KersfüSerTaseblatt
hersfelöse Kreisblatt
«Migmprels: vle einspaltige Petltzelle 15 Pfennig, die Keklamezelle 50 Pfennig. (GrunSschrist Korpus). Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preisnachlaß gewährt. ❖ Zür die Schriftleitung verantwortlich : Kranz Zank in Hrrsfeld. ❖ Kernsprecher Nr. 8
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_ r Reichs-Mark. * druck und Verlag von Ludwig ;
Amtlicher Anzeiger für den Kreis yersfelo -«""»°"«>«»«-'»----»>»,>M,»-° °»°°r». ?
Mit SeA GMaae«: Illustriertes Anterhattungsblati / Nach FeisrabevS / SerS V«ö Scholle / Arrterhaltung Md Witte« Brlehmna «ab Kurzweil / Wirtschaftliche TsseSfragra.
Nr. 220
Donnerstag, den 19. September 1929
79. Jahrgang
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„Dienst am Kunden!"
Zuni Einzelhandelstag in Hamburg.
über Mangel an Beratungsstoff kann sich die Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels auch für ihre diesjährige Tagung in Hamburg wirklich nicht beklagen. Von allen Seiten stürmen Fragen, Probleme auf sie ein, hat der Einzelhandel mit ihnen zu ringen und zu kämpfen, und immer schwerer werden die Bedrängnisse von der einen Seite — den Warenhäusern — her, wächst aber auch die Rot der anderen Seite gegenüber, die mit der schwierigen Krediterlangung und der noch gefährlicheren Kreditgewährung an den Käufer zu- sammenhängt.
Der Einzelhandel denkt gar nicht daran, die Prophezeiungen wahrzumachen, die feinen „unumgänglich notwendigen", seinen „wirtschaftlich gebotenen" Tod voraus- sagten. Der Einzelhandel zeigt vielmehr Lebensmut genug, beweist den Willen, aus eigener Kraft dem Ansturm gegnerischer Wirtschaftsmächte zu begegnen. Er hat erkannt, was ihm not tut; er weiß, was er will.
Modernisierung des Betriebes — das ist auch nur ein Teilproblem, wächst aber an Bedeutung, je kleiner der Betrieb ist, der an einer Modernisierung nicht mehr vorbei kann. Modernisierung nach außen hin — gefällige Aufmachung, „Dienst am Kunden" —, aber auch nach innen hin, wo eine folche Modernisierung häufig noch viel notwendiger ist. So manchen Einzelhändler trifft ein Zusammenbruch ganz überraschend, weil er es nie verstanden hat, sich einfach und klar jederzeit genaue Rechenschaft vom Stande seines Betriebes geben zu können. Die Buchführung mit dem Bleistiftstummel oder,der Kreide paßt wirklich nicht mehr in die Gegenwart hinein, auch dort nicht, wo die Ansprüche noch keine übermäßig hochgeschraubten sind, wo das wirtschaftliche Leben noch langsam und in traditionellen Bahn einherrollt. Auch über diesen Unmodernen oder unmodern Werdenden ballt sich die Gewitterwolke.
„D i e n st am Kunden" — das ist die Hauptpflicht des Einzelhandels, denn die weitgehende Berücksichtigung von Spezialwünschen des Käufers gibt Ja erst die Be- rechttaung ab für die Stellung, die der Einzelhandel im Kreise der Volkswirtschaft besaß, besitzt und auch behalten soll. Gefährlich genug ist auch hier schon die Konkurrenz durch Warenhaus und Konsumgenossenschaft, denen man aber ebensowenig die volkswirtschaftliche Existenzberechtigung überall dort wird abstreiten dürfen, wo sich Massen- bedürfnisse oft sehr rasch wechselnder Art und nur unter Zuhilfenahme großer Kapitalien befriedigen lassen können. Gewiß hat der Einzelhandel unter dem Warenhaus schwer gelitten, — aber auch hier ist er nicht umgebracht worden, wie es so manchmal prophezeit wurde
Das allerwichtigste aber ist natürlich heute die K r e d i t f r o g e. Auch hier Bedrängnisse beim Einzelhandel von zwei Seiten her: der früher so verbreitete Personalkredit, aufgebaut auf den engen Beziehungen und daraus erwachsenes Vertrauen zwischen dem Kreditgeber und dem Betriebskapital Suchenden, ist zerstört worden durch Krieg und Inflation, durch das immer schneller werdende Tempo der wirtschaftlichen Entwicklung, die immer weiter gehende Differenzierung im Einzelhandel, der die Warengroßgeschäfte eines „königlichen Kaufmanns" wie sie Gustav Freytag in feinem „Soll und Haben" zeichnete, gar nicht mehr kennt. Heutzutage will man Sicherheiten haben gibt es, wenn überhaupt, nur noch Real kredit. Hier liegt die große 'Schwierigkeit für den Einzelhändler: hat er Sicherheiten, kenügt fein Warenlager den Sicherheitsforderungen eines Kreditgebers und — wie steht es mit der Bonität einer Außenstände? Tiefe, oft recht dunkle Schatten hat Ke immer weiter sich ausbreitende Frage der AbsaH- inanzierung gerade auf den Einzelhandel geworfen; die kngsten Ereignisse haben viel Unerfreuliches gerade hier kufdecken müssen. Denn ebenso wie nach der einen Rich- ung hin der Einzelhändler um den Kredit kämpft, Pngt er auf der anderen Seite um den künden. Er wirrt am meisten das Auf und Ab, das knwachsen und Nachlassen in der Kaufkraft und der Kauflust der Massen. In der kleinen Stadt merkt er es nur zu deutlich, wie sehr und wie gefahrdrohend für ihn selbst die N o t d e'- L a n d w i r t f ch a s t sich auswirkt. Andere Entwicklungen - '.ehernster Art, wie z. B. eine weitgehende Ausschaltung des Großhandels, zwingen den Einzelhandel dazu, p<5 vielfach Erstellen, ein Risiko zu übernehmen, das gefährlich viel kostet, das ihm früher der Großhändler mit tragen half. Em wenig erleichtert das — noch zuwenig - der genossenschaftliche Zusammenschluß. Man weiß, wie ein solcher Zusammenschluß gerade im Einzelhandel auf besondere, Schwierigkeiten, auch auf verständliche, gestoßen ist und immer noch stoßt. Aber diese Schwierigkeiten lassen sich aus dem Wege räumen, wie gerade das Bestehen der Hauptgememschast, wie es ihre alliährlichrn Tagungen beweisen.
Die Zeiten ändern sich und mit ihnen die Menschen. Gerade wirtschaftlich. Es kommt bald unter die Räder, wer sich dieser Entwicklung eutgegenstellt oder sich weigert mit dem Tempo mitzuhalten; das ist oft sehr schwer, aber auch im Einzelhandel hat sich die Richtigkeit eines anderen Wortes bewahrheitet, daß nämlich der Kamps der Vater aller Dinge ist, daß es also ohne Kampf keinen Fortschritt gibt, mag er auch Opfer fordern. Einen schweren Kamp? hat, wie alle Zwerge der deutschen Wirtschaft vom Erzeuger bis zum Verbraucher hinüber, auch der deutsche Einzelhandel zu führender hat es bewiesen, daß ihm dieser Kampf t-sstz mancher Opfer doch die Kräfte und den Lebenswillen stählte.
„tos Seoeiin“
Glaste Landung des Lustschiffes.
D r. E ck e n e r s Heimkehr aus Amerika.
Das Luftschiff „Graf Zeppelin" traf nach 27stündiger Fahrt Mittwoch morgen kurz nach 7 Uhr wieder in Friedrichshafen ein. Wegen leichten Bodennebels wurde die Landung etwas verzögert, so daß das Luftschiff noch 15 Minuten kreuzen mußte. Nachdem sich der Nebel gelegt hatte, erfolgte die Landung um 7.24 Uhr glatt und ohne Zwischenfall. Fu der Umgebung des Landeplatzes hatte sich eine große Zuschauermenge eingesunden, um das Luftschiff zu begrüßen.
Von Hamburg kommend, war das Luftschiff Dienstag abend um 19.15 Uhr über Lübeck erschienen. Es wurde hier mit dem Geläut sämtlicher Kirchenglocken und mit Böllerschüssen empfangen. „Graf Zeppelin" setzte seine Fahrt dann in Richtung Mecklenburg fort, überflog Wismar und Schwerin, wo sein Riesenkörper trotz der späten Stunde bei dem Hellen Mondschein noch deutlich erkennbar war, erschien darauf noch ein zweitesmal über Hamburg und flog im Dunkel der Nacht weiter über Har- burg, Lüneburg, Hannover, Hildesheim, Göttingen, Mühl- Haufen, Meiningen, Eisenach, Kissingen der Heimat zu.
Inzwischen war Dr. Eckener, mit dem Dampfer „New York" von Rewyork kommend, in Cuxhaven von einer gewaltigen Menschenmenge mit ungeheurem Jubel
„Graf Zeppelin" begrüßt Dr. Eckener, der mit dem Hapagdampser „Rewyork" (rechts) nach
Deutschland zurückgekehrt ist, vor der Elbmündung. begrüßt worden. In seiner Kabine empfing er Vertreter der Presse, denen er ein kurzes Interview gewährte. Die Hauptfrage galt dem Stand der Verhandlungen mit dem Ziel der
Schaffung eines regelmäßigen Luftschiffverkehrs.
Dr. Eckener schnitt diese Frage sogleich mit der Feststellung ab, daß von Verhandlungen überhaupt noch nicht die Rede sein könne. Er habe in Amerika mit zahlreichen Interessenten Besprechungen gehabt und freue sich, sagen zu können, daß das Interesse an der Zeppelmsache sehr groß sei. Abmachungen habe er aber nicht treffen können, da die deutschen Besprechungen vorangehen mußten. Er komme mit keinerlei Bindungen in die Hemmt zurück.
Einzelhandel und Arbeiislosen- versicherung.
Eine Entschließung gegen Erhöhung der Beiträge.
Der Vorstand der Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels befaßte sich auf der Hamburger Tagung mit Fragen der allgemeinen Wirtschaftslage im Reich und mit Fragen der inneren Organisation der Hauptgemeinschaft mit Bezug auf die Beratungen der Mitgliederversammlung. Ferner wurde seiteus des Vorstandes zur Frage der Arbeitslosenversicherung vom Standpunkt des Einzelhandels folgende Entschließung einstimmig angenommen:
„Der Vorstand der Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels e. V. hat sich in seiner Sitzung am 17. September 1929 mit der Frage der Reform der Arbeitslosenversicherung befaßt. Der Vorstand hält eine beschleunigte Reform dieses Versicherungszweiges ohneErhöhung der Beiträge für notwendig und möglich. Mit Sorge ist im Einzelhandel bte verschleppende Art der Behandlung dieses überaus dringlichen Problems durch Regierung und Reichstag verfolgt worden. Der Vorstand der Haupt- gemeinschaft hält es für dringend notwendig, daß die Reformarbeiten in kürzester Frist zu einem gesetzlichen Ergebnis geführt werden, das die Mängel des bisherigen Systems in der Arbeitslosenversicherung nicht durch Beitragserhöhungen verdeckt, sondern tatsächlich beseitigt.".
Die Saarverhandlungen.
Berlin Die Deutschnatisnale Volkspartei sandte folgende? Sclegrmnm an das Auswärtige Amt: Erbitten dringend, daß der für die Saarverhandlungen bestimmten deutschen Abordnung ein landwirtschaftlicher Sachberater beigegeben wnd. Räch unserer Kenntnis ist die Landwirtschaft bisher unberücksichtigt. gez. Dr. Hugenberg.
wieder m Hasen
Als Dr. Eckener das Schiff verließ, wurde ihm auf dem Weg zum Sonderzug von der wartenden Menge ein jubelnder Empfang bereitet. Ein gleich herzliches Willkommen empfing ihn bei der Ankunft in H a m b u r g um 9 Uhr abends.
Der Reichspräsident
hatte den Führer des „Graf Zeppelin" mit einem herzlichen Telegrammbrief, in dem er ihm Dank und Anerkennung für die durch die Weltfahrt für Deutschland geleistete Tat ausspricht und der Hoffnung Ausdruck gibt, i h n b a l d i n Berlin begrüßen zu können, auf deutschem Boden willkommen geheißen. Dr. Eckener sandte folgendes Antworttelegramm: „Für das überaus gütige Begrüßungsschreiben gestatte ich mir, meinen ergebensten und ehrfurchtsvollen Dank auszusprechen. Eckener."
Dr. Eckener im Hamburger Rathaus.
Der Senat verleiht ihm die Goldene Ehrendenkmünze..
Unter starker Anteilnahme der Hamburger Bevölkerung wurde Mittwoch nachmittag Dr. Hugo Eckener im Kaisersaal des Hamburger Rathauses empfangen. Bürgermeister Dr. Roß hielt eine Begrüßungsansprache, in der er auf die Worte Nietzsches hinwies, daß zweierlei nötig sei, damit ein Ereignis Größe habe: der große Sinn derer, die es vollbringen, und der große Sinn derer, die es erleben. Der Bürgermeister erinnerte an die Tage, als der alte Graf Zeppelin in Hamburg weilte und mit leuchtenden Augen von seinen Zukunftsplänen sprach.
Daß wir wieder Ansehen in der Welt erlangt haben, sei nicht zum wenigsten Dr. Eckener zu danken. Deutsche Wissenschaft, deutsche Technik und Arbeit und deutsche Organisation haben wieder Einfluß aus die Welt gewonnen. Möge die ganze Welt die vollbrachten Leistungen des „Gras Zeppelin" als eine Sicherung des Friedens empsinden. Der Senat, der sich bewußt sei, daß alle äuße- «n Zeichen des Dankes und der Verehrung verblassen müssen vor dieser Tat, wolle Dr. Eckener doch als ein sichtbares Zeichen seiner Hochschätzung und Verehrung seine Ehrendenkmünze in Gold überreichen, die im Jahre 1853 gestiftet wurde, und die bisher nur 24 Inhaber aufweise.
Dr. Eckener dankte in bewegten Worten für die ihm zuteilgewordene Ehrung, die er auch auf feine Mitfahrer übertragen wissen möchte. Er schilderte dann die ungeheure Arbeit, die in der 21tägigen Weltfahrt von seinen Helfern geleistet worden sei, und dankte mit besonders warmen Worten der Hamburger Seewarte, die gerade in den Gebieten, in denen der „Graf Zeppelin" von aller Welt so gut wie abgeschnitten war, die allerbesten Dienste geleistet habe.
Eckener betonte schließlich, daß man auch weiterhin nur Schritt für Schritt vorwärts gehen und sich auf keine gewagten Experimente einlassen werde.
Zu dem moralischen Erfolg, den der „Graf Zeppelin" als Werber für Deutschland ohne Zweifel errungen habe, möge auch der politische Erfolg hinzukommen, damit wir bald wieder den Platz einnehmen, den wir einst innge- habt haben. Das deutsche Volk müsse seinen kräftigen nationalen Willen wieder lebendig werden lassen.
Nachdem sich Dr. Eckener dann in das Goldene Buch der Stadt Hamburg eingetragen hatte, wurde ihm zu Ehren im Großen Festsaal des Rathauses ein Tee gegeben.
Räumung in zwei Etappen.
Die Reichsvermögensverwaltung für die besetzten rheinischen Gebiete hat von dem französischen Armeeoberkommando in Mainz nähere Angaben über die Durchführung der Räumung des besetzten Gebietes erhalten. Danach wird die Räumung der zweiten Besetzungszone in der Zeit vom 16. September bis 30. November 1929 in zwei Abschnitten durchgeführt.
In dem Zeitraum vom 16. September bis 15. Oktober wird zunächst das Material der Armee (Pionier-, Lazarett- und Bureaumaterial, Munition, Automobile und dergleichen) und dann das Material der Regimenter (Bekleidung, Ausrüstung, Wagenmaterial, Telephonmaterial, Bibliotheken, Kasino- und Küchenmaterial und dergleichen) sowie die Bespannung abtransportiert. Als Begleitmannschaften werden diesen Materialtransporten kleinere Abteilungen der in Koblenz liegenden Jnsanterieregi- menter 23 und 151 beigegeben. Vom 16. Oktober bis 30. November werden die Truppenteile selbst abtransportiert. Der Abtransport im einzelnen ist noch genau festzusetzen; fest steht nur, daß das 23. und 151. Infanterieregiment in ihren Hauptteilen in der Zeit vom 15. bis 19. Oktober Koblenz verlassen werden.
Hinsichtlich der Räumungstermine für die dritte Zone sind vom französischen Kriegsministerium noch keine Be- fehle erlassen worden. Die Befehle sind erst nach der Nati- fizierung des Young-Planes zu erwarten.
Chinesischer Protest gegen angebliche russische Repressalien.
Nanking. Der chinesische AußenministerWaug hat. durch Vermittlung der deutschen Regierung nachdrücklichen Protest gegen die Verhaftung von tausend Chinesen durch die Sowret- uniou erhoben. Die Maßnahme der Sowjetregierung soll angeblich eine Wiedervergeltung für die Gewalttaten fein, bte den chinesischen Behörden zur Last gelegt werden. Minister Wang fordert die sofortige Freilassung der Verhafteten und ersucht die deutsche Regierung, sich inzwischen der in Sowjet- rußland gefangengehaltenen chinesischen Bürger anzWehnwn,