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HersfelöerTageblaü

hersfel-er Kreisblatt

Amtlicher MnZeiser für den Kreis Hersfelö mit bea Beilaaea: IllaSrierles AnlerhattangsblaLt / Nach Mrradmh / Aerö unS Scholle / Au?erbalknug WMo Belehrung unS Kurrweil / WirtschaftlEckse Ä-mesfrasen.

Monatllch« Btgoespttte: durch die Po» dyoar« 1.50 ««lcho-Mark, aarschlleßllch Vtsttllgelö, für krrsfelö 1-20 Kelchs-Mark bri freier Zustellung, für flbholrr kdd Reichs-Mark. o druck unö Verlag von Ludwig §unk« Vachdruckerei in herofelö, Mitglied drr vd-ZV.

Rr. 81

Montag, den S. April 1929

79. Jahrgang

3m Schatten von Paris.

Alles, was auf der Sachverständigenkonferenz bisher besprochen und beschlossen wurde, war für uns Deutsche wenigstens trotz aller Wichtigkeit doch nur der Auftakt für die Kardinalfrage: Wieviel? Und wie lange? Jetzt hat das große, das entscheidende Handeln um die Höhe und die Dauer der deutschen Jahreszahlungen ein­gesetzt. Davon ist alles abhängig, um diese Entscheidung erst gruppiert sich Transfer unb Reparationsbank, Mobili­sierung der deutschen Zahlungen, Verteilung auf die ein­zelnen Gläubigerstaaten usw.; davon ist abhängig auch, ob überhaupt eine Neuregelung des Zahlungsplanes zu­stande kommt.

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Wie auch alles in Paris ausgehen mag, ob dort eine Einigung zustande kommt oder nicht ^ für Deutschlands Volk und Regierung rückt damit die Entscheidungs­stunde näher. Sie wirft ihre Schatten voraus. Und das hat auf die politische Entwicklung der letzten Tage stark eingewirkt, wird imnier stärker wirken. Es ist ge­lungen, vorerst das Defizit im Reichshaushalt von 380 auf 130 Millionen herunterzudrücken rechnerisch wenigstens. Wieviel davon wirklich Abstriche auf der Ausaabenseite, wieviel aber nur Erhöhungen bei den Vor­anschlägen auf der Einnahmenseite sind, ist vorläufig noch nicht bekannt, weil die Stellungnahme der Regierung ebenso wie die der Parteien noch aussteht. Deswegen kann auch noch nicht gesagt werden, ob und welche Steuer­erhöhungen stattfinden werden.

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Immerhin und das ist das politisch Wichtigere haben sich die Parteivertreter auf ein gemeinsames Pro­gramm geeinigt, das sie nun ihren Fraktionen zur Billi­gung vorlegen. Und man ist sich einig auch darüber, daß ein solches Programm zwingende Richtschnur für alle sein soll, es ein Aus-der-Reihe-Tanzen nicht geben darf. Das aber würde zunächst einmal praktisch, dann wohl auch formell die Schaffung der Großen Koalition, also einer festen Mehrheit, und damn die Grundlage für WWMMM?&^^ 'a&im^ LeDGMxsM^ dann, eben auch die Entscheidung über das anheiMfallt, was in Paris beschlossen wird. Die Erkenntnis, daß für diese Stunde innenpolitisch klare Verhältnisse bestehen müssen, hat erheblich bei den Verhandlungen zwischen den Fraktionen mitgewirkt und ließ wohl so manchen parteipolitischen Wunsch im Schreibtisch steckenbleiben. Ob die Brücke, die man mit diesem Kompromißprogramm in mühseliger Arbeit zurechtgezimmert hat, nun aber auch halten wird, kann erst die Zukunft lehren, die ganz unter dem Schatten von Paris stehen wird.

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Bedenklicher sieht es allerdings auf sozial­politischem Gebiete aus, wo Arbeitskämpfe schwerster Art zu drohen scheinen. Die Lohnforderungen der Eisenbahner sind auf Ablehnung durch die Reichsbahn gestoßen, obwohl es sich hier um eine Summe von nur 31 Millionen handelt aber gerade die Reichs­bahn liegt ja im besonders tiesen Schatten des Dawes-Planes. Man weiß ja, was alles dadurch bewirkt, was an Fortschritt verhindert wurde und täglich noch wird. Man weiß, daß der Haushalt der Reichsbahn aufs äußerste angespannt ist, weiß auch, daß jede neue Er­höhung der Ausgaben durch eine Tarifheraufsetzung be­antwortet werden würde. Wie sehr das gerade jetzt wirt­schaftlich verhängnisvoll wirken müßte, braucht erst gar nicht ausgeführt zu werden; die Wirtschaftskrise spricht ja selbst schon laut genug. Dazu noch anderwärts, wie im Ruhrbergbau, drohende Arbeitskonflikte, spürt man überall eine Art Versteifung der Fronten.

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Aber auch hier sprechen die Pariser Verhandlungen mit; ausdrücklich auf sie nahm man Bezug, als nach dem ersten Scheitern eines Ausgleichs des Konflikts die Gewerk­schaften erklärten, zum zweitenmal eine Einigung mit der Reichsbahndirektion zu versuchen. Und dies, obwohl man auf Arbeitnehmerseite der Ansicht ist, daß die Lohn­erhöhung unschwer aufgebracht werden könnte durch Kürzung anderer, nicht so notweudiger.Ausgaben. Leider verspürt man ja und das ist das besonders Gefährliche des Dawes-Plans in seiner jetzigen Gestalt im deutschen Volke noch längst nicht genug, wie sehr unsere Wirtschaft und unsere Finanzen, damit auch unser ganzes soziales und kulturelles Dasein, bis in die letzten Verästelungen und Beziehungen hinein unter dem Einfluß und den Aus­wirkungen dieser Zahlungsverpflichtungen stehen. Wenn und ehe noch die Entscheidung in Paris fällt, wird man sich daher auch klarer darüber sein müssen, daß wir ganz in dem Schatten zu leben und zu handeln gezwungen sind, der von dorther über Deutschland geworfen wird.

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LaßL Zahlen sprechen!

UnannehmbareReparationsforderungen.

Die Verhandlungen, die während der letzten drei Tage zwischen den Reparationssachverständigen stattfanden, führten zu getrennten privaten Besprechungen der deutschen Delegierten mit den ersten Delegierten von England, Frankreich, Italien und Belgien. An diesen Einzelbefprechungen nahmen außer dem Vorsitzenden der Konferenz, O w e n N o u n g, auch die übrigen Delegier­ten der amerikanischen Gruppe teil. Im Verlaufe dieser

gtfDirongeii im ReWwhalt

Große Koalition in Gicht?

Besprechung der Parteiführer.

Da nach den Verhandlungen der Finanzsachverstän­digen der Parteien die Möglichkeit gegeben sein soll, das bisher drohende große Defizit im Reichshaushalt bis auf 130 Millionen Mark herabzumindern, sind die Aussichten auf eine Verständigung gewachsen. Würde diese eintreten und der restierende Mangel an Mitteln im Etat auf irgendeine erträgliche Weise beseitigt werden, so stände der Bildung der-erstrebtenGroßen Koalition" im Reiche und damit der Schaffung einer stabilen Regierung mu noch wenig im Wege, wenn nicht weitere Hindernisse sich plötzlich zeigen, deren Vorhandensein ja immerhin mög­lich ist.

Montag sollen in Berlin die Führer der beteiligten Parteien zusammentreten, um . den angebahnten Weg weiterzuverfolgen und dem Ziel näherzukommen. Am Dienstag sollen dann bekanntlich die Reichstagsfraktionen sich untereinander beraten. Von der Sozialdemo- k r a t i e verlautet durch ihr Zentralorgan, daß die sozial­demokratische Fraktion bei der Entscheidung über das Gesamtprogramm neben den sozialpolitischen Erwägun­gen die gesamtpolitischen Wirkungen nicht außer 'acht lassen werde, die durch eine Festigung der Reichsregierung auf dem Boden der Großen Koalition erzielt werden können. Das Blatt glaubt auch andeuten zu können, die Widerstände bei der Deutschen Volkspartei und dem Zentrum hätten sich wesentlich gemildert. Beteiligt an den Verhandlungen sind die jetzigen vier Regierungs­parteien: Sozialdemokraten, Deutsche Volkspartei, Demo­kraten und Bayerische VolkspaRei sowie die Vertreter des Zentrums.

Wie gespart werden soll.

PlWgÄSÄ^ sämtliche Gebiete. Gestrichen sollen werden beim Auswärtioco

Besprechungen hat jedes Gläubigertand Ziffern ge­nannt. Im Verlaufe einer weiteren Sitzung hat Reichs- bankpräsideut Dr. Schacht den Vertretern der genannten vier Staaten mitgeteilt, welche ziffernmäßigen Resultate die Einzelbesprechungen ergeben haben. Nach dieser Be­kanntgabe hat der erste deutsche Delegierte die Sitzung verlassen und die Delegierten der Gläubigerstaaten haben die Beratungen unter sich fortgesetzt. Man ver­mutet, daß die Forderungen, die die Hauptgläubiger im Verlaufe der ersten privaten Unterredungen gestellt haben, eine Zahl ergeben, die, wie es scheint, fürdiedeutsche Delegation unannehmbar ist. Man wird also das Ergebnis der Fühlungnahme der vier Delegationen untereinander abwarten müssen, um sagen zu können, wie die Verhandlungen im Laufe der kommenden Woche fort- geführ» werden sollen.

Dis Schlacht bei Mto.

D e r A u g r i f f d e r R e b e l l e n z u r ü ck g e s ch l a gen.

Der Kampf um die mexikanische Stadt R a c o tobte in weitem Halbkreise vor den Schützengräben der Bundes­truppen. Die Zahl der angreifenden Rebellen belief sich auf etwa 3000 Mann, während die Verteidiger etwa 1500 Mann zählten. Die Infanterie der mexikanischen Auf­ständischen ging im Laufschritt hinter ihrer Kavallerie vor, und es gelang ihr, die Vorposten der Bundestruppen zurückzutreiben. Als die Angreifer aus etwa ein Kilo­meter an die Stellungen der Bundestruppen heran­gekommen waren, eröffneten die Verteidiger ein M a - s ch i n e n g e w e h r f e u e r, das die Gegner reihenweise niedermachte. In diesem Augenblick griffen die Tanks der Aufständischen in den Angriff ein und rückten feuer­speiend bis dicht an die Drahtverhaue der Verteidiger heran. Gleichzeitig wurden die Schützengräben der Bundestruppen von zwei Flugzeugen bombardiert. Nachdem der Angriff vorübergehend zum Stillstand ge­bracht worden war, gingen die Aufständischen erneut zum Sturm vor und es gelang ihnen, die Verteidiger aus den vordersten Schützengräben zu vertreiben. Im Laufe des Nachmittags gelang es den Bundestruppen, den Angriff der Rebellen zu rückzuschla gen. Die Verluste der Verteidiger sind anscheinend nur gering, während feie Rebellen schwere Verlustee erlitten, da das kahle Felsen­plateau, über das die Angreifer vorgehen mußten, wenig Deckung bot.

Nach Mitteilung der deutschen Gesandtschaft ht Mexiko ist bei den derzeitigen Unruhen das Leben Deutscher nicht zu Schaden gekommen. Auch sind nennens­werte Schädigungen deutschen Eigentums bisher nicht ge­meldet: worden.

Fünf Arbeiter verschüttet - vier getötet.

Fürstenberg. Auf GrubeFinkenherd" waren fünf Arbeiter mit dem Graben eines Abzugskanals beschäftigt. Als i.er D-Zug BreslauBerlin den geschaffenen unterirdischen Gang passierte, stürzte der Stollen in sich zusammen. Die WM Arbeiter wurden verschüttet. Einer wurde gerettet, während die übrigen vier' nach mehrstündiger Arbeit nur noch el» Leichen geborgen werden konnten.

Amt 3,1 Millionen, beim Reichsinnenministerium 4,1 Milloneu beim Ministerium für die besetzten Gebiete 4 Millionen, beim Reichswehrministerium 7,3 Millionen. Beim Reichswirt- schaftsministerium sollen 2,6 Millionen fortfallen, bei den Sozialausgaben 45 Millionen, beim Reichsverkehrsmimsterium 48,5 Millionen. Besonders betroffen sind dabei die Luftfahrt und der Bau der Wasserstraßen (insbesondere Kanäle). Beim Relchsernahrungsministerium wurden 5,5 Millionen gestrichen, Wetter sollen von den sachlichen Ausgaben der Behörden 10,8 ^Ewnen eingespart werden, vor allem durch Verminderung der Reisekosten. Beim Reichsfinanzministerium sind abge- strichen 6,2 Millionen. Vom Kriegslastenetat sind 17 Millionen gestrichen.

Mehreinnahme

soll bringen die R e i ch s p o st 35 Millionen, 35 Mtl- honen auch ein erhöhter Ansatz der Tabaksteuer (keine Erhöhung der Tabaksteuer), 90 Millionen sollen durch eine schärfere Kontrolle der Schwarzbrennereien und durch die Heranziehung von kleinen Brennern erzielt werden. 40 Millionen sollen einkommen durch die Ein- zrehung der im Jahre 1926 beschlossenen Nachzahlung zur Ver- Nlogenssteuer. Die dauernde Erhöhung der Vermögenssteuer um lahrlich 104 Millionen Mark ist weggefallen, ebenso bU Bier- und Erbschaftssteuer.

Für rasche EtLedLglMg des Eiais. Annahme der S-achverstündigenvorschläg« im Reichskabinett.

Das Reichskabinett trat am Sonntag unter dem Vorsitz des wieder genesenen Reichskanzlers zu seiner ersten Sitzung nach Ostern zusammen. Es beschäftigte sich mit den Vorschlägen, welche von den Sachverständigen der S o z i a l d e m o k r a t i e, des Z e n t r u m s, der Demo­kraten und der Bayerischen Volkspartei ge­meinsam vereinbart waren.

Das Reichskabinett beschloß nach eingehender Prüfung im Hinblick auf die gesamtpolitischen Notwendigkeiten, ins- H^s»ideM die ra-ftch e- - E * l c d^g«m g d e s- Lt « t S, unter Zurückstellung feiner Bedenken auf den Boden dieser Vorschläge zu treten.

Sie Auslandsreise der deutschen Motte.

An der ersten Ausbildungsreise der deutschen Flotte, die vom 16. April bis 11. Mai stattfindet, werden teilnehmen die LinienschiffeSchleswig-Holstein",Hessen",

Elsaß",Schlesien" sowie sieben Torpedoboote. Das Reiseziel für den gesamten Verband ist die A r o s a b u ch t. Von dort aus besuchen die Schiffe noch getrennt einzelne spanische Häfen. Unsere Karte zeigt die in Aussicht genom­mene Fahrtlinie.

Freispruch eines Lanöbundsührers-

Von der Aufreizung zum Steuer streik.

Vor der Strafkammer in Güstrow hatte sich der Reichs- tagsabgeordnete und Vorsitzende des Mecklenburg-Schwe- rmschen Landbundes, Dr. Wendhausen-Spotendorf, in vierter Instanz wegen Aufreizung zum Steuer- Zu verantworten. Dr. Wendhausen hatte die Relchslandbundemtschlietzung verlesen. Die Strafkammer Güstrow sprach den Angeklagten wegen Mangels an Beweisen f r e i; Ersatz der notwendigen Auslagen wurde ihm nicht zugebilligt.

, Dr. Wendhausen war in erster Instanz zu 900 Mark Geldstrafe verurteilt. Die zweite Instanz kam zu einem ^reripruch, worauf die Oberstaatsanwaltschaft Berufung beun^Oberlandesgericht in Rostock einlegte. Das Urteil der Strafkammer wurde vom Oberlandesgericht auf- gehobewund die Strafsache zur nochmaligen Verhandlung an die Vormstanz zurückverwiesen. Mit dem letzten Urteil dc^Strafkammer Güstrow ist das Urteil rechtskräftig