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HersfelöerTageblaü

mit den Beilaam: Attustriettes Unterhaltungsblatt / Nach KeLemdenS / Hertz und Scholle / Anierhaltung nah Wissen BelebrunK n«S Kurzweil / Wirtschaftliche Usgesfrasen.

Nr. 125

Im ZihlMWlN für SatMii

Annahme des Soung-Serichtes.

Einigung der Gläubigerdelegationen.

Aus Paris kommt die Nachricht, daß die Gläubiger­delegationen ihre Besprechungen abgeschlossen und sich über eine Neuverteilung der Annuitäten auf Grund des Be­ginns der Zahlungen nach dem Young-Plan vom 1. Sep­tember 1929 geeinigt haben. Auch hinsichtlich des Ver­teilungsplanes ist man zu einer Verständigung gelangt.

In alliierten Kreisen in Parts beurteilt man die Zahlenlösung mit Zurückhaltmtg. Man erklärt, es handele sich um einen Schritt voran zur Lösung, aber es blieben noch einige Fragen von großer Bedeutung offen. Auch deutscherseits verhehlt man sich nicht, daß dee noch kommenden Verhandlungen von größ­ter Bedeutung sind, da für die Erfüllung der einzu- gehenden Zahlungsverpflichtungen die Annahme der Vor­behalte der deutschen Delegation von Anfang an für un­erläßlich erklärt wurde. Es kann festgestellt werden, day der amerikanischen Delegation besonders durch ihre Tätig­keit in den letzten Tagen entscheidender Einfluß an dem Zustandekommen der Verständigung über die Zahlen zu­gefallen ist, in erster Linie dem Vorsitzenden der Konferenz, Owen Noung, und Morgan.

Was Deuischland zahten soll.

Nichts Neues aus Paris" konnte man einige Zeit über die dortige Konferenz vermelden, höchstens Gerüchte, Äußerlichkeiten und Falschmeldungen registrieren. Um so überraschender kommt die offizielle Mitteilung aus Paris, daß man sich über einen Zahlungsplan ge­einigt hat oder, wie es jetzt heißt, unter amerikanischem Druckgeeinigt worden" ist. Denn daß die deutsche Zu­stimmung zu dem neuen Plan ebensowenig aus innerer Überzeugung erfolgt ist, sondern nur politischen Gründen nachgegeben hm, wie. früher dem ^,o Mau, muß immer wieder aufs schärfste unterstrichen werden. Was übrigens auch gleich ein Kriterium für die deutsche Ansicht über die Durchführbarkeit dieses neuen Planes abgibt. Und daran muß gleich noch die zweite Feststellung angeschlossen werden, daß bisher eine Einigung über die deutschen Vorbehalte und Bedingungen nicht erfolgt ist, sondern hierüber die Verhandlungen weitergehen. Erst von deren Ausgang wird es abhängen, ob ein deutsches Annehmen" des ganzen Planes möglich wird oder nicht.

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Zergliedert man die jetzt vorgeschlagenen deutschen Zahlungsverpflichtungen, so gliedern sich diese in vier Teile:

1. Dieeigentlichen Reparationskosten", nämlich all­jährlich eine feste Summe von 745 Millionen Mark.

2. Die wechselnden Summen der interalliierten Jahreszahlungen an Amerika.

3. Verzinsung und Amortisation derDawes- Anleihe" von 1924 200 Millionen Dollar in einer bis 1937 ständig sinkenden Höhe von jetzt etwa 90 Millio­nen abwärts.

4. Zusatzleistungen zu den Besatzungskosten, die bis­her aus den Dawes-Leistungen bezahlt wurden. Ihre Dauer hängt davon ab, wie lange die fremden Truppen im Rheinland verbleiben; doch ist hierüber eine abschlie­ßende Festsetzung noch nicht erfolgt.

Hinzugefügt werden mag noch, daß die von der Ge­genseite verlangten Sonderzahlungen der jährlich 25 Millionen an Belgien jetzt insofern fortfallen, als man eine Regelung dieser Frage den Verhandlungen zwischen Ber­lin und Brüssel überlassen hat.

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Praktisch laufen die Jahreszahlungen des neuen Plans ab 1. September 1929 übrigens dem Endpunkt des ersten Normaljahres des Dawes-Planes, theoretisch ab 1. April d. I., übereinstimmend also mit dem deutschen Etatsjahr. Mithin erfolgen noch ab 1. April fünf Monate hindurchDawes-Zahlungen" 1216 Millionen, dann noch bis zum 1. April der ersten Jahreszahlung nach dem neuen Plan mit 742 Millionen, so daß vom 1. April 1929 bis zum 31. März 1930 im ganzen 1958 Millionen zu zahlen sind also etwa 500 Millionen weniger, als der Dawes-Plan uns auferlegte. Dann erfolgen 36 Jahre hindurch Zahlungen in wechselnder Höhe und unter Außerachtlassung der Verzinsung der Dawes-Anleihe und der Besatzungskosten unter allmählichem Ansteigen bis auf etwa 2,2 Milliarden, mit einem Durchschnitt von 1988 Millionen. Nach 1966 bis 1987 sind von Deutschland noch die Reste der interalliierten Schulden an Amerika zu tilgen. Für das Übergangsjahr erfolgt noch eine besondere Ab­rechnung. *

Durch das deutsche Zugeständnis, den neuen Young- Plan erst am 1. September einsetzen zu lassen, haben sich die ursprünglich vorgesehenen Durchschnittsjahreszahlungen theoretisch um etwa 77 Millionen erhöht. In bereits sechs Jahren gehen die Gesamtzahlungen über die 2-Milliarden-Grenze hinaus, wieder abgesehen von den belgischen Forderungen. Die Höchstgrenze für die Jahreszahlungen ohne Dawes-Anleiheverzinsung1 wird 1965 mit 2427 Millionen erreicht.

Noch nicht ganz festzustehen scheint die Höhe jenes Teils der Jahreszahlungen, die.den Transfe.xsäutz

Freitag, den 31 Mai 1029

nicht genießen. Hier standen sich die deutschen Ansichten und die der gesamten Gegenseite insofern schroff gegen­über, als Deutschland hier nur eine unverändert bleibende Summe von 660 Millionen zugestehen wollte, während die Alliierten eine fortdauernde Steigerung bis aus fast eine Milliarde verlangten. Da die oben erwähnten 745 Millionenkommerzialisiert" und zur Verzinsung und Amortisation dieser Kapitalsummen hauptsächlich gerade der transfer nicht geschützte Teil der deutschen Zahlun­gen verwendet werden sollen, ist der deutsche Wider- stand gegen ein Ansteigen dieses Teiles um so mehr zu verstehen, "weil ja außerdem die Abschaffung des Transfer­schutzes selbst nur für einen Teil der deutschen Zah­lungen ein nicht unbedenkliches Experiment, sicherlich aber ein sehr weitgehendes deutsches Zugeständnis ist.

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Diese Einigung über die Höhe der Jahreszahlungen bedeutet nun aber noch längst nicht eine solche über den Gesamtplan. Erst muß abgewartet werden, was aus den deutschen Vorbehalten, also den Bedingungen der deutschen Zustimmung wird. Dr. Pr.

Memlandräumung zum 1. September 1929?

Im Zusammenhang mit der erzielten Einigung der Sachverständigen über die Zissernfrage wirft die in Paris erscheinende amerikanische Presse die Frage der Rheinland­räumung auf.New York Herald" erklärt, der Tatsache werde große Bedeutung beigemessen, daß in dem Ab­kommen keine Zahlungen für die Rheinlandbesatzung nach dem 1. Januar 1930 vorgesehen seien. Das bedeute die völlige Räumung des Rheinlandes bis zu diesem Termin. Die Klausel für die laufenden Ausgaben für die Rhein- lanvbesatzung stelle fest, daß die Hauptzahlungen für diesen Posten am 1. September 1929 aufhören sollten, daß aber Deutschland bis zum 1. Januar 1930 die Ausgaben für alle Truppen zu leisten habe, die bis zu diesem Tage noch nicht aus dem Rheinland abtransportiert werden konnten. Es sei, wie das g5U4 .erklärt, Nr. stillschweigendes Abkommen dahin getroffen, daß, wenn die Sachverständige» zu einer endgültigen Einigung kämen und diese in Kraft gesetzt werde, die Alliierten sofort Schritte unternehmen würden, um ihre Truppen aus deckt besetzten Gebiet zurückzuziehen. Das Rheinland werde also fünf Jahre vor dem im Ver- sailler Vertrag vorgesehenen Termin völlig geräumt sein.

Auswarüger Ausschuß über Paris.

Teilnahme Dr. Stresemanns.

Zu der Einberufung des Auswärtigen Ausschusses des Reichstags auf Dienstag, den 4. Juni, erfährt man von unterrichteter Seite noch, daß als einziger Punkt die 'Beratung der Ergebnisse der Sachverständigenkonferenz M Paris auf der Tagesordnung steht. An der Sitzung wird voraussichtlich Reichsautzenminister Dr. Strese- m a u n teiluehmeu, da zunächst Staatssekretär ».Schubert zu der Tagung des Völkerbundrates nach Madrid fährt.

Vrauns Präsident der Arbeitskonferenz.

Die Wahl in Genf.

Die in Gens zusammengetretene Internationale Ar­bettskonferenz hat in ihrer Eröffnungssitzung am Donnerstag den früheren deutschen Reichsarbeitsminister Dr Brauns auf Vorschlag des früheren französischen Ar- bettsnnmsters Godard einstimmig zum Präsidenten der Konferenz gewählt. Der französische Vertreter hob u. a. hervor, daß Dr. Brauns sich außerordentliche Verdienste auf dem Gebiete der Sozialpolitik erworben und wesent- üch zur Festigung der wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland beigetragen habe. Die Bekanntgabe der Wahl Dr. Brauns wurde mit starkem Beifall ausgenommen.

Dr. Brauns hielt seine Eröffnungsansprache in deutscher Sprache. Er erklärte, das allerwichtigste Stück der heutigen Sozialpolitik sei, die früher tatsächlich recht­liche Benachteiligung der Arbeitnehmer zu. beseitigen. Die heutige Sozialpolitik führe nicht nur den arbeitenden Massen die segensreiche Bedeutung des Staates vor Augen, sondern schaffe auch die Vorbedingungen für die Mitarbeit der Massen am Staate. Die Gewerkschaften seien heute durch Verfassung und Arbeitsrecht anerkannt und zur Grundlage der Arbeitsregelung gemacht worden. Dies scheine der bedeutendste Wandel in der Sozialpolitik vieler Staaten zu sein. Brauns wies sodann darauf hin, daß der allgemeine Achtstundentag trotz aller wirtschaft­lichen Schwierigkeiten sich auf die Dauer durchsetzen werde.

Verschwundene Habsburger Juwelen in Marokko.

Paris. Wie Havas aus Marrakesch meldet, ist der 1927 in Wien entwendete Schatz der Habsburger, bestehend aus einem Diadem mit Diamanten und Perlen besetzt und einem mehrere schwarze Perlen enthaltenden Halsband, von einem Italiener, der offenbar einer internationalen Diebesbande an- gehört, einem Händler in Saft zum Kauf angeboten worden. Dieser benachrichtigte die Polizei, die den Italiener festnahm. Die Schmuckstücke, deren Wert auf neun Millionen Frank an­geschlagen wird, wurden beschlagnahmt. Der Verhaftete will nur Mittelsmann gewesen sein.

79. Jahrgang

Seiltsch-östmeichische Sozialversicherung

Gegenseitige Anpassung.

In den letzten Sagen fanden im Reichsarbeitsministe- rium zu Berlin Verhandlungen mit einem Vertreter der österreichischen Regierung über einen neuen Vertrag auf dem Gebiete der Sozialversicherung statt. Der Vertrag soll das bisherige Abkommen vom 8. Januar 1926 dem jetzigen Stande der Gesetzgebung auf beiden Seiten an­passen und zugleich auf neue Gebiete 'ausdehnen. Die schon jetzt engen Beziehungen zur österreichischen Sozial­versicherung werden durch den Vertrag, der in den nächsten Monaten unterzeichnet werden soll, weiter verstärkt werden.

Rückgang der Arbeitslosigkeit.

V o m 1. b i s 1 5. M a i.

Die endgültigen Zahlen über die unterstützten Arbeitslosen am 15. Mai 1929 zeigen, daß die Arbeits­losigkeit in der ersten Hälfte des Mai weiter erheblich zurückgegangen ist. Die Abwärtsbewegung war zwar nicht ganz so stark wie in der zweiten Hälfte des Aprils, da der Massenbedarf in den Außenberufen im wesent­lichen gedeckt war. Immerhin ist die Zahl der unter­stützten Arbeitslosen in der Zeit vom 1. bis 15. Mai von rund 1 126 000 auf rund 927 000 gesunken. Der Rückgang beträgt also 199 000 oder 17,6 Prozent.

Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Krisenfürsorge hat sich wiederum kaum geändert (198 887 am 15. Mai gegenüber 198 780 am 30. April). An Not­standsarbeitern aus der Arbeitslosenversicherung und aus der Krisenfürsorge wurden am 15. Mai 104 000 gegenüber 93 000 am 30. April gezählt. Nach den vorläufigen Mit­teilungen der Landesarbeitsämter ist die Zahl der unter­stützten Arbeitslosen auch in der Zeit bis zum 25. Mai wiederum zurückgegangen. Sie dürfte gegenwärtig etwa 850 000 betragen.

Wahiiag in England.

Sechs Millionen Frauen wählen.

In ganz England fanden Donnerstag die Wahlen zum Unterhause statt. Dem Ausfall wird überall mit fieberhaftem Interesse, auch im Auslande, entgegen­gesehen. Es handelt sich darum, ob die bisherige konser­vative Regierungsmehrheit unter dem jetzigen Premier­minister B a l d w i n erhalten bleiben oder ob die Majo­rität an die A r b e i t e r p a r t e i unter Macdonald fallen wird. Zwischen Konservativen und Arbeitern stehen die Liberalen unter Führung L l o y d Georges, die zwar keine Aussicht haben, für sich allein eine Mehrheit zu erringen, jedoch auf erhebliche Stärkung hosfen und glauben, somit das Zünglein an der Wage werden zu können.

Insgesamt zu wählen sind 596 Abgeordnete. Sieben Abgeordnete sind bereits bestimmt, da sie keinen Gegen­kandidaten hatten. Zwölf Abgeordnete werden von den Universitäten gewählt, so daß im ganzen 615 Abgeordnete in das neue Unterhaus einziehen. Soweit sich bis zum späten Nachmittag des Donnerstags übersehen ließ, ver­liefen die Wahlen ziemlich ruhig. Von größeren Unzu- träglichkeiten wurde nichts bekannt. In London war bis Mittags die Wahlbeteiligung ziemlich gering. Ein besonderes Charakteristikum dieser Wahlen ist der Um­stand, daß zum ersten Male sechs Millionen Frauen das Wahlrecht ausüben dürfen.

In fast allen Londoner Wahllokalen ist bis gegen Schluß die Beteiligung der Frauen weitaus stärker gewesen als die der männlichen Wähler. Man erwartete jedoch, daß in den späten Stunden auch der Prozentsatz der männlichen Wähler sich noch erhöhen werde. In vier Fällen sind Wähler im Wahlbureau vom Tode überrascht worden. Die ersten Resultate aus etwa 200 Wahl­bezirken trafen im Laufe der Nacht ein, jedoch gestattet das Stimmenverhältnis keine zuverlässigen Rückschlüsse über den Gesamtausfall.

Neue Erkrankung des Königs von England

Wieder Fieber.

Wie von offizieller Seite aus London mitgeteilt wird, leidet der König an einem Fieberanfall und muß das Bett hüten. Die nächste Mitteilung über das Befinden des Königs wird nicht vor Freitag früh ausgegeben werden.

Abrüstungsrede Hoovers.

Bei einer Gefallenen-Gedenkfeier in Washington er­klärte der Präsident der Vereinigten Staaten, die Dankes­pflicht der Lebenden gegen die Toten bestehe in der Her­abminderung der Rüstungen. Das Wettrüsten müsse ein Ende nehmen, sonst könne der Menschheit kein Segen blühen.

Der Lohnkonflikt bei der Reichsbahn.

Berlin. Die offiziellen Erklärungen der Tarifparteien zu dem im Lohnstreit bei der Reichsbahn gefällten Schiedsspruch sind im Reichsarbeitsministerium abgegeben worden. Die Gewerkschaften haben der Lohnregelung zugestimmt, während die Reichsbahn in Verfolg Kes Verwattungsratsbeschlufses ihre Ablehnung des Schiedsspruches zum Ausdruck gebracht hat. Der zu erwartende Antrag der Eisenbahnerorganisationen auf Verbindlichkeitserklärung dürfte kaum vor Anfang der kommenden Woche gestellt werden, da zunächst noch eine Ver­ständigung der beteiligten Verbände untereinander erfolgen muß.