HersfelöerTageblatt hersfelSer Kreisblatt Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfel- mit des Dellaae»; Alla-rwrteS AnterhattaagMatt / Räch FeiembMh / Herv «nö Scholle / AuterKs8««a v«S Wtttra Belehram Mb KMMskl / MMchsftlichk TaKestrasea.
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Nr 99
Montag. Bea 29. April 1939 T9. Jahrgang
Die deutsche Währung bleibt stabil!
Den meisten Deutschen ist auch heute noch der Dawes- Plan ein Buch mit sieben Siegeln, was übrigens nicht weiter verwunderlich ist, da selbst die klügsten Leute — oder solche, die zum mindesten sich dafür halten — die allerverschiedensten Urteile über ihn selbst und seine Auswirkungen fällen. Nun ist in letzter Zeit schärfer als früher von einer „drohenden Inflation" gesprochen worden, die bei weiterer Durchführung des Dawes-Planes zur Wirklichkeit werden müßte. Allerhand Gerüchte, aber auch allerhand Tatsachen und — Börsen- manöver trugen in jüngster Zeit dazu bei, dieses Geraune und Gerede von einer Erschütterung der deutschen Währung, von einer „drohenden Inflation" noch lauter werden zu lassen.
Es ist aber wirklich nur ein Gerede. Aber ein gefährliches, und besonders dann, wenn dabei unter Anspielung auf den, wie gesagt, allzu unbekannten Dawes- Plan gearbeitet wird. Gewiß hat der Reparationsagent aus seinem Guthaben bei der Reichsbank, das durch die Milliardenzahlungen Deutschlands erhalten wird, unter Ankauf von Devisen Summen an die Gläubigerstaaten transferiert, die die Golddeckung unserer Währung arg verkürzten. Aber er und das Transferkomitee müssen dafür sorgen, daß diese Gold- und Devifendecke nie kürzer als 33%. Prozent des Notenumlaufs, also nicht kürzer als in der Vorkriegszeit, wird. Vorläufig ist sie aber immer noch um ein großes Stück breiter und länger. Und kann noch verlängert und verbreitert werden durch die wirtschaftlich allerdings unerfreuliche Heraufsetzung des Diskontsatzes der Reichsbank.
Ja, aber die Reichsregierung! Die braucht doch so fürchterlich viel Geld — wie einst in der Inflationszeit. Und half sich damals einfach durch massenhaften Neudruä von Noten, vermehrte dadurch den Notenumlauf, ohn« daß die Werte der wirtschaftlichen Erzeugung stiegen Das war damals — leider — möglich; die Reichsregierung stellte Schatzanweisungen an die Reichsbank aus, auf Grund derer dann die Notenpressen Ströme neuer Geldes ausspien. Das ist aber jetzt nicht mehr möglich: JZßOiSiiiiäliäaiSiÄÄteee^W mternaNSnal ver- eiukmrrm'Mb Wenso garantierten Dawes-Plans — last das nicht zu und die Reichsregierung mag noch so fehl stöhnen und ächzen — die Reichsbank regulier! den Notenumlauf ganz selbständig nur entsprechend den wirtschaftlichen Bedürfnissen uni geht über die 400-Millionen-Grenze nicht hinaus, du durch jenes Reichsbankgesetz jetzt für den dem Reich zu gewährenden Kredit in Schatzanweisungen und Schatzwechseln gezogen ist. Ganz selbständig ist die Reichsbank ihr Direktorium und namentlich ihr Generalrat, in den auch eine Anzahl von der Reparationskommission delegierter Ausländer sitzen. In den fünfeinhalb Jahren sei Stabilisierung unserer Währung hat Dr. Schacht, bisweilen unter Zuhilfenahme überaus harter Maßregeln bewiesen, daß die Erhaltung dieser Stabilität bei ihm in zwar harten, aber zuverlässigen Händen ruht. Mag das Reich betteln geh'n, wenn es hungrig ist, besser gesagt selbst soll es dafür sorgen, mit seinen Mitteln sparsamer zu wirtschaften, aber nicht eine neue 9? o 11 läßt Dr. Schacht mehr drucken, als wirtschaftliche Notwendigkeit und der stete Blick auf die Golddeckung es zulassen. Nach dieser Decke hat sich die Reichsregierung zr strecken, ob sie will oder nicht, denn gegen das Reichs bankgesetz kann sie nicht verstoßen, weil dies einen Vorstoß gegen den Dawes-Plan bedeuten würde.
Man sollte auch sich vor Augen halten, daß du epidemische Besorgnis des Augenblicks, das Gerede vor der „gefährdeten deutschen Währung", zum großen Teil ein politisches Manöver ist, von Paris ausgeht Und es blieb erfolglos, was man jetzt selbst in Paris ein- zusehen beginnt. „Die Situation der Reichsbank ist keineswegs beunruhigend," schreibt ein großes französisches Finanzblatt, „und es wäre ganz unberechtigt, den gegenwärtigen Ereignissen eine übermäßige Bedeutung zuzu- schreiben." Unsere große Verschuldung an das Auslanl in Form langfristiger Kredite hat neben den großen damit verknüpften Bedenken doch das eine Gute für sich daß auch unsere ausländischen Gläubiger letzter Endes ein sehr erhebliches eigenes Interesse daran haben, jede Erschütterung der deutschen Währung hintanzuhalten So hat man sich denn außerhalb Deutschlands sehr rafdj beruhigt; höchste Zeit, daß diese Beruhigung nun auch bei uns selbst Platz greift, zumal für eine Ä eunruhigung gar kein Grund vorliegt und vorlag.
Die schlecht vorbereiteie Konferenz.
Wer ist an dem Pariser Mißerfolg schuld?
Die englische Delegation auf der Reparationskonferenz in Paris sieht die Verhandlungen augenscheinlich als gescheitert an, wie aus den Äußerungen der Londoner Presse und gut informierter englischer Beobachter der Konferenz hervorgeht. In scharfen Ausdrücken wird das Kesseltreiben der Pariser Presse gegen Dr. Schacht zurückgewiesen. Man weist darauf hin, daß, wenn die Konferenz ergebnislos auseinandergehen sollte, Dr. Sch a cht keine Schuld daran trifft. Selbst wenn er ein noch größeres Verhandlungsgeschick bewiesen hätte, wäre es ihm doch unmöglich gewesen, die Konferenz zu retten.
Als Hauptschuldigen bezeichnen diese enalifchen
Krisis in der Abrüstungsfrage
Der Kampf um die Heeresreserven.
Deutschland kann keine Zugeständnisse mehr machen.
G r a f B e r n st o r s f gab in der vorbereitenden Konferenz der Abrüstungskommission in Genf eine grundsätzliche Erklärung der deutschen Regierung ab, in der er mit Nachdruck den deutschen Standpunkt in der Frage der ausgebildeten Reserven darlegte und an die Mächte die Aufforderung richtete, nunmehr ihrerseits bekanntzugeben, zu welchen Z u g e st ü n d n i s s e n sie bereit seien. Graf Bernstorff führte folgendes aus: Hinsichtlich der
ausgebildeten Reserven
ist die deutsche Regierung bereit, einen Weg zu suchen, der es ermöglicht, auf diesem Gebiete eine Einigung zu finden. Es ist möglich, eine Methode auszuarbeiten, bei der die ausgebildeten Reserven bei der Vergleichung der militärischen Stärke der effektiven Truppenbestände geringer ins Gewicht fallen als die unter den Fahnen stehenden Truppen. Deutschland kann sich jedoch einer These nicht anschließen, die aus die Einbeziehung der ausgebildeten Reserven in eine Entwaffnungskonvention verzichtet. Auf die große Bedeutung der ausgebildeten Reserven haben auch die militärischen Sachverständigen in der Unterkommission A bereits nachdrücklich hingewiesen. Die logische Folge wäre eigentlich nur die Forderung, daß das System der
allgemeinen Wehrpflicht abgeschafft
würde. Hierdurch würde sich die Frage der Anrechnung der ausgebildeten Reserven von selbst lösen. Trotzdem hat die deutsche Regierung die Forderung nach Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht nicht erhoben. Hierin liegt bereits ein wesentliches Zugeständnis, das Deutschland gemacht hat. Zum Schluß seiner Rede erklärte Graf Bernstorff folgendes:
Stimmen den Reparationsagenten Parker Gil"bert, der den Konferenzteilnehmern von vornherein viel zn große Hoffnungen auf ein gegenseitiges Entgegenkommen gemacht habe. Auch in Deutschland soll der Generalagent die Lage allzu optimistisch geschildert haben, so daß die Enttäuschungen, die sich im Laufe der Verhandlungen herausstellten, doppelt schwer empfunden wurden und die Verhandlungen über das tatsächlich notwendige Matz hinaus erschwerten. Die Konferenz fei schlecht vorbereitet und deswegen von Anfang an zur Erfolglosigkeit verdammt gewesen.
In Paris dagegen zeigt sich ein gewisser wiedererwachender Optimismus, der sich an die Reise Dr. Schachts nach Berlin knüpft. Man verbindet mit ihr die Hoffnung, datz Dr. Schacht vielleicht mit neuen Vorschlägen zurückkehren werde, die eine Einigung noch in letzter Stunde ermöglichen könnten. Einige Pariser Blätter wollen wissen, daß Owen Young Dr. Schacht vor seiner Abreise noch neue Vorschläge unter* breitet habe und dieser sich bereit erklärte, sie zu prüfen.
Sie Aotsorderungen der Landwirtßhafi.
Das Programm des Reichseruährungsministers.
Die Tagung des demokratischen Agrarausschusses in Leipzig, die das demokratische Aktionsprogramm für die Landwirtschaft zum Gegenstand hatte, wurde eingeleitet durch eine Rede des Reichsernährungsministers D i e t - r i ch zu den Notforderungen der Landwirtschaft. Der Minister führte u. a. aus: Es wäre falsch, zu glauben, daß allein in der Getreide- und Großvieh Wirtschaft das Heil und die Genesung zu suchen wären. Für die bäuerliche Wirtschaft in ganz Deutschland sei in der Regel entscheidend die Produktion an Milch und Schweinen. Gegenwärtig stehe wieder einmal die Zollpolitik im Vordergrund. Wenn aber die Qualität sich nicht ändere, würden dänische Butter, amerikanische Äpfel und italienisches Gemüse mit keiner Zollpolitik vom deutschen Markt zu vertreiben sein.
Der Unterschied des gegenwärtigen Programms der Produktionssördcrüng und Produktionsumstellung in der Landwirtschaft gegenüber dem Schieleschen liege darin, daß neben der Förderung des Absatzes die Umstellung der Produktion und die Förderung der Standardisierung weitgehend in den Aufgabenkreis herangezogen sind. Diese Aufgaben seien zu lösen bei der Milchwirtschaft durch die Schaffung einer standardisierten Milch in Form von Markenmilch. Die Forderung nach einem Erziehungszoll für Butter sei begründet. Der Butterzoll sei aber bereits in drei Handelsverträgen gebunden. Obst und Gemüse sind im Absatz im vergangenen Jahre stark gefördert worden Auf dem Gebiete der Eier- und Geflügelproduktion und -ihres Absatzes seien bemerkenswerte Fortschritte gemacht worden. Voraussetzung der Wirksamkeit der Arbeit aus allen diesen Gebieten aber sei die Wiederbelebung eines wirklichen genossenschaftlichen Gedankens. Entscheidend sei die Hebung der gänzlich unzureichenden Viehpreise. Die Einfuhr von Vieh aus dem Osten werde
| wenn die Delegierten, die sich zu Zugeständnissen bereit erklärt haben, sich möglichst bald darüber äußern würden, auf welchem Gebiet sie etwa Zugeständnisse zu gewähren geneigt sind. Ich lege auf diese Äußerungen den allergrößten Wert, da möglicherweise von ihnen zum größten Teil nicht nur die Zielsetzung der Arbeiten dieses Ausschusses abhängen wird, sondern infolgedessen auch die Stellung, die meine Regierung diesen Arbeiten gegenüber einnehmen muß."
Die große Aussprache über' den amerikanischen Kompromißvorschlag in der Landabrüstungsfrage führte zu einer
Reihe offizieller Erklärungen.
Der italienische Vertreter betonte, daß er nach seinen Instruktionen nicht in der Lage sei, den bisherigen Standpunkt der italienischen Regierung in der Reservistenfrage zu ändern.
Der deutsche Standpunkt fand eine außerordentlich weitgehende Unterstützung durch den holländischen Vertreter, der in sehr scharfer Weise das Kompromiß in der Landabrüstungsfrage kritisierte.
Litwinow erklärte sodann, man müsse jetzt offen und mutig ein F e h l s ch l a g e n der Abrüstungskommission zugeben. Der Vertreter Schwedens bedauerte gleichfalls außerordentlich das Kompromiß in der Landabrüstungsfrage und drückte die Hoffnung aus, daß die Großmächte jetzt wesentliche Zugeständnisse machen würden. Der polnische Vertreter- Sokal schloß sich vorbehaltlos dem amerikanischen Standpunkt an.
Nach dem Abschluß der durch das amerikanische Zugeständnis gekennzeichneten Aussprache, die, wie man festhalten muß, noch keine Antwort über die Art der Konzessionen gebracht hat, die die amerikanische Delegation von den Landmächten erwartet, begründete zum Schluß der Sitzung die chinesische Delegation ihren Antrag auf Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht . ^jj ;^.ü|^^ attgsmemen Aussprache über diesen Antrag wurde auf Montag vormittag vertagt.
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kontingentiert werden. Die Zölle für Lebendvieh müßten erhöht werden. Alle diese Maßnahmen seien eingeleitet.
Was das Brotgetreide angehe, so sei hier das klügste, die Ausgleichsgebühr zu schaffen, selbst dann, wenn sie etwa auf eine Art gleitenden Zolles hinauskäme. Zollerhöhungen oder Einfuhrmonopole feien abzulehnen. Die Belastung der Landwirtschaft mit Steuern und sozialen Lasten lasse sich, solange das Reparationsproblem nicht gelöst sei, nur in bescheidenem Umfange ändern. Allerdings sei die E r w e r b s l o s e n fü r s o r g e so, wie sie jetzt auf dem Lande bestehe und gehandhabt werde, untragbar. Eine Änderung sei erforderlich. Vorschläge dazu seien von seinem Ministerium gemacht worden. Die größte Gefahr für die Landwirtschaft bildeten immer noch die hohen Zinssätze. Ferner sei noch eine große Menge anderer Dinge (Meliorationswesen) zu beachten, die zur Hebung der Not der Landwirtschaft beitragen. Die größte Gefahr, in der die Landwirtschaft sich heute befinde, sei, daß oft in unverantwortlicher Weise die Meinung verbreitet und gepredigt werde, es gehöre nur der gute Wille des Staates dazu, um die Landwirtschaft sofort wieder in Ordnung zu bringen. Der gute Wille des Staates sei vorhanden, aber es bedürfe Jahre anstrengender Arbeit und es bedürfe auch noch einer Politik, die nicht ins Maßlose gehe und die daran scheitere, sondern einer Politik, die Notständen in einer Form und in einem Maße begegne, daß auch die übrigen Schichten der Bevölkerung mitmarschieren können.
Der künftige Bundeskanzler Oesterreichs
ist der von der Ehrrstlich-Sozialen Partei vorgeschlagene Natronalrat Ernst Streeruwitz, dessen Kandidatur auch von den anderen Parteien der Koalition - Bauernbund und Großdeutschen — genehmigt wurde.