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kersfel-erTageblatt

flnzeigenpre!»; V«e etnfpalNgr petitzrste 15 Pfmuia, -ie Keklamezeile 50 Pfennig. (Grundschrist Korpus). Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preis­nachlaß gewährt. Zür die Schristleitung verant­wortlich r §ranz Kunk in Hersfeld. Zernsprrcher Nr. S

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis tzersfel- mit den Beilagen: Allostriektes Anterhaltangsblatt / Nach Aeierabenb / Herd and Scholle / Anterbaltnag und Wtssen Belebrnng and Knerwell / Wirtschaftliche Togestraoen.

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Nr. 39

Deutsche Beschwerde in Gens

Der Fall Ulitz.

Überraschung beim Völkerbund.

Im Generalsekretariat des Völkerbundes zu Genf ist Donnerstag die telegraphische Petition des Deutschen Volksbundes in Oberschlesien eingetroffen, in der gegen die Verhaftung seines Leiters Ulitz protestiert und seine Freilassung gefordert wird. Die Petitton liegt bereits dem Generalsekretär vor, der sich über die Antwort schlüssig werden will. Es ist anzunehmen, daß das Sekretariat das Dringlichkeitsverfahren als gegeben erachtet. Für diesen Fall liegt folgende Entschließung des Rates vor: In Fällen äußerster Dringlichkeit teilt der Generalsekretär die Petition den Ratsmitgliedern mit, sobald sie im Sekre­tariat eingetroffen ist, und läßt die Frage auf die Tages­ordnung der unmittelbar folgenden Ratstagung eintragen. Gleichzeitig sendet er die Petition der interessierten Re­gierung, damit sie ihre Bemerkungen dazu erteilen kann. Es ist anzunehmen, daß dieses Verfahren eingeschlagen wird.

Die Verhaftung Ulitz' hat im Generalsekretariat des- Völkerbundes unverkennbare Überraschung hervor­gerufen. Man sieht in ihr eine bedenkliche Verschärfung der Minderheitenfrage, die demnächst zur Sprache kommen soll. __

Keinerlei sachliche Grundlage.

In dem Protesttelegramm, das der Deutsche Volks­bund an den Völkerbund gesandt hat, wird ausgeführt, die Verhaftung entbehre jeder sachlichen Grundlage und ermangele jeder formalen strafprozessualen Voraussetzung, da weder Verdunkelungsgefahr noch Fluchtverdacht be­stehe. Sie sei nur dadurch zu erklären, daß Ulitz der deutschen Minderheit angehöre.

Der Völkerbund wird gebeten, die nötigen Maß- "" S -LM 1mM A* Wa SS ein Kommissar mit der Prüfung des weiteren Verfahrens beauftragt werden. Schließlich seien die nötigen Maß- nahmen zu treffen, um Ulitz gegen die völlig unbegründete Strafverfolgung zu schützen.

Polens Aebergriffe.

Angekündigt hatte es der deutsche Außenminister auf der letzten Konferenz des Völkerbundrates, daß so bald als möglich die Frage des Rechtes der M i n d e r h e i t e n auf der Tagesordnung der Völkerbundversammlung er­scheinen sollte. Durchaus zweifelhaft aber war es, ob es gelingen würde, eine grundsätzliche Verhandlung darüber in einer Einrichtung herbeizuführen, die, wie es der Völkerbund doch ist, gerade seinen Ursprung dem Dogma des Selbstbestimmungsrechts der Völker verdankt; es also als vornehmste Aufgabe betrachten sollte, diesem Rechte wirkliche Geltung zu verschaffen. Minderheitsfragen haben ja eigentlich jedesmal auf der Tagesordnung solcher Sitzungen gestanden, bk bittersten Klagen namentlich aus den polnisch gewordenen Teilen Ober­schlesiens beschäftigten immer und immer wieder die Genfer Versammlung. Wenn den zahllosen Beschwerden auch nicht jedesmal stattgegeben wurde, so geschah er­freulicherweise doch manches, was die Bedrückung des dortigen Deutschtums wenigstens etwas milderte:

Weniger die Auflösung des Ostoberschlesischen Sejms als die Verhaftung des bisherigen Sejmabgeordneten Ulitz wird nun Veranlassung geben, die Absichten des deutschen Außenministers auf eine grundsätzliche Behand­

Schnelle Arbeit in Paris.

Die Reparationsverhandlungen.

Obwohl keine Berichte ausgegeben werden, hat sich doch in Paris die Meinung herausgebildet, daß die Arbeit der Schuldenregelungskonserenz ziemlich schnell vorwärtsschreitet. Der PariserNew Nork Heraid" schreibt, das Sachverständigenkomitee soll in den letzten drei Tagen weiter gekommen sein, als manche Delegierte es erwarteten. Andere amerikanische Quellen bestätigen diese Aussage. Das Tempo der Verhandlungen sei drei­mal so schnell, als man vor ihrem Beginn annahm.

Weiter heißt es, daß Dr. Schachts Ausführungen keineswegs unvereinbar mit dem Bericht Parker Gilberts gewesen seien. Sie hätten vielmehr den Charakter der Auslegung des Berichts gehabt, indem sie einige Schlüsse, die man aus diesem ziehen konnte, näher erklärten. Auch die Debatte über die Schachtsche Rede sei kein Kampf zwischen widerstrebenden Meinungen gewesen, sondern hätte nur dem Versuch gedient, eine gemeinsame Grund­lage zu finden. Während andere französische Blätter noch die Anschneidung der Fragen der deutschen Wirtschafts­klagen und damit der deutschen Leistungsfähigkeit als Manöver der deutschen Delegation" bezeichnen, sagt das Petit Journal", die von deutscher Seite vorgelegten Statistiken hätten offenbar ihren Wert gehabt, und die Delegierten würden nicht verfehlen, sie aufmerksam zu untersuchen.

Von General D a w e s ist ein Begrübungstelearamm

Freilag, den 15. Februar 1929

lung des Minderheitenrechts in Gens zu verwirklichen. Die polnische Regierung hat wohl damit gerechnet, daß diese ihr nicht sehr angenehme Streitfrage zirr Sprache kommen würde, hat darum versucht, einen Gegenzug zu machen durch den Antrag, daß die im Völkerbundstatut angedeute- len Bestimmungen des Minderheitenausschusses auf alle Staaten ausgedehnt werden und nicht bloß auf den Schutz der deutschen Minderheiten in Polen beschränkt sein sollten. Dieser Antrag ist bedauerlicherweise zurück­gezogen worden, und zwar auf französische Veran­lassung, offenbar, weil man in Paris ein Anschneiden der elsässischen Frage besorgte. Auch die Verhält­nisse in der Tschechoslowakei und in S ü d t i r o l, anßer- deni in Litauen würden möglicherweise zur Sprache kommen. Deutschland jedenfalls hätte eine Behandlung des Minderheitenrechtes nicht zu fürchten, denn selbst der Vorsitzende des in der Hauptsache polnischen Minderheitenverbandes, Dr. Kaczmarek, hat vor kurzem erklärt, daß der neue Gesetzentwurf über das Schulwesen der fremdsprachigen Minderheiten in Deutschland allen

Forderungen genüge.

Durch das Telegramm der Gattin des Verhafteten und durch den Protest des Deutschen Volksbundes in Polen, dessen Vorsitzender Ulitz ist, wird der Völkerbund vor eine Entscheidung gestellt, die seinem Sekretariat wohl nicht sehr angenehm sein mag, um die er aber kaum herum kann, zumal die der Anklage zugrunde liegende Bescheini­gung, die eine Begünstigung der Fahnenslucht enthält, in den deutschen Kreisen Ostoberschlesiens für eine glatte Vielleicht ist die Verhaftung des r Volksbundes auch als ein fran-

Fälschung erklärt wird. Vielleicht ist die Verhaftung des Präsidenten des Deutschen Volksbundes auch als ein sran- zösischerseits zugebilligtes Zugeständnis für die Zurück­ziehung des polnischen Minderheitenantrages betrachtet, ebenso die Haussuchung, die wieder einmal in den Geschäftsräumen des Deutschen Volksbundes veranstaltet

worden ist.

Man beschuldigt den jetzt Verbafieten,gegen die ' . .....- I IM?.«* '-a Das ist eine Anklage, die in allen jenen Staaten oft genug wiederkehrt, wo das vom Reich oder von Österreich ab­gerissene Deutschtum i nt Mampf u m seine Existenz steht. Nach der Szene, die sich auf der letzten Völkerbundratstagung in Genf abspielte, als Dr. Strese- mann vor dem polnischen Außenminister wegen der Be­handlung der deutschenMinderheit" in Polen mit der Faust auf den Tisch schlug, war vorauszusehen, daß die Warschauer Regierung einen womöglich noch deutsch­feindlicheren Kurs einschlagen würde. Das ist auch ge­schehen. Die deutsch-polnischen Handelsvertragsverhand­lungen gerieten ins Stocken unb die Auflösung des Ost­oberschlesischen Sejms ebenso wie die nunmehr erfolgte Verhaftung des Abgeordneten Ulitz sind nur Zeichen für die Verschärfung de r bisherigen Politik der Verfolgung und Riederknebelung des Deutschtums.

Im März findet ja die nächste Tagung des Völker­bundrates statt. Dort wird und muß die Frage des Minderheitenrechts nicht bloß zur Sprache kommen, sondern jvirklich etwas geschehe n. Jy Genf gibt es ja auch mit dem Internationalen Arbeitsamt eine Ein­richtung des Völkerbundes,, die sich mit den Fragen des Sozialrechts befaßt und zweifellos große Erfolge erzielt hat; es ist höchste Zeit, daß ein gleiches auch für das Recht der Minderheiten geschaffen wirb Deutschland muß darauf bestehen, denn sein Eintritt in den Völkerbund ist nicht zuletzt mit der Hoffnung geschehen, eine Stelle zu finden, auf der man das D e u t s ch t u m im Au sl and vor Unterdrückung und Verfolgung erfolgreich schützen kann. Bisher hat sich diese Hoffnung nur in sehr be­schränktem Maße erfüllen lassiu.

bei der Konferenz mit folgendem Wortlaut eingetroffen: Ich bestätige dankend den Empfang des Grußes des Sachverständigenausschusses. Die -Welt erwartet im Ver­trauen auf das hohe Ziel und die Bedeutung des großen Werkes hoffnungsvoll dessen Vollendung, die so wesentlich für das Wohlergehen der Welt ist." über die Donners­tagsitzung der Reparationssachverständigen wurde keine Mitteilung ausgegeben. Es verlautet, daß die Aussprache der Zahlungsbilanz Deutschlands galt.

Der falsche Sachverständige.

Am Mittwoch waren die Sachverständigen bei ihrer Sitzung erstaunt, unter sich ein unbekanntes G e s i ch t zu sehen. Man glaubte, der Fremde gehöre zu einer ausländischen Abordnung. Erst im Laufe der Be­ratungen fiel es einem französischen Sekretär ein, den un­bekannten Sachverständigen nach seinem Namen zu fragen. Auf natürlichste Weise der Welt antwortete er, daß er die Presse vertrete. Es handelte sich um einen auslän­dischen Journalisten, der tags zuvor in Paris ein­getroffen war. Man wies ihn hinaus, da keine Bericht- 'ersiatter zugela lichkeit proklam

en sind und überhaupt strenge Vertrau­ert '

Das FranzensbaderGrand-Hotel" in Flammen.

Franzensbad. ImGrand-Horel" brach ein Brand aus der sehr rasch um sich griff und binnen kurzem das Dach des Hotelkomplexes vernichtete. Die Bewohner der umliegender Häuser mußten mit heißem Wasser die Schläuche und Wasser- zuführungen vor dem Einfrieren schützen.

79. Jahrgang

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Zerstörung von DschellaiaHad.

Afghanistan im Bürgerkrieg.

Das Ringen um die oberste Gewalt in Afghanistan hat sich anscheinend wieder in der Hauptsache gegen den entthronten Aman Ullah gewendet, dem man noch vor einigen Tagen den Wiedergewinn der Krone prophezeite. Starke Abteilungen der aufrührerischen Bergstämme, Schinwaris und Khugianis, sind in Djagdalak dem dort stehenden ehemaligen Gouverneur von Kabul und früheren Gesandten in Berlin, Ali A ch m e d Khan, in den Rücken gefallen und haben ihm eine schwere Niederlage beigebracht. Bei dieser Gelegenheit ist die Stadt Dschella- labad zerstört worden. Lose Kampfabteilungen der Berg­völker drangen in die Stadt ein, plünderten sie und zünde­ten sie an. Dabei explodierte eines der Forts, in dem sich ein größeres Munitionslager befand. Jetzt besteht Dschella- labad nur noch aus rauchenden Trümmern.

Inzwischen gärt es auch in den anderen Teilen des Landes. Der starke Stamm der Gilhzais rüstet; wessen Partei er ergreifen wird, ist noch unklar. Es ist möglich, daß der Stammeshäuptling Ghan Saddin nunmehr auf die Hauptstadt marschieren wird. Das englische Entsatz­flugzeug, das bei Tscharbagh niederging, um die Insassen des notgelandeten Truppentransportflugzeuges abzuholen, kehrte mit einem der Offiziere wieder nach Peschawar zurück, der andere ist zurückgeblieben. Einer Erklärung Sir Allsten Chamberlains im Englischen Unterhaus zu­folge sind bisher 366 Personen aus Kabul auf dem Luft­wege abgeholt worden, darunter befanden sich 34 Deutsche.

Der Papst lobt Mussolini.

Der abgeschlossene Vertrag.

Papst Pius XI. führte beim Empfang von Professoren und Studenten der katholischen Universität Mailand aus: Der Vertrag zwischen dem Päpstlichen Stuhl und Italien bedarf nicht allzu vieler äußerer oder innerer Rechtferti­gungen; denn seine Hauptbedeutung beruht auf dem Konkordat, das den Vertrag nickst j^t^erflürrtdMna^

Der Papst schilderte dann ausführlich die Tragweite des Konkordates, das die Stellung der Kirche in Italien nach so vielen Konfliktsjahren regelt, und fügte noch hinzu: Der Päpstliche Stuhl fand hinsichtlich seiner Wünsche in der Konkordatssrage ein edles Entgegen­kommen auf der andern Seite. Vielleicht war auch ein Mann dazu nötig wie derjenige, den uns die Vorsehung sandte, ein Mann, der nicht die Vorurteile der liberalen Schule hatte. Durch die Gnade Gottes und durch viel Arbeit ist es gelungen, ein Konkordat abzuschließen, das zweifellos zu den besten gehört. Mit tiefer Freude haben wir wieder Gott Italien und Italien Gott gegeben.

Atieniaisversuch in Venezuela.

Mordanschlag auf den Präsidenten.

Aus der an der Grenze von Venezuela gelegenen kolumbischen Stadt San JosS de Cucuta wird gemeldet, daß auf den Präsidenten von Venezuela, G o m e z, ein Mordanschlag verübt wurde, der jedoch mißglückte Während sich der Präsident mit einigen Begleitern auf einer Automobilfahrt in der Nähe von Maracai, einer unweit Caracas gelegenen Stadt, befand, wurden von

Präsident Gomez.

sechs Männern, die in einem zweiten Automobil gefolgt waren, Schüsse auf den Präsidenten abgegeben, die jedoch ihr Ziel verfehlten. Die Begleiter des Präsidenten er­widerten das Feuer; alle sechs Angreifer wurden getötet. Der Präsident und seine Begleiter blieben unverletzt.

Mord und Selbstmord.

Stuttgart. In der Vorstadt Ostheim wurde eine 36jährigi Frau mit ihrem sechs Jahre alten Kinde im Bett liegend toi aufgesunden. Die Ermittlungen ergaben, daß es sich um More und Selbstmord durch Einatmen von Leuchtgas handelt.