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Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den kreis hersfelü

mit den Stellagen: Illustriertes AuterhaltungSblatt / Nach Feierabend / Herb und Scholle / Anterbaltuua und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche TageSfraarn.

Nr. 115 (Erstes Blatt)

Auflegung der

300 Millionen zeichouugsoffen.

Am Mittwoch, 2 2. Mai.

Der Aufruf zur Beteiligung an der neuen Reichs­anleihe, der Donnerstag auch der Reichsrat zugestimmt hat, wird am Mittwoch, 22. Mai, erfolgen. Zunächst werden 300 Millionen Mark in der Zeit vom 24.31. Mai zur Zeichnung aufgelegt. Die Anleihe ist mit 7 Prozent verzinslich und wird zu 99 Prozent aufgelegt. Sollte eine Überzeichnung stattfinden, so werden die Stücke bis zum Gesamtbetrage von 500 000 Mark voll zugeteilt. Die Anleihe ist gestückelt zu 100, 500, 1000, 5000, 10 000 und 20 000 Mark und mit halbjährigen Zinsscheinen per 1. Ja­nuar und 1. Juli versehen. Der erste Zinsabschnitt ist fällig am 1. Januar 1930. Die Einzahlung hat zu erfolgen mit 40 Prozent bis zum 8. Juni, mit 30 Prozent bis zum 5. Juli und mit den restlichen 30 Prozent bis zum 5. August. Die Anleihe ist unkündbar fünf Jahre lang und voll in den nächsten zehn Jahren mit je 10 Prozent zu pari rückzahlbar. Die Provision für die Kommissionstätig- keit der Banken beträgt 1% Prozent.

Das Reichsfinanzministerium wies nochmals darauf hin, daß ein anderer Weg zur Deckung des Kassenfehl- bedarfs nicht möglich gewesen sei. Bedenken dagegen, daß etwa ein Mißbrauch mit den Z ichnungslisten ge­trieben werden könnte, werden dahin beantwortet, daß

MMW desGrasen 3e»elin bei Mon

Schwieriger RWug des Luftschiffs.

Die Folgen des M o '.defektes.

Wenn Lorbeeren des Ruhmes je unter Schwerst und unsäglichen Mühen errungen worden sind, so bei den Luftschiffbauten und Luftschiffahrten, die mit dem Namen des Grasen Zeppelin verknüpft sind. Von den Widerständen an, die der alte Graf am Bodensee zu über­winden hatte, von der Katastrophe bei Echterdingen, den zahlreichen technischen, finanziellen und politischen Schwierigkeiten, die sich seinem Nachfolger int Werk ent- gegentürmten, bis zu der Havarie aus der ersten Amerikafahrt und jetzt zu dem Maschinendefekt, der Dr. Eckener zwang, auf seinem zweiten Ozeanflug umzu- kehren. Leicht wird ihm dieser Entschluß nicht gefallen sein. Aber in dem Widerstreit zwischen Prestige und Verantwortlichkeitsgefühl siegte, wie nicht anders zu erwarten war, das letztere, und nachdem Dr. Eckener seinen Passagieren mitgeteilt hatte, daß er die Verantwortung für eine Ozeanüberquerung, die er bis- her freudig getragen hatte, nach Eintritt des technischen Defektes nicht mehr übernehmen könnte, wendete er sein stolzes Schiff und steuerte es dem Heimathafen zu. Übermut wäre es gewesen, die Fahrt fortzusetzen, M u t war es, daß er die Kraft zu dem Entschluß fand, den Pflicht und Verantwortung dringend machten. Mag jetzt vielleicht auch hämische Kritik unverantwortlicher Stimmen einsetzen, es kann nur eine richtige Meinung und eine 'Stimme der gerechten Beurteilung geben und die lautet: Die Technik mag in dem einen Fall versagt haben, aber

der Geist, in dem das Werk geschaffen wurde, ist unversehrt geblieben:

die energische Tatkraft, die alles hintan- setzt, wenn es gilt, die Pflicht der über­nommenen Aufgabe zu erfüllen!

Nachdem das Luftschiff an der Pforte des Atlantischen, Ozeans vor Gibraltar kehrtgemacht hatte, schlug es wieder nördlichen Kurs ein und flog an der spanischen Ostküste entlang bis zur R h o n e m ü n d u n g. Dann ging es das Rhonetal aufwärts.

Widrige Winde erschwerten das Fortkommen und verlangsamten die Fahrt. Dazu kam, daß als Antriebskraft nur noch d r e i Motoren zur Verfügung standen, von denen zeitweise einer auch noch ausgesetzt zu haben scheint. Aber

die Stimmung an Bord scheint trotz einer gewissen verständlichen Enttäuschung nach wie vor gut gewesen zu sein, weil alle das Vorgehen Dr. Eckeners billigten und die Gewißheit hatten, daß der Schaden an sich nur eine Geschwindigkeitsver- Minderung, aber

keine Gefährdung der Sicherheit bedeutete.

I Dr. Eckeners Notruf.

Frankreichs Hilfsbereitschaft.

Wie Havas aus Lyon berichtet, hat Dr. Eckener um C15 Uhr 18 Minuten unweit von Balence eine an einem Sandsack befestigte Botschaft in deutscher Sprache abgeworfen, die lautet: Wollen Sie bitte durch die Garnison von Balence die Stelle mir angeben, die am besten für eine Landung des Zeppelinluftschiffes aeeianet. Dr. Eckener. Das Luftschiff befand sich.

Sonnabend, den 18. Mai 1929

Reichsanleihe die Steuerbehörden mit den Zeichnüngslisten gar nichts zu tun hätten, sondern nur die Banken, und daß die Finanzämter sich nur für die Steuerpflicht zu inter­essieren hätten, so daß also Fragen über die steuerfreie Reichsanleihe im Besitz von Steuerpflichtigen überhaupt nicht beantwortet zu werden brauchten. Auch Bedenken, daß etwa der Schutz der Steuerfreiheit nachträglich zeit­lich enger begrenzt werden könnte, seien nicht am Platze. Mit den Banken wird zurzeit verhandelt, um die An­leihe einstweilen schon teilweise durch einen Vorschuß decken zu können.

Der Bedarf für die Arbeitslosen.

Ende März betrugen die für die Erwerbslosen vom Reiche frei zu machenden Gelder 260 Millionen Mark, für April werden rund weitere 65 Millionen Mark hinzu­kommen, für Mai etwa 25 Millionen und für Juni 10 bis 12 Millionen, so daß bis Ende Juni schätzungsweise 400 Millionen Mark in Frage kommen dürften. Das Reichsfinanzministerium teilt mit, daß ein Reform- programm der Arbeitslosenversicherung in Kürze den gesetzgebenden Körperschaften zugehcn wird, dessen Zweck es vor allem ist, bei dem im Winter zu er­wartenden neuen Anwachsen der Arbeitslosigkeit keine Ausgaben vorsehen zu müssen, für die nicht volle Deckung vorhanden ist. _____......______

als "es diese Botschaft abwars, in 400 Meter Höhe und hatte gegen starken Nordwind anzukämpfen. Infolge­dessen wurde es in Richtung aus Saillans ab­getrieben. Die Radiostatir-r. von Balence bemüht sich bisher vergeblich, ihre Apparate «# MMiU^ Funkeinrichtung des Luftschiffes einzustellen.

Der Präsekt des Departements D r o m e hat auf die Nachricht hin, daß derGraf Zeppelin" abgetrieben wird, Anweisung gegeben, in dem ganzen ihm unterstellten Verwaltungsgebiet die Starkstromleitungen abzustellen.

Um 17.30 Uhr veröffentlicht das französische Luftfahrt­ministerium folgende Nachricht: Um 17.15 Uhr befindet sich das LuftschiffGraf Zeppelin" im Tale des Flusses D r ö m e und bewegt sich nach Osten. Es befindet sich zur­zeit in einer geschützten Zone unweit von S a i l l a n s. Dre Geschwindigkeit des Luftschiffs scheint 30 Kilometer zu be­tragen. Havas berichtet aus V a l e n c e, daß das Luft­schiff, nachdem es v e r s u ch t hatte, bei Portes-les-Valence zu landen, in südöstlicher Richtung auf Sarl- lans abgetrieben wurde.

Das Ministerium für Luftschiffahrt meldet, daß alles versucht werde, was menschenmöglich sei, um dem Zeppe­lin Hilfe zu leisten. Man habe sich mit sämtlichen Pra- fekten und sämtlichen amtlichen Stellen in Verbindung gesetzt und die Anweisung gegeben, wenn möglich, Hufe zu bringen und eine Landung des Luftsch «ffes zu ermöglichen. So seien sämtliche Luftschrfferab- teilungen der Garnison von Lyon bereits alarmiert und technisches Personal für die Landung zur Verfügung ge­stellt worden.

Die Hilfsmaßnahmen.

Funkspruch des französischen Luftfahrt,ninisteriums an Dr. Eckener.

Das Luftfahrtministerium teilt mit, daß es um 17.50 Uhr Dr. Eckener durch Funkspruch die Landung des Graf Zeppelin" in einer der beiden französischen Lust­schiffbasen O rly oder Cuer s-Pier r eseu je nach Wahl freigestellt hat. DerGraf Zeppelin" hat bis jetzt noch keine Antwort gegeben. Das Ministerrum hat jedoch alle notwendigen Anweisungen für eine Landung ergehen lassen. Orly liegt in der südlichen Umgebung von Paris, Cuers-Pierrefeu etwa fünfzehn Kilometer nordöstlich von Toulon.

Wieder in westlicher Richtung.

Das LuftschiffGraf Zeppelin", das gen Osten nach den Alpen zu abgetrieben wurde, hat die Richtung nach Westen eingeschlagen und flog über Montolimar.

Das Luftschiff folgt dem Rhünetal, jedoch soll der Graf Zeppelin" in einem Winkel von 45 Grad s ch r ä g l i e g e n. Die Truppen folgen dem Luftschiff aus Transportautos.

Ein Flugzeug der Deutschen Botschaft unterwegs.

Ein Flugzeug mit dem Mitglied der Deutschen Bot­schaft, Gesandtschaftsrat Dr. Clodius, ist nach der Gegend, in derGraf Zeppelin" kreuzt, 'abgeflogen.

Graf Zeppelin" treibt südwärts.

Das LuftschiffGraf Zeppelin" hat an den Luftschiff­bau um 18.20 Uhr einen Funkspruch gerichtet, tn dem es mitteilt, daß es nach dem Luftschiffhasen C u e r s bei Toulon gehen werde. . ,..,.,,

Nach einer Meldung aus Lyon treibt das Luftschiff

79. Jahrgang

'---^====-,^.;^-^,.l-^-.-==S=====a.^. .. '^^^^^------:--^^ -;- ,^=: ......... ausAvrgnonzu und scheint die Richtung Jstres (Flug­hafen von Marseille) einzuschlagen. Es ist jedoch fraglich, ob er bis dorthin wird gelangen können. Ob­wohl der Wind weniger heftig wehte, ist er noch stark genug, um die Navigation des Zeppelins zu behindern. Der Zeppelin hat das Zeltlager von Anchone über- flogeu, wo Truppen warteten, um ihm seine Landung zu erleichtern; aber das Luftschiff hat keinen Versuch gemacht, niederzugehen.

Das Luftschiff über Toulon.

Nach einer Meldung aus Toulon manövriert das Luftschiff seit einiger Zeit über dem dortigen Flugplatz, um die Landungsvorbereitungen abzuwarten. Der Zeit­punkt der Landung ist noch unbestimmt.

Glücklich gelandet!

Graf Zeppelin landete leicht auf dem Flugplatz Cuers-Pierrefeu bei Toulon. Das Luftschiff hatte bis zur Landung noch mehrere manövrierfähige Motoren. Die Passagiere befinden sich sämtlich bet guter Ge- sundheit. Der Zeppelin wurde in die Luftschiffhalle geschafft, in der seinerzeit die Dixmuiden stationiert war. Bei der Landung waren 500 Soldaten de. teiligt. Man glaubt, daß nach Eintreffen der not­wendigen Ersatzteile aus Friedrichshafen die Reparaturen und die Ueberholung deS Schiffes in spätestens 10 Tagen abgeschlossen werden können.

Der Chefkonstrukteur Dr. Dürr sowie Prof. Liack- Bonn sind noch in der Nacht zum Sonnabend im Auto nach Toulon abgeretst, um die Wiederinstand- setzungsarbeiten zu leiten. Ein Güterwagen mii vier Ersatzmotoren und weiteren Materialien wird dem nächsten nach Toulon avgehenden D-Zuge angehängt werden.

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Hit reich fei öer Schupo!

Die Staatsaufgaben der Polizei.

Oberpräsident S i e h r besichtigte die Polizei- schule in Sensburg und hielt vor den versammelten An­gehörigen der Schule eine Ansprache. Dabei führte er un­gefähr folgendes aus: Der Beruf des Schutzpolizisten ist heute viel schwieriger als in der Zeit vor dem Kriege. Die Schutzpolizei ist eines der Fundamente des S t a a t e s , und jeder Schutzpolizist muß sich bewußt sein, daß er besonders hohe und verantwortungsvolle Aufgaben zu erfüllen hat. Der Schutzpolizist hat heute im Gegensatz zu früher nicht nur Polizeiaufgaben zu erfüllen, sondern er ist wie alle Volksgenossen ein vollberechtigtes und gleich­wertiges Glied des Staates. So soll er auch bei Erfül­lung seiner Pflichtobliegenheiten nicht nur Befehle blind­lings ausführen, sondern im Rahmen seiner Pflichten auch als denkender Mensch handeln. Er ist nicht nur dazu da, die Strafverfolgung einzuleiten und zu fördern, sondern seine Hauptaufgabe ist es, feinen Mit­menschen auch hilfreich gegenüberzutreten. Es muß danach gestrebt werden, die preußische Schutzpolizei als eine für die ganze Welt vorbildliche Einrichtung auszu- bilden. Darum muß jeder einzelne an der Polizeischule Lehrende oder Lernende sein Bestes dafür einsetzen, feine Pflicht zu erfüllen und darüber hinaus alles tun, um dem Volksganzen zu dienen.

Die erwerbsiaiM deutsche Frau.

Frauentagung des Vereins für das Deutschtum im Ausland.

Im Kieler Rathaus wurde am Freitag die Frauentagung des Vereins für das Deuischtum im Ausland eröffnet, die sich hauptsächlich mit der Frage beschäftigen wird, wieweit die erwerbstätige deutsche Frau im Grenzlande und im Aus­lande Stütze des Volkstums sein kann.

Studienrat Dr. Keller entbot bei Eröffnung der Tagung den Frauen den Gruß des. Landesverbandes Schleswig-Hol­stein. Der Vorsitzende des Vereins für das Deutschtum im Ausland, Exzellenz v. d. Bussche-Haddenhausen, wies in einer Ansprache darauf hin, daß mit dem Wachsen des V. D. A. auch seine Aufgaben gestiegen seien, deren viele nur durch Frauen gelöst werden könnten.

In fünf Referaten wurde sodann die Arbeit der Frauen in einigen Gebieten des deutschen Volkstums gewürdigt. So ist in Leoben-Steiermark aus freiwilligen Spenden eine Schule zur beruflichen und fachlichen Ausbildung für Mädchen geschaffen worden. Die Vertreterin Sieben­bürgens wies an Beispielen nach, daß der Daseinskampf des Ausländsdeutschen ein Kampf ist um die Lebensstellung des einzelnen. In der verlorenen O st m a r k ist durch ziel­bewußte Frauenarbeit wieder eine besondere Organisation, derDeutsche Hilfsverein", entstanden, der es sich hauptsäch­lich angelegen sein läßt, Frauen erwerbsfähig zu machen. In E st l a n d liegen die Verhältnisse infolge der Verarmung der oberen Schichten besonders schwierig. Nur durch Pflege der künstlerischen Handarbeit ist es den dortigen Frauen möglich, sich im Wettbewerb gegenüber den viel genügsameren estnischen Frauen zu behaupten. In Lettland gestattet jetzt die Schulautonomie den weiteren Ausbau der Mädchenbildung, zu der es aber an Mitteln fehl:.

Die Referate wurden von den Hörerinnen mit großem Beifall ausgenommen.