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HersfelöerTageblatt

Nachlaß otwäfjtL §lk 6it SchrMlettong »tränt- «örtlich: Kranz $unt in yrr»M. §rr»st>rechrr Nr. 8

Amtlicher Anzeiger für den kreis

mit bea Beilage«: Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabeus / AM «ad Gcholle / AuterdalLuag a«ö Wissen Belehrung unS Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfrageu.

Rt. 122

Dienstag, den 28. Mai 1929

79. Jahrgang

Kreditverteuerung.

Zuerst kam die Reichsbank mit der Erhöhung des Diskonts; das mußte schon dazu führen, den Kredit ganz allgemein zu verteuern. Verschärft wurde die Spannung noch durch die großen Kreditwünsche, die vom Reich an die Großbanken gerichtet und bei denen im Dränge der Not ziemlich harte Bedingungen angenommen wurden. Die Reichsbank setzte ihre Sanierungsaktion fort durch weitgehende direkte Krediteinschränkung und dies noch dazu in einer Zeit, da das wieder in Betrieb kommende Saisonge werbe große Kreditansprüche stellte. In­folgedessen gingen am Geldmarkt die Zinssätze immer höher hinauf, haben schon längst die zehnprozentige Grenze überschritten, bekümmern sich also gar nicht mehr um den Diskontsotz der Reichsbank. Die Spar- und Giro­kassen verteuerten ebenfalls das für langfristige Anleihen bestimmte Geld und selbst für erststellige Hypotheken müssen heute 10 Prozent gezahlt werden.

Da sich infolge der Krediteinschränkung der Reichs­bank die Geldsuchenden mit ihren Kreditwünschen an die Großbanken wandten, diese aber durch die anderweitige Inanspruchnahme und eine nicht unbeträchtliche Zurück­ziehung ausländischer Gelder finanziell stark geschwächt waren, ist es nicht sehr verwunderlich, daß bald die Bank- leitungen sich mit dem Gedanken vertraut machten, auch ihrerseits durch Erhöhung der Kreditko sten, also des Debetzinssatzes, zu einer Art Krediteinschränkung Überzugehen. Damit wäre sozusagen der offizielle Schluß­strich unter die allgemeine Kreditverteuerung gemacht, wo­bei leider bis auf weiteres jede Aussicht darauf ver­schwunden ist, daß diese Bewegung nach oben auch wieder kehrtmacht. Man will sogar das bisherige feste Ver­hältnis des Privatdiskontsatzes zu dem der Reichsbank, den jener bekanntlich immer um 1 Prozent überhöhte, lösen, damit die Folgerungen aus der Tatsache ziehen, daß der jetzt 8,5prozentige Satz durch die wirkliche Kredit­verteuerung weit überholt ist. Infolgedessen gewinnen auch die G e r ü ch t e immer mehr an Ausbreitung, daß die Reichsbank ihrerseits wieder den Diskont- su tz e r h ö h^n wird.

nahmen, den Notenumlauf ernzuschranken und damit drc Golddeckung" zu vergrößern, dem letzten Ausweis zufolge recht guten Erfolg gehabt haben.

Bis in die äußersten Verzweigungen hinein wird die deutsche Wirtschaft die Wirkungen dieser Kreditverteuerung verspüren und dies leider gerade jetzt, da man sich nach der schweren Krise des Winters langsam wieder empor- arbeitet. Kreditverteuerung bedeutet und dadurch wird jg auch der Konsument selbst betroffen nur allzuoft auch eine Verteuerung der Produktion, also Preiserhöhung. Kann es wenigstens bedeuten, wenn natürlich auch vielfach die Erhöhung der Zinssätze für Betriebskredite dazu zwingt, die Warenläger zu ver­kleinern, also das Warenangebot zu steigern, um dort investierte Gelder wieder flüssig zu machen, den Kapi­talsumlauf zu beschleunigen. Aber dahinter steht leider, volkswirtschaftlich gesehen, eine Produktions­einschränkung, weil von der Kreditverteuerung natürlich auch unsere Konkurrenzfähigkeit im Aus­land bedenklich mitgetroffen wird, dort also ein Ausgleich für die inländischen Absatzschwierigkeiten nicht gefunden werden kann.

Ein magerer Trost ist's für Deutschland, daß es den anderen europäischen Ländern mit Ausnahme Frank­reichs kreditpolitisch auch nicht gerade rosig geht, auch dort die offiziellen und die privaten Zinssätze rasch in die Höhe klettern. Der große Geldgeber, Amerika nämlich hält sich schon seit Monaten den ausländischen Kredit­wünschen gegenüber sehr zurück, weil die dortige Wirt- schast infolge chrer Hochkonjunktur die am Newyorker Geldmarkt zur Verfügung stehenden oder gestellten Mittel selbst fast restlos verbraucht, so sehr, daß dran dort jetzt auch von einerDisköntherailfsetzuNg spricht, ynd die Vorgänge auf der Pakt, er Konferenz find Nicht gerade dazu angetan, das ständige Anwachsen gll dieses kredit- politischen Schwierigkeiten irgendwie abzubremsen.

Wahlen in Belgien,

Die Regierung bleibt.

Der Sonntag brächte in ganz Belgien die Neu­wahlen für die Abgeordnetenkammer. Der Wahltag ver­lief in ziemlicher Ruhe. Kurz nach Mittag war Schluß der Wahlhandlung und es begann die Stimmenaus­zählung, doch wird wahrscheinlich erst Dienstag das end­gültige Resultat festgestellt sein.

Festzustehen scheint es, daß die jetzige katholisch­liberale Regierungskoalition ihre Mehrheit auch in der neuen Kammer behalten hat, obwohl eingehende Ver­schiebungen eingetreten sind. Von den Regierungs­parteien verlieren die Katholiken drei Sitze, die Liberalen gewinnen dafür sechs. Von den Opposi­tionsparteien verlieren die Sozialisten fünf Sitze, die Flamen haben den stärksten Stimmenzuwachs mit etwa 100 Prozent; ste gewinnen vier Sitze und werden zehn Abgeordnete haben.

Eupen-Malmedy.

Die Christliche Volkspartei, die für die früher deutschen Kantone Eupen, Malmedy und St. Vith eine erpeute Volksabstimmung fordert, konnte großen Zu­wachs verzeichnen. Auf ihre Liste konnte: ste 7364 Stimmen vereinigen, zu denen noch aus Verviers 300 Stimmen hinzukommen.

Der Rustemmnister über Baris

Nr. Stresemann zu Vöglers Abschied',

Kein Druck der Schwerindustrie.

In den letzten Tagen sind über die Vorgänge bei der Reparationskonferenz in Paris und über das aufsehen­erregende Ausscheiden Dr. Voglers aus der deutschen Delega­tion eine Unmenge von Vermutungen und Gerüchten ver­breitet worden, die im einzelnen auf ihre Tatsächlichkeit selten nachzuprüfen waren. Jetzt hat nun Reichsaußenminister Dr. Stresemann vor einer Versammlung von Pressevertretern in Berlin Erklärungen abgegeben, in denen er sich mit diesen Dingen beschäftigt, und die wohl als Ausfluß der bei der Regierung oder im Außenininisterium herrschenden An­schauungen zu betrachten sind.

Dr. S t r e s e m a n n kam zunächst auf die Meldungen zurück, die von besonderen Aufträgen seitens der Regie­rung an die nach Paris gereiften Herren Dr. v. K ü h l - mann und R e ch b e r g sprachen. Der Reichsaußen­minister betonte, daß weder er selbst noch sein Amt irgend etwas mit der Reise dieser beiden Herren zu tun gehabt hätten. Wenn das Auswärtige Amt in Paris Schritte unternehmen wolle, so sei einzig und allein der dortige deutsche Botschafter Dr. v. H o e s ch die zuständige Persön­lichkeit.

Märchen von einer Nebenregierung.

Der Rücktritt Dr. Vöglers sei anfänglich von der Re­gierung das müsse zugegeben werden als nicht be­absichtigt bezeichnet worden. In dem Augenblick dieses Dementis war tatsächlich der Rücktritt noch nicht erfolgt. Allerdings habe Herr Vögle, in einem Luftpostbrief schon vor Wochen seine Absicht angedeutet. Später habe er aber wieder zum Ausdruck gebracht, bleiben zu wollen.

Wenn Dr. Vögler zurückgetreten sei, so habe er das sicher auf seinen eigenen Entschluß hin getan, weil er der Meinung gewesen sei, sticht ,.netze die K»««»nvyrtung für die Belastung Deutschlands in der zuletzt geplanten Form tragen zu können. Die Annahme, Voglers Scheiden sei durch einen Druck der SchwAindüstrie verursach, worden, gehe vollständig fehl. Dafür liege nicht der geringste Beweis vor. Vogler würde sich einem solchen Druck auch gar nicht gefügt haben. Ein Ein­greifen der Schwerindustrie liege nicht vor.

Die Auslegungen nach dem Rücktritt Dr. Vöglers ent­hielten auch Behauptungen über das Bestehen einer Nebenregierung. Diese sollte angeblich durch ihn selbst, Dr. Stresemann, den Reichsfinanzminister Dr. Hilferding und einen demokratischen Publizisten ausgeübt werden. Davon sei natürlich kein Wort wahr. Es seien unoer- tändliche und sehr seltsame Märchen gewesen. Ein Ein- luß auf die Politik der Sachverständigen sei niemals von rgendeiner Nebenregierung, nicht einmal von der Reichs­regierung selbst ausgeübt worden. Die deutschen Sach­verständigen hätten auch heute noch ihre absolute Unab­hängigkeit. Von Quertreibereien in dieser Richtung dürfe ein ernsthafter Mensch nicht sprechen.

Beichsregierung und Sachverständige einig.

Keinerlei Differenzen, fuhr Dr. Stresemann fort, haben bisher zwischen Reichsregierung und Sachver­ständigen bestanden. Diese sind frei und unabhängig in ihren Entschließungen, selbst jetzt noch, wo der Charakter der reinen Sachverständigenkonferenz verwischt" ist und starke politische Einflüsse bemerkbar ausgetreten sind. Wenn von Deutschland aus Nachrichten ins Ausland lanciert wurdest, hi^ von dem Willen der Berliner Re­gierung sprachen, die von der Delegation in Paris au-

Ein Franzose über den Zeppelin.

Festliche Stunden.

Der stellvertretende Kabinettschef des Luftfahrtmini­steriums, Kahn, sagte über seine Eindrücke auf der Fahrt desGraf Zeppelin" von Cuers nach Friedrichshafen: Wir haben vom Augenblick der Abfahrt an bis zur Ankunft nicht eine einzige Minute verloren. Meine Begleiter und ich haben festliche Stunden genossen. Die meiste Zeit ver­brachten wir im großen Salon des Zeppelins, der den Ver­gleich mit dem des größten Überseedampfers aufnehmen kann. Nichts ist vernachlässigt worden, um den Passa­gieren möglichst viel Komfort zu bieten. Kahn bezeichnete das Luftschiff als eines der vollkommensten Beförderungs­mittel und sagte, er würde an Bord des Zeppelins sogar eine Weltreise mitmachen. Über die Aufnahme, die er und feine Begleiter in Deutschland gefunden haben, äußerte er sich äußerst befriedigt.

Aman Ltllah in Bomvay

In Begleitung seiner Frau.

König Aman Ullah, Königin Suraya und Juayat Ullah sind Montag in Bombay eingetroffen und haben im Hotel Tadsch-Mahal Wohnung genommen. Beim Einlaufen des Zuges war der Bahnsteig streng abgesperrt. Nur die Vertreter der Behörden wurden zugelassen.

Der Vizekönig von Indien sprach in einem Tele­gramm an Amay Ullah diesem und der Königin seine besten Wünsche aus für die unerfreulich Reise, die sie bei der ungünstigen Jahreszeit zu machen hätten. Der Vize- könig erbot sich, alles zu tun, was in seiner Macht stehe,

gebotenen Leistungen zu erhöhen, so könne man das nur als eine Unwahrheit und einen Verrat an den nationalen Interessen bezeichnen.

Dr. Stresemann sagte schließlich noch, es sei zweifelhaft, ob er seine Absicht, nach Madrid zur Völkerbundratssitzung zu reisen, ausführen könne.

Deutsche Verwahrung nach Paris.

Die Pariser Agence Havas berichtet, daß der Mei­nungsaustausch von Delegation zu Delegation unter den Sachverständigen der Gläubigermächte Montag in Paris fortgesetzt wurde. Bis jetzt sei jedoch die Antwort des deutschen Delegierten Dr. S ch a ch t aus das Memorandum der Alliierten nicht eingegangen.

Hierzu wird von deutscher Seite bemerkt, daß die alliierten Delegationen ein Memorandum der deutschen Delegation gar nicht erwarten können, da sie ausdrücklich darum gebeten haben, keine schriftliche Antwort zu geben, bevor man die Situation in Besprechungen von Delegation zu Delegation nicht geklärt habe. Das Manöver der fran­zösischen Presse, die deutsche Delegation als in Verzug be­findlich zu bezeichnen, muß also entschieden zurückgewiesen werden.

*

Fortgesetzte Besprechungen.

Montag nachmittag stattete der Sekretär der fran­zösischen Delegation, Quesuah, der deutschen Delegation in Paris einen Besuch ab. Hieraus ergibt sich, daß die Verhandlungen über eine Lösung des Zahlenproblems fortgesetzt werden. Die allgemeine Ansicht in Konferenz- kreisen geht dahin, daß im Lause dieser Woche die Ent­scheidung fallen muß. Dw Honferenz wird, falls eine Einigung zuftandekömmt, noch etwa acht Tage Zeit ge» brauchen, um die Arbeiten zum Abschluß zu bringen. So- müssen noch der Antrag für die Sachlieferungen, das Bankstatut und die Anlagen über das, was durch das zu schaffende neue Abkommen außer Kraft gesetzt werden soll, in ihrer letzten Fassung festgelegt werden.

Industrie unö Pariser Konferenz.

Der Reichsverband der Deutschen Industrie erläßt eine Erklärung, in der es heißt:

Wie der Reichsverband der Deutschen Industrie be­reits zu Beginn der Pariser Sachverständigenverhaudlun- gen ausdrücklich festgestellt hat, sind die beiden ihm nahe­stehenden Sachverständigen nicht als Beauftragte seiner Organisation anzusehen, sondern sie sind von der Reichsregierung ausdrücklich alsunabhängigeSach- verständige mit eigener Verantwortung und voller Freiheit der Entschließung bestellt worden.

Seit Beginn der Pariser Verhandlungen haben die Organe des Reichsverbandes der Deutschen Industrie keinerlei Versuche gemacht, aus den Gang der Pariser Ver­handlungen oder auf die Haltung der einzelnen Sachver­ständigen irgendeinen Einfluß auszuüben. Es haben auch keinerlei Aussprachen unter Hinzuziehung von behörd­lichen Vertretern stattgefunden.

Der Reichsverband der Deutschen Industrie kann und wird 3« den Pariser Sachverständigenberatungen erst dann Stellung nehmen, wenn das Ergebnis endgültig feststeht.

um dem König und seiner Gemahlin die Reise zu er- £t^ Ullah bedankte sich füi die freundlichen wiesen^ ^ ^ lm Verlauf seiner Reise er- die Westerschä-en in den Sierlanden.

Hilfsaktion erwartet.

_ Die Schäden, die das Unwetter in den Hamburger Vierlanden angerichtet hat, sind weit größer, als zunächst ©u^ar^^s Besonders um Neuengamme und Kurslack ist der Gemüsebau und die Baumblüte völlig ver- Betriebe errechneten einen Verlust bis : Wenige waren gegen Hagelschlag ver- ^"^., Man erwartet m den nächsten Tagen eine staat- rfm.it^asntnra8er - Hilfsaktion. In einer gemeinsamen Sitzung der Gememdevorstände von Kurslack und Neuen- SeÄ S ä ^E->»° 6" d'i». rr-Ar rer?k Mittel-Peilauer Gemarkung bei Reichenbach (Schlesien) ging ein verheerender Wolkenbruch mit Haqel- nieder, der auf den Feldern großen Schaden an- richtete. Vor allem litten die Kartoffel- und Rüben- ^!"iön. Das Wasser stürzte in derart großen Mengen zu daß Pvei Meter breite und 60 Zentimeter tiefe Kanäle quer durch die Rubacker gerissen wurden. Manche Häuser waren stundenlang von jedem Verkehr abgeschnitten, da sie ringsum von Wasser umgeben waren.

Berlin. Der Reichsmtntstcr des Innern hai die Ein­berufung der durch die Länderkonferenz eingesetzten Unteraus­schüsse für Verfassungs- und Verwaltungsreform für den 5. und 6. Juli 1929 in Aussicht genommen.