HersfelöerTageblatt
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Nr. 5
Dienstag, den 7. Januar 1930
80. Jahrgang
Tscherwonzen und Gel
Der Prozeß gegen die
Lscherwonzenfälscher.
Ein Riesenmünzverbrechen.
,,. . . und Mars regiert die Stunde." Dieses Wort in Schillers „Wallenstein" ist zwar der Gegenwart noch längst nicht zur Vergangenheit geworden, nur wird der Kriegsgott oft selbst trotz seiner Robustheit von heimlichen, aber starken Fäden gelenkt. So sehr, daß man mit viel größerer Berechtigung sagen kann: „Das — Ol regiert die Stunde"
Wie sehr, das wird wohl in großen Strichen der gerade jetzt in Berlin beginnende „Tscherwonzen- fäl scher" -Prozeß nicht mehr enthüllen, wohl aber deutlich genug zeigen. Denn von den Angeklagten, die beschuldigt werden, russische Banknoten in Riesen müssen gefälscht zu haben, wird die Beweisführung versucht werden, daß es sich dabei um eine politische Tat handele. Gelingt ihnen das, so fällt die schon lange zurückliegende Notenfälschung unter die inzwischen erlassenen Amnestien. Aber viel mehr interessieren hier die politischen Zusammenhänge, die Personen, die dabei mitspielen, und die wirtschaftlichen Hintergründe des vielfach sich durchkreuzenden politischen Spiels.
Da sind zunächst die eigentlichenAnqeklag- 1 e n , kaukasische Emigranten, die die Heimat an die Moskauer Sowjetregierung verloren haben und seitdem das schwere Schicksal politischer Flüchtlinge tragen. Nur knirschend tragen und jedes Mittel billigen, anwenden, das geeignet ist, ihnen den Weg in die Heimat und zur Rettung der Heimat aus Sowjethänden zu öffnen. Für sie ist der Bolschewismus, der sie aus der Macht jagte, einfach d e r Feind. Ihn zu vernichten, ist jede Methode zu billigen, die zum Ziel führt. Auch
Aber dieser Kreis der Georgier ist nur Werkzeug. Wird genutzt von Mächtigeren. Von jenen Slmagnaten, denen die Sowjetregierung die Petroleumfelder im K a u k a s u s, vor allem in Baku, ohne jegliche Entschädigung enteignete. Dazu gehört wohl auch Nobel, nach dessen Namen — oder vielmehr nach dem seines viel berühmteren Vaters — die größte Petroleumgesellschaft in Baku genannt wurde. Und die Finger im Spiel hatte vor allem Herr Deterding, der Beherrscher der Royal Dutch Shell Company, jenes riesenhaften englisch-hol- läudisch-persisch-indischen Petroleumkonzerns, der vor einigen Jahren den Kampf, den „Slkrieg", sogar mit dem amerikanischen Riesentrust Rockesellers, des „Petroleum- königs", aufnahm. Auch hier spielten die kaukasischen Ol- seider Sowjetrußlands die entscheidende Rolle: Deterding wollte die Russen Niederkämpfen, weil diese sich nach wie vor weigerten, auch nur die geringste Entschädigung an die früheren Besitzer zu zahlen. Da haben die Amerikaner bald nicht mehr mitgemacht, akkordierten mit der Sowjetregierung, die ihrerseits außerdem zu kräftigen, wirtschaft- liw erfolgreichen Gegenmaßnahmen griff. Bis dann — »wer großen Verlusten für Herrn Deterding, der übrigens m-t zu den reichsten Männern der Welt zählt — die Streit- an allgemein begraben wurde, sich jetzt ja schließlich auch das offizielle England wieder mit Moskau vertrug.
Und noch von dritter Seite her wurden Fäden — diesmal politischer Art — in das Gewebe hineingeflochten. Der Name des deutschen Generals Hoffmann taucht auf, des bekannten Mitarbeiters Hindenburgs und Ludendorffs an der Ostfront während des Weltkrieges, deutscher Friedensunterhändler in Brest-Litowsk 1918, wo er die ersten Verhandlungen mit den Bolschewisten mit dem berühmten Fan st schlag beendete, der den neuen Kamps gegen Sowjetrußland wieder entbrennen ließ. Für ihn blieb auch in den Jahren hernach der Bolschewismus der Feind jeder Kultur, des Mittel- und Westeuropas; sein Buch „Das rote Moskau" wurde die Programmschrift für die Bekämpfung des Kommunismus.
Er fand die Verbindung oder man suchte die Verbindung mir ihm aus jenen anderen beiden Kreisen her, — doch er ist tot und sein Zeugnis, das vielleicht das interessanteste geworden wäre, fehlt vor dem Gericht. Und deshalb wird es Wohl auch nicht mehr aufzuklären fein, welche Rolle eigentlich dieser frühere preußische General in dieser großen Aktion gegen Moskau spielen sollte, ob eine militärische . 7.? Er selbst hat das noch bestritten, als die aufsehenerregenden Enthüllungen über dieses ganze Gewebe bekannt wurden. Er hat aber nie ein Hehl aus seiner Gesinnung gemacht.
Sl ist eben „ein ganz besonderer Saft" heutzutage, da es die Konkurrenz mit der früheren wirtschaftlichen Weltbeherrscherin, der Steinkohle, siegreich durchgeführt . hat. Da es mit zum wichtigsten Faktor in der Weltwirtschaft und beim Kampf um sie geworden ist.
Die Gerichtsverhandlung.
Berlin-Moabit. Großer Andrang in dem Saale, in dem gegen die Tscherwonzenfälscher verhandelt wird. Sieben Personen, die des Münzverbrechens, der Beihilfe dazu, des Betruges, der Urkundenfälschung usw. beschuldigt sind, sitzen aus der Anklagebank. Das Verfahren gegen zwei andere muß abgetrennt werden, weil der eine von ihnen, der Buchdruckerei-
besser S ch netver, nicht erschienen ist, und der andere nur von diesem Schneider belastet wird. Unter den sieben, die zur Stelle sind, befinden sich die Georgier Basilius Sada - tierafchwili und C alw a Karumidse. Die anderen Angeklagten sind die Ingenieure Dr. Leonhard Becker und Dr. E u g e n W e b e r aus München, der Kaufmann W i I» Helm Schmidt aus Nürnberg, der Buchhändler Karl
Bohle aus Frankfurt a. M. und der Elektroingenieur Georg Bell aus München. Der Georgier mit dem schwierigen Namen Sadatieraschwili sitzt seit mehr als 27 Monaten in Untersuchungshaft; er spricht deutsch, während zur Unterstützung seines Landsmannes Karumidse ein russischer Dolmetscher erschienen ist, der aber so mangelhaft übersetzt, daß das Gericht die Hinzuziehung eines zweiten Dolmetschers be- ~ „ Von den Verteidigern der in München wohnhaften mgeklaglen wurde
it.
die Zuständigkeit dieses Gerichtes bestritten.
Sie legten dar, daß der Hauptteil der Straftaten sich in Bayern abgespielt habe und daß daher in Bayern verhandelt werden müßte. Das Gericht lehnte jedoch die dahingehenden Anträge der Verteidigung ab und begann mit der Vernehmung der Angeklagten. Schwierig und langwierig gestaltete sich die Vernehmung des Angeklagten K a r u m i d s e. Er hat, nach seinen Angaben, die Schule in Tiflis und die Universität in Moskau besucht und war dann elf Jahre Geschichtslehrer in Moskau. Während des Krieges war er Mitglied eines Ausschusses von zehn unterdrückten Rationen, der im Auslande Propaganda trieb. Nach dem Kriege wurde Georgien selbständig, und Karumidse wurde
■ Mitglied des Nationalrates
und des ersten georgischen Parlaments. Nacki der 1921 er»
Der Versich zur KrlesserlediWU , Mission. Niemals mehr darf iraendeine
Annäherung,m Haag?
B c s p r e ch u n g e n d e r M i n ist e r.
Die gegenwärtig in der holländischen Residenz tagende zweite Haager Konferenz stellt bekanntlich nach allseitiger Angabe den Versuch einer vollständigen Liquidation des Weltkrieges, d. h. der Erledigung und Bereinigung der zwischen den Mächten noch schwebenden strittigen Fragen vor. Im Vordergründe steht dabei selbstverständlich die
Auseinandersetzung zwischen Deutschland und feinen ehemaligen Gegnern.
gemäßen Verpflichtungsfestsetzung.
Amerikas bezüglü"
Diese Aufgabe umspannt vor allen Dingen die Ersetzung des aus dem Versailler Diktat resultierenden Dawes- Planes durch den neu formulierten Avung-Plan, die Regelung der deutschen Zahlungsverpflichtungen und die Schaffung der Internationalen Bank. Am Sonntag fanden bereits zwischen den deutschen Ministerdelegierten und den hauptsächlichsten Gegenspielern, den französischen Ministern Tardieu und Briand, private Besprechungen statt, aus denen man eine wesentliche Annäherung in bezug auf die in letzter Zeit wieder so oft genannten französischen Sanktionsforderungen zu folgern glaubt. Die französische Propaganda hatte sich wieder lebhaft damit beschäftigt, wie denn Deutschland etwa dazu angehalten werden solle, seine Versprechungen aus dem Uoung-Plan auch wirklich innezuhalten, wenn etwa die Deutschen zu irgendeiner Zeit nicht mehr den guten Willen dazu zeigen würden. Aber sowohl Briand wie auch Tardieu deuteten an, daß von ernsthaften Sanktionen im Sinne etwa des berüchtigten Ruhreinfalls nicht die Rede sein könne, sondern nur von einer ordnungs- . " " ? . Der Entschluß „ „ , seines Sonderabkommens mit Deutschland, sich zu begnügen mit der Erwartung von
„Treu und Glauben" auf deutscher Seite, dürfte auf die französische Sinnesänderung von erheblichem Einfluß gewesen sein und die Pariser Hartnäckigkeit, die auch diesmal wieder die Traditionen eines Poincaro und eines Clömenccau fortzusetzen gedachte, gemildert haben.
Die sechs einladenden Machte
mit Einschluß Deutschlands verunstalteten Montag eine sich über mehrere Stunden erstreckende Sitzung, die ausschließlich der Frage der Festsetzung der Zahlungstermine für Deutschland galt. Die deutsche Auffassung ging von vornherein dahin, daß für die Zahlungen ausschließlich der Monatsschluß in Frage komme. Von der entgegengesetzten Seite wurde zum Teil der 1. jedes Monats, zum Teil der 15. verlangt. Die Termine sind wesentlich, denn sie bedeuten eine größere oder geringere Zinsenbelastung der Deutschen. Die Erörterungen in der Ministersitzung wurden noch nicht abgeschlossen und dürften noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Gleichzeitig wurde der Gesamtkomplex der Finanzregelung, der sehr schwieriger Natur ist und wobei auch die Meinung der deutschen Sachverständigen ausführlich ins Gewicht fällt, besprochen.
Jedenfalls steht die deutsche Delegation auf dem Standpunkt, es könne nach Annahme des Voung-Planes keinerlei Bezug mehr auf § 430 des Versailler Vertrages stattfinden. Dieser Paragraph gab den Franzosen seinerzeit den Anlaß sowohl zum Einfall in das Ruhrgebiet wie zur Ausdehnung der Befugnisse einer Reparationskom-
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Mund auch in anderen Staalen Änschluß an Kreise die de Bere^ wollten. Um die
e m i an dern' suchte er nach Geldmitteln, die er ~iu auch bekam, und zwar von Stellen deren Sinniert "Nicht nennen will. Dann ist er ausden Gedanken der uug russtscher Tscherwonzennoten gekommen. Er wollte Sowjetrußland mit diesen Noten überschwemmen und babitrch Wuf^»^6^^ Georgien beseitigen. Man wollte einen Aufstand gegen die Sowjetregierung betreiben und Mittel für ^rVh^^ Durchhalten dieses Aufstandes fallen Rown wlUen " '" &U ^ bekommen. Die
r suchte Kreise, die die m fördern, suchte"ei^ die
nicht in Deutschland gedruckt werden, hier sollten nur die technischen Vorbereitungen getroffen wer- nwMiAnif S?c§ a,6er doch Zu einem umfangreichen Probedruck: "Löblich sollten aber auch die hierbei angefertigten Roten nicht in Deutschland verbreitet werden. 1
den anwesenden Vertreter des "“Ves, ob nicht Interessen des Deutsche »vürden. Der Vertreter des Auswärtik
Bei den Erzählungen Karumidses fragte der Vorsitzende den anwesenden Vertreter des A u s w ä r i > mü^tV' S "'N Interessen des Deutschen Reiches geschndig Auswärtigen Amtes erklärte: EnnN"^ Georgien als unabhängigen Staat nicht am
m Sm übrigen entlastet Karumidse im Gegensatz zu seinen Aussagen in der Voruntersuchung jetzt die deutschen Ange- nagten.
.Oberstaatsanwalt Tetzlaff: Was ist aus den falschen Tscherwonzen geworden und welchen Erlös halten Sie davon?
Karumidse: Der Erfolg war nur, daß die Tscheka das Auftauchen gefälschter Tscherwonzen in Rußland feststellte. Einen Erlös hatte ich überhaupt nicht, denn das Geld war für politische Arbeiten bestimmt.
~ Ach Dienstag soll der zweite georgische Angeklagte Sadatieraschwili vernommen werden.
Mission. Niemals mehr darf irgendeine französische Regierung, falls sie etwa anderer Meinung ist wie die deutsche, auf den Gedanken kommen, ihre Ansichten mit
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Taröieu fordert Vereinfachung.
Der im Haag anwesende französische Ministerpräsident Tardieu soll in bemerkenswerter Weise, wie die Pariser Presse mitteilt, auf eine Vereinfachung der Verbandlungen hinwirken. Tardieu hat danach erklärt, er sei kaum nach Beginn der Verhandlungen bestürzt über die Menge von Wertlosigkeiten, mit denen sich die internationale Politik den Weg versperre. Wenn die gegenwärtige Politik sich nicht auf andere Methoden besinne, so entstehe die Gefahr, daß man sich mehr und mehr der R e ch t s v e r d r e h u n g z u w e n d e Man ertrinke in einer Sintflut von Worten, anstatt sich zu einigen.
Diese Erklärung läßt sich wohl unterschreiben und fällt auch mit der deutschen Ansicht, zur Verbindlichkeitserklärung des Aoung-Planes genüge die Unterschrift der sechs einladenden Großstaaten, während die neuerdings ihre Mitwirkung fordernden kleinen Staaten ihre Streitigkeiten untereinander regeln könnten, zusammen. Die anderen Großmächte sind gleicher Meinung. Tardieus Vereinfachungsprogramm tritt auch darin hervor, daß man sich jetzt zur Hauptsache über fünf oder sechs Punkte geeinigt haben soll, deren Erledigung den Erfolg der Konferenz bedeuten würde. Diese Punkte sind: die Festsetzung der deutschen Zahlungstermine, die Gewährleistung der deutschen Markwährung, das deutsch-amerikanische Abkommen, die Erledigung der Vergangenheit, die Internationale Bank, die deutschen Sicherheiten, bestehend in der Rentabilität der Reichsbank usw. Die als- baldige Räumung der dritten Rheinlandzone ist selbstverständlich vorauszusetzen.
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Die Ostreparaiionen.
Bei den gleichfalls Montag fortgesetzten Beratungen des Ausschusses für die Ostreparaiionen gab der österreichische Bundeskanzler Schober eine Erklärung ab, in der er feststellte, daß seine Verhandlungen mit den anderen Staaten während der beiden letzten Tage ohne Erfolg geblieben feien. Österreich, wo jeder Schilling, der aus der Bevölkerung herausgezogen werde, zur dlufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung und zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage verwendet werden müsse, sei nicht imstande, die von ihm geforderten Zahlungen zu leisten. B e n e s ch (Tschechoslowakei), M r o z o w s k i (Jugoslawien) und Mironescu (Rumänien) erklärten darauf, daß sie trotz dieser Erklärung des österreichischen Bundeskanzlers zuversichtlich seien und unsere Verband- lungen vorjchlngen.
Danziger Reparationen im Haag.
7 Danzig. Die im Haag im Zug befindlichen Bemühungen zur Gesamtbereinigung aller noch unerledigten Reparations- sragen der verschiedenen Schuldnermächte haben Danzig Veranlassung gegeben, sich mit einer Delegation einzufinden. Diese Delegation nimmt zwar an den offiziellen Verhandlungen nicht teil, da Danzig diplomatisch durch Polen vertreten ist ist aber im Einvernehmen mit Polen bemüht, bei dem allgemeinen Schuldenbereinigen auch für die Danziger Re- parations- und Gründungsschulden Regelung zu erreichen. Es handelt sich dabei um mehr als 160 Millionen Mark. Die Bemühungen Danzigs scheinen von Polen unterstützt zu werden.