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Hersfel-erTageblatt

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hersfelöer Kreisblatt

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Nr. 123

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Mittwoch, den 2g. Mai 1929

19» Aahraang

Künstlicher Nebel.

Sogar den primitiven Gasschutz hatte in Über­schreitung selbst der Versailler Friedensbestimmungen die Entente für Deutschlands kleines Heer verboten und es bedurfte erst langer Verhandlungen, um nach Auf­hebung der Militärkontrolle es zu erreichen, daß Gas­schutzapparate für das Militär zugelassen wurden. Schließlich sind das doch reine Verteidigungsmittel, von denen man nicht einmal weiß, ob sie im Ernstfälle nützen würden; denn rings um Deutschland arbeitet man ja in allen Staaten an der Herstellung immer neuer, immer gefährlicherer Kampfgase, die dann durch Bombengeschwader ins Hinterland befördert nicht bloß die Bevölkerung, sondern auch die industriellen Hilfsmittel des feindlichen Landes vernichten sollen. Hiergegen besitzt Deutschland nicht den geringsten Schutz, den ja in der Hauptsache nur die Luftwaffe im sofortigen Gegenangriff darstellen könnte.

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Man wird ja Wohl im Auslande wieder allerhand meckern", wenn man dort jetzt hört, daß Deutschland be­gonnen hat, endlich einmal ein Schutzmittel gegen Angriffe aus der Luft auszuprobieren, das man von Weltkriege her noch gut kennt: die Vernebelung. Oder, wie man in Erinnerung an des Zwergenkönigs Laurin unsichtbar machender Kappe auch sagt: die Tarnung. Zu dem Experiment wurde ein wichtiges Elektrizitäts­werk in O st Preußen ausgesucht, das einen großen Teil der Provinz mit Licht und Kraft versorgt, für die dortige Industrie von Bedeutung ist und daher im Ernst­fall vornehmstes Ziel feindlicher Bombenan­griffe aus der Luft her sein würde. Natürlich wird nicht bloß das zu schützende Werk selbstvernebelt", son­dern die Umgebung in weitem Umkreis dazu. Die Sache glückte sehr gut, denn überaus schnell wurde das Werk und die ganze Gegend in weitem Umkreis mit einer dichten künstlichen Nebeldecke belegt, und zwar so erfolg­reich, daß die Führer von drei Flugzeugen, die während des Experimentes hoch oben in der Luft kreisten und sozu­sagen das feindliche Bombengeschwadermarkierten", hinterher erklärt haben, daß sie die Lage des Werkes auch nur einigermaßen genau festzustellen nicht vermocht hätten. ^. ^M>: war übrigens unschädlich, verursachte nur einen leichten Hustenreiz, und das Ganze ist auch des­wegen als besonders gut gelungen zu bezeichnen, weil die dicke und ziemlich lang anhaltende Tarnung des Werkes bei einem ziemlich starken Wind durchgeführt wurde und trotzdem erreicht werden konnte. Teils hatte man in weitem Halbkreis um das Werk die aus dem Weltkriege her wohlbekanntenNebeltöpfe" eingebaut, teils diente ein auf einem unmittelbar benachbarten See fahrendes Motorboot als Träger für diese Töpfe.

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Dieses Experiment ist nach dem Urteil aller Teil­nehmer, trotz schwieriger Umstände, ausgezeichnet gelun­gen. übrigens muß man erwähnen, daß unsere lieben Nachbarn in Ost und West nicht bloß derartige Versuche gleichfalls veranstaltet haben, sondern, wie z. B. die Polen, sogar einen regelrechten Gasbombenangriff auf die Warschauer Vorstadt Praga, natürlich unter Verwen­dung eines recht harmlosen Gases, aber auch begleitet von Tarnungsexperimenten usw. Und über London hat ja im vergangenen Jahr sogar ein Luftangriff nebst Ver­teidigung, also ein Manöver sozusagenmit allen Schi­kanen der Neuzeit", stattgefunden. In Frankreich hat man ebenfalls schon nach dieser Richtung hin alles mögliche ausprobiert kurz, was deutscherseits jetzt in sehr klei­nem Maßstab in Ostpreußen veranstaltet wurde, ist nur ein sehr zurückhaltendes, sehr langsames Vorwärtsgehen auf einem Wege, von dem unsere lieben Nachbarn übrigens auch Amerika, obwohl es dort vorläufig wohl ganz unnötig ist ein sehr großes Stück mit schnellem Fortschreiten zurückgelegt haben.

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Der Völkerbund hat sich ja bisher als unfähig gezeigt, den Gaskrieg gegen die Zivilbevölkerung zu verhindern, ebenso wie er es geradezu abgelehnt hat, den Angriff von Bombengeschwadern auf das Hinterland des Gegners zu verbieten. Mit den geringen Mitteln, die Deutschland verstattet sind, sich dagegen zu schützen, durfte uns nicht untersagt werden. Solange der Krreg und seine immer furchtbarer werdenden Mittel nicht aus der Welt geschafft sind, müssen Vorkehrungen getroffen werden, die emen wenn auch noch fo zweifelhaften, aber doch immerhin möglichen Schutz gewähren.

Aman Mah bleibt in Indien.

Ein neuer Emir von Afghanistan.

König Aman Ullah von Afghanistan hat seine Absicht, sich Mitte nächster Woche nach Italien einzuschiffen, mit Rücksicht aus den Zustand der Königin einstweilen auf­schieben müssen. Die Königin wird bis nach ihrer Ent­bindung im Hotel Tadsch Mahal in B o m b a y verbleiben. -Das Hotel steht unter polizeilichem Schutz.

1 Der frühere afghanische Kriegsminister Nadir K h an, der bisher gemeinsam mit Aman Ullah gegen die Truppen Habib Ullahs operierte, hat sich zum Emir von Afghanistan ausrufen lassen. Wie es heißt, soll er zu­nehmenden Einfluß auf die Stämme des südlichen Afghanistan gewinnen. Habib Ullah soll sich bemühen, mit dem Emir Verhandlungen anzuknüpfen, und soll zu diesem Zweck eine kleine Delegation an ihn geschickt haben.

Der Panzerkreuzer wird gebaut

Sozialdemokraie« und Panzerkreuzer

Mehrheit für die sozialdemokratischen Minister.

Die erste aufsehenerregende Entschließung brächte der Reichsparteitag der Sozialdemokratie in Magdeburg am Dienstag. Der Antrag des Vorstandsmitgliedes Vogel, über den Berliner Antrag zur Ablehnung der zweiten Rate für den PanzerkreuzerA" zur Tagesordnung Überzu­gehen, wurde mit 256 gegen 138 Stimmen angenommen. Damit entfällt auch das weitere Berliner Verlangen, den sozialdemokratischen Ministern Fraktionsdisziplin aufzu- erlegen, d. h., die Minister zu bestimmen, sich einer Ab­lehnung des Weiterbaues für den Panzerkreuzer anzu- schließen. Mit dieser Entscheidung sind alle vorliegenden Anträge über den Panzerkreuzer und über die etwaige Zurückziehung der sozialdemokratischen Minister aus der Reichsregierung erledigt.

Damit ist eine der grundlegenden Meinungsver- schiedenheiten, über die man stürmische Auseinander- fetzungen auf dem Parteitage erwartete, einstweilen im Sinne der Parteileitung beigelegt. Die sozialdemo­kratischen Minister werden wieder wie bei Bewilligung der ersten Rate für diese mit dem übrigen Kabinett stimmen, wenn auch etwa die Fraktion im Reichstage eine gegenteilige Entscheidung trifft. Da die Mehrheit der Parteivertreter in Magdeburg Verständnis für die Hal­tung der Minister gezeigt hat, wird auch die nachherige Kritik an dem Auseinanderfallen von Fraktion und Ministern nichts ändern. Für die innere Politik be­deutet diese Stellungnahme die

Aufrechterhaltung der Großen Koalition,

wie sie jetzt im Reiche besteht, die also unter Ein­beziehung der übrigen an ihr beteiligten bürgerlichen Parteien anscheinend noch auf längere Zeit hinaus in Wirksamkeit bleiben soll. Der Abstimmung war natür­lich eine längere, zum Teil heftige Debatte voraus- geggnaen. ätM den M^Men über die Tätigkeit des Parteivorstandes griff eine Anzahl von Rednern den Eintritt der Sozialdemokraten in die Reichsregierung an, während andere ihn verteidigten unter dem Gesichts­punkt, daß es immer noch besser sei, den Einfluß der sozialdemokratischen Minister in der Koalitionsregierung einzusetzen, als tatenlos bei einer rein bürgerlichen Re­gierung beiseitezustehen.

Besonders der Reichstagsabgeordnete Sollmann setzte sich für die bisherige Parteipolitik ein, äußerte sich gegen jede geistige Erstarrung und verteidigte Toleranzübung auch gegen­über anderen Meinungen. Reichstagsabgeordneter Dr. David meinte, auch heute bekenne sich die Partei geschlossen für die Forderung: Nie wieder Krieg! Doch der Panzerkreuzer sei allerhöchstens ein Mittel zur Küstenverteidigung. Wolle man wegen dieses Kreuzers eine Neuwahl veranstalten, so würde diese zu einer Niederlage für die äußere und innere Stellung der Partei führen.

Reichskanzler Müller

führte aus, man würde die geübte heftige Kritik verstehen, wenn die Partei während des abgelausenen Jahres der Re- gierungstätigkeit ihrer Minister an Kraft und an Zahl ihrer Mitglieder verloren hätte. Sie selbst, die Minister, seien viel zu gute Sozialisten, um Freude an der Koalitionspolitik zu haben. Diese sei aber gegenwärtig eine politische Notwendig­keit. Auch das Zentrum müsse seine Wünsche in bezug auf das Konkordat modifizieren, denn die Zentrumsleute seien viel zu klug dazu, um mit dem Kops durch die Wand zu rennen und zu verkennen, daß in einer Koalitionsregierung auf die anderen Rücksicht zu nehmen ist. Zum ersten Male sei es dem jetzigen Kabinett gelungen, den Wehre tat herabzusetzen. Es jet nicht der Mühe wert, die Panzerkreuzerfrage zu einem Neu- wahlobjekt zu machen. Nachdem die Abmachungen für die Große Koalition in Kraft sind, ist es nicht geraten, davon ab- zusehen. Wenn die Partei es verlange, sei er jederzeit bereit, alle Konseguenzen zu ziehen.

Schacht muß ausspanuen.

Der Reichsbankpräsident Dr. Schacht hat sich genötigt gesehen, aus Gesundheitsrücksichten seine Arbeit in der Pariser Sachverständigenkonferenz einige Tage auszu- setzen. Er hat sich nach Versailles begeben, wo er sich er­holen will. j

Owen Noung will nach Hause fahren.

m n r; o Temvs" will wissen, daß Owen Noung angekündigt habe, er"beabsichtige, Parssin allernächster Zeck zu »erlassen, um nach nahezu viermonatrger Abwesenheit wieder nach Amerika zurückzukehren.

Msons von Spanien an Hindenburg.

Die großartigedeutsche Ausstellurig.

Erwiderung des Glückwunschtelegramms, welches der Reichsvräsident anläßlich der Eröffnung der deutschen Abteilung auf der Internationalen Ausstellung a r e e l o N a an den König von Spanien gerichtet hatte, hat der König von Spanien an den Reichsprä­sidenten nachstehendes Telegramm gerichtet., 6»ÄÄ?» ^U« mir ein w.irkliches Vergnügen, zusammen mit der Kon^m

Die Gozialdemokraien und das Wehrprogramm.

Auf der Sozialdemokratischen Parteitagung sprach der Reichstagsabgeordnete Wilhelm Dittmann als Berichterstatter über das Wehrprogramm. Er gab eine kurze Darstellung der Einstellung der vom Parteivorstand eingesetzten Kommission zur Feststellung eines Wehr­programms und betonte, daß das Programm eine Fort­setzung der bisherigen Haltung darstelle. Er verwahrte sich gegen die Behauptung, daß der Parteivorstand die Frage jetzt unbedingt zur Klärung und Erledigung brin­gen wolle. Der Parteivorstand lasse dem Parteitag völlig freie Hand. Die Kommission empfehle Annahme des Entwurfes in der abgeänderten Form und Ableh­nung aller dazu gestellten Anträge. Dittmann sprach dann über die allgemeine

Stellung der Partei zur Heeresfrage.

Anfänglich sei die Partei mit dem Liberalismus konform gegangen. Dann sei das Schlagwort aufgekommen: Diesem System keinen Mann und keinen Groschen!" Be­sonders habe B e b e l den preußischen Militarismus heftig bekämpft. Auch im kapitalistischen System der Vorkriegs­zeit wäre die Partei bereit gewesen, Mittel zu bewilligen, wenn eine Änderung des Heeressystems eingeleitet worden wäre. Im Kriege sei dann die Spaltung gekommen. Heute bestimme der vom Volke gewählte Reichstag die Heeresform. Der preußische Militärstaat habe sich selbst umgebracht. Die Lösung müsse auf demokratischem Wege geschehen.

Gewalt," so erklärte der Redner u. a.,werden wir nur anwenden, wenn Gewalt hemmend auf die Demo­kratie einwirkt. Eine solche Möglichkeit ziehen wir in Rechnung und stellen uns daraus ein. Die Gründung des Reichsbanners ist ein Beweis dafür. Wir S»""ldeWo kratxir lehnen das Rezept der Kommantsten, die Zer­trümmerung des Bestehenden ab."

Zu dem Begriff des Bestehenden gehöre auch das Heer und die Polizei. Die Sozialdemokratie betrachte die bestehenden Einrichtungen vom Standpunkt des kommen­den Besitzenden aus. Warum solle die Wandlung, die sich bei der Justiz vollziehe, beim Heere unmöglich sein? Die Entwickelung der Waffentechnik habe eine Änderung der Geistesverfassung der Soldaten herbeigeführt. Der Miß­brauch der Soldaten gegen das eige: Volk fei erschwert. Die Partei würde falsch handeln, wenn sie einen künstlichen Gegensatz zu dem Heere schassen würde. ^

Die Opposition will die Landesverteidigung ablehnen.

Während des Referats über das Wehrprogramm ging ein von Levi, Rofenfeld, Seydewitz und weiteren 80 Delegierten unterzeichneter neuer Programmentwurf ein, in dem es u. a. heißt, daß die Partei im kapitalistischen Staat die Landesverteidigung ablehnen müßte. Weiter heißt es:Wird ein Land, in dem das Proletariat die politische Macht erobert hat, und in der Übergangszeit zur klassenlosen Gesellschaft von anderen, noch von der Bourgeoisie beherrschten Staaten an­gegriffen, so ist das Proletariat verpflichtet, feine Klassen- interessen gegen alle Angriffe mit allen Mitteln zu ver­teidigen."

An diesen Antrag, der vom Abgeordneten Levi be­gründet wurde, knüpfte sich eine längere Debatte, die schließlich abgebrochen wurde, ohne daß es zu einer Be­schlußfassung gekommen wäre.

den großartigen deutschen Pavillon auf der Internationalen Ausstellung in Barcelona zu eröffnen, und ich beeile mich, Eurer Exzellenz mit meinen ausrich- tigen Glückwünschen den Ausdruck meiner und meines Volkes Dankbarkeit für die so glänzende Mitarbeit Ihres edlen Vaterlandes an dieser Ausstellung zum Ausdruck zu bringen. Ich verbinde damit die wärmsten Wünsche für das Gedeihen und Glück Ihres Landes und für die Festi­gung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen unseren Ländern."

Spionage der Fremdenlegion in Deutschland.

Leipzig. Vor dein 4. Strafsenat des Reichsgerichts hatte sich der Elektrotechniker Walter Potas aus Magdeburg wegen Vergehens gegen das Spionagegesetz zu verantworten. Der 26 Jahre alte Angeklagte war von 1923 bis 1925 bei der Schutz­polizei in Magdeburg, wurde aber wegen mehrerer Nachlässig­keiten entlassen. Da er in der Folge arbeitslos wurde, fuhr er zweimal, im Herbst 1925 und im Herbst 1926, nach Mainz, um sich für die Fremdenlegion anwerben zu lassen. Er wurde jedoch nicht eingestellt, sondern von den Offizieren des franzö­sischen Nachrichtendienstes beauftragt, Angaben über die Schutz­polizei und die Vaterländischen Verbände in Magdeburg zu machen. Im ersten Falle erhielt er 135 Mark und im zweiten Falle 180 Mark, ohne jedoch dafür etwas zu leisten. Beidemal wurden ihm mehrere Photographien abgenommen, die in seiner Polizeidienstzeit gemacht worden waren. Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen zweier Vergehen gegen § 6 des Spionagegesetzes unter Bewilligung mildernder Umstände zu einer Gefängnisstrafe von neun Monaten, für die fünf Monate durch die Untersuchungshaft verbüßt sind.