HersfelöerTageblatt
Hersfelöer Kreisblatt Amtlicher Mzeiger für den Kreis Hersfeiö mit Sea Beilage«: Illustriertes AnterhallungSblatt / Nach Feieradeub / Serv uuv Scholle / Auterbaltaua uud Witte» Belehrung oud Kurzweil / Wirtschaftliche Togesfrageu.
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Nr. 205
Montag, den 2 Geplember 1929
79. Jahrgang
Der Abschluß im Haag
LehleKonferenzarbeiken und Abreise
Freude im Rheinland.
mt man
Von einer feierlichen großen Schlußsitzung hat man Abstand genommen und die noch zu erledigenden Arbeiten der Finanzkommission in einfacher Sitzung beraten. Freitag kam man damit nicht zu Rande und Sonnabend früh begannen die Auseinandersetzungen abermals. Es kam zu einer ziemlich scharfen Auseinandersetzung zwischen den Vertretern der Gläubigermächte und den deutschen Ministern Dr. C u r t i u s und Dr. H i l f e r d i n g. Von Deutschland wurde verlangt, es
Deutschland wurde verlangt, es solle eine Verzichtserklärung abgegeben werden, die sich auf alle Entschädigungen für .bestimmte Liquidationserlöse aus dem beschlagnahmten deutschen Eigentum erstrecken sollte. An-
gesichts des deutschen Widerspruchs einigte man sich aber schließlich dahin, eine besondere Unterkommission für diese Fragen einzusetzen. Endlich wurde das Schlußprotokoll festgestellt.
Dieses Protokoll enthält verschiedene Anlagen. 1. Die Vereinbarung zwischen den Gäubigermächten untereinander und zwischen Deutschland und den Gläubigermächten über die neue Verteilung der deutschen Leistungen. 2. ' Die Neuregelung der Sach- l i e f e r u n g e n, wozu eineUnteranlage für denFall eines Moratoriums und der Sachlieferungen in diesem Falle, ferner eine zweite Unteranlage über das italienisch-englische K o h l e n a b k o m m e n und die Annahme eines Teiles der italienischen Quote durch Frankreich gehören. Mit Bezug auf das englisch-italienische Kohlenabkommen Hai Deutschland zu diesem Abkommen einen Vorbehalt gemacht. 3. Ein Reglement für die Übergangsperiode einschließlich der Freitag getroffenen Regelung über die Leistungen Deutschlands während der Zeit bis MMMiL Mfc^ .-„WWW dnng einer gemeinsamen Kasse für Kosten, die nach dem 1. September aus der Besetzung entstehen.
Die Sitzung der Finanzkommission leitete formlos hinüber in die Schlußsitzung der ganzen Konferenz überhaupt. In dieser Schlußsitzung wurde der Vorsitz an Stresemann übertragen, der aber für die fachlichen Beratungen den Vorsitz zeitweise wieder an Jaspar zurück- gab. Nach Beendigung der sachlichen Arbeiten wurden kurze Reden gehalten. Als die Delegierten den Konferenzraum verließen und auf den Binnenhof hinaustraten, spielte eine Kapelle „Ein' feste Burg ist unser Gott" und „Run danket alle Gott!" Als Stresemann aus der Tür
Zwischen Haag und Genf.
Englandbläst die Friedensschalmei.
Als erster der an der Haager Konferenz teilnehmenden Minister ist der englische Außenminister He n d e r - s o n in Genf cingetrosfen und hat bereits die Vertreter der internationalen Presse empfangen. Henderson bezeichnete einleitend den Erfolg der Haager Konferenz als von geschichtlicher Bedeutung, der auch die Arbeiten der Völkerbundversammlung wesentlich erleichtern werde. Zum erstenmal seit 1914 könne jetzt gesagt werden, daß der Krieg endgültig beendetsei. Seine Regierung habe stets die Auffassung vertreten, daß der Krieg noch nicht als endgültig beendigt betrachtet werden könne, solange noch fremde Truppen auf deutschem Gebiete stünden. Die bevorstehende zehnte Völkerbundversammlung und die folgenden würden darum auch viel erfolgreicher und mehr im Sinne des Völkerbundes wirken können, nachdem sie von den letzten Bleigewichten der Kriegsfolgen befreit seien. Die englische Regierung glaube aufrichtig an den Völkerbund und werde dessen Tätigkeit auf allen Gebieten nach besten Kräften unter- stützen
Ministerpräsident M a c d o n a l d sprach sich bei seiner Abreise nach Genf sehr zuversichtlich über die Aussichten für die allgemeine A b r ü st u n g aus. „Die mit General Dawes und seinen Freunden geführten Verhandlungen," so sagte er, „hatten von Anfang an den freundschaftlichsten Charakter. Ich hoffe, in der Lage zu sein, bestimmte Mitteilungen in der Flotten ab - rüstungsfrage machen zu können, doch wird ihr Inhalt von der persönlichen Aussprache mit den Mitgliedern der britischen Abordnung im Haag und dem Ministerpräsidenten Briand bestimmt sein. Vor seiner Rückkehr aus Genf, die für Donnerstag in Aussicht genommen ist, werde ich vielleicht zwei Erklärungen abgeben." Auf die Arbeiten der zehnten Völkerbundversammlung übergehend, sagte Macdonald: »Der Himmel ist voller Wolken, aber die S o n n e kommt langsam, aber sicher, durch. Die Aussichten sind günstig. Die Frage der Abrüstung bleibt die größte Aufgabe des Völkerbundes. Die Sicherheit wird durch ein Abkommen zwischen zwei Nationen weit mehr gefördert als durch ein Kriegsschiff oder ein Regrment Soldaten."
Vollsitzung des Reichsrats.
Berlin. In der Vollsitzung des Reichsrats am 4. Sep- teniber steht u. a. der Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Gesetzes über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung auf der Tagesordnung. ^
Heraustrat, wurde ihm eine stürmische Ovation dargebracht. Auch Snowden erhielt Ovationen. Inzwischen sind verschiedene Dokumente und Protokolle über das gesamte Übereinkommen veröffentlicht worden.
Der englische Räumungsbefehl.
Das englische Kriegsministerium hat seine Vorschriften zu dem schon am Tage vorher erteilten Räu- mungsbefehl im einzelnen wie folgt formuliert: Die Räumung beginnt am 14. September 1929 und darf drei Monate in Anspruch nehmen. Die Personen werden über Ostende—Dover befördert, Familien kehren vor den Militärpersonen nach England zurück. Die Heimbeförde- num der Tiere erfolgt über Antwerpen—Harwich, das schwere Gepäck, der Proviant und der Wagenpark werden auf Kähnen den Rhein hinunterfahren und dann zu Schiff nach verschiedenen Häfen Englands gebracht werden.
Abreise der Deutschen.
Zunächst war beabsichtigt, daß Dr. Stresemann direkt vom Haag nach Genf reisen sollte, um dort mit dem englischen Premierminister Macdonald zusammenzutreffen. Später wurde eine andere Disposition getroffen, nach der Dr. Stresemann mit den übrigen deutschen Herren Sonntag in Berlin eintraf und nach wenigen Stunden Aufenthalt nach Gens weiterfuhr.
Während des Aufenthalts Stresemanns in Berlin war eine Kabinettssitzung nicht vorgesehen. Diese soll erst Montag oder Dienstag stattfinden. Ein genaues Datum für die Einberufung des Reichstages steht noch nicht fest, jedoch soll die Ratifizierung des Voung- Planes in beschleunigter Weise durchgeführt werden.
Dank aus Aachen und Düren.
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Die Aachener Stadtverwaltung sandte sowohl an den Reichspräsidenten von Hindenburg wie an den 3t tt^wrrtwrtw ^re i ey b'u wirrnm wCH i r.....hub1 den Reichs mini st er für die besetzten Gebiete telegraphische Kundgebungen, in denen der Freude über die endlich erreichte baldige Befreiung von den Lasten und Fesseln der fremden Besatzung und der nunmehr gesicherten uneingeschränkten Verbundenheit mit dem heißgeliebten deutsche, Vaterlande Ausdruck gegeben wird. Herzlicher Dank wird sowohl dem Reichspräsidenten wie allen für die Befreiung so erfolgreich tätig gewesenen Persönlichkeiten ausgesprochen.
Oberbürgermeister Dr. Overhues in Düren richtete ein Telegramm an die deutsche Delegation im Haag, in dem die Freude und die Genugtuung der Dürener Bevölkerung über den erfolgreichen Ausgang der Haager Konferenz ausgesprochen wird. Düren ist angesichts der bevorstehende« Räumung reich beflaggt.
Völkerbundrat in Genf.
Kohlen und Zucker.
In der Sonnabendsitzung des Völkerbundrates, kündigte der englische Unterstaavtssekretär D a l t o n bei Behandlung des Tätigkeitsberichts des Wirtschaftskomitees kurz die vielbeachtete Absicht der englischen Delegation an, der bevorstehenden Völkerbundversammlung eine
Entschließung über die Kohlensrage vorzulegen, die mehr als reif sei für eine internationale Regelung. Das deutsche Ratsmitglied Graf Bernst orff kündigte Festsetzung einer ersten gemeinsamen Besprechung der Vertreter des Kohlenbergbaues, der Kohlenarbeiter und der sogenannten Kohlenverbraucher- staaten am 30. September in Genf an. Als zweiten wichtigen Punkt bezeichnete Graf Bernstorff die Zuckerenquete des Völkerbundes. Die gegenwärtige Krise der Ruderinbuftrie könne wahrscheinlich in starkem Maße durch eine private Aktion der in der Zuckerindustrie maß. gebenden Persönlichkeiten überwunden werden. Eine längere Aussprache über den Bericht betreffend die Kon- vention über die Kontrolle der privaten und staatlichen R ü st u n g s i n d u st r i e n zeigte deutlich die noch bestehenden grundsätzlichen Meinungsverschiede,«- heilen. _ ...
Die Stadt Sased geplündert und niedergebrannt.
22 Juden getötet.
Die von den Arabern überfallene Stadt Safed im Norden des Genezarethsees ist vollständig eingeäschert, nachdem sie geplündert worden war. 22 Juden wurden dabei getötet. Die englischen Truppen kamen drei Stunden zu spät.
Im übrigen Lande sind Überfälle und Plünderungsversuche der Araber abgewiesen worden, doch befürchtet man weitere Überfälle im Jordantal. Die englischen Flieaer haben nordwärts ziehende Arabermengen hinter das Tote Meer zurückgedrängt. In Jerusalem herrscht Ruhe^doch werden die Konsulate militärisch bewacht.
Leichter Rückgang in Großhandelspreisen.
Berlin Die aus den Stichtag des 28 August berechne«, Großhandelsrichtzahl des Statistischen Reichsamts ist mit 137,. gegenüber der Vorwoche (138,0) nahezu unverändert.
„Graf Zeppelin" unterm Heimatswimpel.
„Graf Zeppelin" gestartet.
Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist am Sonntag morgen um 8.18 Uhr amerikanischer Zeit (13.18 Uhr mitteleuropäischer Zeit) nach Friedrichshafen ausgestiegen. Der Start des Luftschiffes war ursprünglich aus 5 Uhr morgens mitteleuropäischer Zeit angesetzt, mußte aber wegen widriger Bodenwinde verschoben werden. . ,—.
Vor dem Start.
Am Sonntag um 4 Uhr morgens mitteleuropäischer Zeit begann der Wind sich zu versteifen. Er wehte mit einer Geschwindigkeit von über 14 Stundenkilometern quer über die Tore der Luftschiffhalle. Es erging ein Aufruf an 200 Freiwillige aus der Menge der Zuschauer zur Unterstützung der 450 Marinesoldaten und Matrosen. Um 4.25 Uhr morgens mitteleuropäischer Zeit wurden die Zeppelinmotoren angeworfen. Da sich aber die Windstärke bis auf fast 32 Stundenkilometer versteifte, wurden die Zeppelinmotoren wieder abgestellt. Als der Start des „Graf Zeppelin" wegen Querwindes vorläufig verschoben wurde, befanden sich die Passagiere bereits seit einer Stunde in ihren Kabinen. Die meisten von ihnen schliefen bereits.
Die unvermeidlichen „Blinden".
Zwei in der Passagierkabine des „Graf Zeppelin" versteckte jugendliche blinde Passagiere wurden entdeckt und der Polizei übergeben.
Kapitän Lehmann hofft, wie es heißt, den „Graf Zeppelin" 20 Tage nach dem Abflug von Friedrichshafen dort wieder in die Halle zu bringen, was reichlich zwei Tage weniger wäre als der Lakehurst—Lakehurst- Flug und eine Verbesserungdes Weltrekords bedeuten würde. ,
Ein Schildbürgerstreich. '
Ein Photograph aus New Jersey glaubte sich be- W^WwWWWW halten hatte. Er erwirkte bei seinem Gericht einen Pfändungsbeschluß gegen „Graf Zeppelin" für seine Schadenersatzforderung und mit diesem schickte er einen Gerichtsvollzieher nach Lakehurst, um das Luftschiff bis zur Bezahlung der angeblichen Schuld zurückzuhalten. Es erfolgte nun ein etwas lächerlich anmutender Rechtsstreit. Das Marineamt gab bekannt, daß, falls die Behörden von New Jersey das Luftschiff mit Beschlag belegen wollten, sie es mit eigener Mannschaft entfernen und eine Unterkunft für das Luftschiff finden müßten. Die Anwälte der Goodyear Zeppelin Company hinterlegten darauf beim höchsten Gericht von New Jersey eine Bürgschaft in Höhe von 25 000 Dollar, um die Beschlagnahme des Luftschiffes zu verhindern, und zwar erfolgte diese Hinterlegung, nachdem der Unter- sheriff die Absicht bekanntgegeben hatte den „Graf Zeppelin" durch den früheren Zeppelinpiloten Anton He inen in Besitz nehmen zu lassen. Heinen war vom Sheriff dazu angeworben, das Luftschiff aus dem Schuppen herausbringen zu lassen und es an einem großen Baum zu befestigen.
Die Außenhülle des „Graf Zeppelin" durchschossen.
Der Oberzellenmaat Kroner entdeckte in der Hülle des „Graf Zeppelin" ein Loch, das, wie Kroner erklärte, sicherlich durch ein Geschoß verursacht wurde. Das Geschoß durchbohrte jedoch nur den äußeren Bezug, ohne die Wafferstoffzellen zu berühren. Kroner ist der Ansicht, daß das Geschoß während der Überfliegung von Texas ab- geschoffen wurde. ।
„Wir gratulieren."
Die Vorbereitungen für die Empfangsfestlichkeiten aus Anlaß der Rückkehr des Luftschiffes „Gras Zeppelin" nach Friedrichshafen sind nunmehr in vollem Gange. Die Besprechungen, die hinsichtlich des Festprogramms in Stuttgart zwischen Vertretern der Staatsregierung und der Stadtgemeinde Friedrichshafen geführt wurden, haben ihren Abschluß gefunden.
Auch auf der Friedrichshafener Werft ist man eifrig beschäftigt, dem „Graf Zeppelin" einen würdigen Empfang zu bereiten. So hat die Werftleitung u. a. das langgestreckte Dach der Halle des „Gras Zeppelin" mit riesigen weißen Lettern bemalen lassen, die dem heimkehrenden Luftschiff den ersten Gruß der Heimat entgegenleuchten werden mit den Worten: „Wirgratulieren!"
Zeppettnparade in Newyork
„. . . und dann Dr. Eckener!"
Dr. E ck e n e r und die Z e p p e l i n l e u t e wurden in R e w y o r k ungeheuer ehrenvoll empfangen. Eckener traf mit einem Extraznge in Hoboken ein, von wo er mit dem Newyorker Stadtschiff „Macom" abgeholt und zur Batterie gebracht wurde. Dort erwartete ihn der F e st z u g der amerikanischen Truppen und des Polizeikorps. Während das Luftschiff „Los Angeles" Newhork umkreiste, setzte sich d i e P a r a d e in Bewegung. Die Truppen marschierten voran, dann folgten die Schutzleute und hinter ihnen in Autos Dr. Eckener und seine Leute. Ganz Newhork war von ungeheurem Jubel ergriffen. Alle Dächer, Fenster, Wolkenkratzer und Straßen waren voll Menschen, die ununterbrochen Hurra riefen und Ladunaen von