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HersfelöerTageblaü

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis yersfelö mit den Stellagen: Illustriertes AnterhaltungSblatt / Nach FeierabeaS / Serv nnö Scholle / Auterhattung v«h Wissen Belebrona «ad Kurzweil / Wirtschaftliche Taoestraaeo.

Nr. 129 Mittwoch, den S Juni 1929 79. Jahrgang

Sie neue Londoner Regiernng.

Zum zweitenmal wird durch das Ergebnis englischer Wahlen der Führer der Arbeiterpartei an das Steuer­ruder des Britischen Weltreiches gestellt, formell noch immer aus Grund einer Berufung durch den König, tat­sächlich aber nur dem jahrhundertealten Brauch der eng­lischen Staatsverwaltung folgend; denn seit den Zeiten des Ministers Pitt hat kein englischer König es gewagt, dem Parlament gegen den Willen seiner Mehrheit einen Premierminister aufzuoktroyieren.

Was die ersten Ergebnisse der Wahlen wahrscheinlich machten, wurde nach dem endgültigen Resultat zur Gewißheit: dieLabour Party", die Arbeiterpartei, hat ihr Ziel, im Wahlkampf die absolute Parlamentsmehr­heit und damit die Möglichkeit, eine selbständige Politik zu treiben, auch jetzt ebensowenig errungen wie 1924. Und man spricht er selbst übrigens auch! schon jetzt davon, daß Macdonald, der Führer der siegreichen Partei, bald Ministerpräsident, -auch diesmal es wohl nur auf eine Regierungszeit von zwei Jahren bringen und daß' es dann zu klärenden Neuwahlen kommen wird. Denn es entspricht auch englischem Parlamentsbrauch, dem Neu­ernannten und seinem Kabinett eine längereSchonzeit" zu gewähren, nicht auch wenn es möglich wäre seinen Sturz sofort herbeizuführen. Sollen doch erst durch feine ministerielle Tätigkeit und durch langsame Gegen- arbeit der Opposition sozusagen die Grundlagen, das Sprungbrett für die nächsten Wahlen ge­schaffen werden. Sofortige Neuwahlen haben in Eng­land noch weniger Zweck, ändern noch weniger an dem ursprünglichen Resultat als etwa in Deutschland 1924, als wir binnen acht Monaten Neuwahlen hatten, die die vorhergehenden im allgemeinen nur bestätigte«.

Zum zweitenmal stellt Macdonald also auch vor der Unmöglichkeit, unbedenklich die politischen Ziele verfolgen zu dürfen, für die er im Wahlkampf gestritten hatte und deren Erfüllung feine Wähler von ihm erwarten. Außen­politisch wie innenpolitisch. Er konnte 1924 auf der Londoner Konferenz den französischen Ministerpräsidenten Herriot so unter Druck setzen, daß Frankreich sofort seine Politik des konservativen Kabinetts Baldwui hat er, wenn überhaupt, dann nur sehr zurückhaltend kritisiert. Selbst in der Frage der Teilnahme Englands an der R h e i n l a n d b e s e tz u n g ist er für eine zwar grund­sätzliche Zurückziehung des englischen Kontingents ein­getreten, praktisch hat er sie aber nur dann empfohlen, wenn auch die Franzosen und Belgier dort verschwänden. Sicher ist er kein so warmer und unbedingter Anhänger engster englisch-französischer Intimität wie sein Vor­gänger Baldwin, ist stolz darauf, daß unter seiner Ministerpräsidentschaft die Verträge von Locarno an­gebahnt wurden, und ist besonders warmer Verehrer des Völkerbundgedankens, aber doch viel zu sehr Eng­länder, um diesem Gedanken wesentliche Machtinteressen Britanniens zu opfern.

Und er ist ja immer auf eine zum mindesten still­schweigende Duldung, eine Art Neutralität ob und wie­weit es zu einer wirklichen Unterstützung kommen wird, kann erst die Folgezeit zeigen der Liberalen angewiesen, die selbst nicht eine in sich gefestigte und daher zuverlässige Truppe darstellen, außerdem unter Führung Lloyd Georges stehen, den man als einen besondersschwanken­den Charakter in der Geschichte" betrachtet. Macdonalds politisches Handeln wird also auf irgendeine Art K o m p r o m i ß p o l i 1 i k zusammen mit den Liberalen herauskommen. Auch und vor allem in der englischen Wirtschafts- und Sozialpolitik. Die konservative Regie­rung hat sich namentlich an der Arbeitslosenfrage die Zähne ausgebissen, weil diese nur wirtschafts- politisch, nicht etwa nur durch rein sozialpolitische Maß- nahmelt zu regeln ist. Sie brennt England aber seit Jahren auf den Nägeln. Daß die einst so vielfach befür­wortete Sozialisterung der Bergwerke zu allerletzt helfen würde, weiß Macdonald ganz genau, wird also derartige Pläne jetzt auch deswegen ruhig im Schreibtischkasten liegenlassen, weil er sich sonst die geschlossene Gegnerschaft der Liberalen zuziehen würde.

Wir Deutsche aber sollten uns nun Nicht etwa aller­hand vage Hoffnungen über das Emporkommen einer deutschfreundlichen" Regierung in London machen. Es wird dort immer nur eine englische geben. Nur eine englische, die mit den Dingen dieser Welt so rechnet, wie sie sind und nicht, wie man sie sich vielleicht wünscht. Und besser ist's auch für uns. sich gleich darauf einzustellen, daß wir nicht so sehr die Worte als die T a t e n des neuen englischen Ministerpräsidenten prüfen.

Die belgischen Markschwieeigkeiien beseitigt. - f Vor der Unterzeichnung des Schlußberichtes.

In Paris fand eine Vollsitzung der Reparations­konferenz statt, in der die Formalitäten für die Unter­zeichnung des Schlußberichtes festgesetzt wurden. Nach­dem das Hindernis wegen der belgischen Forderung in der Markfrage allgemein als b e s e i t i g t angesehen wird, steht der Unterzeichnung des Schlußbenchtes, wie man an- nimmt, nichts mehr im Wege.

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Kabinettswechsel in England

Ministerium ValdNin zmuügeirelen.

Macdonald wird Ministerpräsident.

Ministerpräsident Baldwin hat feine Demission ge­geben. Diesem Rücktritt des englischen Kabinetts ging eine Audienz Baldwins beim König im Krankenzimmer des Schlosses Windsor voraus, wo die entscheidende Unterredung stattfand. Der nächste Schritt auf dem ver­fassungsmäßigen Wege wird die Aufforderung des Königs an Ramsay Macdonald, als Führer der Oppo­sition, sein, die Bildung der neuen Regierung zu über­nehmen. Es besteht kein Zweifel, daß Macdonald der Aufforderung Folge leisten wirb. Bei der Übernahme der Aufgabe der neuen Regierungsbildung ist es üblich, daß der neue Premierminister dem Könige die Namen der Persönlichkeiten nennt, die er für die haupt­sächlichen Kabinettsposten gewählt hat. Macdonald wird sicher in der Lage sein, dies bald zu tun, da die gegen­wärtige politische Laae seit lanaem vom Rühret bet Arbeiterpartei und seinen Kollegen erwartet worden war. Technisch " werden Baldwin und seine Kollegen im Amt bleiben bis zu dem Tage, der für den Austausch der Amts- siegel zwischen den bisherigen und den neuen Kabinetts­mitgliedern festgesetzt worden ist. Diese Zeremonie wird vielleicht erst nächste Woche stattfinden. Die Siegel wer­den wie gewöhnlich bem Könige von den zurücktretenden Ministern übergeben und von diesem den neuen Ministern , am selben Tage ausgehändigt, so daß kein Zwischenraum entsteht, in dem das Land ohne Regierung ist.

Man nimmt an, daß die Namen der Minister, die die wichtigsten Ämter in der neuen Arbeiterregierung erhalten werden, vor Ende der Woche mitgeteilt werden. Man er­wartet, daß alle Mitglieder des parlamentarischen Voll­zugsausschusses der Arbeiterpartei im neuen Kabinett vertreten sein werden. Wie verlautet, sollen erhalten;

Mach tm Auswärtigen Ausschutz.

Die Deutschnationalen verlassen die Sitzung.

Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages trat zur Beratung über die Sachverständigenkonferenz in Paris zusammen. Nachdem zunächst Reichsfinanzminister Dr. Hilferding einen überblick über den Gang und den Stand der Sachverständigenverhandlungen gegeben hatte, gab Reichskanzler Müller von einem Schreiben der deutschen Sachverständigen auf der Pariser Konferenz Kenntnis, in der diese das dringende Ersuchen aus­sprechen, daß innenpolitische Auseinandersetzungen bis nach Beendigung der Konferenz vertagt werden möchten. Die Sachverständigen würden, lediglich ihrem Gewissen und ihrem freien Ermessen folgend, die Verantwortung für ihre Entscheidungen ohne Rücksicht auf äußere Ein­flüsse übernehmen.

Auf Anregung des Reichskanzlers beschloß dann der Ausschuß, einem Antrag der Volkspartei gemäß, in An­betracht des Umstandes, daß die Sachverständigenberatun- gen noch nicht abgeschlossen sind, von einer materiellen Diskussion abzusehen. Da dementsprechend die deutsch­nationale Reparationsinterpellation ebenfalls von der Debatte ausgeschlossen war, verließen die deutschnationalen Ausschußmitglieder zum Zeichen des Protestes nach einer lebhaften Geschästsordnungsdebatte den Saal.

Kurz darauf veröffentlichte die deutschnationale. Reichstagsfraktion eine Erklärung, in der das Verhalten der deutschnationalen Ausschußmitglieder damit begründet wird, daß die Regierungsparteien jede Behandlung eines deutschnationalen Antrages der jetzt bereits bekannten un­geheuren, auf zwei Generationen sich erstreckenden Be­lastung des deutschen Volkes schroff verweigert hätten.

Km die Arbeiiszeii der Angestellten.

Ist eine internationale Regelung möglich?

Die Sitzung der internationalen Arbeitskonferenz in Genf war einer allgemeinen Aussprache über die inter­nationale Regelung der Arbeitszeit der Angestellten ge­widmet

Sowohl die Vertreter der sozialistischen Organi­sationen wie auch die Delegierten der christlich-sozialen und anderer Verbände traten für eine internationale Regelung ein. Ebenso der Geschäftsführer des Bundes der technischen Angestellten und Beamten Deutschlands, Dr. P f i r r m a n n. Der Vertreter der deutschen Regie­rung, Ministerialdirektor Dr. Sitzler, erklärte, daß die Regierung der Frage günstig gegenüberstehe, jedoch die zahlreichen Schwierigkeiten ihrer Regelung nicht verkenne. Auch der Vertreter der britischen Regierung, Wolfe, ver­trat die Ansicht, daß eine einheitliche Regelung für alle Länder und für alle Zweige der Angestellten auf große Hindernisse stoßen werde. Im Namen der Arbeitgeber- gruppe erklärte Oerstedt, eine gleichförmige Regelung für alle Zweige fei nicht zweckmäßig. Die Frage wurde schließlich an die zuständige Kommission zur eingehenden Beratung übertragen.

> Thomas das Ministerium des Äußern, Snowden das > Schatzamt, Lord Fustice Sankest den Posten des Lord­kanzlers, Henderson oder Dalton das Innenministerium, Lord Olivier das Ministerium für Indien, Trevelyan das Unterrichtsministerium, Graham das Handelsamt, John- ston das Ministerium für Schottland, Attlee das Kriegs- ministerium, Lee Smith die Admiralität, Lord Thomson

Der ehemalige Ministerpräsident Baldwin.

das Lustministerium, Greenwood das Gesundheitsministe­rium und Roberts das Pensionsministerium. Man er­wartet, daß Clyncs wie im Jahre 1924 Lord Privy Scan (Lordsiegelbewahrer) und stellvertretender Führer des Unterhauses werden wird.

Macdssiaw zum König berufen. 1

Der Führer der englischen Arbeiterpartei, Ramsay Macdonald, ist eingeladen worden, am Mittwoch nach Schloß Windsor zu einer Audienz beim König zu kommen.

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Sie MkeMMasMg in KÄM.

Empfänge beim König und bei Primo de Nivera.

Madrid steht bei glühender Hitze völlig unter dem Zeichen der bevorstehenden Tagung des Völkerbundrates. Die deutsche, die italienische und die japanische Ab­ordnung trafen am Dienstag ein. Am 10. Juni wird General Primo de Nivera im Außenministerium einen Empfang für sämtliche Abordnungen geben, an dem mehrere hundert Personen teilnehmen sollen. Ferner ist ein Empfang beim König sowie ein Empfang der aus­ländischen Presse bei Primo de Rivera vorgesehen.

Briand hat sich auch nach Madrid begeben, dagegen wird Chamberlain an der Tagung nicht teilnehmen.

Die preußischen Landeskirchen zum Konkordat.

Forderung der Parität. I

Im Hinblick auf die vor dem Abschluß stehenden Korkordatsverhandlungen der preußischen Staatsregie- rung mit der römischen Kurie haben die evangelischen Landeskirchen Preußens einen gemeinsamen Schritt beim preußischen Staatsministerium unternommen und in einem Schreiben noch einmal aussührlich ihre Forderun­gen auf gleichzeitigen und gleichwertigen Vertragsabschluß mit der evangelischen Kirche er­hoben.

Zum Schluß geben die preußischen Landeskirchen die Erklärung ab, daß es nicht als Sicherung der Parität an­gesehen werden könne, wenn die Staatsregierung sich etwa grundsätzlich bereit erkläre, später, nach Verabschiedung des Vertrages mit der Kurie, auch mit den evangelischen Kirchen Verträge ab' ' " zu wollen. j

Paris ohne Briefträger.

Ein 24stündiger Proteststreik.

t ^ 91* Teil von Paris war 24 Stunden lang ohne Postbestellung. Die am Montag abend ausgegebene Losung eines 24stündigen Proteststreikes der Briefträger wurde m einem Maße befolgt, daß das Pariser Geschäfts- leben stark darunter zu leiden hatte. Im Hauptpostamt wurden zwar während der Nacht die Briefe und Druck­sachen nach Bestellbezirken ausgesondert, jedoch nicht aus­getragen.

Mehrere Briefträger, die von einer Streikversamm- lung kamen, versuchten ein vorüberfahrendes Postauto in einen Kanal zu stoßen. 33 Briefträger wurden verhaftet. Außerdem wurde ein kommunistischer Führer verhaftet, der in das Gebäude eines Postamtes eingedrungen war uno eme Ansprache an die Briefträger hielt.

Selbstmord eines Landrates.

Magdeburg. Der Landrat des Kreises WaNzleben im Kreise Magdeburg, Kehling, hat sich in seinem Bienstzinnner erschossen. Der Grund zur Tat soll in Krankheit zu suchen sein.