HersfelöerTageblatt hersfeSöL§ Kreisblatt Mmüicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö
mit öea Beilaaea: IllastrierleS Anterhallangsblalt / Nach Fe!e?ab?nh / Herb anS Scholle / AkterhaltMa v«S Wisse» , Belehrang und Kanweil / Wirlschaftliche Tagessrasea.
Nr. 101 Mittwoch, den 1. Mai 1929 79. Jahrgang
politisches Theater.
In Belgien und in Overschlesien ist es bei künstlerischen Veranstaltungen zu bedauerlichen Zwischenfallen gekommen. In Charleroi mußte ein Wanderzirkus, der etnem Deutsche« gehörte, plötzlich seine Zelte abbrechen, da feindliche Demonstrationen gegen ihn veranstaltet und das Zirkuspersonal belästigt wurden. In Oppeln wurde eine polnische Opernauf- führung durch Werfen von Stinkbomben gestört und mehrere Mitglieder der Theatergesellschaft auf beut Bahnhof vor der Abfahrt von einigen jungen Burschen verletzt. Die Oppelner Polizei hat zehn Personen, die der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei angehören sollen, in Polizeigewahrsam genommen und nach eingehender Vernehmung dem zuständigen Richter zur Entscheidung über den Erlaß eines Haftbefehls vorgefübrt. Der Oberpräsidcnt der Provinz Oberschlesien hat de».. Generalkonsul der Polnischen Republik in Beuthe« sein Bedauern über die Zwischensälle ausgedrückt. Der polnische Generalkonsul ist telegraphisch nach Warschau beordert worden, um dort Bericht zu erstatten.
Je stärker, angespannter, empfindlicher in irgendeinem Volke sich das Nationalgefühl entwickelt hat, desto deutlicher färbt dies auch mehr oder weniger auf alles das ab, was der künstlerischen Darstellung unterliegt, überspanntes Nationalgefühl, also Rationalismus — genau übrigens so. wie etwa der Bolschewismus im heutigen Rußland — vergißt dann allzu leicht, daß jede Kunst zwar auf nationalem Boden steht, aber, wie die Religion, übernationalen Gesetzen unterliegt, über die Grenzen der einzelnen Völker hinausreicht.
Nun ist es, polnischen Schauspielern in Oppeln gegenüber, anläßlich einer von ihnen veranstalteten Opernvor- stellung, zu häßlichen Szenen gekommen. Lärm, Werfen von Stinkbomben, schließlich auch tätliche Angriffe. Der überhitzte Boden Oberschlesiens, das empfindliche, immer noch blutende Nationalgefühl der Deutschen sind vielleicht eine Erklärung. Zum Ausbruch bedarf es also nur eines kleinen Anstoßes und der Skandal ist da. Man attackiert Künstler, die gänzlich unschuldig an den Verhältnissen sind, stört künstlerische Darbietungen, die durchaus nichts irgendwie Kränkendes aufweisen, vielleicht sich davon sogar mit besonderer Betonung fernhalten. >7.^ 7-.m»«;;«-.4 »^ .-»«;« «»t -»"^.r--«^ -iB.--.-^» - Maßnahmen jenseits der Grenze. Das ist in Kalt o - Witz auch alsbald geschehen, wo nun an dem ehemals deutschen Theater deutsche Schauspiele für ab- sehbareZeitnichtmehrausgeführtwerden dürfen. Auch dort kam es zu üblen Szenen, allerdings hier eben gegen die Deutschen. Der „Erfolg" ist also allein der, daß man auf der Göttin der Kunst herumtrampelt. Ist ja doch auch ein Richard Wagner aus politischen, nationalistischen Gründen dereinst in der Pariser „Großen Oper" elend ausgepfiffen worden.
Dafür sind aber jetzt wieder deutsche Künstler, nämlich das bekannte Berliner Philharmonische O r ch e st e r unter der Leitung Furtwänglers, mit größtem Erfolge dort aufgetreten. Nicht zum erstenmal machte die deutsche Kunst, auch nach dem erbitterten Auseinander- leben des Weltkrieges, friedliche, moralische Rückeroberungen — selbst in Paris. Kaum einige wenige, chauvinistisch aufgeregte Stimmen protestieren; aber sie verhallen ungehört. Die Zeiten sind doch schon längst vorüber, daß deutsche Kunst der französischen Hauptstadt fernbleiben mußte. Und wir Deutsche selbst vergöttern ja — allzuhäufig auch noch bei nicht passenden Gelegenheiten — fremde Kunst viel mehr, als es deutschen Künstlern jeder Art lieb sein kann. „Ehreteure deutschen Meister, dannbanntihr guteGeister!" hat einst in seinen „Meistersingern" derselbe Richard Wagner mahnen müssen. Und Deutschland wäre durchaus nicht ins Wanken geraten, wenn man die polnischen Schauspieler ruhig auch in Oppeln hätte auftreten lassen, wenn diese Stadt auch nur verhältnismäßig wenig« Polen in ihren Mauern aufweist. Und von dem dortigen Polenbund ist das Gastspiel der Kattowitzer polnischen Schauspieler veranlaßt worden. Trotzdem hätten diese Skandalszenen sich niemals ereignen, die Deutschen innerlich und äußerlich Disziplin halten müssen. Denn nun wird man polnischerseits Lärm genug über die Vorkommnisse machen. Ganz anders liegen die Dinge freilich dann, wenn man mit Hilfe der Kunst in Oberschlesien polnisch-nationalistische Propaganda getrieben hätte. Das heißt auch nur die Kunst zur Sklavin ihr fremder Ideen machen. *
Einem deutschen Zirkus ist es in Belgien auch fchlecht gegangen, nur weil behauptet wurde, der Leiter sei ein früherer deutscher Offizier, der als Kommandant eines belgischen Deportiertenlagers während des Weltkrieges fungiert habe. Das hat genügt, um die immer noch von Deutschenhaß erfüllte, übrigens wallonische Bevölkerung in Charleroi zu einem wilden Ansturm aufden Zirkus zu veranlassen, so daß dieser schleunigst davonzog. Wahr zu sein braucht ja nichts von dem, was als Zündstoff in eine derartige Menge Hinein- ; geworfen wird; die glaubt doch sofort alles. "
Die Vorfälle in Oppeln.
Eine Ausschreitung Jugendlicher.
Zu den Vorfällen in Oppeln wird noch ergänzend, icheinbar offiziös, folgendes gemeldet:
In der Spielzeit von 1928/29 sind in den Städten Beuchen, Gleiw.itz und Hindenburg durch Mitglieder des polnischen Kattowitzer Theaters 14 Theateraufführungen
Billige Zeppelinfahrten
Rrmd um die Erde in 20 Tagen.
Kleine und große Fahrten des „Zeppelin".
Die Vorbereitungen für die große Fahrt des „Gras Zeppelin" rund um die Erde, die nach den bisherigen Dispositionen der Werft im Au g u st d. I. unternommen werden soll, sind zurzeit in vollem Gange.
Gutem Vernehmen nach ist beabsichtigt, die Fahrt in etwa 2 0 T a g e n zum Abschluß zu bringen und damit alle bisherigen Rekorde in den Schatten zu stellen. Die Fahrtroute ist bisher nur in großen Zügen festgelegt, und zwar wird das Luftschiff voraussichtlich von Friedrichshafen nach Tokio fliegen, dann nach der überquerung des Stillen Ozeans einen noch nicht bestimmten Ort in K a l i f o r n i e n zur Landung ansteuern, weiter den amerikanischen Kontinent in Richtung Lakehurst passieren und schließlich über den Atlantik nach Deutschland zurückkehren.
Billige Zeppelinfahrten.
Am 2. Mai verunstaltet der Luftschiffbau Zeppelin mit dem „Graf Zeppelin" eine etwa fünfzehnstündige Rundfahrt von Friedrichshafen nach Wien und zurück.
Voraussichtlich am 15. Mai steigt das Luftschiff zu seiner zweiten Reise nach Nordamerika auf. Nach einem viertägigen Aufenthalt in Lakehurst wird „Graf Zeppelin" wieder seine Heimreise antreten.
Im Hochsommer führt dann das Luftschiff zwei Deutschlandfahrten durch. Die erste geht von FriedrichshafenüberSüddeutschlandund Schlesien nach Berlin, wo eine Landung vorgenommen wird. Mit der Rückreise von Berlin nach Friedrichshafen wird das Luftschiff „Graf Zeppelin" einen Besuch Ostpreußens verbinden. Währeüd die
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Amerikafahrt einen mehr ch
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Kreisen Gelegenheit geben, eine Fahrt mit dem Luftschiff „Graf Zeppelin" zu unternehmen.
Reparaturen in der Luft.
Zum erstenmal in der Geschichte der Luftfahrt ist an einem Luftfahrzeug während der Fahrt ein Propeller abgenommen und wieder aufgesetzt worden. In 100 Meter Höhe ist diese Arbeit während des Fluges über Lissabon und auf dem Wege nach Sevilla am „Graf Zeppelin" ausgeführt worden.
Es war am Mittwoch vormittag. Um acht Uhr brächte der leitende Fahrtingenieur, Siegle, der Schiffsleitung die Meldung, daß am hintersten Motor das kurze Verbindungsstück zwischen Motorkuppelung und Propeller gerissen sei und daß deshalb der Hintere Moior vorläufig
veranstaltet worden. Keine dieser Aufführungen ist in irgendwelcher Weise durch die deutsche Bevölkerung gestört oder auch nur im mindesten beeinträchtigt worden. Dies mag als Beweis dafür dienen, daß die deutsche Bevölkerung in Oberschlesien an dem Auftreten polnischer Künstler in den deutschen Theatern des Abstimmungsgebiets keinerlei Anstoß nimmt. Es ist aber auch ein Beweis dafür, daß die Vorfälle in Oppeln eine bedauerliche Ausschreitung jugendlicher Elemente darstellen. Denn die polizeilichen Ermittlungen sowie die übereinstimmenden Berichte der Tageszeitungen weisen ausdrücklich darauf hin, daß die auf den Ringen und auf den Straßen angesammelte Menschenmenge in keiner Weise die Absicht erkennen ließ, irgendwie störend in die Veranstaltung einzugreifen oder gar gegen die beteiligten polnischen Künstler vorzugehen. Lediglich am Bahnhof haben sich jugendliche Elemente, junge Leute von 15 bis 20 Jahren, von den übrigen losgelöst und sind in unverantwortlicher Weise als Störenfriede aufgetreten. Die deutsche Presse verurteilt ganz allgemein dieses Vorgehen und fordert Bestrafung. Die von den zuständigen Stellen eingeleiteten Ermittlungsmaßnahmen werden hoffentlich die Schuldigen dem Richter zur gerechten Sühne bringen.
Mahnung zur Sparsamkeit.
Vorstandssitzung des Deutschen und des Preußischen Städtetages.
Die Vorstandssttzung des Deutschen und des Preußischen Städtetages fand in Berlin statt. Im Vorstände des Deutschen Städtetages referierte Präsident Dr. Mulert über Finanzfragen im Reich. Der Vorstand nahm eine Entschließung an, in der auf die überaus gespannte Finanzlage der Gemeinden hingewiesen wird, auf die in der Gesetzgebung des Reiches durch eine weitgehende Sparsamkeitspolitik Rücksicht genommen werden müsse. Die Verwaltungsreform müsse in Angriff genommen werden. Ein neuer Finanzausgleich sei unaufschiebbar. Seinen Mitgliedern empfiehlt der Vorstand des Deutschen Städtetages nachdrücklich d i e Ausgaben nach Möglichkeit einzuschrän- k e n . Weiter beschäftigte sich der Vorstand mit dem Entwurf einer Reichsstädteordnung. Es soll eine einheitliche Städteverfassung und zwar in der Form des Einkammersystems voraeschlaaen werden.
ausfallen müsse. Um die Arbeit auszuführen, wurden an den Knickstreben der Gondelaufhängung Seile angebracht, die um die beiden Enden des Propellers geschlungen wurden. Rittlings auf der Propellernabe sitzend löste der Monteur die Propellerbolzen und drückte den Propeller von der Achse ab. Der Propeller selbst wurde einstweilen über der Gondel festgebunden. Sodann erfolgte der Ausbau der schadhaften Transmissionswelle und der Einbau der Ersatz welle. Die Arbeiten nahmen k n a p p v i e r S t u n d e n in Anspruch. Noch lange vor der Erreichung Sevillas konnte die Heckmaschine wieder fahrklar gemacht werden. Während der ganzen Zeit der Reparaturarbeiten flog das Luftschiff mit unverminderter Geschwindigkeit.
Annähernd um dieselbe Zeit war eine Reparatur am Vordersteuerbordmotor. Ohne Schwierigkeiten konnte der beschädigte Zylinder abgenommen und durch einen neuen ersetzt werden. Das Auswechseln der Zylinder nahm trotz des beschränkten Platzes in der Motorgondel kaum mehr als eine Stunde in Anspruch.
Diese Reparaturarbeiten während der Fahrt beweisen den Hohen Grad von S i ch e r h e i t, den ein Luft- reisender im Luftschiff hat.
„Deutsche Luftfahrtwerbewoche."
Der Deutsche Luftfahrtverband e. V. hat als Spitzen- organisation aller luftsporttreibenden Vereine des Reiches den Beschluß gefaßt, mit seinen Vereinen und Jung- fliegergruppen in der Zeit vom 5. bis 12. Mai d. I. erstmalig eine „Deutsche Luftfahrtwerbewoche" zu veranstalten. Die Veranstaltung verfolgt den Zweck, die einmütige Geschlossenheit des Deutschen Luftfahrtverbandes und seiner Organe nach innen und außen erneut zu beweisen und weiteste Volkskreise für die Belange der Luftfahrt zu gewinnen. , , .
Im Rahmen der „Deutschen Luftfahrtwerbewoche" sollen l u f t s p o r t l i ch e Veranstaltungen aller Aüttrwie »<Wv»t-">«n^/Se'gv^ftttHs-4s«v-rc . ballonfahrten, stattfinden. Außerdem sind öffentliche Vortragsabende mit geselligen Veranstaltungen in Aussicht genommen. Der aus den 5. Mai d. J. fallende Sonntag wird im Rahmen der bereits erwähnten Veranstaltungen und als Auftakt der „Deutschen Luftfahrtwerbewoche" auch durch öffentliche Sammlungen nach Art der Margue- ritentage begangen werden.
Das neue englische Luftschiff.
Der zurzeit in Montreal weilende englische Hauptmann Chambers erklärte, das neue englische Luftschiff R 100" könne jederzeit einen Flug nach Kanada aN- treten. Die Abfahrt des Luftschiffes verzögerte sich nur deshalb, weil man aus den Erfahrungen der Fahrten des deutschen Luftschiffes „Graf Zeppelin" lernen tpnsfg . ____________________
In der Vorstandssitzung des Preußischen Städtetages fand die erste Aussprache über die Denkschrift der preußischen Regierung über den Finanz- und Lastenausgleich statt. Der Städtetag wird den Landtag bitten, ohne Rücksicht auf parteipolitische Bedenken den dringenden Bedürfnissen der Städte und Gemeinden Rechnung zu tragen und der Verlängerung der Gewerbe st euer nicht länger zu widersprechen. Gegen den Regierungsentwurf eines Städte- baugesetzes werden die schwersten Bedenken erhoben.
Tagung des Generalrats der Reichsbank.
Die Pariser Beratungen.
Der Generalrat der Reichsbank ist am Dienstag, wie vorausgesehen war, zu einer Sitzung zusammengetreten. An der Sitzung nahmen die in Berlin weilenden Mitglieder des Generalrats, u. a. der Vorsitzende des Generalrats der Engländer, Sir Charles Addis, sowie der deutsche Reichsbankpräsident Dr. Schacht teil. Der Generalrat ist das im Dawes-Plan vorgesehene überwachungsorgan der alliierten Mächte bei der Reichsbank. Der Generalrai hat das Aussichtsrecht über die Reichsbank und kann der Reichsbankleitung bestimmte Maßnahmen vorschlagen. Irgendwelche Beschlüsse kann der Generalrat nicht fassen. Ob über die Sitzung des Generalrates entgegen dem sonst üblichen Brauch diesmal eine Verlautbarung ausgegeben wird, steht zurzeit noch dahin.
In Pariser politischen Kreisen ist im Zusammenhang mit der Berliner Reife Schachts erneut stark von einem Kompromißvorschlag die Rede gewesen, der zwischen Owen Ioung und Dr. Schacht einerseits und Owen Uoung und den alliierten Gläubigern andererseits verhandelt worden sein soll. Von deutscher zuständiger Quelle wird nach wie vor bestritten, daß über einen derartigen Kompromißvorschlag verhandelt worden ist, da dies den Aufgaben der Sachverständigenkonferenz widersprechen würde. Die Sachverständigenkonferenz habe ausschließlich die Aufgabe, nunmehr den Bericht über die Ergebnisse sertigzustellen. In diesem Zusammenhang wird auch bestritten, daß der Berliner Reise von Sir Charles Addis irgendeine politische Bedeutung zukomme.