yersfelöerTageblatt
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Mgra^ttot Mt MfpÄkW PMtzrM 15 Vstmls, Mt RrNamyetl» 50 Pfennig. (Gruntschrist Aorpar). Bei Wlküerhvlungin wird ein entsprechender prei*- NachlaK gewahrt. ♦ §ür die Schristleitung serant- «»«llch: Zranx Zunk in HersselS- ♦ zerosprecher Nr. 8
Hersfelöer Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö
Mssakvcher Vrzagssrei« durch MtPeR bezogen 1^0 ^ichs-Mark, susschließllch Vestellgel», für tzersfelö 1.20 Reichs-Mark bei freier Zustellung, fJr fibholrr 1.00 Reichs-Mark.«- druck und Verlag von Ludwig Kanko VuchSrnckteel in Heros,ld, Mitglied de» vd-Zv.
mit Sen Beilage«: Illustriertes AnterhalLuugsdlatt / Nach Ueieradsud / Herd and Grolle / Auterbaltoug and Wlfsev Brlehnms and Kurzweil / WirtschaWcke Tsaesfraseu.
Nr. 80
Mer Blatt)
Sonnabend, den 6. April 1029
T9. Jahrgang
Eindeutigkeiten.
Das Rührmichnichtan. — Der neue Werftdiktator. Amerikanische Unverfrorenheit.
Die Winterstürme wollen diesmal dem von Richard Wagner so wundersam besungenen Wonnemond durchaus nicht weichen. Wir hatten weiße Ostern und dürfen es nach allem, was die Wetterkundigen sagen, nicht einmal für ausgeschlossen halten, daß sogar das liebliche Pfingstfest sich uns Anno 1929 noch in mehr oder weniger winterlichem Gewände präsentiert: Kein Wunder, wenn da die Menschen ziemlich frostigen Gemütes an die Erledigung der Geschäfte herangehen, die sich nun nicht länger mehr vertagen lassen. Die deutschen Parlamentarier also an die endliche Bereinigung ihrer Budget- sorgen, von der unter anderem das Schicksal des gegenwärtigen Reichskabinetts abhängt, und die in Paris versammelten Sachverständigen an die nachgerade unaufschiebbar gewordene Lösung des Zahlenproblems, das Rührmichnichtan, an dem sie sich begreiflicherweise nicht gern die Finger verbrennen möchten. Aber vielleicht wächst ihr Mut zur Bewältigung dieses schwierigen Rechenexempels angesichts des Beispiels, das die bulgarische Regierung in diesen Tagen gegeben hat. Sie war in Paris schon wiederholt vorstellig geworden mit der Bitte um einen 50prozentigen Nachlaß für die am 1. April fällig gewesene Reparationsrate, ohne jedoch darauf irgendeiner Antwort gewürdigt zu werden. Wer schweigt, stimmt zu, sagten sich darauf die Herren in Sofia und übersandten der verehrlichen Reparationskommission diesmal nur die Hälfte der 2% Millionen Goldfrank, die ihnen eigentlich auferlegt waren, unter Berufung aus die schlechte Finanzlage des Landes, die ja keines weiteren Beweises bedürfe. Wenn man sich mit Deutschland nicht der gleichen Gefahr anssetzen will, so wird man schon einigermaßen Rücksicht nehmen müssen auf die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit, die ja jetzt immer deutlicher her- vortreten.
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Umgekehrt ist man auf der Gegenseite freilich immer wieder bemüht, uns davon zu überzeugen, daß wir von den Herrschaften in Paris und in London nichts Gutes zu erwarten haben. Es war ihnen gewiß kein Geheimnis, welchen Klang der Name des Generals Lerond so ziemlich überall in deutschen Landen besitzt, seitdem er uns in Oberschlesien so unmißverständliche Beweise seiner polenfreundlichen Gesinnung gegeben hat. Trotzdem hat man ihn jetzt an die Spitze des Aufsichtsrates der Danziger Werft gestellt, nur um den Polen damit einen neuen Aktivposten für ihren Kampf um den maßgebenden Einfluß in dieser uralten deutschen Hansestadt in die Hand zu spielen. Herr Lerond steht schon lange in dem Ruf eines Geschäftsreisenden für den französischen Generalstab, dessen Interessen er in Prag wie in Warschau, in Belgrad wie in Bukarest nach Kräften wahrgenommen hat. Gerät er jetzt auch noch in den Verdacht einer sehr einträglichen Futterkrippenjägerei, so wird ihn das vermutlich nicht sehr genieren; er ist Soldat und übernimmt jeden Posten, auf den er gestellt wird. Wundern muß man sich nur über die Unverfrorenheit der französischen Presse, die zur gleichen Zeit, da die Absichten der britisch-französisch-polnischen Entente uns wieder einmal so unverhüllt vor Augen geführt werden, von Deutschland Beweise seiner aufrichtigen Erfüllungsbereitschaft fordert! Herr Briand verweigert uns heute noch die Erlaubnis zur Erneuerung von Eisenbahnbrücken auf irgendeiner nebensächlichen und für strategische Zwecke gewiß nicht im entferntesten in Betracht kommenden Kleinbahnstrecke im besetzten Gebiet, von dessen Räumung heute kein Mensch mehr spricht, obwohl sie uns als Preis für die freiwilligen Leistungen des Locarnovertrages in Aussicht gestellt wurde. Das ist eine Art von Vertragstreue, deren anscheinend nur französische Staatsmänner fähig sind. Die Ernennung Leronds zum Werftdiktator von Danzig aber hat wenigstens den einen Vorzug einer ganz eindeutigen Begünstigung des polnischen Gernegroßes an der Weichsel; sie wird als solche hoffentlich nicht nur in Moskau richtig verstanden und geweitet werden.
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Eine eindeutige Sprache reden auch gewisse Pro - z e s s e in der Alten und in der Neuen Welt, die man nur einander gegenüberzustellen braucht, um wieder einmal von der ganzen Wucht der Erkenntnis getroffen zu werden, wie keinem anderen Volk der Erde gegenüber Zumutungen gewagt werden, die man Deutschland gegenüber nicht nur für erlaubt, sondern nahezu für selbstverständlich hält. Zwei amerikanische Eisenbahngesellschaften prozessieren jetzt in Washington gegen das Deutsche Reich wegen Zerstörung von Bahnanlagen in den Jahren noch vor Eintritt Amerikas in den Weltkrieg. Man hat keine Erklärung für diese Zerstörung finden können und behauptet nun kurz und bündig, sie sei durch deutsche Geheimagenten bewirkt worden, weil — andere Schuldige sich nicht hätten auffinden lassen. Nicht sie, die Amerikaner, hätten die Schuld und die Verantwortung des Deutschen Reiches, sondern dieses hätte seine Nicht- schuld an den Zerstörungen nachzuweisen. Also ungefähr so der Standpunkt des Versailler Vertrages, angewandt auf einen x-beliebigen privaten Tatbestand. Eine Unverfrorenheit, die, wenn sie nicht erfolgreich abgewehrt wird, nach den Amerikanern sich gewiß auch bald europäische Flibustiernaturen zu eigen machen werden. Und vor dem Moabiter Schöffengericht steht ein deutscher
Todesopfer des Verkehrs
Schwere Eisenbahnlatastrophe im Schneeflorm.
Zehn Tote und zahlreiche Schwerverletzte.
Der Schnellzug K i s ch i n e w—B u k a r e st ist bei der Station B o b o c in der Nähe von Buzeu entgleist. Drei Personenwagen stürzten um. Die Rettungsarbeiten werden durch den herrschenden Schneesturm außerordentlich behindert. Nach einer Mitteilung der Eisenbähndirektion ln Bukarest beträgt die Zahl der T o d e s o p f e r 1 0, die der V e r w u n d e t e n 5 9.
Die Lokomotive, zwei Personenwagen und der Gepäckwagen wurden vollständig zertrümmert, die Schienen auf einer Strecke von 200 Meter aufgerissen. Der Sachschaden beläuft sich auf 20 Millionen Lei. Wie weiter gemeldet wird, sind bereits einige der Schwerverwundeten gestorben. Der in dem Unglückszug reisende ehemalige Ministerpräsident und jetzige Senator Vaitoianu kam unverletzt davon.
Wie die Blätter melden, ist das Unglück durch einen Weichensteller und durch den diensthabenden Stationsbeamten verschuldet worden. Die beiden Beamten sind verschwunden; man vermutet, daß sie Selbstmord begangen haben, um sich ihrer Verhaftung zu entziehen. Bei den drei entgleisten Wagen handelte es sich um je einen Wagen erster, zweiter und dritter Klasse. In dem Wagen dritter Klasse befanden sich hauptsächlich S o l -
f a r m e r, der nun wirklich durch britische KriegSgrau
Feststellungen und die etwa erforderliche Einwirkung aus die Veranstalter liegen — gegebenenfalls nach Fühlungnahme mit der am Orte befindlichen Landesbehörde — wenig win gelingen v»ciwi|tn «m utnuim yuu v.uu dein Leiter der in Abschnitt 2 des Erlasses über HoheUs- neben ihm als Zeuge ein deutscher Justizrat aus dem i anordmmgen vom 20. März 1929 genannten Bebörde ob. Elsaß, dem die Franzosen seinen Besitz nahmen, als D-" m<>vn^> i..»«^;^» ou«^ a», ^--^ «—«<.«;» -<>—<.
samkeit um die Früchte jahrzehntelanger ehrlicher Kolo- nialarbeil beraubt worden ist und darüber offenbar ein wenig sein geistiges GleichgeN xhi verloren hat. Und
hätte er ihn gestohlen. Hier wird das Deutsche Reich von seinen eigenen Bürgern der Lässigkeit und der Ungerechtigkeit geziehen, weil es ihnen nicht rasch und nicht umfassend genug zum Ersatz ihres Eigentums verholfen habe. Und in der Tat: hier fehlt es an Tausenden, während unsere Gläubiger unerbittlich darauf bestehen, daß wir ihnen Jahr für Jahr Milliarden und wieder Milliarden ausliefern. Wenn das die Grundlage für die neue „Ge- rechtigkeil" und den neuen Frieden in Europa sein und bleiben soll, dann wird damit allerdings eine Herrlichkeit air^'baut, die keinen Bestand haben kann und haben
wird.
Dr. Sy.
parfeiemigmig über hm Aal 1929?
Die Bildung der Koalition sregierung
Die.fortgesetzten Beratungen der beteiligten Reichs, tagsfraktionen und ihrer Finanzsachverständigen über den Reichshaushalt und die damit verbundene Bildung einer tragfähigen Koalitionsregierung im Reiche konnten am Freitag nachmittag zu Ende geführt werden. Es soll dem Vernehmen nach eine Verständigung dahin erzielt morden sein, daß ein deckungsbedürftiges Defizit noch in Höhe von etwa 150 Millionen übrigbleibt.
Mit dem Ergebnis der Verhandlungen wird sich zunächst- das R e i ch s k a b i n e t t zu beschäftigen haben. Am nächsten Dienstag treten die beteiligten Reichstagsfraktionen wieder zusammen, um die Berichte ihrer Unterhändler entgegenzunehmen und ihre Stellungnahme zu den Vorschlägen festzulegen. Am Mittwoch nimmt der Haushaltsausschutz seine Arbeiten am Etat auf. Auf der Tagesordnung stehen zunächst die kleineren Etats des Reichspräsidenten, des Reichstages, des Reichskanzlers, für Ver- sorgungs- und Ruhegehälter, des Sparkommissars und der Reichsschnld.
Rsusr KlaggenZrlaß.
Verfügungen der Reichsregierung.
Entsprechend einer vom letzten Reichstag gefaßten Entschließung hat die Reichsregierung folgenden Erlaß herausgegeben:
„Die Reichsregierung erachtet es als eine nationale Pflicht und staatspolitische Notwendigkeit, daß bei Veranstaltungen, an denen Vertreter der Reichsregierung oder der ihr Nachgeordneten Behörden teilnehmen, dem Gedanken der Reichseinheit und der Reichstreue durch eine würdige Hervorhebung der verfassungsmäßigen Reichsfarben Schwarz-Rot-Gold deutlich Ausdruck verliehen wird.
Sie ordnet daher an, daß Vertreter von Reichsbehörden an Veranstaltungen, bei denen Flaggenschmuck verwendet wird, nur dann teilnehmen dürfen, wenn die Reichsfarbeu an hervorragender Stelle gezeigt werden und ihnen überhaupt ein angemessener und würdiger Anteil an dem Flaggenschmuck eingeräumt wird. Vor der Entscheidung über die Teilnahme der Vehördenvertreter ist festzustellen, ob und inwieweit den Erfordernissen dieses Erlasses genügt ist; nötigenfalls ist auf eine entsprechende Ausschmückung in den Reichsfarben hinzuwirken. Diese
outen oer «urarefter Garnison, während in den beiden anderen Wagen zahlreiche Kaufleute aus Bukarest reisten.
Neun Personen im Schlafwagen verbrannt.
In der Nähe der Eisenbahnstation Fusan (Korea) entstand in einem D-Zug ein Brand. Vier Schlafwagen gingen in Flammen auf. Soweit bisher festgestellt werden konnte, sind neun Personen ums Leben gekommen. 21 Verletzte wurden geborgen.
Fünf Tote bei einem Fabrikbrand.
Wie aus Moskau gemeldet wird, ist im Gouvernement Wjatka in einer Papierfabrik durch Unvorsichtigkeit ein Brand entstanden, bei dem fünf Personen den Tod fanden und drei Personen schwer verletzt wurden.
Vier Opfer eines Scheunenbrandes.
In der ungarischen Gemeinde Kethely entstand in einer Scheune ein Brand, der auf das danebenstehende Haus Übergriff, in dem drei Familien wohnten. Das Feuer breitete sich so rasch aus, daß sich ein Teil der Hausbewohner nicht mehr retten konnte. Zwei Frauen und ein sechsjähriges Kind kamen in den Flammen um; ein Landwirt erlitt lebensgefährliche Brandwunden, ein zweiter wurde infolge der großen Aufregung durch einen Herzschlag getötet.
Schwerer Eisenbahnunfall in Ostafrika.
In B e i r a (Mosambik) entgleiste ein Güterzug beim Rangieren und zertrümmerte drei Hütten von Eingeborenen. 1 8 Eingeborene wurden getötet oder schwer verletzt.
Die hiernach zuständige Stelle hat das Ergebnis ihrer Feststellungen den übrigen Reichsbehörden, Reichsstellen und Reichsanstalten mitzuteilen."
Zeppelmfahrten zu ermäßigten Preisen.
Das Sommerprogramm des Luftschiffes.
über die im Laufe dieses Jahres gep: Fahrten des „Graf Zeppelin" teilt d»
kanten weitere»
„ , .. I _ . . er Luftschiffbau Friedrichshafen mit, daß etwa am 22. April die zweite
Mittelmeerfahrt erfolgt, die ungefähr zweieinhalb Tage dauern soll. Sie wird in das westliche Mittelmeerbecken führen. Etwa Anfang Mai wird dann anschließend eine Fahrt nach Wien ausgeführt werden und — soweit die Bewölkung im Gebirge es zuläßt — auch nach anderen Städten Österreichs. Die Fahrt wird etwa zwölf Stunden dauern.
Etwa Mitte Mai foll ihr die erste Amerika» fahrt dieses Jahres, für die nur ein Aufenthalt von etwa drei Tagen in den Vereinigten Staaten vorgesehen ist, folgen.
Anfang bis Mitte Juni soll eine weitere Amerikafahrt durchgeführt werden.
Für den Hochsommer ist eine Fahrt über Ostdeutschland geplant, die eventuell mit einer Zwischenlandung in Berlin in zwei Abschnitten durchgeführt werden soll. Der erste Abschnitt würde dann umfassen die Strecke Friedrichshasen—S chlesie n—Berlin, der zweite die Strecke B e r l i n—O st p r e u tz e n—Friedrichshafen.
Über weitere Fahrten — wie zum Beispiel nach Westdeutschland — ist noch nichts beschlossen. Ebenso sind für die Fahrt um die Welt, die etwa für Anfang August gedacht ist, alle technischen Vorbedingungen noch nicht völlig geklärt. Doch ist anzunehmen, daß die Lösung der noch vorhandenen Schwierigkeiten rechtzeitig gelingen wird.
Die Mittelmeerfahrt und die beiden Amerikafahrten sind in erster Linie zu Studien- und Ausbildungsfahrten für die Besatzung bestimmt, so daß auf ihnen nur eine beschrankte Anzahl von Passagieren mitgenommen werden
V Fahrpreise sind dementsprechend aus 3000 Mark bzw. 2000 Dollar festgesetzt worden. Die übrigen Fahrten sollen reine Passagierfahrten mit entsprechend billigeren Fahrpreisen sein. Soweit Platz vorhanden ist, werden Passagen für die Wiener Fahrt zilm Preise von 600 Mark pro Person und für die Schlesien—Ostpreußen-Fahrt zum Preise von 1000 Mark gebucht werden können. Für die letztgenannte Fahrt nehmen die Vertretungen der Hapag auch Teilbuchungen entgegen Die Strecke Friedrichshafen—Schlesien—Berlin loget 400 Mark, die Strecke Berlin—Ostpreußen—Friedrichshafen 600 Mark.
Die Zwischenzeit wird die Werft dazu benutzen, einige wertere technische Verbesserungen an dem Luftschiff vor- zunehmen, deren Zweckmäßigkeit sich bei den Versuchs- sahrten nn Winter und bei der Orientreise ergeben hat.
Ausgleichsausschutz für konfessionelle Streitfragen.
r. «Min. Eine Reihe führender evangelischer und katholl- ' =r.Z^t'01lPc^e!ten imd zu einem paritätischen Ausgleichsausschuß zusammengetreten, der sich die Aufgabe stellt, bei Grenz- bzw. Streitfragen zwischen den beiden christlichen Kon- fesstonen seinen Einfluß geltend zu machen. Der Ausschuß wtll noch im Monat April mit der Arbeit beginnen.