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Hersfel-erTageblatt

Hersfelöer Kreisblatt 1*20 Reichsmark ^el ft^eier MteLm-g,^r Rbboter I r r 1 Reichs-Maek.»druck und Verlag von LuSrolg ;

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mit den Beilagen: Illustriertes AviechallvagSblatt / Nach FeiersbesS / Hsrv und Scholle / AuterbaltAug oaö Wisse» Belehrung und Kurrweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.

MonatllcherSezugsprekr durch öle Post bezogen 1.50 Reichs-Mach ausschlirZlich vrstcLgrld, für hersfelS 1-20 Reichs-Mark bei freier Zustellmeg, Dr Abholer 1*00 Reichs-Mark.« druck und Verlag von Luswig Zunks vuchöruckerei in Hersfelö, Mitglied des VdZV.

Nr. 282 Montag, Sev 2. Dezember §929 79. Jahrgang

Die zweite Zone frei

Weiten Rhemtaudzone.

Die Trikolore aus dem Ehrenbreitstein niedergeholt.

Die französische Flagge auf dem Ehrenbreitstein ist am Sonnabend vormittag 11.15 Uhr unter großen Fewr- lichkciten niedergeholt worden. Anwesend waren der Präsident der Interalliierten Rheinlandkommission, die beiden Ober-kommissare und ein französischer General. Eine Ehrenkompanie leistete die Ehrenbezeugungen.

Nah dem Niederholen der französischen Flagge auf dem Ekrerrdrsilsteln marschierten die Truvven nach dem

Der neue Regierungspräsident in Koblenz

ist der Vizepräsident beim dortigen Oberpräsidium, von Sybel, dem zunächst die kommissarische Verwaltung der Regierungspräsidentenstelle übertragen wurde. Er ist ein Enkel des bekannten Geschichtschreibers gleichen Namens.

MvselMtkröahnhof, wo sie in bereitstehende Züge verladen Wurden. Um 12.55 Uhr setzte sich der Trupp-ntra,-Sport nach Metz hin in Bewegung. Später folgte eine Auto­kolonne von 60 Wagen auf dem Wege nach Marnz. Der Abmarsch der franzöfischr-l Truppen vollzog sich in voller Ruhe. Es waren nur wenige Neugierige zugegen.

Die zweite Zone umfaßt an wichtigen Städten: Kob­lenz, Aachen, Stolberg, Eschweiler, Düren, Euskrrchen, Geilenkirchen, Heinsberg, Erkelenz, Jülich, Mouschau und Schreiben Die Bevölkerung der zweiten Zone beobachtete die' letzten Vorbereitungen zum Abmarsch mit besonderer Genugtuung. Was der Abzug der Besatzung für das be­freite Gebiet bedeutet, davon sollen einige Zahlen für die Stadt Aachen einen Anhalt geben. Die Höchstzahl der Truppenstärke betrug in Aachen etwa 9000 Mann; der Durchschnitt in den letzten Jahren etwa 4000. Die Hochst- Hffer der beschlagnahmten Räume belief sich auf ungefähr 2750, dazu kamen noch mehr als 1000 Privatquartiere, "sm ganzen sind der Stadt Aachen 31 Millionen Reichi,- mark Besatzungskosten entstanden. Die Bilanz der Be­setzungszeit verzeichnet 23 Tote, die 17 Witwen mit 26 unmündigen Kindern Unterlassen. Auch bie Ausweisung von 334 Beamten und Angestellten mit ihren Familien steht in trüber -Erinnerung.

Eme KundgeSung des Oberpkäsidenien.

tig und eindrucksvoll wie ein Dankgebet drang die erste Strophe des LiedesGr o ßer Gott, wir loben dich" zum nächtlichen Himmel empor, und wieder trat tiefes Schweigen ein, als Oberbürgermeister Dr. Russell das Wort zu seiner Befreiungsansprache nahm.

Nach ihm sprach Reichsminister von Guörard, der der befreiten Bevölkerung die Grüße der Reichsregierung überbrachte und der in seiner Rede des Reichsaußen­ministers Dr. Stresemann, desWegbereiters deutscher Freiheit", gedachte. Der Minister schloß seine Aus­führungen:

Der Glaube an des ungeteilten Deutschlands Zukunft wurzelt in unser aller Herz. Für dieses Deutschland zu wirken in Freiheit ist unsere stolze Aufgabe. Wir wissen, daß diese Freiheit noch keine schrankenlose ist, aber wir werden erstreben, daß auf dem Weg der Verständigung Recht geschaffen wird, das getragen ist von dem Gedanken ehrlicher Rechtsgleichheit. Wir wissen auch, daß erst nach der Sonnenwende des nächsten Jahres unsere Brüder und Schwestern der dritten Zone uns in Freiheit die Hände reichen können. Aber der Tag steht fest. Wir wissen, daß um die deutsche Saar noch gerungen wird Den Volksgenossen der noch besetzten Gebiete, den Volks­genossen an der Saar gilt unser Gruß, gilt der Gruß der deutschen Reichsregierung. Wir gehen der neuen Zeit der Freiheit nicht ohne Sorge entgegen. Wirtschaftsnot drückt uns als Folge des verlorenen .Krieges. Des Reiches helfende Hand muß eingreifen in West und in Ost. Daß ich dafür ein- stehen werde, dafür bürgt Ihnen meine Vergangenheit, meine Gegenwart heute in Ihrer Mitte. Lassen Sie mich schließen mit dem grüßenden Wunsch: Gott grüße rheinisches Land!

BeethovensDie Himmel rühmen des Ewigen Ehre", vorgetragen von rund 700 Mitgliedern des Mittelrheini­schen Sängerbundes, schloß die würdige Feier.

In Aachen sprachen Oberbürgermeister Rombach und Reichsminister Dr. Wirth, der zu treuer Zu­sammenarbeit aufforderte. Dr. H i r t s i e f e r begrüßte namens der preußischen Staatsregierung die befreite Stadt.

An den Reichspräsidenten sandten die verschiedenen Städte der zweiten Z«»e h». t z i a^e Lle^urnoe» 7------ Der zweite Tag der Koblenzer Befreiungsfeier.

Nach der eindrucksvollen Feier am Deutschen Eck war der Sonntag dem Dank an diejenigen gewidmet, die zur Überwindung der schweren Jahre der Besetzung in erster Linie beigetragen haben. Besonders eindrucksvoll ver­lief der Festakt im Großen Saale der Stadthalle. Hier verstand es Oberbürgermeister Dr. Russell meisterhaft, dem tiefen Empfinden seiner Mitbürger gerecht zu werden. Er umritz noch einmal die Leidenszeit, die

alle haben daran seit Jahren ehrlich und mutig mit- gearbeitet. Ich grüße alle Mitarbeiter an diesem herr­lichen Werk. Jcb grüße Koblenz, ich grüße t>ie befreite Zone, ich grüße das ganze Deutschland. .

Zum Schluß sprach Oberpräsident Dr. Fuchs seinen tiefgefühlten Dank für die Verleihung der Ehrenbürger­schaft von Koblenz aus, die er zugleich als eine Ehrung aller derjenigen betrachtete, die in den schweren Jahren der Besatzung mitlitten und -stritten.

Einen würdigen Abschluß der Feier bildete am Abend eine Festvorstellung im Koblenzer Stadttheater, in der Wilhelm Tell" aufgeführt wurde. Bei der offiziellen Aachener Befreiungsfeier

am Sonntag im Aachener Stadttheater hielt Reichs­minister Dr. Wirth die Festrede, die mit der Mahnung schloß: Wir wollen diese Stätte nur verlassen im Bewußt­sein von der großen Gemeinschaft des deutschen Volkes. Frei sein heißt Staatsbürger sein, und mitschaffen in einem von nationalem Bewußtsein durchglühten Staat.

Den ganzen Tag bewegten sich freudiggestimmte Menschenmassen durch die Straßen. Flieger kreuzten über der Stadt, und am Abend wiederholten die Schüler und Schülerinnen der Lehranstalten den Fackelzug, den die Vereine der Stadt in der Befreiungsnacht veranstaltet hatten. Der Abend sah die ganze Stadt in festlicher Be­leuchtung.

Die Befreiungsfeier in Jülich.

Die alte Herzogsstadt Jülich prangte gestern und heute aus Anlaß der Befreiung von elfjähriger Besatzung im bunten Schmuck der Flaggen. Wohlfahrtsminister Hirtsiefer überbrachte die Glückwünsche und den Dank der preußischen Staatsregierung für die treudeutsche Ge­sinnung und das wackere Aushalten der Bevölkerung während der langen Leidenszeit. Nach der offiziellen Feier erfolgte die Besichtigung der im Rathaus vcranstal- teten A u s st e l l u n g, die sämtliches die Besetzung um­fassende Material in sorgfältiger Auswahl zur Schau stellt. Am Sonntag fanden in der katholischen und evan­gelischen Kirche Festgottesdienste statt.

Koblenz in den vergangenen

angenen elf Jahren durchgemacht der festen Zuversicht Ausdruck, daß

hat, gab aber ebenso i , , .

das getreue Zusammen stehen aller Be­völkerungskreise den früheren Wohlstand der Stadt wieder begründen werde. Lebhaften Beifall fand seine Erwähnung des schweren Ruhrkampfes und der siegreich abgewehrten Separatistenbewegung sowie des HuldiguKgstelegramms an den Reichspräsidenten und die Verleihung des Ehrenbürgerrechts der Stadt Koblenz an den verdienten Oberpräsidenten der Rheinprovinz,

Dr. Fuchs.

Auch Kultusminister Dr. Becker, der Gruß und Glückwünsche der Reichsregierung und der preußischen Staatsregierung überbrachte, führte aus: Bei aller be­rechtigten Freude über das Erreichte sollten wir die realen Tatbestände unserer vaterländischen Not nie aus dem Auge verlieren. Das Haus der deutschen Freiheit wird nur langsam wieder errichtet. Von innen heraus wird unser Freiheitshaus gebaut werden. Sie

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Gedenken der treuen rheinischen Bevölkerung.

Auf ein an den Reichspräsidenten gesandtes Tele­gramm des Oberpräsidenten der Rheinprovinz, in dem Hindenburg von der Befreiung der zweiten Zone Mit­teilung gemacht wurde, erwiderte der Reichspräsident:

In der Stunde, da die Räumung der zweiten Zone beendet und diesem Gebiet die Freiheit wiedergegeben ist, gedenke ich in Dankbarkeit der treuen rheinischen Bevölke­rung. Sie hat in den elf Jahren fremder Besatzung schweres Schicksal erduldet, aber die Treue zum Vater­lands in harten Tagen erprobt. Das soll ihr unvergessen bleiben! Allen denen, die im Klänge der Freiheitsglocken sich heute zur Erneuerung ihres Bekenntnisses zum Vater­lande in dem nun befreiten rheinischen Gebiet ver­sammeln. entbiete ich in enger Verbundenheit herzlichste Grüße. Ich verknüpfe damit die Hoffnung, daß auch dem noch besetzten Teil deutschen Landes bald die Stunde der Freiheit schlagen möge.

von Hindenburg, Reichspräsident."

Auch der R e i ch s k a n z l e r hat in einem Telegramm an den Oberpräsidenten der Bevölkerung der befreiten zweiten Zone Dank und Gruß entboten. Auch zahlreiche andere politische Persönlichkeiten haben Glückwunsch­telegramme gesandt. Da auch die Botschafter- konferenz alle Ordonnanzen für die zweite Zone außer Kraft gesetzt hat, so hat das Botschaftsregime dort tatsächlich sein Ende gefunden.

Der Oberpräsident der Rheinprovinz, Dr. Fuchs, hat anläßlich der Befreiung der zweiten Zone eine Kund­gebung erlassen, in der er der Deutschen gedenkt, die noch in dcr'dritten besetzten Zone wohnen, denen er die baldige Stunde der Freiheit wünscht. Er dankt der Reichsregie­rung für die von ihr betriebene Befreiungspolitik und der Bevölkerung für die würdige Haltung, die sie in den langen Jahren der Besetzung gezeigt habe. Die Kund- gebuug schließt: Heute sehen wir die dunkelste Strecke des einst endlos erscheinenden Weges hinter uns. In dieser großen Schicksalsstunde geloben wir, auch weiterhin treu zu Regierung und Volksvertretung zu stehen, sie in ihrer auf restlose Räumung und Rückgabe des Saargebietes gerichteten Politik freiem deutschen L_,.......... -

mung und Ruckgave nes Waargeoreies ( nachdrücklichst zu unterstützen. Nur auf Boden können Frieden und Wohlfahrt

gebe: n.

Die Befreiungsfeiern.

Im Mittelpunkt der eindrucksvollen Vefreiungs- feiern stand die große mitternächtliche Kundgebung am Deutschen Eck in Koblenz. Eine Signalrakete auf dem Neuendorfer Ufer und das Aufleuchten der großen Feuer an Rhein und Mosel, begleitet von dem feierlichen Ge-

an Rhein und Mosel, begleitet von dem feierlichen läut der zahlreichen Kirchenglocken, verkündeten den ginn der Befreiungsstunde. All entblößten die Häupter. Lautlose Stille trat ein, und in tiefem, drei Minuten dauerndem Schweigen durchwanderten die Gedanken der Versammelten- nochmals die schwere Zeit des Krieges und die nicht minder schweren Jahre der Besetzung. Wuch-

eten den Be-

Stidstiio lehnt MMthrenM ab

Es kommt zum SolkMWeid.

Der Reichstag gegen das Volksbegehren.

Berlin, 30. November.

;en über Volks

Der zweite Tag der Auseinanderss begehren und Young-Plan im Reichstag , ein beachtliches Niveau inne, wenn es auch nicht zu aufsehen­erregenden Überraschungen oder Entladungen kommenkonnte. Dazu ist die Sache zu oft und zu breit von allen möglichen Gesichtswinkeln aus betrachtet und bewertet worden.

Der durch feine Bemühungen um eine Sammlung der bürgerlichen Parteien neuerdings in den Vordergrund der politischen Bahn gerückte Volksparteiler von Kardorff lehnte den Gesetzentwurf des Volksbegehrens ab, erteilte aber auch dem Vorgehen der Regierung gegen nicht willfährige Beamte die NoteUngenügend". Die Volkspartei werde ein zweitesmal in dieser Beziehung keine Duldung üben.

Reichsinnenminister Severing betonte gegenüber Kar­dorff, die Regierung halte ihre Maßnahme für durchaus

Er zerpflückte besonders den nach seiner Meinung offen­kundigen Terror der Gegner des Volksbegehrens, zu dem auf seiner, des Redners, Seite nichts Ebenbürtiges gefunden worden sei. Die Linke lachte, die Rechte spendete Applaus.

Mit Häkeleien über die Abstimmungsform verging einige Zeit, bis endlich die Urnen hervorgeholt wurden. Schließlich erleiden alle Paragraphen bis auf "" Überschrift des Gesetzes das Schickst Gesetz ist somit im ganzen gefallen. Das h genug getan und will "sich am Montag W'

hervorgeholt wurden. Schließlich bis auf die Einleitung und die

>al der Ablehnung. Das Haus hat für heute vieder versammeln, io.

Reichsinnenminister Severing betonte gegenüber Kar­dorff, die Regierung halte ihre Maßnahme für durchaus gerecht und nehme auch heute kein Jota zurück. Dr. Brett- scheid von den Sozialdemokraten stieß abermals gegen den Volksbegehrensführer Dr. Hugenberg vor.

Bei der längeren Verteidigungsrede des Deutschnationalen Dr. Everling gab es mancherlei die Ermüdungsanzeichen des Wochenendes durchbrechende Anregungen zu Widerspruch und Heiterkeit, wenn die Zuhörer je nach Temperament oder poli­tischer Färbung seinen Florettstößen entfbrecöenb sekundierten.

Sitzungsbericht.

(105. Sitzung.) 08. Berlin, 30. November.

Bei der zweiten Beratung über den Gesetzentwurf des Volksbegehrens findet noch einmal über § 1 eine allgemeine Aussprache statt. Dieser Paragraph lautet:

Die Reichsregierung hat den auswärtigen Mächten unverzüglich in feierlicher Form Kenntnis davon zu geben, daß das erzwungene Kriegsschuldbekenntnis des Versailler Vertrages der geschichtlichen Wahrheit widerspricht, aus falschen Voraussetzungen beruht und völkerrechtlich unver­bindlich ist."

Als erste Diskussionsrednerin erhielt das Wort

Abg. Frau Lehmann-Berlin (Dtn.): Nur in der höchsten Notlage könne man zu dem letzten Mittel des Volksbegehrens greifen. Der Reichsausschuß für das Volksbegehren habe sich das auch reiflich überdacht. Trotz der gegebenen Zahlen sei der