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KersfelöerTageblatt

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oft NeNamezelle 50 Pfennig. (GrunSschrist Korpus). Bei wleöerholongrn wird ein rntsprechenörr Preis­nachlaß gewährt. Kür Oft Sch^stleitung verant­wortlich : Kranz Kunk in yersftlö. Kernsprecher Nr. 8

hersfelKer Kreisblatt

Amtlicher MnIeiger für den kreis hersfelS

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mit des Bellagea: Illu-rirrteS Anterhallungsblstt / Nach WeieesbMö / HerS Md Schotte / Anterbsltvng ssö Wisse« Belehrvn« aaö KAr?me§l / Wikttchaftl^e Tsoesfrosko.

Nr. 38

Donnerstag, den 14. Februar 1929

79. Jahrgang

Der bezwungene Mensch

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Was wird aus dem Menschen, diest .

gewaltigen Beherrscher der Natur, wenn diese Natur lachend die ihr angelegten Fesseln sprengt und sich fröhlich aus-- tobt! Ein Nichts wird aus ihm, der gestern noch so triumphierte über alle Kräfte des Erdballs, ein Flüchtling «wird er, der zitternd und bibbernd einen Verzweiflungs­kampf gegen die Kälte führt. Soll man ein wenig GoethesFaust" variieren?Nach Wärme drängt, an Wärme hängt doch alles, ach, wir Armen!"

Was wird aus all unserer Zivilisation, wenn die

Wasserleitung einfriert! Was aus unserer Kultur, wenn das gleiche im Gasrohr vor sich geht und der häusliche Herd zur Eisplatte wird! Von der Brause über der Bade­wanne melancholisch ein langer Eiszapfen herunterhängt! Ja, dann zeigt sich der Mensch immer mehr, wie er wirklich ist, dann sinkt sozusagen jede falsche Scham und man legt kein Gewicht mehr auf äußereSchönheit und Gestalt". In diesem Kampf verliert man die letzten Hemmungen und selbst einKavalier" trägt Ohrenschützer. Aber das Lachen darüber wird zur Grimasse, wenn die Kälte erbarmungslos in Ohren, Fingern und Zehen zwickt.

Jahr um Jahr hatten wir in Deutschland verhältnis­mäßig milde Winter gehabt und schon fing man an, dar­über zu diskutieren, woher das eigentlich käme, daß diese Milderung der früher so strengen Jahreszeit anscheinend zur angenehmen Gewohnheit der Natur wurde. Die Dis­kussion ist überflüssig geworden; denn was der Winter in den letzten Jahren versäumte, hat er doppelt und dreifachwiedernachgeholt. Der Nordpol scheint ein ganzes Stück nach Süden verrutscht zu sein und wir würden uns in Deutschland gar nicht übermäßig wundern, wenn am Himmel plötzlich ein Nordlicht auftauchen Würde. Die Eskimos sind uns beneidenswerte Menschen geworden, weil sie zum Kamps gegen die Kälte so viel besser ausgerüstet sind als wir armen Mitteleuropäer.

Welchen Schaden die Kältewellen angerichtet haben und noch anrichten, läßt sich jetzt noch gar nicht übersehen; aber selbst die dicke Schneedecke vermag nicht mehr zu ver­hindern, daß die verheerende Kälte immer tiefer in den Boden dringt. Immer sorgenvoller wird das

m a n n B 7 des Gewerbetreibenden; denn "lang­samer, viel langsamer erfolgt jetzt der Ablauf des Wirt­schaftsgetriebes. Handel und Wandel sind arg ins Stocken geraten und Tausende und aber Tausende stößt die Kälte in die Arbeitslosigkeit hinaus. Man spürt es, wie sehr das Wirtschaftsleben auch jetzt noch auf Gedeih und Verderb verknüpft ist mit der Natur und daß es stocken muß, wenn die Natur ein Halt! ihm zuruft. Durch die Winternacht rast der D-Zug da hebt der in einen Eismantel gehüllte Tod die Hand und unter seinem Schlag zersplittert das Menschenwerk, überall bekommt der stolze Mantel Risse, in den die Menschheit sich hüllt alsBändigerin" der Naturkrüste. Bis diele aufspringen, zähnefletschend wie bissige Hunde, und die Hülle herunter­reißen. Und sich die Natur wieder auf den angestammten, ihr vorgeblich geraubten Herrscherthron setzt, vor dem der Mensch die Knie zitternd beugen muß

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Tetegkammwechsel Kindenburg-popff.

Der Reichspräsident hat an den Papst bei der Wieder­kehr seines Krönunqstages nachstehendes Telegramm ge­richtet:Euer Heiligkeit bitte ich, zum Krönungsfeste meine aufrichtigsten und wärmsten Glückwünsche cntgegen- zunehmen. von Hindenburg, Deutscher Reichspräsident." Der Papst hat darauf wie folgt geantwortet:Ew. Ex­zellenz gütiges Gedenken und innigsten Glückwünsche er­widern wir dankbarst mit den herzlichsten Segenswünschen für Ihre Person und das gesamte Deutsche Volk. Pius p. p. XI."

Am Krönungstage des Papstes Pius XI. gab der Apostolische Nuntius P a c e l l i in Berlin ein Essen, an dem teilnahmen: der Reichspräsident mit Staatssekretär Meißner und Oberstleutnant v. Hinden­burg, Reichskanzler Müller mit Staatssekretär Pünder, der preußische M i n i st e r p r ä s i d e n t Dr. Braun mit Staatssekretär Dr. Weismann, der preußische Kultusminister Dr. Becker mit Staatssekretär Lammers sowie zahlreiche bei der Reichsregierung be­glaubigte Botschafter und Gesandte.

Zu dem Abkommen zwischen dem Vatikan und der italienischen Regierung haben sowohl der Reichspräsident als auch die Reichsregierung den italienischen Botschafter in Berlin sowie den päpstlichen Nuntius gebeten, die Glückwünsche der Regierung und des Reichspräsidenten nach Rom zu übermitteln. Gleichzeitig sind Herr v. Bergen und Freiherr v. Neurath beauftragt worden, in Rom selbst ähnliche Schritte zu tun.

Das Abkommen zwischen der italienischen Regierung und dem Vatikan wird sich für England wahrscheinlich durch die Entsendung eines päpstlichen diplomatischen Vertreters an den Londoner Hof auswirken. ^

Von einem stürzenden Vaum Zerschmettert.

Amsterdam Wie aus Bandoeng (Java) gemeldet wird, wurde auf der Besitzung Dewata in Bezirk Tjiwide während eines starken Sturmes ein Hans von einem stürzenden Baum zertrümmert. Sieben Personen wurden getötet, sieben schwer verletzt. _________

M»0 ta beigen 6t«erliß

Die Pariser Verhandlungen

Eindrucksvolle Darlegungen Schachts.

Im Fortgang der Beratungen der Pariser Repara­tionskonferenz kamen die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland zur ausgedehnten Behandlung und der deutsche Vertreter Dr. Schacht gab eine eingehende Dar­stellung. Obwohl keinerlei Mitteilungen an die Öffent­lichkeit gegeben werden, ist doch soviel bekanntgeworden, daß Dr. Schacht ein wesentlich anderes, der Wirklichkeit näher kommendes Bild entwarf, als es der optimistische Bericht des Reparationsagenten Parker Gilbert vor einiger Zeit bot.

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Dr. Schacht sprach ausführlich über die Entwicklung der deutschen Verhältnisse seit Inkrafttreten des Dawes- Plaues, schilderte dessen Folgen und Wirkungen und ging insbesondere auf die Frage ein, ob die regelmäßigen Dawes-Zahlungen aus deutschen Ersparnissen oder aus Ausländsanleihen beglichen wurden. Auch die Fehler im Dawes-Plan und die falschen Voraussetzungen, die sich später nicht erfüllten, wurden von Dr. Schacht' be­rührt. Diese Ausführungen Dr. Schachts haben einen tiefen Eindruck nicht zuletzt bei den Amerikanern hinterlassen und wurden von den verschiedensten Seiten als eine ausgezeichnete übersichtliche Darstellung be­zeichnet.

»Nur die Wirklichkeit."

Das Pariser BlattMatin" hat erfahren, daß Dr.

Um die Ausschüttung

des SchMiungswesens.

Die Ar bei tne htr er beraten.

In Berlin sind die drei roßen Arbeitnehmer- «r- Vier, Vn.^;»mMa

liche Textilarbeiterverband Ulf der Htrjcy-Dunaerjcyö Textilarbeiterverband, zusammengetreten, um zu den ihnen am 6. Februar zugeleiteten Vorschlägen des Arbeitgeber­verbandes Stellung zu nehmen. Die Vorschläge der Arbeitgeber sehen im wesentlichen vor Schaffung eines zentralen Schiedsgerichts, bestehend aus drei neutralen Schiedsrichtern, die gemeinsam von den Parteien be­stimmt werden, also beiderseitige f r e i w i l l i g e Aus' schaltung des amtlichen Schlichtungs­wesens. Ferner Rückgängigmachung aller bereits aus­gesprochenen oder angekündigten Streiks unb Aussper­rungen und Schließung eines Burgfriedens. Bei den in Frage kommenden Verhandlungen handelt es sich um rund 200 060 Arbeitnehmer.

Vorstoß der Gaardeuischen.

Gegen den französischen Sprachunterricht.

Seit der Besetzung des Saargebietes haben die Fran­zosen die Fiktion aufrechterhalten, es handele sich um ein zweisprachiges Gebiet, in dem mindestens 100 000 franzö­sische uno französisch sprechende Einwohner vorhanden seien, obwohl es sich natürlich um ein rein deutsches Land handelt. Mit allen Kräften sucht man von Paris aus die unrichtige Behauptung zu stützen und hat jüngst erst eine Aufforderung erlassen zur Teilnahme der Kinder an dem auch in den Volksschulen eingeführten französischen Sprachunterricht. .

Demgegenüber erlassen jetzt sämtliche poütychen Parteien des Saargebietes mit Ausnahme der Kommu­nisten einen Ausrus an die Bevölkerung, in dem diese aus- gefordert wird, bis zur endgültigen Rückkehr des Saar­gebietes zum deutschen Vaterland ben französischen Schulen und auch jedem freigestellten französischen Unter­richt fernzubleiben.Der unter anderen Umstanden be- rechtlgte Anspruch jedeH gut begabten Schulkindes auf das Erlernen einer fremden Sprache muß und kann im Saar­gebiet ohne Bedenken bis zu unserer Rückkehr ins Vater­land zurücktreten vor unseren großen politischen Zielen.

Abgeordneter Ltlitz verhaftet.

Deutschenhetze in Ostoberschlesien.

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Der Geschäftsführer des Deutschen Volksbundes Kattowitz, Abgeordneter U l i tz , ist am Mittwoch von der Polizei verhaftet worden. Die Gründe, die zu seiner Verhaftung führten, dürften in der Erklärung, die der Woiwode derPolfka Zachodnia" anläßlich der Auflösung des Schlesischen Sejms gegeben hat, zu suchen sein.

Bekanntlich hatte der Schlesische Sejm seinerzeit den Antrag des Staatsanwalts auf Auslieferung des Ab­geordneten Ulitz, der beschuldigt wird, Militärdienst­pflichtigen zur Flucht verholfen zu haben, abgelehnt. Nachdem nun der Schlesische Sejm aufgelöst und das Mandat erloschen ist, hat man dem Staatsanwalt die so­fortige Verhaftung des Abgeordneten Ulitz aufgetragen, die auch nach kaum 24 Stunden nach Schluß des Schle- sischen Sejms durchgeführt worden ist. Die Auslösung des Ostoberschlesischen Sejms erfolgte auf Antrag des

Schacht am Schluß seiner Ausführungen gesagt habe, j^^uach seiner Ansicht die Sanierung nicht in der hvpo- thetlsch festgesetzten Zeit habe erreicht werden können. Man müsse sich vor dem Schein hüten und dürfe nur die Wirklichkeit berücksichtigen. Dr. Schacht habe es sich angelegen sein lassen, zu beweisen, daß die Sach­verständigen den Lebensstandard des deutschen Volkes fehlerhaft beurteilen, wenn sie sich nur auf die Statistiken oder gar nur auf die Eindrücke berufen, die sie in gewissen begünstigten Verkehrszentren sammeln können. Berlin und einige andere große deutsche Städte seien nicht ganz Deutschland. In Wirklichkeit lebe das deutsche Volk weniger gut als früher, seine Steuerlasten seien schwerer als vor dem Kriege.

Steuer und Realeinkommen.

Auf Anregung des Vorsitzenden der Konferenz trat man nach Schachts Rede in die Aussprache ein. Es er­wies sich als nicht ganz einfach, die Frage der Wirkungs- itieife des Dawes-Planes auf Deutschland zum Ausgangs- punkr der Sachverständigenverhandlungen zu wählen. Es kam ein Beschluß zustande, mit der Behandlung folgender zwei Fragen zu beginnen: Die Steuerlasten Deutschlands im Vergleich zu denen der Ententestaaten und das Realeinkommen der Arbeiter und die durch dieses Einkommen bedingte Kaufkraft. Auch ver­schiedene andere Einzelfragen sind in Aussicht genommen, ohne daß jedoch bisher eine Einigkeit über sie erzielt wurde.

zraomelis, Da seine fünfjährige Amtsdauer bereits über­schritten war. In der Auflösungsbegründung sagt der Woiwode, der Ostoberschlesische Sejm hätte keine nützliche Arbeit mehr geleistet, so u. a. nicht einmal den Abgeord­neten Ulitz ausgeliefert. K o r f a n t y hat vor kurzem er­klärt, daß der erste Beamte der Woiwodschaft vor den

Das Z-airimonium Psiri.

Das in Rom 59 Jahre nach 1870, wo der alte Kirchenstaat durch die Piemontesen annektiert und dem Königreich Italien einverleibt wurde, neugeschaffene und der Souveränität des Papstes unterstellte Kirchengebiet besteht zum Teil aus den Gebäulichkeiten und den Gartenanlagen des Vatikans. Hierzu kommen der Campo Santo (der deutsche Friedhof), der Palast und die Basilika des Laterans unb mehrere Villen in der Um­gebung Roms, die päpstlicher Besitz sind. Die Peterskirche und der Petersplatz sind einbezogen, unterstehen jedoch der Polizei- gewalt der italienischen Regierung. Das Gesamtgebiet um­faßt 44 Hektar.

Außer dem Lateran gehören zu bent Territorium des Papstes die Basilika Santa Maria Maggiore mit dem zuge­hörigen Palast, die Basilika San Paolo fuori le mura mit dem anschließenden Benediktinerkloster, die abofiolücbe Villa

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wii «Lugen ©anooijo mit ver ustua Barberini, sowie alle Ver­größerungen, die der Heilige Stuhl in dieser Beziehung vor­nehmen wird, das Collegium de Propaganda Fide aus dem . Janiculus, der Satari-Palast gegenüber dem Quirinal, der Palast der Cancelleria am Corso Vittorio Emanuele, der grosse Propagandapalast am Spanischen Platz, der Palast des Vika- riats. Weitere päpstliche Gebäude werden den italienischen Steuerbehörden entzogen und dürfen nicht expropriiert werden, auch nicht aus Gründen des öffentlichen Nutzens; darunter be­findet sich die Jesuitenuniversität oder Gregoriana an der Piazza della Piloita, das auf demselben Platz befindliche Bibelinstitut, das orientalische Institut, das christlich-archäo­logische Institut, das russische Seminar und das lombardische Seminar, die beiden Paläste an der Apollinariskirche, das Exerzitienhaus für den Klerus auf dem Joelius.

See eingefrorene Arbeiismartt.

Stärkeres Steigen der Arbeitslosigkeit.

Der ungewöhnlich strenge und anhaltende Winter üb: auf den ohnehin geschwächten Arbeitsmarkt den un­günstigsten Einfluß aus. Er greift nicht nur tiefer in die betroffenen Berufsarten ein, sondern erweitert ihren Kreis noch ständig. Die Außenarbeiten liegen fast völlig still; sogar Abraumbetriebe im Braunkohlenbergbau sind