HersfelöerTageblatt
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h. ^sfelöer Kreisblatt
Amtlicher/lnzeiger für den kreis Hersfelö
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mit den Beilagen: Illustriertes AnterhaltungsdlalL / Mach ReierabmS / Zeed und Gckolle / Autechaltung u»S Wisse« Belehrung bqö Kurrwell / Wirtschaftliche Tsgesfraaeu.
Nr. 93
Montag, den 22. April 1929
79. Jahrgang
Märä
In der Schwebe
Vermittlungsversuche in Paris.
Noch nicht das letzte Wort Schachts.
Von allen Seiten eilen die Verantwortlichen herbei, um den tiefen Riß zu kitten, der sich in der Pariser Sachverständigenkonferenz aufgetan hat. Nachdem man mühsam daran vorbeigekommen war, ob die Forderungen der Alliierten ein Ultimatum darstellten oder nicht, hat sich dieses Spiel — allerdings in wesentlich schärferer Form — bei der Aufnahme des deutschen Angebots wiederholt. Offiziell hat ja der Unterausschuß, dessen Vorsitzender plötzlich verschieden ist, feststellen zu müssen geglaubt, daß der Abgrund zwischen den Forderungen der Alliierten und den Zugeständnissen der deutschen Delegation unüberbrückbar sei und es daher nur noch übrigbleibe, daß die Konferenz über ihre Tätigkeit einen genauen Bericht verfasse. Das wäre also auch wieder eine Art Ultimatum gewesen, — aber schon vierundzwanzig Stunden später las man es schon ein wenig anders. Hörte man von Verhandlungen in engerem Kreise, las man Erklärungen und Kommentare, die zum mindesten dem Versuch Ausdruck gaben, die Konferenz nicht ergebnislos scheitern zu lassen. Der Versuchsballon allerdings, den man in Paris aufsteigen ließ und der feststellen sollte, ob die Vereinigten Staaten auf die ihnen versprochenen 1,5 Milliarden rückständiger Besatzungskosten verzichten würden, ist sehr schnell zerplatzt, da Washington sofort erklärte, daß es an irgendwelches Zugeständnis nicht denke.
Man wird also im Augenblick noch nicht sagen können, was aus der Konferenz eigentlich wird. Hatten doch die Vertreter Frankreichs, Englands, Italiens und Belgiens acht Tage interner Verhandlungen gebraucht, um zu einer Einigung zu kommen; auch jetzt wieder beweist die Tatsache fortgesetzter Sonderverhandlungen, daß hinter den Kulissen Bestrebungen wirksam sind, die auf ein Zusammenbleiben der Konferenz abZ-len. Dr. Schacht hat .i.stIÄ0....Ss^ .mit^aeu ueeöen amerikanischen
tzten deutschen Vor- habe, „nicht das elegation sei".
Delegierten gehabt, denen ja auch nach außen hin die Leitung und damit der maßgebende Einfluß in der Konferenz übertragen worden ist. Zunächst einmal mit dem Erfolg, daß später auch die Delegierten der anderen Mächte hinzugezogen wurden, so daß eine Art inoffizieller Vollsitzung der Konferenz zustande kam.
Mehr als lediglich diese Mitteilungen zu verzeichnen, kann im Augenblick nicht geschehen, da natürlich gerade jetzt, in den Tagen schwerster Krise, offizielle Verlautbarungen aus den Kreisen der Delegationen nicht erfolgen können. Auch Dr. Schacht, der einem französischen Journalisten eine Unterredung gewährte, hat sich infolgedessen auch nur sehr zurückhaltend geäußert, hat dabei aber in den Vordergrund gerückt, daß die letzten deutschen Vorschläge, die er den Alliierten gemacht * a letzte Wort der deutschen D „
Auch dieses deutsche Angebot sei eben nur eine der Phasen in der langen Erörterung über die Ziffern, genau so wie die Forderung der Alliierten. Die haben vor acht Tagen ihre Denkschrift als einen „interessanten Beitrag für bie Arbeit der Konferenz" genannt. So ähnlich spricht Dr. Schacht jetzt auch über den von ihm gemachten Vorschlag.
Natürlich vollführt namentlich die französische Presse eine lärmende Begleitmusik zu dem vorläufig noch bestehenden Konflikt. Daß man der deutschen Delegation die Schuld für ein eventuelles Scheitern der Konferenz in die Schuhe schiebt, war längst vorbereitet; die Regie klappte wieder einmal ausgezeichnet. Außerhalb Frankreichs — auch in England — ist man aber zurückhaltender und dankbar wird man es deutscherseits anerkennen, daß der einflußreiche amerikanische Senator B o r a h — übrigens ein guter Freund Pierpont Morgans, der selbst als Delegierter in Paris sitzt — sofort erklärt hat, daß „Deutschlands Angebot vernünftig und fair" fei. Denn erfreulicherweise erinnert Borah auch daran, was Deutschland in bar oder in Form der Sachleistungen bereits gezahlt hat, was es außerdem an Gebiets- und sonstigen Verlusten hat aus sich nehmen müssen; wenn man das alles in Betracht ziehe, dann müsse man zu der Überzeugung kommen, daß „das deutsche Angebot durchaus gerecht war".
Das unterscheidet sich doch recht erheblich von den wüsten Angriffen des größten Teils der französischen Presse auf Deutschland. Und diese Angriffe haben noch eine ganz besondere Rote: plötzlich zerrt man die Frage derRheinlandräumung wieder heran. Stellt es als selbstverständlich hin, daß das Scheitern der Konferenz auch zu einem weiteren Aufschub der Räumung führen würde. Das heißt aber nichts anderes, als eine politische Streitfrage in die rein wirtschaftlich-finanziellen Auseinandersetzungen hineinzutragen. Daß Deutschland es ablehnt, beide Dinge verknüpfen zu lassen, also die Reparationsfrage mit der der Rheinlandräumung, war Voraussetzung schon für das Zustandekommen der Konferenz. Frankreich freilich hat nie darauf verzichtet, beides in ein Abhängigkeitsverhältnis zu setzen. Und man geht Wohl nicht fehl in der Annahme, daß die französische Presse einem Wink von oben Folge leistete, als jetzt wie auf ein Stichwort hin die Rheinlandfrage als Druckmittel herangezogen wird.
Wenn die Konferenz sich von diesen Beeinflussungen nicht frei hält, dann ist mit ihrem Scheitern zu rechnen.
Ob dies möglich sein wird, muß sich aber bald entscheiden. Der Schwebezustand, in dem sich die Konferenz jetzt noch befindet, ist für längere Zeit nicht zu ertragen; denn es handelt sich ja dabei um die Entscheidung über das Wesentlich ste, um den Kernpunkt der ganzen Reparationsfrage. Alles andere war und ist nur Bei--! Werk, ist Nebensächliches, wenn auch natürlich nicht Urt- wichtiges. ____
ReMationsbericht im Kabinett
Schacht und Bögier in Berlin.
Sitzung des Reichsministeriums.
Sonntag früh trafen die deutschen Vertreter in der Pariser Sachverständigenkonferenz, Reichsbankpräsident Dr. Schacht und Dr. V ö g l e r aus Paris in Berlin ein, um über den Stand der Beratungen zu berichten. Bald nach ihrer Ankunft trat ein Kabinettsrat zusammen, in dem Dr. Schacht und Dr. Vogler die Reichsminister über die Lage in Paris informierten. Insbesondere sprachen sie über die Bedeutung und die Behandlun des der Konferenz übergebenen deutschen Memorandums. Die beiden Sachverständigen stellten dabei fest, daß die deutsche Denkschrift keinerlei politische, sondern nur wirtschaftliche Anregungen enthalte. Derjenige Teil des Memorandums, dem von anderer Seite politischer Charakter beigemessen worden ist, wurde weder im Unterausschuß noch im Plenum erörtert. Das Memorandum sollte genau so wie die übrigen als Diskussionsgrundlage dienen.
Die Minister nahmen den Bericht entgegen und sicherten den Sachverständigen zu, daß sie ihnen unveränderte Verhandlungsfreiheit zu belassen wünschten.
Die deutschen Sachverständigen sollen selbst Wunsch gehabt haben, den B'richt in Berlin zu erst
den
statten.
^äükejäsito-1*^*****“» --'^" •“• "n*i,“.“Jrl ; TU sein, nach Berlin zu kommen. Die Rerchvregierung wollte während der ganzen Pariser Konferenz die Unabhängigkeit der deutschen Sachverständigen bewußt wahren. Die beiden Herren werden unmittelbar nach Paris zurückfahren.
Nächste Heparatwnskonferenz wahrscheinlich Dienstag.
Die für Montag vormittag angesetzte Vollsitzung der Reparationskonferenz findet nicht statt, da Montag vormittag die Beisetzung des verstorbenen englischen Delegierten Lord Revelstoke erfolgt. Ob die Vollsitzung am Montag nachmittag oder vielleicht erst Dienstag vormittag stattfindet, ist bis jetzt noch nicht bestimmt worden. Wahrscheinlich wird sie aber aus Dienstag verschoben.
Amtlich wird in Paris berichtet, daß die Verhandlungen nicht abgebrochen worden seien, wie behauptet wurde. Die bisherigen privaten Besprechungen bewiesen, daß ernste Bemühungen zur Fortführung der Verhandlungen gemacht würden. *
Revelstokes Leiche nach England übergeführst
Die Leiche Lord Revelstokes ist einbalsamiert worden und wurde Sonnabend 3 Uhr in Anwesenheit der drei Brüder des Verstorbenen vom Nordbahnhof aus nach England gesandt. Doumergue und Poincaro haben der Familie ihr Beileid ausdrücken lassen. Der deutsche Botschafter hat im Auftrage der Reichsregierung und des Reichsaußenministers auf dem Auswärtigen Amt in London das Beileid der deutschen Regierung zum Tode Lord Revelstokes ausgesprochen.
Dsuische MmsiungSaniräge.
Gegen den chemischen Krieg.
Die deutsche Abordnung im Vorbereitenden Abrüstungsausschuß hat einen Antrag eingebracht, nach dem in Verfolg der großen Denkschrift des Grafen Bernstorff beantragt wird, in den Konventionsentwurf das Verbot des Abwurfes von Kampfmitteln jeglicher Art aus lenkbaren Flugzeugen sowie das Verbot der Beförderung von Gas-, Explosiv- und Brandstoffen »eglrcher Art aufzunehmen. Der deutsche Antrag gilt als Ergänzung der Bestimmungen des Abkommens über das Verbot des chemischen und bakteriologischen Krieges.
In der Aussprache beantragte Graf B e r n st o r f f, das ganze Kapitel des Entwurfes über das Verbot des chemischen Krieges mit dem deutschen Antrag aus dem Abkommen herauszunehmen und daraus ein internationales Sonderprotokoll zum Verbot des chemischen Krieges zu machen.
Der Russe Litwinow wies hierbei auf das bestehende Giftgasprotokoll von 1929 hin, das bereits von dreizehn Staaten unterzeichnet sei. Es würde nicht zweckentsprechend sein, zwei parallele internationale Abkommen gegen den Gaskrieg zu schaffen. In der Aussprache wurde von verschiedenen Abgeordneten daraus hingewiesen, daß es zweckmäßiger sei, das bestehende Giftgasprotokoll von 1925 weiter auszubauen und zu vervollkommnen.
Prinz Heinrich von Preußen t.
Prinz Heinrich von Preußen ist an einer Lungenentzündung am Sonnabend auf seinem Landsitz Hemmelmark-Eckernförde in seinem 67. Lebensjahre gestorben. Die Beerdigung findet auf Schloß Hemmelmark statt.
Prinz Heinrich, der einzige am Leben gebliebene Bruder des früheren Deutschen Kaisers, hat sich auch in der Zeit der Monarchie politisch nicht betätigt. Im Welt-
krieg hat er nur als Kommandeur der Ostsee, streitkräste gegen Rußland gewirkt. Denn um die
äWH^^ worden, und unter seinem Kommando fuhr damals ein deutsches Kriegsschiffgeschwader nach dem Fernen Osten.
Na^, dem Kriege verschwand Prinz Heinrich völlig aus dem Gesichtskreis der Öffentlichkeit. Kaum daß er hier und da einmal ein paar Worte sprach oder schrieb, die dem Gedenken an das Einst gewidmet waren. Er vergrub sich in die Einsamkeit seines Gutes Hemmelmark, unweit der alten Marinestadt Kiel, mit der ihn zahlreiche
Verbindungen persönlicher Art verknüpften. Jetzt rasste den noch nicht 67jährigen ein plötzlicher Tod hinweg.
Unerwartet gestorben.
Das Hinscheiden des Prinzen Heinrich von Preußen trat Sonnabend mittag um 13.25 Uhr ziemlich unerwartet ein. Der Prinz litt zwar bereits seit einiger Zeit an Bronchitis, doch hatte er noch Montag voriger Woche seine Spaziergänge an die Kieler Förde unternommen. Dienstag mußte er sich zu Bett legen und Donnerstag wurde Lungenentzündung konstatiert. Die Kieler Ärzte, Professor Dr. Bünger und Dr. Speck, die den verstorbenen Prinzen Heinrich behandelten, haben als Todesursache Herzschlag festgestellt.
Etwa eine halbe Stunde vor seinem Tode verlor der Prinz die Besinnung. Seine letzten Worte waren: „Grüßt meinen Bruder." Die Nachricht von dem plötzlichen Ableben des Prinzen hat in allen Kreisen der Provinz Schleswig-Holstein und besonders in den Kieler Marinekreisen tiefe Anteilnahme erweckt. Bei dem Hofmarschallamt des prinzlichen Gutes Hemmelmark sind zahlreiche Beileidstelegramme eingegangen, darunter auch eins vom König von England. Der ehemalige deutsche Kronprinz, der sich zurzeit in Rapallo befindet, wird erwartet. Die Kronprinzessin und der Großherzog sowie die Grotz- Herzogin von Hessen trafen in Hemmelmark ein. Der Reichspräsident hat der Prinzessin Heinrich in einem persönlichen Telegramm sein Beileid ausgesprochen.
Die Trauerfeier für den Verstorbenen findet am Mittwoch um 2 Uhr in Schloß Hemmelmark statt, ebenso die Beisetzung. Diese wird vom Reichswehrministerium geregelt werden, und zwar nach den Bestimmungen, die für Generalfeldmarschälle und Großadmirale der Marine bestehen. ____________
Krise bei HZN Sowjets.
Bucharin, Rhkow und Tomski treten zurück.
Der Zwist innerhalb der Russischen Kommunistischen Partei hat ernste Verschärfung erfahren. Bereits vor einigen Wochen hat die rechtsoppositionelle Gruppe im höchsten Parteiorgan, den. Politbureau, das heißt der Vorsitzende des Rates der Volkskommissare der Sowjetunion Rhkow, ferner Bucharin und Tomski, zusammen mit ihren Anhängern im Zentralkomitee der Parteileitung eine Deklaration überreicht, in der die Ansichten und die politischen Forderungen der Rechtsopposition niedergelegt waren. Nunmehr wird bestätigt, daß Rhkow, Bucharin und Tomski gleichzeitig ihre Rücktrittsgesuche eingereicht haben. Vor einigen Tagen hat das Komitee der Moskauer Organisation der Partei eine Resolution angenommen, in der die Entfernung Rykows, Bucharins und Tomskis aus dem Politbureau und ihren Staats- und Parteiämtern verlangt wird. .