Plänen einer Abtrennung des Elsasses von Frankreich oder einer Rückkehr zum Reich; wir haben darin eingewilligt, an einen gewaltsamen Versuch, es wiederzugewinnen, nicht zu denken. Aber man wird uns die Gefühle nicht verbieten können, die jeden Deutschen erfüllen, wenn er den Turm des Straßburger Münsters sich hoch über die Rheinebene emporrecken sieht.

Seschlilktter »ti primo de Riveras Sieg.

Ruhe wiederhergestellt.

Abermals ist es in Spanien zu einer anscheinend ausgedehnten Bewegung des Militärs gegen die Diktatur Primo di Riveras gekommen, die aber auch diesmal schon in der Entwicklung erstickt wurde. Der Mittelpunkt der Bewegung war Ciudad Real, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz; Ciudad Real liegt einige hundert Kilometer entfernt von Madrid. Dort meuterte in der Nacht das 1. Leichte Artillerieregimenl. Wie Primo de Ribera bekanntgab, erschienen alsbald Regierungsflug­zeuge über der Stadt und warfen Proklamationen ab. Unter ihrem Eindruck und infolge der Vorstellungen, die ein von Madrid eingetroffener Generalstabshauptmann erhob, beschloß der Oberst des meuternden Artillerie­regiments, den Widerstand aufzugeben. Er führte seine Leute mit ihren Geschützen in die Kaserne zurück. Die unterbrochenen Verbindungen wurden wiederhergestellt. Regierungstruppen find eingerückt. Damit ist der Ver­such, die Diktatur zu stürzen, gescheitert.

Von der Regierung wird noch mitgeteilt, das törichte Unternehmen werde schmerzhafte und betrübliche Folgen

Deutsch-amerikanische Kulturarbeit.

Die Einweihung des Newyorker Deutschen Hauses.

Bei der Einweihung des Deutschen Hauses der Kolumbia-Universität betonte der Rektor der Universität, Professor Butler, die stetig erstarkenden kulturellen Be­ziehungen zwischen Deutschland und Amerika und erklärte, die Kolumbia-Universität habe schon frühzeitig eine deutsche Abteilung gehabt, die sich großer Blüte erfreute. Unter Hinweis auf seine Berliner Studienjahre in den achtziger Jahren erklärte Professor Butler, wenn das Deutsche Haus amerikanischen Studenten nur den zehnten _~.. v "/-^Ht>^ t^ ' ^.»^Ht ichrn mnd-anderen^AmeriL kanern an der Berl-uO Universität geboten wurde, dann würden sich die Stifter des Deutschen Hauses reichlich be­lohnt fühlen.

Der deutsche Botschafter von Prittwitz, der als Ehrengast an der Feier teilnahm, verlas ein Glück­wunschtelegramm des Reichsautzenministers Dr. Strese- mann und sprach dann seine herzliche Freude über die Schaffung dieses Instituts aus, das nicht nur zur Be­lebung der wissenschaftlichen Beziehungen zwischen Amerika und Deutschland beitragen, sondern auch durch die Bereitstellung einer so hervorragenden Möglichkeit für den Gedankenaustausch die Bande der Freundschaft zwischen den beiden Völkern von Jahr zu Jahr stärken werde.

Das Deutsche Haus dient ausschließlich kulturellen Zwecken; erste Aufgabe der neuen Institution wird es sein, deutsche Besuchsgäste mit den einschlägigen Fragen des amerikanischen Hochschulwesens vertraut zu machen. Umgekehrt sollen auch Amerikaner, die nach Deutschland reisen, mit praktischen Ratschlägen sowie den nötigen Empfehlungsbriefen versehen werden.

Friedensschluß Lialien-Papst.

Ein unterzeichnetes Abkommen.

Das GenferI o u r n a l" veröffentlicht eine Meldung seines römischen Mitarbeiters mit den Einzelheiten des zwischen dem Vatikan und der italienischen Regierung am 6. Dezember 1928 abgeschlossenen vorläufigen Abkommens. Die Verhandlungen hierüber sollen eineinhalb Jahre ge­dauert haben; sie wurden auf feiten des Vatikans von dem Bruder des Nuntius Pacelli, auf italienischer Seite von dem Staatsrat Barone geführt. Das Abkommen, das nach den Mitteilungen des Berichterstatters von beiden Seiten unterzeichnet worden ist, enthält folgende Rege­lungen:

1. Der Vatikan erhält ein Territorium, das den päpst­lichen Palast in Rom, den Vatikan, sodann die Villa Doria Pamfile, die Villa Gabrielli, einen Teil des Gartens auf dem Janikulus und den Bahnhof von St. Peter umfaßt; 2. der Vatikan erhält als Entschädigung für die 1870 enteigneten päpstlichen Güter einen einmaligen Betrag von einer Mil­liarde Lire; 3. der militärische Dienst der auf päpstlichem Ge­biet lebenden Italiener wird in einem besonderen Abkommen geregelt; 4. das beim Vatikan akkredierte Diplomatische Korps geht auf päpstliches Gebiet über, diejenigen diplomatischen Ver­tretungen, die in Rom verbleiben, verlieren ihren exterritoria­len Charakter und gelten als zufällig in Rom anwesende Diplomaten; 5. die Beziehungen zwischen dem Papst und dem italienischen König werden in der Weise geregelt, daß der ita­lienische König dem Papst als erster einen Besuch abstattet, worauf der Papst in der Basilika des Laterans eine Messe zele­briert, an die anschließend ein Besuch des Papstes beim König im Quirinal erfolgt.

Das Abkommen soll noch einer Nachprüfung durch ein Kardinalkollegium unterliegen, aber im allgemeinen als feststehend betrachtet werden. Es wird die Frage auf­geworfen, ob der Papst nunmehr als selbständige Macht dem Völkerbünde beitreten könne und ob der Völkerbund zu der Lösung Stellung zu nehmen habe.

Wtsch in Spanien für die von einigen Hetzern verführten Beteiligten Haben. Primo de Rivera habe gemeinsam mit dem Finanz­minister, dem Gouverneur der Bank von Spanien und dem Vorsitzenden der Börse über ein etwaiges Eingreifen auf dem Devisenmärkte beraten, falls sich im Gekorge der Ereignisse ein solches als notwendig erweisen faß*» Der Aufstand sollte nad) dem Plan alle Garnisonen rrg^f-m, blieb aber auf Ciudad Real beschränkt.

Die Ursachen des Aufstandes.

Zwischen der Diktaturregierung und dem Offizier- korps bestehen seit langer Zeit starke Spannungen. Dies- mal soll es sich um Rückwirkung der Maßnahmen ge­handelt haben, die nach den kürzlichen meuterischen Vor­gängen in der Artillerieschule von Segovia getroffen worden sind, ebenso hat ein Dekret über das Avance,n»ul in der Marine in verschiedenen Flottenstationen tief­gehende Unzufriedenheit ausgelöst. Die früher bevor­zugten Stände in der Armee werden in den neuen Be­förderungsvorschriften mit allen anderen Klassen gleü> gestellt. In Bilbao vetlietz das Jnfanterieregim:m die Kaserne in der Absicht, die Bewegung zu unterstützen, kehrte aber bald wieder in die Kaserne zurück.

500000 ober 200000?

Lotterieaussprache im Preußischen Landtag.

(36. Sitzung.) tt. Berlin, 30. Januar.

Auf der Tagesordnung des Preußischen Landtages steht zunächst die zweite Beratung des

Haushaltes der Lotterieverwaltung.

Nach den Beschlüssen des Hauptausschusses soll die Prämie der fünften Klasse anstatt 500 000 nur noch 200 000 Mark betragen. Von den dadurch gewonnenen 300 000 Mark sollen 300 Gewinne zu je 1000 Mark in den Spielplan eingesetzt werden.

Abg. Hoffmann (Komm.) verlangt die Austeilung der grs^n^ LotwrU«unotzrnerfteüen zugunsten der Kr-egsbe-

Abg. Meyer-Berlin (Soz.) erklärt, auch die Sozialdemo- kraten seien für Schaffung möglichst vieler Einnehmerstellen unter besonderer Berücksichtigung der Kriegs- und Arbeits- beschädigten.

Abg. Berck (Dtn.) betont, man dürfe die Großeinnehmer, nachdem sie in der Inflation erhebliche Einbußen erlitten hätten, jetzt nicht einfach hinausdrängen, wenngleich auch die Deutschnationalen die Schaffung kleinerer Stellen zugunsten der Kriegsbeschädigten begrüßen würden.

Abg. Diel (Ztr.) meint, der Antrag, grundsätzlich die Kriegsbeschädigten vorzuziehen, sei in dieser Form unannehm- bar, weil er bedeuten wurde, daß immer da, wo ein Kriegs­beschädigter in der Konkurrenz steht, er diese Stellung bekom­men müsse. Die einzelnen Konfessionen müßten in ange­messener Weise berücksichtigt werden.

Abg. Heidenreich (D. Vp.) hebt hervor, daß man den Grotz- einnehmern, die durch die Inflation einen Teil ihres als Kau- tion gestellten Vermögen verloren hätten, Gelegenheit geben müstie, einen Teil des Vermögens wiederzuerwerben. Un­möglich sei es, dem Zentrumswunsch zuzustimmen, auch die Lotterieemnebmerstellen noch nach Konfessionen zu verteilen.

Abg. Bischofs (Wirtschaftspartei) kritisiert die nach seiner Ansicht überflüssige Aussprache, die nur einen neuen Ansturm von Einnehmeranwärtern zur Folge haben würde. Abg. Pohl (Deutsche Fraktion) erklärt, das Geschrei nach Lotterie­einnehmerstellen sei nur deshalb so groß, weil daraus

Gewinne bis zu 300 000 Mark im Jahre

heraüszuwirtschaften seien. Die großen Einnehmerstellen müßten geteilt werden. Abgg. Saafe (Nat.-Soz.), Schwenk- Berlin (Komm.), Mever-Berlin (Soz.) und Wcitzermel (Dtn.) legen noch kurz ihre Ansichten dar.

Die Abstimmung ergibt die Annahme der Ausschutzbe­schlüsse. Abgelehnt wird gegen Sozialdemokraten und Kom­munisten dagegen der Vorschlag auf Zusammensetzung der Lotterieeinnehmerschaft entsprechend der gesellschaftlichen und sozialen Schichtung des Volkes.

Damit ist die zweite Beratung des Haushalts der Lotterie- Verwaltung beendet.

Nach kurzer Aussprache über den Haushalt der Ober­rechnungskammer und die Staatsschuld geht das Haus zur zweiten Beratung des

Haushalts der Gestütsverwaltung

über. - Abg. von Plehwe (Dtn., erstattet den Ausschutzbericht. Er hebt hervor, daß der Haushalt in diesem Jahr einen ge­ringeren Zuschuß .aufweise. Die R e n n w e t t st e u e r habe sich wiederum als gute Einnahmequelle erwiesen. Allgemein anerkannt worden sei es im Ausschuß, daß die Landes­pferdezucht weiter gefördert werden müsse; es seien aber verschiedene Abbaumaßnahmen für staatliche Gestüte empfohlen worden. Ein solcher Abhau dürfe nur bei dringender Not­wendigkeit eintreten. Die Landespferdezucht werde auch in Zukunft ein wesentlicher Teil der Volkswirtschaft bleiben müssen.

Die Lage der Wariesiandsbeamien.

(35. Sitzung.) . 68. Berlin, 30. Januar.

Ohne Aussprache wurde zunächst ein Antrag der National­sozialisten aus Einstellung des Strafverfahrens gegen den Abg. Straffer dem Geschäftsordnungsausschutz überwiesen.

Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Ge­setzes über die

Änderung der Rechtsverhältnisse der Wartegeldempfänger. Der Ausschutz hat einige Verbesserungen der Vorlage vorge­nommen und unter anderem festgelegt, daß eine Versetzung