HersfelöerTageblatt
Hersfelöer Kreisblatt
Amtlicher Mzeiser für den Kreis Hersfelö
mit den ^ellasen: IlivAriLsies ANterhaltAKgsblati / Nach K'MmdMö / AekH and Gchollr / A^kerhslEMg end Wissek Brlehrvsig KNh Kuezwsil / Wirlschafiliche UsMSfmKM«
Wssatüch« Begagemi»: durch Sir Pest dy»g« 130 Rrtchs-MaÄ, aosschlirßlich Vrstellgelo, für firtsftld 1.20 Reichs-Mark bei freier gnfteUung, fJr Bbtjoiet 1.00 Reiche-Mark. ♦ druck and Verlag von tucaig Junis« Ba^bHstfeeei in herrfel», Mitglirö »«VV-ZV.
Nr. 96 Donnerstag, den 25. April 1929 19. Jahrgang
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ReparaiisWksnfsrenz erfsigsss?
Schlutzbericht in Arbeit.
Der von der Vollsitzung der Sachverständigen am Dienstag eingesetzte Berichtsausschuß wird am kommenden Freitag seine Arbeiten amtlich aufnehmen, da die im Anschluß an die Vollsitzung stattgefundenen Besprechungen lediglich vorbereitenden Charakter hatten. In der Zwischenzeit werden die Sachverständigen gemeinschaftlich den Entwurf eines Schlußberichtes vorbereiten.
Sr: Charles Addts, der Nachfolger de» Torbenen Sorte Revelstoke als Führer der euülische« V^^^n zur Reparationskonserenz.
der den Arbeiten als Unterlage dienen soll. In den kommenden Tagen wird dann auch die in Aussicht gestellte halbamtliche Fühlungnahme zwischen den Führern der alliierten und der deutschen Abordnung wegen der bisher unglöst gebliebenen Fragen stattfinden. ^-iÄfe^ <^&^^^ wä werterzufuhren, bestehen wemg Illusionen. Auch das mehrfach genannte Provisorium erscheint fragwürdig, da die Alliierten es nur annehmen wollen, wenn die deutsche Delegation eine endgültige Unterschrift unter die von ihnen geforderte Kapitalsumme von 39,5 Milliarden gibt, was nicht anzunehmen ist. Unter Umständen sieht man einem unverhüllten Abbruch der bisherigen Verhandlungen am Freitag oder in den folgenden Tagen entgegen.
Die amerikanischen Blätter betonen, daß die Türen für weitere Verhandlungen offen gelassen wurden, und geben der Erwartung Ausdruck, daß wenigstens ein Plan für die künftige Verständigung das Ergebnis der jetzigen Konferenz sein werde.
Dis Mrüfimgsksmöhie.
Herstellung von Giftgasen erlaubt.
Die Vorbereitende Abrüstungskommission in Gens hat den endgültigen Text des Kapitels über den chemischen und bakteriologischen Krieg in dem Abkommensentwurf angenommen. Nach der festgelegten Fassung verpflichten sich die vertragschließenden Mächte unter der Bedingung der Gegenseitigkeit, im Kriegsfalle von einer Verwendung der Giftgase, Bakterien oder ähnlicher Erzeugnisse abzu- sehen, ebenso flüssige Mittel oder ähnliche Mittel nicht zu verwenden. Der deutsche Vertreter, Graf Bernstorfs, hatte vorher vergeblich darauf hingewiesen, daß nicht allein die Verwendung, sondern auch die H e r st e l l u n g der Giftgase verboten werden müsse. Sonst habe die ganze Beschlußfassung keinen Wert. Der Antrag drang aber nicht durch.
Bomhe-WbwMf gestattet.
Der AbrüstungMusschutz Lehnte weiter nach bewegter Aussprache auf Vorschlag des französischen Vertreters den von der deutschen Abordnung eingebrachten Antrag auf uneingeschränktes Verbot des Abwurfs von Bomben, Explosivstoffen und Brandstoffen durch Flugzeuge sowie des Verbots der Vorbereitung ab. Graf Bernsiorff begründete den deutschen Antrag mit dem Hinweis darauf, daß der Bombenabwurf den Krieg in das Hinterland trage. Die Zivilbevölkerung der großen Städte, wie z. B. Berlin und London, könnte zu Hunderttausenden durch Bombenabwurf getötet werden. Das Verbot des Bombenabwurfes der Flugzeuge würde gleichzeitig die Aufrechterhaltung von Bombenabwurfflugzeugen überflüssig machen. Der Bombenabwurf durch Flugzeuge sei eine Angriffswaffe allerersten Ranges und müsse daher unter allen Umständen nach Auffassung der deutschen Regierung verboten werden.
Scharf lehnte der französische Vertreter Mas - Ms i g l i den deutschen Antrag ab, der lediglich eine Ab- Dschaffung der Militäraktivität herbeiführen wolle. Der »Meinung Massiglis schlössen sich Lord Cushendun, "«Der ämerikanische Gesandte Wilson und in langen Ausführungen der griechische Gesandte Politis an, die ^übereinstimmend erklärten, der deutsche Antrag gehe über ^die Zuständigkeit des Abrüstungsausschusses weit hinaus. Graf Bernstorff erklärte, die deutsche Regierung werde ihren Antrag in der kommenden allgemeinen Ab- rWungskonferenz von neuem stellen.
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Neuer Bankkredit für das Reich
Die Reichsregiertlüg erhält izo Äonen.
Rückzahlbar im Juli.
Zwischen dem Reich und den Großbanken sind die Verhandlungen über die Bereitstellung eines Kredits für die Reichskassen nunmehr zum Abschluß gekommen. Das Reich erhält von den Banken einen Dreimonatskredit von 170 Millionen Mark gegen Schatzanweisungen. Der Kredit wird mit dem jeweiligen Lombardsatz der Neichs- bank (zurzeit 7% Prozent) zuzüglich Vs Prozent Provisionen verzinst.
Auf Wunsch der kreditgebenden Banken ist der Kreis der Geldgeber erweitert worden. Die Rückzahlung des auf drei Monate gewährten Kredits soll im Juli stattfinden. Das erscheint ohne Schwierigkeiten möglich, weil im Juli erhebliche Überschüsse aus Steuereingängen vorhanden sein werden und weil dann außerdem die Reichsbeiträge für die Arbeitslosenversicherung in Fortfall kommen werden. Durch diesen Kreditabschluß werden die Kassenschwierigkeiten des Reiches für einige Zeit behoben.
Ebbe in der Reichskafse.
Jeder deutsche Reichsfinanzminister der Nachkriegszeit ist ein mit Sorgen belasteter Mann. Das ist für ihn sozusagen ein gewohnter Zustand. Beim jetzigen hat sich die Last dieser Sorgen noch beträchtlich erhöht: das Reich hat nämlich zuwenig „Betriebskapital". Man hat nicht genug Geld in den Kassen, um den Anforderungen zu genügen, die namentlich am Monatsende an die Reichskassen gestellt werden. Dann muß das Reich, gerade wie jeder Geschäftsmann, kurzfristige Kredite aufnehmen, fälle" im Betrieb erst einmal rns Pumpen hrnern- gekommen ist, dann ist's schwer, ungerupft wieder heraus- zukommen.
So geht es dem Reich. Die schwere Wirtschaftskrise des Winters rannte die Arbeitslosenversicherung finanziell derart über den Haufen, daß das Reich sehr schnell mit erheblichen Mitteln zu Hilfe kommen mußte. Auch jetzt noch, im Monat April, vielleicht sogar noch länger. Infolgedessen ging man der Reihe nach alle Großinstitute an, die flüssiges Geld haben, die Reichsbahn und die Reichspost, die Preußenkasse und die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte usw. Denn bei der Reichsbank selbst war nichts mehr zu machen; die war mit Reichsschatzanweisungen — mit längerer Lauszeit — und Reichsschatzwechseln, zusammen 600 Millionen Mark, derart übersättigt, daß die Grenzen des gesetzlich Zulässigen erreicht waren.
Da ging Dr. Hilferding zu einigen Großbanken und lieh sich im März 150 Millionen, rückzahlbar am 15. April.
Des Prinzen Heinrich letzte Fahrt.
Die Beisetzungsfeierlichkeiten in Hemmelmark
An der Beisetzungsfeier des Prinzen Heinrich auf Hemmelmark am Mittwoch nachmittag nahmen zahlreiche Trauergäste aus dem ganzen Reiche teil, darunter die Prinzen Eitel Friedrich, Oskar, August Wilhelm und die beiden ältesten Söhne des Kronprinzen. „ ~
Die ehemaligen Marineoffiziere, dre zuerst am Sarge die Ehrenwache gehalten hatten, wurden spater von den Prinzen abgelöst. Der Sarg war mit einer Fülle von Kränzen und Blumen überladen. Unter ihm war eine große alte Reichskriegsflagge ausgebreitet, während der Sarg selbst mit der Prinzenstandarte und der Groß- admiralsslagge bedeckt war. Auf letzterer ruhten die Uniform, die Mütze, der Säbel und der Großadmwalsstab des verstorbenen Prinzen.
Die Trauerfeier
wurde durch einen Trauerwirbel eingeleitet. Die Trauergemeinde zählte nach Tausenden. Arrßer den Mitgliedern der engeren Familie sah man den Kronprinzen von Schweden, als Vertreter der Reichswehr den Oberbefehlshaber des Gruppenkommandos I, General .Hesse, als Vertreter des R e i ch s w e h r m i n i st c r s Admiral Dr. Räder. Auch Abordnungen der Regimenter, deren Chef der verstorbene Prinz gewesen ist, waren erschienen, außerdem die gesamte frühere Admrralttat. Großadmiral v. Tirpitz hatte in einem Berlerdsschrelhen sein Bedauern darüber ausgedrückt, daß er wegen semes hohen Alters nicht erscheinen könne. ReichsPrast - d e n t v o n H in d en b urg ließ einen Kranz überreichen. Vom König von England war ein längeres m herzlichen Worten gehaltenes Beileidstelegramm em- gegangen. ,
Die Trauerrede bei der Feier vor dem Schloß Pro- fessor Dr. Rendtorff von der Kieler Universität. Er schnderte die Verbundenheit des Schicksales des deutschen Valernmöes mit der Lebensgeschichte des verstorbenen Prinzen. Er sei als gerader, aufrichtiger twu ohne Furcht und Tadel seinen Weg gegangen. Der Verstorbene habe, lerne
Auch gegen Reichsschatzwechsel, wozu er vom Reichstag die Ermächtigung erhalten hatte. Um die Quartalswende haben die Reichskassen natürlich einen besonders hohen Geldbedarf — bloß hat es sich jetzt herausgestellt, daß das Reich Ende April noch mehr braucht als am 31. März. 1400 Millionen. Infolgedessen hat das Reich zwar jenen Großbanken die 150 Millionen zurückgezahlt, leitete aber sofort Verhandlungen mit ihnen ein wegen Hergabe eines höheren, nämlich eines 200-Millionen-Kredits. Doch — die Banken machten Schwierigkeiten. Sie wollten sich angesichts der Entwicklung, die die Dinge in Paris nehmen und deren Folgen für den Geldmarkt noch nicht abzusehen sind, namentlich für den kurzfristigen.Kredit, lieber möglichst liquide halten oder die 200 Millionen zum mindesten auf einen größeren Kreis von Banken verteilt wissen, nicht bloß auf die drei oder vier, die beim vorigen Male beteiligt waren. Anscheinend — denn Genaueres wurde natürlich nicht bekannt — haben die Banken auch Gegenforderungen gestellt, worüber allerhand zutreffende oder nicht zutreffende Gerüchte in die Öffentlichkeit drangen. So hieß es, sie hätten die Be- feitigung der ihnen sehr lästigen Kapitalertragssteuer gefordert, außerdem die Zusicherung einer Reform der Arbeitslosenversicherung— aber diese Gerüchte werden jetzt energisch dementiert, zumal der Reichsarbeitsminister ja selbst die Notwendigkeit dieser Reform betont hat. Doch man konnte sich nicht einigen. Und da läßt sich denn der Reichsfinanzminister nun von seinen Koalitionsparteien die bisher zu- lässige Anleihesumme von 900 Millionen um 200 Millionen erhöhen. Brauchen doch die Reichskassen am Ende dieses Monats unbedingt so viel Geld, um alle Anforderungen zu erfüllen, und wenn der Reichsfinanzminister jetzt eine erhöhte Anleiheermächtigung hat, dann kann er einen ordentlichen, längeren Kredit bei den Banken aufnehmen, nicht den „Gefälligkeitskredit" des vergangenen Monats. Denn es bleibt ihm immer noch die Reichsbank, wenn ge- sHMch^Hie-M-ge ÄpAsL^MMeuzA^u ^WtzsiHntzaurt^ fangen bzw. die 400-Millioncngrenze für die dortige Annahme von Reichsschatzwechseln weiter gezogen werden.
Natürlich ist dieses Herumpumpen, sind diese Bittgänge des Reichs ein unmöglicher Zustan d. Aber die Riefensummen, die es selbst als Kredit an die verschiedensten Wirtschaftszweige hergegeben hat, sind zum größten Teil „festgefroren" oder fließen nur sehr langsam und spärlich zurück. Hätte das Reich jetzt diese rund 1200 Millionen, so brauchte es nicht für teueres Geld selbst 1100 Millionen Kredit in Anspruch zu nehmen. Und ob es in den nächsten Monaten damit besser wird, ist mehr als zweifelhaft. Schon zweifelt man sehr daran, ob der Haushalt durch das Sparprogramm wirklich ins Gleichgewicht gebracht wird oder ob nicht im Herbst, etwa wenn man die Einnahmen des ersten Etatshalbjahres übersieht, wieder zu noch größeren Ausgabebeschränkungen und neuen Steuererhöhungen geschritten werden muß.
Ja, der deutsche Reichsfinanzminister kommt aus den Sorae- nicht beraus.'
großen Reden geliebt. Dieser Sarg aber rede dennoch das Kommandowort: HalretDeutschlandhoch inEhren!
Nach Beendigung der Trauerfeier wurde die Lafette mit dem Sarge von 32 Offizieren nach dem drei Kilometer entfernt liegenden Mausoleum gezogen. Der Lafette vorangetragen wurde der Kranz des Kaisers. Andere Offiziere trugen drei Ordenskissen mit den Auszeichnungen des Prinzen. — Im Mausoleum sprach der Geistliche Gebet und Segen. Zum Schluß spielte eine Kieler Stahlhelmkapelle in Erfüllung des letzten Wunsches des Verstorbenen dessen Lieb* lingsmarsch: Preußens Glorial
Dis Krise Nr LHdwiriMast.
Ländliche und industrielle Zusammenarbeit.
Auf der Generalversammlung der Handels- und Jn- dustriebeiräte der Z e n i ru in s p ar t e i in Berlin sprach Reichsminister a. D. Dr. Hermes über die gegenwärtige Agrarkrisis in Deutschland und die Notwendigkeit einer gemeinsamen Zusammenarbeit von Industrie und Landwirtschaft zu ihrer Überwindung. Als Hauptursache für die schwere Krise ergebe sich die Tatsache, daß die Landwirtschaft nicht in der Lage sei, mit ihren laufenden Betriebseinnahmen die laufenden Betriebsaufwendungen zu decken. Hermes betonte, daß die Entscheidungsfrage, vor die die verantwortlichen Stellen gestellt seien, von größtem Ernst sei, daß eine Lösung nur gefunden werden könne, die vom breiten Volkswillen getragen sei, namentlich auch von der Industrie und der industriellen Arbeiterschaft. Agitatorische Veranstaltungen müßten abgelehnt werden.
Die Rationalisierung der Genossenschaften.
Im Reichstagsausschuß für die Durchführung des landivirt- schaftlichen Notprogramms wurde über die Rationalisierung der landwirtschaftlichen Genossenschaften berichtet. Präsident Klepper von der Preutzenkasse bezifferte die Verluste bei einer Reihe von genossenschaftlichen Unternehmungen auf 60 Millionen Mark. Die Preußenkasse sei bereits eingefprun- gen. Es müßten aber nunmehr auch die Mittel aus dem W-Millionen-Fonds des Reiches herangezogen werden. Der Reichsernährungsminister Dietrich äußerte Bedenken dagegen, die Reichshilfe von 25 Millionen Mark lediglich zur Deckung der Verluste zu verwenden.