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KersfelöerTageblaü

^aZetgrnpnl,: Dir einfpaMg« Petttzelli 15 pftnnig, Mi KrNamyrllr 50 Pfennig. (SrunöHrtst korpa»). Bei Wiederholungen wird ein entsprechender preie» Nachlaß gewährt. Zür dir Schrlstleitung verant» »örtlich: Kranz Funk in Hers seid. Zerasprscher Nr. 8

HersfelKer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für öen Kreis Hersfelö mit des Beilasea: Allukriertes Anterbaltungsblatt / Nach Feierabend / Herd and Gcholle / Anterbaltana o»v Wissen Beledmaa aob Kurzweil / Wirtschaftliche Tooe«kraaeu.

Nr. 27

Freitag, den 1. Februar 1929

79. Jahrgang

Oorpmülsers Sorgenkinder.

Herr Dorpmüller, der keineswegs absolute Herrscher unserer Reichsbahn, hat Sorgen, schwere Sorgen. Ihn drückt finanziell der Schuh, un& zwar gleich an einer ganzen Menge von Stellen, aber man hat ihn in diesen Schuh hineingezwängt; er darf ihn nicht Umtauschen, sondern muß zusehen, wie er darin laufen kann. Da hat er wie dankenswerterweise öfters seine Klagen wieder ein­mal vor der Presse ausgebreitet. Hat zwar festgestellt, daß seit 1925 die Betriebseinnahmen um 10 Prozent ge­stiegen sind, aber im gleichen Schritt auch die Ausgaben, doch nur im Durchschnitt; denn der Personalbestand ist zwar in diesen drei Jahren um über 32 000 Köpfe zurück- gegangen, aber die Kosten seiner Besoldung sind um 18 Prozent höher als 1925. Dabei macht es dem General­direktor am meisten Kummer, daß die Pensionslasten immer größer werden, schon jetzt 471 Millionen aus­machen, aber bis 1941 auf eine Höhe von fast 600 Mil­lionen anschwellen. Zu machen ist hiergegen nichts, denn es handelt sich dabei in der Hauptsache um Vorkriegs- beamte, die infolge des Verlustes weiter deutscher Ge­biete und damit langer Betriebsstrecken der Reichsbahn nicht mehr Verwendung finden können.

überhaupt der Krieg! Noch jetzt, und zwar auf fünf bis acht Jahre hinaus, muß die Reichsbahn jährlich etwa 250 Millionen aufwenden, um die Kriegsschäden im Ober­bau, bei dem Wagenpark, bei den Brücken und Hochbau­anlagen allmählich auszubessern. Da hilft es nicht allzuviel, daß man versucht hat, die Grundsätze moderner Rationalisierung auch im Eisenbahnbetriebe an- zuwenden. Nicht, so versichert der Reichsbahndirektor, auf Kosten der Arbeitszeit; denn er erklärte sich bereit, die An­regungen für eine Herabsetzung der Arbeitszeit möglichst zu akzeptieren. Aber die Durchrationalisterung der Werk- stättenbetriebe und die Verbesserung bei der Lokomotiv- Wirtschaft allerdings bekanntlich sehr zum Schaden der deutschen Lokomotivindusirie haben doch schon Er­sparnisse um über 100 Millionen erbracht.

Aber daslangtnichthinundher;die Haupt­sache sind ja die Einnahmen aus dem Güterverkehr und wie es damit werde« wird, m «as größte Sorgenkind Dorpmüllers. Denn fiter spricht nicht bloß die Wirtschaftskonjunktur ein sehr gewichtiges, wohl das entscheidende Wort, sondern auch größere Ar­beitskämpfe, wie z. B. der Konflikt in der Eisenindustrie. Und die letzte Tariferhöhung hat bestenfalls nur die Hälfte des vorhandenen Defizits gedeckt, hat aber, allen Prophe­zeiungen zum Trotz, zu der befürchteten allgemeinen Preissteigerung nicht geführt. Soll man aus diesen beiden Mitteilungen nun etwa herauslesen, daß die Reichsbahn, um auch die andere Hälfte des Defizits zu decken, zu einer nochmaligen Tariferhöhung schreitenwird?

Diese Deckung wäre ja da, wenn nicht bte vom Direktor Dorpmüller dreimal verwünschte Konkurrenz der Kraftwagen, besonders der Kraftwagenlinien, wäre. Die entziehen schon jetzt der Reichsbahn etwa 250 Millionen Mark Einnahmen. Voller Wut betont Dr. Dorvmüller dasschon jetzt", weil es nämlich in ein paar Jahren 500 Millionen sein werden. Denn die Haupt­konkurrentin, also die Reichspost, braucht zur Einrichtung von Kraftwagenlinien keinerlei Konzession, kann sozusagen eine solche Linie parallel zu einer Eisenbahnstrecke ein­richten, aber die Reichsbahn alsPrivat"unternehmen ist an die Konzessionspflicht gebunden, also u. a an die Bedürfnis- und Zweckmäßigkeitsfrage. So groß ist Diese Konkurrenz geworden, daß die Betriebs- und Transport­möglichkeiten auf der Reichsbahn längst nicht voll aus­genutzt werden. Dazu noch die Konkurrenz des nicht an bestimmte Linien gebundenen Kraftwagenverkehrs, nament­lich beim Warentransport also verlangt, nicht mit Un­recht, der Generaldirektor und Verantwortliche der Reichs­bahn. daß auch sie an dieser Entwicklung teilnehmen darf.

Nicht einmal mehr die früher selbstverständliche Mög­lichkeit hat die Reichsbahn, ihre Neu- und Umbauten jeder Art, Erweiterung oder Elektrifizierung des Betriebs­netzes, also die Kosten für werbende Anlagen, durch lang­fristige Anleihen zu decken; sie muß das, soweit es mög­lich ist aus Betriebseinnahmen bezahlen, und daher äußerste Einschränkung dieser Art von Bauten bittere Notwendigkeit, von deren Folgen die deutsche Wirtschaft ein noch bittereres Lied zu singen vermag. Und dazu nun noch die jährlich 600 Millionen und die 290 Millionen Verkehrssteuereinkünfte, die an die Entente zu zahlen sind! Angesichts all dieser Schwierigkeiten, dieser Schar von Sorgenkindern ist's schwer, einen Weg zu finden, der Besserung verheißt, einen Weg, der sicherlich lebr steinig und steil ist. Vor allem müssen das reisende Vublikum und die transportierende Wirtschaft sich dieser Schwierigkeiten bewußt sein; denn leider ist's nur allzu wahr was Dr. Dorpmüller an den Schluß ferner Dar- leaun'aen setzte: »Die Reichsbahn ist nicht mehr die reiche Verwaltung der Vorkriegszeit." Ganz im Gegenteil. Man kann auch auf sie das Wort aus der Kapuzmer- vrediat in SchillersWallenstein" entsprechend anwenden:

Das Römisch' Reich, daß Gott erbarm', j Ist gewordm ein Römisch' Arm."

Die kommende Schuldenkonserenz.

Sitzung des Auswärtigen Ausschusses.

Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages beriet über den Stand der Revarationsverüandlunaen. Reichs«

finanzminister Dr. Hilferding leitete die Verhandlungen durch ein längeres Referat ein. Auch Reichsaußenminister Dr. Stresemann und Reichswirtschaftsminister Dr.Curtius wohnten der Sitzung bei. Eine allgemeine Aussprache schloß sich an; Beschlüsse wurden aber nicht gefaßt.

Wie aus Washington gemeldet wird, ist das Ergebnis der letzten Besprechung Owen Doungs und P. Morgans mit dem amerikanischen Präsidenten Coolidge die schon oft genannte Tatsache gewesen, daß Coolidge nochmals nach­drücklichst die Trennung zwischen Reparationen und Kriegsschulden unterstrich. xrtzßAM iHiw ww*«v.

Schwierige Koaliiionsverhandlungen.

Der Kanzler beim Reichspräsidenten.

Reichskanzler Müller hat Donnerstag den Reichs­präsidenten aufgesucht, um ihm über die Lage bezüglich der Koalitionsverhandlungen Bericht zu erstatten. Im Vor­dergrund stand dabei auch die Frage der Etatsbehand­lung im Reichstag. Der Kanzler beabsichtigte alsbald mit den Parteiführern über die Resultate der Besprechung mit dem Reichspräsidenten zu verhandeln.

Die bisherigen Versuche des Reichskanzlers, in Besprechungen mit den Parteien die Schaffung einer tragfähigen Regierungsmehrheit zu fördern, haben kaum Erfolg gehabt.

Reichsverkehrsminister von Gusrard, der Zentrums- vertreter im Kabinett, vertrat in einer Unterredung mit dem Reichskanzler Müller mit Nachdruck die Forderungen des Zentrums, die aus eine sofortige Umbildung der Reich regierung bei entsprechender Berücksichtigung des Zen rums hinauslaufen. Reichskanzler Müller bat, vor­erst die Erfüllung dieser Forderungen zurückzustellen, bis er den Versuch gemacht habe, entsprechend den Wünschen der Deutschen Volkspartei eine gleichzeitige Umbildung der Regierung in Preußen zu erreichen. Wie aus Zen­trumskreisen verlautet, herrscht beim Zentrum nach wie vor die Auffassung, daß eine sofortige Umbildung der Reichsregierung erforderlich sei, auch dann, wenn eine gleichzeitige Erweiterung der Regierung in Preußen im Auaenblick nickt -u. erMAiM^ r^a..

Das Zentrum soll mindestens drei Reichsminister ver- langen, während es bisher nur durch Herrn von Guörard in der Regierung vertreten ist. Nur im dringendsten Fall will das Zentrum auf einen Minister verzichten, will dafür aber einen Staatssekretärposten haben. In Preußen stellt man sich entgegen der volksparteilichen Forderung auf den Standpunkt, das Reich müsse mit der Regierungs­umbildung vorangehen.

General Heye 60 Jahre.

Der Chef der Heeresleitung, General Wilhelm Heye, ist am 31. Januar 60 Jahre alt geworden. General Heye wurde am 31. Januar 1869 in Fulda als Sohn eines Offiziers geboren. Am 22. März 1888 wurde er vom Kadetten zum Leutnant befördert und trat in das Infan­terieregiment Nr. 70 ein. Im Jahre 1901 wurde er in den Generalstab versetzt und war zeitweise als General­stabsoffizier in Deutsch-Südwestafrika. Bei Ausbruch des Krieges wurde er Chef des Stabes des Landwehrkorps, aus dem sich dann die Armeeabteilung und später die Heeresgruppe Wovrsch entwickelte. Nach Beendigung des Lrieaes wurde General Heye im April 1919 zum Chef des

Generalstabes des Oberkommandos Grenzschutz Nord er­nannt. Am 1. Oktober 1919 erfolgte seine Ernennung zum Chef des Stabes des Truppenamtes im Reichswehr­ministerium und am 16. Juni 1920 die Ernennung zum Generalmajor. Am 1. April 1922 wurde General Heye zum Generalleutnant befördert, als Chef des Heeres­personalamtes. Am 1. November 1923 erfolgte dann die Bestellung zum Kommandeur der ersten Division und Befehlshaber des Wehrkreises 1. Nach dem Rücktritt des Generalobersten von Seeckt wurde General Heye am 9. Oktober 1926 Chef der Heeresleitung. Von der Reichs­leitung gingen dem Jubilar herzliche Glückwünsche zu, außerdem von vielen anderen Stellen.

Spanien noch nicht beruhigt.

Weitverzweigte Verschwörung.

Entgegen den optimistischen amtlichen Meldungen wird berichtet, daß die militärische Aufstandsbewegung in Spanien noch weit davon entfernt sei, eingedämmt zu sein, wie erklärt werde. Die Artilleriegarnison von Ciu- dad Real sei nicht die einzige, die sich im Aufstand befinde, nur seien die anderen noch nicht zu offenem Handeln über­gegangen. Die Bewegung sei um so gefährlicher für daS Direktorium und für Primo de Rivera, gegen den sie be­sonders gerichtet sei. Sie werde binnen kurzem und viel­leicht noch in dieser Woche trotz der ergriffenen Maß­nahmen wieder aufslackern.

Ein früherer Ministerpräsident verhastet.

Ministerpräsident Primo de Rivera kündigte an, daß der frühere Ministerpräsident Guerra verhaftet und nach Valencia gebracht worden sei, wo er in den Baracken des 5. Artillerieregiments bis zur weiteren Verfolgung durch die Behörden festgehalten werde. Seine Verhaftung hänge mit dem Versuch zusammen, die Artillerie in Valen­cia zum Anschluß an die revolutionäre Bewegung zu ver- anlassen.

Als Führer des Aufstandes werden außer dem verhaf­teten Sanchez Guerra, Alerander Leroux, Felix Gamboa und Alba genannt, die sich in Frankreich befinden. Der frühere Kriegsminister Aguilera gilt als das Hauvt der Bewegung, auch er soll bereits verhaftet sein. In Ciudad Real sind drei der Offiziere, die an der Aufstandsbe­wegung teilgenommen haben, vom Kriegsgericht zum Tode verurteilt worden.

Sorge um die preußische Landwirtschaff.

(37. Sitzung.) tt. Berlin, 3L Januar.

Bei der Aussprache über den GestütshauShall fordert Abg. Frau Wohlgemuth (Soz.) Streichung von drei Millionen Mark bei den Unterstützungen für Rertervereine. Die Interessen der ostpreußischen Pferdezucht müßten gewahrt werden.

Landwirtschaftsminister Dr. Steiger erklärt, die Nachfrage nach Pferden sei geringer geworden, was sich auch in einem Rückgang der Preise auswirke. Um den besonderen Verhältnissen O st Preußens Rechnung zu tragen, sei nur die Aufhebung Gudwallens in Aussicht ge­nommen. Die Zahl der vorhandenen Hengste betrage 2101 und sie solle auch weiterhin die Normalzahl darstellen Die Voll­blüter könnten aus züchterischen Gründen nicht entbehr! werden. Die Lösung der schwierigen Aufgaben der Gestüts- Verwaltung müsse planmäßig erfolgen, damit der Züchter einen bewußten Halt an den Maßnahmen der Gestütsverwaltung finde. Die Weiterberatung wird dann zur Vornahme über zurückgestellte

Abstimmungen über Landwirtschaftsfragen unterbrochen. Kommunistische Anträge auf Erhöhung bei Etatssatzes zur Unterstützung und Förderung der Ge- flügelzucht von 200 000 auf 800 000 Mark und um Einfügunz eines neuen Titels von fünf Millionen Mark zur Förderung der Molkereigenossenschaften der kleinmittelbäuerlichen Be­triebe werden abgelehnt.

Der Landtag nahm schonn die Anträge an, die n. a. fordern: Verlängerung der im Jahre 1926 an die Landwirt­schaft gegebenen Golddiskontoanleihe, Vereinfachung der im Rahmen des Notprogramms in der Durchführung begriffenen Umschuldungsaktion, Beseitigung der umsatzsteuerlichen Be- günstigung ausländischer Ag^arerzeugnisse, Vereinfachung der landwirtschaftlichen Besteueru-lgsarten, Herabsetzung der Kre­dite für Hochwasserschäden, Meliorationen, Saatgut un* Düngemittel und wirksame Hilfe für Roggenremenschuldne^ Kredltunterstützung der Kartoffelveredelungsindustrie, An- gletchung der preußischen Siedlungskredite an die ReichS- siedlungskredite und

Frachtermässigung für die ostpreußische Gesamtwirtschaft. Angenommen wird ferner der Antrag, durch geeignete Maß­nahmen alle Bestrebungen auf Einführung des Getreide- monopols zu verhindern. Weitere angenommene Anträge fordern einen Gesetzentwurf, um die stärkere Verarbeitung Den inländischem Brotgetreide sicherzustellen, ferner Unterbindung der Einfuhr fertiger Mühlenfabrikate, höhere Zollsätze aus lebendes Vieh, schärfere Handhabung der veterinärpolizeiliche« Bestimmungen, Nachprüfung der Frage des Gefrierfleisch- kontingents, Förderung von Milchkontrollvereinen und bei Molkereiwesens, Neueinrichtung und Förderung des Ber- uchsringwesens, bessere Organisation des Marktes in bei tark gemuseproduzierenden Provinz Niederschlesien. Ein- ttmmtg angenommen wurde ein kommunistischer Antrag, dafür zu sorgen daß baldmöglichst jeder Kreis eine staatliche land- wirtschaftliche Schule bekommt.

Angenommen wird ein deutschnationaler Antrag, der eint fernsten der Eichungsgebühr fordert und verlangt, daß d« Nacheichungsfrist kur die Landwirtschaft auf drei Jahre ver- geschehen'soll.""^ ®°6 ^ ^acheichung an Ort und Stelle selb.

SteuervereicheMichung im Reichstag.

(36. Sitzung.) CB. Berlin, 31. Januar.

Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der ersten Beratung des Steuervereinheitlichungsgesetzes. Abg. Colofser (Wirtschaftspartei) erklärt, seine Partei werde den Entwürfen ohne wesentliche Änderungen kaum zustimmen können Es sei weder eine Vereinfachung noch eine Vereinheitlichung er­kennbar. Der Redner kritisiert besonders die Hauszinssteuer.

Abg. Dr. Horlacher (Bayer. Bp.) lehnt den Entwurf als verfassungsändernd ab und betont. daß sich zahlreiche Wirt- schaftsverbünde gegen ihn ausgesprochen hätten. Der Entwurf bringe nicht eine Senkung der Realsteuern, sondern er berge die Gefahr einer bedeutenden Anspannung dieser Steuern in